Die Jugend-Pferdezeitschrift im Netz
Wenn man sich ein Pferd kauft, braucht
man Zeit, um sorgfältig auszuwählen,
denn schließlich weiß man, was man will,
nämlich? Richtig, ein schönes Pferd!
Oder doch zumindestens ein Pferd, zu
dem man eine gute Geschichte erzählen
kann, wie zum Beispiel: Мein Pferd
kommt direkt von der Rennbahn.
Еr wurde frisch aus Amerika importiert.
Oder auch: Мein Pferd kann sprechen.
Kurz gesagt: Ein Pferd, mit dem man
angeben kann und um das einen andere
Reiter beneiden.
Um so ein Pferd zu finden, braucht man im Vorfeld wie gesagt viel Zeit, doch dafür geht der Kauf umso schneller, denn wie man aus Gesprächen mit Reitern entnehmen kann, sind Dinge wie ausführliches Probereiten oder gar eine Ankaufsuntersuchung völlig unnötig. Auf die Frage, warum gerade dieses Pferd gekauft wurde, hört man immer wieder dasselbe: Sie hat mich sooooo lieb angeschaut, mit diesen schönen Augen... was für eine Frage, schau dir doch nur mal diese prachtvolle Mähne an...
Na, dann ist ja wohl alles klar! Gut, es kann einem natürlich passieren, dass man mit so einem Pferd doch gewisse Probleme bekommt, also es könnte ja zum Beispiel sein, dass man dieses Pferd im Endeffekt gar nicht reiten kann, aber was soll`s, mit solchen Kleinigkeiten muss man fertig werden - und wenn es eben nur auf der Weide stehen kann, dann sieht auf der ganzen Weide zumindestens kein Pferd so gut aus wie eben dieses.
Vielleicht handelt es sich sogar um ein extrem menschenfeindliches und aggressives Pferd, doch auch hier sollte man sich keine Gedanken machen, sondern lieber das Positive sehen - denn während es mit dem Wunsch in den Augen, einen Kampf zu gewinnen, auf einen losstürzt, kommt vielleicht die prachtvolle Mähne besonders gut zur Geltung...
Viele Einsatzmöglichkeiten
Dies mag sich jetzt für manchen unsinnig anhören; und eventuell kommen einem Gedanken wie: Was nutzt mir denn so ein schönes Pferd, wenn ich nicht einfach unkompliziert und mit Freude reiten kann? Doch all diesen sei gesagt: Reiten ist doch nun wirklich nicht das Wichtigste, es gibt doch unzählige andere Möglichkeiten! Man kann so ein schönes Pferd zum Beispiel wunderbar putzen: Sofern es sich zufällig, man weiß es ja vorher nicht, lieb anbinden lässt, kann man so ein Tier stundenlang striegeln und wienern und mit einem weichen Tuch auf Hochglanz polieren. Gut, das Pferd findet so etwas natürlich tödlich langweilig, sinnvoll ist es auch nicht, Bewegung und Beschäftigung hat es dadurch nicht, und wenn es zurück auf die Weide kommt, lachen die anderen Pferde immer..., aber man kann sich ausgiebig mit seinem Pferd beschäftigen und man hat die Chance, dass während dieser Zeit viele andere Reiter die Stallgasse passieren, einen Moment verweilen und die außergewöhnliche Schönheit des Pferdes bewundern.
Selbstverständlich ist es nicht die Regel, dass man Pferde, die man auf solche Art und Weise erstanden hat, gar nicht reiten kann, manchmal kann man sie eben nur nicht ganz so gut reiten; und dann sieht man oft, wie Reiter sich mit ihren schicken Pferden sogar ins Gelände wagen und erst vor der ersten Galopp-Strecke panisch vom Pferd springen. Den Rest des Weges führen sie das Pferd dann lieber, aber gesetzt den Fall, man hat sich farblich passend zu Pferd und Satteldecke gekleidet, sieht auch dies wieder recht gut aus und ist auch gar kein Grund, einmal über einen guten Ausbilder oder Reitunterricht nachzudenken.
Warum also ein gut ausgebildetes, liebes, verlässliches Pferd kaufen, wenn es nur durchschnittlich aussieht? Schließlich darf man ja auch den allergrößten Vorteil von so auffallend schönen Pferden nicht vergessen: Wenn nämlich alle Umstehenden auf das Pferd achten, fällt ihnen gar nicht so schnell auf, dass derjenige, der draufsitzt, eigentlich nicht reiten kann ...
Katinka Schnitker
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