Die Jugend-Pferdezeitschrift im Netz
Achtung, Eiszeit!
Es soll ja Leute geben, die bei Minustemperaturen ein Grablicht unter einen erhöht stehenden Eisenkessel stellen, damit das Wasser nicht einfriert. Rein theoretisch geht das – bis das Grablicht umfällt. Dann gibt es entweder einen Brand, oder das Grablicht erlischt und das Wasser friert ein.
Ähnlich ist es mit den „Praktiker-Theorien“, eine Petroleumlampe in ein vorher gegrabenes Loch zu stellen, Wasserbottich drüber... Das sollte man auch am besten stündlich kontrollieren.
Die nächste Theorie folgt dem Gedanken,
die Pferde hauchen sich Löcher ins Eis –
geht bis einige Grade unter Null, dann ist
der Bottich total zugefroren, und dass
Pferde im Winter eigentlich kein Wasser
brauchen, notfalls ja Schnee fressen
könnten, hat sich auch als Fehlinformation
herausgestellt. Und auch das Tränkwasser
mit Salz zu versetzen, ist keine gute Idee...
Also muss man entweder Wasser schleppen
oder eine heizbare Tränke installieren.
Wer schleppt schon gern Wasser...
Manchmal lässt es sich aber wirklich nicht vermeiden. Entweder sind die Kosten für die Installation einer elektrisch beheizten Tränke zu groß oder die Tränkstelle liegt so unglücklich, dass beim besten Willen kein Strom hin kommt.
Da hilft nur schleppen.
Das sollte man aber möglichst ökonomisch tun, und das bedeutet jeweils zwei Wasserbehälter gleichzeitig zu tragen, also einen in jeder Hand, sonst wird man schief.
Am angenehmsten tragen sich nicht Eimer, wie man es oft sieht, denn erstens neigen sie dazu, überzuschwappen, und zweitens ist der
Tragegriff mittig im Eimer so weit vom
Körper entfernt, dass das Tragen unnötig
Kraft kostet. Auch bei nur 10 l Wasser
macht sich das über einen längeren Weg
oder zehn mal getragen bemerkbar.
Besser sind entweder schmale Kanister
oder einfache Gießkannen aus dem Garten,
die zudem den Vorteil haben, dass man
zwei gleichzeitig in den Bottich ausgießen
kann.
Der Bottich darf nicht aus einfachem
Kunststoff sein, denn der platzt bei
großer Kälte. Emailliertes Metall oder lebensmittelechte Kunststoffbottiche, wie man sie im Fleischerhandel bekommt, sind besser.
Die schwarzen Maurerbottiche, die man allenthalben sieht, dünsten Gifte aus, die auf die Dauer zu organischen Schäden bei Pferden führen können. Also lieber ein paar Euro mehr für lebensmittelechte Tränkgefäße.
Heizkabel – die kleine Lösung
Wer eine Steckdose in der Nähe des Wasserhahns hat, kann sich mit Heizkabeln behelfen.
Diese elektrisch beheizten Kabel befestigt man mit Isolierband an der Wasserzuführung zur Tränke. Das kann bei einer fest installierten Tränke ein Rohr sein, bei einem Bottich im Offenstall ist es meistens ein ganz normaler Wasserschlauch.
Am Ende dieses Heizkabels befindet sich ein Thermostat, das bei +3° Außentemperatur automatisch anspringt und das Kabel beheizt. So friert der Wasserzulauf nicht zu und man kann aus einem (hoffentlich) frostfreien Wasserhahn ständig Wasser nachlaufen lassen.
Da die meisten Pferde sich im Winter etwas langweilen, sollte man das Heizkabel in dem für die Pferde zugänglichen Bereich schützen, indem man es mit einem Schaumstoffschutz ummantelt, wie man ihn für verzinkte Wasserrohre auch im Hausbereich benutzt. Darüber sollte man ein Kunstoffrohr legen, so dass kein Anreiz zum Knabbern besteht.
Ein Vorteil dieser preiswerten Lösung ist auch noch, dass man mit einem Kabel möglicherweise Tränkbehälter in verschiedenen Ställen füllen kann.
Beheizbare Selbsttränken
Sie sind natürlich das non plus ultra – aber sie haben auch ihren Preis und den allerdings kleinen Nachteil, dass sie an einer Stelle fest installiert sein müssen. Hat man also einen Pferdebestand, der nicht aus einer fest gefügten Herde besteht, sondern bei dem die Pferde auf einzelne Paddocks oder gar in Boxen verteilt sind, ist der Kostenaufwand enorm. Wenn die Tränken allerdings von vielen Tieren benutzt werden können, rechnet sich das.
Moderne Selbsttränken haben einen ständig gleich bleibenden Wasserspiegel, der durch eine Art „Wiegebalken“ gehalten wird, der auf der einen Seite der Trinkschüssel steht und auf der anderen Seite ein Gegengewicht trägt.
Trinkt jetzt ein Pferd, kommt das System aus dem Gleichgewicht, der „Wiegebalken“ neigt sich und das Wasserventil wird geöffnet. Nun wird die Wasserschüssel so lange mit Wasser gefüllt, bis der „Wiegebalken“ wieder im Gleichgewicht ist. Dann schließt das Ventil automatisch.
Durch Verschieben des Gleichgewichts kann man die Füllhöhe der Trinkschüssel einstellen. Optimal ist eine Fassungsmenge um die drei Liter.
Das bedeutet, dass das Pferd nicht wie bei den älteren Selbsttränken eine Art metallener Zunge mit der Nase betätigen muss, was zum einen ein zischendes Geräusch erzeugt und zum anderen gerade in großer Kälte doch unangenehm ist.
Wichtig ist, dass die Selbsttränke einen mit der Hand zu bedienenden Hebel hat, mit dem man den Wassernachlauf abstellen kann. Denn es kann immer sein, dass ein Pferd nach dem Reiten viel Durst hat, aber noch zu heiß ist, um so viel saufen zu dürfen, wie es im Moment gern möchte.
Diese Selbsttränken sitzen auf einem Betonsockel, dessen Höhe man selbst bestimmen kann. Man sollte die Trinkschüssel relativ tief am Boden installieren, da dies der normalen Fress- und Saufhaltung der Pferde entspricht – schließlich sind sie keine Giraffen.
Die Wasserzuleitung zur Selbsttränke muss allerdings auch frostsicher sein, womit man wieder auf die Heizkabel kommt und wodurch sich ergibt, dass der Preis für die Selbsttränke allein noch lange nicht der Gesamtpreis ist.
Der Gesamtpreis ist hoch, aber er lohnt sich, denn solche Tränken sind ja nicht nur im Winter verwendbar. Sie werden bei guten Herstellern aus frostsicherem, ja sogar edlen Material wie Flugzeugbau-Aluminium oder Edelstahl hergestellt, sind relativ schlagsicher und sogar noch formschön.
Der Energieverbrauch ist relativ gering, weil sie durch Thermostate gesteuert werden.
Wie gesagt – nicht billig, aber ist Wasser schleppen billig...?
Uta Over
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