Die Jugend-Pferdezeitschrift im Netz

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* Verfressener Haflinger

Ich habe seit einem Jahr ein ‘’Pflegepferd’’. Es ist ein 10-jähriger Haflinger. Er lebt auf einem Bauernhof. Ich musste viel mit ihm arbeiten, da er sehr stur ist. Ich bin viel mit ihm in den Wald und habe mit ihm Vertrauensübungen gemacht, z.B ich führte ihn zu Fuß und wir liefen quer durch den Wald, machten Slaloms oder sprangen über Baumstämme, die am Boden lagen. Es lief relativ gut. Momentan arbeite ich daran, dass er besser auf meine Kommandos hört. Wir verstehen uns immer besser. Doch leider kann ich nur ins Gelände mit ihm, wenn er das Mundstück drin hat. Wen ich mit ihm ausreite, dann hat er immer Fressattacken, Ich konzentriere mich auf das Pferd und merke, wenn er fressen will. Doch er ist so gierig. Ich benutze auch eine Gerte, aber auf die reagiert er nicht groß. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Es ist das einzige, was mich stört, und auch unsere Ausritte oder Spaziergänge werden immer mühsamer, aber ich gebe nicht auf. Irgendwie muss es einfach gehen. Aber wie soll ich ihm das beibringen, dass er nicht fressen darf während dem Ausritt/Spaziergang? Gibt es vielleicht eine Methode? Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir helfen könntet.

-> Das Problem ist leider gerade bei eher "verfressenen" Ponys nicht selten!

Leider gibt es keine einfache Lösung - wie du ja schreibst, ist das Pony sehr stur. Grundsätzlich machst du es schon richtig, wenn du aufmerksam bist und rechtzeitig seine Absichten erkennst und ansonsten viel mit ihm arbeitest.

Zwei Tipps können wir dir geben:

1. Du schreibst, dass er auf die Gerte nicht groß reagiert. Daran solltest du arbeiten: Er soll keine Angst vor der Gerte haben, aber doch genug Respekt. Benutze die Gerte, um ihn etwa zum Herumtreten an der Hand zu veranlassen, und bestehe darauf, dass er schon beim ersten Tick reagiert.

2. Beim Ausritt oder Spaziergang stellst du ihm sofort eine Aufgabe, wenn er versucht zu fressen. D.h. du konzentrierst dich nicht darauf, ihn am fressen zu hindern, sondern du verlangst von ihm etwa Schenkelweichen, anhalten und wieder losgehen im mehrfachen Wechsel, Slalom, Volten usw. Wenn du im Sattel sitzt, kannst du in passendem Gelände auch das Tempo erhöhen. Am besten wird er nicht nur dann gefordert, wenn er fressen möchte, sondern grundsättzlich den ganzen Ausritt über mit kurzen Erholungspausen: Dadurch weiß er nie, wann du wieder etwas von ihm verlangst, und muss grundsättzlich aufmerksamer und mehr auf dich konzentriert bleiben.


* Schwierigkeiten bei der Haltungsumstellung

Ich musste mein Pferd leider zum Händler geben, da ich ihn nicht verkaufen konnte und das Geld langsam sehr sehr knapp wird. Mein Pferd stand bis dato immer in einer Paddockbox, jetzt beim Händler steht er in einer Box mit Fenster. Beim Händler hat er jetzt angefangen zu "weben" aber nicht das weben im dem Sinne, dass er seinen Kopf von rechts nach links schwingt, sondern er ist total unruhig und läuft ständig in seiner Box hin und her. Meint ihr das hört auf oder es wird schlimmer? So Verhalten hat er bei uns nur gezeigt, als er in seine Box gesperrt werden musste. Da war er dann total unruhig.
Was meint ihr dazu?

-> In unserer Ausgabe 01/2011 findest du ja einen Artikel über das Weben und Boxenlaufen. Leider können wir dir nicht viel Hoffnung machen: Es wäre ungewöhnlich, wenn dein Pferd das Verhalten wieder ändert. Die meisten Pferde behalten dieses Verhalten bei, solange sie der auslösenden Situation ausgesetzt sind. Zwar besteht eine kleine Chance, dass er sich an die Box gewöhnt und wieder beruhigt, doch wenn du sicher gehen möchtest, bleibt nur die Möglichkeit, ihn aus der Enge zu befreien und die Haltung entsprechend zu ändern.

Unser Rat: Dieses Verhalten deutet darauf hin, dass dein Pferd unglücklich ist. Direkt gesundheitsschädlich ist es allerdings normalerweise nicht. Du musst abwägen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, einzugreifen. Einige Tage kannst du sicher noch abwarten, ob er sich in seiner neuen Lebenssituation eingewöhnt und entspannt. Aber: Resignation ist nicht das gleiche wie Zufriedenheit! Das beste wäre, schnell ein neues Zuhause für ihn zu finden, wo er nicht in einer Box leben muss.

Wir wünschen dir dabei viel Erfolg und dir und deinem Pferd alles Gute!


* Ungehorsam an der Hand

Ich habe seit ein paar Wochen eine Reitbeteiligung. Sie ist ungefähr 15 cm größer als ich. Ich mag sie wirklich sehr und sie ist auch eigentlich ein liebes Pferd, doch sobald ich sie nur führe, macht sie nie das, was ich will, und ich bekomme sie dann auch nicht angehalten oder so. Und als ich sie letztens auftrensen wollte, ist sie einfach so weggelaufen (zum Glück nur in die Box, doch ich hatte richtig Angst, dass sie auf die Straße läuft). Aber sobald ich auf ihr sitze, ist sie total lieb. Könnt ihr mir sagen, was ich machen soll? Ich will sie nicht aufgeben und ich habe auch keinen, der mir dabei helfen kann.

-> Bei dieser Stute fehlt es offensichtlich an Erziehung und dadurch auch an Vertrauen. Gerade im täglichen Umgang sind Respekt und Vertrauen von beiden Seiten unverzichtbar. Da hilft nur üben:

* Nimm dir Zeit und übe das Führen mit ihr auf einem umzäunten Platz, wo ihr in Sicherheit seid, wenn etwas nicht so klappt oder sie sich losreißt.

* Als Ausrüstung empfehlen wir dir ein Halfter, eine Führkette, Handschuhe und eine Dressurgerte. Die Führkette wird links seitlich durch den Halfterring gefädelt, über den Nasenriemen geführt, auf der anderen Seite wieder durch den Ring gefädelt und dann nach oben geführt, wo sie am rechten oberen Ring des Halfter eingehakt wird. Bei dieser Anwendung zieht sich die Kette bei Zug leicht zu und wirkt so deutlich präziser und auch schärfer als ein bloßer Halfterstrick. Vorsicht – man kann dem Pferd mit der Kette durchaus Schmerzen zufügen, sie sollte also mit Bedacht und entsprechend dosiert angewendet werden.

Die Handschuhe verleihen dir einen sicheren Griff und schützen die Hände, falls das Pferd stark zieht.

Die Gerte ist dein verlängerter Arm. Mit ihr kannst du die Stute treiben, indem du sie an der Hinterhand antickst, du kannst aber auch anhalten, indem du die Gerte quer vor die Brust oder vor die Nase hältst. Eine erhobene Gerte fordert Aufmerksamkeit vom Pferd. Vor Beginn der Arbeit streichst du die Stute sanft mit der Gerte ab, bis sie die Berührung angstfrei und entspannt akzeptiert.

* Nun geht es los: Du bestimmst Tempo und Richtung. Gib klare, immer gleichbleibende Stimmkommandos. Bestehe auf Gehorsam! Besonders wichtig ist das Anhalten und erneute Antreten des Pferdes. Achte darauf, dass die Stute prompt und zuverlässig reagiert – mit vermehrter Übung wird sie sich mehr und mehr konzentrieren und entsprechend besser reagieren. In Wendungen achtest du darauf, dass dein Pferd nicht drängelt, sondern dir in angemessenem Abstand folgt. Deine Führposition ist variabel: Je weiter vorne du gehst, desto dominanter wirkst du. Zu empfehlen ist für den Anfang eine Position etwa auf Kopfhöhe, von der aus du sowohl den Leib mit der Gerte erreichen kannst als auch schnell dich und/oder die Gerte vor das Pferd bringen kannst.

* Beim Auftrensen solltest du ebenfalls auf Sicherheit achten. Am besten trenst du in einem sicheren Areal auf, sei es die Box oder ein umzäunter Auslauf. Das Halfter kann während des Auftrensens um den Hals gelegt werden und so eine Mindest-Sicherung bieten. Auch die Zügel können beim Auftrensen um den Hals des Pferdes liegen und so etwas Sicherheit bieten.


So ein Übungsprogramm erfordert Zeit und Geduld. Du musst der Stute klarmachen, dass sie dich ernstnehmen kann und muss. Lobe sie deutlich, wenn sie etwas gut macht. Das muss nicht gleich ein Leckerli sein; freundliche Ansprache und ein Kraulen am Mähnenkamm oder ein Streicheln der Stirn können genauso gut wirken. Wenn auf dem Platz alles gut klappt, könnt ihr erste Spaziergänge ins Gelände unternehmen. So sollte sich nach und nach ein Vertrauensverhältnis aufbauen, in dem die Stute sich dir auch am Boden anvertraut. Wir wünschen dir viel Erfolg!


* Übergewicht - was tun?

Ich habe ein Shetty, das viel zu dick ist, und ich weiß nicht, wie ich es dünner kriegen kann, weil ich es regelmäßig bewege und es nur Heu und Weidegras kriegt, kein Kraftfutter. Was soll ich tun? Ich hoffe, ihr könnt mir helfen.:)
-> Übergewicht ist in der Tat ein Problem, dein Shetty könnte richtig krank werden. Bewegung ist auf jeden Fall gut und wichtig, und Kraftfutter ist wirklich nicht nötig. Ein Mineralfutter kann zusätzlich zu Heu und/oder Gras die optimale Versorgung deines Ponys gewährleisten.
Damit dein Pony abnimmt, musst du die Futterzufuhr begrenzen. Heu kannst du problemlos portionieren: Hier hilft nur „FDH“ – friss die Hälfte.
Auf der Weide gibt es verschiedene Möglichkeiten, dafür zu sorgen, dass dein Pony nicht zuviel Gras frisst. Einerseits kann der Weidegang zeitlich begrenzt werden, indem dein Pony nur zweimal am Tag für wenige Stunden auf die Weide darf. Andererseits kann die Weide auch portioniert werden. Dazu wird am besten ein Wanderzaun gespannt, der jeden Tag ein wenig weitergesetzt wird, so dass Tag um Tag nur ein begrenzter Streifen frisches Grün zum Fressen zur Verfügung steht.
Falls das nicht realisierbar ist, gibt es auch Maulkörbe für Pferde und Ponys, mit denen das Pony zwar fressen kann, aber nicht in großen Mengen. Mit so einem Maulkorb kann das Pony meistens ganz normal auf die Weide gehen.


 * Probleme beim Führen

Auf unserem Hof hat es einen schmalen Weg, der zum Paddock führt. Auf beiden Seiten des Weges befindet sich Rasen. Mein Pferd will nie den Weg runtergehen und bleibt einfach stehen. Dann muss ich ihr kurz eine mit der Peitsche klatschen und dann läuft sie, aber sie will dann immer auf der Seite des Weges grasen. Was sollte ich tun, damit sie den Weg hinunter geht und kein Gras frisst? Vielen Dank für eure Hilfe.
-> Du solltest grundsätzlich am Gehorsam an der Hand arbeiten. Dazu rüstest du dein Pferd bzw. dich am besten mit einer Führkette und einer langen Gerte aus. Die Führkette wird über den Nasenriemen geführt und wirkt dort sehr viel deutlicher, als das ein normales Halfter ohne Kette kann. Entsprechend behutsam solltest du sie allerdings auch handhaben. Mit der langen Gerte kannst du aus der Führposition heraus das Pferd hinten anticken und so voran treiben.
Nun kannst du üben, dass deine Stute dir fleißig folgt, und das auch bei unterschiedlichen Führpositionen. Je weiter vorne du gehst, desto dominanter ist deine Position, je weiter hinten du gehst, desto mehr kannst du treibend wirken. Das Pferd sollte lernen, auf Handzeichen und/oder Kommando stehenzubleiben und auch wieder anzutreten. Ebenso wendet es auf Kommando auf der Stelle, vergleichbar mit einer Vorhandwendung unter dem Reiter.
Wenn grundsätzlich alles gut klappt, gehst du wieder auf den Weg. Schon beim ersten Zögern des Pferdes solltest du die Gerte einsetzen und die Stute an der Hinterhand anticken, um sie zum Weitergehen aufzufordern. Besser zu früh als zu spät – lass sie gar nicht erst anhalten! Inzwischen sollte sie gelernt haben, sich auf dich zu konzentrieren und nicht zu fressen, wenn du sie führst. Falls sie es dennoch versucht, sage energisch „Nein“ und treibe sie vorwärts. Hier ist deine Konsequenz gefragt: Wenn du sie immer wieder am Fressen hinderst, wird sie die Versuche irgendwann einstellen.


 * Schwierigkeiten bei der Ausbildung

Ich habe ein 4 ½-jähriges Pflegepferd übernommen, das früher nur unregelmäßig bewegt wurde (vom Reiter bzw. von Menschen), jetzt aber auf die Koppel kommt. Ich fange jetzt mit der Ausbildung an, doch es gibt einige Probleme. Es nimmt den Sattel und den Reiter nicht gerne an, damit meine ich, dass es schon scheut, wenn ich den Sattel auflegen möchte. Beim Reiten rennt sie immer sofort los, so dass ich sie kaum halten kann, was kann ich dagegen tun? (Ich kenne ihre Vergangenheit nicht und weiß daher nicht, wie sie früher behandelt wurde).
-> Dein Pflegepferd ist mit 4 ½ Jahren noch sehr jung. Du hast Recht, darauf zu achten, dass sie ausreichend Bewegung hat; das ist auf jeden Fall eine wichtige Voraussetzung für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Pferdes.
Ohne Näheres zu wissen, ist es natürlich schwierig, die Ursachen für ihr Verhalten zu bestimmen. Einige Punkte solltest du aber auf jeden Fall überprüfen:
- Du schreibst, dass die Stute schon beim Satteln scheut. Möglicherweise empfindet sie den Sattel als unangenehm oder sogar schmerzhaft. Es ist sehr wichtig, dass der Sattel wirklich gut passt. Er muss auf dem Rücken überall gleichmäßig aufliegen, die Wirbelsäule bleibt frei, und es gibt keine schmerzhaften Druckpunkte. Schon beim Putzen kannst du überprüfen, ob die Stute im Rücken empfindlich ist oder einige Punkte eventuell besonders wehtun. Fühle die ganze Sattellage mit der Hand ab und achte auf ihre Reaktionen. Wiederhole das auch nach dem Reiten und überprüfe, ob die Muskulatur gleichmäßig warm und locker oder stellenweise verhärtet und empfindlich ist. Auch trockene Flecken im ansonsten feuchten Fell deuten auf zu starken Druck durch den Sattel hin.
- Auch die Hektik der Stute beim Reiten könnte ein Zeichen für (Rücken-)Schmerzen sein. Flucht ist eine typische Reaktion auf Schmerzen, das Pferd möchte dem unangenehmen Druck davonlaufen. Wenn du dir nicht sicher bist, ob alles in Ordnung ist, solltest du einen Tierarzt hinzuziehen und ihm je nachdem auch den Sattel zeigen.
- Manche Pferde entwickeln Sattelzwang. Sie empfinden die Enge des Gurtes als beängstigend und neigen zu Panik- und Fluchtreaktionen. Solche Pferde müssen extrem vorsichtig und langsam angegurtet werden. Vor dem Aufsitzen sollte das Pferd so lange im Schritt bewegt werden, bis es gut angegurtet ist und sich vollständig entspannt hat.
- Auch deine Reitkunst steht auf dem Prüfstand: Junge Pferde brauchen einen besonders guten und einfühlsamen Reiter. Du solltest mit einer leichten Anlehnung zum Pferdemaul reiten, ohne dich dabei am Zügel festzuhalten. Gerade in der Ausbildung ist es wichtig, dass der Reiter gut ausbalanciert ist und geschmeidig mit der Bewegung des Pferdes mitgeht, ohne das Pferd im Maul zu stören oder gar in den Pferderücken zu fallen oder zu stoßen.
- Darüber hinaus ist es wichtig, sich bei der Ausbildung eines jungen Pferdes genügend Zeit zu lassen. Die richtige Basis bestimmt den Erfolg in der weiteren Ausbildung.
Ehe man aufsitzt, sollte das Pferd gelernt haben, den Sattel vorbehaltlos zu akzeptieren, an der Hand gehorsam zu folgen und sich an der Longe in allen drei Gangarten sicher auszubalancieren. Dazu kann es hilfreich sein, das Pferd an der Longe mit Longiergurt oder Sattel und Dreiecks- oder auch Laufferzügeln zu arbeiten. Erst wenn das Pferd bei der Longenarbeit ruhig und taktmäßig im Schritt, Trab und Galopp geht und sich auf ein Handzeichen und/oder Stimmkommando problemlos und unverzüglich durchparieren lässt, sollte sinnvollerweise mit dem Aufsitzen und Reiten begonnen werden.


 * Hektisch und temperamentvoll

Ich habe mir eine neunjährige Stute gekauft, die sehr viel Temperament hat. Mit anderen Pferden dieser Art komme ich sehr gut zurecht, aber nicht mit ihr.
- Sie stürmt im Trab und im Galopp sofort los und lässt sich im Dressurviereck nicht wieder einfangen.
- Sie lässt sich nicht in die Ecken stellen, besonders im Galopp.
- Ich muss leider mit einem Pelham reiten, weil ich sie sonst überhaupt nicht „lenken“ kann. Allerdings geht es nicht viel besser damit.
- Beim Springen passt sie nicht auf und rennt überall gegen, obwohl ich sie sehr aufmerksam gucken lasse und vor jedem einzelnen Sprung an das Hindernis heranreite und sie schauen lasse.

-> Das sind wirklich einige Probleme! Es klingt allerdings nicht so, als ob nur das Temperament deiner Stute diese Probleme verursacht; vielmehr habe ich den Eindruck, dass es deiner Stute an einer grundlegenden Ausbildung fehlt. Zusammen mit einem nervösen und temperamentvollen Wesen wird das natürlich sehr schwierig! Aus deiner Schilderung habe ich den Eindruck, dass deine Stute Schwierigkeiten hat, ihr eigenes und das Reitergewicht ins Gleichgewicht zu bringen. Ihr „Losstürmen“ im Dressurviereck könnte also ein „Weglaufen“ sein, weil sie mit den engen Wendungen nicht zurecht kommt. Dafür spricht auch, dass sie sich nicht stellen lässt. Und auch die Hektik beim Springen könnte darauf zurückzuführen sein, dass die Stute einfach überfordert ist, weil sie es nie systematisch gelernt hat. Eine Überforderung verursacht leicht Ängste beim Pferd. Ein Gebiss wie das Pelham kann das Problem nicht lösen.
Aus der Ferne kann man natürlich nicht sicher sein, die Situation richtig einzuschätzen. Deshalb würde ich dir dringend raten, dir einen guten Reitlehrer zu suchen und mit diesem zusammen die Stute ganz grundlegend auszubilden! Dabei könnte dir Bodenarbeit helfen, zunächst einmal Vertrauen aufzubauen und deiner Stute das ruhige Arbeiten beizubringen. Und auch Longenarbeit kann hier sinnvoll sein: Ehe man die Stute reitet, sollte man sicher sein, dass sie auch imstande ist, das Reitergewicht aufzunehmen und auszubalancieren - erst einmal sollte sie ihr eigenes Gewicht vernünftig aufnehmen und balancieren können. Die weitere Arbeit sollte dann dahinzielen, die Stute vom Gebiss zu lösen und vermehrt mit Schenkel und Gewicht zu reiten. Eine Überforderung muss vermieden werden, d.h. Springübungen zum Beispiel sind erst dann sinnvoll, wenn die Stute unter dem Reiter kontrolliert galoppieren kann. Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Erfolg!


* Welcher Hilfszügel für welchen Zweck?

Seit ein paar Wochen bekommen wir Springunterricht. Und ich weiß nie, ob ich ein Martingal oder einen Halsverlängerer benutzen muss. Woran erkenne ich, welchen von diesen Hilfszügeln ich benutzen muss? Und woran erkenne ich, welchen Hilfszügel ich beim Dressurreiten anwenden kann?
-> Beim Springen darf das Pferd auf keinen Fall einen Hilfszügel tragen, der die Kopffreiheit einschränkt und starr begrenzt. Denn über dem Sprung muss das Pferd den Kopf nach vorne strecken und darf nicht daran gehindert werden, sonst wird es in seiner Sprungtechnik behindert! Deshalb kommen Hilfszügel wie Halsverlängerer, Ausbinder, Stoßzügel o.ä. hier überhaupt nicht in Frage. Der einzige Hilfszügel, der im Springen angewendet werden kann, ist ein korrekt (also nicht zu kurz) verschnalltes Martingal, das das Pferd daran hindert, mit dem Kopf bereits vor dem Sprung nach oben zu schlagen. Aber auch diesen Hilfszügel braucht man nur bei wirklich heftigen Pferden. Ein gut gerittenes Pferd geht ohne Hilfszügel! Das gleiche gilt für die Dressur: Sinn des Dressurreitens ist es, das Pferd ohne den Zwang, den ein Hilfszügel ausübt, an die Hilfen zu stellen und dabei auch durchs Genick zu reiten. Ein Ausbinder beispielsweise zwingt das Pferd in die korrekte Kopfhaltung, ohne dass der Reiter etwas dazu tun muss. Das kann auf Dauer nicht der Sinn der Sache sein, denn eigentlich erkennt man an der Haltung des Pferdes einerseits die Reitereinwirkung und andererseits die Verfassung des Pferdes (wie ver- oder entspannt es ist, wie zufrieden es geht usw.). Hilfszügel verfälschen dies. Natürlich kann ein Hilfszügel auch eine echte Hilfe sein, aber dann darf er nicht selbstverständlich werden, sondern nur kurzfristig zur Problemlösung eingesetzt werden. In der Dressur werden meist Hilfszügel angewendet, die die Kopfhaltung des Pferdes beeinflussen und den Freiraum mehr oder weniger starr begrenzen. Wenn ein Hilfszügel das Pferd daran hindert, den Kopf über eine bestimmte Grenze hinaus nach vorne zu nehmen (und zwar unabhängig davon, was der Reiter tut), so darf er nicht beim Springen verwendet werden.


 * Wann wird ein Pony zu klein?

Ich fahre seit einigen Jahren auf einen Reiterhof und finde es da wirklich total super. Da ich ziemlich groß (1,73 m) und nicht gerade leicht (66 kg) bin, habe ich Angst, dass ich mein Lieblingspony (136 cm) überfordere oder sogar nicht mehr reiten kann. Das Pony ist eigentlich ziemlich kräftig. Trotzdem habe ich Zweifel. Bitte sagt mir, wie klein das kleinste Pony sein kann, das ich reiten kann.
-> So einfach ist diese Frage gar nicht zu beantworten. Du schreibst leider nicht, was für einer Rasse dein Lieblingspony angehört. Isländer z.B. tragen durchaus Erwachsene, und sie sind auch nicht viel größer! Und auch Fjordpferde und Haflinger oder die kleinen Camarguepferde können im Normalfall Erwachsene tragen, die mehr wiegen als Du. Selbst Shetlandponys tragen mühelos erstaunliche Gewichte. Entscheidend ist, wie das Pony gebaut ist: Ist es ein Gewichtsträger oder nicht? Diese Frage können wir dir so aus der Ferne leider nicht beantworten. Aber: Bei deiner Größe wäre es ohnehin sinnvoll, wenn du auf ein größeres Pferd umsteigst, da dann die Proportionen zwischen Pferd und Reiter besser stimmen. Bei einem Pony von 136 cm Stockmaß kannst du wahrscheinlich gar nicht mehr problemlos deine Schenkel ans Pferd legen und dadurch auch keine korrekten Hilfen geben bzw. nicht korrekt sitzen. So oder so solltest du dir also überlegen, lieber ein etwas größeres Pferd oder Pony zu reiten. Mit deinem Lieblingspony kannst du dich auch beschäftigen, ohne es zu reiten - diese Freundschaft muss dadurch nicht enden.


* Aggressives Schulpferd

Ich reite ein Schulpferd, einen 17-jährigen Hannoveraner. Eigentlich ist es ein ganz lieber Bursche, aber seit neustem geht er auf andere Schulpferde los und greift sie an, und zwar so heftig, das man ihn nicht mehr zum Stehen bekommt. Das macht er aber nur beim Reiten, wenn alle Schulpferde auf der Weide stehen oder in der Halle laufen gelassen werden, ist er lammfromm. Meine Reitlehrerin hat gesagt, dass ich mich durchsetzen soll. Ich soll richtig mit der Gerte draufhauen. Ich habe das Gefühl, dass ihn das nur noch aggressiver macht. Was soll ich tun?
-> Aus der Ferne betrachtet lässt sich die Situation leider nur relativ schwer einschätzen. Es ist wichtig, dass du Vertrauen zu deiner Reitlehrerin hast, damit der Unterricht erfolgreich ist. Auf jeden Fall sollte deine Reitlehrerin ihre Schulpferde gut kennen und sie entsprechend sicher einschätzen können.
Da der Wallach außerhalb der Reitstunden keine Aggressionen gegen die anderen Pferde zeigt, wäre es denkbar, dass er mit diesen Angriffen lediglich ein Ventil für seinen Unmut sucht: Die anderen Pferde sind nicht die Ursache, aber an ihnen kann er sich abreagieren.
Es stellt sich die Frage, warum der Wallach plötzlich aggressiv wurde. Besonders wichtig ist es, äußere Ursachen wie Schmerzen, verursacht durch Erkrankungen, einen unpassenden Sattel o.Ä., auszuschließen. Wenn das Pferd körperlich gesund ist und auch die Ausrüstung kein Problem darstellt, bleibt die Frage, warum er trotzdem so schlechte Laune hat.
Es kann tatsächlich auch bei Pferden vorkommen, dass sie einfach urlaubsreif sind und unter Stress leiden. Gerade ein Schulpferd hat einen besonders anstrengenden Beruf. Es ist auf jeden Fall positiv, dass dein Schulpferd auch mit den anderen Pferden zusammen auf die Weide darf.
Ebenso ist es aber auch möglich, dass der Wallach seine Grenzen austestet und dich ganz einfach nicht ernst nimmt, wenn du versuchst, ihn von seinen Angriffen abzuhalten, so dass sich sein Verhalten dann nicht bessert, sondern noch steigert. In dem Fall kann dir deine Reitlehrerin auf jeden Fall am besten weiterhelfen.
Am besten wäre es, seine Ausfälle schon im Ansatz zu ersticken, also im Vorfeld zu verhindern, anstatt sie hinterher zu strafen. Dazu kann es hilfreich sein, das Pferd so zu beschäftigen, dass es sich voll auf dich als seine Reiterin und die von dir gestellten Aufgaben konzentrieren muss. Häufige Wendungen etwa in Schlangenlinien, häufige Handwechsel, Tempowechsel und Übergänge von einer Gangart in die andere fordern seine Konzentration und fokussieren die Aufmerksamkeit auf den Reiter.
Ich würde dir raten, noch einmal das Gespräch mit deiner Reitlehrerin zu suchen. Möglicherweise kann sie dir erklären, wie die kritische Situation entsteht, und dir auch dabei helfen, die Angriffe schon im Vorfeld zu verhindern.


* Trio mit Schwierigkeiten

Ich habe seit April diesen Jahres eine 13-jährige Isi-Mix-Stute, die wir aus einer Boxenhaltung mit ihrer Freundin, einer Knabstrupper-Stute, in einen Offenstall gestellt haben. Meine Isi-Stute hat Probleme mit der Respektfrage, manchmal auch mir gegenüber (sie lässt sich nicht am Maul streicheln, ohne zu schnappen, lässt sich ungern die Hufe auskratzen usw.). Sie hat sich mit ihrer Freundin sehr wohl gefühlt im Offenstall und wurde etwas zutraulicher und ruhiger. Jetzt haben wir uns noch ein kleines Shetty dazugeholt, was sehr an der Knabstrupper-Stute (also ihrer Freundin) hängt. Ich bin der Meinung, dass das Wesen meines Pferdes sich wieder zum Nachteil verändert hat, seit das kleine Shetty bei uns ist; sie ist jetzt auch schon ein paarmal ohne Vorwarnung auf das Shetty losgegangen (auch als eine Person das Shetty von der Weide holte, ist sie ohne Grund von hinten gekommen und hat das Shetty gebissen). Jetzt meine Frage: Woran kann es liegen, dass meine Stute sich in ihrem Wesen wieder zum Nachteil verändert hat und das kleine Shetty angreift, ohne dass es etwas gemacht hat?
-> Die Situation, die du schilderst, kann man häufig beobachten. Genau wie Menschen pflegen auch Pferde individuelle Freundschaften. Da sich nun das Shetty mit der Knabstrupper-Stute angefreundet hat, hat deine Stute das Nachsehen - ihre Freundin ist sozusagen besetzt. Natürlich reagiert sie darauf eifersüchtig und auch aggressiv.
Dreier-Konstellationen sind bei Pferden wie bei Menschen oft schwierig, da sich leicht zwei zusammentun und einer einsam bleibt.
Als Mensch von außen kannst du leider nur wenig tun, da Pferde ihre Beziehungen untereinander alleine klären. Vieles ist tatsächlich eine Frage der Zeit: Es kann Monate dauern, bis neue Herdenmitglieder endgültig integriert sind. Falls die Möglichkeit besteht, könntet ihr versuchen, ein viertes Pony in die Herde aufzunehmen, so dass sich eher "zwei x zwei"-Paarungen ergeben. In größeren Gruppen sind auch die Verlustängste der Pferde oft nicht so groß: Wenn deine Stute nur eine Freundin hat, hängt sie natürlich besonders an ihr, während mehr Pferde auch mehr Sicherheit, mehr Freundschaften und mehr soziale Kontakte bedeuten.
Darüber hinaus solltest du darauf achten, dass deine Stute dir und anderen Menschen Respekt zeigt und sich im täglichen Umgang euch gegenüber nicht aggressiv verhält, und das musst du auch energisch einfordern. Das heißt auch: Wenn ein Mensch dabei ist, müssen Herdenstreitigkeiten ruhen! Du bist in jedem Fall der Chef, und das steht nicht zur Diskussion. Schon einfache Führübungen, Spaziergänge und auch Longenarbeit können dir dabei helfen, deine Position zu festigen. Achte darauf, sofort deutlich zu loben, wenn deine Stute gut mitarbeitet und sich in ihrem Verhalten entspannt.


 * Wann sollte man ein Pferd einreiten?

Vor kurzem habe ich angefangen, mein 2-jähriges Pflegepferd ans Longieren zu gewöhnen. Allerdings vorerst ohne Sattel, weil der Besitzer meinte, es wäre noch zu früh dafür. Nun möchte ich wissen, wann ich den Sattel auflegen kann und wie alt ein Pferd sein sollte, wenn man anfängt, es zu reiten. Ist das Alter des „Einreitens“ bei jeder Rasse unterschiedlich?
-> Prinzipiell kannst du den Sattel durchaus schon auflegen, ohne dem Pferd zu schaden. Nur ist es meistens so, dass die Versuchung, das Pferd zu reiten, immer größer wird, wenn es schon gesattelt und getrenst ist! Bei den meisten Pferderassen ist es üblich, sie dreijährig vorsichtig anzureiten (allerdings noch nicht stark zu belasten). Es gibt allerdings durchaus Unterschiede zwischen verschiedenen Rassen. So sind beispielsweise Isländer sehr spätreif und werden eigentlich erst fünfjährig richtig geritten. Voll ausgewachsen und belastbar sind Pferde durchschnittlich erst mit sieben Jahren. Beim Einreiten ist es oft sinnvoll, das Pferd dreijährig an den Reiter zu gewöhnen und es dann noch einmal für einige Monate auf die Weide zu stellen, so dass es sich erholen und entspannen kann.


 * Streitlustiges Pferd

Frage: Wie schaffe ich es, dass mein Pflegepferd sich mit anderen Pferden besser versteht? Ich würde gerne mit ihr in den Schulunterricht, doch sie tritt immer nach den anderen Pferden aus.
-> Ich weiß leider nicht, ob dein Pflegepferd auf einer Weide mit anderen Pferden steht. Ausgeglichene Pferde sind normalerweise weniger agressiv. Die Haltung sollte möglichst artgerecht sein, d.h. das Pferd braucht unbedingt Gesellschaft und freie Bewegung. Finde heraus, ob dein Pflegepferd wirklich dominant-aggressiv oder eigentlich eher ängstlich ist - je nachdem braucht es deutliche Grenzen oder auch mehr Verständnis und Sicherheit. Für beides bist du als Reiter verantwortlich.

In jedem Fall solltest du deine eigene Position dem Pferd gegenüber stärken. Schreite ein, wenn dein Pflegepferd versucht, auf andere Pferde loszugehen. Fordere dein Pferd durch Übungen und Lektionen (Abwenden, Tempowechsel etc.), so dass es sich auf dich konzentrieren muss. Meistens kann man so etwas schon vorher ahnen und das Pferd direkt in eine andere Richtung lenken und davon abhalten. Wenn dein Pferd grunsätzlich ängstlich ist, musst du besonders souverän und sicher auftreten, um diese Sicherheit zu vermitteln. Achte darauf, immer genügend Abstand zu halten, damit dein Pferd sich nicht bedrängt fühlt. Auf jeden Fall musst du die anderen Reiter warnen, dass sie dir nicht zu nahe kommen. Sichtbares Gefahrenzeichen ist eine rote Schleife im Schweif. Ohne dich und dein Pferd näher zu kennen, kann ich dir allerdings nicht sagen, wie du das Risiko völlig ausschalten kannst. Es kann auch helfen, öfter mal mit anderen Pferden zusammen auszureiten, so dass dein Pferd sich daran gewöhnt. Dabei solltest du allerdings zunächst besser das Ende der Gruppe bilden!


 * Wie viel freie Bewegung ist notwendig?

Ich habe einen 2 ½ Jahre alten Haflinger. Bis vor kurzem hat er noch in einem Stall gestanden, wo er den ganzen Tag bis abends auf der Weide stand. Es hat ihm viel Spaß gemacht, und man konnte auch besser mit ihm arbeiten. Jetzt steht er aber in einem Stall, wo er nicht so viel raus kann, weil die Stallbesitzerin meint, die Pferde könnten sich ihre Knochen verletzen (weil es so kalt ist). Seitdem ist er beim Putzen unruhig und kommt immer gleich aus dem Stall gestürmt, wenn ich ihn raushole. Die Stallbesitzerin meint: „Eine halbe Stunde draußen reicht am Tag im Winter.“ Stimmt das?

-> Wie du ja selbst schon festgestellt hast, ist dein Pferd nicht sehr glücklich mit nur einer halben Stunde Bewegung pro Tag. Als „ausreichend“ kann man das nicht bezeichnen. Falls du keine Möglichkeit hast, ihn noch zusätzlich auf die Weide oder in einen Auslauf zu stellen (am schönsten ist freie Bewegung natürlich in Gesellschaft anderer Pferde), solltest du deinem Pferd in jedem Fall auf andere Weise zusätzlich Bewegung verschaffen. Mehr Arbeit alleine sollte es aber nicht sein; besser sind zusätzliche Spaziergänge, auf denen sich dein Pferd entspannen und ruhig und stressfrei bewegen kann.


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