Die Jugend-Pferdezeitschrift im Netz
„Freizeitreiter“ - dies ist ein geläufiger Ausdruck, auch wenn es immer noch keine
wirkliche genaue Definition davon gibt, welche Kriterien man erfüllen muss, um diesem
Reitervölkchen anzugehören. Während die einen behaupten, Freizeitreiten wäre einfach
nur eine etwas lockerere Sicht der Dinge, so dass man ohne Leistungsdruck oder gar
Turnierstress mit seinem Pferd durch den Wald reiten kann, sind andere der Überzeugung,
dass man sich schon mit nicht vorhandenen Reitkünsten getrost zu den Freizeitreitern
zählen dürfte. 
Die Freizeitreiter als untalentierte Randgruppe: Unverschämtheit, oder vielleicht doch eher traurige Wahrheit? Haben Freizeitreiter einfach eine andere Auffassung vom Reiten, indem sie es nicht als Turniersport betreiben, oder sind es einfach jene, die bei einem Turnier so oder so keine Chancen hätten?
Bilden sich Freizeitreiter ihre Fähigkeiten vielleicht nur ein, oder steckt tatsächlich Ausbildung und Können hinter ihrem Tun?
Ein Thema, welches durchdacht werden sollte. Doch bevor man nun über die Freizeitreiter diskutiert, möchte ich diesen Begriff zumindestens für den weiteren Gebrauch im Artikel definieren: Ein Freizeitreiter soll hier ein Reiter sein, welcher mit seinem eigenen oder Pflegepferd überwiegend im Gelände reitet, das Reiten als Hobby betrachtet und nicht beziehungsweise nicht regelmäßig oder professionell an Turnieren teilnimmt.
Klischees - und ihr wahrer Kern
Das Negativ-Klischee eines Freizeitreiters kennen wir wohl alle: Ein völlig unfähiger Reiter hängt mehr schlecht als recht auf irgendeinem unausgebildeten Pferd und schlurft am schon fast auf dem Boden schleifenden Zügel durch die Botanik.
Zwar springt jeder Freizeitreiter sofort auf den nächsten Tisch, um eine Protestrede zu halten, wenn er dergleichen hört - doch sollte man sich vorher einmal gründlich überlegen,
was einem bei einem Ausritt eigentlich für Reiter begegnen: Genau solche sind eben auch dabei. Fast bei jedem Ausritt sieht man Reiter, die wirklich nur auf ihrem Pferd „rumhängen“ oder auch ziemlich unbeholfen darauf hin- und herschaukeln, während sie sich nicht selten noch am Zügel festhalten. Pferde laufen mit hochgerissenem Kopf und weggedrücktem Rücken durch den Wald, und die Reiter genießen währenddessen das schöne Wetter.
Manchmal schlagen Reiter verzweifelt auf ihr Pferd ein, nur um es zu ein paar Trabschritten zu bewegen, und was noch schlimmer ist: Nicht selten hört man von hinten ein „Achtung!“ und kann dann gerade noch sein Pferd ins nächste Gebüsch lenken, bis ein völlig unkontrolliertes Pferd von hinten an einem vorbeischießt.
Wenn man solche Szenen beobachtet und ja (wahrscheinlich mit Recht) davon ausgehen kann, dass es sich hierbei überwiegend um Freizeitreiter handelt, kann man die Vorurteile schon recht gut nachvollziehen.
Nun wäre es ja wundervoll, einfach bei der nächsten Diskussion ein klein wenig einzulenken und zuzugeben, dass es sehr wohl schwarze Schafe unter den Freizeitreitern gibt, aber das wäre schließlich nicht die Mehrheit. Wie sieht es damit aus?
Natürlich verursachen die meisten Freizeitreiter bei einem Ausritt kein Chaos auf den Reitwegen und natürlich sitzt auch nicht jeder Freizeitreiter unmöglich auf seinem Pferd, nein - die meisten Freizeitreiter reiten tatsächlich ruhig, harmonisch und friedlich durch den Wald, doch schließt diese Tatsache einen Ausbildungsmangel bei den Freizeitreitern aus?
Ein Beispiel
Nein, sie tut es nicht, und um dies zu belegen, nehme ich mich hier einmal selbst als Beispiel:
Ich würde mich durchaus zu der Gruppe der Freizeitreiter zählen, und ferner würde ich mich auch zu jener Gruppe zählen, die kein allzu schlechtes Bild im Gelände abgeben.
Ich kann mit meinem Pferd völlig entspannt einen Ausritt genießen, und in der Regel habe ich mein Pferd dabei auch problemlos unter Kontrolle. Dies liegt jedoch leider nicht daran, dass ich ein besonders guter Freizeitreiter bin oder mein Pferd so wahnsinnig gut ausgebildet ist, nein, der Trick ist ein ganz anderer: Wir kennen uns einfach zu gut! Wenn man seit neun Jahren gemeinsam durch den Wald reitet, hat man es einfach nicht mehr nötig, besonders gut zu sein: Man ist besonders routiniert. Sowohl mein Pferd als auch ich wissen sehr genau, was wir zu tun haben, um einen Ausritt ohne Ärger oder unnötige Anstrengung hinter uns zu bringen; und so haben sich mit der Zeit viele kleine Kompromisse und stille Übereinkommen entwickelt, die einem nur selten ins Bewusstsein kommen - dann zum Beispiel, wenn man völlig selbstverständlich auf einem einladenden Weg galoppiert und sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern kann, jemals das Kommando hierzu ausgesprochen zu haben.
Solche Beziehungen zwischen Reiter und Pferd können nach außen dann zwar wahnsinnig harmonisch wirken, haben aber nicht unbedingt etwas mit guter Ausbildung zu tun.
Die nächste Frage wäre: Ist das denn schlimm? Muss man sich mit seinem Pferd denn genau auf dem Weg verständigen, den einem die verschiedenen Ausbildungsweisen vorschreiben? Eigentlich nicht!
Die Grundlagen
Natürlich muss man als Reiter eine gute Grundausbildung besitzen, die einen dazu befähigt, gut und sicher auf einem Pferd zu sitzen und das Pferd selbstverständlich auch mit Leichttraben und dem leichten Sitz entlasten zu können. Auch muss man als Reiter unabhängig sitzen können, also keinesfalls am Zügel ziehen oder sich daran festhalten. Darüber hinaus sollte man ein prinzipielles Verständnis und Gefühl für das Pferd und auch für die richtige Abstimmung der Hilfen haben. Das Pferd sollte so weit ausgebildet sein, dass man es möglichst sanft dirigieren und unter Kontrolle halten kann. Wichtig ist auch die richtige Körperhaltung des Pferdes, also dass es zum Beispiel den Rücken nicht nach unten wegdrückt, sondern nach oben wölbt, dass es hierzu den Kopf eben nicht nach oben reißt, dass auch das Gewicht möglichst nicht nur auf der Vorhand getragen wird. Ist dies nicht der Fall, so wird zumindestens das Pferd den Ausritt nicht genießen können.
Solange aber diese Mindestbedingungen erfüllt sind, ist es nicht so wichtig, wenn die klassischen Kommandos etwas verwischen und sich individuelle Verständigungsformen herausbilden.
Manchmal verläuft ein Ausritt jedoch auch nur friedlich, weil sich der Reiter zwar immer unsanft in den Sattel fallen lässt und am Zügel wieder hochzieht, aber das Pferd sich mit der Zeit eben an die Schmerzen gewöhnt hat.
Also auch wenn eigentlich alles glatt läuft, sollte man immer wieder mit Hilfe von fachkundigen Personen überprüfen, ob dies auch die richtigen Gründe hat.
Ausbildung zum Freizeitreiter
Viele Freizeitreiter nehmen an keinem Unterricht mehr teil, weil sie meinen, sie könnten schon genug für die Umsetzung ihrer Vorstellungen. Doch wie jeder andere Reiter auch hat auch der Freizeitreiter im Prinzip nie ausgelernt. Auch wenn man nicht das nächste Turnier vor Augen hat, muss man reiterlich nicht einfach alles schleifen lassen. Schließlich nennt man sich ja immer noch „Reiter“ und bezeichnet sein Hobby auch als Sport, doch wenn man bei seinem Spaziergang durch den Wald zufällig noch auf einem Pferd sitzt, hat dies nicht mehr viel damit zu tun...
Zuerst einmal sollte man sich vielleicht darüber im Klaren sein, dass es gar nicht so einfach ist, durchs Gelände zu reiten: Hier befindet man sich auf offener Strecke und nicht wie in der Reitbahn oder der Halle in einem abgezäunten Gebiet. Zudem begegnen einem hier auch noch bedeutend mehr unvorhersehbare Gegebenheiten, wie etwa ein schwerer Traktor mit Anhänger, eine Baustelle, ein hupendes Auto oder auch ein Wanderer, der plötzlich hinter einem Baum erscheint.
Hier ist es also noch wichtiger, sein Pferd unter Kontrolle zu haben; auch ein intaktes Vertrauensverhältnis ist hier nicht nur von Vorteil, sondern eigentlich unabdingbar.
Und jeder Freizeitreiter, der behauptet, eine richtige Ausbildung wäre nicht so wichtig, wird Schwierigkeiten bekommen, wenn es gilt, Hindernisse zu bewältigen und sein Pferd in schwierigen Situationen dirigieren zu können: Nicht nur Grundsätzliches wie etwa schnelles Anhalten, sondern auch Lektionen wie etwa Schenkelweichen und Rückwärtsrichten sind vom Freizeitreiter unbedingt zu beherrschen. Auch ein kleiner Sprung sollte gekonnt werden, falls ein Baumstamm den Weg versperrt.
Ein guter Freizeitreiter ist also durchaus ein fähiger und vielseitiger Reiter. Deshalb schließt Freizeitreiten regelmäßigen Unterricht genauso ein wie selbstständiges Üben und Trainieren, sowohl auf dem Platz als auch im Gelände. Ob klassische Dressur, Westernreiten, Springen oder Bodenarbeit, für den Freizeitreiter gilt: Je mehr man von allem kann, umso besser.
So ist sie also, die Ausbildung zum Freizeitreiter, mit Unterricht, Anstrengung und allem, was dazu gehört, und wie jede reiterliche Ausbildung endet sie nie...
Freitzeitreiter
„Freizeitreiter“: In diesem Begriff steckt meiner Meinung nach auch sehr viel Positives. Ohne übertriebenen Ehrgeiz und Turnierstress setzt der Freizeitreiter seine Ziele noch im wirklichen Umgang mit dem Pferd. Hier geht es nicht um Ruhm und Schleifen, sondern um Spaß und Reiten als ein Hobby, welches die Freizeit äußerst schön ausfüllen kann. Hier kann ein Pferd noch ein echter Partner werden, der den Ausritt im Idealfall ebenso genießt wie der Reiter. Ein Freizeitpferd ist im Gegensatz zum Sport- und Leistungspferd viel häufiger ein Partner fürs Leben, mit dem man seinen Alltag teilt.
Nach getaner Arbeit so schnell wie irgendmöglich zum Stall zu fahren, um dort einfach nur eine schöne Zeit mit seinem zufriedenen und ausgeglichenen Pferd zu verbringen, was eben durch die richtige Ausbildung ermöglicht wird, das ist für mich Freizeitreiten - und dagegen lässt sich meiner Meinung nach auch nicht mehr viel sagen.
Katinka Schnitker
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