Die Jugend-Pferdezeitschrift im Netz
Jeder Reiter weiß, dass Reiten auch nicht immer nur schön ist und
dass man auch im Stall mal einen schlechten Tag verbringen kann,
doch egal ob guter oder schlechter Tag, einen großen Vorteil hat
dieses Hobby wirklich: Man hat einfach immer etwas zu erzählen!
Da man mit einem Tier zusammen arbeitet, passiert jeden Tag etwas
Neues. Mal ist das Pferd gut gelaunt und an einem anderen Tag
schlecht, entweder es arbeitet gut mit oder es tut auf einmal so, als
verstehe es auch bei den leichtesten Übungen überhaupt nicht, was
man eigentlich von ihm will. Das Reiten bietet also immer wieder
genügend Gesprächsstoff. Erfolge und Misserfolge liegen nah
beieinander, da hat man eine phantastische Reitstunde und am Ende
fällt man aus eigener Dusseligkeit doch noch vom Pferd.
Themen über Themen
Doch nicht nur Pferd und Reiten beschäftigen einen, nein, auch im Stall selber wird es nie langweilig, man lernt neue Leute kennen oder streitet sich mit Bekannten. Einige Reiter bewundert man und über andere lästert man lieber.
Natürlich muss man sich auch noch um Pflege und Fütterung des Pferdes kümmern, und ständig schwirren einem wichtige Termine von Reitstunden, Hufschmieden und Tierärzten im Kopf herum.
Häufig kein Verständnis
Da ist es nur allzu verständlich, wenn man sich Menschen, die einem nah sind, gerne mitteilen möchte, und das sind eben oft die Freunde.
Doch das Bestreben, seine Freunde an seinem Hobby teilhaben zu lassen und sie stets über die Neuheiten des Stalls auf dem Laufenden zu halten, kann einem leider leicht den Ruf einbringen, außer Pferden nichts mehr im Kopf zu haben. Sprüche wie: "Musst Du denn wirklich immer nur über Pferde reden" oder "Kennst Du kein anderes Thema" werden wohl die meisten Reiter schon einmal gehört haben. Hier merkt man schon, dass man seine Begeisterung manchmal unter Kontrolle halten muss, wenn man keine Freundschaften gefährden will.
Freund ist nicht gleich Freund
Nicht jeder Freund hat gleichviel Interesse am Hobby Reiten, so sollte man seine Freunde einschätzen können und auch dementsprechend behandeln.
Gut ist es immer, wenn sich unter seinen Freunden ein paar Gleichgesinnte befinden, die ebenso gerne über irgendwelche Stallinterna reden wie man selber. Diese stört es dann auch nicht, wenn man eine geschlagene halbe Stunde braucht, um zu beschreiben, wie man es zum ersten Mal geschafft hat, einem schwierigen Pferd die Hufe auszukratzen. Mit solchen Leuten kann man auch wunderbar die Charakterzüge jedes einzelnen bekannten Pferdes erörtern und das Reitverhalten vergleichen. Hier kann man also wunderbar alles loswerden, was einen bewegt, und Meinungen zu bestimmten Themen austauschen. Auch bei Problemen sind solche Freunde fast nicht zu ersetzten, da Menschen, die selber Reiter sind, viel eher verstehen, wie frustrierend etwas sein kann, was andere vielleicht als Kleinigkeiten abtun und einen selber für leicht abgedreht halten. Mit solchen Freunden ist ein Reiter also bestens bedient.
Die Geduldigen
Es gibt natürlich auch Freunde, die sich einfach nicht besonders für Pferde interessieren, aber trotzdem verstehen können, dass einem das Hobby gefällt. Diese hören sich mit einem leicht gequälten Gesichtsausdruck jeden Tag von neuem an, wie toll irgendein Pferd sich schon wieder benommen hat, welche Reiter einfach unfähig sind, wie oft das Pflegepferd einem heute auf den Fuß getreten ist und welche Bürste man beim Putzen bevorzugt, um dann möglichst schnell das Thema zu wechseln. Ist man dann auch bereit, sich anderen Themen zuzuwenden, und bringt man auch etwas Interesse für die Hobbys des anderen auf, kann so eine Freundschaft wunderbar funktionieren.
Die Abgeneigten
Ärgerlich wird das Ganze erst dann, wenn sich jemand nicht nur nicht fürs Reiten interessiert, sondern dieses Hobby grundsätzlich ablehnt. Unterhaltungen können, wenn sie auf dieses Thema kommen, schnell in grundsätzlichen Diskussionen enden, denn welcher Reiter lässt schon gerne Pferde beschimpfen. Liegt einem etwas an solch einer Freundschaft, sollte man dieses Thema also tunlichst meiden und entgegen aller Vorurteile zeigen, dass man durchaus in der Lage ist, auch über andere Themen zu sprechen.
Schon hier ein Problem
So kann man schon mit seinen Freunden wegen Pferden genug Schwierigkeiten bekommen und muss aufpassen, dass man nicht als pferdeverrückt abgestempelt wird und schließlich sogar gute Freunde verliert.
Doch wie schwierig kann es erst in einer Beziehung werden, wenn der Freund oder die Freundin überhaupt kein Verständnis für die Leidenschaft Pferd und Reiten aufbringen kann und sogar absolut keine Pferde mag?
Bei Freunden reicht es oft aus, nicht ständig nur über Pferde zu reden und sich ansonsten ab und zu mit ihnen zu verabreden, doch in einer Beziehung werden häufig ganz andere Ansprüche an einen gestellt, und die zu erfüllen, hat schon so manchen Reiter in ernste Schwierigkeiten gebracht.
Streit scheint vorprogrammiert
Schnell kann es vorkommen, dass man, anstatt nachmittags mit seinem Freund in die Stadt zu gehen, in den Stall fahren muss, um eine Box auszumisten. Und wenn der Freund dann erfährt, dass er in Konkurrenz mit Pferdemist den Kürzeren gezogen hat, kann er auch schon mal sauer reagieren. Und auch man selber wird immer mehr in Versuchung geraten, gerade in der ersten Zeit des Verliebtseins Pferd und Reiten zu Gunsten einer Beziehung immer mehr in den Hintergrund zu rücken.
Für jemanden ohne die Verantwortung für ein Pferd, also jemanden ohne ein eigenes Pferd, ein Pflegepferd oder eine Reitbeteiligung, ist diese Zeit einfach. Er kann sich nämlich völlig frei entscheiden, was er an einem Tag lieber machen möchte, eine Reitstunde oder einen Stadtbummel. Und selbst wenn er vielleicht gerne Reiten gehen würde, kann er jederzeit zur Rettung der Beziehung darauf verzichten und sich ohne schlechtes Gewissen ganz dem anderen Menschen widmen.
Verantwortung
Schwierig wird es jedoch genau in dem Augenblick, in dem Verantwortung für ein Lebewesen mit hinzukommt, denn dann ist man leider nicht mehr in der Lage, frei seine Entscheidungen zu treffen, sondern muss stets auf das Wohl des Pferdes Rücksicht nehmen.
Gerade wenn ein Pferd in einer Box ohne Weidegang steht und absolut darauf angewiesen ist, dass man kommt und sich ausgiebig mit ihm beschäftigt, sollte einem lieber gleich klar sein, dass man eben erst nach dem Pferd wieder Zeit für seinen Freund hat. Leider kommt es viel zu häufig vor, das Pferde tagelang in einer Box vor sich hinvegetieren, nur weil die lieben Besitzer meinen, sie hätten etwas Besseres zu tun. Auf keinen Fall darf das Glück des Besitzers zum Alptraum für das Pferd werden. Wenn ich als Mensch schon darauf bestehe, ein Lauftier in einen Kasten zu sperren, bin ich es dem Tier zumindestens schuldig, es jeden einzelnen Tag so lange wie irgend möglich dort herauszuholen, Freund hin oder her.
Es gibt Alternativen
Dies hört sich jetzt so an, als könne ein Pferdebesitzer keine glückliche Beziehung mit jemandem führen, der keine Pferde mag, doch dies ist zum Glück nicht so. Es gibt vernünftige Alternativen, die es einem ermöglichen, Pferd und Freund unter einen Hut zu bringen. Da wäre zum Beispiel eine artgerechte Haltung, denn wenn mein Pferd jeden Tag ausreichend Bewegung hat und versorgt wird, kann ich es getrost einmal sich selbst überlassen und den Tag anderweitig verplanen. Auch eine Reitbeteiligung ist eine feine Sache, denn auch sie verschafft mir die Möglichkeit, ein paar Tage in der Woche "pferdefrei" zu sein.
Günstig ist es auch, wenn der Freund selber ein Hobby hat, welches einen bestimmten Teil seiner Freizeit in Anspruch nimmt. Wenn es einem dann noch gelingt, sich zeitlich einigermaßen aufeinander abzustimmen, gibt es zum Thema Pferd sicherlich keine großen Auseinandersetzungen mehr, und auch sonst hat jemand, der selbst beschäftigt ist, oftmals mehr Verständnis.
Möglichkeiten bestehen also, und wenn man nicht darauf besteht, jeden Tag von morgens bis abends im Stall zu verbringen, ist dies alles auch gar kein so großes Problem
Entweder - oder
Wird man von seinem Freund allen Ernstes vor die Wahl gestellt: "Entweder das Pferd oder ich", so ist es denn tatsächlich an der Zeit, sich einmal darüber klar zu werden, wie viel einem das eigene Pferd bedeutet, wie wichtig es für das eigene Leben ist und wie viel einem ein Freund bedeutet, der einen vor solch eine Wahl stellt.
Bevor man in solch einem Fall faule Kompromisse eingeht, in denen man sich von seinem Freund unter Druck setzten lässt und das Pferd darunter zu leiden hat, steht tatsächlich eine Entscheidung an: Entweder ich merke, dass mir selber das Pferd nicht mehr wichtig ist und mich in meinem Leben mehr einschränkt und stört als bereichert, und verkaufe das Pferd daraufhin in gute Hände - oder ich schieße meinen Partner in den Wind, natürlich nur, wenn er das Ganze nicht doch noch einmal überdenken möchte.
Also:
Pferd und Freunde, Pferd und Partner, das alles kann schon ganz schön schwierig werden. Doch meiner Meinung nach kann es klappen, wenn man sich der Verantwortung für sein Pferd, der Zuneigung zu seinen Freunden und der Liebe zu seinem Partner bewusst ist, denn es ist immer möglich, eine Lösung zu finden, mit der alle einigermaßen zufrieden sind. Allerdings müssen bei dieser Lösung die Menschen, die an meinem Leben teilhaben, verstehen, dass ich den Pflichten, die ich meinem Pferd gegenüber habe, jederzeit nachkommen muss und auch möchte. So erwarte ich zum Beispiel, dass ein Freund gerade in Extremsituationen wie etwa Verletzungen oder Krankheit akzeptiert, dass nun das Pferd im Vordergrund steht und mich unterstützt, statt mir Vorwürfe zu machen.
Katinka Schnitker
| Aktuelles Magazin |
| Archiv |
| News und Infos |
| Problempferde |
| Kalender |
| Gesundheit |
| Zur Diskussion |
| Zum Wiehern! |
| Vorschau |
| Das Pferd |
| Pferdesprache |
| Haltung |
| Fütterung |
| Reitweisen |
| Reitabzeichen |
| Pferdekauf |
| Reiterurlaub |