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Probleme beim Anbinden - Einfahren vor dem Reiten - Kälte und Nässe - Haltung in Eigenregie? - Zum Wiehern!


Equikids 12/2012

Problempferde: Wenn Pferde sich nicht anbinden lassen


Wo die Ursachen für dieses Problem liegen und welche technischen Voraussetzungen gegeben sein müssen, haben wir in der letzten Ausgabe von Equikids beschrieben. Nun geht es weiter:


Erzieherische Maßnahmen


1. Dominanztraining
Standard
Diese Methode bietet sich vor allem an für noch unerfahrene und daher auch unverdorbene Tiere. Gerade bei jungen Pferden, die aus einer sicheren Sozialstruktur herausgeholt werden, können mit Hilfe eines sinnvollen Dominanztrainings die oben aufgeführten instinktiven Ängste vor dem Angebundensein abgebaut bzw. von Beginn an vermieden werden. Es bieten sich in diesem Fall Übungen an der Hand und in der Bahn an. Hat das Pferd während der Handarbeit gelernt, dem Ausbilder zu vertrauen und bei ihm seine Sicherheitszone zu sehen, wird es sich in der Regel auch ruhig anbinden lassen, solange er dabei ist.
Erweiterung
Da es unerlässlich ist, ein angebundenes Pferd auch einmal alleine lassen zu können, wird wiederum erst im Platz und anschließend im Anbindestand an einem weiteren Punkt gearbeitet. Durch deutliche Stimmkommandos und begrenzende Handbewegungen versteht ein Pferd relativ schnell, wann es auf seinem Platz stehen bleiben soll. Dieses Kommando wird so weit vertieft, bis sich der Ausbilder auch kurzzeitig aus dem Blickfeld des Pferdes hinausbewegen kann, ohne dass das Tier unruhig wird. Ist ein solcher Erziehungsstand erreicht, kann die gleiche Übung im Anbindestand probiert werden.
Anbindelänge
Da in diesem Fall der Erfolg auf der freiwilligen Mitarbeit des Pferdes beruht, darf es nicht zu kurz angebunden werden. Vom Strick soll kein Zwang ausgehen, er soll lediglich die Erinnerung an das Kommando zum Stehen bleiben darstellen. Eine Anbindelänge von ca. 50 cm erscheint zu diesem Zweck sinnvoll. Längere Stricke bringen beim unbeaufsichtigten Pferd neue Unfallquellen mit sich, wie z.B. Bein über oder Kopf unter dem Strick etc.. Wenn aus solchen Situationen heraus dann ein Trauma entsteht, ist jede andere Vorarbeit umsonst gewesen.

2. Direktmaßnahmen
Es gibt leider durchaus Pferde, deren anfängliche, ehrliche Angst sich im Falle des Erfolges innerhalb kürzester Zeit in eine methodische und fast schon sachliche Gegenwehr umwandelt. Die Eigendynamik dieser Entwicklung sollte unbedingt unterbrochen werden, sofern man sein Pferd im Leben überhaupt noch einmal mit ruhigen Nerven anbinden möchte. Die einzige Chance, die der Mensch in diesem Fall hat, besteht darin, sich in jeder Beziehung so abzusichern, dass ein "Entkommen" definitiv unmöglich wird. Dazu kann man Folgendes tun:

- Auf alles vorbereitet sein! Noch bevor der erste Versuch unternommen wird, das Problempferd anzubinden, sollten alle in der letzten Ausgabe aufgeführten technischen Bedingungen berücksichtigt werden. Der Erfolg hängt 100%ig davon ab, dass auch nicht der Hauch eines Auswegs besteht.

- Den Anlauf verkürzen! Pferde, die sich methodisch nach hinten werfen, um Halfter und Strick zu zerreißen, sollten ausnahmsweise wirklich sehr kurz angebunden werden. Der Schwung, den sie am langen Strick entwickeln können, beinhaltet die ernste Gefahr des Genickbruchs. Selbstverständlich können sie auch am kurzen Strick rückwärts ziehen, aber der Druck auf das Genick entsteht dann nicht so plötzlich und so hart, sondern ist praktisch von Beginn an vorhanden.

- Wenn der Strick reißt: Das Pferd kann mit zwei Stricken unterschiedlicher Länge angebunden werden. Sollte der erste Strick reißen, findet sich das Pferd völlig unerwartet immer noch am zweiten, längeren Seil angebunden. Dieser Überraschungseffekt hat oft schon eine recht überzeugende Wirkung.

- Wenn der Genickriemen des Halfters sich durchzieht: Die häufig verwendeten Nylonhalfter ohne Dornschnalle haben den Vorteil, stufenlos verstellbar zu sein - und den Nachteil, den Genickriemen etwas ungenügend gegen Durchrutschen zu sichern. Die Gegenmaßnahme ist allerdings recht einfach. Das Halfter muss groß genug sein, um bei der Genicklasche noch etwas Spiel zu haben. Die durchgezogene Lasche wird dann in der Schnalle so weit hochgezogen, dass das herabhängende Ende noch einmal quer hindurchgefädelt werden kann. Auf diese Weise wird ein Durchrutschen absolut sicher verhindert.

- Wenn das Halfter reißt: Ähnlich wie beim Strick wird einfach eine zweite Sicherung angebracht. Das heißt, zusätzlich zum Halfter wird ein durchrutschgesicherter Nylonhalsriemen oder ein gepflegter und stabiler, ausreißsicherer Lederhalsriemen um den Hals des Pferdes gelegt. Diese Sicherung wird mit einem separaten Strick befestigt. Wichtig ist wiederum, dass die Anbindelänge der beiden Stricke so eingestellt wird, dass zuerst das Halfter wirkt und erst im Falle dessen Aufgebens der Halsriemen das Pferd stoppt.
Wichtig: Das Spiel zwischen erstem und zweitem Strick darf nicht zu groß sein, da bei zu großem Schwung wieder die Gefahr der Halswirbelverletzung durch den Riemen besteht.


Wenn das Pferd trotz aller Sicherung nicht aufhört zu zerren
Prinzipiell könnte man sich mit Geduld wappnen und einfach abwarten. Irgendwann sollte jedes Pferd merken, dass weiterer Widerstand zwecklos ist. Andererseits ist das Tier in jedem Moment des Sträubens und Strampelns relativ stark verletzungsgefährdet, weshalb es sinnvoll erscheint, dieses Verhalten so schnell wie möglich zu beenden. Zusätzlich muss damit gerechnet werden, dass ein Ausstieg aus der Hysterie dem Betroffenen – in diesem Fall dem Pferd – nur schwer alleine gelingt.

Die Möglichkeiten:

- Trost und Zusprache
sind sicher der erste Versuch, das Pferd aus seiner Verzweiflung heraus zu holen. Jeder Betroffene ist froh, wenn dieser Weg erfolgreich ist. Sofern es überhaupt wahrgenommen wird, kann auch Futter angeboten werden.

- Energische Gegenmaßnahmen ...
sind in manchem Fall die letzte Möglichkeit, das Pferd von seinem sinnlosen und gefährlichen Zerren abzubringen. Konkret bedeutet dies, eine Gerte zum Einsatz zu bringen. Wenn alle anderen Versuche erfolglos bleiben und wenn das Pferd offensichtlich nicht aufhören will, sich und andere zu gefährden, kann der gezielte und sinnvolle Gerteneinsatz die letzte Rettung sein. Sobald das Tier sich nach hinten schmeißt, bekommt es von dort eine energische Antwort. Steht es still, wird es gelobt und – sofern es dem zugänglich ist – gefüttert.

- ... und ihre kritischen Punkte
Die Sicherheit von Mensch und Tier betreffend sei noch gesagt, dass solche Aktionen das Risiko unkontrollierter Reaktionen mit sich bringen. Der Mensch sollte daher einen genügend großen Sicherheitsabstand einhalten. Sollte dem Pferd einfallen, sich per Hinterhuf auseinander zu setzen, darf es den Menschen nicht erreichen können. Ein anderer Punkt betrifft die Gesundheit des Pferdes. In dem Moment, da das Tier dem Druck von hinten nachgibt, hört es meistens nicht einfach und friedlich auf, an dem Strick zu zerren. Genauso vehement, wie es zuvor nach hinten gezogen hat, wirft es sich nun nach vorne. Scharfe Kanten, herausstehende Nägel und Schrauben etc. in Kopf- bzw. Augenhöhe des Pferdes sollten daher schon im Vorfeld entfernt oder zumindest ausreichend gepolstert werden. Bereits ein kräftiger Nasenstüber auf glatter Wand ist für das Pferd unangenehm. Ernste Verletzungen aber sollte niemand riskieren!


Ein Langzeitprogramm

Weder die perfekte Sicherung, noch Zuspruch, noch Gerte führen bei schwierigen Fällen zum sofortigen Erfolg. Ein Pferd, welches über lange Zeit mit seinem Widersatz beim Anbinden durchgekommen ist, wird sich nicht durch einen einzelnen Misserfolg entmutigen lassen. Immer wieder muss mit vehementen Losreißversuchen gerechnet werden. Die vorausschauende Verhinderung solcher Aktionen sollte daher sicherheitshalber über mehrere Monate beibehalten werden. Die technischen Grundvoraussetzungen wie: passendes, gepflegtes Halfter, stabiler Strick mit ebensolchem Haken und sichere Anbindevorrichtungen sollten allerdings grundsätzlich so selbstverständlich und zeitlich unbegrenzt sein, dass von dieser Seite her kein Pferd in Versuchung geführt werden kann.

Der "Entfesselungskünstler"
Ein Wort noch zu den Intelligenzbestien unter unseren Pferden. Sie haben im Grunde nicht unbedingt etwas gegen das Angebundensein. Im Gegenteil, verspricht es doch immer wieder ein wenig Kurzweil durch die Beschäftigung mit dem "Sicherungssystem". Für diese Pferde sind einfache Schlaufen ein Witz, Absperrriegel ein willkommener Zeitvertreib und mehrfach verschlungene Pferdeknoten schlicht eine interessante Herausforderung. Sie handeln weder aus Panik noch aus Widersatz. Sie haben Fantasie und Verstand und eine eigene Vorstellung von der Gestaltung ihres Tagesablaufes. Hier erfolgreich zu intervenieren, fordert alle vorhandene Vorstellungskraft und wohl auch ein wenig Humor des zuständigen Menschen. Aber so sehr man die Geschicklichkeit des Pferdes bewundern mag – aus Sicherheitsgründen sollte doch alles versucht werden, mit vorausschauender Klugheit dessen "Entfesselungsversuche" zu unterbinden.

Ute Forler


Junge Pferde vor dem Wagen:

Einfahren vor dem Reiten


Früher war es allgemein üblich, und bei staatlichen Gestüten praktiziert man es immer noch: Im Alter von etwa zweieinhalb bis drei Jahren wurden bzw. werden die jungen Pferde eingefahren.


Das bedeutet für sie keine große körperliche Anstrengung, speziell in ebenen Regionen keine allzu große Belastung des Rückens wie beim Reiten. Und sie lernen vorzugsweise an der Seite eines erfahrenen Führpferdes im Zweispänner schon mal die Welt kennen, die außerhalb ihrer Weide und ihres Stalles liegt und die ab jetzt auch die ihre sein wird.

Die Vorteile liegen also auf der Hand. In diesem Alter ist das Pferd geistig schon so weit, dass es beschäftigt werden möchte. In der Natur würden sich junge Hengste spätestens jetzt von der Herde trennen oder würden verjagt, und die jungen Stuten würden gedeckt. Hengste und Stuten wären also in gewisser Weise „beschäftigt“.


Die Voraussetzungen

Wichtig ist das richtige Umfeld. Ein junges Pferd, das mit einem derart komplizierten Vorgang wie dem Einfahren vertraut gemacht werden soll, muss sich ganz darauf konzentrieren können. Das bedeutet, dass es seine Umgebung gut kennt und es dort normalerweise nichts erschrecken kann. Sein Arbeitsfeld wird in Zukunft weitgehend die Straße sein, und der heutige Verkehr stellt hohe Anforderungen an die Nerven nicht nur von Pferden.

Ein Pferd, das eingefahren werden soll, muss also mit den Geräuschen und dem Erscheinungsbild des Verkehrs vertraut sein. So sollte man es nicht von einer idyllischen Berg- oder Waldweide holen und mit der Ausbildung beginnen, sondern ihm die Möglichkeit geben, sich an den Stress der Straße zu gewöhnen. Das geschieht am besten, indem es zusammen mit erfahrenen Pferden viele Stunden in einem Auslauf direkt an der Straße verbringt. So lernt es die unterschiedlichen Geräusche kennen und wird schon nach einigen Tagen nicht mehr erschreckt davon preschen, wenn eine Kolonne röhrender Motorradräder vorbei braust.

Von Vorteil ist es auch, wenn das junge Pferd von diesem Auslauf aus beobachten kann, wie andere Pferde arbeiten oder angeschirrt werden. Die Geräusche der Kutschräder werden es bald nicht mehr erschrecken, und es sieht, dass die Pferde angespannt werden, wegfahren und immer wieder kommen.

Eine gute körperliche Verfassung des Pferdes sollte selbstverständlich sein. Mit Pferden im Fellwechsel oder in Wachstumsphasen sollte man keine neue Ausbildung beginnen. Denn auch wenn sie körperlich möglicherweise nicht besonders anstrengend ist, so werden doch Muskelgruppen gefordert, die das junge Pferd bisher weniger gebrauchen musste, d.h. der Körper wird genau wie beim Reiten gefordert und in gewisser Weise umgeformt.


Der Faktor Zeit

Einfahren ist ein recht komplexer Ausbildungsprozess mit vielen verschiedenen Phasen. Zwischen den einzelnen Phasen, die aufeinander aufbauen müssen, sollte man dem Pferd immer mal wieder einige Tage Ruhe gönnen. In diesen Ruhezeiten kann es darüber „nachdenken“, was von ihm verlangt wurde. Manche Menschen sind erstaunt, dass man nach einigen Tagen Pause genau dort weiter machen kann, wo man aufgehört hat. Man braucht das Gelernte nur kurz in der richtigen Abfolge zu wiederholen – hat das Pferd es einmal begriffen, ist es gespeichert. Endlose Wiederholungen langweilen das Pferd nur.


Ohne Helfer geht gar nichts

Beim Fahren geht die Kommunikation hauptsächlich über die Leinen bzw. das Gebiss und die Stimme. Im Gegensatz zum Reiten ist die Einwirkung aufs Pferd also geringer. Hinzu kommt noch, dass das Pferd in einigen Ausbildungsphasen recht weit weg von einem ist und mit Dingen bekannt gemacht werden muss, die es erschrecken könnten.

Ein zuverlässiger Helfer, der ohne viele Anweisungen weiß, was zu tun ist, ist von unschätzbarem Wert. Auch später beim Fahren ist es gut, wenn immer ein Helfer dabei ist, der notfalls schnell an die Köpfe der Pferde geht, um sie zu beruhigen, der ein Pferd aus einer misslichen Lage befreit, wenn einmal ein Bein über einen Strang gekommen ist, und und und..., so dass der Fahrer niemals die Leinen loslassen muss.

Ohne Helfer sollte man zumindest bei jungen Pferden gar nichts machen.


Die ersten Schritte

Zuerst muss das Pferd ans Geschirr gewöhnt werden. Noch spielen die Zugstränge keine Rolle, aber Brustblatt und Selett müssen aufgelegt und angepasst werden.

Hierzu ist genau wie beim ersten Satteln viel Ruhe und Geduld nötig und eine Person, der das Pferd voll vertraut. Bei dieser Gelegenheit lernt es dann auch, unangebunden ruhig neben dem Menschen zu stehen.

Dann beginnt die Arbeit mit der einfachen Longe. Sobald das Pferd begriffen hat, worum es geht und ruhig im Kreis läuft, wird die Doppellonge eingeschnallt.

Sie hat mehrere Vorteile: Sie wirkt auf beide Gebissringe und man kann mit ihr die Hinterhand begrenzen, indem man die Longe um die Hinterhand herum laufen lässt. Außerdem lernt das Pferd jetzt schon, dass eine Leine (später ein Strang) an der Hinterhand nichts Furchteinflößendes oder Treibendes ist, sondern eine Berührung, der es keine weitere Bedeutung zuzumessen braucht.

Das Laufen an der Doppellonge dient jetzt zum einen dem körperliche Training, zum anderen der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd.

Jetzt lernt es die einzelnen Kommandos wie „Schritt“, „Halt“ usw. Jetzt lernt es auch etwas, was gerade jungen Pferden anfangs sehr schwer fällt, nämlich weiter weg vom Menschen, nur durch die Leinen mit ihm verbunden, ruhig und aufmerksam zu stehen.

In dieser Phase kann man das Fahren vom Boden einschieben, d.h. der Ausbilder steht nicht mehr in der Mitte des Platzes und lässt das Pferd um sich herum gehen, sondern er verkürzt die Leinen der Doppellonge und geht hinter dem Pferd her. Anfangs von einem Helfer am Kopf angeführt lernt das junge Pferd so, dass die vertrauten Kommandos jetzt von hinten kommen, es den Kommandogeber aber nicht sehen kann, weil dieser im toten Blickwinkel hinter ihm ist.

Alle diese Übungen werden auf einfache Wassertrense ausgeführt, die Fahrkandare wird erst beim Anspannen vor der Kutsche eingesetzt.

Nächstes Mal geht es vor die Schleppe – das Ziehen beginnt.

Uta Over


Kälte und Nässe

Ein Problem für die Pferde?


Um es vorweg zu sagen: Das klimatische Empfinden von Mensch und Pferd ist völlig unterschiedlich. Wenn wir die Hitze kaum noch aushalten, macht sie vielen Pferden überhaupt nichts aus. Und wenn wir uns schon drei Fleece-Pullover, Mütze und Fellstiefel anziehen, stehen die Pferde noch vergnügt draußen und stellen lediglich ihr Fell hoch - was noch keineswegs bedeutet, dass ihnen kalt ist.

Unsere Entwicklungsgeschichte ist eben völlig anders verlaufen. Die Menschen schützten sich schon früh mit Fellen anderer Tiere gegen die Kälte, während den Pferden ihr eigenes wärmendes Fell wuchs... so ist das heute noch.


Kälte - im Grunde kein Problem für Pferde

Das wussten schon unsere Vorfahren und heizten ihre Ställe nie. Nicht aus Sparsamkeit oder Bequemlichkeit, sondern weil es tatsächlich nicht nötig war und auch heute unter gewissen Bedingungen keineswegs notwendig wäre.

Selbst Pferde, die nur im Stall stehen und sich nicht bewegen, frieren normalerweise nicht, wenn sie gut genährt sind. Schon im Herbst bereiten sie sich darauf vor, dass es kalt wird. Sie legen sich nicht nur ein dichtes Fell mit Unterwolle zu: Wenn sie  können, fressen sie sich auch einen gehörigen Winterspeck an. Das ist im Herbst schwere Arbeit, denn der Nährgehalt des Grases geht dann zurück. Kein Wunder, dass viele Pferde im Herbst einen dicken Grasbauch haben; sie brauchen ihn, weil sie viel Gras aufnehmen müssen, um daraus einen relativ geringen Nährgehalt zu ziehen. Dabei reicht es nicht, dass sie satt werden: Es müssen Reserven für den Winter angelegt werden. Dieser Instinkt ist noch in jedem Pferd vorhanden.

Allerdings können Pferde dem nicht immer nachgehen, konnten es manchmal über viele Generationen nicht, und so haben sich auch bei Pferden Linien = Rassen herausgebildet, deren Körper nicht mehr so kälteresistent sind.

Sie kommen nicht mehr mit dem aus, was die Natur ihnen bietet, sondern brauchen aufgrund ihrer Veredelung eine vermehrte Energiezufuhr, um im Winter nicht zu frieren.


Die Еdlen und die Primitiven

Ein edles Pferd ist ein Pferd, in dem ein relativ hoher Anteil an Arabischem oder Englischem Vollblut ist. Das ist ein leichtes Warmblut, es kann ein Andalusier sein, das edelste Pferd ist wohl der reine Vollblüter.

Diese Pferde wurden über viele Generationen als reine Gebrauchspferde gezüchtet, d.h. sie mussten immer verfügbar und leistungsbereit sein. Ein Pferd, das sich im Herbst mit Gras voll frisst und im Winter einen dicken Pelz hat, kann man nicht intensiv nutzen. Es schleppt zu viel Masse mit sich herum, es schwitzt mit dem dicken Pelz und ist daher nicht leistungsfähig.

So kam man auf die Idee, die Pferde aufzustallen, sie gleichmäßig warm zu halten und anders zu füttern: mehr energiereiches Futter, weniger Raufutter. Das Ergebnis zeigte sich nicht gleich, aber doch im Laufe einiger Generationen: Ein trockeneres Pferd mit weniger Masse und einem entschieden dünneren Winterfell. Ein Luxusgeschöpf, ein Leistungssportler, der in der Natur kaum mehr überleben könnte.

Anders die Primitivpferderassen, wobei der Begriff primitiv hier tatsächlich sehr unglücklich ist. Ursprüngliche Pferderassen wäre angemessener. Das sind kleine, meist ziemlich alte und im Gegensatz zu den edleren Pferden bodenständige Pferderassen. Auch sie mussten arbeiten, aber sie mussten im Winter doch nicht die Leistungen vollbringen wie ihre hochblütigen Vettern, nämlich schnell und feurig zu sein.

Zwar gingen sie im Winter oft vor dem Pflug oder zogen Schlitten; insgesamt war (und ist) ihr Leben aber doch natürlicher, und so formte sich ihr Körper auch nicht derart zivilisatorisch um.

Primitivpferderassen haben im Gegensatz zu den so genannten edlen Pferden einen dicken Winterpelz mit dichtem Unterhaar und langen Grannenhaaren, an denen das Wasser einfach runterläuft. Auch andere körperliche Merkmale sind praktischer. So ist die Nasentrompete der Primitivpferderassen beispielsweise nicht so weit wie die der hochedlen Pferde. Das bedeutet, dass sich die eiskalte Winterluft wesentlich mehr erwärmt, bevor sie in die Lungen strömt – nur ein Detail, aber ein wichtiges.

Alle bodenständigen Ponyrassen können Kälte und Nässe gut aushalten. Es mag ihnen nicht immer gefallen, und auch sie mögen vielleicht einmal frieren; im Gegensatz zu den edleren Pferden würden sie es aber müheloser überleben.


Kann man Pferde auch im Winter robust halten?

Im Grunde kann man jedes Pferd auch im Winter robust halten. Allerdings braucht es dafür einige Voraussetzungen.

Grundvoraussetzung ist ein trockener windfreier Stall, der gut eingestreut ist. Natürlich können Pferde auch auf dem blanken Boden schlafen; aber auch in der Natur suchen sie sich gern ein weiches Bett in einer Kuhle mit Laub. Das sollte man ihnen unbedingt gönnen.  

Sie suchen sich  tagsüber zwar meist erhöhte Stellen aus, wo auch der Wind bläst, um weit schauen zu können und damit ihr Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen. In der Natur sind es aber meist größere Gruppen von Pferden, die sich vertraut sind. Sie stellen sich nahe zusammen, Kruppe gegen den Wind, und wärmen sich so gegenseitig. Bei einer relativ heterogenen Gruppe von Pferden kann man das nicht erwarten. Man muss ihnen also einen windfreien Unterstand bieten.

Robustpferde brauchen keinen weiteren körperlichen Schutz als ihr Fell. Das Winterfell hat meistens eine dicke Unterwolle, die vor Kälte und sogar vor Nässe schützt.

Anders kann es bei sehr edlen Pferden sein. Zumindest im ersten Winter draußen können sie frieren. Meistens sind sie clever genug, sich warm zu laufen, wenn ihnen kalt wird. Wenn sie dafür aber nicht ausreichend Fläche und keinen Laufpartner haben, stehen sie frierend auf einer Stelle. Solchen Pferden sollte man eine stabile Decke gönnen, die sie Tag und Nacht tragen können. Dafür muss man relativ tief in die Tasche greifen, aber die Investition lohnt sich.

Uta Over


Ein Pferd in Eigenregie halten

Endlich frei, oder schwieriger als man denkt?


Wenn es darum geht, sich ein eigenes Pferd anzuschaffen, heißt das für die meisten Reiter auch automatisch: auf Stallsuche gehen.

Schließlich haben nur die wenigsten auch direkt den eigenen Hof zur Verfügung, und so scheint ein Reitstall die naheliegendste Lösung zu sein. Schon wenn man davon ausgeht, dass man sein Pferd in Pension in einen Stall stellt, macht man sich Gedanken darüber, wie viel Verantwortung man nun für sein eigenes Pferd übernehmen muss: Man muss für ausreichende Bewegung, die notwendige Pflege und Dinge wie Hufschmied oder Tierarzt sorgen. Dafür werden einem in einem Reitstall andere Dinge, wie etwa die entsprechenden Räumlichkeiten, Heu, Stroh und Wasser zur Verfügung gestellt.

Hat man sich trotz dieser Verantwortung für ein eigenes Pferd entschieden, muss man eigentlich nur noch den passenden Stall finden, doch schon dies stellt sich oft als gar nicht so einfach heraus:

Wer sich nämlich auf Stallsuche begibt, wird schnell feststellen, dass man schon im Vorfeld gut aussuchen muss, um einen akzeptablen Stall zu finden. Was sich in der Zeitung oder beim Telefongespräch noch gut anhörte, entpuppt sich bei näherem Betrachten oft als echte Zumutung für Pferd und Reiter.

Bei jeder Suche gibt es außerdem noch begrenzende Faktoren, wie etwa den Preis oder auch die Entfernung. So gibt es zwar schon richtig schöne Ställe, in denen das Pferd dann auch rund um die Uhr betreut wird, doch übersteigen diese auch die finanziellen Grenzen der meisten bei weitem. Und ein Anfahrtsweg von über einer Stunde lässt auch den schönsten Stall nicht gerade attraktiver werden. Die meisten Pferdebesitzer müssen also schon im Vorfeld einen Kompromiss eingehen.

Aber auch wenn man es endlich geschafft hat und einen Stall gefunden hat, der in annehmbarer Entfernung liegt, nicht zu teuer ist und trotzdem für das Pferd eine gute Haltung verspricht, ist keine Zufriedenheit auf Dauer garantiert:


Warum wieder auf Stallsuche gehen?

Gibt man sich zum Beispiel Mühe, einen Stall mit artgerechter Haltung zu finden, kann es einem passieren, dass sich der im Sommer so gut aussehende Paddock im Herbst auf einmal in ein Schlammloch verwandelt. Oder man hat sich um eine Box mit täglichem Auslauf bemüht und bei jedem Nieselregen wird dieser plötzlich wegen Nässe gesperrt. Da hat man sich nun also extra Mühe bei der Auswahl gegeben und trotzdem ist nach einiger Zeit nichts mehr so, wie man es sich eigentlich vorgestellt hat.

So etwas sieht man sich dann in der Regel eine Weile an und ärgert sich, bis man zu dem Schluss kommt, dass es so nicht weitergeht – und man begibt sich wieder einmal auf Stallsuche, welche ja schon beim ersten Mal oft nicht ganz einfach war. Hat man dann endlich einen neuen Stall gefunden, der gut aussieht, kann es auch dort wieder zu Problemen, wenn auch vielleicht ganz anderer Art, kommen. So kann etwa die versprochene regelmäßige Fütterung ausfallen oder das Futter ist von schlechter Qualität.

Auch das Thema Misten kann in einem Reitstall schnell zu Ärger führen. So wird in einigen Ställen eben doch nicht regelmäßig gemistet, und wenn dann der Besitzer selber zur Mistgabel greift, kriegt er oftmals Ärger aufgrund von Strohverschwendung. Bietet ein Stall Matratzenstreu an, so ist hier auch noch nicht sicher, ob dies nicht heißt, dass ab und zu ein paar Strohhalme auf die schon völlig verdreckte Einstreu geworfen werden. Gerade bei solchen Themen hört der Spaß natürlich schnell auf, denn regelmäßige Fütterung mit gutem Futter ist absolut notwendig und auch mit mangelnder Sauberkeit ist nicht zu spaßen. Treten solche Defizite in einem Stall auf, ist ein neuer Stall schon vorprogrammiert.

Doch nicht nur so wichtige Sachen wie Haltung und Fütterung können einen zur Stallsuche bringen, auch scheinbare Kleinigkeiten stören auf Dauer erheblich:

So ist etwa auch die Stallgemeinschaft entscheidend dafür verantwortlich, ob man sich in einem Stall auf Dauer wohlfühlt oder eben nicht. Versteht man sich mit seinen Mitreitern gut, wird man auch immer gerne in den Stall fahren, denn was gibt es schließlich Schöneres, als gleichzeitig Zeit mit seinem Pferd und mit Freunden zu verbringen.

Doch wie sieht es aus, wenn man in seinem eigenen Stall schon nicht mehr gegrüßt wird? Wer hat schon Lust, seine Freizeit in einer derartigen Atmosphäre zu verbringen? Und wer schon mal längere Zeit mit Reitern verbracht hat, der weiß auch, dass das Gegeneinander-Gehetze nicht zu unterschätzen ist.

Und spätestens, wenn man keine Lust mehr hat, zu seinem Pferd zu fahren, weil man befürchtet, dort bestimmte Leute zu treffen, ist es wieder Zeit für einen Stallwechsel.


Selber kann man es am Besten

So geht fast jeder Reiter mit der Zeit mit seinem Pferd durch etliche Ställe und bei jedem, der am Anfang wieder so perfekt aussah, treten mit der Zeit doch wieder irgendwelche Schwierigkeiten auf.

Dies ist natürlich auch verständlich, da jeder Pferdebesitzer seine ganz private Vorstellung von der perfekten Pferdehaltung hat; und die kann man eben nur selber verwirklichen.

So kommen dann auch viele von den üblichen Reitställen genervte Besitzer auf die Idee, ihr Pferd einfach in Eigenregie zu halten.

Ja, das scheint erst einmal die Lösung schlechthin zu sein: Endlich ist man frei und unabhängig. Alles wird man in Zukunft so regeln können, wie man es sich vorstellt, und keiner wird einem mehr hineinreden können. Doch ist das wirklich so einfach und unkompliziert, wie es sich zuerst anhört?

Alleine die Verantwortung, die man für sein Pferd hat, wächst nun doch um einiges: Schon im Reitstall hat man mit einem eigenen Pferd viele Pflichten, doch wie sieht es jetzt aus? Natürlich muss man sich auch hier um ausreichende Bewegung, die notwendige Pflege usw. kümmern. Doch zusätzlich liegt jetzt auch noch die komplette Haltung, die Fütterung und vieles mehr in den eigenen Händen. Ist ein Pferd in einem Reitstall doch meistens unter Beobachtung, ist es jetzt alleine die Aufgabe des Besitzers, regelmäßig nachzusehen, ob es dem Pferd auch gut geht. Auch die Wartung von Stall und Weide und die Entfernung von möglichen Verletzungsquellen wird nicht mehr von anderen übernommen.

Auch den Luxus, vielleicht einmal einen Tag nicht zu seinem Pferd zu fahren, kann man jetzt vergessen. Und während man in einem Reitstall meist noch recht unkompliziert in Urlaub fahren kann, wird dies bei einer Haltung in Eigenregie schon richtig schwierig, schließlich braucht man nicht nur jemanden, der nach dem Pferd schaut, sondern einen, der die gesamte Arbeit und Verantwortung übernimmt.


Die Haltung

Hat man sich trotzdem dafür entschieden, sein Pferd selber zu halten, müssen erst einmal die räumlichen Gegebenheiten geregelt werden:

Oft kommen Reiter bei der Suche nach dem zukünftigen Zuhause für ihr Pferd auf einmal auf die Idee, dass ja eigentlich der kleine Schuppen hinter dem Haus ideal dafür geeignet wäre. Und so landet dann so manches Pferd, aus einem Reitstall befreit, in einem zugigen, viel zu kleinen Bretterverschlag ohne den notwendigen Auslauf. Dass dies eigentlich keine vernünftige Alternative ist, sollte klar sein.

Also, schon beim richtigen Platz fangen die Probleme an, denn es ist eben nicht mit einem Stückchen Wiese und einem Schuppen getan. Für alles, was im Reitstall gegeben war, muss man nun selber sorgen: Man braucht einen ausreichend großen Stall, der trocken und nicht zugig ist, man braucht, wenn man Wert auf artgerechte Haltung legt, einen befestigten Auslauf für den Winter und ausreichende Weidefläche für den Sommer. Um dies alles zur Verfügung zu stellen, bedarf es einer Menge Arbeit, Geld und auch Glück, denn solche Gegebenheiten sind nicht immer ganz einfach zu finden.

Doch damit nicht genug: Schließlich muss man sich auf einmal auch um das gesamte Futter seines Pferdes selber kümmern, dass heißt, man muss gutes Heu und Stroh selber kaufen und braucht natürlich auch noch den entsprechenden Platz, um dieses zu lagern. Und die Menge an Heu und Stroh, derer es bedarf, um ein Pferd gut über den Winter zu bringen, ist nicht zu unterschätzen.

Auch fließendes Wasser und Strom, wie es ja doch in den meisten Ställen zur Verfügung steht, sind bei einer Haltung in Eigenregie oft nicht gegeben. Da heißt es dann auf einmal Wasser schleppen. Im Sommer, wenn es warm wird, muss man mit großen Mengen Wasser rechnen, die benötigt werden, und im Winter hat man das Problem, dass das Wasser einfriert. Außerdem kann einem der Komfort eines beleuchteten Stalles auch schnell fehlen.

Hat man tatsächlich die Möglichkeit, sein Pferd direkt am Haus zu halten, fallen Pflichten wie Wasserbringen und zumindestens im Winter mehrmals am Tag füttern ja noch nicht ganz so ins Gewicht, doch wenn man immer noch eine mehr oder weniger weite Strecke bis zu seinem Pferd zurücklegen muss, gehen solche Sachen schon ganz schön auf Zeit und Kraft des Besitzers.


Ein Pferd alleine?

Aber nehmen wir einmal an, man hat es tatsächlich geschafft und die gesamte Haltung voll im Griff, dann gibt es da noch ein ziemliches Problem: Oft bedeutet solch eine Lösung für ein Pferd nämlich ein sehr einsames Leben. Wie häufig sieht man irgendwelche Pferde alleine auf einer Weide herumstehen?

Fragt man die Besitzer dann, ob sie diesen Zustand für richtig halten, bekommt man erschreckend oft zur Antwort, dass sie ja schließlich regelmäßig bei ihrem Pferd wären und diesem dann auch Gesellschaft leisten würden. Dabei sollte doch nun wirklich jedem, der sich mit Pferden beschäftigt, klar sein, dass man selber niemals die Gesellschaft von anderen Pferden ersetzen kann.

Nun ist man zwar als Besitzer endlich sein eigener Herr, doch das Resultat sollte kein unglückliches Pferd sein. Da Pferde aber nunmal unbestritten Herdentiere sind, muss zur guten Haltung auch ganz dringend Gesellschaft her.

Dabei ist eine Еrsatzgesellschaft wie etwa ein Esel oder eine Ziege zwar wesentlich besser als keine, doch die Gesellschaft von anderen Pferden ist trotzdem nicht zu übertreffen. Doch auch schon wie auch immer geartete Ersatzgesellschaft bedeutet einen zusätzlichen Raum- und Kostenfaktor, den man oftmals zu Beginn gar nicht mit eingeplant hatte.

Will man seinem Pferd nicht die Gesellschaft seiner Artgenossen vorenthalten, kann oder will sich aber kein eigenes zweites Pferd anschaffen, bleibt einem nur eine Alternative: Man muss sich im Endeffekt doch wieder mit einem anderen Pferdebesitzer zusammentun. Und schon ist es wieder vorbei mit der großen Freiheit.

Natürlich bringt eine zweite Person auch viele Vorteile mit sich, denn zum Beispiel ein Urlaub ist nun ein weniger großes Problem – und auch die Pflichten und Arbeiten kann man nun besser aufteilen, so dass es wieder möglich ist, sein Leben etwas entspannter zu planen, ohne die täglichen Pflichten beim Pferd.

Doch wieder stoßen hier zwangsläufig zwei mehr oder weniger unterschiedliche Idealvorstellungen aufeinander, und es müssen Kompromisse eingegangen werden.


Die positiven Seiten

Dies hört sich ja nun alles sehr negativ an, doch natürlich hat diese Form der Haltung auch sehr viele Vorteile und kann sehr schön sein:

Schließlich liegt nun wirklich alles in der eigenen Hand, und mit etwas Aufwand kann man sein Pferd nun endlich so halten, wie man es sich schon immer gewünscht hat. Wenn man das Glück hat und einem ein ordentlicher Stall oder eine winterfeste Weidehütte zur Verfügung stehen und die Gesellschaft für das Pferd auch noch da ist, kann so etwas sowohl für das Pferd als auch für den Besitzer von Vorteil sein. Und auch die zusätzliche Zeit, die man bei seinem Pferd verbringt, muss man ja nicht unbedingt als etwas Negatives ansehen. Wer im Winter abends seinen Pferden Heu gefüttert hat und sich dann noch ein Weilchen dazugesetzt hat, weiß vermutlich, wovon ich rede.

Und doch sollte man so ein Vorhaben auf keinen Fall unterschätzen: So gibt es durchaus viele Fälle, bei denen sich die Besitzer bei einer Haltung in Eigenregie einfach völlig übernommen haben, die Leidtragenden sind dann wie so häufig die Pferde, die daraufhin völlig unzureichend versorgt werden – und bevor es so weit kommt, sucht man sich eben doch lieber ab und zu einen neuen Stall.

Katinka Schnitker


Zum Wiehern!

Bücher deuten - gewusst, wie!


Neulich habe ich gelesen, man soll „das alles genau so machen, wie du es jetzt gerade siehst“.

Dies ist eine geradezu phantastische Patentantwort für all die Zweifler und Nörgler, die einem Tag für Tag im Stall so über den Weg laufen! Kein Reiter traut dem anderen, und erst recht würde man keinem anderem Reiter mehr Wissen zugestehen, als man selber hat – es sei denn, der andere hat sein Wissen aus einem Buch. Bücher scheinen eine völlig unangefochtene Autorität zu besitzen, die jeder ohne genauere Nachfrage akzeptiert:

„Sag mal, dein Pferd ist gerade dabei, meine Jacke zu verspeisen, könntest du da vielleicht mal eingreifen?“ - „Na, weißt du, ich könnte schon, aber neulich habe ich gelesen: Pferde fressen immer genau das, was ihr Körper zu dieser Zeit braucht, und du willst doch jetzt sicherlich nicht verantwortlich für die Mangelerscheinungen meines Pferdes sein, oder?“ Gut, vielleicht ist diese Antwort etwas fadenscheinig, und vielleicht möchte man seine Jacke trotzdem behalten, aber bei mir hat sie absolut gewirkt – es war zwar hart, aber wenn dieses Pferd irgendwann einmal Mangelerscheinungen bekommt, habe ich mir nichts vorzuwerfen, und außerdem stand es ja in einem Buch...


Gewusst wie...

Wird man angemeckert, weil man etwas falsch macht, so kann man sich zurzeit nur noch damit retten, dass man sofort ein Zitat aus einem Buch nennen kann, welches diese Handlung rechtfertigt, und wenn das Zitat nicht verständlich ist, so bedarf es nur der richtigen Deutung: Wenn ein Pferd durchgeht, lebt es nur seinen Freiheitswillen aus, was in diesem speziellen Buch wirklich sehr empfohlen wurde. Und wenn einen demnächst ein Pferd völlig skrupellos über den Haufen rennt, dann liegt das sicherlich nur daran, dass in diesem neuen, innovativen Buch der Erfolg von Dominanz-Rollentausch-Spielchen so bildhaft beschrieben wurde. Endlich kann man sein Pferd so putzen wie man möchte, man muss nur noch ein Buch finden, welches diese Methode unterstützt. Auch das Reitenlernen kann man sich schenken, sofern man einen Autor auftreibt, welcher das Herumgammeln auf Pferderücken propagiert und das unkontrollierte Herumhopsen des Reiters für eine wirkungsvolle Rückenmassage hält.


Die hohe Kunst des Lesens

Aber das wirklich Gute an dieser Methode ist, dass man dafür die Bücher nicht wirklich verstehen muss, man muss sie nur lesen, und auch da reicht es oftmals aus, sich einzelne Absätze oder gar Worte zu merken: Steht da zum Beispiel „Auch Strafe muss sein“, so kann man endlich mal hart durchgreifen, selbst wenn der Satz etwa mit den Worten „...wenn es für den Menschen gefährlich wird“ weitergeht. Auch die langen und ausführlichen Beschreibungen über das Maß der Strafe kann man getrost übergehen, endlich kann man all seine Aggressivität an seinem Pferd auslassen, weil es so nämlich in dem Buch stand – alles  eine Frage der Deutung!

Und wenn plötzlich jemand im Stall gänzlich aufhört zu reiten und sein Pferd nur noch per Longe oder zu Fuß bewegt, so kann dies gut die Folge der Lektüre „Erstes Arbeiten mit jungen Pferden“ sein, auch wenn das eigene schon fünfzehn ist...

Dies ist die hohe Kunst des selektiven Lesens. Auch ich habe sie mir zunutze gemacht und in einem Buch folgenden Satz gefunden, welcher endlich meinen Umgang mit meinem Pferd rechtfertigt: „Nach langer, intensiver Arbeit von Pferd und Reiter darf nun auch das nächste Turnier in Angriff genommen werden, doch nicht vergessen: Gewinnen ist nicht alles!“ – Ganz genau, wir merken uns: „Pferd darf alles!“ Hab ich gelesen!

Katinka Schnitker

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