Die Jugend-Pferdezeitschrift im Netz
Equikids - Ausgabe 12/2009
Hilfszügel - Abzeichen am Pferdebein - Strahlfäule - Reiten in Matsch und Schnee - Gefährliches Herbstlaub
Auch beim Reiter gibt es manchmal eine Blockade im Gehirn oder er muss noch lernen, seinen Körper besser zu beherrschen, um das Pferd nicht zu behindern. Hier gibt es Hilfszügel, die ihm das Leben auf dem Pferderücken etwas erleichtern können. Aber auch sie sind nur für kurze Zeit sinnvoll und dürfen nicht zur Gewohnheit werden.
Das gleitende Ringmartingal
Das Martingal gehört fast zur Standardausrüstung vieler
Schulpferde. ABER: Die Reitschule, die es standardmäßig verwendet, stellt sich damit
selbst ein Armutszeugnis aus; denn sie zeigt damit, dass ihre Pferde nicht gut geritten
sind oder die Reitschüler nicht geduldig genug ausgebildet werden.
Das Martingal
soll verhindern, dass das Pferd mit dem Kopf schlägt. Und wann schlägt ein Pferd
mit dem Kopf? - Wenn es „heftig“ ist oder Schmerzen im Maul hat. Dann wehrt es sich
oft mit verzweifeltem Kopfschlagen gegen die harte Reiterhand.
Anstatt jetzt ein Martingal
einzusetzen, sollte sich der Reitlehrer den Schüler vorknöpfen und mit ihm arbeiten,
damit er weicher in der Hand wird. Meist ist der Schüler noch unsicher, er hält sich
hilfesuchend am Zügel fest. Oft weiß er auch gar nicht, wie mit dem Zügel umzugehen
ist; und dass das dem Pferd Schmerzen im Maul verursacht, ist ja wohl logisch...
Korrektes Erklären und geduldiger Unterricht müssten hier das Martingal ersetzen.
Das Martingal hat lediglich eine Berechtigung bei schwierigen Geländeritten wie zum
Beispiel einer Herbstjagd oder auch bei einem schwierigen Springen. Hier kann es
einmal sein, dass das Pferd unkontrolliert den Kopf hochreißt und damit dem Reiter
einen Kinnhaken verpasst. NUR DAS soll das Martingal verhindern, und nur dafür ist
es gut.
Dazu muss es aber auch korrekt verschnallt werden. Wenn es zu eng verschnallt
ist, bricht es die gerade Zügellinie. Das bedeutet, dass das Pferd bei jedem Zügelannehmen
einen Druck nach unten anstatt nach oben im Maul bekommt - und das ist kompletter
Quatsch. Das Martingal muss so verschnallt sein, dass es beim normalen Reiten durchhängt,
d.h. weder Reiter noch Pferd spüren es. Erst, wenn das Pferd unkontrolliert den Kopf
hochreißt, wirkt es. Und das tun Schulpferde ja nicht ständig oder sollten es zumindest
nicht tun - oder? Das gedankenlos eingeschnallte Martingal bei Schulpferden sollte
also ersatzlos gestrichen werden.
Ausbinder - auch so eine Sache...
Oft werden Ausbinder
zum Longieren benutzt, und dann auch noch verkehrt verschnallt. Stellt euch das mal
vor: Das Pferd geht auf der linken Hand, soll sich also leicht nach links biegen
- aber die Ausbinder sind gleichlang. Wie soll sich das Pferd da biegen? Das geht
überhaupt nicht; also geht es gerade wie ein Schiff und quält sich über die Runden,
den Kopf starr geradeaus.
Ähnlich ist es beim Reiten. „Das Pferd soll in Haltung
gehen“, sagt der Reitlehrer. Und dafür bekommt es einen ziemlich starren Riemen verpasst,
der es ihm nicht erlaubt, den Hals auch nur ein kleines bisschen zu dehnen. Es kann
den Kopf ein bisschen runter nehmen, das ist aber auch nicht sehr bequem für das
Pferd; und wenn es ihn hochnimmt, wird es noch unbequemer.
Ausbinder sind nur dafür
da, dass ein Pferd unter einem „blutigen“ Anfänger in den ersten Stunden geht, ohne
dass der Reiter es im Maul stört. Sowie der Reiter gelernt hat, ruhig zu sitzen und
seine Hände zu kontrollieren, sollte er ohne Ausbinder reiten.
Übrigens: Die meisten
Ausbinder haben einen runden Gummiring in der Mitte; „damit ist der Ausbinder nicht
so starr“, sagt man. Aber versucht mal, den Ring zu dehnen... Möchtet ihr, dass euer
Pferd so steinhart im Maul wird, dass es diesen Ring dehnen kann...? Es gehört schon
sehr viel Kraft dazu, VIEL MEHR Kraft, als ein Reiter jemals im Pferdemaul anwenden
sollte.
Der Stoßzügel
Auch er ist so eine „Hilfskrücke“ für den Reiter, denn er verhindert
das Hochnehmen des Pferdekopfes. Er sollte also wie das Martingal nur in Extremsituationen
angewandt werden - und haben wir die regelmäßig? Nein. Also weg mit dem Ding!
Leider
sieht man den Stoßzügel bei uns auch noch richtig tierquälerisch verschnallt. Der
Stoßzügel ist im Grunde ein Riemen, der am Sattelgurt unter dem Pferdebauch verschnallt
wird und durch die Vorderbeine des Pferdes zum Nasenriemen geht. JA - ZUM NASENRIEMEN!
Nicht in die Trensenringe! Stellt euch mal die entsetzlichen Schläge ins Maul vor,
die ein Pferd bekommt, wenn es den Kopf auch nur ein bisschen höher bewegt, als der
Stoßzügel es erlaubt. Nicht nur, dass das eine Tierquälerei ist - der Schuss geht
auch noch nach hinten los: Nach kurzer Zeit habt ihr ein Pferd, das aus Angst total
verkrampft geht und außerdem noch steinhart im Maul wird. Das kann ja wohl nicht
der Sinn eines Hilfszügels sein.
In England wird er grundsätzlich in den englischen
Nasenriemen verschnallt, d.h. das Pferd bekommt einen Klaps auf die Nase - das ist
wesentlich milder als im Maul. Und NUR SO darf der Stoßzügel verschnallt werden.
Hilfszügel sollten wirklich nur im Notfall und für kurze Zeit benutzt werden. Achtet mal auf die Leute, die ihre Pferde mit viel Leder verschnüren: Sie sind die schlechtesten Reiter!
Uta Over
In den vorherigen Ausgaben haben wir die Pferdefarben in ihrer ganzen Vielfalt beschrieben.
Dabei wurde auch der Aspekt der Identitätsüberprüfung angesprochen, der sowohl bei
Renn- und Turnierpferden als auch im Fall eines Pferdediebstahls eine wichtige Rolle
spielt. In diesem Zusammenhang sind neben der Farbe auch die sogenannten Abzeichen
von entscheidender Bedeutung. Wenn ihr die Farbe und die Abzeichen eures Pferdes
genau kennt und exakt beschreiben könnt, habt ihr im Fall der Fälle, nämlich im Falle
eines Diebstahls, schon erheblich bessere Karten!
Als Abzeichen bezeichnet man die
pigmentlosen, also weißen bzw. - falls unbehaart - rosa-fleischfarbenen Partien an
Kopf und Beinen der Pferde. Sie werden bei der Fohlenregistrierung notiert und im
Abstammungsnachweis aufgeführt.
Abzeichen an den Beinen
Im folgenden befassen wir
uns mit den Abzeichen an den Beinen. Diese reichen im allgemeinen vom Huf aus nach
oben und werden korrekterweise nach dem jeweils betroffenen Bein und ihrer oberen
Begrenzung bezeichnet. Dazu einige Beispiele:
Linke Vorderfessel weiß, abgekürzt li.
Vfsl. w.:
Das bedeutet, dass das weiße Fußabzeichen über den Kronenrand, jedoch nicht
über die Mitte des Fesselkopfes hinaufreicht.
Zur genaueren Beschreibung sind Abweichungen
von einer in etwa gleich hohen Rundum-Begrenzung anzugeben, z.B. „linke Vorderfessel
innen (außen/vorn/hinten) höher weiß“, aber auch - bei Beschränkung auf eine Seitenfläche
- nur (z.B.) ... „innen weiß“ usw..
Rechter Hinterfuß weiß, abgekürzt re. Hf. w.:
In
diesem Fall übersteigt die weiße Partie die mittlere Höhe des Fesselkopfes, zumindest
in einem Teilbereich; als Oberkante der weißen Partie gilt bei einer solchen Beschreibung
die mittlere Höhe des Röhrbeins.
Selbstverständlich werden auch in diesem Fall zur
korrekten Identifizierung Abweichungen von der (sehr seltenen) etwa gleich hohen
Rundum-Begrenzung notiert. Zusätzlich zu den im vorangehenden Abschnitt genannten
Beispielen ist dabei auch die Sonderform „vorn (hinten/innen/außen) auflaufend weiß“
zu finden. In diesem Fall steigt ein etwas längerer, schmaler weißer Ausläufer auf
dem dunklen Umfeld des Beines nach oben.
Rechter Vorderfuß hoch weiß, abgekürzt re.
Vf. h. w.:
Hier übersteigt die obere Begrenzung des weißen Fußabzeichens, zumindest
an einer Seite, die mittlere Höhe des Röhrbeins. Als zusätzliche Identifikationshilfe
sind gegebenenfalls auch noch Sonderangaben wie „bis über Vorderfußwurzel“ oder „bis
über Sprunggelenk“ anzuführen.
Übersteigen die weißen Beinabzeichen die Fußwurzelgelenke,
also das Vorderfußwurzelgelenk (oft fälschlich als „Knie“ bezeichnet) oder das Sprunggelenk,
mit mehr als nur einem kleinen Ausläufer, dann geraten wir bereits in den Bereich
der Farbvariante „Scheckung“ hinein, ebenso beim Auftreten von nicht verletzungsbedingten
weißen Flecken an Unterbrust und Bauch. Sofern diese Flecken die Größe etwa eines
Handtellers nicht überschreiten, werden sie lediglich angegeben, ohne schon von „Scheckung“
zu sprechen.
Zur besonderen Beachtung:
Als Zusatzangaben sind sowohl bei den Kopf-
als auch bei den Beinabzeichen Pigmentflecken, also farbige Flecken im weißen Bereich,
unbedingt anzugeben. Besonders häufig treten sie als „Kronenflecken“ direkt über
der Hufkrone auf, abgekürzt „Kro.-Fle.“.
Ist die weiße Fesselzeichnung stark reduziert,
so spricht man von „weißer Krone“ bzw. „weißem Ballen“. Dabei tritt das Weiß meistens
nur als Fleckung in Erscheinung, also z.B. „hinten links Krone und Ballen gefleckt
weiß“, abgekürzt „hi. li. Kro. u. Bln. gefl. w.“.
Die Reihenfolge der Beschreibung
von Fußabzeichen an den vier Beinen eines Pferdes ist nicht generell festgelegt.
Häufig findet sich ein bestimmtes System, und zwar derart, als ob man um das Pferd
herumgeht, - also vorn links, hinten links, hinten rechts, vorn rechts. Aber auch
die Beschreibung zuerst der Vorder- und dann der Hinterbeine (falls sie Abzeichen
zeigen) ist zu finden. Wichtiger als eine bestimmte Reihenfolge ist es auf jeden
Fall, alle Abzeichen, auch die kleinsten, vollständig aufzuführen. Speziell Kronen-
und Ballenflecken sowie Lippenflecken werden bei der Fohlenregistrierung leider häufig
übersehen. Jeder Züchter und Besitzer sollte deshalb nach Erhalt der „Papiere“ die
Beschreibung seiner Tiere genau überprüfen und eventuell notwendige Korrekturen umgehend
veranlassen!
Eigentlich selbstverständlich, aber - sicherheitshalber - doch noch einmal
erwähnt: Links und rechts ist bei der Beschreibung eines Pferdes grundsätzlich definiert
als „aus Blickrichtung des Pferdes!“ - und nicht etwa des davor stehenden Betrachters,
ein leider immer wieder festzustellender Fehler.
Besondere Beachtung verdient auch
die genaue Beschreibung der Abzeichen bei Schimmeln. Beim Weißwerden des Körperhaarkleids
verschwinden naturgemäß weiße Abzeichen im Alter völlig. Umso wichtiger ist es deshalb,
jeden pigmentlosen Fleck im unbehaarten Lippen- und Nüsternbereich zu notieren, z.B.
„Blesse in linke Nüster, Oberlippe rechts kleiner heller Fleck“. Ein solches Abzeichen
ist auch bei einem alten und komplett weißen Schimmel noch gut zu erkennen. Außerdem
sollte bei Schimmeln grundsätzlich die Huffärbung (dunkel/hell/gestreift) notiert
werden. An einem auch im Alter hellbleibenden Huf erkennt man, dass dort ursprünglich
ein weißes Fußabzeichen zu finden war. Eventuelle Kronenflecken sind im Alter bei
einem Schimmel immer noch an hell-dunkler Streifenbildung der Hufwand zu erkennen.
So kann ein korrekt und ausführlich beschriebener Schimmel mit bestimmten Fußabzeichen
im allgemeinen auch im Alter noch sicher identifiziert werden.
Wer sich der Mühe
unterzogen hat, diese Ausführungen zum Thema „Farbe und Abzeichen bei Pferden“ gründlich
zu studieren, wird in Zukunft weniger Schwierigkeiten haben, wenn es um die korrekte
Beschreibung oder Identitäts-Überprüfung eines Pferdes geht.
Dr. Dieter Schön
Gewisse Dinge gehören einfach so selbstverständlich zum Pferdealltag, dass man überhaupt
nicht mehr über sie nachdenkt: Sie werden zur Routine. So gilt eure besondere Aufmerksamkeit
vor und nach jedem Ritt den Hufen eures Pferdes. Sie werden kontrolliert und ausgekratzt.
Und auch sonst kommt ihnen viel Aufmerksamkeit zu: Sie werden eingepinselt, gebadet,
gefettet oder sonst irgendwie gepflegt - und wie nützlich dieser ganze Aufwand immer
wieder ist, zeigt sich besonders bei der Strahlfäule.
Strahlfäule ist nämlich eine
Huferkrankung, die durch nachlässige Hufpflege und mangelnde Sauberkeit, z.B. schlecht
gestreute Ställe, hervorgerufen wird.
Woran erkennt man Strahlfäule?
Bei der Strahlfäule
zerfällt das feste Gewebe des Strahls und es entsteht ein schwarzgrauer Belag mit
einem unangenehmen Geruch. Bei Strahlfäule in einem fortgeschrittenen Stadium kann
ein Pferd auch lahmgehen.
Behandlung
Das erkrankte Gewebe muss zuerst von fachmännischer
Hand entfernt werden. Anschließend muss der Strahl, bis zum Ende der Behandlung,
immer wieder gründlich gereinigt und mit den entsprechenden Medikamenten behandelt
werden.
Vorbeugung
Dass ein Pferd nicht ständig in seinem eigenen Mist steht, sondern
in einer sauber ausgemisteten, gut eingestreuten Box oder in einem entsprechenden
Offenstall, sollte eigentlich ganz selbstverständlich sein. Das ist eine wichtige
vorbeugende Maßnahme. Ein weiteres Muss ist die regelmäßige Reinigung und Kontrolle
des Strahls. Dies könnte man sich ganz einfach beim täglichen Hufeauskratzen zur
Gewohnheit machen. Zusätzlich kann der Strahl nach Absprache mit dem Tierarzt ab
und zu mit Hufteer bestrichen werden.
Bedenkt man die Gründe der Strahlfäule, ist
sie sicher eine Krankheit, die mit relativ geringem Aufwand vermieden werden kann.
Und etwas Zeit und Pflege sollte einem sein Pferd schon wert sein!
Katinka Schnitker
Es gibt Leute, die reiten nur bei „schönem“ Wetter aus. Schönes Wetter ist für sie
Sonnenschein, blauer Himmel und nicht allzuviel Wind. Mit einem Wort: Sie reiten
nur im Sommer aus, im Winter geht’s in die Halle oder das Pferd bleibt stehen.
Dabei
muss reiten bei „schlechtem“ Wetter durchaus nicht unangenehm sein. Wie überall,
so kommt es auch hier nur auf die richtige Ausrüstung an, und zwar für Reiter und
Pferd. Die Pferde sind übrigens meistens ziemlich unempfindlich gegen Matsch und
Regen; ihnen ist es wichtiger hinauszukommen als wie das Wetter ist.
Reiten mit eingedecktem
Pferd?
Das ist Unsinn, soviel die Werbung auch verspricht. Lediglich wenn ein Pferd
sehr kurz geschoren ist, kann man das tun. Besser wäre es jedoch, ein Pferd, das
man im Winter draußen reiten will, nur teilweise oder gar nicht zu scheren. Ein sinnvoll
geschorenes Pferd ist durch sein Fell ausreichend geschützt, kann aber über die geschorenen
Stellen leichter abschwitzen.
Wenn man allerdings in der Halle mit dem Pferd gearbeitet
hat und dann noch nach Hause reiten oder das Pferd länger führen muss, braucht das
warme Pferd unbedingt eine Decke, sonst friert es und erkältet sich.
Reiterkleidung
- „System Zwiebel“
Ein dicker Wollpulli ist etwas Feines - aber der Wind geht doch
kalt durch, und man kann sich nicht gut bewegen. Außerdem bleiben Heu- und Strohhalme
darin hängen, und das ist lästig. Besser ist das System Zwiebel, d.h. mehrere Schichten
Kleidung, und „ganz innen“ die dünnste.
Also: Zuunterst ein Hemd aus natürlichem
Material, entweder reine Baumwolle oder reine Wolle. Darüber kann dann ein T-Shirt
oder eine Bluse kommen und darüber wiederum ein dünner Pullover. Durch die verschiedenen
Textilschichten kann die Luft zirkulieren ohne abzukühlen, das hält schön warm. Und
„ganz außen“ kommt dann noch ein Anorak oder ein Regenmantel drüber, der schützt
gegen den Wind. Dabei sollte man auf Bündchen an den Armen achten, sonst fährt der
Wind doch rein...
Kopf, Hände, Füße
Auch der Kopf muss warm sein. Wenn man mit Reithelm
reitet, kann man ein dünnes Seidentuch darunter tragen und ein Seidentuch um den
Hals. Das ist besser als ein Wollschal, in dem man ja oft den Hals nicht drehen kann...
Im
Winter sind gefütterte Lederhandschuhe besser als Wollhandschuhe. Leider hat man
darin aber nicht soviel Gefühl für die Zügel - also Vorsicht!
Gummistiefel sind ungeeignet
in der Kälte. Zwar sind sie praktisch in matschigem Boden, aber die Füße werden darin
immer kalt, da kann man machen, was man will - so viele Socken gibt’s gar nicht.
Besser sind Lederstiefel. Wenn man die gut pflegt, sind sie auch wasserundurchlässig
- man kann sie sogar abspritzen. Zwei Paar Socken, und man hat es schön warm. Am
besten sind jedoch die sogenannten Thermo-Reitstiefel aus Synthetik. Aber Vorsicht:
Die üblichen Boots sind ungeeignet. Meist passen sie nicht in die Steigbügel oder
die Sohlen sind zu rutschig. Thermo-Reitstiefel kann man von November bis April tragen,
kaputt kriegt man sie nicht! Leider sind sie nicht immer absolut wasserdicht, Pfützenlaufen
ist also nicht!
Das Lederzeug
Gutes Lederzeug ist teuer, hält aber bei guter Pflege
ein Leben lang. Gerade im Winter muss alles Leder, mit dem man nach draußen geht,
gut gefettet werden; und zwar nicht mit Lederöl, sondern mit speziellem Lederfett.
Nicht nur die Lederflächen müssen gut gefettet werden, sondern auch die Schnittkanten,
denn hier kann die Feuchtigkeit am leichtesten eindringen. Gut gefettetes Leder kann
ruhig einmal verschmutzen - man kann den Schmutz mit klarem Wasser abwaschen, das
Wasser perlt an dem Leder ab. Alle paar Wochen dann nachfetten und später polieren,
dann kann nichts passieren.
Gut verpackt macht’s Spaß
So ausgerüstet kann man ohne
Furcht ins Gelände gehen. Und wenn es einem tatsächlich mal ein bißchen kalt wird,
hilft Laufen neben dem Pferd. Das sollte man übrigens auch nach dem Ritt den letzten
halben Kilometer bis zum Stall tun. Sattelgurt lockern nicht vergessen, und Trimm-Trab
neben dem Pferd. So kommt das Pferd nicht verschwitzt in den Stall, und dem Reiter
ist warm!
Uta Over
Es gibt nicht besonders viele Dinge, die mein Pferd aus der Ruhe bringen können;
hat es allerdings erst einmal beschlossen, vor etwas Angst zu haben, dann bleibt
es auch dabei.
Vor einigen Jahren zum Beispiel benutzten wir häufig einen Weg, über
den schon seit ewigen Zeiten ein Ast hing. Mein Pferd hatte noch nie groß Notiz von
diesem Ast genommen, und da der Weg durch den Wald führte, war ja auch wirklich nichts
Besonderes an der ganzen Sache.
Was die Jahreszeiten bringen
Nun wurde es aber Herbst,
und die Blätter des Astes verfärbten sich zu einem wunderschönen Dunkelrot. Von diesem
Zeitpunkt an war alles zu spät: Mein Pferd hatte diesen Ast zur offiziellen Gefahrenzone
erklärt und näherte sich ihm nur bis zu einem Sicherheitsabstand von ungefähr fünf
Metern. Sah er den Ast schon von weitem, fing er an, sich zu verspannen, riss den
Kopf hoch und beäugte die „Gefahr“ misstrauisch mit aufgeblähten Nüstern. So kam
es, dass ich mitten im Wald, im Herbst, umgeben von den schönsten Herbstfarben, mit
meinem Pferd vor ein paar roten Blättern stand und nicht einen Zentimeter weiter
kam.
Ausweichmanöver
Beim ersten Mal versuchte ich noch, sehr verständnisvoll zu sein,
sprach ein paar beruhigende Worte und suchte die Umgebung nach einem etwas offensichtlicheren
Grund für die etwas abrupte Unterbrechung unseres Rittes ab. Nachdem ich nichts Außergewöhnliches
finden konnte, bemühte ich mich, mein Pferd zum Weitergehen zu bringen, doch alle
Versuche blieben erfolglos. Es wurde spät, und ich beschloss, umzudrehen und diese
Stelle durch einen Umweg zu umgehen.
Am nächsten Tag standen wir wieder an derselben
Stelle. Nun war ich allerdings fest entschlossen, genau auf diesem Weg weiterzureiten.
Als schon ein Großteil meiner Leckerlis, meiner Kraft und meiner Geduld aufgebraucht
waren, ging mein Pferd tatsächlich schnaubend und den Ast immer im Auge behaltend
weiter, wobei er sich auf der anderen Seite des Weges halb in die Büsche quetschte.
Am folgenden Tag änderte er seine Taktik in eine Art Flucht und heizte in vollem
Galopp am Ast vorbei. So blieb es dann auch den gesamten Herbst, sooft wir auch diese
Strecke ritten, nie gewöhnte sich mein Pferd an diese roten Blätter.
Im nächsten Spätsommer
habe ich den Ast dann abgeschnitten ...
Katinka Schnitker
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