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Der Trab - Trockenfutter, Teil II - Der Stehtag - Zum Wiehern!



Equikids 11/2013


Grundgangarten richtig reiten – Teil II: Der Trab


Der Trab in all seinen Varianten ist sicher die am häufigsten benutzte Gangart des Pferdes, sowohl in der Natur als auch im Dressurviereck. Er ist die "Reisegangart" ebenso wie das Instrument zu Schau- und Imponiergehabe. Mit wechselnder, diagonaler Zweibbeinstütze und Schwebephase bietet er sowohl ein hohes Maß an Trittsicherheit und sehnenschonender Gewichtsverteilung als auch genügend Vorwärtsschwung, um selbst längere Strecken mit möglichst geringer körperlicher Belastung relativ schnell zu überwinden. Hengste machen sich diese Gangart in besonderer Weise zunutze. Dadurch, dass sie sich jeweils mit zwei Beinen abstoßen, können sie besonders viel Kraft und Ausdruck in die Schwebephase legen. Um einem Widersacher oder einer Stute zu imponieren, heben sie sich mit enormer Aufrichtung in die Luft und legen all ihre Kraft und ihren Stolz in die erhabenen Tritte eines verzögerten Trabs. Im Dressurviereck wird diese natürliche Anlage in gezähmter Form als Passage und Piaffe dargeboten. Aber auch schon der versammelte Trab, bis zu dem es hier gehen wird, zeigt im Ansatz den starken Ausdruck eines stolzen Pferdes.

Merkmale für einen guten Arbeitstrab:
Der Arbeitstrab soll fleißig, aber nicht eilig sein. Wie in allen Gangarten muss auch hier der natürliche Rhythmus vom Reiter erkannt und eingehalten werden. In diesem Takt soll das Pferd locker, frei und mit schwingendem Rücken vorwärts traben. Die Hinterfüße treten in etwa in die Spuren der Vorderfüße. Das Pferd soll ausbalanciert sein und nicht zu viel Gewicht auf die Vorhand legen. Der Hals ist natürlich gewölbt, das Genick der höchste Punkt und die Nasenlinie des Kopfes ist leicht vor der Senkrechten. Lösende Übungen werden vorwiegend im Arbeitstrab geritten, da in dieser Gangart der natürliche und trotzdem kräfteschonende Vorwärtsschwung dem Pferd hilft, Verspannungen und Steifheiten abzubauen und sich loszulassen.

Probleme des Pferdes:
Im Trab fallen vor allem solche körperlichen Mängel ins Gewicht, die das Pferd zu stark auf die Vorhand bringen. Dies kann stark überbaute Pferde betreffen oder auch einfach sehr steife Tiere. Generell ist jedoch ein einfacher Arbeitstrab von jedem Pferd physisch zu bewältigen. Die Nerven spielen aber hier ebenfalls eine Rolle, wenn auch nicht so extrem wie im Schritt. Wenn Pferde sich zu sehr verspannen, ist selbst der Trab gefährdet. Ein weiteres Problem von Pferdeseite her kann ein besonders empfindlicher Rücken sein. Daraus resultiert leicht die Neigung, sich zu übereilen, wobei in der Regel der Rücken nicht mehr schwingt, sondern festgehalten wird und das Pferd auf die Vorhand kommt.

Häufige Reiterfehler und ihre Konsequenzen:
Obwohl dem Reiter der natürliche Schwung des Pferdes im Trab hilfreich zur Seite steht, kommt es dennoch häufig zu einem Missverhältnis zwischen vorwärtstreibenden Hilfen und der Zügeleinwirkung. Wenn auch im Trab der Zweitakt nicht so leicht verloren geht wie der Viertakt im Schritt, so kommt es dennoch zu einer Disharmonie von Vor- und Hinterhand. Man spricht in diesem Zusammenhang auch davon, dass vorne und hinten zwei verschiedene Pferde laufen. Damit wird bildlich beschrieben, dass ein derartig blockiertes Pferd keine Verbindung mehr haben kann zwischen der Schub entwickelnden Hinterhand und der stützenden Vorhand. Der Rücken ist "dicht gemacht", und die Hinterhand klinkt sich sozusagen aus dem Geschehen aus. Auf Dauer führt ein solch gravierender Reiterfehler zu einer übermäßig belasteten Vorhand, Anlehnungsschwierigkeiten, Taktverlust und ernsthaften Gesundheitsproblemen sowohl der Vordergliedmaßen als auch des Rückens.
Große Probleme entstehen auch durch Sitzschwierigkeiten des Reiters. Nur wer geschmeidig, mitschwingend und unabhängig ausbalanciert die Trab-Bewegung des Pferdes aufnehmen kann, ist überhaupt in der Lage, sinnvolle und kontrollierte Hilfen zu geben. Gerade der klare und schwungvolle Zweitakt des Trabs macht vielen Reitern am meisten zu schaffen.

Verbesserungsvorschläge:


1. Den optimalen Takt herausfinden
Um den "richtigen Takt" seines Pferdes im Trab zu finden, muss der Reiter ein Gefühl dafür bekommen, wann ein Pferd nicht nur die Beine setzt, sondern wann es zudem aus den Gelenken heraus federt und im Rücken schwingt. Ein Mittelmaß zwischen Vorwärts- und Aufwärtsschwung liegt dem Arbeitstrab zugrunde. Wer diesbezüglich Schwierigkeiten hat mit seinem eigenen Pferd, sollte versuchen, das Gefühl eines durchschwingenden Trabes auf einem sicher gehenden Pferd einmal zu erleben. Er sollte das Ziel kennenlernen, auf das er hinarbeitet. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass jedes Pferd seinen ganz eigenen optimalen Trabtakt hat, den es zu finden und zu pflegen gilt.

2. Trabstangen
Eine gute Hilfe dafür ist die Arbeit über Trabstangen. Bei zu eiligen Pferden sollten diese auf gebogenen Linien geritten werden, bei eher "untertourig" trabenden Tieren empfiehlt sich die gerade Strecke. Generell sollten überfleißige Pferde im Trab zunächst eher vermehrt aufgenommen werden, um neben dem Vorwärts auch den gewünschten Aufwärtsschwung zu ermöglichen. Faule Pferde hingegen müssen meistens erstmal deutlich vorwärts getrieben werden, damit sie ihre Füße "aus dem Sand bekommen" und anfangen, sich unter Einbeziehung ihres Rückens nach vorwärts-aufwärts abzustoßen.

3. Sitzübungen
In Bezug auf Sitzschwierigkeiten des Reiters ist es keine Problemlösung, das Pferd so festzuhalten, dass es sich ohne Rücken in einem für den Reiter bequemen "Schrab" (Schritt-Trab) vorwärtsmüht. Die einzig akzeptable Abhilfe ist hier die Verbesserung des Reitersitzes durch angemessene Übungen, in der Regel: Sitzschulung an der Longe.

In der nächsten Ausgabe geht es weiter mit dem Mitteltrab - ein Schrecknis für viele Reiter -, dem versammelten Trab, der schon zeimlich anspruchsvoll ist, und der gesamten Palette im Galopp.


Mit Trockenfutter durch den Winter – Teil II


Silage

Seit die Stauballergien zunehmen, nimmt auch die Fütterung mit Silage zu. Hierbei muss man allerdings zwischen der für die Rinderfütterung angesetzten Maissilage und der für die Pferdefütterung geeigneten Grassilage bzw. Heulage unterscheiden.

Für die Silage wird das Futter relativ früh geschnitten und auf dem Feld kurz angetrocknet. Um eine größere Verdichtung und damit eine bessere Silierung zu erreichen, wird es häufig gehäckselt. Dann wird es luftdicht in Folien verpackt  Jetzt läuft im Ballen ein Säuerungsprozess ähnlich wie beim Sauerkraut ab, der nicht durch Luftzufuhr unterbrochen werden darf.

 

Die Vorteile der Silage

Ein Vorteil ist die kurze Trockenzeit auf dem Feld. Dadurch ist die Gewinnung der Silage wesentlich weniger vom Wetter abhängig als beim Heu. Außerdem sind die Nährstoffverluste geringer, und eine Staubentwicklung tritt bei der Verfütterung praktisch nicht auf. Darüber hinaus hat Silage gegenüber dem Heu einen relativ hohen Carotingehalt.

Gute Silage ist heuartig gelb, riecht leicht säuerlich und fasst sich trocken an.

 

Die Nachteile der Silage

Sie liegen  in der Handhabung. Der Balleninhalt darf nicht mit Luft in Verbindung kommen, sonst können sich Hefen und Schimmelpilze schnell vermehren und das Futter unbrauchbar machen. Das bedeutet nicht nur, dass man während der Lagerung auch auf kleinste Löcher (Picken durch Vögel oder Verletzungen der Folie durch kleine Tiere) achten muss - die Heulage muss auch nach dem Öffnen der Ballen schnellstens verfüttert werden. Die handelsüblichen großen Ballen sind für kleinere Pferdebestände also unpraktikabel, kleine Ballen sind nur schwer zu erhalten.

 

Die Menge

Aufgrund des relativ hohen Eiweißgehaltes sollte man mit der Verfütterung von Silage an leichtfuttrige Pferde äußerst vorsichtig sein. 1 kg/100 kg Lebendgewicht pro Tag dürfte ausreichen, wobei man dann das Kraftfutter weitgehend streichen kann. Da die Silage aufgrund ihres Feuchtigkeitsgehaltes aber relativ schwer ist, ist die jeweilige Futtermenge auch relativ gering. Dennoch sollte man sie auf drei Tagesmahlzeiten aufteilen.

 

Heucobs

Heucobs sind die zweite Alternative zum Heu. Bei ihnen ist der Herstellungsprozess noch schneller als bei der Silage: Was morgens noch Gras war, kann abends schon Cob sein.

Cobs gibt es in verschiedenen Variationen. Je nach Zeitpunkt der Futterwerbung, je nach Qualität des Grases betr. Eiweißgehalt oder Vielfalt kann man aus unterschiedlichen Produkten wählen.

Allen gleich ist, dass das Gras geschnitten, zerkleinert und innerhalb von Stunden schonend getrocknet wird. Danach wird es in Cobs, also kleine würfelartige Gebilde, gepresst.  Durch den schnellen Produktionsprozess ist der Nährstoffverlust wesentlich geringer als beim Heu.

 

Welche Cobs für welchen Zweck?

Alle Cobs sollten so groß sein, dass die Pferde sie gut mit den Zähnen erfassen können, also etwa die Größe einer kleinen Walnuss. Wichtig ist auch, dass die Struktur des Grases im fertigen Produkt noch erkennbar ist - zermahlenes Futter, wie man es beispielsweise beim Luzernegrünmehl hat, kann man nicht als Grundfutter bezeichnen. Ihm fehlt die grobe Struktur, welche die Pferde zerkauen müssen.

Es gibt mittlerweile Cobs für alle Zwecke: Für leichtfuttrige Pferde, die wenig Eiweiß brauchen, aber doch ihre Ballaststoffe; für schwerfuttrige Pferde oder laktierende Stuten mit einem hohen Eiweißgehalt und für unproblematische Pferde, die vielleicht „nur“ stauballergisch sind.

Auskunft über den Gehalt der Cobs bekommt man beim Hersteller. Auf dem Futtersack kann man keine genaue Spezifikation erwarten, denn hier handelt es sich ja nicht um ein standardisiertes Futtermittel, sondern um ein Futter, das natürlichen Schwankungen unterworfen ist. Also muss man beim Hersteller nachfragen, der einem die Spannweite angeben wird.

Wichtig ist, dass man nur Cobs verfüttert,die auch tatsächlich für die Pferdehaltung hergestellt wurden. Cobs, welche für Rinder-, Damwild- oder Zoohaltung bestimmt sind, sind meist zu klein, zu fest gepresst und zu eiweißhaltig.

 

Welche Menge und wie viel?

Auch hier gilt wieder als mittlere Empfehlung: 1 kg Produkt pro 100 kg Körpergewicht pro Tag.

Wichtig ist die Art der Fütterung: Wenn man Zeit hat, sollte man die Cobs aufweichen bzw. anweichen. In aufgeweichtem Zustand sind sie hervorragend als Grundfutter für alte Pferde geeignet, die Zahnprobleme haben. Dabei kann man dann auch sehen, dass sie bis zum Dreifachen ihres Volumens aufgehen.

Trockene Cobs können bei gierigen Pferden zu Schlundverstopfungen führen, weil ihnen beim hastigen Kauen möglicherweise ein Cob in den Schlund rutschen kann. Daher sollte man die Cobs grundsätzlich etwas anweichen; das macht die Kaufläche angreifbarer.

Uta Over


Zur Diskussion: Der Stehtag


Leute, die sich im Pferdebereich nicht  auskennen, wissen nicht, was das ist, wann das ist, und was das soll.

Leute, die ihre Pferde in eigener Regie halten, haben es schlicht und einfach vergessen. Und so kann es sein, dass Menschen beider Sorten montags naiv vor der verschlossenen Stalltür eines Reitbetriebs stehen. Gottseidank gibt es das immer seltener; früher war es allerorten gang und gäbe.


Totenstille im Stall

Drinnen absolute Stille, nur das Scharren oder Schnauben eines Pferdes ist ab und an zu hören. Manchmal schlägt auch eines gegen die Boxentüre - sonst Stille, Ruhe.

Die wird nur zu Fütterungszeiten unterbrochen, d.h. sie wandelt sich meist in ein Inferno, das sich erst wieder legt, wenn alle Pferde kauen.

Reitstallbesitzer nennen das Ganze korrekt Stehtag, leicht beschönigend auch Ruhetag. Sie könnten es auch Langeweiletag oder Quältag fr die Pferde nennen - das wäre dann ehrlich.


Was soll das Ganze?

Reitstall- und Pferdebesitzer dieses Schlags behaupten steif und fest, Pferde brauchten einen Stehtag in der Woche, den sie in ihrer Box verbringen müssen - der Himmel weiß, woher diese Weisheit kommt!

D.h. er weiß es vermutlich wirklich: Es ist die  Ausrede dafür, dass das Personal ja auch mal frei haben muss und man nicht in der Lage ist, den Laden so zu organisieren, dass diese Freizeiten umschichtig sind.

Also dachte man sich flugs einen Tag aus, an dem das ganze Personal bis auf einen oder zwei Pfleger, die füttern müssen, frei hat. Ein Tag mitten in der Woche geht nicht, das Wochenende schon gar nicht, denn da reiten die meisten Pferdebesitzer.

Also nahm man den Montag als geeigneten Tag. Denn nach den Strapazen des Wochenendes - sei es der Sonntagsvormittags-Spazierritt oder eine Turnierprüfung - brauchen die Pferde unbedingt absolute Ruhe, die kein Mensch stören darf. Abgeschiedenheit in ihrer Box und Beruhigung ihrer Nerven. Das soll ihrem Wohlbefinden förderlich sein.


Dumme Ausreden

Das wäre in etwa so, als würde man einem normalen Menschen nach dem sonntäglichen Besuch des Schwimmbads am Montag Bettruhe verordnen. Oder als würde  ein Hochleistungssportler, der am Sonntag gestartet ist, montags nur herumsitzen. Den Teufel würde er tun! Denn dann bekäme er Muskelkater und sonst noch andere Leiden, ganz abgesehen davon, dass er sich tödlich langweilen würde!

Der Schwimmbadbesucher geht  am Montag ohne jedes Problem zur Arbeit, und der Hochleistungssportler wird nach dem Wettkampf einen Tag mit leichter Gymnastik einlegen, um seine Muskeln geschmeidig zu halten. Am Dienstag hätte er dann keine Aufwärmprobleme wie die armen Reitstallpferde, die man dann steif aus ihren Boxen holt und  besonders lange warmreiten muss.


Die übliche Praxis

Sie besteht darin, dass die Pferde morgens, mittags und abends (wenn sie Glück haben - viele Ställe füttern auch nur zweimal täglich) gefüttert werden. Mehr wird nicht für sie getan.

Geputzt wird an diesem Tag nicht. Wozu auch! Die Pferdebesitzer haben ihre Pferde am Sonntag nach der anstrengenden Arbeit ja sicherlich nicht nur mit der Decke über dem Rücken in die Box gestellt, sondern sie nach dem Abtrocknen eine Stunde später oder so auch richtig gründlich geputzt, sodass kein trockener Schweiß mehr im Fell ist. Oder nicht? Na - hoffentlich doch, denn sonst juckt der Schweiß bis Dienstagmorgen.

Licht ist an diesem Tag auch nicht an im Stall. Und es gibt noch viele, viele Ställe, die ohne elektrisches Licht nicht genügend Helligkeit haben. Also verdämmern die Pferde diesen Tag im Halbdunkel.

Die Fenster sind auch zu - es könnte ja ziehen!

Für die Pferde muss es eine Qual sein, mindestens sechsunddreißig Stunden im Halbdunkel und ohne jegliche Beschäftigung in der Box zu bleiben. Wen wundert es, wenn da Kopper und Weber entstehen!

Übrigens ist es in solchen Ställen den Pferdebesitzern oft untersagt, ihre Pferde am Montag stundenweise auf einen Auslauf oder Paddock zu holen oder gar zu reiten!

Da wird erwachsenen Menschen und zahlenden Kunden doch glatt verboten, an einem Tag der Woche sein eigenes Pferd zu sehen.

In manchen Ställen darf man ja wenigstens an seine Box treten und ihm ein Leckerli zustecken, was meist den lautstarken Protest der Boxennachbarn auslöst. Aber rausholen - nein!

Und manche Ställe sind von vornherein ganz verrammelt.

„Aus Sicherheitsgründen“ sagt man, was immer das bedeuten  mag.

Sicher ist auf jeden Fall, dass in diesen Ställen montags die meisten Koliken und dienstags die  meisten Kreuzverschläge sind...


Es gibt Ausnahmen

Bei der heutigen Personalknappheit im Pferdebereich ist es manchmal wirklich schwierig, so viele Leute zu beschäftigen, dass umschichtig frei gemacht werden kann.

Die Arbeitszeiten werden jedoch in allen Arbeitsbereichen flexibel geregelt - warum nicht auch im Pferdebereich?

Damit würde der allseits unbeliebte Stehtag entfallen. Gleitende Arbeitszeit heißt das Zauberwort.

Natürlich bedeutet das ein Mehr an Organisation für den Arbeitgeber, der die knifflige Frage zu lösen hat, wer wann füttert etc.

Es wäre aber bedeutend kundenfreundlicher.

Die Schulpferde, die in den meisten Ställen ja wirklich einen freien Tag pro Woche verdient haben, brauchten diesen Tag dann auch nicht stehend zu verbringen, sondern könnten umschichtig in die hoffentlich vorhandenen Ausläufe gebracht werden und sich dort bei Licht und Luft die Beine vertreten. Putzen brauchte man sie an diesem Tag selbstverständlich nicht, und das ist ja  schon mal arbeitserleichternd.


Der Stehtag - für die Pferde mehr Schaden als Nutzen

Sechsunddreißig Stunden auf einer Fläche von im günstigen Fall 12 qm zu verbringen, und zwar ohne jeglichen Anreiz von draußen - das ist nicht angenehm, das ist ein Strafe! Für das Bewegungstier Pferd muss es eine Qual sein, die es - da es sich ja bedauerlicherweise nicht laut beklagen kann - relativ stumm hinnimmt.

Gegen die Boxen schlagen hilft am Stehtag nicht, das haben die Pferde beim dritten oder vierten Mal rausgekriegt, denn es kommt niemand.

Allein gelassen stehen da dreißig, vierzig und mehr Pferde eine Nacht, einen ganzen Tag und noch eine Nacht im Stall, oft im Halbdunkel. Sie langweilen sich, manchen tun die Beine weh durch den Bewegungsmangel; die werden dann bandagiert, damit sie nicht anschwellen und damit man sich um Gottes Willen nicht weiter mit Führen und Bewegung um das Tier kümmern muss...

Wen wundert es, wenn die Pferde zu koppen und zu weben beginnen. Kopperriemen sieht man in Gruppen-Auslaufhaltungen, wo die Pferde an einem Stehtag wenigstens ihre Artgenossen, Licht, Luft und Bewegung haben, kaum. In großen Ställen mit regelmäßigen Stehtagen sind sie an der Tagesordnung und werden mittlerweile von den Reitsport-Versandhäusern schamlos und mit beschönigenden Kommentaren angeboten.

Muss das sein?

Vielleicht sollten die Pferdebesitzer sich mal überlegen, wie es nicht sinnvoller wäre, sich im Interesse ihrer Pferde zusammenzutun und den rigorosen Stehtag abschaffen zu lassen und günstigere Lösungen zu suchen.

Den Schulpferden tut ein Ruhetag sicherlich gut - aber es muss ja nicht unbedingt ein Stehtag sein. Ein Auslauftag, ein Weidetag, ein Spazierengehtag - viele Schulpferde würden jubeln darüber!

Uta Over

Zum Wiehern: Kontrolliert


Ein guter Reiter hat sein Pferd stets unter Kontrolle. Das erfuhr ich vor kurzem als nett gemeinten Ratschlag von einer wohlwollenden Person.

So, ein guter Reiter hat sein Pferd also in jeder Situation unter Kontrolle, was soll das denn eigentlich heißen? Im Allgemeinen würde man doch darunter verstehen, dass man tatsächlich in der Lage ist, besagtes Tier dazu zu bringen, wirklich ausschließlich das zu tun, was ich erlaube.

Das ist bestimmt enorm einfach, wenn man einmal bedenkt, mit was man es da eigentlich zu tun hat: So ein Pferd, je nach Größe, wiegt vielleicht so um die 300 bis 600 oder auch noch mehr Kilos. Zusätzlich ist es auch noch in der Regel zumindestens von der Kopfhöhe her um einiges größer als sein „Herr und Meister“ Mensch. Nicht zu vergessen natürlich die Zähne und die Beißkraft solcher Tiere, mit denen man es als Mensch wohl auch nur schwerlich aufnehmen kann, oder konntet ihr euer Pferd schon einmal durch einen gezielten Biss in die Schulter beeindrucken? - Ich nicht, aber umgekehrt funktioniert es  ausgezeichnet. Dazu kommen noch vier Hufe und damit verbunden eine gewisse Schlagkräftigkeit.

Na, da würde ich als im Durchschnitt um die 60, 70, 80 Kilogramm schwerer Zweibeiner auch unbedingt etwas von Kontrolle erzählen wollen.

Und was macht der normale Reiter, um sein Pferd zu kontrollieren? Er schnallt ihm ein paar Riemen um, befestigt daran noch einen Strick, nennt das ganze Halfter, und tatsächlich, wenn man diesen Menschen nun fragt, ob er sein Pferd in diesem Augenblick unter Kontrolle hat, so werden die meisten mit Ja antworten - sehr überzeugend! Vor allem, wenn man bedenkt, dass selbst ein Shetty einen an so einer genialen Vorrichtung mehr oder weniger problemlos ein wenig durch die Gegend schleifen kann.


Gefahr erkannt - Gefahr gebannt

Schaut man sich jedoch an, was auf den Pferderücken so passiert, scheinen einige wahrscheinlich aus eigener Erfahrung heraus entdeckt zu haben, dass das Prinzip der absoluten Kontrolle auch mit einer Trense im Maul nicht wirklich gelöst ist. Doch dem Idealbild des alles kontrollierenden Reiters wird weiterhin eifrig nachgestrebt, so dass das Ganze inzwischen zu einer Art Wettrüsten zu Pferd geworden ist:

Wenn man sein Pferd nicht mit einer normalen Trense kontrollieren kann, dann kann man es mit einer Spezial-Trense kontrollieren; und wenn man sein Pferd auch mit einer Spezial-Trense nicht kontrollieren kann, dann kann man es bestimmt mit einem richtig scharfen Gebiss kontrollieren, und wenn auch das nicht klappt, befestigt man eben noch ein paar Anzüge an diesem Gebiss und danach etwas längere Anzüge - und wenn das alles nicht hilft, ja, dann steht einem immer noch die gesamte Welt der Hilfszügel offen, so dass man letztendlich die Möglichkeit hat, sein Pferd mit einer Art Klinge im Maul zu reiten, an der Hebel angesetzt sind, deren Wirkung noch durch einen kleinen Hilfszügel verstärkt wird, welcher wiederum an einem Seil befestigt ist, mit dem man seinem Pferd zur allergrößten Not einfach die Beine unterm Bauch wegziehen kann.  

So ist der Mensch, diese überlegene Spezies - im ehrlichen Zweikampf (Mensch gegen Pferd, das Pferd wählt die Waffen) hat er keine Chance, und doch sitzt er oben, der gute Reiter. Und wenn er auch sonst im Unterricht nichts gelernt hat, kann er sein Pferd doch so schön kontrollieren.


Im Reitsport muss tatsächlich etwas ganz dringend in jeder Situation kontrolliert werden, ich bezweifele nur, dass es sich dabei ausschließlich um das Pferd handelt...

Katinka Schnitker


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