Die Jugend-Pferdezeitschrift im Netz

Home. Magazin. Rund ums Pferd. Unser Shop. Fachsprache von A - Z. Pferderassen von A - Z. Das Pferde-Quiz. Fotos zum Träumen. Eure Fragen. Brieffreundschaften. Gästebuch. Kontakt. Links. Über uns. Impressum.

Sicher anbinden - Hilfszügel - Futterhygiene - Pferdehaltung - Zum Wiehern!


Equikids 11/2012


"Wo Pferdekräfte sinnlos walten..." –

Pferde, die sich nicht anbinden lassen


Zerrissene Halfter und Stricke, herausgezogene Wandhaken, "entwurzelte" Anbindebalken und nicht zuletzt Verletzungen von Mensch und Tier können die Folge sein vom ausgeprägten Widerwillen mancher Pferde gegen das Angebundensein.

Die Gefahr
Manchmal ist es schwer nachzuvollziehen, aus welchem – scheinbar unerklärlichen - Grund heraus ein Tier sich weigert, angebunden zu werden, bzw. schlichtweg in Panik gerät. Tatsache ist, dass die Formen des Widersatzes zum Teil praktisch selbstmörderischen Charakter annehmen. Wer da die Hand im Halfter hat oder zwischen das tobende Pferd und z.B. eine Wand gerät, hat äußerst schlechte Karten. Egal, warum es zu dieser Situation kommt – sie ist gefährlich und muss verhindert werden.

Mögliche Ursachen
Das ausgeprägte Langzeit-Gedächtnis unserer Pferde macht die Ursachenforschung oft etwas schwierig. Vielleicht ist mit der Anbindesituation ein weit zurückliegendes, traumatisches Ereignis verknüpft. In der Beziehung gibt es unzählige Möglichkeiten, bei denen diese Grundpanik entstanden sein mag. Oft jedoch ist es so, dass Probleme mit dem Anbinden sich erst im Zuge des Anreitens in ihrer ganzen Spannweite präsentieren. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die jungen Pferde bis dahin selten allein mit der Situation konfrontiert wurden. Gerade die artgerecht aufgewachsenen Tiere erleben fast alles gemeinsam mit ihren Herdengenossen (bereits zwei gemeinsam lebende Pferde bilden eine Art "Miniherde"!). Kommt z.B. der Schmied, werden in der Regel mehrere Pferde nebeneinander angebunden. Auch routinemäßige Tierarztbesuche (Impfungen) erleben glückliche Jungpferde im Schutze und im Beisein anderer Artgenossen. Gleiches gilt für das Verabreichen von Wurmkuren usw.. Solange keine außergewöhnlichen Ereignisse Einzelbehandlung erfordern, ist es für Mensch und Tier stressfreier, die Pferde nicht aus ihrer Herden-Gesellschaft herauszutrennen.

Trennungsängste und andere Instinkte
Wenn es so weit ist, dass sich der Mensch mit dem einzelnen Pferd z.B. im Zuge der Reitausbildung beschäftigen will, ist es unabdingbar, dieses junge Tier auch alleine anbinden zu können. Für das Pferd ergeben sich aus dieser Situation mehrere instinktbedingte Stressfaktoren.
1. Es musste den Herdenverband verlassen und ist somit eventuell angreifenden Raubtieren schutzlos ausgeliefert.
2. Zusätzlich zu diesem Unglück wird es durch Halfter und Strick auch noch an einer eventuellen Flucht gehindert, seiner einzigen Überlebenschance.
3. Will der Ausbilder dann noch Hufe aufheben, ist die Katastrophe perfekt.

Das Problem in den Griff bekommen


Technische Voraussetzungen
Im Umgang mit Pferden ist immer wieder die vorausschauende Vorbereitung der Umstände das A und O. Katastrophen bekämpft man am besten damit, sie gar nicht erst eintreten zu lassen. Beim Anbinden sind diesbezüglich folgende Dinge zu beachten:

- Das Halfter muss stabil, in gutem Zustand und passend verschnallt sein. Es sollte weder reißen, noch sich im ungünstigsten Moment die Riemen durchziehen lassen, noch so weit sein, dass das Pferd es sich über die Ohren ziehen kann.

- Halsriemen, die eventuell eingesetzt werden, müssen selbstverständlich die gleichen Anforderungen erfüllen.

- Der Strick darf nicht morsch und brüchig sein und sollte eine sinnvolle Länge von ca. 1,50 m – 2 m haben.

- Der Haken am Strick ist ein besonders wichtiger Faktor. Kleine und dünne Haken sind wie eine Sollbruchstelle und bei Pferden nicht zu empfehlen. Panikhaken sind nur dann sinnvoll, wenn sie stabil und noch nicht ausgeleiert sind. Alte Panikhaken lassen sich oft schon durch ein Kopfschütteln des Pferdes öffnen. Für Karabiner und ähnliche Haken gilt ebenfalls, dass sie stabil, vollständig und gut gängig sein müssen.

- Der Knoten, mit dem das Pferd angebunden wird, muss auch in Paniksituationen sofort und einfach zu lösen sein. Es gibt verschiedene Arten von Pferdeknoten, die sich alle dadurch auszeichnen, dass sie genau für solche Anforderungen gemacht sind. Wer noch keinen kann, sollte sich unbedingt von anderen Pferdefreunden die Technik des Pferdeknotens beibringen lassen!

- Der Anbindering muss solide und fest verankert sein. In vielen Ställen zu findende, industrielle Ringbeschläge sind oft lediglich mit zwei bis vier kleinen Schräubchen an der Wand befestigt und einer ernsthaft ziehenden Pferdestärke nicht gewachsen. Die Anbringung des Ringes darf nicht zu tief sein, da gerade nach unten ziehende Stricke bei Pferden Panik auslösen können. Außerdem erhöht sich die Gefahr des Über-den-Strick-tretens, wenn dieser zu tief hängt. Sinnvoll angebracht wird der Anbindering mindestens in Widerristhöhe des Pferdes, wobei immer gilt: lieber etwas höher als zu tief!

- Der "Laufring" ist eine besonders geeignete Konstruktion. Der Anbindering läuft in dem Fall in einer senkrecht fest verschraubten, an den Enden leicht abgebogenen Schiene von ca. 30 – 50 cm Länge. Im Ruhezustand liegt der Ring unten (=Widerristhöhe) auf. Wirft ein Pferd den Kopf hoch, trifft es am normalen Anbindering sofort auf festen Widerstand, was entweder Panik auslösen oder vorhandene Panik noch verstärken kann. Der Laufring fängt den Schwung des Pferdes ebenfalls konsequent aber weich ab, da er zunächst mit nach oben rutschen kann. Die Wucht, mit der das Pferd sich in sein Halfter wirft, wird so entscheidend verringert und entschärft. Für das Tier sowie für das Material ist dies ein bedeutender Vorteil.

- Die Anbindewand muss selbstverständlich ebenfalls einer PS stand halten können. Auch wenn es auf den ersten Blick übertrieben anmutet – es gibt definitiv Stallwände, die von einem entschlossenen Pferd relativ leicht zum Einsturz zu bringen sind.

- Anbindebalken aus Holz sind eine luftige und oft wackelige Angelegenheit. Eine Konstruktion dieser Art, die trotzdem für Auseinandersetzungen geeignet ist, findet man sehr selten. Zum einen müssten die senkrechten Stützen nicht nur eingegraben, sondern einbetoniert sein. Zum zweiten bräuchte man sehr stabile und lange Eisenbänder für die Befestigung der eigentlichen Anbindebalken an den Stützen. Die Bänder müssten mit sehr langen (10 – 20 cm) und dicken Schrauben in dem Holz verankert werden. Zum dritten nützt dies alles nichts, wenn zum Bau Weichholz verwendet wurde. Eiche ist nach wie vor das beste Baumaterial für hölzerne Anbindebalken. In keinem Fall aber sind Holzsplitter oder vorstehende Schraubenköpfe als Verletzungsgefahren ganz auszuschließen. Vor dem Hintergrund einer eventuellen Auseinandersetzung ist eine solche Anbindevorrichtung daher nicht ideal.

- Anbindekonstruktionen aus Eisenrohren sind brauchbar, sofern sie gut verankert, stabil, gut verschweißt, ohne scharfe Kanten und rostfrei sind. Ein Problem kann sich ergeben, wenn Pferde von sehr unterschiedlicher Größe dort angebunden werden sollen. Idealerweise befindet sich die Querstange etwa auf Buggelenkshöhe. Bei einer angenommenen mittleren Standardhöhe können sehr kleine Pferde im Zweifelsfall darunter hindurch gehen, bei sehr großen Tieren besteht vor allem bei "Anbindediskussionen" die Gefahr, das Bein über die Stange zu bekommen.

- Der Bodenbelag spielt eine ebenfalls wichtige Rolle. Auf Beton und fast jeder Art von Pflaster rutschen Pferde, die sich ins Halfter werfen, leicht aus, wodurch es zu sehr unschönen und folgenschweren Stürzen kommen kann. Lehmiger, rutschiger Boden hat den gleichen Effekt. Sandboden hingegen bietet den Hufen in der Regel sicheren Halt. Auch verschiedene Sorten von Gummi- oder rauen Kunststoffbelägen sind bei schwierigen Kandidaten ein akzeptabler Untergrund.

Geschlossenes Gelände! Für den Fall, dass sich das Pferd trotz aller Vorsichtsmaßnahmen losreißt, sollte sicher gestellt sein, dass es weder auf die Weide zurück noch auf eine Straße laufen kann. Findet das Anbinden in einem Gebäude statt, sollten die Türen geschlossen sein. Bindet man das Pferd draußen an, sollte der Hof ausreichend gesichert sein, um erstens Unfälle zu vermeiden und zweitens eine Chance zu haben, das aufgeregte Tier wieder in die Hand zu bekommen.



In der nächsten Ausgabe von Equikids befassen wir uns dann mit den erzieherischen Maßnahmen.

Ute Forler


Hilfszügel sind für Hilfsschüler


Der Satz ist wohl wahr. Schaut man sich aber in deutschen Reitschulen oder auf Springturnieren um, so zweifelt man daran. Kaum ein Reiter reitet bzw. startet „ohne“. Das gleitende Ringmartingal - im Volksmund kurzerhand Martingal genannt, die offizielle Bezeichnung ist vielen Reitern gar nicht mehr geläufig - ziert fast jedes Pferd. Sollten alle diese Pferde - ganz besonders die in hohen Springprüfungen - Hilfsschüler sein? Oder gar die Reiter?

Die würden es vermutlich nicht gern hören.

Doch der Hilfszügel ist mittlerweile Normalität geworden, und zwar vom noch relativ ungefährlichen gleitenden Ringmartingal bis hin zum rasiermessergefährlichen Schlaufzügel.

Man sieht sie in der Hand der Turnierreiter ebenso wie in der Hand von Freizeitreitern und (o Schreck!) sogar Reitschülern, und Zügel ohne Martingalschieber bekommt man fast nicht mehr zu kaufen. Früher kaufte man sich die Martingalschieber extra und schob sie mühsam auf die Zügel; heute muss man sie jedes Mal abschneiden.


Wozu überhaupt Hilfszügel?

Bestimmt nicht dazu, es einem unfähigen Reiter zu ermöglichen, sein Pferd besser zu beherrschen. Genau dazu werden sie aber in 95% der Fälle benutzt. Selbstverständlich kaschiert man die eigene Unfähigkeit mit Sätzen wie „Der Bock ist sonst nicht zu halten“ oder „Irgendwie muss er doch die Rübe nach unten nehmen.“

Und so eigentlich sinnvolle Sätze wie „dem Pferd den Weg in die Tiefe zeigen“ werden dazu missbraucht, das reiterliche Unvermögen zu verbergen.

Hilfszügel sollen dem Pferd helfen, einen bestimmten Bewegungsablauf leichter zu verstehen, leichter in ihn hinein zu kommen. Sowie das Pferd das aber begriffen  hat, haben sie ihren Sinn verloren. Natürlich kann man einem verspannten Pferd mit einem Schlaufzügel „den Weg in die Tiefe“ zeigen - sowie es aber weiß, dass es den Kopf beispielsweise an der Longe senken und damit angenehmer gehen kann, muss man sie entfernen.

Hilfszügel sind nicht dazu da, dem Pferd eine bestimmte Form zu geben. Aber sie werden dazu oft missbraucht, und leider lassen sich die Pferde das vermeintlich klaglos gefallen. Sie haben in diesen Fällen überhaupt keine Möglichkeit, sich zu wehren, denn Hilfszügel können ein Korsett sein, in das man sie zwängt. Man sieht es ihren Gesichtern an, und oft leiden sie unter Verspannungen und gehen dadurch schwunglos, was der Reiter dann durch vermehrten Gebrauch des Hilfszügels zu lockern versucht...


„Aktive“ und „reaktive“ Hilfszügel

Die aktiven Hilfszügel wirken bei jeder Bewegung des Pferdes auf es ein. Die bekanntesten sind die Schlaufzügel, mit denen man den Kopf des Pferdes in fast jede beliebige Position bringen kann.

Ein reaktiver Hilfszügel ist das gleitende Ringmartingal, aber auch der Stoßzügel. Sie sind  so verschnallt, dass sie bei normalen Abläufen überhaupt nicht zum Einsatz kommen. Sie wirken nur dann, wenn das Pferd übermäßig aus einer korrekten Haltung herauskommt und damit den Reiter gefährden würde.


Schlaufzügel & Co.

Sie gehören fast schon zur Standardausrüstung vieler Reiter. Und sie werden beileibe nicht mehr nur dazu gebraucht, dem Pferd den Weg in die Tiefe zu zeigen. O nein - Schlaufzügel haben noch viel mehr „Vorteile“. Man kann dem Pferd damit nämlich ohne eigene Kraftanstrengung das Maul derart auf die Brust zurren, dass es tatsächlich nicht mehr durchgehen kann.

Aber so brutal will und muss man ja nur in Ausnahmefällen sein. Denn der Schlaufzügel eignet sich auch prima dazu, den Pferdekopf möglichst schnell in eine „korrekte Stellung“ zu bringen. Das heißt, die Nase des Pferdes ist - wie das im heutigen Gebrauch leider oft genug praktiziert wird - kurz hinter statt kurz vor der Senkrechten. Dabei knickt der Hals dann falsch ab, das Genick ist nicht mehr der höchste Punkt des Pferdes, die Rundung des Halses beginnt quasi schon am Widerrist - absolutes „Мarkenzeichen“ vieler Springreiter auf internationalen Turnieren und heftig auf ländlichen Turnieren kopiert. „Die Großen“ machen es ja vor.

Dass man die Wirbel damit übermäßig auseinander zieht - sieht das denn niemand? Sieht man nicht, dass ein Pferd mit schnell angenommenen Schlaufzügeln die Hinterhand gar nicht wie gewünscht weit und schwingend untersetzen kann, sondern mit steif aufgewölbtem Rücken nur trippelt?  

So viele Reiter klagen über Bandscheibenprobleme und ahnen nicht (oder doch?), dass sie gerade diese ihrem Pferd durch falsch angewandte Hilfszügel regelrecht anreiten.

Schlaufzügel, eine der gefährlichsten Hilfszügelarten, gehören nur in die Hand guter und sehr sensibler Ausbilder. Sie sollten wie Feuerwerkskörper nur mit einem Warnhinweis versehen verkauft werden. Stattdessen sieht man sie heute schon in der Hand von Reitschülern, und kleine Mädchen reiten ihr eigenes Pferd in der Stunde stolz mit den langen Lederdingern in der Hand, oft genug auf blanke Schaufzügel anstatt mit den üblichen Zügeln dazu in der Hand.

Dasselbe gilt für Gogue-Zügel, für Thiedemann-Zügel, für Dreiecks-Zügel, Halsverlängerer und wie sie alle heißen. Sie werden fast immer ohne Sachverstand angewandt und sind lediglich für den Reiter bequeme „Вremsen“ für heftige Pferde. Dass sie nicht als Hilfs-, als Hinweis-Zügel angewandt werden, sieht man schon daran, dass manche Pferde jahrelang mit ihnen geritten werden. Und so dumm kann ja wohl kein Pferd sein...


Wer darf sie überhaupt benutzen?

Hilfszügel sind Ausbildungsinstrumente für Pferde, die kurzzeitig in ihrem Denken oder in ihrer Bewegungsmechanik blockiert sind. Das können ängstliche Pferde sein, aber auch Pferde mit total verspannter Muskulatur.

Hier kann ihnen ein guter, nachdenkender Ausbilder einen Weg ebnen. Wenn er das Problem richtig erkannt und den richtigen Hilfszügel gewählt hat, braucht er ihn meist nur einige Male einzusetzen. Dann kann das Pferd den Weg allein gehen.  Jedes Pferd merkt, wenn ihm ein gewisser Bewegungsablauf, den es selbst aber gerade nicht finden konnte, wohl tut.

Gute Ausbilder erkennt man übrigens daran, dass die Anzahl der Hilfszügel in ihrer Sattelkammer sehr gering ist.


Wie konnte das so überhand nehmen?

Zeit und Geld sind hier die Schlüsselworte. Leider aber auch reiterliches Unvermögen und reiterliche Selbstüberschätzung und Fühllosigkeit der Mitkreatur gegenüber.

Wenn man sich mehr Zeit lässt, einem Pferd etwas zu erklären, kann man sich den Hilfszügel sparen. Manches Pferd, das eine Woche lang mit hoch erhobenem Kopf verspannt an der Longe geht, tut das nicht nur, weil seine Muskulatur verspannt ist, sondern auch deshalb, weil es vielleicht Ängste hat. Warum lässt man ihm nicht die Zeit, diese in Ruhe abzubauen und Vertrauen zu seinem Ausbilder zu bekommen...

Fast immer ist das der bessere Weg, aber auch der längere.

Warum geht man mit einem  heftigen Pferd nicht erst dann in höheren Gangarten ins Gelände, wenn es gründlich ausgebildet ist und man somit auf den Thiedemann-Zügel als Krücke verzichten kann?

Schuld an diesem Trend haben nicht zuletzt aber auch die offiziellen Stellen. Turnierprüfungen für Vierjährige beispielsweise verlangen von den Pferden schon so viel, dass es schwierig ist, die Pferde langsam und korrekt darauf vorzubereiten.


Umdenken ist gefragt

Langsam bessert sich die Pferdehaltung. Vor Jahren noch verlachte Dinge wie Offenstallhaltung, Boxen mit Paddock usw. sind hoffähig geworden, nachdem die Reiter feststellten, dass ihre Pferde dadurch keineswegs weniger leistungsbereit sind.

Man kann nur hoffen, dass dieses Umdenken jetzt auch in Bezug auf die sogennanten Hilfs-, im Grunde aber Zwangszügel einsetzt. Wenn man das reichhaltige Angebot darüber in den Reitsportkatalogen sieht, kann man allerdings daran zweifeln...

Aber vielleicht denken ja doch ein paar Reiter immer mehr, und dann gibt’s den Schneeball-Effekt. Es wäre nicht das erste Mal.

Uta Over


Futterhygiene – mehr als nur Eimer auswischen


Es kommt nicht nur darauf an, was man füttert, sondern auch, wie man füttert. Niemand von uns würde von schmutzigen, bereits gebrauchten und nicht abgewaschenen Tellern essen oder Dinge zu sich nehmen, die beispielsweise nicht gewaschen sind. In der Natur suchen Pferde sich saubere Nahrung - in der Domestikation mssen wir dafür sorgen, dass sie ihnen sauber angeboten wird.


Futterwerbung

Bei industriell hergestelltem Futter, also beispielsweise Pellets oder Mischfutter, kann man davon ausgehen, dass es hygienisch einwandfrei ist, denn es wird in regelmäßigen Abständen von staatlicher Seite kontrolliert.

Sicherlich findet man auch hier vereinzelt Beanstandungen; man wird aber die Erfahrung machen, dass die Hersteller peinlich berührt reagieren, wenn in einem Sack wirklich einmal verschimmeltes Futter ist, und meist bemüht sind, den Schaden großzügig zu regulieren.

Aber auch beim Heu gehört Sorgfalt bei der Herstellung dazu. Das bedeutet zuerst, dass das Gras nicht zu tief geschnitten wird, denn Wühlmaus- und Maulwurfhaufen würden dann beim Wenden des Heus in das Heu quasi eingearbeitet

Auch muss das Heu lange genug trocknen, bevor es gepresst wird; jedes Nachschwitzen birgt die Schimmelgefahr und damit die Gefahr von Atemwegserkrankungen der Pferde in sich.

Beim Pressen sollte man darauf achten, dass es nicht zu fest gepresst wird, also die Schnüre der Presse immer mal wieder kontrollieren. Sind sie so fest um den Ballen, dass sie einschneiden, ist das zu fest - das Schnittgut kann nicht mehr atmenund schimmelt während der Lagerung.

Dasselbe gilt übrigens für Stroh.

Hat man den Verdacht, dass das Heu schlecht ist, sollte man es sofort wegschmeißen - jeder Versuch, es doch zu retten, kann ein krankes Pferd bedeuten.


Lagerung

Heu und Stroh müssen luftig lagern. Heu kann während der Trockenphase heiß werden und sogar zu brennen anfangen. Aber auch eine zu starke Erhitzung birgt die Gefahr des Schimmelns in sich, wobei man die Schimmelsporen oft gar nicht sehen kann - man bemerkt sie lediglich an dem muffigen Geruch des Heus... oder später durch ein hustendes Pferd.

Besonders sorgsam muss man Silage lagern. Die Ballen müssen absolut luftdicht sein. Selbst kleinste Löcher in der Folie, wie sie z.B. durch pickende Vögel hervorgerufen werden, lassen Luft in den Ballen dringen und rufen Gärung hervor, wodurch das Futter ein für allemal verdorben ist.

Kraftfutter muss trocken und sicher vor Mäusen gelagert werden. Es geht dabei gar nicht darum, dass die Mäuse einen Teil des Kraftfutters fressen könnten - sie können viele Infektionskrankheiten übertragen, die die Pferde schwer schädigen können.

Früher lagerte man Kraftfutter in Holzkisten. Diese sind jedoch nicht richtig sauber zu halten. Hat man wirklich einmal verdorbenes Futter in ihren gelagert, halten sich die Sporen über Jahre im Holz.

Viel praktischer sind große Futtertonnen, die man mit Drehdeckeln verschließen kann. Sehr gut sind auch alte Kühltruhen, deren Motor entfernt wurde. Sie haben meist zwei Fächer, so dass man zwei Sorten Kraftfutter getrennt aufbewahren kann. Das Plastikmaterial ist außerdem sehr leicht zu säubern und gelegentlich zu desinfizieren.

Der Deckel schließt luftdicht und kann bei manchen Tiefkühltruhen sogar abgeschlossen werden, so dass die Pferde ihn nicht öffnen können.


Fütterung

Jedes Pferd sollte sein eigenes Behältnis für Kraftfutter haben. Mit nichts kann man Krankheitskeime leichter und zuverlässiger übertragen als mit Futtereimern, die mal dieses, mal jenes Pferd bekommt. Wenn man also aus Eimern füttert, sollte jeder Eimer den Namen des entsprechenden Pferdes tragen. Bei Fütterung im Fressständer muss man darauf achten, dass jedes Pferd seinen Ständer hat - das ist aber wegen der individuellen Futtermenge und evtl. -zusammensetzung sowieso geboten.  

Silage muss sehr sorgfältig gefüttert werden. Jedes Mal nach dem Füttern muss die Schnittfläche des Ballens möglichst luftdicht abgedeckt werden, damit das Futter nicht gärt. Ist das einmal geschehen, so muss man den ganzen Ballen wegwerfen, denn Gärungen rufen bei Pferden schlimmste Koliken hervor.

Heu und Stroh werden am günstigsten vom Boden gefüttert, weil dies der natürlichen Fresshaltung der Pferde entspricht.

Raufutter sollte ständig zur Verfügung stehen, muss aber so angeboten werden, dass es von den Pferden nicht vertrampelt werden kann.

Am sinnvollsten ist natürlich ein Fresstisch, bei dem die Pferde ihren Kopf durch ein Gitter stecken, um ans Raufutter zu kommen, es aber nicht vertrampeln können.

Die modernen Futterraufen gibt es in zwei Formen: Die eine ist so konstruiert, dass sich die Pferde etwa in ihrer Ellenbogenhöhe das Futter herauszupfen; bei der anderen ist das Futter in einem runden Trog auf dem Boden gelagert. Die zweite ist in jedem Fall die bessere, weil die Tiere hier eine natürliche Fresshaltung einnehmen und kein Futter vermatschen.

In jedem Fall aber muss das Heu gründlich aufgeschüttelt werden, bevor man es verfüttert. Es ist eine unverzeihliche Faulheit, Rundballen einfach in den - bedauerlicherweise durch die Industrie dafür vorgefertigten - Behälter zu setzen und den IMMER anhaftenden Staub nicht auszuschütteln. So macht man sich Heuallergiker.

Das Heu muss vor dem Füttern gründlich im Freien ausgeschüttelt werden, nicht in der Stallgasse und schon gar nicht in der geöffneten Boxentür vor der Nase des Pferdes.

Am besten schüttelt man es im Freien auf, auch wenn das Mehrarbeit (= Transport des aufgeschüttelten Heues zu den Boxen oder dem Futterbehälter) bedeutet.


Nach dem Füttern

In einem gesunden Bestand kann man sich tägliche Desinfektion der Futterbehälter sparen - aber ausspülen sollte man die Eimer nach Gebrauch in jedem Fall. Dasselbe gilt auch für Futterkrippen. Zwar lecken die Pferde sie meist sauber aus - kein gesundes Pferd verschwendet auch nur ein Körnchen! - , aber der Schleim bildet mit der Zeit doch eine unappetitliche Schicht in der Krippe.

Das sollte man vermeiden und die Krippen daher täglich reinigen. Selbstverständlich sollte man auch hier nicht mit einem feuchten Lappen -zig Krippen hintereinander auswischen...

Auch nach der Heufütterung sollte man aufräumen. Am einfachsten geht das bei den Fresstischen; hier muss man nach dem Fressen nur den überschüssigen Grassamen zusammenkehren, der bildet sonst auf die Dauer eine unappetitlichen Schmier.

Schwieriger ist es schon, wenn die Pferde mit den Hufen das Futter zertrampeln können. Da sollte man den Futterplatz betonieren oder mit Betonsteinen auslegen, um ihn regelmäßig fegen und auch mal abspritzen zu können.

Füttert man vom Naturboden, hat man spätestens nach Regen eine unergründliche Matsche, ein unangenehmes Gemisch von Boden und vermatschtem Heu. Das ist nicht nur unschön anzusehen, manche Pferde ziehen sich leider auch noch verdrecktes Heu aus diesem Gemisch heraus - und das ist wirklich nicht gesund.


Futterhygiene - viele kleine Handgriffe

Das alles zusammen klingt ziemlich aufwendig. Es ist aber nicht aufwendiger, als beispielsweise vor dem Frühstckstisch dafür zu sorgen, dass der Tisch und das Geschirr sauber sind und der Kaffee mit frischem Wasser gekocht ist.

Pferde sind von Natur aus saubere Tiere. Viele von ihnen werden von uns schon dazu gezwungen, mit und manchmal sogar auf ihrem Kot in der Box zu leben.

Wir sollten dann wenigstens dafür sorgen, dass sie appetitlich und damit gesund fressen können.

Uta Over


Pferdehaltung - einmal anders betrachtet


Wie das Wort ja schon sagt, geht es bei der Pferdehaltung um die Haltungsform des Pferdes. Und so wird häufig diskutiert, welche Vor-  und Nachteile diese oder jene Art für das Pferd bietet. Doch nicht nur das Pferd, sondern auch der Reiter ist von der Wahl der Haltungsform betroffen:

Wenn es um dieses Thema geht, stehen sich Pferd und Reiter fast automatisch in einem Interessenkonflikt gegenber - die Bedürfnisse des einen decken sich einfach nicht mit denen des anderen.

Schließlich verspüren nur wenige Reiter wirklich Lust dazu, bei Wind und Wetter draußen zu leben, sich im Staub zu wälzen und ab und zu ein bisschen Mähnchenkraulen zu praktizieren. Und nur Ausnahmen unter den Pferden hingegen sind versessen aufs Reiten und legen gesteigerten Wert darauf, eine Halle zu benutzen oder einen Reitplatz zu betreten.

Ist es für das Pferd ein Vergnügen, sich im Schlamm zu wälzen, bedeutet dies für den Reiter automatisch mehr Arbeit - und so weiter...

Welche Interessen im Endeffekt befriedigt werden, hängt nicht unwesentlich von der Haltungsform ab, die zu wählen ja nun einmal allein in der Hand des Reiters liegt. So muss dieser entscheiden, welche Interessen und Bedürfnisse erfüllt werden und welche eben nicht. Unter diesem Gesichtspunkt kann man sich einmal einige Haltungsformen etwas genauer anschauen:


Automatisch artgerecht?

"Artgerechte Pferdehaltung" ist besonders der Schlachtruf der letzten Zeit.  

Natürlich sind wir all denen, die diese Haltungsform propagieren, aus unserem tiefsten Herzen dankbar! Schließlich sollen es unsere Vierbeiner so gut wie irgendmöglich haben. All ihre Bedürfnisse sollen erfüllt werden, und einmal ganz davon abgesehen, dass artgerecht eigentlich hieße, die Pferde in die nur noch spärlich vorhandene freie Wildbahn zu entlassen, geben wir uns doch wirklich alle Mühe: Da hat jemand herausgefunden, dass der Offenstall ganz klar unter artgerechte Haltung fällt, und schon folgen wir dieser ja eigentlich nicht ganz neuen Erkenntnis. Doch ist Offenstallhaltung tatsächlich automatisch artgerecht? Ist dies wirklich eine Entscheidung zugunsten der Bedürfnisse des Pferdes?

Stolz tut man sich unter den anderen Reitern hervor, weil das eigene Pferd schließlich in einem Offenstall lebt; und dieser sollte die so wichtigen Dinge wie Sozialkontakt und freie Bewegung beinhalten.

Interessant dabei ist, dass anscheinend jeder Offenstall besser ist als eine Box, auch wenn es sich dabei um ein kleines Schlammloch mit einem undichten und zugigen Bretterverschlag, der sich als Stall ausgibt, handelt.

Doch rütteln wir nicht an bestehenden Tatsachen: Die Offenstallhaltung ist wirklich eine feine Sache und der Alternative der Boxenhaltung zumindestens in meinen Augen deutlich vorzuziehen. Doch muss es sich eben um eine vernünftigen Offenstall handeln:


Alles fürs Pferd

Dies wäre ein stabiler, ausreichend großer und Schutz vor Witterung bietender Offenstall mit einer trockenen, sauberen Einstreu und davor natürlich ein großer, gepflegter und vor allem gut befestigter Auslauf. Dazu müssen natürlich noch Dinge wie ausreichende Futter- und Wasserversorgung gesichert sein. Hält man sein Pferd unter solchen Bedingungen, kann man wirklich von artgerechter Haltung sprechen.

Dies alles bedeutet natürlich auch jede Menge Arbeit, die anders als in vielen "normalen" Ställen in der Offenstallhaltung oft von den Pferdebesitzern selber geleistet werden muss.

Da heißt es also den Stall misten, frisch einstreuen und den Auslauf absammeln, je nachdem noch Heu geben und in extremen Fällen zum krönendem Abschluss noch ein wenig Wasser schleppen. Auch Kraft- und Mineralfutter liegt hier oft in der Hand der Besitzer. Neben der Arbeit ist vor allem auch der Zeitfaktor entscheidend. Je nach Organisation können die Pflichten hier schon einmal eindeutig die Überhand gewinnen, und die eigene Zeit ist plötzlich irgendwie ganz anders ausgefüllt, als man sich das ursprünglich vorgestellt hatte.

Nach einem arbeitsreichen Tag kann man aber glücklich ins Bett gehen, mit dem beruhigenden Gefühl, dass man sein Pferd wirklich so gut wie irgend möglich hält.


Reicht das?

Doch sind wir einfach einmal ehrlich: Warum haben wir uns ein Pferd gekauft? Wirklich nur aus dem einen Grund, dass dieses Tier ab jetzt ein perfektes Leben führen kann? Oder hatten wir eventuell doch noch einige zutiefst egoistische Hintergedanken bei der Sache, etwa das Pferd zu reiten und die Freizeit zum eigenen Vergnügen zu nutzen?

So fehlt eben oft, wie oben beschrieben, einfach die Zeit, um vernünftig reiten zu gehen oder sich intensiv mit seinem Pferd zu beschäftigen. Gerade im Winter, wenn die Arbeit noch mehr wird, dafür aber das Tageslicht weniger, kann sich der Kontakt mit dem eigenen Pferd für längere Zeit darauf beschränken, dass man ihm, während man den Stall ausmistet, noch gerade die Futterschüssel vor die Nase stellt.

Und selbst wenn einem immer noch ausreichend Zeit zum Reiten bleibt, muss man bei vielen Offenställen auf einen wirklich guten und beleuchteten Reitplatz und erst recht auf eine Halle verzichten.

So muss man denn beim Reiten im Gelände mit zu trockenen und harten, völlig schlammigen oder gefrorenen Böden kämpfen. Und wer zumindestens einen Reitplatz zur Verfügung hat, darf herausfinden, wieviel Spaß das Arbeiten im Regen macht. Übrigens sind auch die Pferde von solchen Ideen meistens nur minder begeistert.


Alles für den Reiter

Was gibt man als Reiter alles auf, damit es dem Pferd gut geht? Für einen selber bietet diese Haltung, abgesehen von einem glücklichen und ausgeglichenen Pferd, eben durchaus auch einige Nachteile.

Warum nicht einfach hingehen und beschließen, dass man für sein Geld auch als Reiter einige Vorteile erwarten kann? Schließlich gibt es da eine Alternative:

Man stellt sein Pferd einfach in einen Stall mit Boxenhaltung, einem Reitplatz und natürlich einer Halle. Am besten sucht man sich auch noch einen aus, in dem die Boxen gemistet werden und die Pferde gefüttert.

Nun sind wir also im Reiterparadies gelandet: Man fährt zum Stall, holt sein sauberes Pferd aus der Box, macht es fertig und geht bei schlechtem Wetter eben ein Stündchen in der Halle reiten, anschließend kehrt man eventuell noch ein paar Strohhalme von der Stallgasse, fährt nach Hause und hat wahrscheinlich noch jede Menge Zeit übrig. Hier wird dem Reiter wirklich viel geboten: Es ist warm, trocken und hell, man kann jederzeit nach Lust und Laune reiten gehen, und die Arbeit wird einem komplett abgenommen. So ist es einem tatsächlich möglich, die Zeit, die man zur Verfügung hat, ausschließlich zum Vergnügen zu nutzen. Allerdings sollte man sich bei diesem Modell damit abfinden, dass einen denkende Menschen mit Recht als Tierquäler beschimpfen.


Auch nicht besser

Sicher hat man auch als Reiter das Recht, dieses Hobby zu genießen, doch reine Boxenhaltung mit einem Stündchen Reiten am Tag sollte hier nicht die Lösung sein. Bei solch einer Haltung entstehen die eigenen Vorteile eindeutig auf Kosten jeglicher Lebensqualität der Pferde. Es sei denn, ich möchte meinem Pferd auch bei dieser Haltung etwas bieten, und das wird bei reiner Boxenhaltung für den Besitzer richtig anstrengend:

Realistisch betrachtet ist der Zeitaufwand, den man für den Offenstall betreibt, nämlich ein schlechter Scherz, wenn man ihn mit dem Zeitaufwand vergleicht, zu dem einen reine Boxenhaltung im Prinzip verpflichtet: Auch hier sollten schließlich die Grundbedürfnisse der Pferde befriedigt werden, und wenn dies die Haltung an sich nicht tut, liegt es völlig in der Hand des Besitzers. Dieser hat also dafür zu sorgen, dass das Pferd bewegungsmäßig ausgelastet ist - und dies ist mit einer Stunde reiten am Tag sicher nicht getan. Alleine die Bewegung unter dem Sattel nimmt also schon viel Zeit in Anspruch. Dann muss ein Pferd sich selbstverständlich auch jeden Tag frei bewegen können, und dies am Besten mit seinen Artgenossen. Es liegt also beim Besitzer, andere Pferde und einen Platz zu organisieren, wo dies möglich ist; und im schlimmsten Falle muss er dann noch daneben stehen bleiben.

Wer sein Pferd also gerne in eine Box stellen möchte, kann getrost 5 bis 6 Stunden am Tag für sein Pferd mit einrechnen. Auf diese Weise geht es dem Pferd dann zwar recht gut, doch für den Besitzer kann dieses Programm genauso schnell zur lästigen Pflicht werden, wie die, jeden Tag einen Offenstall zu misten.


Entweder - oder, oder und?

Entweder es geht dem Pferd gut, oder dem Reiter? Muss dies wirklich so sein? Natürlich sind die Beispiele extrem gewählt, doch im Endeffekt läuft es darauf hinaus, oder nicht? Welche Alternativen hat man? Welches ist nun die perfekte Haltungsform für Pferd und Reiter? Na, ganz einfach - die Kombination der beiden Idealvorstellungen:  

Ein wunderschöner Offenstall, welcher von anderen perfekt gepflegt und in Stand gehalten wird, bei dem man selber also kaum noch Arbeit hat und der über Strom, fließend Wasser, einen überdachten Putzplatz, einen beleuchteten Reitplatz, eine Halle, einen Springplatz, eine Ovalbahn, ein Dressurviereck, jede Menge Weiden, ein Solarium und ein Schwimmbad verfügt und der natürlich auch noch extrem günstig ist.

Wer diesen Stall findet, kann sich glücklich schätzen und sollte mich vor allem direkt benachrichtigen! Alle anderen stehen weiterhin vor einem Problem: Es gilt den vernünftigen Kompromiss zu finden, bei dem sich beide wohlfühlen.

Dies könnte zum Beispiel ein guter Offenstall mit Hallenbenutzung sein oder auch eine kombinierte Boxenhaltung, bei der die Pferde etwa im Sommer ganztägig auf der Weide stehen und im Winter tagsüber auf einen Auslauf kommen.

Die Frage bei solchen Kompromissen ist letztendlich, welche der beiden Parteien ausschlaggebend ist: Muss mein Pferd damit leben, vielleicht jeden Tag nur vier Stunden auf den Auslauf zu kommen und sich den Rest der Zeit in der Box zu langweilen, damit ich die Vorzge einer Halle genießen kann, oder verzichte ich auf die Halle, damit mein Pferd mehr Bewegung hat? Zahle ich dasselbe Geld für eine große Außenbox, die ich selber misten muss, oder für eine kleinere Innenbox, die gemistet wird?

Für welchen Kompromiss man sich entscheidet, bleibt einem selbst überlassen, doch sollte man sich an die Grenzen halten, die einem die Verantwortung für ein Pferdeleben setzt.

Katinka Schnitker


Zum Wiehern: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft...


Wenn man sich regelmäßig im Stall trifft, lernt man sich mit der Zeit natürlich auch immer besser kennen; und irgendwann kommt dann der Moment, in dem man zum Beispiel auf den Geburtstag einer Stallbekanntschaft eingeladen wird.

Selbstverständlich freut man sich dann, bereut alles, was man bisher über die entsprechende Person gesagt hat, und steht vor dem Problem, ein Geschenk zu finden. Wenn man diesen Menschen außerhalb des Stalles nicht wirklich gut kennt, liegt nichts näher, als das Geschenk aus dem großen Bereich rund um Pferd und Reiten zu schenken.

Auch ich greife bei solchen Anlässen immer wieder auf ein Reitsportgeschäft zurück - doch Vorsicht, wenn man nämlich einfach nach irgendeinem Gegenstand greift, der einem halbwegs nett oder sinnvoll vorkommt, dann kann man sich in seinem Stall schneller als geahnt unbeliebt machen:


Gerten und andere Folterinstrumente

So muss ich etwa gestehen, dass auch ich schon einmal das einfallsloseste Geschenk überhaupt gemacht habe: eine Gerte. Aber erstens hatte ich an diesem Tag wirklich überhaupt keine Zeit und zweitens dachte ich nur, eine Gerte wäre nicht unpraktisch, da man Gerten einfach immer wieder so schnell verliert.

Zwar habe ich meinen Fehler noch nicht direkt im Moment des Schenkens bemerkt, doch schon einige Tage später musste ich erfahren, dass ich im Stall inzwischen als übler Tierquäler gehandelt wurde, da ich öffentlich irgendwelche Folterinstrumente verschenken würde.

Aufgrund dieser Erfahrung habe ich beim nächsten Mal eine riesig große Tte Pferdeleckerlis verschenkt, da mir dieses Geschenk ungefährlich erschien und keinesfalls als Folterinstrument angesehen werden konnte, es sei denn, der neue Besitzer dieser Leckerlis bewirft sein Pferd damit - doch das kann man mir dann ja nun wirklich nicht vorwerfen. So hoffte ich meinen Ruf im Stall wieder etwas aufzubessern. Doch anstatt eines Dankes bekam ich nur zu hören, dass ein guter Pferdebesitzer keine Bestechung nötig hätte; und was aus einem Pferd wird, wenn man es zu sehr verwöhnt, das würde man ja nur allzu deutlich an meinem Pferd sehen.


Ein gutes Buch?

Auch mit Büchern muss man sehr, sehr vorsichtig umgehen, denn als ich dachte, mit dem neuesten Buch über Pferdesprache eine Freude machen zu können, musste ich mir anhören: „Вist du wirklich der Meinung, ich würde mein eigenes Pferd nicht verstehen? Ich habe doch gar keine Probleme mit meinem Pferd!“ Mein Versuch, die Situation noch zu retten, blieb  erfolglos: „Nein, also wirklich, das habe ich - das wollte ich damit ja gar nicht sagen und ich dachte nur, wo du dein Pferd ja jetzt schon so bewundernswert gut verstehst, dass du dann vielleicht mit diesem Buch noch besser, also nicht dass du ein Buch dazu nötig hättest...       ich tausch es um!“

Auch als ich einmal ein Buch über das Westernreiten verschenkte, weil ich wirklich der Meinung war, es würde Gefallen finden, ist dies anscheinend falsch aufgefasst worden, denn beim nächsten Anlass bekam ich dann von dieser Person ein Buch über die Anfänge des Westernreitens geschenkt mit der Widmung: „Wenn hier jemand noch Wissen aus Büchern braucht, dann ja wohl du. Alles Liebe...“

Und auch wenn einem jemand ständig erzählt, er würde so gerne noch besser reiten können und beim Reiten lernt man eben nie aus, soll man bloß nicht annehmen, Reitstunden zu schenken wäre eine gute Idee!

Leider weiß ich nun immer noch nicht, über welches Geschenk sich ein Reiter wirklich freuen würde, denn in letzter Zeit werde ich einfach nicht mehr eingeladen...

Katinka Schnitker




Kontakt                                   Impressum                                    Über uns