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Durchgehende Pferde - Keine Langeweile im Winter - Mauke - Reiten lernen - Zum Wiehern!


Equikids Ausgabe 11/2010


* Durchgehende Pferde, Teil II


In der letzten Ausgabe der Equikids haben wir euch gezeigt, wie ein durchgehendes Pferd ganz akut in der konkreten Situation gebremst werden kann. Wichtig ist jedoch, langfristig daran zu arbeiten, dass solche gefährlichen Situationen gar nicht erst entstehen.


Das langfristige "Abhilfe-Programm"


1. Für die "Rennpferde":
Durchlässigkeit verbessern und lernen, die Situation zu kontrollieren
Im Fall der von mir als "Rennpferde" bezeichneten Tiere sind langfristige Lösungen relativ leicht zu finden. Das heißt nicht, es wäre einfach, sie umzusetzen! Die Durchlässigkeit bei der Arbeit auf einem umzäunten Platz ist eine Grundvoraussetzung, ohne die sich kein Reiter gefahrlos ins Gelände begeben kann. Ich setze sie einmal als gegeben voraus.
Das Problem des Durchgehens aber muss dort bekämpft werden, wo es entsteht. Auf freiem Felde sollten möglichst häufig Übergänge geritten werden, zunächst ohne den Galopp mit einzubeziehen. Bei den Paraden muss auf absolut prompter Umsetzung seitens des Pferdes bestanden werden. Jede Nachlässigkeit oder Inkonsequenz des Reiters ermutigt sein Pferd zu weiteren Kraftproben. Sollte das Pferd den Gehorsam verweigern und sein Tempo nicht wie verlangt vermindern, darf es auf keinen Fall weiter geradeaus laufen. Es wird sofort in eine Volte geführt, bis die Gangart und das Tempo dem Wunsch des Reiters entsprechen. Auch beim Üben ist natürlich der Wechsel von Annehmen und Nachgeben das A und O. Je besser dann das Pferd auch "in freier Wildbahn" auf die Hilfen des Reiters achtet, desto höher können Übungsgangart und Tempo gewählt werden. Der Reiter seinerseits ist gefordert, ebenfalls mit erhöhter Sensibilität auf jede noch so kleine Veränderung der Durchlässigkeit seines Tieres zu achten. Sowie er das Gefühl hat, das Pferd tritt stärker an, als er erlaubt hat, muss er bereits im Ansatz ein mögliches Durchgehen unterbrechen. Idealerweise sind Reiter und Pferd schließlich so weit, dass sie stressfrei sowohl allein als auch in der Gruppe einen freien Galopp riskieren und zu jedem beliebigen Zeitpunkt in ein ruhiges Tempo zurückkehren können.

2. Für die Ängstlichen:
Vertrauen schaffen und Desensibilisieren
Durchlässigkeit verbessern gehört auch hier zum "Abhilfe-Programm". Der obige Absatz kann komplett übernommen werden. Darüber hinaus benötigen ängstliche Pferde aber noch mehr Hilfen von ihrem Reiter. Es sind in der Regel Tiere mit wenig Selbstbewusstsein und einem niederen Rang innerhalb einer Herde. Sie sind grundsätzlich verunsichert und benötigen eine Führungspersönlichkeit, um ihre Ängste im Zaum zu halten. Für den Reiter bedeutet dies viel Beschäftigung mit seinem Pferd im Stall, an der Hand und unter dem Sattel in besonderem Hinblick auf den Aufbau eines sicheren Vertrauensverhältnis.
Dominanztraining in allen Variationen (siehe Fachliteratur) kann hier – wie eigentlich immer - viel Positives bewirken. Desensibilisierung soll dazu beitragen, dass das Pferd unerwarteten, ungewöhnlichen und unheimlich wirkenden Dingen mit mehr Selbstbewusstsein und Gelassenheit begegnet. Es geht darum, seine Schreckhaftigkeit abzubauen, indem es so oft wie möglich und an jedem möglichen Ort mit Dingen konfrontiert wird, vor denen es in der Regel Angst hat. Es geht allerdings nicht darum, die Nerven dieses armen Tieres völlig zu ruinieren! Mit einem solchen Programm darf erst dann begonnen werden, wenn das Pferd "seinen Menschen" als Leit- und Vertrauensfigur anerkannt hat. Sodann darf es mit irgendwelchen Schrecknissen natürlich nicht allein gelassen werden. Sein Beschützer muss in jedem Fall immer bei ihm sein, so wie er es ja auch beim Ausritt ist. Es ist viel Geduld und Ruhe notwendig, Rückschläge müssen mit einkalkuliert werden. Zeit ist etwas, das keine Rolle spielen sollte. Wenn dann noch der Reiter so weit an sich arbeitet, dass er sicher sein kann, dem Pferd auch vom Sattel aus Schutz und Sicherheit bieten zu können, steht einer ständigen Verbesserung und dem entspannten Genuss eines Ausrittes bald nichts mehr im Wege.

Durchgehen im Trab oder Schritt
In diese Kategorie fallen NICHT solche Pferde, die nach ein paar Schritten oder Tritten doch in den Galopp fallen, sozusagen also nur ein wenig Anlauf für ihr Davonstürmen nehmen. In dieser Kategorie geht es um Pferde, die mit einem enormen Selbstbewusstsein und viel eigenem Willen ausgerüstet sind. Diese Eigenschaften sind z.T. rasseabhängig. So sind in der Regel besonders Tiere, die einer "Robustpferde-Rasse" zuzuordnen sind (z.B. Shettys, Norweger u. Ä..), von Natur aus sehr unabhängig und haben stets ihre eigene Meinung zu den Dingen, die ihnen begegnen. Ihr Überleben, vor allem in unwegsamen, ungemütlichen und futterarmen Gegenden, ist von diesen Eigenschaften abhängig. Aber auch Angehörige anderer Rassen können durchaus beschließen, dass der direkte Weg zur nächsten Futterquelle wesentlich wichtiger ist als die vom Reiter gewünschte Route. Und wenn auch das Tempo des Durchgehens im Trab oder im Schritt nicht so beängstigend ist wie bei denen, die im Galopp davon sausen, so sind die Gefahren genauso vorhanden. Bis heute beachten Pferde noch keine Verkehrsregeln und achten auch wenig darauf, ob die Knie des Reiters, den sie sowieso aus seiner Verantwortung entlassen haben, noch an dem Baum vorbeipassen oder nicht.

Das "Soforthilfe-Programm"
Auch in diesen Fällen ist zunächst das oberste Gebot: Gesund nach Hause kommen und KEINE PANIK!

1. Ruhig bleiben, Überblick bewahren!

2. Versuchen, eigene Verletzungen (z.B. an eng passierten Bäumen) durch geschickte Sitzvariationen zu vermeiden.

3. Auch hier versuchen, freies Gelände zu erreichen, um dort das Pferd in die Runde lenken zu können. Die im Zweifelsfall dicken Hälse sind in der Regel sehr schwer gegen den Willen des Pferdes zu biegen. Auf Schönheit wird wiederum verzichtet; der Innenzügel muss so kurz wie möglich genommen werden, damit der Reiter die nötige Kraft hat, eine Kurve zu lenken. Der Außenzügel hält gegen, damit das Pferd nicht einfach den Hals abknickt, sondern auch tatsächlich abwendet. Bei solch extremen Lenkmanövern darf tatsächlich NIEMALS DER AUßENZÜGEL LOSGELASSEN werden! Ohne ihn besteht die große Gefahr, dass Pferd und Reiter in der Kurve stürzen! Außerdem muss der Reiter schwer und AUFRECHT im Sattel sitzen, um die bei scharfen Kurven sowieso stark belasteten Vorderbeine nicht noch zusätzlich zu strapazieren.

4. Besteht keine Möglichkeit zum Abwenden, weil der Weg zu eng ist, kann ebenso - wie oben beschrieben – versucht werden, durch starkes Annehmen und Nachgeben die Aufmerksamkeit seines Pferdes und die Kontrolle wieder zu gewinnen. Es ist jedoch anzunehmen, dass Tiere, die nicht aus Panik davonlaufen, sondern einem ganz bestimmten Ziel zustreben, sich eher nicht durch solche Maßnahmen beeindrucken lassen.

5. Daraus folgen die letzten zwei Möglichkeiten: Entweder der Reiter ergibt sich in sein Schicksal, vertraut sich seinem Pferd an und versucht, möglichst unbeschadet irgendwo anzukommen, oder er wählt die sportliche Variante und springt ab. Es besteht eine gewisse Chance, das Pferd allein dadurch so weit zu beeindrucken, dass es wenigstens kurz innehält und somit dem Reiter ein Eingreifen ermöglicht. Dieser riskiert allerdings auch, als eine Art Treibanker weiter mitgeschleift zu werden, oder ungünstigenfalls sogar die Zügel zu verlieren. Zu hoffen wäre, dass er sich vom Boden aus so nah wie möglich an den Kopf des Pferdes heranmanövrieren kann (z.B. an den Zügeln sich nach vorne hangeln), um dort sehr direkt auf sein Tier einzuwirken. Das ist aber, wie gesagt, eher etwas für besonders sportliche Reiter.

Das langfristige "Abhilfe-Programm"
Das Ziel jeder Arbeit mit diesen Tieren muss sein, das bisherige
Dominanz-Verhältnis zugunsten des Reiters umzudrehen. Reiterlich wird eine besondere Konsequenz notwendig sein, um das Pferd von der Vorrangstellung seines Menschen im Sattel zu überzeugen. Kein einziger Kompromiss darf diesen Eindruck trüben! Der Reiter sollte sich immer die Mühe machen, selbst zu bestimmen, wohin und in welcher Gangart geritten wird. Aber nicht nur das Pferd soll dem Reiter zuhören, wie oben muss auch hier der Reiter sein Gespür für die Reaktionen seines Pferdes so weit verbessern, bis er einen "Durchgeh-Versuch" bereits erkennt, bevor noch das Pferd selbst richtig weiß, was es will.

Abhilfe durch Ausrüstung?
Von der "Regulierung" verschiedener Probleme durch Zusatzausrüstung halte ich grundsätzlich nichts. Insbesondere ein Martingal ist in meinen Augen eher ein Problemverstärker als eine Problemlösung. Gerade der durch seinen Einsatz entstehende Versuch, den Kopf des Pferdes ohne Momente des Nachgebens mit Hebelkraft zurück zu ziehen, führt in der Regel zu einer enormen Verstärkung der Unterhalsmuskulatur des Pferdes, da es dem starken Druck mit noch stärkerem Gegendruck begegnet. Je stärker aber der Unterhals, desto besser kann sich ein Pferd den annehmenden Hilfen widersetzen. Auch andere Hilfszügel und scharfe Gebisse können niemals eine dauerhafte Lösung sein, da die Pferde mit der Zeit einfach abstumpfen. Allenfalls als sofortige Notmaßnahme oder kurzzeitige Korrektur mag ihr Einsatz sinnvoll sein. Um aber ein Pferd auch in Extremsituationen kontrollieren zu können, ist es vor allem wichtig, es
sensibel und empfänglich für feine Hilfen zu erhalten. Dazu ist ein sparsamer, aber konsequenter Gebrauch der reiterlichen Hilfen völlig ausreichend.

Gefahren-Situationen vermeiden
Grundsätzlich sei gesagt: Wem es trotz vieler Bemühungen nicht gelingt, sein Pferd im Gelände zu kontrollieren, dem bleibt immer noch der zwar einschränkende, aber allereinfachste Weg. Er verzichtet ganz auf das Reiten im Gelände!
Allgemein gilt bei einem Ausritt für alle, die sich ihrer Pferde nicht hundertprozentig sicher sind:
- NICHT in Richtung auf eine Straße galoppieren -> spätestens einen Kilometer vorher durchparieren!
- NICHT in Richtung Heimat traben oder galoppieren
- NICHT hinter einer Gruppe zurückbleiben
- NICHT mit ehrgeizigen Pferden in der Gruppe galoppieren
Wer die Gefahr und das Risiko liebt, sollte beides nur für sich allein suchen, nicht aber sein Pferd und andere unnötig daran beteiligen.


Ute Forler


* Langeweile im Winter - und was man dagegen tun kann!


Auch Pferde langweilen sich im Winter, robust gehaltene Pferde ebenso wie Pferde, die in Boxen leben. Die Weide fehlt, der Auslauf, die Ritte im Gelände. Menschen frieren nun mal im Winter, und die Tage sind kurz. Den Pferden ist das egal, denn sie frieren nicht; und Dunkelheit macht ihnen auch nichts aus. Aber sie müssen sich ja nach uns richten - und so langweilen sie sich, weil wir Menschen es gern schön bequem haben möchten.


Die bösen Folgen der Langeweile

Langeweile ist nicht nur die Verschwendung von Lebenszeit, sie kann auch böse Folgen haben, denn die "kleinen grauen Zellen" im Pferdegehirn wollen beschäftigt sein und nicht nur so vor sich hindödeln...

Viele Pferde finden für sich einen Ausweg, sie betäuben die Langeweile durch Ersatzhandlungen, versetzen sich selbst in eine Art Trance und merken dann nicht, wie langsam die Zeit vergeht.

Eine dieser Handlungen ist das Koppen. Die Pferde setzen die Zähne auf einen Gegenstand auf und schlucken Luft - das gibt ihnen ein Lustgefühl, das wir Menschen nicht nachvollziehen können. Es muss aber wohl so sein, denn Pferde auf aller Welt machen das, wenn sie sich langweilen oder einsam sind. Zwar kann man dem Pferd einen speziellen Riemen um den Hals binden, der das Koppen verhindert - aber der Grund für das Koppen ist damit ja nicht abgestellt.

Ähnlich unangenehm ist das "Weben". Dabei tritt das Pferd unablässig von einem Vorderbein aufs andere, eine schaukelnde Bewegung, die ihm vorgaukelt, es würde vielleicht vorwärts gehen; denn Bewegung brauchen Pferde ja unbedingt.

Robustpferde suchen stundenlang den Zaun ab, ob es nicht vielleicht doch einen Durchschlupf gibt - und oft genug finden sie ihn und schlüpfen hinaus in die "Freiheit", die für sie mit Straßen und Verkehr so gefährlich ist...


Langeweile verhindern, aber keine "Energie" verschwenden

Gerade robust gehaltene Pferde verhalten sich im Winter außer in Ausnahmesituationen ziemlich ruhig. Natürlich bekommt eine Herde oder eine kleine Gruppe mal einen Rappel und rennt los, oder zwei Streithähne geraten aneinander und raufen ein bisschen. Im allgemeinen aber sind die Pferde ruhig, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Energie nämlich braucht ihr Körper, um sich zu wärmen, das ist lebensnotwendig. Er bekommt die Energie durch das Futter und "verbrennt" sie wie Holz oder Kohle im Körper und hält diesen damit warm. Wenn das Pferd jetzt zuviel tobt, wird zuviel Energie verbraucht, und der Körper friert. Winterbeschäftigung soll also das Pferd beschäftigen, es aber körperlich nicht zu sehr anstrengen, denn der Winter ist die natürliche Ruhezeit für alle Tiere - sogar für Boxenpferde, auch wenn man ihnen diese Ruhe oft nicht gönnt.


Futter als Ablenkung

Dreimal täglich eine Raufe voll Heu ist langweilig. Die Pferde haben zwar genug zu fressen und sind ständig beschäftigt, aber sie stehen doch nur herum und schlagen sich die Bäuche voll. Viel interessanter ist es schon, wenn man in einem Auslauf beispielsweise Autoreifen verteilt - immer ein Reifen mehr, als Pferde da sind - und diese mit Heuhäufchen füllt. So gehen die Pferde von einem Autoreifen zum anderen und nehmen hier und da ein Häppchen. Auch Zweige, die man im Auslauf oder in der Box hinhängt, sorgen lange Zeit für Beschäftigung. Die Pferde knabbern sie ab und spielen oft auch mit ihnen, wenn sie am Boden herumliegen. Oft genug sieht man zwei Pferde, die sich verbissen um einen Fichtenzweig zanken...


Beschäftigung für den Kopf

Der Winter ist die Zeit des Lernens, der ruhigen Übungen. Jetzt, wo man nicht über Stoppelfelder "stochen" kann, kann man prima Übungen machen, die das Vertrauen vom Pferd zum Reiter stärken.

Eine sehr praktische Übung ist beispielsweise das Verladen des Pferdes. Wer kennt nicht das Problem: Das Pferd soll verladen werden, hat aber keine Lust dazu oder Angst davor. Im Winter kann man dem Pferd zeigen, dass es gar nicht schlimm ist, in einen Hänger zu gehen. Am ersten Tag zieht man ihm vielleicht die Transportgamaschen an, die es noch nicht kennt, und geht damit einige Meter spazieren. So wird diese Angst schon mal abgebaut. Am nächsten Tag dann beginnen die Übungen fürs Verladen. Oder man stellt einen Hänger auf die Weide und füttert das Kraftfutter grundsätzlich nur im Hänger - schon bald werden die Pferde sich darum drängen, in den Hänger zu gehen, und man sollte ihn sicherheitshalber auszäunen ...

Auch Übungen wie das Überschreiten einer Brücke - was einem im Gelände ganz schön zu schaffen machen kann - kann man im Winter sozusagen "trocken" üben, indem man sein Pferd über einen Holzsteg führt, den man allerdings extra anfertigen (lassen) muss. Viele Pferde finden es schrecklich, über das hohl klingende Ding zu gehen. Aber im Laufe einiger Tage verlieren sie ihre Angst und gewöhnen sich daran. Dann kann man mit der Arbeit auf der Wippe beginnen und merkt, wie das Pferd mehr und mehr Spaß an dieser "Kopfarbeit" bekommt - manche Pferde schaukeln sogar gern allein auf der Wippe ...

Gegenstände wie ein großer Medizinball oder eine leichte Plastiktonne können dazu dienen, dem Pferd die Angst vor fremden Gegenständen bzw. Berührungen zu nehmen. Ein großer dünner Plastikreifen (ältere Reiter erinnern sich sicherlich noch an den Hula-Hupp-Reifen) ist ganz ausgezeichnet, um mit einem Pferd an der Hand und natürlich auch unter dem Sattel die Vorhandwendung zu üben. Dabei werden die Vorderbeine in den Reifen gestellt und dürfen ihn auch in der Wendung nicht verlassen. Auf umzäuntem Gelände kann man solch einen Reifen auch als Halsring benutzen und mit ihm sogar über den Holzsteg bzw. die Wippe reiten.

Die klassische Ausbildung vom Boden her kann man sehr gut im Winter beginnen, weil die Pferde sich dann eher auf den Reiter konzentrieren - im Sommer haben sie mehr Dinge, die "interessant" sind; im Winter ist die Bodenarbeit eine willkommene Abwechslung für die Pferde. Sie soll in diesem Fall gar nicht gymnastizierend wirken, sondern das Pferd soll neue Dinge lernen, wie beispielsweise durch eine Gasse oder gar ein Labyrinth von Stangen zu gehen - manchmal kann man den Pferden die geistige Anstrengung, das richtig zu machen, richtig ansehen!


Beschäftigung für den Körper

Auch sie ist wichtig. Da die Pferde im Winter aber sowieso ein ausgeprägteres Ruhebedürfnis haben, sollte man sich danach richten.

Selbstverständlich muss sich jedes Pferd täglich mindestens eine Stunde frei bewegen dürfen. Die zwanzig Minuten, die manche Reiter ihr Pferde in der Reithalle "laufen lassen" (= mit der Peitsche hinterher die armen Viecher immer in die Runde hetzen), sind's nicht! Ein Pferd muss sich auch mal im Freien genüsslich recken und strecken und wälzen dürfen. Eine Stunde Freilauf ist also für Boxenpferde die Mindestforderung!

Wer reitet schon gern in eisiger Kälte! Der Hosenboden wird kalt, die Füße frieren fast ab - und überhaupt! Außerdem ist der Boden oft gefährlich glatt. Wenn man aber doch reitet, sollte man zwischendurch immer wieder mal absitzen und das Pferd führen - dann wird einem etwas wärmer. Die Alternative ist das Spazierengehen mit dem Pferd. Auch wenn das Pferd ruhig geht - und das sollte es! -, wird es dem Reiter warm werden, denn im Verhältnis zu Menschen haben Pferde ein ganz hübsches Schrittempo!

Die ersten Male sollte man das Pferd unbedingt mit Gebiss führen, denn so ein Schneespaziergang (oder auch nur ein Kälte-Spaziergang) kann übermütig machen! Später kann man dann ein Halfter aufziehen - besser aber immer mit einer Kette über der Nase, denn ein Pferd, das richtig "aufdreht", bekommt man am Halfter entweder gar nicht gehalten, oder man muss die volle körperliche Kraft einsetzen, also ein Kampf mit dem Pferd. Eine unschöne Sache!


Fütterung entsprechend der Beschäftigung

Das ist ein ganz wichtiges Kapitel. Pferde, die mit Kraftfutter vollgestopft werden, "explodieren", sowie sie sich bewegen dürfen. Das ist nicht nur unangenehm für den Reiter/Pferdeführer, sondern auch für das Pferd selbst gefährlich. Denn bei solch einer plötzlichen "Explosion" kann sich das Pferd schlimm verletzen - Sehnen können überdehnen oder gar reißen, oder die Pferde schlagen sich mit den Hufen selbst an die Beine, weil sie "innerlich" heiß sind, ihre Muskeln und Sehnen aber noch gar nicht geschmeidig sind. Wichtigste Voraussetzung für eine gefahrlose Beschäftigung mit dem Pferd ist also ein vernünftiges Futter-Leistungsverhältnis.

Jeder, der mal neben einem Pferd gegangen ist, das "vor Kraft nicht laufen" konnte, sondern ständig um einen herumtanzt und vor lauter Bewegungsdrang nicht mehr denken kann, wird das verstehen. Zwei Hände voll Kraftfutter mehr sind also kein Ausgleich für sinnvolle Beschäftigung im Winter.

Uta Over


* Gesundheit: Mauke hat schon so manches Pferd „lahmgelegt“!


Es ist Herbst oder Winter, es regnet und schneit, und die Weiden, Ausläufe und Paddocks sind teilweise so matschig, dass die Pferde an viel benutzten Stellen wie den Ausgängen mit ihren Hufen regelrecht im Schlamm versinken.

Eine schwere Zeit für Reiter, die versuchen, ihr Pferd bei solchen Bodenverhältnissen einzufangen! Aber nicht nur für Zweibeiner ergeben sich Nachteile, auch die Vierbeiner benötigen jetzt besondere Aufmerksamkeit und Pflege, denn dies ist die beste Zeit für Mauke.


Was ist Mauke?

Mauke ist eine Hautentzündung an den Beinen, meist in der Fesselbeuge, die durch ständige Nässe und Schmutz begünstigt wird. Mauke beginnt mit Hautrötungen und steigert sich zu eitrigen Hautentzündungen mit Krustenbildung. Diese Krusten kann man in der Fesselbeuge leicht erfühlen, und somit sind sie das wichtigste Erkennungsmerkmal der Mauke! In der Folge kann es noch zu schmerzbedingten Lahmheiten kommen. Das ganze Bein kann anschwellen.


Wie wird Mauke behandelt?

Die Behandlung ist nicht kompliziert, aber sie erfordert Geduld und Ausdauer: Die Fesselbeuge muss jeden Tag gründlich gesäubert werden. Danach wird das entsprechende Mittel, das ihr vom Tierarzt bekommt, aufgetragen. Es ist wichtig, dass das Pferd nicht mehr im tiefen Matsch steht, bis die Mauke ausgeheilt ist!


Vorbeugende Maßnahmen

Um eine Erkrankung an Mauke nach Möglichkeit auszuschließen, müssen die Pferdebeine stets sauber und trocken sein. Das ist, wie alle Robustpferdehalter wissen, in dieser Jahreszeit ein Ding der Unmöglichkeit! Eine mögliche Konsequenz wäre, sein Pferd während dieser Monate in eine saubere Box zu stellen, aber ich bezweifle, dass das die bessere Alternative wäre. Denn ich habe viele Male beobachtet, wie gerne Pferde auch im Winter jede Möglichkeit zur freien Bewegung nutzen, und wie sie jederzeit auch das matschigste Stück Auslauf dem trockenen Offenstall vorziehen! Möchte man seinem Pferd also trotz Schlamm und Nässe ein Stück Freiheit ermöglichen, ist es wichtig, dass man sich über das Risiko von Mauke im Klaren ist und entsprechende Maßnahmen ergreift.

Als erstes sollte man nach Möglichkeit jeden Tag die Fesselbeugen kontrollieren, um beim Auftreten von Krusten sofort handeln zu können. Dann muss die Fesselbeuge regelmäßig gründlich gereinigt werden. Nach dem Reinigen und Trocknen kann man sozusagen als Schutzschicht gegen Nässe ein bisschen Vaseline auftragen.

Auf keinen Fall sollte die Fesselbeuge geschoren werden, da durch die entstehenden Haarstoppeln selbst eine Hautreizung auftreten kann.

Soviel also zu den vorbeugenden Maßnahmen. Aber seid gewarnt, liebe Robustpferdehalter! Eine echte Garantie, dass euer Pferd keine Mauke kriegt, stellen sie nicht dar, aber sie verringern die Gefahr beträchtlich.


Katinka Schnitker


* Zur Diskussion: Reiten lernen um jeden Preis?


Reiten ist unbestritten etwas Wunderbares, es ist aufregend, es fordert einen, es macht Spaß und das Allerwichtigste dabei ist... natürlich das Pferd.

So ziemlich jeder Reiter, mit dem ich bisher gesprochen habe, hat mir aus vollem Herzen versichert, dass selbstverständlich das Tier für ihn bei diesem Hobby im Vordergrund stehe. Klar, dass viele dieser Sport, der mit der Zusammenarbeit mit einem Pferd verbunden ist, reizt und dass sie deshalb gerne reiten lernen möchten.

Genauso klar scheint es, dass es sich bei Menschen, die sich für diesen besonderen Sport entscheiden, auch um echte Tierfreunde handelt, denn warum sonst sollten sie einen Großteil ihrer Freizeit mit einem Pferd verbringen wollen? Aber stimmt dies wirklich, oder gibt es berechtigten Grund anzunehmen, dass für viele das Pferd an sich gar nicht so wichtig ist, wie es vielleicht nach außen hin scheint?

Schauen wir uns doch diese augenscheinliche "Hauptperson" Pferd gerade in den Anfangszeiten des Reitsportes einmal genauer an, denn die ersten Reiterfahrungen sammelt eine große Mehrheit der Reiter auf den Schulpferden einer Reitschule.

Man sollte meinen, dass es diesen Schulpferden gar nicht schlecht gehen kann; schließlich ist nicht anzunehmen, dass es diese ganzen Tierfreunde, die sich Reiter nennen, zulassen, dass es den Pferden schlecht geht, auf denen sie reiten lernen wollen, oder?


Reiten lernen - kein Problem

Reiten lernen ist überhaupt kein Problem, zumindestens dann nicht, wenn sich rein zufällig das Idealbild einer Reitschule in unmittelbarer Nähe befindet.

Dies wäre etwa eine Reitschule, wo die Schulpferde z.B. in großen Außenboxen mit täglichem Weidegang oder vielleicht auch in gepflegten Paddocks und im Sommer ganz auf der Weide leben würden. Alle Schulpferde wären gut gefüttert, top gepflegt, richtig ausgebildet und würden selbstverständlich auch noch regelmäßig Korrektur geritten. Auch der ausgezeichnete Unterricht, mit qualitativ hochwertigen Ausrüstungsgegenständen, Sätteln und Trensen, wäre hier stets auf Pferdefreundlichkeit bedacht.

Wer in solch eine Reitschule geht, der darf sich selbstverständlich ruhig Tierfreund nennen und mit ruhigem Gewissen weiter lernen.


Oder vielleicht doch ein Problem?

Solche Reitschulen sind in der Realität leider oft schwer zu finden; und mit dem, was sich einem Reitwilligen sonst so bietet, hat man (als echter Tierfreund) vielleicht doch so seine Probleme.

Anders als das Idealbild lässt sich etwas in der Realität viel zu schnell finden, nämlich das genaue Gegenteil:

Ställe, in denen Pferde in dunklen, kleinen, schlecht eingestreuten Boxen vor sich hinvegetieren, sind erschreckend häufig zu sehen.

Dass zum Beispiel Pferde mit akuten Satteldruckstellen noch geritten werden, ist in solchen Reitschulen leider keine Seltenheit. Hier wird aus den Pferden gnadenlos Profit geschlagen, an tierfreundliches Denken erinnert leider gar nichts mehr.


Echte Pferdefans?

Und vor solchen Gefängnissen, in denen bedauernswerte Tiere ihr trostloses Dasein fristen, findet man wen? Pferdefans, ja genau, "echte" Pferdefans. Schon von weitem zu erkennen an ihren "I love Horses"-Sweatshirts und den mit Pferdemotiven bedruckten Rucksäcken. Viele von ihnen haben ihr Zimmer gepflastert voll mit Pferdepostern, und alle betonen immer wieder, wie sehr sie Pferde lieben. Da kann doch wohl irgend etwas nicht stimmen!

Wie kann es angehen, dass ein Tierfreund solch einen Stall betritt und, anstatt das dringende Bedürfnis zu verspüren, den Tierschutz einzuschalten, ins Büro läuft und sich gutgelaunt die nächste Zehnerkarte kauft?


Wie funktioniert es?

Wie kann es nun funktionieren, dass eben solche Pferdefans scheinbar ohne weitere Probleme mit solchen Zuständen leben können? Heiligt das Ziel, Reiten zu lernen, denn wirklich solche Mittel?

Manchmal ist dabei Unwissenheit das Problem. Leider denken immer noch einige Reitanfänger beispielsweise, Pferde haben es gerne warm und gemütlich und würden sich in einer Box wohl fühlen. Und um sehen zu können, dass es sich dabei auch noch um eine schlechte Box handelt, fehlt ihnen der Vergleich.

Aber diejenigen, die es wirklich einfach nicht besser wissen, sind in der absoluten Minderheit - und auch ihr Verhalten ist eigentlich nicht zu entschuldigen. Wer Reiten lernen möchte, sollte sich schließlich vorher über das Tier, mit dem er beabsichtigt zusammenzuarbeiten, erkundigen.

Aber viele Reiter wissen ganz genau, wie ein Pferd annähernd artgerecht gehalten wird. Sind diese tollen Pferdefans denn tatsächlich so oberflächlich, dass es ihnen egal ist, wie es den Pferden in "ihrem" Stall geht, solange sie nur ihren Spaß beim Reiten haben?

Reicht ihnen ein Pferdesweatshirt wirklich aus, um sich als Tierfreund zu fühlen?


Was nun?

Ein Stall mit solchen Zuständen passt in meinen Augen ganz und gar nicht zu einem wahren Tierfreund.

Was also soll man tun, wenn man sich nicht mit solchen Zuständen zufriedengeben möchte? Ganz klar, man sucht sich einen anderen Stall.

Dies ist bei den entsprechenden Alternativen ja auch wirklich kein Problem. Die Mühe und den Zeitaufwand, um durch die Gegend zu fahren und eine bessere Reitschule zu suchen, sollte man sich schon machen; und in Gegenden, wo sich die Reitschulen nur so drängeln, wird es nicht so schwer sein, eine zu finden, in der vernünftige Verhältnisse herrschen.

Jemand, der diese Möglichkeit hat und auch nutzt, kann nun mit gutem Gewissen auch weiterhin sein Ziel verfolgen und reiten lernen. Und dies sollte jedem auch einen etwas weiteren Weg zur Reitschule wert sein.

Aber was ist, wenn sich einem keine oder nur vergleichbar schlechte Alternativen bieten? Darf man in solch einem Fall eine schlechte Reitschule unterstützen, weil einem ja augenscheinlich keine andere Möglichkeit bleibt, oder gibt man seinen Traum vom Reiten so lange auf, bis man ihn vernünftig verwirklichen kann?

Sich für letztere Alternative zu entscheiden, ist natürlich eine sehr, sehr schwere Entscheidung. Und doch sollte man sich überlegen, ob es einem die Tiere, um die es einem schließlich geht, nicht wert sein sollten.


Wo fängt es an?

Einen Stall mit abgemagerten oder kranken Pferden zu  unterstützen, das ist so ziemlich das Letzte. Aber ist man schon aus dem Schneider, wenn die Pferde in der "eigenen" Reitschule vernünftig gefüttert sind?

Gibt es nicht auch schon geringere Mängel, die einen dazu bewegen sollten, eine Reitschule zu meiden?

Was ist denn zum Beispiel mit einem Stall, in dem die Pferde fest angegurtet und mit eng verschnalltem Martingal auf ihren nächsten Einsatz warten müssen - ist denn so etwas tierfreundlich? Kann man so etwas, nur weil es für irgendwen vielleicht praktisch ist, tolerieren?

Auch Anfänger auf Pferden mit starken Rückenschmerzen herumhopsen zu lassen ist Quälerei - kann ich so etwas als Tierfreund akzeptieren, weil ich reiten lernen möchte?

Kann man mit gutem Gewissen an einem Unterricht teilnehmen, in dem man aufgefordert wird, sein eigenes reiterliches Unkönnen und die schlechte Ausbildung der Pferde durch einen häufigen Einsatz der Gerte und einer harten Hand wettzumachen?

Kann man sich auf den Umgang mit Tieren freuen, die schon derart sauer geworden sind, dass man sich nur noch mit einem Schlaginstrument bewaffnet zu ihnen in die Box trauen kann, um sie aufzuhalftern?

Kann ich Schulpferde tatsächlich als die Leichen abtun, über die jeder Reiter gehen muss?


Verantwortung

Wo also fängt die Verantwortung für die Pferde an?

Spricht man Reitschüler auf die Zustände in ihrer Reitschule an, hört man immer wieder die selben Antworten:

So schlimm ist es doch gar nicht, woanders ist es viel schlimmer, oder: "Es ist zwar schlimm, aber ich kann ja nichts daran ändern." Und genau das ist verkehrt. Würde sich jeder Reiter einmal als der Tierfreund verhalten, als der er sich ausgibt, dann würden Reitschulen mit solchen Mängeln schnell Pleite gehen - und übrig blieben die guten.

Natürlich hat jedes Schulpferd ein hartes Leben. Aber es gibt durchaus viele Reitschulen, in denen gut gefüttert wird, in denen die Boxen hell, luftig und gepflegt sind und wo auch die Schulpferde im Sommer regelmäßig auf die Weide dürfen und im Winter auf Ausläufe.

Verantwortung übernimmt also automatisch jeder.


Die Schuldfrage

In dem Moment, in dem ich eine Reitschule durch die Bezahlung meines Unterrichts finanziell unterstütze, unterstütze ich auch die Behandlung der Pferde in diesem Stall.

Geht es den Pferden schlecht, mache ich mich somit automatisch zum Mittäter und sollte alle meine Pferdeaufkleber mit kleinen Herzchen sofort wegschmeißen.

Dem Pferd, dem ich gerade in sein schmerzendes Kreuz falle, ist es nämlich ziemlich egal, ob ich dabei ein "Mein Herz gehört den Pferden" oder ähnlich bedrucktes Kleidungsstück trage oder nicht. Und kein mageres Pferd wird von den Pferdepostern an meiner Wand satt.

Als echter Tierfreund entpuppen sich also nur diejenigen, die auch danach handeln und nicht nur einen oberflächlichen Schein aufrecht erhalten.

Meiner Meinung nach muss man sich ganz klar entscheiden: Entweder liegt mir etwas an Pferden, oder ich möchte eben "Reiten lernen um jeden Preis". Beides geht leider nicht.

Katinka Schnitker


* Zum Wiehern: Reiter unter sich


Reiter - natürlich sind Reiter völlig anders als der Rest der Menschheit, das ist aber doch auch nicht schlimm. Hört man sich allerdings um, stößt man immer wieder auf grobe Vorurteile.  

Damit muss jetzt Schluss sein, denn der Reiter an sich ist ein außergewöhnlich toller Mensch, und das kann man auch beweisen:


Außergewöhnlich intelligent

Zuerst einmal ist der Reiter ein sehr intelligenter Mensch: Es gibt eine zwar unterschiedlich lange, doch immer sehr zügige Grundausbildung, in der der sogenannte Anfänger noch ängstlich mit der Trense vor dem Pferd steht und sich von den sich schnell einfindenden Experten dankbar helfen lässt.

Nach dieser zugegebenermaßen recht unangenehmen Zeit, die zum Glück in der Regel nur einige Wochen dauert, entwickelt sich der Reitanfänger ohne weitere Zwischenschritte direkt zum Experten, was unheimlich viel Zeit und Mühe spart.


Der Experte

Ein Experte zeichnet sich nun durch einen unendlich großen Wissensschatz über alles, was das Reiten betrifft, aus.

Dabei ist noch eine weitere Besonderheit zu beobachten, denn – auch wenn das jetzt vielleicht so gut wie unmöglich erscheint – jedes Individuum der Spezies Reiter ist nicht nur allwissend, nein, jeder ist dabei auch noch der einzige Mensch auf der Welt, welcher überhaupt etwas von Pferden versteht. Nun könnte man annehmen, dass es schon mal zu gewissen Spannungen bei Reitern untereinander kommt, wenn zwei davon, die ja nun bekanntlich beide, also eigentlich mehr jeder für sich, die einzigen sind, die Wissen besitzen, und der andere dann eben nicht, aber dann irgendwie doch wieder, weil der ja schließlich auch, während der andere überhaupt nichts weiß und deshalb eindeutig unter dem anderem steht, was aber ja nicht möglich ist, da...


Die Kommunikation

Naja, wie dem auch sei, man könnte sich vorstellen, dass es zu Schwierigkeiten kommt, wenn sie aneinandergeraten - aber genau das Gegenteil ist der Fall, der Reiter ist nämlich auch ein sehr kommunikationsfreudiger Mensch, was sich übrigens auch wieder aus dem Wissensschatz erklären lässt. Ein Reiter fühlt sich aus welchen Gründen auch immer dazu berufen, andere Reiter stets durch seine Weisheit zu bereichern, und dazu nutzt er dann auch wirklich jede Gelegenheit. So können zwei Reiter stundenlang über ein Problem diskutieren, wobei jeder von vornherein die Lösung schon weiß und nur noch bemüht ist, den anderen von der Richtigkeit zu überzeugen. Da diese Versuche natürlich wieder von beiden Seiten ausgehen, laufen die Argumente parallel aneinander vorbei, was dann im Endeffekt zwei als Dialog getarnte Monologe ergibt.

Die Tatsache, dass diese Form der Kommunikation nicht zu einer Einigung führen kann, stört einen Reiter in keiner Weise, denn erstens weiß er nach so einem Gespräch genauso viel wie vorher, also alles, und zweitens hat es seinen Zweck als netten Zeitvertreib ja schließlich erfüllt.


Sehr höfliche Menschen

Reiter sind außerdem sehr aufmerksam, ständig haben sie ihre Mitmenschen im Blick, um ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können. So wird man unter Reitern nie in die schlimme Situation geraten, dass man peinlicherweise um Hilfe bitten muss. Hier reicht als Verständigungsmittel schon die Körpersprache, so reicht in der Regel inmitten einer Ansammlung von Reitern meist schon eine unauffällige Geste, um alle Reiter des Umfeldes auf sich aufmerksam zu machen. Natürlich kann es auch vorkommen, dass so eine Geste missverstanden wird, aber es gibt auf keinen Fall einen Weg zurück.

Einmal in Bereitschaft versetzt, versammeln sich die Reiter dann auch innerhalb weniger Sekunden um einen und überschütten einen geradezu mit Ratschlägen. Diese widersprechen sich zwar meistens oder sind nicht durchführbar, aber so etwas kann nur einen wirklichen Anfänger schocken, und von denen gibt es ja zum Glück nicht viele.


Die gutgemeinte Kontrolle

Auch kann man sich umgeben von Reitern völlig sicher fühlen, denn sollte einem jemals ein Fehler passieren, also liegt etwa der Sattel nicht exakt an der richtigen Stelle, wird man mit 100prozentiger Sicherheit unverzüglich darauf aufmerksam gemacht. Na, wenn das nicht toll ist! In solchen Fällen nimmt man die Kritik dankbar entgegen und verpasst fortan keine Gelegenheit mehr, sie auf irgendeine Weise zurückzugeben. So entsteht mit der Zeit ein gut funktionierendes Kontrollgefüge.

Eine Regel gibt es allerdings, die man unbedingt beachten sollte, um auch in Zukunft blendend mit der großen Familie der Reiter auszukommen: Auf keinen Fall darf man einen Rat bei einem Reiter einfordern, den geben sie nämlich am liebsten ungefragt!

Katinka Schnitker


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