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Grundgangarten reiten - Reithandschuhe - Trockenfutter - Offenstall oder Box? - Zum Wiehern!


Equikids 10/2013


Das Reiten der Grundgangarten - Teil I: Der Schritt

Schritt, Trab, Galopp, diese drei Gangarten sind der Grundstock, mit dem jede Dressurprüfung von Klasse E bis hin zum Grand Prix bestritten wird. Sie sind jedem Pferd oder Pony angeboren, und man könnte glauben, das Hauptproblem des Reiters wäre lediglich, in jeder Gangart oben zu bleiben. Sie in ihrer Reinheit unter dem Reiter während verschiedener Hufschlagfiguren und Tempi zu präsentieren, ist jedoch die Hauptanforderung und die Hauptschwierigkeit jeder Dressurprüfung. Manch Reiter lässt sich von der Vielzahl der geforderten Lektionen einer Prüfung davon ablenken, dass selbst die rundeste Volte nicht gut bewertet wird, wenn Takt, Schwung und Ausdruck der vorgeschriebenen Gangart die Richter nicht überzeugen können. Bloßes Lektionen-Üben, bei dem der Blick für die Reinheit der Gänge verloren geht, hat daher wenig Aussicht auf Erfolg. Aber auch für die generelle Gymastizierung und Gesunderhaltung jedes Pferdes, egal ob es im Wettbewerb konkurrieren soll oder nicht, hat das korrekte Reiten der Grundgangarten eine sehr große Bedeutung.

Der Schritt
Entgegen dem ersten Anschein ist der Schritt die am schwierigsten zu reitende, zu verbessernde und zu korrigierende Gangart. Die Fähigkeit eines Pferdes, guten Schritt zu gehen, hängt zum einem von seinem Körperbau ab. Aber selbst bei Pferden mit den besten physischen Voraussetzungen ist gerade das korrekte Absolvieren der Schritt-Lektionen während einer Dressuraufgabe in hohem Maße von den eigenen und den Nerven des Reiters abhängig. Nerven zu trainieren ist aber erfahrungsgemäß besonders schwierig. In dieser Gangart, in der das Pferd zwar durchaus schwingen soll, aber keinen Schwung entwickelt, setzt es jeden Fuß einzeln (Viertakt). Die vier Pferdebeine bilden ein äußerst sensibles "Orchester", das gerade wegen der relativen Langsamkeit der Fußfolge sehr leicht aus dem Takt zu bringen ist. Es ist daher auch kein Zufall, dass beim Schritt auf den Unterschied zwischen Arbeits- und Mitteltempo verzichtet wird. Bis zur Klasse L wird einheitlich nur der Mittelschritt verlangt, wohlwissend, dass hohes reiterliches Können dazu gehört, das Tempo im Schritt zu verändern und trotzdem seinen Takt zu erhalten.

Merkmale für einen guten Mittelschritt:
- Das Pferd soll ruhig, gelassen und gleichmäßig weit ausschreiten. Der Reiter kann das Maß des Ausgreifens an der Vorwärtsbewegung der Pferdeschultern erkennen. Um die Gleichmäßigkeit, den sicheren Viertakt, klar beurteilen zu können, ist ein hohes Maß an Taktgefühl gefordert.
- Die Hinterbeine sollen weit unter den Körper treten, man spricht vom "Übertreten". Der Grad des Übertretens lässt sich aus den Spuren des Pferdes erkennen. Der Abdruck des Hinterfußes soll möglichst weit vor dem des gleichseitigen Vorderfußes liegen. Um das erkennen zu können, muss natürlich genau beobachtet werden, welcher Fuß welchen Abdruck hinterlässt.
- Einen weiteren Hilfspunkt bietet die Seitenansicht eines schreitenden Pferdes. Im sicheren Viertakt bilden gleichseitige Vorder- und Hinterbeine zusammen mit dem Pferdeleib im Verlauf des Vorwärtsschreitens immer wieder kurzzeitig die Form eines Dreieckes.

Probleme des Pferdes:
- Körperbauliche Probleme für den Schritt können einem Pferd z.B. entstehen durch ein Missverhältnis von Schulter zu Mittelstück zu Kruppe. Diese drei Körperteile sollten idealerweise alle gleichlang sein. Aus einer sehr kurzen Schulter kann das Pferd nur begrenzt nach vorne ausgreifen. Ist der Rücken sehr lang, verlängert sich auch der Abstand von Vorder- zu Hinterbeinen, was ein Übertreten erschwert. Eine kurze Kruppe tut das Übrige. Hingegen müssen übermäßig gerade Hinterbeine nicht unbedingt ein Hinderungsgrund für einen guten Schritt sein, obwohl Pferde mit mehr Winkelung im Sprunggelenk sich beim Übertreten generell leichter tun.
- Ein anderes Problem ergibt sich aus einem langen Rücken bei Pferden, die aber grundsätzlich einen besonders guten und raumgreifenden Schritt haben. Solche Tiere sind oft extrem leicht aus dem Takt zu bringen, was dann zu einem passartigen Schritt oder sogar zum klaren Passgang führen kann - ein Fehler, der jede Dressurvorstellung zunichte machen kann.
- Stärker ins Gewicht fallen nervliche Probleme. Pferde, deren Nerven im Schritt nicht in den Griff zu bekommen sind, fallen als Dressurpferde aus.

Häufige Reiterfehler und ihre Konsequenzen:
- Wo zu viel Handeinwirkung auf zu wenig treibende Hilfen trifft, ist jede Gangart gefährdet. Im Schritt jedoch wird mit unelastischen Händen sofort das Vorwärts blockiert. Die Hinterhand "koppelt sich ab", ein Übertreten wird dem Pferd somit unmöglich gemacht. Wo solche reiterlichen Fehler auf entsprechende körperliche Mängel des Pferdes treffen, ist der Pass fast schon vorprogrammiert.
- Ein ebenso störender Fehler ist das aktive Schieben mit der Mittelpositur. Gerade im Schritt sollte der Reiter den Rücken des Pferdes eher wie ein rohes Ei behandeln, statt mit mehr oder weniger Taktgefühl auf dem Sattel hin und her zu rutschen. Die Einwirkung der Gewichtshilfen kann nur aus einem ruhigen, schweren und aufrechten Sitz erfolgen. Wer versucht, das Pferd mit dem Gesäß vorwärts zu schieben, unterbricht seine eigene Einwirkung und stört außerdem noch den Energiefluss durch die Rückenmuskulatur des Pferdes. Keine Verbesserung von Takt und Vorwärts, sondern im Gegenteil deren Behinderung wird erreicht.
- "Taktmäßiges Treiben" ist eine besonders beliebte Anweisung zur Verbesserung des Schritts. Damit ist das abwechselnde Treiben vom rechten und linken Reiterbein gemeint, welche das jeweils gleichseitige hintere Pferdebein beim Abfußen erreichen und zu vermehrtem Untertreten auffordern sollen. Das Problem dabei ist, dass der Reiter zwei Beine hat, die sozusagen im Zweitakt eingesetzt werden, das Pferd aber einen Viertakt geht. Zwar sollen nur die Hinterbeine aktiv getrieben werden, die wenigsten Reiter können aber sicher das Abfußen der Hinterbeine aus dem Viertakt des Schritts heraus erkennen. In den meisten Fällen führt also das Bemühen um "taktmäßiges Treiben" zu relativ planlosem Rechts-Links-Einsatz entweder der Schenkel oder in schlimmeren Fällen der Hacken oder Sporen. Die von solchen Hilfen schnell abgestumpften Pferde lassen es mehr oder weniger ergeben über sich ergehen. Mit korrekter Hilfengebung hat dieses "Treiben" allerdings wenig zu tun, geschweige denn, dass es den Schritt verbessere.

Verbesserungsvorschläge:

1. Die Anlagen des Pferdes erkennen und allgemein fördern
Als erstes muss der natürliche Takt des Pferdes im Schritt erkannt werden. Sodann geht es darum, das Pferd in diesem Takt zu einem möglichst weiten Untertreten zu animieren. Kein Zackeln und kein Stocken soll das fleißige, aber nicht eilige Schreiten unterbrechen. Die vorgegebenen Möglichkeiten des Pferdes müssen dabei stets berücksichtigt werden, da Schritt nicht erritten, sondern nur geritten werden kann! Hauptsächlich wird nicht in den Takt des Pferdes eingegriffen, sondern der natürliche Rhythmus wird zugelassen. Wer das Übertreten im Schritt aktiv verbessern will, muss in allen drei Gangarten mit dem Pferd gymnastische Übungen machen und so die Grundgeschmeidigkeit verbessern. Im Schritt selbst lässt sich nichts erzwingen.

2. Passives Treiben
Statt mit schiebendem Becken und "taktmäßigen" Unterschenkeln sollte der Reiter das Pferd in aller Ruhe konstant an den Hilfen haben. Ein aufrechter, schwerer und breiter Sitz, dessen Mittelpositur passiv den Schwingungen des Pferderückens folgt, hat mehr vorwärtstreibende Wirkung als die sich aktiv und mit gekipptem Becken in die Rückenmuskulatur bohrenden Gesäßknochen.
Anstelle eines mehr oder weniger unglücklich aktiven "taktmäßigen Treibens" sollten die Beine des Reiters in ihrer gesamten Länge einen sicheren Kontakt zum Pferdeleib halten. Beim Untertreten des Hinterbeines wird der jeweils gleichseitige Rippenbogen des Pferdes etwas zusammengeschoben und dadurch vermehrt gegen das Reiterbein gedrückt. Bei korrekter Schenkellage des Reiters holt sich das Pferd die taktmäßige Aufforderung zum vermehrten Untertreten also ganz von selber. Aktives Klopfen ist nicht nötig, stört vielmehr den Taktfluss des Pferdes.

3. Sensible Zügelführung
Da Hals und Kopf des Pferdes im Schritt eine natürliche Nickbewegung ausführen, muss die Reiterhand diese Bewegung duch elastisches Mitgehen zulassen. Die Zügel dürfen und sollen zwar so viel Gewicht aufnehmen, wie notwendig ist, um eine weiche Genickkontrolle zu erreichen, die Einwirkung am Pferdemaul muss aber gerade im Schritt mit äußerster Sensibilität gehandhabt werden. Grundsätzlich wird das Zügelmaß im Mittelschritt gegenüber den anderen Gangarten etwas verlängert, da das Pferd zum freien Ausschreiten auch einen freieren Hals braucht. Von Rahmenerweiterung, genau wie in den anderen Mitteltempi, ist die Rede. Eine besondere Bedeutung hat die weiche Zügelhand bei Pferden, die zu passartigem Schritt neigen. Diese nutzen jede Gelegenheit, sich vom Zügel blockieren zu lassen, um ohne Rücken die Füße am Gewicht des Reiters vorbei zu setzen.

4. Nervöse Pferde einrahmen
Gerade Pferde, die im Schritt zu Unruhe und Taktstörungen neigen, brauchen eine konstante Hilfengebung. Der Reiter muss sein Pferd ohne Unterbrechungen einrahmen. Die Schenkel dürfen nicht den Kontakt zum Pferdeleib verlieren, da jedes erneute Anlegen das Pferd zu Fehlreaktionen verleiten könnte. Wer solche Pferde durch bloßes "In-Ruhe-Lassen" zu einem gelassenen Schritt zu überreden sucht, fordert das Schicksal heraus. Eine Möglichkeit, nervöse Pferde im Takt zu festigen, besteht im Gegenteil darin, sie im Schritt mehr als nur geradeaus zu reiten. Schon ein vermehrtes Stellen an den Außenzügel im Sinne einer Schulter-vor-Übung erhöht den reiterlichen Einfluss und verlangt dem Pferd mehr Konzentration auf die Arbeit ab. Auch beim einfachen Seitwärts-Treten wird dem Pferd das Anzackeln erschwert. Als Hilfe gegen passartigen Schritt wird diese Übung ebenfalls des Öfteren empfohlen. Ich habe jedoch mehrfach beobachtet, dass ein Pferd, welches den Pass als Ausweichmöglichkeit für sich entdeckt hat, diese Gangart auch beim Schenkelweichen mühelos durchhält.


In der nächsten Ausgabe von Equikids geht es weiter mit dem Trab.

Ute Forler


Reithandschuhe –

nicht nur zum Wärmen der Finger


Früher war es für den Sportreiter – und darunter fielen alle Reiter, die man heute als Freizeitreiter und Turnierreiter bezeichnet – schier undenkbar, ohne Handschuhe zu reiten. Handschuhe gehörten zum Anzug wie Stiefel und Jackett. Und das ganz bestimmt nicht, um die Hände zu wärmen oder gar zu schützen.

Denn es ist ein Gerücht, dass sie dazu da sind, Blasen an den Fingern zu vermeiden. Wer so reitet, sollte sich einmal das Maul seines Pferdes von innen ansehen und sich bewusst machen, was er mit einer harten Hand darin anrichten kann. Lange, bevor man selbst Blasen an den Fingern bekommt, hat das Pferd nämlich welche im Maul.

Handschuhe sind also nicht dazu da, die Finger zu schonen, sondern im feinsten Fall die Zügelführung gefühlvoller zu machen. Das klingt paradox, aber man muss sich einmal bewusst machen, dass der Handschuh eine gleitende Schicht zwischen Finger und Zügel ist und so den feinen Zügelanzug noch feiner macht. Jeder, der schon einmal grob mit einem Handschuh zugepackt hat (passiert leider fast jedem Reiter einmal), kann bestätigen, dass der Handschuh einen gewissen Rutscheffekt hat. Und der ist gewollt – die Verzögerung des Zügelzuges.

Aber es gibt Gelegenheiten heftigen Reitens wie beispielweise eine Herbstjagd, auf der man bei heißen Pferden auch schon mal etwas fester zupacken muss. Zugegebenermaßen ist da der Handschuh auch Schutz für die Finger und besonders für die Stellen, die sonst wenig Druck und Belastung ausgesetzt sind.

Das ist bei klassischer Zügelführung die zum Daumen hin gelegene Seite des Zeigefingers, über welche der Zügel läuft. Und die hintere Seite des Ringfingers, denn der Zügel läuft mit Druck auf den Ringfinger zwischen diesem und kleinem Finger durch. Macht man die Hand zu, bekommt der Ringfinger als erstes den meisten Druck ab.

Aus diesem Grund sind Reithandschuhe an diesen beiden Stellen auch noch einmal gesondert gepolstert. Strickhandschuhe haben hier meist eine Kunststoff- oder Lederverstärkung, denn Strick hält nichts aus und reibt schnell auf. Lederhandschuhe sind hier mit dem Ledermaterial des Handschuhs noch einmal verstärkt.


Leder, Strick, Kunststoff, Thinsulate

Grundsätzlich sollte man zum Reiten Fingerhandschuhe und keine Fäustlinge benutzen, denn mit Fäustlingen ist eine feine Zügelführung nicht möglich – nicht einmal beim losen Zügel des Westernreitens.

Welches Material man bevorzugt, ist Geschmackssache. Lederhandschuhe sind teuer, aber sie halten auch lange und sind bei allen Temperaturen einsetzbar. Sie sind die „feinfühligsten“ Handschuhe. Für den Sommer gibt es sie aus feinem Ziegenleder, für Herbst und Winter aus dickem genarbtem Rindsleder und für die Westernreiter die gelben derben Arbeitshandschuhe, die man bei loser Zügelführung aber auch zum Reiten nehmen kann.

Stoffhandschuhe sind tatsächlich nur für den Sommer gedacht. Denn eine schwitzende Hand lässt den Lederzügel durch die Hand „glitschen“.

Seit einigen Jahren gibt es Kunststoff- und Strickhandschuhe, die mit Thinsulate gefüttert sind, jenem Material, das die Feuchtigkeit des Körpers nach außen leitet, dabei aber die Wärme hält. Abgesehen davon, dass die beiden Materialien Kunststoff/Strick und Thinsulate stark aneinander gleiten und der Zügel somit „einen längeren Weg hat“, sind dies hervorragende Winterhandschuhe, die nicht einmal teuer sind.

Gerade im Winter sollte man niemals auf Handschuhe verzichten. Nicht nur wegen der Haut, sondern hauptsächlich deshalb, weil die Muskulatur der Hand unbedingt warm gehalten werden muss, sonst kann die Hand nicht mehr gefühlvoll und gleichermaßen sicher zugreifen.

Uta Over


Mit Trockenfutter durch den Winter, Teil I

 

Was für Stallpferde das ganze Jahr über bittere Realität ist, wird im Winter auch für robust gehaltene Pferde wahr: Das Futter wird trocken, Fastfood sozusagen. Kein noch so phantasievoll gestaltetes Futtersortiment kann die Weide mit ihren vielfältigen Geschmacksreizen ersetzen - vor allen Dingen nicht das Fressen mit kleinen Bissen im langsamen Gehen.

 

Täglich mehrmals füttern

Daher ist es neben einer gewissen Futtervielfalt unbedingt notwendig, mehrmals täglich zu füttern. Meist überleben auch Robustpferde, denen man ständig „Heu satt“ zur Verfügung stellt, aber meist sind das gegen Ende des Winters auch kleine Tonnen! Sie fressen nämlich dann nicht nur aus Hunger, sondern auch, um sich die Zeit zu vertreiben. Und wohin das führt, weiß man ja...

Zwar ist die Überfütterung mit Heu nicht so gefährlich wie mit Kraftfutter, aber ein zu dickes Pferd kann doch erhebliche gesundheitliche Probleme bekommen.

 

Heu - das Grundfutter

Das klassische Basisfutter für Pferde im Winter ist das Heu. Trotz verschiedener Alternativen werden auch heute noch die meisten Pferde mit Heu gefüttert, obwohl die Heuqualität im Gegensatz zum modernen Fortschritt eher nachgelassen hat.

Und das aus mehreren Gründen:

Zum einen wird das Heu vielfach zu früh im Jahr geschnitten, d.h. vor der Blüte. Zu diesem Zeitpunkt hat es noch zu wenig Struktur, dafür aber zu viel Energie. Mit einem Wort: Das ist Heu für Tiere, die wiederkäuen, also für Rinder. Leider wird bei der Heuwerbung aus wirtschaftlichen Gründen wenig Unterschied gemacht, ob das Heu für Pferde oder Rinder bestimmt ist, denn ein früher Schnitt ermöglicht noch einen zweiten oder gar einen dritten Schnitt. Und das bringt Geld.

Der zweite Grund ist die Art der Heuwerbung: Oft wird das Gras zu tief geschnitten, d.h. es kommen Schmutzpartikel vom Boden mit ins Futter. Verschmutztes Heu trocknet aber nicht nur schwerer, es ist auch gesundheitsschädigend für die Pferde. Nicht umsonst gibt es so viele Stauballergiker.

Der dritte Grund ist der Mangel an Vielfalt in den Gräsern. Gerade in der gewerblichen Heuwirtschaft wird oft eine Einheitsweide angesät, vorzugsweise das schnell wachsende Deutsche Weidelgras. Pferde brauchen aber die Vielfalt der Gras- und Kräuterarten.

Und der vierte Grund korrespondiert mit dem ersten: die Überdüngung der Weiden zum schnelleren Wachstum. Gerade die Überdüngung mit Stickstoff jedoch bringt die Darmflora der Pferde ganz schön durcheinander.

 

Was macht gutes Heu aus?

Gutes Pferdeheu sollte von einer mäßig gedüngten  Weide mit vielfältigem Pflanzenbewuchs stammen. Es sollte in der Mitte bis Ende der Blüte nicht zu tief geschnitten und gut getrocknet werden, bevor es gepresst wird. Die Pressung darf nicht zu fest sein, sonst kann das Heu nicht ausschwitzen und wird muffig.

Heu von Magerwiesen ist „fettem“ Rinderheu immer vorzuziehen. Bei diesem mageren Heu ist die Gefahr der Schimmelpilzbildung wesentlich weniger gegeben als bei fettem Heu, das viel langsamer trocknet.

Auch die Lagerung des Heus spielt eine große Rolle. Es muss trocken und luftig gelagert sein mit ausreichenden Zwischenräumen zwischen den Ballen.

Ob das Heu tatsächlich gut ist, kann man durch eine Untersuchung bei Landwirtschaftlichen Untersuchunganstalten feststellen lassen - viel einfacher aber ist ein Griff in den Heuballen: Wie fühlt sich das Heu an? Riecht es gut? Sieht es sauber aus?  

Diese Probe sollte nicht nur derjenige machen, der für seine eigenen Pferde Heu kauft, sondern auch der Reiter, der sein Pferd im Pensionsstall hat.

 

Sinnvolle Fütterung

Dreimal täglich sollten Pferde schon gefüttert werden. Die Ausrede, dass man berufstätig ist, sollte eigentlich nicht gelten. Man muss sich ja nicht unbedingt Pferde anschaffen, wenn man sie nicht ordentlich versorgen kann.... oder?

Das Heu muss vor dem Füttern gut aufgeschüttelt werden. Es ist eine Unsitte, Heu in Großballen einfach in dafür extra konstruierte Raufen zu stecken und die Pferde sich das Heu rauszupfen zu lassen. Dabei fressen die Pferde den Staub, der immer im Heu enthalten ist, mit oder bekommen ihn - je nach Höhe der Raufe - in die Augen oder die Atemwege, was die Stauballergie prächtig fördert. Das heruntergefallene Heu wird dann vertrampelt.

Das Aufschütteln des Heus soll nicht in der Box bzw. in der Stallgasse erfolgen, sondern dort, wo der wegfliegende Staub die Pferde nicht stört.

Am besten füttert man vom Boden. Sehr sinnvoll ist das abgebildete Fressgitter, bei welchem der „Fresstisch“ aus Beton ist und so immer wieder leicht gereinigt werden kann. Solch ein Fressgitter kann man sich übrigens auch für einen kleinen Pferdebestand herstellen (lassen).

Die in England sehr populäre Fütterung aus Heunetzen birgt einige Gefahren: Hängt man das Netz so hoch auf, dass die Pferde in das später leere Netz nicht hereintreten können, müssen sie mit hoch erhobenem Hals fressen. Dabei fällt ihnen natürlich auch der Heustaub in die Augen. Und nicht nur das: Bei der langen Fressdauer kann diese unnatürliche Haltung sogar zu Rückenschäden führen.


Die Menge

Als Erhaltungsbedarf rechnet man  im Normalfall etwa 1 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht. Das variiert natürlich von Rasse zu Rasse - zwischen einem Vollblüter und einem Fjordpferd liegen Welten, was die Fütterung angeht!  Je robuster die Pferde sind, desto weniger Futter brauchen sie im Grunde - aber je kälter sie stehen, desto mehr muss man ihnen wiederum geben, damit sie nicht frieren.

Hier sollte man sich Rat bei Fachleuten holen, wenn man sein Pferd im ersten Jahr selbst versorgt.

Uta Over


Zur Diskussion: Offenstall oder Box?


Für viele Pferdebesitzer scheint das nicht so sehr eine praktische Erwägung als vielmehr eine heilige Glaubenssache zu sein. Manche betrachten jeden, der sein Pferd in der Box hält, als einen Tierquäler – und andere bemitleiden die armen Pferde, die ihr Leben in einem schlammigen, zugigen Schuppen verbringen müssen.

Wie so oft liegt die Wahrheit weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Für jedes Pferd muss individuell entschieden werden, was die beste Lösung ist – besonders im Winter.


Die kalte Jahreszeit

Im Sommer fällt die Entscheidung noch relativ leicht: Wirklich jedes Pferd freut sich über Weidegang. Hier geht es eventuell darum, dass kein Pferd zu dick wird und dass Ekzemer nicht von Insekten belästigt werden – doch der Weidegang an sich wird nur selten in Frage gestellt. Anders im Winter: Jetzt teilt sich die Reiterschar in zwei Lager. Doch was ist nun wirklich besser: Offenstall oder Box?


Für das Pferd:

Tatsächlich muss man jedes Pferd individuell betrachten, um die richtige Unterbringung zu finden. Eines kann eindeutig gesagt werden: Jedes Pferd sollte die Möglichkeit zur freien Bewegung an der frischen Luft haben, am besten in Pferdegesellschaft.

Im Offenstall haben Pferde diese Möglichkeit den ganzen Tag. Bewegung ist jederzeit möglich, was gerade für den Trageapparat, also Bänder, Sehnen und Gelenke nur zu empfehlen ist. Auch Gesellschaft ist normalerweise vorhanden – Offenstallhaltung ist meistens gleichbedeutend mit Gruppenhaltung. Das ist tatsächlich eine weitgehend artgerechte Haltungsform, die den Bedürfnissen des Pferdes als Herden- und Lauftier Rechnung trägt.

In der Box hingegen steht das Pferd alleine. Bestenfalls kann es über eine Trennwand hinweg Kontakt zu anderen Pferden haben, oft besteht nur Sichtkontakt, und schlimmstenfalls sind die Wände geschlossen, so dass das Pferd wirklich isoliert ist – für ein Herdentier ist das quälend.

Auch Bewegung ist hier nur sehr eingeschränkt möglich. Auf der herkömmlichen Boxenfläche von 3 x 3 Metern kann ein Großpferd sich gerade mal umdrehen. Bei Boxenhaltung ist es deshalb zwingend erforderlich, das Pferd täglich – am besten mehrmals täglich – zu bewegen.

Auf den ersten Blick scheint es eindeutig: Ab in den Offenstall! Und wirklich profitieren die meisten Pferde von dieser Haltungsform, sie sind nicht nur gesünder, sondern auch ausgeglichener und zufriedener, nervenstärker und in vieler Hinsicht belastbarer als Boxenpferde.


Aber Vorsicht: Nicht jedes Pferd wird im Offenstall glücklich. Es gibt tatsächlich Pferde, die die Ruhe der Box zu schätzen wissen und von der Boxenhaltung profitieren – vorausgesetzt, sie können jeden Tag mehrere Stunden freien Auslauf auf der Weide oder in einem Paddock genießen.

Einerseits sind dies oft rangniedrige, alte oder geschwächte Pferde: In der Herde werden sie abgedrängt, sie dürfen nicht mit den anderen an die Futterstellen, sie trauen sich manchmal nicht mit in den Stall und müssen draußen im Regen stehen – in so einem Fall kann auch die Offenstallhaltung quälend für das Pferd sein. Darüber hinaus wird es oft schwierig, wenn ein Pferd nach einem langen Leben in der Box für seine Gnadenbrotzeit in den Offenstall integriert werden soll: Nach langen Jahren der Isolation haben solche Pferde häufig Schwierigkeiten, sich in eine Pferdeherde einzugliedern, sie verhalten sich sozusagen „asozial“ und werden entsprechend unfreundlich behandelt.

Doch auch sehr ranghohe Pferde freuen sich manchmal über eine ruhige Box: Als Herdenchef haben sie draußen auf der Weide ständig zu tun, sie müssen sichern, aufpassen, andere Pferde in die Schranken weisen – in der Box jedoch können sie ganz in Ruhe fressen, entspannen, schlafen. Das können zum Beispiel Hengste sein, die mit anderen Pferden zusammen auf der Weide laufen, aber auch ranghohe Wallache oder Stuten.


Fazit:

Ein guter Offenstall mit einem ordentlich befestigen Auslauf, einem großen Stall mit Ausweichmöglichkeiten und einer stabilen Herdenstruktur ist für die meisten Pferde ideal. Wenn das Pferd sich jedoch nicht gut in die Herde einfügt, gemobbt wird oder einfach zu alt oder schwach ist, um sich durchzusetzen, ist die Offenstallhaltung nicht zu empfehlen. Und natürlich gilt: Ein einfacher Schuppen mit einem Schlamm-Auslauf ist noch lange kein Offenstall!

Boxenhaltung kann für manche Pferde von Vorteil sein, doch darf die Box niemals zum Gefängnis werden. Das Pferd wird täglich bewegt. Idealerweise wird es sowohl geritten als auch stundenweise mit anderen Pferden zusammen auf die Weide oder in den Auslauf gebracht. Dann spricht nichts gegen eine ruhige Nacht in der Box.


Für den Reiter:

Leider stellt es sich für den Reiter genau umgekehrt dar: Wie bequem und angenehm ist doch die Haltung in der Box! Das Pferd befindet sich genau da, wo man es erwartet, es treibt sich nicht etwa ganz am anderen Ende des großen Auslaufs herum. Und es ist auch nicht schlammverkrustet und verdreckt, sondern hat bestenfalls ein paar Mistflecken und einige Strohhalme im Schweif. Die Fütterungszeiten sind bekannt, so dass man sich darauf einstellen kann, und die Futtermenge lässt sich genau bemessen – sowohl das Raufutter als auch das Kraftfutter. Einfach praktisch!

Im Offenstall hingegen begrüßt einen häufig ein zwar fröhliches, aber nicht nur dreckiges, sondern je nachdem auch nasses Pferd – denn Pferde stellen sich durchaus nicht immer unter, wenn es regnet. Wenn man reiten möchte, ist das schon schwierig: Auf den nassen Schmutz kann man keinen Sattel legen, wenn man keinen Satteldruck riskieren möchte. Auch die individuelle Fütterung ist je nachdem schwierig: Moderne Futterautomaten ermöglichen es, dass jedes Pferd auch im Offenstall seine zubemessene Portion erhält, doch stehen diese leider nicht in allen Offenställen zur Verfügung. Raufutter steht normalerweise großzügig zur Verfügung, schwierig wird die Fütterung mit Kraftfutter. Hier muss man das Pferd je nachdem mehrmals täglich aus der Herde herausnehmen, damit es in Ruhe fressen kann – und das ist ziemlich aufwendig.

Doch auch für den Reiter gibt es Vorteile bei der Offenstallhaltung. So ist er bei Boxenhaltung wirklich jeden einzelnen Tag gefragt, sein Pferd zu bewegen und für Abwechslung, frische Luft und Gesellschaft zu sorgen. Steht das Pferd jedoch im Offenstall, kann das Reiten problemlos auch mal einen Tag ausfallen – für Bewegung ist schließlich ausreichend gesorgt!


Zum Wiehern!

Stallwechsel: Tipps für die Herde


O nein, schon wieder ein Stallwechsel - dies heißt dann leider auch meistens ein Herdenwechsel für das Pferd, ob nun als Dauergesellschaft im Offenstall oder als Weidegesellschaft bei der Boxenhaltung.

Jeder, der dies schon einmal mitgemacht hat, weiß, was da auf einen zukommt: Streit, Stress, Gequietsche, wilde Jagden und Machtkämpfe.... - also bei den Besitzern natürlich, denn die Pferde sind ja meistens nach einer anfänglichen Aufregung recht schnell wieder friedlich...

Nach meiner Erfahrung läuft so eine Eingliederung immer gleich ab, und nur wenn man weiß, wie man sich in der entsprechenden Situation verhalten muss, kann man erfolgreich sein.

Über der Anfangssituation schwebt meistens noch ein Anschein von Vernunft, da kann man noch nett und friedlich mit den anderen Pferdebesitzern am Zaun lehnen und sich darüber unterhalten, wie normal doch solche kleinen Rangkämpfe unter Pferden sind, und auch wenn es dabei hier und da mal zu kleinen Verletzungen kommen kann, sollte man sich als Mensch nicht ständig einmischen, sondern dies erstmal den Pferden überlassen.


Das Unglück naht

Während man selber immer wieder verstohlen in Richtung Pferde schaut, innerlich betet, das eigene Pferd solle bloß nichts falsch machen und dabei zu diesen durchaus vernünftigen Ansichten immer wieder einsichtig nickt, bahnt sich auf der Weide schon die Katastrophe an: Dieses kleine gescheckte Pferd, welches sich schon die ganze Zeit so aggressiv aufgeführt hat, nähert sich mit eindeutig feindlicher Gesinnung dem eigenen Pferd. Dieses ist gerade mit einem saftigen Grasbüschel beschäftigt und wird sich bestimmt gestört fühlen, ja genau, es schaut hoch, die Ohren sind angelegt, und jetzt beißt es auch schon nach dem gescheckten Pferd. Sofort und mitten im Satz über die überflüssige Hysterie mancher Pferdebesitzer schießt plötzlich der Besitzer des kleinen Schecken mit einer Gerte bewaffnet auf die Weide, um die Gesundheit seines Pferds mit dem eigenen Leben zu verteidigen...


Vorsicht!

Jetzt bloß keinen Fehler machen: Ruft man jetzt hinterher, dass man diese Aktion so schwachsinnig und sinnlos findet wie sie eben ist, hat man sich binnen einer Sekunde einen Feind fürs Leben geschaffen und kann sich am Besten gleich wieder auf Stallsuche begeben. Stattdessen ist es am Besten, hinterherzulaufen und sein eigenes Pferd zu beschimpfen (dies lässt sich hinterher mit einer Möhre wieder gutmachen). Dies zeigt, dass man nicht hinter dem unmöglichenVerhalten seines Pferdes steht, und die Wogen sind vorerst wieder geglättet. Wenn man Pech hat, muss man sein Pferd aber auch direkt wieder von der Weide führen, um das gleiche Theater am nächsten Tag noch einmal aufzuführen.

Nun darf man aber auf  gar keinen Fall Gleiches mit Gleichem vergelten, wenn also ein anderes Pferd das eigene Pferd angreift: NIE mit einer Gerte auf dieses Pferd losgehen, hier heißt es Ruhe bewahren, schließlich hatte man sich darauf geeinigt, dies die Pferde untereinander austragen zu lassen...


Ein Kompliment zur rechten  Zeit

Während sich also irgendwelche verzogenen Biester auf das eigene Pferd stürzen, sollte man die Gelegenheit nutzen, einige Komplimente über die Angreifer fallen zu lassen: „Wenn er so losspringt, sieht er aber sehr schick aus!“ oder auch „Dein Pferd ist ja wirklich extrem gelenkig, und gesunde Zähne hat es auch, toll!“

Geschickt ist es zudem noch zu behaupten, man hätte genau gesehen, dass das eigene Pferd den Angriff selber provoziert hätte.

Für die nachfolgenden Tage ist es ratsam, die Wunden, die das eigene Pferd davongetragen hat, sehr auffällig zu versorgen, um nur nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, das Pferd wäre ein gemeiner Schläger und hätte selber nichts abbekommen. Sollte dies wirklich der Fall sein, also dass das Pferd keine oder nur sehr wenige Spuren davongetragen hat, bloß nichts anmerken lassen: einfach unter viel Aufwand Blauspray über das Pferd verteilen - das merkt kein Mensch!

Hält man sich an diese Tipps, sollte einem die Eingliederung in die Herde der Reiter ohne weiteres gelingen - viel Spaß auch!

Katinka Schnitker


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