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Problempferde: wasserscheu – Gymnastik für Gangpferde – Das Absetzen des Fohlens – Aus einem Pferd „herauswachsen“ - zum Wiehern!


Equikids Ausgabe 10/2012


Wasserscheu:

Wer kann schon übers Wasser gehen ...

Auch Pferde können dies eben nicht – gerne weichen sie aus, aber manchmal müssen sie doch hindurch. Dabei haben sie nicht so sehr Angst davor, sich die Hufe nass zu machen. Wasser, das von unten an ihren Bauch spritzt, ist ein entscheidender Grund für Angst und Schrecken. Trotzdem können Pferde lernen, diese Furcht abzustellen und sogar Freude am kühlen Nass zu gewinnen.


Warum droht aus dem Wasser Gefahr?

1. Durch die spiegelnde Oberfläche sind Pfützen für Pferde undurchsichtig. Ihr Instinkt rät ihnen dringend, nicht erkennbaren Boden zu meiden. Es könnte sich um ein Sumpfloch handeln, in dem sie versinken, oder ein nicht erkennbares Raubtier lauert unter der Oberfläche.

2. Hat sich das Pferd in eine recht tiefe Pfütze gewagt, kann es passieren, dass Wasser von unten gegen seinen Bauch spritzt. Alle Angriffe gegen den Bauch aber sind mit Todesgefahr verbunden. Diese äußerst verletzliche Körperregion ist daher mit übermäßiger Sensibilität bedacht. Schon die leiseste Berührung ruft primär instinktive Ängste hervor.

3. Das Geräusch von platschendem Wasser kann ebenfalls zu einem Zurückschrecken führen. Es ist laut und hart und von daher angsteinflößend.

Großes Wasser – kleines Wasser
Die Ausweitung des Gewässers spielt bei Angstreaktionen oft keine Rolle. Schon ein unbedeutendes kleines Rinnsal kann zum unüberwindbaren Hindernis werden. Ein einziger Schritt würde das Pferd über das Wasser bringen, ohne auch nur damit in Berührung zu kommen. Trotzdem wehrt es sich energisch dagegen.

Warum muss das Pferd durchs Wasser?
1. Eine Frage der Sicherheit
Man stelle sich vor: Ein flotter Galopp auf einem schönen Waldweg. Plötzlich, mitten auf dem Weg, eine Pfütze! Ein Pferd, das nie gelernt hat, dort hindurch zu laufen, wird abrupt zur Seite springen. Sofern der Reiter nicht allein dadurch aus dem Sattel kommt, bleibt er vielleicht an den seitlich stehenden Bäumen hängen.
2. Eine Frage der Erziehung
Dominanztraining über der Pfütze könnte man es nennen. Wer sein Ross dazu bringen kann, seiner Aufforderung zum Durchreiten eines Wassers vertrauensvoll zu folgen, hat gegenüber dem Pferd eine stark dominante Stellung eingenommen. Diese wird ihm auch in anderen Situationen sehr nützlich sein.

Wie bringt man ein Kamel durchs Nadelöhr bzw. ein Pferd durch eine Pfütze?
Nein, ganz so unmöglich ist es wirklich nicht. Wichtig ist in jedem Fall eine solide Grunderziehung, aufgrund derer das Pferd dem Menschen schon einmal prinzipiell vertraut und ihn respektiert. Des Weiteren bietet es sich gerade in diesem Fall an, dem Pferd die Bedeutung des seitwärts treibenden und begrenzenden Reiterbeines klar zu machen. Übungen mit Schenkelweichen sind da sehr zu empfehlen. Weitere unabdingbare Zutaten sind Geduld und Konsequenz des Reiters. Nur wer in jedem Fall auf dem Durchreiten des nassen Hindernisses besteht, egal wie lange es dauert, kann mit einem Erfolg rechnen. Hilfreich ist es auch, ein sicheres Pferd voran gehen zu lassen. Egal, ob Pfütze oder Meereswogen, der Herdentrieb ist immer eine nützliche Hilfe beim Überwinden von Ängsten. Gemeinsam geht vieles leichter. Steht kein anderes Pferd für diesen Job zur Verfügung, kann es auch einmal der Reiter sein, der die Ungefährlichkeit des Wassers demonstriert. Absteigen und vorausgehen kann durchaus überzeugend sein.

Fehler, die man vermeiden sollte
Ein einmal begonnener Versuch sollte auf keinen Fall abgebrochen werden, da ansonsten die Aussichten auf Gehorsam und Vertrauen immer geringer werden. Aus genau diesem Grunde sollte sich der Reiter schon vorausschauend entscheiden, ob er durch eine Pfütze hindurch oder an ihr vorbei reiten will. Verzichtet er lieber von vornherein auf das Problem, sollte er dies frühzeitig und für das Pferd ganz deutlich erkennbar tun. Überlässt er es aus Bequemlichkeit dem Pferd, im letzten Moment zur Seite auszuweichen, vermittelt er Führungsschwäche und riskiert einen durchaus bedeutenden Gesichtsverlust. Eine weitere Negativerfahrung für das Pferd kann sich ergeben, wenn mehrere ängstliche Tiere mit der "Gefahr" konfrontiert werden. Statt sich der beruhigenden Vorbildfunktion eines sicheren Kollegen anvertrauen zu können, bestärken sich die unsicheren Pferde gegenseitig darin, wie fürchterlich doch alles ist, was ihre Angst natürlich noch erhöht.

Furcht zum Besiegen der Furcht?
Das Motto "Wenn das Pferd mehr Angst hat vor mir als vor dem Hindernis, wird es schon gehen ..." halte ich für recht zweifelhaft, gelinde gesagt. Durch Gewaltaktionen gewinnt man in der Regel höchstens einen momentanen Erfolg. Dauerhaftes Vertrauen zum Reiter ist auf diese Weise kaum zu erringen. Dieser muss im Gegenteil damit rechnen, dass sein Pferd ihn genau dann im Stich lässt, wenn es auf seine Mitarbeit wirklich ankäme.

Ute Forler


Gangpferde – auch bei ihnen ist Dressur die Basis


Die Ansprüche der Gangpferdereiter an ihre Pferde werden immer höher, es bekommen aber auch immer mehr Gangpferdereiter Schwierigkeiten mit den Gängen.

Am einfachsten haben es noch die Reiter der Paso Peruanos, denn hier ist der Gang ziemlich stark fixiert.

Die größten Probleme haben Reiter von Islandpferden, und das hat mehrere Gründe:

Zum einen haben Islandpferde „nur“ fünf klar voneinander getrennte Gangarten, die sich nicht ähnlich sind. Verschiebungen und Zwischengänge wie beispielsweise bei den Paso Peruanos sind hier nicht gern gesehen.

Zum zweiten sind die meisten Islandpferde nicht mehr so einfach wie früher. Im Laufe von Jahrzehnten wurden immer feinere Pferde gezüchtet, die feinere und differenziertere Hilfen benötigen, als es bei den früher eher einfach gepolten Pferden der Fall war.

Und zum dritten meinen viele Gangpferdereiter, es sei die Hauptsache, den Gang zu reiten, und vergessen dabei, dass vor dem Gang die Dressur steht.


Definition des Begriffs „Dressur“

Mit Dressur ist hier nicht die Hohe Schule gemeint, sondern eine konsolidierte Gymnastizierung des Pferdes. Diese wird gerade in Gangpferdereiter-Kreisen oft vernachlässigt, und so sieht man dann Islandpferde mit hoch erhobenem Kopf auf dem Hirschhals und durchgedrücktem Rücken über die Ovalbahnen rasen und „wie ein Brett“ durch die Kurve gehen.

Die einfache Dressurarbeit hat drei Ziele:

- Sie soll das Pferd unter dem Reitergewicht in sein Gleichgewicht bringen.

- Sie soll Muskeln und Sehnen stärken.

- Sie soll das Pferd rittig, d.h. geschmeidig machen, so dass es auf leichte Hilfen des Reiters reagiert.


Was ist dazu nötig?

Der Körper des jungen Pferdes muss regelrecht umgestaltet werden, um das Reitergewicht mühelos in allen Gangarten tragen zu können. Wichtigster Punkt dabei ist die Stärkung der Rücken- und Hinterhandmuskulatur.

Das erreicht man beispielsweise durch systematisches Longieren, womit nicht das lasche Herumlaufen an der Longe gemeint ist, sondern ein mehr und mehr aktives Untertreten der Hinterhand. Dadurch bildet sich eine kräftige Muskulatur, die dann anschließend auch geschmeidig gemacht werden muss.

Das geschieht dann durch Biegungen des Pferdes unter dem Reiter, und damit sind wir schon bei der richtigen Dressur.

Das Pferd lernt, das Reitergewicht auch in Biegungen und Kurven zu tragen, wobei wiederum ganz andere Muskelgruppen und sein Gefühl für die Balance angesprochen werden.

Die Biegungen können Zirkel, Volten oder Schlangenlinien sein. Biegungen sind aber auch Seitengänge.

Die Seitengänge haben noch einen weiteren Vorteil, denn dabei lernt das Pferd, vermehrt auf die Anweisungen = Hilfen des Reiters zu achten. Das ist auch mit Кopf-Arbeit verbunden.  Für ein junges Pferd ist es nicht einfach zu begreifen, dass es jetzt nicht einfach geradeaus, sondern seitlich gehen soll. Das erfordert Mitdenken, um herauszufinden, was der Reiter denn nun mit dieser oder jener Hilfe von ihm will.

Die Seitengänge fördern daher nicht nur deshalb ungemein die Geschmeidigkeit und Rittigkeit des Pferdes, weil es seine Beine seitlich versetzt bewegen, sondern weil es sehr konzentriert auf den Reiter hören muss.


Der Ausgleich

Der Ausgleich zu dieser Arbeit muss immer der lockere Ausritt im Gelände sein. Hier kann das junge Pferd Neues sehen und entspannt laufen. Nur dadurch auch verliert es nicht die Freude an der Arbeit und am Vorwärtsgehen.


Die Gänge sortieren

Die Gänge sortieren und sauber herausreiten kann man nur bei einem Pferd, das gut an den Hilfen steht. Das wiederum KANN es gar nicht lernen, wenn man mit ihm von Anfang an auf der Ovalbahn lediglich Gas gibt.

Die Verwirrung der Gangverschiebung geschieht denn auch selten bei einem dressurmäßig gut ausgebildeten Pferd, weil man diesem mit den ihm bekannten Hilfen relativ schnell klar machen kann, was man möchte. Ist ein Pferd jedoch nicht dressurmäßig ausgebildet, kann es feine Hilfen auch nicht verstehen.

Die Parallele dazu sieht man im Springsport: Wirklich gut springen nur die Pferde, die geschmeidig sind und gut an den Hilfen stehen. Nur sie können gut abspringen, sich gut ausbalancieren und sauber durch enge Kurven galoppieren. Obwohl Springen auf den ersten Blick also nichts mit der Dressur zu tun hat, ist die Dressur auch hier die Grundlage.

Ohne Dressur, d.h. sinnvolle Gymnastizierung des Pferdes, geht gar nichts.

Uta Over


Wenn die Trennung ansteht – das Absetzen des Fohlens


Das Absetzen, das Trennen von Mutterstute und Fohlen ist für das Fohlen das erste einschneidende Erlebnis in seinem Leben. Daher sollte man es möglichst sanft gestalten; auch Pferde können nämlich traumatische Erlebnisse haben, die man als Mensch leider später nicht nachfragen kann.


Die Trennung ist natürlich

In der Natur vertreibt die Stute ihr letztjähriges Fohlen spätestens dann, wenn sie im Frühjahr wieder ein Fohlen hat. Bis dahin duldet sie es manchmal noch bei allerdings eingeschränkter Milchproduktion.

Meistens jedoch ist das Fohlen im Herbst so selbständig, dass es sich von sich aus immer weiter und länger von der Mutter entfernt, dabei feste Nahrung aufnimmt und auf die Muttermilch nicht mehr angewiesen ist.

Hinzu kommt, dass das größer werdende Fohlen sich ziemlich verrenken muss, um noch trinken zu können und die Mutter mit seinem Ungestüm oft belästigt.

Man hat manchmal den Eindruck, die Mutter wäre froh, wenn das Fohlen sich endlich selbständig machen würde. Und das tut es dann auch.

In der (allerdings in dieser Form kaum noch vorhandenen) Natur hat es ja auch genügend Ablenkung, Spielkameraden und natürliche Reize, mit denen es sich auseinander setzen muss. Das fehlt auf den großen sauber angelegten Weiden mit geringem Pferdebesatz oder in einem kleinen Paddock meistens, und so wird das Absetzen hier manchmal zum Problem.


Das Absetzen beginnt kurz nach der Geburt

Das Absetzen selbst ist ein einschneidendes Erlebnis für das Fohlen. Mehr als dieses eine Erlebnis sollte man ihm nicht zur gleichen Zeit zumuten.

Mit Sicherheit aber muss man es nach dem Absetzen des Öfteren anfassen, man muss es hier- und dorthin führen und ihm vielleicht die Hufe vom Schmied nachsehen lassen.

Wenn man es dann erst jedes Mal über die Weide in eine Ecke treiben muss, bis man es fangen kann, ist das nicht nur mühsam, es hinterlässt auch in dem Fohlen einen bleibenden negativen Eindruck.

Also sollte man Vorsorge tragen, dass man es leicht handhaben kann. Das bedeutet, dass das kleine Fohlen so früh als irgend möglich lernen sollte, ein Halfter zu tragen und neben dem Menschen zu gehen. Damit kann man bereits einige Tage nach der Geburt beginnen.

Je vertrauter (allerdings bitte nicht plump vertraulich) das Fohlen mit dem Menschen ist, desto leichter wird es sich ihm anschließen, wenn die Mutter fort ist.


Trakehnen

In Trakehnen, dem oft zitierten Mekka der deutschen Pferdezucht, wurden die Fohlen mit einem halben Jahr von einem Tag auf den anderen von ihren Müttern getrennt. Da es sich hier um sehr große Herden mit Stuten und Fohlen handelte, in denen die Fohlen untereinander früh Freundschaften und ein Herdengefühl entwickeln konnten, war das wohl für Stuten und Fohlen nicht schlimm.

Eines Morgens wurden die schon führbaren Fohlen mit ihren Müttern zu einem großen Stall geführt, die Scheunentore öffneten sich und die Mütter gingen hinein. Die Erfahrenen von ihnen wussten schon, dass dies der Abschied von ihrem diesjährigen Fohlen war, und versuchten manchmal noch sich zu drücken. Aber es half nichts: Das große Scheunentor schloss sich hinter den Stuten, die Fohlen blieben auf der großen Weide allein.

Meist merkten sie es gar nicht gleich. Erst nach einiger Zeit, wenn sie Durst oder Langeweile bekamen, wieherten sie den Stuten hinterher; aber die waren schon lange außer Hör- und Sichtweite geführt.

Einen Tag und eine Nacht lang trauerten einzelne Fohlen vielleicht noch, dann nahm sie das neue selbständige Leben gefangen, und sie vergaßen ihre Mütter.

Die Stuten waren meist schon wieder tragend. Sie wurden sachverständig behandelt, wenn Probleme mit überschießender Milchproduktion auftraten, und hatten jetzt erst mal für einige Monate Ruhe, bis sie sich um ein neues Fohlen kümmern mussten.


Absetzen in der Gruppe

In der Gemeinschaft mit anderen Stuten und Fohlen bilden sich unter den Youngsters schnell Freundschaften. Das kann man ausnutzen. Man holt also entweder in einer großen Gruppe alle zwei bis drei Tage eine Stute aus der Gruppe heraus und stellt sie außer Sicht- und Hörweite des Fohlens (was oft leichter gesagt als getan ist...).

Das Fohlen, das sich ja im Grunde schon selbst durch Gras ernähren kann, wird jetzt etwas beigefüttert und sucht vermehrt Anschluss an die anderen Fohlen. Wenn man sich um dieses spezielle Fohlen etwas mehr kümmert, sollte das Ganze kein Problem sein.

So verfährt man weiter, bis die Fohlen eines Tages allein und damit ganz zufrieden sind.

Bei dieser Art, die Fohlen sanft abzusetzen, kann man sich das entsprechende Fohlen auch einmal täglich holen und sich mit ihm (immer in Sichtweite der anderen) beschäftigen. Nach einigen Tagen sind es schon zwei Fohlen, die man sich holt, und so weiter.

Immer noch aber wird es auch so gemacht wie im alten Trakehnen: alle Fohlen auf einmal von den Stuten trennen.

Das Problem ist nur, dass man hierzulande kaum genug Land hat, um beide Gruppen außer Hör- und Sichtweite zu halten, und dann wird die ganze Sache schmerzhaft, weil sich beide Gruppen durch Rufen zu verständigen suchen.


Kleinere Gruppen

Hat man keine Möglichkeit, die Stuten außer Sichtweite zu bringen, dann sollten die Fohlen in einen gemeinsamen Laufstall gesperrt werden, während man die Stuten in Einzelboxen unterbringt.

Die Fohlen erhalten reichlich Heu und Kraftfutter und werden am nächsten Tag als gemeinsame Gruppe auf die Weide entlassen. Damit hat sich bei ihnen im Allgemeinen der Abschiedsschmerz gelegt: Kinder vergessen schnell.


Ein Fohlen allein

Das ist ein echtes Problem bzw. kann sich zu einem auswachsen. Einzelfohlen haben einen viel engeren Bezug zu ihrer Mutter, als wenn sie von vornherein gleichaltrige Spielgefährten haben, was in jedem Fall wünschenswert wäre.

Ein einzelnes Fohlen von seiner Mutter zu trennen, ist schon fast nicht mehr zu vertreten, denn dann muss das (kleine) Herdentier Pferd als Einzelkämpfer durchkommen. Das ist unfair und überfordert das Fohlen.

Hier muss man sehen, dass man das Fohlen stundenweise, aber immer in Sicht- und Hörkontakt, von der Mutter wegsperrt. Dabei bekommt es gutes Futter, so dass der Appetit auf die Muttermilch langsam nachlässt.

Es gibt genügend Geschichten von Einzelfohlen, die nicht korrekt getrennt und somit quasi untrennbar von der Mutter waren. Ulrike Buurman-Paul beschreibt in ihrem Buch über Pferdehaltung den Fall eines kleinen Hengstfohlens. Man nahm an, der Kleine würde irgendwann von selbst aufhören zu saugen, was er aber allein und ohne Spielgefährten und Reize von außen nicht tat. Als Zweijähriger deckte er dann erfolgreich seine Mutter und saugte gemeinsam mit seinem Sohn weiter. Mittlerweile kastriert, aber untrennbar von der Mutter.

Ein trauriger Fall von Мuttersöhnchen, der seine Besitzer mit Sicherheit vor große Probleme stellte.


Nach dem Absetzen: die Stute

Meistens sind die Stuten nach etwa einem halben Jahr der Meinung, dass ihr Nachwuchs jetzt ganz gut allein leben könnte. In der Natur würden sie ihnen das unmissverständlich klar machen; auf hiesigen kleinen Weiden und ohne ausreichend gleichaltrige Gefährten ist das manchmal nicht so einfach.

Und das Problem ist, dass durch das ständige Saugen des Fohlens die Milchproduktion immer weiter angeregt wird. Wird der Milchdruck also irgendwann schmerzhaft, ist die Stute nicht unglücklich, wenn das Fohlen ihn durch Saugen wegnimmt; ein Kreislauf.

Wenn man diesen unterbricht, muss man dafür sorgen, dass der Körper der Stute Auswegmechanismen entwickeln kann. Einer davon ist Bewegung.

Stuten, deren Fohlen man abgesetzt hat, sollte man regelmäßig bewegen. Das muss nicht unbedingt Reiten sein. In den ersten Tagen reicht es, spazieren zu gehen, und später kann man longieren. Wichtig ist, dass der Kreislauf in Gang kommt.

Auf jeden Fall muss man das Kraftfutter absetzen bzw. drastisch reduzieren.

Und auf keinen Fall sollte man sich dazu verleiten lassen, einen prallen Euter mit der Hand abzumelken; das kann viel zu schnell zu Infektionen führen. Im Zweifelsfall ist immer der Tierarzt der richtige Ansprechpartner. Es gibt entsprechende Salben, die der Stute helfen können.

Und auch in diesem Fall hilft lange und ruhige Bewegung, welche die Körpersäfte wieder reguliert.

Schon nach einigen Tagen schwillt das Euter ab, und die Stute hat seit dem Abfohlen endlich wieder einen ausgeglichenen Fluss der Körpersäfte.


Nach dem Absetzen: die Fohlen

Fohlen, die in der Gruppe aufwachsen, haben es immer leichter und sind unkompliziert zu handhaben. Sie lässt man erst einmal gemeinsam auf eine Weide und da haben sie genug zu tun, um sich satt zu fressen, denn Muttermilch ist ja nicht mehr ...

Schon nach kurzer Zeit aber kann man mit ihnen die Grunderziehung beginnen.

Jetzt ohne Mutters Schutz ist es etwas anderes, angebunden zu stehen und/oder neben dem Menschen zu gehen.

Ein Fohlen von einem halben Jahr oder ein klein bisschen älter muss noch nicht viel lernen. Aber wenn es jetzt lernt, neben anderen Fohlen angebunden einigermaßen ruhig zu stehen, hat es eine sehr gute Lehre fürs Leben bekommen.

Auch sollte es spätestens jetzt lernen, die Hufe zu geben. Denn bald kommt der Schmied, und dann wird es ernst mit den Manipulationen ...

Fällt das Absetzen in eine nasskalte Witterung, sollten die Fohlen nachts in einen trockenen Stall kommen, denn noch haben sie das puschelige Fohlenfell, das sehr schwer trocknet, wenn es einmal nass geworden ist.


Die Winterschule

Sie ist hauptsächlich bei Islandpferdebesitzern mittlerweile beliebt und bewährt. Robuste Fohlen werden relativ spät im Jahr geboren und daher auch relativ spät abgesetzt.

Bei Islandpferden ist es sowieso üblich, sie nach dem Absetzen in eine größere Herde zu geben.

Einen oder zwei Monate gewöhnen sie sich um, genießen ihre Freiheit auf der Weide mit ihren neuen Kumpels und müssen dann für einige Tage intensiv lernen.

Jetzt lernen sie, geduldig angebunden zu stehen und mit dem Menschen sogar außer Sichtweite ihrer Genossen zu gehen. Das reicht für den ersten Winter nach dem Absetzen. Mehr fasst das noch kleine Gehirn nicht.

Aber es ist der erste Schritt vom Herdentier zum Individuum.


Muss man absetzen?

In den kleinen Pferdegemeinschaften bei uns sollte man ein Fohlen tatsächlich systematisch absetzen. Es bekommt sonst nie die Chance, ein eigenständiges Leben zu führen, sondern wird immer von seiner Mutter abhängig sein.

Ganz abgesehen davon, dass das der Mutter gewaltig auf die Nerven geht, kostet es auch den Pferdebesitzer Nerven, wenn Mutter und Sohn/Tochter nicht zu trennen sind. Man sollte es nicht unterschätzen, welche Anstrengungen solche Kleinstfamilien unternehmen, um zusammen zu bleiben.

Ein nicht einmal über mehrere Wochen/Monate entwöhntes Fohlen wird niemals richtig erwachsen werden. Es ist praktisch unmöglich, es von der Mutter weg zu reiten, und es wird in jeder Krisensituation Мama schreien, anstatt sich selbst damit auseinanderzusetzen.

Auch wenn es einem schwer fällt, sein Einzelfohlen für einige Zeit sozusagen außer Haus zu geben, sollte man das im eigenen und im Interesse des Fohlens tun.

Bei Fohlen in der Gruppe ergibt sich diese Problematik zum Glück gar nicht.

Uta Over


Zur Diskussion: Aus einem Pferd "herauswachsen"


Was einem ein eigenes Pferd wirklich alles bedeuten kann, merkt man meistens erst dann, wenn man wirklich eins hat. Auf einmal ist dort nicht "nur" ein Reitschulpferd, welches einen unter vielen anderen mehr oder weniger genervt erträgt, sondern, wenn man es einigermaßen richtig gemacht hat, ein Tier, das sich freut, einen zu sehen.

Mit seinem eigenen Pferd geht man jeden Tag um, man kennt es ganz genau und weiß immer schon einen Moment vorher, was es als nächstes tun wird. Mit der Zeit wächst man zusammen, wird zu einem funktionierendem Team, und man selber kann sich nur schwer vorstellen, irgendein anderes Pferd lieber reiten zu wollen.

In vielen Fällen kann man als Pferdebesitzer dieses Glück auch einfach unbeschwert genießen, ohne sich Sorgen darum machen zu müssen, was in Zukunft wird. Doch was ist, wenn es absehbar ist, dass diese Situation nicht von Dauer sein kann? Dann nämlich, wenn es sich beim ersten eigenen Pferd ausgerechnet um ein kleines, zierliches Pony handelt und man selber noch im Wachstum ist?

In diesem Fall wird man über kurz oder lang tatsächlich aus seinem Pferd herauswachsen, wobei die Größe an sich nur ein optisches Problem ist. Man läuft zwar Gefahr, sich dumme Sprüche oder auch Anfeindungen anzuhören, wenn man nicht mehr passend auf seinem Pferd aussieht, doch so etwas könnte man noch einfach ignorieren. Doch leider kommt mit der Größe auch unweigerlich das Gewicht...


Es gibt Grenzen

Jedes Pferd hat eine obere Grenze an Gewicht, welches es problemlos tragen kann - und auch wenn man noch so schlank bleibt, kann man diese gerade bei solchen Pferden schnell überschreiten.

Wo genau diese obere Grenze anzusetzen ist, ist für jedes Pferd recht individuell und hängt insbesondere mit dem jeweiligen Körperbau zusammen, so dass man auch für bestimmte Rassen nur ungefähre Richtwerte angeben kann. Wichtig ist allerdings, dass es kein Maßstab ist, ob das Pferd sich noch von der Stelle bewegen kann, nachdem man sich draufgesetzt hat. Oft hört man nämlich von Reitern, dass ein Pferd sie noch völlig problemlos tragen kann, nur weil es relativ normal vorwärts geht.

Doch bei einem für ein bestimmtes Pferd vertretbaren Gewicht geht es vielmehr darum, dass es dieses Gewicht ohne zu starke Belastung für Rücken, Gelenke usw. problemlos und auch regelmäßig über längere Strecken tragen kann.

Wenn man also ein Pferd besitzt, sollte man sich rechtzeitig darüber informieren, wo bei diesem die Gewichtsgrenze liegt, und diese auch beachten.


Was nun?

Doch was, wenn man sie überschritten hat? Wer möchte sich schon von diesem Pferd trennen, mit dem er sich so gut versteht und in dem ja nicht selten auch eine ganze Menge Zeit und Mühe stecken?

Gerade hatte man noch ein Pferd, mit dem man alles machen konnte, und auf einmal ist man zu schwer. Natürlich muss man nicht von heute auf morgen aufhören zu reiten, doch wird man sich immer weiter einschränken müssen.

Wenn man sich in so einer Situation befindet, wird man fast unweigerlich den Rat bekommen, dieses Pony zu verkaufen und sich ein "richtiges" Pferd anzuschaffen. Gegen diese Lösung ist an sich auch nichts einzuwenden, soweit man sich von seinem Pferd trennen kann und vor allem darauf achtet, dass es in gute Hände kommt.

Doch auch dann, wenn man diese Pferd auf keinen Fall aus der Hand geben möchte, gibt es Alternativen; denn nur weil man nicht mehr richtig reiten kann, heißt dies nicht, dass das Pferd einfach nur in der Gegend herumstehen muss:

Wenn man die Möglichkeit hat, dieses Pferd einfach als Zweitpferd zu behalten und sich zusätzlich wieder ein Reitpferd zu kaufen, kann man sein altes Pferd zum Beispiel als Handpferd mitnehmen. Besonders günstig ist es natürlich auch, wenn man jüngere Geschwister hat, die das Pferd reiten können, oder wenn man eine passende Reitbeteiligung findet. Um selber noch etwas mit dem Pferd zu machen, besteht dann auch noch die Möglichkeit, es einzufahren, um dann eben mit einer Kutsche ins Gelände zu gehen. Es gibt also jede Menge Möglichkeiten, auch die Zeit nach dem Überschreiten der Gewichtsgrenze noch mit seinem Pferd zu genießen.


Es wird schwierig

Das also ist die eine und auch allen bestens bekannte Art, wie man aus einem Pferd herauswachsen kann. Doch da gibt es auch noch eine andere, über die allerdings verständlicherweise nicht so gerne offen gesprochen wird. Gewichtszunahme hängt ja leider nicht immer automatisch mit Wachstum zusammen, sondern kann einen auch einfach so ereilen...

Diese Situation ist natürlich noch um einiges schwieriger, denn hier kommt die Gefahr wirklich schleichend: Man sieht ja nicht unbedingt unpassend oder zu groß aus, nur weil man in letzter Zeit 10 kg zugenommen hat - und doch kann man damit je nach Pferd die obere Gewichtsgrenze schon erreicht oder überschritten haben. Hier gilt es also auch, den kritischen Zeitpunkt zu erkennen. Auch wenn das Pferd einen noch scheinbar problemlos durch die Welt trägt, kommt man irgendwann an der grausamen Selbsterkenntnis nicht mehr vorbei: "Ich bin für mein eigenes Pferd zu schwer geworden".

Nun wäre also der richtige Zeitpunkt für entsprechende Maßnahmen gekommen: Ähnlich wie beim ersten Fall sollte das Reiten zumindestens eingeschränkt werden. Hat man sich dafür entschieden, die störenden Kilos wieder loszuwerden, kann man sein Pferd in der Zwischenzeit auch wunderbar anders beschäftigen. Longieren oder Bodenarbeit sind da nur einige Beispiele. Möchte man jedoch nicht abnehmen oder schafft es einfach nicht, sollte man sich auch hier nach langfristigen Lösungen, wie eben beispielsweise Kutsche fahren, umsehen, wobei je nach Situation auch der Verkauf oder die Abgabe des Pferdes in gute Hände ins Auge gefasst werden sollte.


Welches Problem?

Doch leider wird dieses Problem oft einfach tot geschwiegen. Immerhin ist es einem ja auch irgendwie peinlich, und wer möchte so etwas schon gerne seinen Mitreitern erklären?

Und wenn man auf einmal aufhört, richtig zu reiten und stattdessen irgendwelche Alternativ-Programme aufstellt, wird man um Fragen wohl kaum herumkommen. So ignorieren viele Reiter dieses Problem gänzlich und reiten ihr Pferd einfach völlig normal weiter, erschreckenderweise selbst dann noch, wenn das Pferd langsam offensichtlich Probleme mit dem Gewicht bekommt.

Oft werden auch die merkwürdigsten Lösungsansätze ausprobiert. So wird etwa ein 25 kg schwerer Westernsattel gekauft, weil dieser ja das Gewicht besser auf dem Rücken verteilt.

Doch hier sollte man wirklich am besten ehrlich zu sich selber und allen anderen sein, denn wenn einem das Pferd etwas bedeutet, sollte man nicht die eigenen Probleme auf seinem Rücken austragen.


Vorlieben und Möglichkeiten

Leider sollten bei Reitern mit mehr Gewicht auch gewisse Vorlieben zurückstehen, denn nur weil ein Pferd gerade besonders nett schaut, ist es trotzdem nicht in der Lage, unbegrenzt Gewicht zu tragen. Auch die Faszination, die für einen vielleicht von einer ganz bestimmten Rasse ausgeht, muss nebensächlich sein, wenn die Vertreter dieser Rasse nicht in der Lage sind, einen zu tragen.

In der Theorie hört sich das einleuchtend an, doch in der Praxis funktioniert es erschreckend oft nicht: Immer wieder sieht man Reiter auf irgendwelchen schmalen Hemdchen von Pferden sitzen, die auf einem stabilen Gewichtsträger wesentlich besser aufgehoben wären. Dabei neigen auch sie wie die meisten Reiter dazu, ihre Pferde maßlos zu verwöhnen, und erzählen allen, wie sehr sie doch ihre Pferde lieben würden. Doch wenn mir mein Pferd wirklich so viel bedeutet, sollte ich auch bereit sein, das Beste für es zu tun, auch wenn das für mich eine klare Einschränkung bedeutet.


Lösungen?

Was kann man nun machen, um diesen Problemen aus dem Weg zu gehen?

Wenn man vorhat, das erste eigene Pferd auch zu behalten, sollte man beim Kauf darauf achten, dass dieses Pferd auch noch in der Lage ist, einen Erwachsenen zu tragen. Auf keinen Fall sollte man einfach ein kleines Pony kaufen, weil es vielleicht gerade süß ist, um es dann nach einem Jahr gedankenlos weiterzuverkaufen. Denn auf diese Weise wandern leider viele Ponys durch sehr viele Hände, und dies sind bedauerlicherweise nicht nur gute.

Oft sind für Kinder Ponys am Anfang passender und erleichtern den Umgang und das Reiten, doch auch hier gibt es ja verschiedene Möglichkeiten, einfach ein stabiles Pony zu erwerben, mit dem man dann problemlos groß werden kann. Kleine und schmale Ponys eignen sich besonders für kinderreiche Familien, wo sie von den nachfolgenden Kindern übernommen werden können.

Natürlich muss niemand aufs Reiten verzichten, nur weil sie/er vielleicht etwas stabiler gebaut ist. Doch hier sollte die Statur des Pferdes zur Statur des Reiters passen, und das sollte nach Möglichkeit direkt bei der Anschaffung eines Pferdes bedacht werden.

Ist man einfach so zu schwer für sein Pferd geworden, ist es meiner Meinung nach wichtig, dies auch einzugestehen. Natürlich ist das ein heikles Thema, welches auch immer recht schnell als persönliche Kritik aufgefasst wird. Doch auch wenn man keinen anderen verletzen möchte, sollte dieses Problem nicht immer ignoriert werden.

Reiten ist eben, wie viele andere Sportarten auch, kein Sport ohne körperliche Grenzen.

Katinka Schnitker


Zum Wiehern: Bahn frei!


Gut, dass es auf einer Reitbahn (Platz, Halle) so viele Regeln gibt, die einem ein friedliches Miteinander ermöglichen. Schließlich möchten ja alle nur das eine: sinnvoll und ruhig mit ihrem Pferd arbeiten. Es gibt Kommandos, um eine Bahn zu betreten, es gibt Vorfahrtsregeln, und sogar das Tempo auf den verschiedenen Hufschlägen ist geregelt, da kann wirklich nichts schief gehen!

Trotz dieses harmonischen Bildes stehe ich als kluger Reiter Sonntags schon um sieben Uhr morgens mit meinem gesattelten Pferd vor der Reithalle. Nicht, dass mich die anderen Reiter stören würden, nein, aber einmal die Halle ganz allein für sich zu haben, ist auch was Schönes. Schade nur, dass der gesamte Stall dieselbe Idee gehabt haben muss, denn trotz der frühen Stunde ist die Halle schon gestopft voll. Dann muss ich eben doch wieder auf die guten alten Regeln zurückgreifen:

Tür frei, bitte! ... Tür frei, bitte!!! ...  Heh, könnte ich jetzt vielleicht auch mal hier rein – Petra, mach jetzt endlich die Tür frei  ------ ich komm jetzt rein, ist mir doch egal, was ihr macht!“

Na also, war doch eigentlich kein Problem! Jetzt muss ich nur noch irgendwie in die Mitte der Bahn gelangen, um aufzusteigen: Die ersten Meter laufen gut, doch dann kann ich mich nur noch durch einen Rettungssprung vor einem heraneilenden Haflinger retten, mein Pferd hat ihn leider zu spät bemerkt und schon die erste Blessur des Tages abbekommen; natürlich hat uns dieses Manöver auch wieder deutlich zurückgeworfen: Doch jetzt nicht entmutigen lassen ...


Geschafft

Nach weiteren Versuchen haben wir es dann schließlich geschafft und die rettende Mitte erreicht. Hier verschnaufen wir eine Zeit lang und genießen den Blick auf die immer länger werdende Schlange vor der Hallentür, die verzweifelten „Tür frei!, Tür frei!“-Rufe klingen hier nur gedämpft an unsere Ohren.

Jetzt aber genug ausgeruht und aufgesessen. Der Strom der Reiter und Pferde, die die Halle in unterschiedlichen Richtungen umkreisen, scheint nicht abreißen zu wollen; hier wäre eine Ampel klasse... doch da, ist es, kann es sein, doch ja, mein Pferd hat es nun auch bemerkt und spannt schon mal alle Muskeln an, da scheint tatsächlich eine Lücke auf uns zuzukommen. Das Einfädeln ist nach jahrelanger Übung kein Problem, ein Galoppstart, eine enge Wendung und schon ist man auf einem Hufschlag – nun heißt es sich schnell orientieren, auf welchem man gelandet ist, schließlich muss man das Tempo dementsprechend regulieren. Nach ein paar Blicken bin ich mir ziemlich sicher, dass wir uns auf dem fünften Hufschlag befinden, also müssen wir... Oh nein, hieß der fünfte Hufschlag nun Trab oder Schritt, oder? Es will mir einfach nicht einfallen, so wechseln wir über zum vierten, auf dem wir nicht bleiben dürfen, denn hier wird getöltet, und das kann mein Pferd beim besten Willen nicht. Nachdem wir gerade noch einer nahenden Horde Isländer entgehen konnten, finden wir uns im Schritt auf dem dritten Hufschlag wieder. Zeit zum Aufatmen, doch was ist das, ja tatsächlich, uns kommt ein Pferd entgegen - jetzt keine Panik, schließlich ist das alles geregelt und wir haben Vorfahrt; oder etwa doch die anderen? Ach, was soll`s, wir wollten eh gerade traben, also ein weiterer Wechsel, im Trab umkreisen wir die ganze Bahn, schließen uns dann kurzzeitig radikalen Zirkelbenutzern an, und gerade als eine bewundernswert mutige junge Reiterin ausschert, um sich an Schlangenlinien durch die ganze Bahn zu versuchen, geschieht das Unfassbare, Schreckliche, von allen Befürchtete: Sabine sprintet unter einem letzten verzweifelten „Tür frei!“-Ruf in die Halle, und nun besteht kein Zweifel mehr: In ihrer Hand hält sie doch tatsächlich, genau: eine Longe...

Jetzt heißt es schnell reagieren, wir versuchen zur Tür zu gelangen. Fast hätten wir es nicht geschafft, doch in letzter Minute fällt mir der einzige in der heutigen Zeit noch sinnvolle Ruf in einer Reithalle ein: „Bahn frei, Bahn frei, mein Pferd geht durch!“! Wie durch ein Wunder sortiert sich das Chaos und es bildet sich ein freier Gang quer durch die Halle und dann nach draußen... Nein! Es ist kein mangelnder Ehrgeiz, ein Geländereiter zu sein – es ist Feigheit!

Katinka Schnitker




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