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Allein ins Gelände – Der November – Atypische Myoglobinurie – Pferdeflüsterer – Zum Wiehern!


Equikids Ausgabe 10/2011


Problempferde – Allein ins Gelände, Teil I

Den Hof gar nicht erst verlassen wollen, zackeln wie ein Rennpferd, wiehern ohne Unterlass, hinter jedem Grashalm eine lebensbedrohliche Gefahr vermuten, auf dem Heimweg nicht mehr zu halten sein – dies alles und noch mehr können Pferde aus ihrer Trickkiste herausholen, wenn sie definitiv nicht allein ins Gelände wollen. Tiere, die bei einem gemeinschaftlichen Ausritt zuverlässig, ruhig und gehorsam sind, verwandeln sich mitunter zu unberechenbaren und unkontrollierbaren "Streit"-Rössern, wenn sie "nur" mit ihrem Menschen die gewohnte Umgebung und ihre Artgenossen verlassen sollen. Was steckt dahinter und wie begegnet man diesem Verhalten am besten?

Was, wenn ...
... das Pferd nicht vom Hof will?
1. Ursachen
"Kleben", ein Ausdruck, mit dem man ein solches Verhalten auch bezeichnen kann, ist oft zu beobachten bei sehr unselbstständigen Tieren mit einem niedrigen sozialen Rang. Sie haben Angst, aus der schützenden Nähe ihrer Artgenossen und der gewohnten Umgebung herauszutreten und der großen Welt voll lauernder Gefahren ganz allein zu begegnen. Ganz allein? Was ist mit dem Reiter? Offensichtlich nimmt ein solches Pferd seinen Menschen im Sattel (oder auch auf dem blanken Rücken) nicht ernst. Jedenfalls glaubt es nicht daran, von ihm in irgendeiner Weise beschützt zu werden.
Eine teilweise andere Ursache liegt einem "Kleben" von sozial eher hochrangigen Tieren mit einem gesunden Selbstbewusstsein zugrunde. Hier kann es durchaus so sein, dass diese Pferde einfach keine Lust haben, sich von ihrer Herde oder ihrer Stallumgebung zu trennen. Sie sehen ihre Aufgaben wahrscheinlich eher darin, bei den anderen zu bleiben und über sie zu wachen, als allein irgendwelche Ausflüge zu unternehmen. Soweit der Unterschied. Gleichbleibend ist die Tatsache, dass auch hier der Reiter nicht ernst genommen wird. Zwar ist seine Rolle als Beschützer nicht unbedingt erforderlich, doch als Führungspersönlichkeit versagt er. Anordnungen "von oben" gehen an solchen Pferden schlicht vorbei.

2. Vorschläge zur Abhilfe
Schlangenlinien, Rückwärtsrichten, Absteigen ...
... sind mit Sicherheit keine dauerhafte Lösung des Problems!


Diese Art, dem Ungehorsam bzw. der Unsicherheit des Pferdes zu begegnen, kann allenfalls eine einmalige Lösung aus den Zwängen des Augenblicks sein. Sicher ist es immerhin einfacher, ein widerstrebendes Pferd in
Schlangenlinien vom Hof zu reiten, als zu versuchen, der "Gefahr" in gerader Linie zu begegnen. Man "kreuzt" sozusagen "gegen den Wind". Solchen Maßnahmen werden allerdings nur dort erfolgreich sein, wo sowohl Reiter als auch Pferd den Einsatz und die Bedeutung der seitwärtstreibenden Hilfen kennen. Erst eine seitliche Begrenzung und Unterstützung wie beim Schenkelweichen wird das Pferd zum Tor hinaus bringen. Fehlen solche Hilfsmaßnahmen, ist es vielen Pferden ein Leichtes, quasi "rückwärts zu kreuzen" und sich trotz eigentlich vorwärts gerittener Schlangenlinien immer weiter auf das Hofgelände zurückzuziehen.
Im
Rückwärtsrichten das Stallgelände zu verlassen, würde ich grundsätzlich ablehnen. Selbst wenn ein Pferd durch diese extreme Maßnahme vom Hof zu bekommen ist, kann man wohl davon ausgehen, dass ein solches Tier im weiteren Verlauf des Ausrittes sich und den Reiter durch unangemessenes und unberechenbares Verhalten in Gefahr bringen wird. Mag sein, es wird im kritischen Moment, z.B. beim Passieren des Hoftores, ausgetrickst. Mehr als ein Taschenspielertrick ist aber das Rückwärtsrichten in diesem Falle nicht. Und da Pferde ja durchaus lernfähig sind, werden sie auch solche Ansinnen ihres Reiters sehr bald erkennen und ihm die Stirn bieten, wenn es wirklich gegen ihre Überzeugung ist, den Hof zu verlassen. Nicht selten erlebt man Tiere, die an der "Grenze" zwischen "Drinnen" und "Draußen" lieber steigen und sich im Zweifelsfall sogar überschlagen, als sich den "Gefahren" eines Einzelausrittes zu stellen.
Absteigen und das Pferd vom Hofgelände herunter führen kann unter Umständen schon eher eine praktikable Lösung sein. Allerdings stehen auch hinter dieser Maßnahme viele Fragezeichen. Nimmt das Pferd den Reiter zu Fuß tatsächlich ernster als den Reiter im Sattel? Lässt es sich also ohne Widerstand auf den Weg hinaus führen, dem es sich geritten total verweigert hat? Und wenn diese Hürde genommen ist – wie kommt der Reiter "draußen" auf sein Ross? Wird es ihn ohne Probleme aufsitzen lassen? Ist nicht vielmehr zu erwarten, dass es außerhalb seiner vertrauten Umgebung besonders unruhig ist und somit dem Reiter große Probleme bereiten wird, in den Sattel zu gelangen? Bevor man also absteigt und zu Fuß losmarschiert, sollte man sich vergewissern, dass damit überhaupt etwas gewonnen werden kann.

Gemeinsam den Hof verlassen, alleine weiterreiten?
Diesen Vorschlag sollte man schnell wieder verwerfen. Angenommen, das unsichere oder auch unwillige Pferd lässt sich durch einen braveren Artgenossen überzeugen, das Hofgelände ohne Widerspruch zu verlassen. Sowie der Kurzzeitpartner sich abwendet und das Problempferd allein lässt, wird sich die Gefahr für den Reiter potenzieren! Besonders für unsichere Tiere gibt es nur eine Sache, die noch schrecklicher ist, als allein hinaus zu gehen, und das ist: Draußen allein gelassen zu werden! Ungehorsam der deutlichsten Ausprägung ist zu erwarten. Dazu kommen anhaltende Spätfolgen, denn nach einer solchen Erfahrung werden die betroffenen Pferde sich mehr denn je sträuben, die vertraute Umgebung und die schützende Nähe ihrer Artgenossen zu verlassen.

Mit Dominanztraining der Sache auf den Grund gehen!
Eines liegt auf der Hand: Das Dominanzverhältnis zwischen Mensch und Tier muss zugunsten des Reiters stark verbessert werden. Jede Begegnung mit dem Pferd sollte hierfür genutzt werden. Angefangen beim respektvollen Verhalten im Stall und/oder auf der Weide über Aufhalftern, Putzen, Hufe heben bis hin zu gezielter Arbeit an der Hand hat der Mensch unzählige Gelegenheiten, sich dem Pferd sinnvoll und mit Überlegung zu präsentieren. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in ausnahmsloser Konsequenz bei der Durchsetzung der eigenen Position gegenüber seinem Pferd. Die Fachliteratur bietet hierbei eine große Palette an Vorschlägen und Beispielen zu der konkreten Durchführung eines Dominanztrainings. Hat sich dann das Verhältnis Mensch – Tier zugunsten des Reiters verbessert, ist sein Pferd mit großer Wahrscheinlichkeit bereit, auf seine Hilfen hin allein in "die weite Welt" hinaus zu ziehen. Das rangniedere Tier wird sich genügend beschützt fühlen, um sich dem Reiter anzuvertrauen. Das ranghohe Pferd wird einsehen, dass noch jemand über ihm steht und sich unterordnen.
Ute Forler


Der November


Jetzt wird es ernst: Die dunkle Jahreszeit beginnt mit allen ihren "dunklen" Seiten. Die Weidezeit ist zu Ende, die Tage sind kürzer, es wird kälter und und und...


Runter von der Weide!

Im November ist die Weidezeit tatsächlich vorbei, denn jetzt braucht die Grasnarbe Ruhe bis zum Frühjahr. Es sei denn, man gönnt seinen Pferden eine Winterweide - dafür  muss man dann aber das erste Grasaufkommen im Frühjahr opfern, denn beides geht nicht zusammen.

Die Weide, die Ruhe bekommen soll, wird vor dem Winter noch einmal abgeschleppt, damit aufgeworfener Boden bei Frost nicht unregelmäßig auffriert.

Bei der Winterweide muss man noch mehr als bei frischer Weide im Sommer auf eine gute Einzäunung achten - denn sowie das Futter auf der Weide nicht mehr schmeckt und die Pferde Langeweile bekommen, untersuchen sie die Zäune auf Lücken. Und wenn eine da ist, finden sie sie auch!


Futterumstellung

Die stundenweise Winterweide hat nicht nur den Vorteil, dass die Pferde sich auch bei schlechtem Wetter noch bewegen können - auf ihr steht meistens noch überständiges Gras, das den Pferden die Umstellung auf die "Trockenfütterung" im Winter erleichtert. Das überständige Gras ist meist hart und ein gutes Ballastfutter und somit als Zufutter für das noch frische diesjährige Heu geeignet, das man jetzt erst füttern darf.

Dreimal täglich sollte man Pferde in der Box unbedingt füttern. Es ist ja kein Geheimnis, dass der Pferdemagen relativ klein ist und nur wenig Futter aufnehmen kann. In der Box besteht aber immer die Gefahr, dass die Pferde das Futter schnell hinunterschlingen, was zu Koliken führen kann.

Bei Auslaufhaltung kann man zu zweimaliger täglicher Fütterung übergehen, weil die Pferde im Auslauf noch anderen Reizen ausgesetzt sind, die das ständige ununterbrochene Fressen verhindern (meistens jedenfalls...).


Ställe winterfest machen

Der November ist der letzte Termin dafür. Spätestens jetzt muss man prüfen, ob beispielsweise der Auslaufbelag, die Stalldächer und die Tränkleitungen den Unbilden des Winters standhalten. Nichts ist im Dezember oder Januar dann ärgerlicher als ein schwimmender oder spiegelglatt gefrorener Auslauf, zugefrorene Tränkleitungen und so weiter!


Die Pferde sind schon winterfest

Im November sind die Pferde mit dem Fellwechsel schon "durch". Robustpferde haben damit bereits im September begonnen und tragen schon ihre Wintermäntel. Stallpferde machen das Ganze gemäßigt - für sie besteht ja keine Notwendigkeit dafür.

Manche Pferdekörper reagieren aber noch nach dem alten Erbgedächtnis und bilden selbst im Stall ein dickes Winterfell heraus. Dann muss man sie scheren, denn ein Pferd mit dickem Fell im "warmen" Stall ist eine Tierquälerei. Außerdem kann man das Pferd - die Robusten aber auch - nicht so arbeiten wie im Sommer. Wobei sich natürlich die Frage stellt, ob man das wirklich unbedingt tun muss...

Viele Menschen wollen im Winter aber regelmäßig und intensiv reiten und scheren ihre Pferde daher. Es gibt verschiedene Schurfrisuren, je nach Zweck. Wichtig ist aber bei allen, dass das Pferd nach der Arbeit in Ruhe abkühlen kann, ohne sich zu unterkühlen. Im Offenstall ist das kaum möglich, in der Box geschieht das mit einer Abschwitzdecke und einer leichten Wolldecke nach dieser Phase.

Pferde in der Box grundsätzlich einzudecken ist Schwachsinn pur! Die Haut ist das größte Organ des Pferdes und sollte nicht völlig von Licht und Luft abgeschnitten werden. Dass dies Langzeitschäden für den ganzen Körper gibt, ist mittlerweile erwiesen.


Robuste Pferde haben's gut - ihre Besitzer schwer!

Robust gehaltenen Pferden macht auch das Novemberwetter nichts aus, wenn sie artgemäße Unterkünfte haben, d.h. mindestens einen trockenen Unterstand freizügig aufsuchen können. Da stehen sie dann auch bei Siffwetter oft mit dem ganzen Körper drinnen, Kopf nach draußen, um auch alles rundum mitzubekommen.

Wenn es dann noch regelmäßig Heu, Stroh, Mineralfutter und frisches Wasser gibt, brauchen sie eigentlich nicht mehr.

Alles das müssen ihre Besitzer ihnen aber hinschleppen - und somit beginnt für sie ab jetzt die harte Zeit. Gummistiefel gehören zur Standardausrüstung, ebenso wie  Friesennerze oder Wachsmäntel. Lauter vermummte Gestalten sieht man jetzt über die Weiden laufen, manchmal fluchend die Schubkarren mit den Pferdeäpfeln vor sich hinschiebend, denn die meisten Pferde äpfeln nun mal nicht in ihren Unterstand, der auch der nächtlichen Ruhe gilt, sondern in die davon entfernteste Ecke. November ist der Monat, wo der Robustpferdehalter sich fragt, warum er das alles macht, denn mit dem Reiten ist es jetzt auch nicht das Wahre: Tagsüber regnet es, und abends ist es sowieso schon ganz früh dunkel!


Auch Stallpferde brauchen Licht und Luft

Auch den aufgestallten Pferden sollte man ab November eine Stunde freies Laufen in einem Paddock gönnen. Ganz verpimpelten zur Not mit einer gut sitzenden Decke - das ist immer noch besser als gar nicht laufen zu dürfen.


Übrigens...

... nächsten Monat ist Weihnachten! Denkt schon mal über die Weihnachtsgeschenke für eure Reiterfreunde nach!

Uta Over


Atypische Myoglobinurie –

die rätselhafte Weidekrankheit


Atypische Myoglobinurie, das ist „atypischer Kreuzverschlag“. Die Krankheit ist zwar selten, aber häufig tödlich. Die Krankheit tritt bei kühler Witterung auf, meistens im Herbst. Die Temperaturen liegen unter oder nur leicht über dem Nullpunkt, betroffen

sind nur auf der Weide lebende Pferde. Befallen werden auch Pferde, die durchaus

gefrorenes oder kaltes Gras gewöhnt sind, wie Islandpferde und viele robust gehaltene Pferde. Die Vermutung einer Unverträglichkeit gerade des gefrorenen Grases bei Pferden, die das nicht gewohnt sind, kann man also ausschließen.

Vor allem junge Pferde sind betroffen, die nicht im Training stehen.

Auffällig ist das Ansteigen der Erkrankungen nach bestimmten Witterungsverhältnissen: Lang anhaltender Regen im Herbst, danach plötzliche Temperaturstürze und einsetzender Frost.

Die genauen Ursachen sind bis heute nicht sicher bekannt. Verschiedene Theorien gehen von Giften aus, die sich unter bestimmten Witterungsbedingungen in Pflanzen oder auch Pilzen bilden können. Auch Feuchtigkeit und Herbstlaub könnten neben den niedrigen Temperaturen eine Rolle spielen.


Die Symptome

Myoglobinurie ist ein anderes Wort für Kreuzverschlag. Und so sind auch die Symptome:

Die Pferde sind plötzlich steif, teilweise bewegungsunfähig, oder sie haben Krämpfe. Sie setzen rot-braunen bis schwarz-braunen Harn ab, schwitzen stark, zittern, haben hohes Fieber und ganz offensichtlich Schmerzen. Puls und Atem sind sehr hoch. Manche Pferde liegen fest und wollen/können nicht mehr aufstehen.


Was tun, wenn?

Man darf die Pferde in keinem Fall zum Aufstehen bewegen, sie sollen ruhig liegen bleiben und müssen möglichst warm gehalten werden (Decke darüber legen).

SOFORT (!) den Tierarzt rufen und den absoluten Notfall deklarieren. Eine Myglobinurie ist mindestens so eilig wie eine Kolik, wenn nicht eiliger, denn in jeder Minute sterben weitere Muskelzellen ab, die niemals wieder ersetzt werden können.

Im Gegensatz zur Kolik darf das Pferd während der Wartezeit etwas fressen und trinken.

Man sollte einen Hänger bereit stellen, denn in den meisten Fällen ist es sinnvoll, das Pferd wegen der optimalen Versorgung und Überwachung in eine Klinik zu transportieren.


Die Prognose

Sie ist nicht besonders gut. Viele der erkrankten Pferde sterben innerhalb von 24 Stunden nach Auftreten der Symptome. Die überlebenden Pferde haben eine lange Genesungszeit, die oft bis zu einem Jahr dauert.

Danach sind sie meistens nicht mehr so leistungsfähig wie vor der Krankheit. Häufig tritt eine Herzmuskel-Schwäche auf, die nicht mehr zu beheben ist.

Mit einem Wort: Völlig heilbar ist die Krankheit nicht, die zerstörten Zellen werden nicht mehr aufgebaut.


Wie kann man vorbeugen?

Absolut sicheren Schutz bietet nur Boxen- und Paddockhaltung im Winter. Auf die Winterweide dürfen die Pferde dann nur zum Austoben und müssen sofort herein geholt werden, wenn sie zu grasen beginnen.

Bei Weidehaltung sollte jetzt im Herbst trockenes Heu zur Verfügung stehen, etwa in einer überdachten Heuraufe. Ein Mineralfutter unterstützt zusätzlich den Stoffwechsel. Giftpflanzen müssen bekämpft werden. Gerade im Herbst sollten Weiden mit viel Laub gemieden werden, also etwa Waldränder. Auch besonders feuchte Stellen werden besser ausgezäunt. Die Krankheit tritt häufig auf Flächen auf, die schon lange als Pferdeweide genutzt und knapp abgefressen wurden. Es kann daher sinnvoll sein, die Weiden regelmäßig zu schonen und zu düngen und darüber hinaus die Pferdeäpfel abzusammeln. Getränkt wird am besten mit Leitungswasser. Flächen, auf denen bereits Erkrankungen auftraten, sollten nur im Sommer beweidet und von Herbst bis Frühjahr gemieden werden.

Die Krankheit tritt erfahrungsgemäß regional auf. Pferdebesitzer sollten sich bei ihrem Tierarzt erkundigen, ob und wann Fälle von atypischer Myoglobinurie in ihrer Gegend aufgetreten sind und entsprechend handeln. Die Krankheit ist selten, aber wenn sie auftritt, ist sie so ernst zu nehmen, dass man sich ruhig vorher informieren sollte.


Zur Diskussion:

Pferdeflüsterer: Anleitung oder Anregung?


Deutlich wahrzunehmen sind sie ja inzwischen schon, die Pferdeflüsterer, schließlich trifft man sie überall: in Zitaten, in Lehrmethoden, in Gesprächen... Und das ist ja eigentlich auch gut so. Schließlich hat sich nicht zuletzt auch durch diese sogennanten Pferdeflüsterer ein Wandel in den deutschen Ställen vollzogen. Natürlich sind die Lehrinhalte dieser Menschen umfangreich und unterschiedlich, doch eines scheint bei allen Richtungen im Vordergrund zu stehen, und dies ist: mehr Verständnis für das Pferd aufzubringen. Anstatt dass es als selbstverständlich angesehen wird, dass sich das Pferd dem Menschen anpasst, wird hier verstärkt darauf hingearbeitet, dass man sich den Pferden nähert und nicht umgekehrt. Hierzu werden die Pferde genau studiert, und es soll versucht werden, eine Form der Verständigung zu wählen, die dem Pferd besser und schneller deutlich macht, was man von ihm fordert.

Nicht, dass nicht auch schon andere Reitlehren auf genau diese Punkte eingegangen wären; schließlich kannten auch schon die klassischen Reitmeister die Pferde ganz genau und konnten oft schon genauso faszinierend gut mit ihnen umgehen wie heute die Pferdeflüsterer, doch bei eben diesen wird es einfach noch viel mehr propagiert.

Wie schon gesagt: Nicht das Pferd muss auf uns zukommen, sondern wir auf das Pferd. Also müssen wir Wege finden, um uns mit diesem Tier zu verständigen, und genau diese Wege wollen sie uns nun zeigen: die Pferdeflüsterer. Doch irgendwie scheint genau das nicht immer so gut zu klappen, denn auch seitdem es so wahnsinnig modern geworden ist, einen Pferdeflüsterer als Vorbild zu haben, kann man in vielen Ställen immer noch Pferde und Menschen sehen, deren Verständigung alles andere als gut läuft. Was geht also schief auf den Spuren der Pferdeflüsterer?


Kritiklose Übernahme

Ein Problem ist sicherlich die absolute und kritiklose Übernahme von bestimmten Methoden:

Viele Pferdebesitzer nehmen sich einfach ein Buch von so einem Pferdeflüsterer und lesen dies wie eine Anleitung. Mit dieser Methode werden allerdings viele sehr schnell sehr enttäuscht. Dabei ist es nun wirklich nicht verwunderlich, wenn es hier schwierig wird. Zwar geben Pferdeflüsterer je nachdem durchaus eine Anleitung, doch sind die Schritte immer auf eine ganz bestimmte Situation bezogen und keinesfalls prinzipiell allgemein gültig.

Zum Beispiel kenne ich eine Person, welche von einem wunderschönen Seminar nach Hause kam, auf welchem sie gelernt hatte, dass ein Pferd am besten rückwärts geht, wenn man selber leicht gebeugt an seiner Seite ebenfalls rückwärts geht. Als sie ihre neue Technik nun endlich am eigenen Pferd ausprobieren wollte, erntete sie nur einen erstaunten Blick - und dabei hatte es bei den Pferden auf dem Seminar so gut geklappt!

Doch was sie dabei völlig außer Acht gelassen hatte, war Folgendes: Wenn ich mein Pferd schon lange Zeit habe, dann habe ich mit diesem auch ganz automatisch schon eine bestimmte Form der Verständigung entwickelt. Es mag ja sein, dass ein Pferd, welches noch nichts anderes kennt, aufgrund dieser Technik viel schneller versteht, was ich denn nun eigentlich von ihm möchte. Wenn mein Pferd jedoch seit Jahren genau in dem Moment rückwärts geht, in dem ich vor ihm stehe und „zurück“ sage, kann es von dieser neuen Technik wirklich nichts anderes als verwirrt sein. Dieses Pferd kennt mich ganz genau, es kennt meine Körpersprache und meine Kommandos. Mit der Zeit lernt man sein Pferd und dieses einen selber gut kennen. Das Erlernen einer Verständigungs-Methode hat also schon lange stattgefunden.

Wenn man jetzt mal von dem Fall ausgeht, das dieses Verhältnis eigentlich sehr gut klappt und man keine großen Schwierigkeiten mit seinem Pferd hat, warum sollte man sein Verhalten dann auf einmal ändern? Und auch wenn die eigenen Kommandos nicht die geschicktesten sind und auch nicht diejenigen, die ein Pferd am besten versteht, weil sie der Pferdesprache am besten angepasst sind, so sind es doch Kommandos, welche mein Pferd inzwischen gelernt hat und versteht. Wenn man nun partout darauf besteht, sich genau nach dieser neuenMethode zu richten, wird man die Verständigung zu seinem Pferd zunächst eher verkomplizieren.

Der Fehler von einigen Pferdebesitzern liegt also darin, all das, was man sich mit seinem Pferd schon aufgebaut hat, zu vergessen, nur um ihrem Idol nachzueifern.

So ist es meiner Ansicht nach auch ziemlich unsinnig, lediglich aus Prinzip mit Dominanztraining zu beginnen, wenn dies eigentlich nicht nötig wäre. Tatsächlich müssen in letzter Zeit erstaunlich viele völlig brave Pferde Dominanztraining absolvieren, obwohl sie ihren Besitzer schon lange als Chef akzeptieren.

Wenn dies in den Büchern beschrieben wird, geht es dort in den meisten Fällen um ein junges Pferd und somit um den neuen Aufbau einer Pferd-Mensch-Beziehung und nicht um eine schon bestehende unkomplizierte Beziehung. Hier ist die Dominanz eben schon lange auf die eine oder andere Art geklärt worden, und sofern nicht gerade das Pferd der Gewinner dieser Auseinandersetzung war, besteht eigentlich auch kein echter Grund, hier ohne besonderen Anlass zu trainieren. Vielmehr sollte man hier vorsichtig sein, ein Pferd, welches einem vertraut, plötzlich durch die Bahn jagen zu wollen. Je nachdem, wie man dies nämlich anstellt, kann man hier schon mal leicht mehr zerstören als aufbauen.


Zwischen den Zeilen lesen

Dann bleibt natürlich auch immer die Frage: Warum eigentlich Pferdeflüsterer? Hat dieser Ausdruck tatsächlich etwas mit flüstern zu tun? Darf ich mich denn ab jetzt nicht mehr normal mit meinem Pferd unterhalten? Muss ich jedes mal vorher um Ruhe bitten, damit mein Pferd überhaupt mitbekommt, was ich von ihm möchte? Natürlich nicht. Hinter diesen Methoden soll vielmehr der ruhige und bedachte Umgang mit dem Pferd stecken.

Doch seit dieser Begriff im Raum steht, wird man schon schief angesehen, wenn man einmal mit seinem Pferd schimpft oder es sogar straft. Mit seinem Pferd so umzugehen, ist absolut verpönt, und wer mit seinem Pferd nicht flüsternd zurechtkommt, der ist so oder so ein völliger Versager!

Verwunderlich ist diese große Aufregung gerade deshalb, weil eben bei jedem dieser Pferdeflüsterer etwas über Dominanztraining zu lesen ist.... Was soll das denn bitte sein? Wird beim Dominanztraining auch nur geflüstert? Wohl kaum. Natürlich wird in den entsprechenden Büchern und Seminaren eine sehr vernünftige Form des Dominanztrainings beschrieben, etwa das Scheuchen in einem Round Pen, was den Rangkämpfen in der Herde nachempfunden sein soll. Diese Methoden sind ja auch wirklich gut, und sie funktionieren, sofern man sie richtig macht, fantastisch. Doch was werden diese Menschen wohl machen, wenn gerade keine Longe, keine Longierpeitsche und kein Round Pen in der Nähe ist und das Pferd dennoch beschließt, genau in diesem Augenblick das Dominanzverhältnis zwischen sich und dem Menschen neu zu diskutieren - flüstern? Ich glaube nicht.

Natürlich ist Dominanztraining eine notwendige und gute Sache, doch ist es leider nicht immer mit einer durchdachten und geplanten Aktion getan, sondern man muss bereit sein, das Dominanzverhältnis jederzeit zu klären bzw. zu festigen. Nicht mit Brutalität und unnötiger Strenge, jedoch nachdrücklich und in jeder Situation.

Dies sind Dinge, die bestimmt jeder Pferdeflüsterer genau weiß und sicher auch anwendet, nur einigen der Nacheiferer scheint dieses Prinzip noch nicht klar zu sein. So züchten sie sich dann Pferde heran, welche nur zu genau wissen, in welchen Situationen sie sich besser benehmen sollten und in welchen sie so ziemlich das tun können, was ihnen gefällt.


Die richtige Auswahl

Auch sollte einem die große Anzahl an Pferdeflüsterern merkwürdig vorkommen, die da plötzlich wie Pilze aus dem Boden schießen. Langsam wird es wirklich schwierig, die seriösen von den unseriösen zu unterscheiden, vor allem da sich auch noch die meisten an irgendwelche großen Namen anlehnen. Und wenn einem dann noch jemand erzählt, er könne jetzt ein Seminar leiten, nur weil er selber schon mal eines besucht hat, dann sollte man spätestens jedes Vertrauen verlieren.

So werden dann auch die Methoden des Flüsterns immer vielfältiger, und in vielen Fällen ist es sinnvoller, sich auf altbewährte Dinge zu verlassen, bevor man anfängt, mit Heubändern vor seinem Pferd herumzuwedeln, weil das jetzt die neueste und beste Methode sein soll, um die Dominanz zu klären. Dabei ist dies in Wirklichkeit wahrscheinlich nur die neueste und beste Methode, um Fliegen zu verscheuchen...

Also nicht altes Wissen über Bord werfen, sondern dieses sinnvoll ergänzen, und Wissen nur von Menschen annehmen, die dieses auch haben.


Immer noch spontan reagieren können

Richtig gefährlich kann es sogar werden, wenn man aufgrund dieser Methoden die Fähigkeit verliert, selber spontan auf die Pferde, mit denen man gerade umgeht, reagieren zu können. Wenn erst einmal im Gedächtnis nach dem richtigen Weg gefahndet werden muss, dann ist in den meisten Fällen der richtige Zeitpunkt, zu reagieren, schon lange vorbei.

Jedes Pferd ist anders, auch das muss man lernen. Solange man mit Lebewesen umgeht, wird es niemals eine Anleitung, sondern höchstens Hilfen und Anregungen geben.

Wo man bei einem Sensibelchen noch mit echtem Geflüster weiterkommt, da kann man bei einem eher stur veranlagtem Pferd ganz schnell in eine sehr ungünstige Dominanzlage kommen. Auch das Dominanztraining selber muss den Pferden angepasst sein:

Manchmal reicht die im Buch beschriebene Technik gerade mal aus, um mein Pferd erstaunt mit den Ohren wackeln zu lassen; doch wenn man es mit einem ganz speziellen Fall von Sensibelchen zu tun hat, kann selbst die beschriebene Methode zu viel sein.

Die richtige Einschätzung von Pferden und der damit verbundene richtige Umgang mit diesen muss also immer noch als Erfahrungswert durch genaue Beobachtung selbst erlernt werden. Hier eine Lehre als Hilfe zu nehmen ist in Ordnung, doch diese wird mir meine Erfahrungen und die hierfür notwendige Zeit, welche ich selber mit den unterschiedlichsten Pferden verbringen muss, nicht ersetzen können.

Wenn man diese Pferdeflüsterer einmal live sehen kann, ist dies oft ein faszinierendes Erlebnis: Genau so möchte man auch mit seinem Pferd umgehen können, genau diese Methode möchte man erlernen. Dabei läuft man jedoch schnell Gefahr, die Bedeutung des Menschens hinter der Methode zu übersehen, welcher häufig einen Großteil der Faszination ausmacht. Hierbei handelt es sich nämlich in den meisten Fällen um einen gewachsenen Pferdemenschen, der mit Pferden eben so wahnsinnig gut umgehen kann, weil er sich diese Fähigkeiten und seine ganz besondere Beziehung zu Pferden in vielen Jahren erarbeitet hat.

 Natürlich kann man von diesem Menschen etwas lernen, jedoch nicht das Gefühl für Pferde, sondern höchstens den Weg dorthin. Wenn man viele dieser Lehren einmal genauer anschaut, vermitteln einem diese eigentlich auch genau das: „Lerne Pferde zu verstehen und mit ihnen umzugehen!”


Also:

Pferdeflüsterer - eine Anleitung? In meinen Augen nicht. Man kann ganz sicher von den wahren und guten Pferdeflüsterern eine Menge Wissen mitnehmen, doch wenn ich daraufhin alles andere verdamme, dann verliere ich mehr als ich gewinne. Da ist keine einzig und allein gültige Methode, mit Pferden umzugehen - wie bereits gesagt, kann es so etwas auch gar nicht geben -, da sind nur weitere positive Ansätze, mit denen auseinanderzusetzen sich genauso lohnt wie mit allen anderen positiven Ansätzen auch. Wer einem anderen Menschen, und sei er noch so fesselnd, gedankenlos nacheifert, nimmt sich meiner Meinung nach die Chance, seinen ganz eigenen (und wer weiß, vielleicht sogar noch besseren!) Weg zu finden.

Katinka Schnitker


Zum Wiehern: Reiten mit Pferd und Hund - oder:

Wer keinen Stress hat, macht sich welchen!


Neulich beschloss ich, von Ehrgeiz ergriffen, mit Pferd und Hund zusammen auf den Platz zu gehen. Anlass zu dieser Idee war meine bisherige Reiterfahrung mit den beiden: Da mein Hund sich in dem Glauben befindet, dass jedermann ständig auf ihn achtet, hatte er keinerlei Hemmungen, mein Pferd in jedem Tempo zu schneiden oder sich mitten auf den Weg zu setzen, um sich genüsslich hinter dem Ohr zu kratzen, während mein Pferd in vollem Tempo auf ihn zugaloppierte.


Nicht gerade ein ruhiger Ritt

Da die unbestrittene Sturheit meines Pferdes das Niedertrampeln von kleinen Hunden nicht mit einschließt, endeten solche Situationen entweder mit einem waghalsigen Sprung zur Seite, wo Gräben, Zäune oder Bäume lauerten, oder mit einem Stopp, um den uns manches Westernpferd beneiden würde. Da mich beide Reaktionen gleichermaßen in Gleichgewichtsprobleme brachten, kam ich zu dem Schluss, dass wir Übung nötig hätten, und so landeten wir schließlich alle auf dem Reitplatz.


Ein erfolgversprechender Plan ...

Meine Idee war nun folgende: Beide sollten auf einem Zirkel frei laufen und dabei lernen, nebeneinander zu gehen und aufeinander zu achten. Dazu trennte ich den Reitplatz durch Cavalettis in zwei Hälften und ließ mein Pferd auf dem Zirkel traben.

Nach fünf Minuten, in denen sich der Hund ständig Zentimeter vor, neben oder hinter den Hufen befand, war mein Pferd genervt, mein Hund gutgelaunt und ich einem Nervenzusammenbruch nahe. Irgendwann gab mein Pferd den Versuch, das kläffende Etwas an seinen Hufen zu ignorieren, auf und rettete sich über ein Cavaletti in die andere Hälfte des Platzes, wo es in einer Ecke zu fressen begann.


... und seine erfolglose Ausführung

Bevor ich Zeit hatte, quer über den Platz zu laufen, um mein Pferd zu erreichen, hatte sich der Hund (von plötzlicher Langeweile ergriffen) einen Ast geschnappt und stürmte an mir vorbei auf das Pferd zu. In voller Fahrt schlug der Ast gegen die Hinterbeine meines Pferdes, woraufhin dieses, sich nun doch stark angegriffen fühlend, empört die Flucht ergriff und über den Platz fegte. Der Hund stürzte völlig begeistert von der neuen Wendung des Spiels mit dem Ast in der Schnauze hinterher, und während die beiden eine wilde Jagd um den Platz und über die Cavalettis veranstalteten, stand ich in der Mitte und war damit beschäftigt, abwechselnd Hund und Pferd anzuschreien. Als dies nicht die geringste Wirkung zeigte und mein Pferd langsam von Panik ergriffen wurde, eilte ich ihm durch Sand und über Cavalettis zu Hilfe und versuchte, den Hund samt Ast zu fassen zu kriegen. Schließlich erwischte ich ihn in einer Ecke, und schon nach fünfminütigem Kampf gelang es mir, den Ast in meine Gewalt zu bekommen und außer Reichweite zu schaffen. Inzwischen hatte mein Pferd sich wieder beruhigt und schien auch keinen bleibenden Schaden genommen zu haben.


Zwar hat sich das Verhältnis der beiden an diesem Tag nicht gerade verbessert, und mein Hund hat auch nicht mehr gelernt, als dass man mein Pferd (solange man bewaffnet ist) wunderbar jagen kann, aber dafür ist mein Pferd selten so schön über Cavalettis gesprungen!

Katinka Schnitker


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