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Durchgehende Pferde - Stall ist nicht gleich Stall - Wenn der Tierarzt kommt - Die Reitbeteiligung - Zum Wiehern! Mein Traumpferd


Equikids Ausgabe 10/2010


* Durchgehende Pferde, Teil I:
Wenn es kein Halten mehr gibt ...


Wenige Meter vor der stark befahrenen Bundesstraße gelang es dem Reiter schweißgebadet und am Ende seiner Kräfte schließlich doch irgendwie, sein ebenfalls pitschnasses Pferd anzuhalten. Aus einem geplanten kurzen Galopp war ein unkontrolliertes Davonrennen geworden. Ein anderer Reiter musste sich bereits im Trab geschlagen geben. Sein Pferd übernahm die Führung und bestimmte Tempo und Ziel, ohne sich die Mühe des Angaloppierens zu machen. Dieser Reiter schlidderte haarscharf an Spaziergängern mit Kinderwagen oder fahrenden Autos vorbei, ohne dass sein Pferd erkennbare Notiz von seinen Bemühungen zum Durchparieren genommen hätte. Der nächste Reiter hatte gedacht, im Schritt sei er sicher vor derlei Gefahren. Sein Pferd belehrte ihn eines Besseren. Ohne sich im geringsten um seine Hilfen zu kümmern, zog es im ruhigen, aber bestimmten Schritt davon.
Alle drei Pferde sind "durchgegangen". Sie haben sich dem Einfluss ihres Reiters entzogen, womit sie ihn und sich in ernste Gefahr brachten. Trotzdem sind sie deutlich in verschiedene Kategorien aufzuteilen. Die Beweggründe für ihr Verhalten und die dazugehörenden Korrekturmöglichkeiten werden daher getrennt aufgezeigt.

Durchgehen im Galopp

Die Ursachen


Für ein Davonlaufen im unkontrollierten Galopp gibt es verschiedene Ursachen. Übermut und Gehfreude sind eine davon, Angst, Hysterie und Panik eine andere. Im ersten Fall entwickelt sich das Durchgehen meistens aus einem durchaus geplanten Galopp im Gelände. Die Rasse, die Persönlichkeit und der Trainingszustand des Pferdes spielen dabei eine große Rolle. Im anderen Fall entsteht der Galopp als Flucht vor einer plötzlich registrierten Gefahr aus jeder beliebigen Gangart oder sogar dem Halten heraus. Eine bewusste Widersetzlichkeit gegen den Reiter als Ursache für ein Durchgehen im Galopp halte ich für sehr selten. Sie entsteht meines Erachtens nach als Folge-Ursache. Ein typisches Beispiel dafür ist, wenn der Reiter hinter einer Gruppe zurückbleibt. Vor dem Wunsch, sich mit dem Reiter zu streiten, steht beim Durchgehen hier eher die Angst, allein zurückzubleiben (und damit "den Raubtieren hilflos ausgeliefert zu sein").

1. Die "Rennpferde"
Wer einem stark blutgeprägten oder bekannt lauffreudigem Pferd in hervorragender Kondition ein freies Feld zum Galoppieren anbietet, spielt von vornherein mit der Möglichkeit, dass dieses Tier die Kraft seiner Beine und Lungen einmal so richtig spüren möchte. Dabei geht es auch ihm weniger darum, sich dem Reiter zu widersetzen, als einfach seinem Bewegungsdrang nachzukommen. Eine andere Situation ergibt sich aus dem Galopp in der Gruppe. Wenn mehrere ehrgeizige Pferde aufeinander treffen, geraten die Reiter schon einmal unfreiwillig in ein Rennen, bei dem sich die Läufer gegenseitig immer wieder anheizen. Ist es dem einen Reiter gerade gelungen, sein Pferd etwas zu zügeln, überholt ihn vielleicht das andere. Erneut ist es mit der Einwirkung des Reiters vorbei, da sein Tier eben auch vorne sein will.

2. Die Ängstlichen
Als Fluchttier geboren, ist es für viele Pferde schwer, ihre Ängste in unbekannter Umgebung und freiem Gelände zu kontrollieren. Große Steine, hinter denen Raubtiere lauern könnten, knackende Äste, die das Anschleichen des Feindes verraten, Wasserquerungen, deren Tiefe man nicht kennt, und unzählige andere Dinge erhöhen ihre Nervenanspannung bei einem Ausritt bis an die Grenzen. Und bei einer dieser Gefahrenquellen wird dann eben die Grenze überschritten: Das Tier saust in planloser Flucht davon. Fällt der Reiter gar herunter, wird die Angst des Pferdes noch verstärkt, denn es muss annehmen, dass ein Raubtier neben ihm gelandet ist. Weiter kommt dazu, dass schon der schnelle Galopp an sich ein Pferd in Panik versetzen kann; die Wirkung wird wieder zur Ursache. Das erschwert es dem panischen Pferd ungemein, sich wieder beruhigen zu lassen oder gar von sich aus wieder zur Ruhe zu kommen. Es achtet oft nicht mehr darauf, wohin es flüchtet, oder ob es den Anstrengungen des schnellen Galopps kräftemäßig überhaupt noch gewachsen ist. Die Gefahren für Reiter und Pferd sind in diesem Fall nicht mehr abzuschätzen.

Das "Soforthilfe-Programm"


Wenn auch die Ursachen unterschiedlich sind, so ist die Situation in beiden Fällen doch recht unangenehm. Einmal hinein geraten, ist es jetzt oberstes Gebot, sie zunächst gesund zu überstehen. Das bedeutet,
der Reiter darf auf gar keinen Fall selbst in Panik geraten, alles wegschmeißen, sich ans Pferd klammern oder anfangen zu schreien! Er sollte vielmehr folgendermaßen vorgehen:

1. Den Überblick behalten, um eventuelle Gefahrenquellen, wie z. B. Sumpflöcher, Zäune, Bäume, Straßen frühzeitig zu erkennen.

2. Im leichten Sitz bleiben und sich mit festen Knien und tiefen Unterschenkeln sichern.

3. Versuchen, freies Gelände zu erreichen und dort das Pferd in die Runde lenken, wobei auf gar keinen Fall der Außenzügel losgelassen werden darf. Bei anstehendem Außenzügel wird das Pferd in eine immer enger werdende Spirale nach innen gelenkt. Dazu kann es durchaus nötig sein, den Innenzügel praktisch kurz hinter dem Trensenring anzufassen, um dem im Renngalopp besonders festen Hals des Pferdes überhaupt genügend Kraft entgegen setzen zu können. Solange der Außenzügel das Pferd dabei weiterhin gut abfängt, wird es nicht die Gefahr des Sturzes in der Wendung geben. Natürlich muss die Kurve dem Tempo angepasst sein. Niemand sollte sein Pferd im Renntempo in eine 10m-Volte lenken! Am Ende einer vorsichtigen Spirale aber wird das Pferd anzuhalten sein.

4. Wer durch einen an den Seiten begrenzten Weg zu weiterem Geradeaus gezwungen ist, sollte ebenfalls als Erstes die Nerven bewahren und sich nicht durch ein ununterbrochenes Ziehen an den Zügeln völlig verausgaben. Das Einfangen eines geradeaus stürmenden Pferdes ist sicher die schwierigste Anforderung, aber nicht unmöglich. Wer jedoch ständig beide Zügel annimmt, heizt sein Pferd unter Umständen noch besonders an; Druck erzeugt Gegendruck. Das heißt: Ein Pferd, das aus Panik flüchtet und dann noch gegen diesen Druck im Maul ankämpfen muss, erlebt eine zusätzliche Steigerung seiner Angst, weil man ihm nicht erlauben will, vor der Gefahr zu fliehen. Die Lösung liegt im altbewährten Annehmen und Nachgeben. Allerdings sind jetzt nicht die feinen Hilfen der Dressurarbeit gefragt. In solchen Notfällen muss schon einmal die gröbere Variante gewählt werden. Ein besonders gut trainierter Reiter schafft es, jeweils beide Zügeln für einen Moment deutlich (also ruhig um 20 – 30 cm) zu verkürzen. Wichtig ist, dass er sofort wieder nachgibt, um dann erneut stark zu verkürzen. Durch dieses Wechselspiel wird er mit der Zeit die Aufmerksamkeit seines Pferdes wieder erringen, ohne eine Gegenwehr zu provozieren. Hört das Pferd dem Reiter wieder zu, kann er langsam zu feineren Hilfen übergehen, ohne aber das Nachgeben zu vernachlässigen! Ein weniger kräftiger oder wenig routinierter Reiter hat folgende Möglichkeit: Die eine Hand fast ihren Zügel so kurz wie möglich. Dann sichert der Reiter den Zügel dieser Hand, indem er die Hand mit gespanntem Zügel auf dem Mähnenkamm des Pferdes aufstützt und, wenn möglich, noch ein Büschel Mähnenhaare mit festhält. Damit ist die Muskelanstrengung dieses Armes stark reduziert bei trotzdem anstehendem Zügel. Der andere Arm arbeitet in Intervallen, indem er, genau wie oben beschrieben, kurz stark annimmt und dann gleich wieder nachgibt. Auf diese Weise kann auch ein schwacher Reiter längere Strecken durchhalten, ohne einfach aus Kräftemangel die Zügel "sausen zu lassen". Auch er wird durch die – wenn auch einhändigen – Signale die Aufmerksamkeit seines Pferdes wieder erringen und somit in der Lage sein, langsam zu normalen Hilfen überzugehen. Am Ende werden beide Reiter ihr Pferd anhalten können.

Nerven behalten und Kommunikation wieder aufbauen:
Wichtig ist in allen Fällen, die Nerven zu behalten. Natürlich gibt es Situationen, in denen es nicht ausreicht, erst in 500m zum Halten zu kommen. Und natürlich müssen dann alle Kräfte mobilisiert werden, um ein Unglück zu vermeiden. Vielleicht muss zwischen zwei Übeln das Kleinere gewählt werden, doch allein für eine solche Wahl braucht es viel Überblick. Klar machen sollte sich jeder Reiter, dass die Kraft eines flüchtenden Pferdes in jedem Fall größer ist als die eines Menschen. Es geht also weniger um den recht aussichtslosen Versuch, das Pferd zum Anhalten zu zwingen, als vielmehr darum, seine Panik durch Signale zu unterbrechen. Dann kann der Reiter die Kommunikation wieder aufbauen und zum Normalzustand zurückfinden.

Diese Soforthilfe kann die Situation zunächst retten. Wichtig ist jedoch, langfristig daran zu arbeiten, solche gefährlichen Situationen zu vermeiden. Wie das aussieht, lest ihr in der nächsten Ausgabe der Equikids Mitte November.

Ute Forler


* Stall ist nicht gleich Stall!


Die Vorfahren unserer Pferde führten alle ein freies, ungebundenes Leben im Freien. Dieses Leben war allerdings auch voller Gefahren, so dass schwache Tiere oft nicht überlebten. Heute sind Pferde gezähmt und werden von Menschen versorgt. So müssen sie sich nicht mehr selbst um ihre Ernährung kümmern, sie müssen keine Angst mehr vor Raubtieren haben, und im heutigen Straßenverkehr kämen sie frei sicher auch nicht so gut zurecht! Allerdings hat die Haltung von Pferden als „Haustieren“ auch so manche Einschränkung ihrer natürlichen Bedürfnisse zur Folge.


Welche Bedürfnisse hat ein Pferd?

Trotz jahrhundertelanger Domestizierung haben Pferde viele ursprüngliche Instinkte, Triebe und Verhaltensweisen behalten. Als Herdentiere sind sie auf Gesellschaft angewiesen; eine Pferdeherde bietet eine soziale Struktur, in der jedes einzelne Tier seinen Platz hat, so dass sie ihm Halt und Ruhe gibt. Als Fluchttiere sind Pferde Lauftiere, die sehr viel Bewegung brauchen und eigentlich auch darauf angewiesen sind, soviel Platz zu haben, dass sie tatsächlich wenigstens eine kurze Strecke „flüchten“ können, wenn sie sich erschrecken. Dies sind die beiden Grundbedürfnisse des Pferdes (natürlich abgesehen von so selbstverständlichen Dingen wie Nahrung, Schlaf etc.). Leider werden gerade diese Grundbedürfnisse bei der Haltung von Pferden am häufigsten vernachlässigt! Eng abgeschlossene Boxen verhindern jedes Miteinander sogar von Pferden, die nebeneinander stehen. Weidegang ist oft nicht möglich, so dass als Bewegung vielfach nur eine Stunde Reiten am Tag bleibt, wobei freie Bewegung völlig fehlt. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, seinem Pferd ein pferdegerechtes Leben zu bieten!


Des Menschen Freude ...

Ein Pferdebesitzer, der den Stall seines Pferdes nach seinen eigenen Gesichtspunkten auswählt, landet sicher bei einer Boxenhaltung mit angegliederter Reithalle, günstiger Verkehrsanbindung und im Preis enthaltenem Füttern und Ausmisten. Jeder, der schon einmal im strömenden Regen durch Schlamm und Pfützen hinter einem Pferd hergelaufen ist, um es von der Weide zu holen und nach halbstündigem Trocknen mindestens eine Stunde lang zu putzen, nur um dann festzustellen, dass er jetzt keine Zeit mehr zum Reiten hat, weiß diese Haltungsform zu schätzen!

Hier nimmt das Putzen normalerweise nicht viel Zeit in Anspruch, da die Pferde in der Box einfach nicht so viel Gelegenheit haben, sich dreckig zu machen, und das Einfangen spart man sich auch. Allerdings bieten solche Ställe oft keine Gelegenheit, sein Pferd auf die Weide zu stellen; bestenfalls kann man das stundenweise selber tun, und dazu fehlt oft die Zeit. So stehen solche Pferde oft bis zu 23 Stunden pro Tag im Stall - und das ist natürlich überhaupt nicht pferdegerecht! Da die Boxen oft höchstens Sichtkontakt zu Artgenossen zulassen, kommt diese Haltungsform einer Isolationshaft nahe. Doch wer sich Mühe gibt, kann auch hier einiges tun, um sein Pferd ein bisschen glücklicher zu machen!


Freie Bewegung tut immer gut

Falls es die Möglichkeit gibt, sein Pferd zum Beispiel mit Artgenossen in einem Paddock frei laufen zu lassen, sollte sie auf jeden Fall genutzt werden. Und auch ohne Gesellschaft ist freie Bewegung eine Wohltat für jedes Pferd! In der Box kann es sich normalerweise ja gerade mal umdrehen, und unter dem Reiter darf es auch nicht herumtoben.

Besteht diese Möglichkeit nicht, ist ein Spaziergang mit dem Pferd immer noch entspannender als immer nur Training unter dem Reiter. Etwas Ausgleich zu der Langeweile in der Box und der Konzentration unter dem Reiter sollte schon sein.

Auch in der Box kann die Langeweile etwas gemindert werden. Falls es die Möglichkeit gibt, Fenster oder Türteile zu öffnen, so dass das Pferd herausgucken kann, ist das schon mal gar nicht schlecht. Ansonsten kann das Pferd auch einen großen Ast zum Knabbern bekommen, so dass es beschäftigt ist (in der Natur beschäftigen sich Pferde den ganzen Tag mit Fressen!). Und auch „Spielzeug“ für Pferde wird im Fachhandel vermehrt angeboten. Aber alles in allem kommt man nicht drum herum: Diese Haltungsform ist zwar prima für den Menschen, der dadurch alle mögliche Bequemlichkeit hat, aber sie entspricht den Bedürfnissen unseres Pferdes kaum.


Der Kompromiss

Es gibt ihn, den Kompromiss zwischen unserer Bequemlichkeit und der Zufriedenheit unseres Pferdes! Gerade in etwas ländlicheren Gegenden bieten viele Landwirte die Möglichkeit, Pferde so unterzustellen. Mehr und mehr schließen sich glücklicherweise auch größere Reitställe diesem Trend an. Hier stehen die Pferde zwar oft nachts in der Box, kommen aber tagsüber auf die Weide. Für Futter ist normalerweise gesorgt; dafür muss man vielfach selbst zur Mistgabel greifen (ja, ja, das kann schon recht anstrengend sein...!). Viele dieser Höfe bieten einen Reitplatz, aber oft keine Halle. Die Nachteile liegen auf der Hand: Bei schlechtem Wetter reitet es sich feucht bis gar nicht, im Winter auf gefrorenem Boden muss man auch oft passen. Und natürlich hat das Pferd tagsüber ausreichend Gelegenheit, sich im Schlamm zu wälzen; gerade im Winter kommt noch dazu, dass die Tiere hier ein dichteres Winterfell als in einem geschlossenen Reitstall entwickeln.

Doch vom Standpunkt des Pferdes aus sieht es hier schon viel besser aus: Für Gesellschaft und Bewegung ist gesorgt, selbst wenn der Reiter einmal nicht kommen kann. Andererseits hat jedes Pferd seine eigene Box, so dass es beispielsweise im Krankheitsfall problemlos versorgt werden kann. Da die Pferde jeden Tag mit den gleichen Artgenossen auf die Weide gehen, können sich soziale Strukturen bilden; Freundschaften und Abneigungen können ungestört ausgelebt werden. Natürlich birgt ein Streit unter Pferden auch ein gewisses Verletzungsrisiko, doch normalerweise geht es mit ein paar Schrammen ab, die das Pferd wesentlich weniger beeinträchtigen als Einsamkeit dies tun würde.


Des Pferdes Freude!

Die pferdegerechteste Lösung jedoch stellt die Gruppenhaltung im Offenstall dar. Und zwar  deshalb, weil hier die natürlichsten, pferdegerechtesten Bedingungen herrschen! Dabei gibt es durchaus Nachteile: Das Verletzungsrisiko ist relativ hoch, da Streitigkeiten 24 Stunden am Tag ausgetragen können; kein Pferd kann in seiner Box Ruhe vor eventuellen Querulanten genießen. Der Arbeitsaufwand ist relativ hoch, wenn man kein schlammiges Loch, sondern einen gepflegten Offenstall für sein Pferd wünscht. Die Fütterung muss stets kontrolliert werden, da die schwächsten Glieder der Herde sonst das wenigste Futter bekommen. Und dennoch: Trotz aller Nachteile können Pferde hier ihre Natur am besten ausleben, ihre Bedürfnisse werden hier nicht unterdrückt und eingeschränkt, sondern weitgehend zugelassen. Das ständige Miteinander der Herde schafft eine stabile soziale Struktur, in der jedes Pferd seinen Platz hat. Bewegung ist jederzeit möglich! Hier können sich Pferde so beschäftigen, wie es ihnen angemessen ist: Herumtoben, dösen, fressen, knabbern, streiten, gegenseitig Fellpflege betreiben - alles ist möglich. Natürlich ersetzt auch ein Offenstall nicht die „richtige“ Bewegung unter dem Reiter oder auf einer großen Weide; doch die Grundvoraussetzungen für ein glückliches Pferdeleben sind hier schon einmal gegeben.


Worauf muss geachtet werden?

Wer sein Pferd im Offenstall hält, ist dadurch allerdings nicht aller weiteren Verantwortung für das Wohlergehen des Tieres ledig! Im Gegenteil, gerade bei der Offenstallhaltung muss einiges beachtet werden. Das fängt schon bei dem Stall selbst an: Die Stand- und Liegefläche muss trocken und groß genug für alle Pferde sein. Sie sollte regelmäßig abgemistet werden. Falls aus der Standfläche ein schlammiges Loch wird, sind Erkrankungen wie Mauke zu befürchten.

Der Stall selbst sollte zur Wetterseite hin geschlossen sein, so dass es nicht hineinregnen kann. Die Futteraufnahme muss so organisiert werden, dass jedes Pferd reichlich Platz hat (sonst kommt mal wieder der Schwächste zu kurz). Für den Fall einer Verletzung oder Erkrankung sollte die Möglichkeit bestehen, einzelne Pferde von der Herde abzusondern und zu pflegen. Jeder Offenstall braucht daher auch einige Boxen für den Notfall.

Man sieht: Offenstallhaltung ist nicht die bequemste Art der Pferdehaltung! Doch der Aufwand lohnt sich, denn solche Pferde sind normalerweise wesentlich ausgeglichener als Pferde in Boxenhaltung.


Welches Pferd ist geeignet?

Es ist immer noch ein weit verbreiteter Irrtum, zu glauben, dass nur die sogenannten Robustpferde wie beispielsweise Norweger, Isländer oder Shetlandponys für die Offenstallhaltung geeignet sind. Tatsache ist, dass sich eigentlich beinahe jedes Pferd an die Haltung im Offenstall gewöhnen lässt! Edlere Pferde brauchen eventuell etwas länger für die Umstellung und haben natürlich einen entsprechend höheren Energiebedarf als ihre robusten Kollegen, doch auch sie fühlen sich normalerweise in einem Offenstall wohl. Im Gegensatz zu uns Menschen bevorzugen Pferde bei schlechtem Wetter nicht unbedingt einen warmen und trockenen Aufenthaltsort! Wenn sie die freie Wahl haben, wird man oft beobachten können, dass sie bei jeder Witterung im Freien sind. Zwar wird der Stall genutzt, um sich gelegentlich zu trocknen und aufzuwärmen, aber als Daueraufenthaltsstätte dient er im seltensten Fall. Von unserem menschlichen Standpunkt aus werden wir also kaum einschätzen können, was unser Pferd als angenehm empfindet! Um es unserem Pferd so angenehm wie möglich zu machen, müssen wir als erstes akzeptieren, dass „angenehm“ für ein Pferd etwas ganz anderes bedeutet als für uns. So macht auch Kälte einem gut gefütterten Pferd sehr viel weniger aus, als wir vermuten würden. Solange es Futter und einen trockenen Platz gibt, stören frostige Temperaturen kein Pferd, das an das Leben im Freien gewöhnt ist.


Aus jeder Haltung das Beste machen!

Oft spielen sehr viele Faktoren eine Rolle bei der Entscheidung für eine bestimmte Haltungsform. Da zählen auch Dinge wie Geld, Verkehrsanbindung, Nähe oder auch Freunde, die man vielleicht schon in einem bestimmten Stall gefunden hat. Doch auf jeden Fall sollte man immer im Blick behalten, welche Bedürfnisse ein Pferd hat und wie man ihnen gerecht werden kann. Denn für ein Pferd zu sorgen bedeutet in erster Linie Verantwortung für das Tier. Und dieser Verantwortung kann man nicht gerecht werden, wenn man nur seine eigene Bequemlichkeit im Sinn hat! Das Tier ist uns recht hilflos ausgeliefert; man kann nur hoffen, dass jeder Pferdebesitzer sich über diese Verantwortung im Klaren ist.


* Der Tierarzt kommt - was tun?


Ein Pferd zu haben und mit ihm umzugehen, ist in der Regel eine sehr schöne Erfahrung. Aber jeder, der Pferde kennt, weiß, wie schnell man in eine Situation kommen kann, in der das Pferd auf einmal ganz und gar nicht mehr so will, wie man es gerne hätte; und das natürlich meistens dann, wenn es dringend nötig wäre!

Eine solche Situation ist zum Beispiel häufig der Besuch des Tierarztes. Hier können auch schon Kleinigkeiten, wie zum Beispiel eine Impfung oder die Untersuchung harmloser Wunden, zu einem zeitaufwendigen Problem werden, wenn das Pferd nicht stillsteht.

In einem solchen Fall gibt es fünf einfache „Tricks“, um ein Pferd zur Ruhe zu bringen, die meistens sehr erfolgreich sind.


1. Dem Pferd die Sicht auf bedrohliche Handlungen nehmen

Da schon der bloße Anblick einer Spritze oder anderer gefährlicher Geräte ausreichen kann, um ein Pferd in Angst und Schrecken zu versetzen, sollte man versuchen, dem Problem mit einer Sichtfeldbeschränkung des Pferdes ein Ende zu bereiten. Fängt das Pferd also an, sich zu verspannen und nervös nach hinten zu schielen, reicht es oft schon aus, eine Hand aufrecht  hinter das Auge des Pferdes zu halten. So bekomt es von den Vorgängen neben sich nicht mehr so viel mit und wird meist ruhiger werden. Gegebenenfalls kann auch ein Auge vorsichtig mit der gesamten Hand abgedeckt werden.


2. Dem Pferd die Standsicherheit nehmen

Ein Pferd, das sicher auf seinen vier Beinen steht, kann schnell mal nach störenden Personen in seinem Umfeld treten. Am einfachsten kann man diesem Risiko entgehen, indem man ein Vorderbein aufhebt. Ein Pferd, das auf drei Beinen steht, wird selten ausschlagen und lässt in der Regel auch alle anderen Hufe ruhig stehen, was bei der Wundversorgung beispielsweise an den Hinterbeinen sehr angenehm ist, da Pferde ja durchaus dazu neigen können, diese schnell mal wegzuziehen.


3. Das Pferd von der Umwelt abschotten

Springt ein Pferd nervös bis leicht hysterisch durch die Gegend, ist es oft sinnvoll, ihm mit einem Tuch die Augen zu verbinden und es somit ein Stück weit von der Außenwelt abzuschotten. Diese Methode ist meistens sehr wirksam und besonders dann, wenn das Pferd im Freien behandelt wird, hilfreich. Denn gerade draußen geschehen so viele Dinge um das Pferd herum, über die es sich gerade in diesem Moment aufregen oder über die es erschrecken könnte, dass so ein Tuch oft sehr gelegen kommt.


4. Die Nasenbremse anlegen

Es gibt Behandlungen, die so schmerzhaft oder unangenehm für das Pferd sind, dass es zwar notwendig ist, das Pferd zum Stillstehen zu bringen, es einem aber mit den vorher aufgezählten Methoden nicht gelingt. In einem solchen Fall kann es sinnvoll sein, dem Pferd eine Nasenbremse anzulegen. Hierbei wird dem Pferd eine Schlinge um die Oberlippe gelegt und mit einem Stab zugedreht. Dadurch werden beruhigende Stoffe im Gehirn ausgeschüttet: Endorphine senken das Schmerzempfinden. Mit Hilfe einer Nasenbremse kann man auch unangenehme Behandlungen schnell hinter sich bringen, anstatt sich lange Zeit herumzuquälen. Bestimmt ist das gerade auch für das Pferd die bessere Alternative, und wenn es danach noch eine Belohnung einheimsen kann, hat es zumindest die Nasenbremse schon wieder vergessen. Trotzdem, die Nasenbremse sollte man nur einsetzen, wenn es nicht anders geht! Da die richtige Handhabung sehr wichtig ist, sollte dies nur von einem Fachmann durchgeführt werden, um Schäden zu vermeiden. Länger als eine Viertelstunde sollte der Einsatz der Nasenbremse nicht dauern.


5. Eine simple Ablenkung

Man kennt es schließlich von sich selber: Mir zumindest tut eine Spritze erst dann richtig weh, wenn ich mich voll darauf konzentriere. Dem Pferd wird es nicht anders gehen, und so reicht bei schnellen Behandlungen, wie eben einer Spritze, oftmals schon eine raschelnde Tüte oder ein vorgehaltenes Leckerli, um das Pferd so lange abzulenken, bis alles vorbei ist.


Und, last but not least: Bei allem, was man tut, sollte man nie vergessen, dass das Pferd höchstwahrscheinlich unruhig ist, weil es Angst oder Schmerzen hat. Etwas liebevolle Zuwendung und ein paar beruhigende Worte können nie schaden und sind daher immer die erste Maßnahme!


Katinka Schnitker


* Reitbeteiligung: Geteilte Freude - doppelte Freude?!


Unter einer Reitbeteiligung versteht man im allgemeinen eine Vereinbarung, in der man dem Besitzer des Pferdes eine bestimmte Summe Geld gibt und dafür das Pferd, meistens mehrmals in der Woche, reiten und versorgen kann. Dies hört sich zwar im ersten Moment recht einfach an, doch kann so eine Vereinbarung in der Realität ganz schön kompliziert werden.

Um verstehen zu können, was daran so schwierig werden kann, und natürlich auch wie man diese Schwierigkeiten möglichst gut vermeiden kann, sollte man sich einmal beide Seiten einer solchen Reitbeteiligung etwas genauer anschauen. Welche Gründe veranlassen sie zu einer Reitbeteiligung, welche Aufgaben übernehmen sie und welche Probleme können daraus entstehen?


Warum sucht man eine Reitbeteiligung?

Meistens haben diejenigen, die eine Reitbeteiligung suchen, einfach nicht genug Geld oder nicht genug Zeit, um sich ein eigenes Pferd anzuschaffen. Trotzdem suchen sie das, was man eben meistens in den Reitschulen nicht finden kann: die Möglichkeit, sich mit einem Pferd intensiv zu beschäftigen und auch mal eigenständig mit ihm zu arbeiten.

In vielen Fällen spielt ebenso die Möglichkeit von regelmäßigen Ausritten eine große Rolle, denn auch das sucht man in den meisten Reitschulen vergeblich.

Aber auch Reiter mit Turnierambitionen sehen in einer Reitbeteiligung oft die Chance, ein gut ausgebildetes Pferd reiten zu können und mit diesem auch an Turnieren teilzunehmen.

Natürlich ist eine Reitbeteiligung nicht immer nur eine Notlösung für Reiter, die eigentlich ein eigenes Pferd möchten. Es gibt auch viele, die einfach kein eigenes Pferd möchten: Entweder wollen sie die volle Verantwortung für ein Tier nicht übernehmen, weil sie schon genau wissen, dass sie nicht genug Zeit dafür aufbringen könnten, oder sie wollen sich nicht durch ein eigenes Pferd festlegen lassen; denn ein Pferd wieder zu verkaufen, wenn man nicht mit ihm zurechtkommt oder wenn man ganz einfach keine Lust mehr hat, ist schließlich nicht so einfach, wie sich eine neue Reitbeteiligung zu suchen oder einfach aufzuhören.


Und warum bietet man eine an?

Auf der Seite der Pferdebesitzer sind die Gründe für eine Reitbeteiligung sehr ähnlich: Oft ist man einfach auf die finanzielle Unterstützung, die man durch eine Reitbeteiligung erhält, angewiesen. Hier bietet eine Reitbeteiligung also eine Lösung bei der Frage, ob man sich ein eigenes Pferd überhaupt noch leisten kann.

Auch die Zeit ist hier ein wichtiger Faktor, denn wenn man feststellen muss, dass man selber nicht mehr in der Lage ist, sich angemessen um sein Pferd zu kümmern, muss eine Alternative zur jetzigen Situation gefunden werden, die dem Wohle des Pferdes dient. Besonders problematisch wird der Zeitmangel natürlich bei Pferden, die in einer Box gehalten werden, denn diese Pferde müssen jeden Tag ausreichend bewegt werden - und das kann für jeden schnell zum Problem werden.

Natürlich kann es auch hier vorkommen, dass die Besitzer trotz vorhandener Zeit einfach keine Lust mehr haben, jeden Tag im Stall zu verbringen, aber es dennoch nicht fertigbringen, ihr Pferd zu verkaufen. Auf Dauer muss man sich als Besitzer natürlich in so einer Situation schon darüber im Klaren sein, ob es für das Pferd von Vorteil ist, wenn man es behält, obwohl das eigene Interesse nachlässt.


Die wichtigsten Voraussetzungen:

Bevor man eine Reitbeteiligung sucht oder anbietet, muss man sich auf jeden Fall darüber im Klaren sein, was genau man eigentlich erwartet, um dann schon gezielt suchen oder Anzeigen aufsetzen zu können.

Sucht der Besitzer beispielsweise jemanden, der mit dem Pferd nur ein paarmal in der Woche am langen Zügel durch den Wald reitet und sich ansonsten einfach lieb um das Pferd kümmert, während die Reitbeteiligung lieber auf dem Reitplatz mit dem Pferd arbeiten würde, sind Probleme natürlich vorrausprogrammiert. Meistens wird so etwas dann aber schon durch gezielte Anzeigen vermieden, die möglichst genaue Angaben über die gewünschten Voraussetzungen machen.

Bei den ersten Treffen sollten beide darauf achten, dass möglichst genau festgesetzt wird, was man erwartet, was erlaubt und was verboten ist. Eine gegenseitige Sympathie sollte dabei auf jeden Fall vorhanden sein. Auch die Einstellung zum Reiten und zu Pferden sollte möglichst gleich sein.

Nachdem sich also die Reiter verständigt haben, kommt die eigentliche Hauptperson ins Spiel, nämlich das Pferd. Wer reitet, weiß, dass etwas, das auf einem Pferd seit Jahren klappt, mit einem anderem Pferd auf einmal gar nicht mehr so gut funktioniert. Deshalb muss auf jeden Fall ausprobiert werden, ob Pferd und Reitbeteiligung miteinander auskommen.

Voraussetzungen sind also eine Interessengleichheit bei den Reitern und Sympathie zwischen allen Beteiligten.


Eine Absicherung ist wichtig

Ganz wichtig bei einer Reitbeteiligung ist eine vertraglichen Absicherung. Dies geschieht sowohl zum Schutz des Besitzers als auch zum Schutz der Reitbeteiligung selber. Damit alle individuell wichtigen Punkte erfasst werden, sollte man sich hier auf jeden Fall von einer fachkundigen Person beraten lassen.

Schließlich kann man auch erst mit ruhigem Gewissen reiten gehen, wenn geklärt ist, was geschieht, wenn Reiter und/oder Pferd etwas passiert. Dies bezieht sich natürlich auch auf den täglichen Umgang mit dem Pferd, denn es könnte ja schließlich sein, dass sich das Pferd auf dem Weg von der Weide zum Stall losreißt und auf eine Straße läuft oder es den Reiter beim Putzen beißt.

Musterverträge für Reitbeteiligungen sind problemlos im Netz zu finden.


Die Aufgabe des Besitzers…

Natürlich gehört es zur Aufgabe des Besitzers, abzugrenzen, was mit seinem Pferd passieren soll und was nicht, doch muss man sich darüber im Klaren sein, dass eine Reitbeteiligung eine Hilfe für einen darstellt. Diese Person zahlt eine bestimmte Summe Geld, und dafür ist der Besitzer dann auch verpflichtet, sich an die Abmachungen zu halten. Eine Reitbeteiligung stellt auf keinen Fall einen besseren Stallknecht dar!

Außerdem sollte der Besitzer der Reitbeteiligung gerade in der ersten Zeit mit Rat und Tat zur Seite stehen, denn schließlich kennt er sein Pferd immer noch am besten und kann sicher viele wertvolle Tipps geben. Wendet sich die Reitbeteiligung mit einem Problem an einen, sollte man - anstatt vielleicht ungehalten zu reagieren - lieber froh sein, dass sie nicht versucht, es einfach auf eigene Faust zu lösen. Man möchte ja schließlich, dass die Reitbeteiligung mit dem Pferd alles richtig macht und es beiden Spaß macht! So sollte man faire Bedingungen schaffen, in denen sich alle wohl fühlen können.


…und die der Reitbeteiligung

Die Reitbeteiligung selber muss die Tatsache respektieren, dass sie nicht der Besitzer des Pferdes ist, und die Entscheidung, was mit dem Pferd passiert, liegt eben letztendlich nur bei diesem. Deshalb muss man sich auch sehr genau an die Anweisungen halten, die man vom Besitzer bekommt. Sieht man irgendwo ein Problem, kann man selbstverständlich mit dem Besitzer darüber reden - mitdenken ist ja schließlich erlaubt -, aber eine Änderung des Umgangs mit dem Pferd ist nur nach vorheriger Absprache mit dem Besitzer möglich.

Ob man mit den Anweisungen und der Art des Besitzers klarkommt oder nicht, sollte man daher besser schon im Vorhinein herausfinden. Befindet man sich bereits in so einer Situation, in der man die Anweisungen nicht mehr mit der eigenen Auffassung vereinbaren kann, sollte man sich, wenn keine Klärung möglich ist, lieber nach einer anderen Reitbeteiligung umsehen.


Jetzt wird es schwierig

In dieser Situation können sich nun eine Reihe von Problemen ergeben:

Der Besitzer muss sein Pferd mit einer anderen Person teilen, und diese wird es in seinen Augen natürlich nie gut genug machen können, denn fast jeder Reiter ist davon überzeugt, dass er es als einziger wirklich gut machen kann - er wird also immer irgend etwas an der Reitbeteiligung auszusetzen haben.

Die Reitbeteiligung dagegen kümmert sich zwar um ein Pferd und geht regelmäßig mit ihm um, aber sie muss sich, wenn es um Entscheidungen geht, immer unterordnen, auch wenn sie anderer Meinung ist. Und da ja auch Reitbeteiligungen Reiter sind, kommen auch sie oft zu dem Schluss, dass sie eigentlich alles viel besser können und machen als der Besitzer des Pferdes.

Der Besitzer muss also mit der Reitbeteiligung einen Kompromiss finden, in dem seiner Meinung nach sicher nicht alles so gut läuft wie bei ihm selbst, mit dem er aber dennoch leben kann, ohne den anderen ständig mit Kritik zu überhäufen. Und die Reitbeteiligung darf nicht den Fehler machen und sich dem Besitzer gegenüber arrogant aufführen, denn der sitzt immer noch am längeren Hebel!


Eigentlich etwas Positives

Trotz der Schwierigkeiten, die sich ergeben können, ist eine Reitbeteiligung eigentlich etwas sehr Positives. Denn wie man sieht, bietet sie beiden Parteien viele Möglichkeiten, und sie dient vor allem (wenn sie richtig funktioniert) auch immer dem Wohl des Pferdes. Wenn man diese ganzen Überlegungen beachtet, kann sich mit etwas Glück durch eine Reitbeteiligung sogar eine richtig gute Freundschaft entwickeln.

Katinka Schnitker


* Zum Wiehern! Mein Traumpferd


Wie oft malt man sich aus, wie sein Traumpferd aussehen und wie es sein soll. Natürlich ist es immer etwas ganz Besonderes, meines war immer groß und schwarz und konnte sprechen. Aber wie sieht es eigentlich aus mit Traumpferd und Wirklichkeit?


Das elegante, rassige Pferd schwebte nach einem leisen Ruf von ihr leichtfüßig über die Weide, kaum schienen seine Hufe den Boden zu berühren.

Geduldig stand ich am Zaun, während mein kleiner Norweger durch den Matsch auf mich zustapfte.


Vertrauensvoll schmiegte sich das sonst so wilde Pferd an sie und folgte ihr zum Stall.

Nach Leckerlis suchend, biss mein Pferd in meine Tasche und erkämpfte sich auf dem Weg zum Stall die trockenste Gehmöglichkeit, indem er mich in die Pfützen abdrängte.


Mit einem weichen Tuch strich sie über sein seidig glänzendes Fell.

In mühevoller Arbeit entfernte ich die gröbsten Dreckschichten.


Den Ausritt freudig erwartend, ließ er sich satteln, den edlen Kopf zierte eine teure Zäumung.

Mein Pferd hatte sich mal wieder so aufgepumpt, dass ich den Sattelgurt nicht zu bekam.


Sie ritten von dannen, und wie jedesmal war sie erfüllt von Stolz, dieses wunderbare Pferd zu besitzen, das sich nur von ihr bändigen ließ. Im Herzen des schwarzen Hengstes hatte sie einen Platz eingenommen, den ihr keiner mehr nehmen konnte, und sie hatte gelernt, mit dem Neid der anderen zu leben.

Wir verließen den Hof.


Während sie durch den sonnendurchfluteten Wald ritten, verschmolzen Pferd und Reiter immer mehr zu einem einzigen Lebewesen, sie wurden eins miteinander, es schien, als bräuchte sie die Kommandos nur zu denken, und schon befolgte das starke Pferd sie, als wäre es sein eigener Wille. Als sie an eine weite Strecke gelangten, spürte sie, wie sich das Pferd unter ihr anspannte; das Spiel der Muskeln, die gebändigte Kraft unter ihr faszinierte sie jedesmal von neuem. Ein kleines Zeichen genügte, und schon flogen sie dahin, schnell wie der Wind, alles um sich herum vergessend. Die Geschwindigkeit trieb ihr die Tränen in die Augen, ihr langes Haar wurde zum Spielzeug des Windes, nie war sie in ihrem Leben glücklicher als in solchen Augenblicken, in denen sie mit ihrem Pferd vereint dem Rest der Welt entfliehen konnte.

Wir ritten durch den Wald und galoppierten über eine Galoppstrecke.


Die Adern traten an seinem Hals hervor, die Nüstern weiteten sich, in kraftvollen Sätzen nahmen sie eine Biegung, da - plötzlich - ein Baum war über den Weg gefallen und bot mit seinen starken Ästen ein scheinbar unüberwindliches Hindernis.

Nach einer Kurve lag etwas Gestrüpp über dem Weg.


Der Hengst hielt mitten in der Bewegung inne, mit weit aufgerissenen Nüstern beäugte er den mächtigen Baum, besänftigend sprach sie auf ihn ein und ließ ihn auf das Hindernis zugehen, so dass er es sich in Ruhe anschauen konnte.

Mein Pferd weigerte sich, weiterzugehen.


Nun wendete sie ihn ab und leitete ihn wieder vom Baum weg; sie wusste, dass sie ihn ihre Angst nicht spüren lassen durfte, und so saß sie absolut ruhig auf dem Pferd, obwohl sie innerlich bei dem Gedanken an die hoch hinausragenden Äste, in denen man sich leicht verfangen konnte, zitterte. Der Hengst sammelte seine Kräfte, galoppierte los, und nachdem er sich mit aller Kraft vom Boden abgestoßen hatte, schwebte er weit über das Hindernis hinweg.

Mein Pferd hatte beschlossen, dass man über diese Äste nicht springen könne, und tat es auch nicht; ich räumte die Äste zur Seite, und wir konnten weiterreiten.


Es schien, als wäre er in diesem Augenblick nur für sie gesprungen, und wahrscheinlich war es auch so...


Tja, und obwohl dieser Vergleich etwas kläglich ausgefallen ist, weiß ich inzwischen genau, wie mein Traumpferd aussieht: Es ist ein kleines, dickes, stures Fjordpferd, und ich würde es für kein Pferd der Welt eintauschen wollen.

Katinka Schnitker


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