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              Equikids - Ausgabe 10/2009

Paraden - Pferdefarben und - abzeichen - Hautpilz - Erziehung zwischen Lob und Strafe - Geländereiten mit Hindernissen


* Die Paraden - Klassiker der Reitkunst


Jeder, der schon einmal eine Reitstunde genommen hat oder einer Reitstunde zugehört hat, hat es sicher schon einmal gehört, dieses geheimnisvolle Wort: „Parade!“ Und als Zuschauer meint man, jedem dort in der Reitbahn sei vollkommen klar, was mit diesem Kommando „Parade!“ gemeint ist, denn in der Regel wird von keinem Reitschüler nachgefragt, was der Reitlehrer eigentlich von ihm will, wenn er eine Parade anordnet. Ist es aber wirklich jedem Beteiligten klar, was eine Parade ist? Ist es nicht oft eher so, dass niemand sich die Blöße geben will zuzugeben, etwas so Selbstverständliches wie eine Parade nicht richtig zu kennen? Das Ergebnis einer solchen falschen Scham ist dann allerdings meist recht traurig - für den Reiter und für das Pferd! In der praktischen Anwendung sieht das so aus, dass z.B. nur an einzelnen Zügeln gezogen wird, oder es wird geriegelt (das bedeutet, der Reiter zieht sehr stark abwechselnd an beiden Zügeln), oder die Reiter lehnen sich mit dem Oberkörper derart weit zurück, dass man den Eindruck gewinnt, sie wollten auf ihrem Pferd „Zügel-Surfen“ betreiben! Ebenso peinlich ist die Stille, die regelmäßig eintritt, wenn die Reitschüler einmal erklären sollen, was eine Parade eigentlich ist.

Warum ist das so?
Ein Grund dafür ist sicher der oft zu leichtfertige Umgang mit dem Begriff „Parade“. Es liegt ja nicht am Schüler, wenn der Lehrer einen Begriff erstens nicht richtig erklärt oder ihn zweitens auch noch falsch benutzt. Wie oft ruft ein Reitlehrer „Parade!“ und lässt es dem Schüler durchgehen, wenn dieser nur am Zügel zieht. Ein beliebtes Kommando ist auch „Parade außen!“, was ja schon beinhaltet, dass es sich nur um ein am-Zügel-Ziehen handeln soll. Vielfach wird auch wohl deshalb „Parade!“ gerufen, weil es sich reiterlicher anhört als „Nun zieh doch mal kräftig am Zügel!“. In solchen Fällen handelt es sich einfach um eine Unsitte aus Unkenntnis.
Ein weiterer Grund für die Probleme von Reitern mit den Paraden ist aber sicher das Wesen der Parade selbst. Sie ist weitaus umfassender und schwieriger zu reiten, als das häufig hingeworfene Kommando „Parade“ vermuten lässt. Manch einer sagt: „Reiten besteht nur aus Paraden“ und hat damit vielleicht gar nicht so unrecht. Jede Parade erfordert vom Reiter die korrekte und einfühlende Anwendung aller reiterlichen Hilfen. Ohne Paraden kann ich nicht eine einzige Lektion reiten. Wer aber seinen Sitz, seine Einwirkungen, seine Hilfen auf dem Pferd noch nicht kontrollieren kann, kann folglich auch keine Paraden geben, kann also nicht richtig reiten.
All dies, die leider viel zu häufig zu beobachtenden Fehler bei der Ausführung einer Parade und die Unkenntnis ihrer theoretischen Definition (= Erklärung) machen es notwendig, diesem scheinbar selbstverständlichen Begriff einmal auf den Grund zu gehen.

„Parade“ - wo kommt dieses Wort eigentlich her?
Der Begriff „Parade“ kommt - wie so vieles andere in der klassischen Reitkunst - aus dem Militärischen. Vielleicht kennt ihr aus den Nachrichten „Militär-Paraden“. Bei einer Militär-Parade wird in einem großen Parademarsch öffentlich alles vorgeführt, was an Militärmitteln zur Verfügung steht. Aber auch in der Pferdewelt gibt es „Paraden“. Diejenigen unter euch, die sich schon etwas mehr mit Pferdezucht beschäftigt haben, kenn auch die „Hengst-Paraden“ der großen Landgestüte wie z.B. Celle, Warendorf, Redefin. Dort werden nach langer und sorgfältiger Vorbereitung alle für die Zucht zur Verfügung stehenden Hengste des Gestüts in einer öffentlichen Veranstaltung dem Publikum vorgeführt. Dabei zeigen die Hengste ihr Können in den unterschiedlichsten Disziplinen. Große Dressurquadrille, Ungarische Post, 12er-Zug-Fahren, Freiheitsdressur, Springquadrille und vieles mehr werden dem Zuschauer geboten. In Amerika gibt es noch viel mehr „Paraden“ als in Deutschland. Dort hat eine Parade oft den Charakter eines Festumzugs und wird zu den unterschiedlichsten Anlässen durchgeführt.

Was hat das mit den Paraden in der Reitkunst zu tun?
Vielleicht habt ihr schon selbst eine Idee, worauf ich hinaus will...? Alle Paraden, ob Militär-, Hengst - oder „Reit“-Paraden, haben eines gemeinsam: Es werden alle zur Verfügung stehenden Mittel in Bewegung gesetzt, um ein möglichst perfektes Bild abzugeben.
(Ob die Paraden beim Reiten wirklich deshalb so heißen, weil sie eben ein „Aufmarsch“ aller reiterlichen Hilfen sind, weiß ich übrigens nicht. Schon in der Heeres-Reitvorschrift vom 29. Juni 1912 ist die „Parade“ der Oberbegriff für das Zusammenwirken der einzelnen Hilfen. Aber es könnte doch sein, dass dieser Begriff wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung irgendwann einmal einfach auf die Reitkunst übertragen worden ist, oder nicht?)

So. Jetzt haben wir uns also schon etwas an das Wesen einer Parade herangetastet. Bevor es aber in dieser Richtung weitergeht, werde ich erst noch einmal deutlich sagen, was Paraden alles nicht sind.
Es ist
nicht richtig, dass:
- eine halbe Parade bedeutet, an nur einem Zügel zu ziehen!
- eine ganze Parade bedeutet, an beiden Zügeln zu ziehen!
- Paraden mal außen und mal innen gegeben werden!
- man sich für eine Parade nach hinten lehnen muss!
- man sich für eine Parade nach vorne lehnen muss!
- man für eine Parade die Beine vom Pferd abstrecken muss!
- bei einer ganzen Parade doppelt so stark gezogen wird wie bei einer halben Parade!

Sicher gibt es noch mehr Fehler, die man beim Reiten einer Parade machen kann. Vielleicht fallen euch noch welche ein?

Wie wird eine Parade richtig erklärt?
In jedem Buch, das die Grundkenntnisse der klassischen Reitkunst vermitteln will, gibt es ein Kapitel über Paraden. Nicht in jedem Buch sind sie richtig erklärt!
Das offizielle Standardwerk sind die „Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 1“, herausgegeben von der FN (= Fédération Nationale Equestre, die Deutsche Reiterliche Vereinigung). In diesen Richtlinien findet ihr eine recht klare Beschreibung dessen, was unter einer Parade verstanden wird.
Jetzt aber im Überblick die wichtigsten Punkte zu dem,
- was eine Parade sein soll,
- was sie bewirken soll
- und wie sie geritten wird:

Es gibt h a l b e Paraden und g a n z e Paraden.
- Halbe und ganze Paraden unterscheiden sich nicht darin, welche Hilfen und wie stark diese
gegeben werden!
- Halbe und ganze Paraden unterscheiden sich in ihrem Ergebnis!

Halbe Paraden haben den Zweck,
1. das Pferd in eine niedrigere Gangart oder innerhalb einer Gangart in ein kürzeres Tempo zu
versetzen,
2. Versammlung und Haltung während jeder Übung zu verbessern (also im Halten genauso
wie in der Bewegung!),
3. dem Drücken auf das Gebiss und dem Eilen im Gang zu begegnen (das heißt, halbe Paraden
sind eure „Gegenwehr“, wenn das Pferd euch einfach unter dem Hintern davonläuft, ohne auf eure vorwärtstreibenden Hilfen zu warten und ohne sich von dem Gebiss beeindrucken zu lassen),
4. das Pferd vor einer neuen Lektion aufmerksam zu machen!

Ganze Paraden haben den Zweck,

das Pferd aus jeder Gangart zum Halten zu bringen!

Soviel zur Definition.
Jetzt zur praktischen Ausführung:
Geritten werden Paraden mit fein abgestimmten Gewichts-, Bein- und Zügelhilfen, und zwar in genau dieser Reihenfolge!

Genauer beschrieben sieht das dann so aus:
1. Der Reiter bringt vermehrten Druck auf seine Gesäßknochen, indem er seine Wirbelsäule
ab Hüfte aufwärts s e n k r e c h t nach oben streckt (und nicht sich nach hinten legt! Merke:
Der größte Druck wird dann ausgeübt, wenn ein Gewicht senkrecht auf etwas drückt! Einen
Nagel versucht man ja auch, mit dem Hammer möglichst senkrecht von oben zu treffen, damit er schnell und tief hineingeht.), und ab Hüfte abwärts sein Gesäß und seine Beine so schwer und tief wie möglich macht.
2. Mit den tiefen und langen Beinen umfasst der Reiter den Pferdeleib und verstärkt den Druck in dem jeweils notwendigen Maß.
3. B e i d e Zügel werden gerade so fest gehalten, wie es notwendig ist, um das gewünschte Ergebnis (also Aufmerksamkeit, Verkürzen des Tempos, Anhalten, oder anderes) zu erreichen.

Für alle diese Einwirkungen gilt:
Wenn das Pferd nicht innerhalb weniger Sekunden auf die gegebene Hilfe reagiert, hat es keinen Sinn, diese Hilfe beständig zu verstärken. Die Hilfe muss vielmehr sehr kurz (z.B. eine halbe Sekunde lang) unterbrochen werden und dann erneut begonnen werden.
Das beste Beispiel dafür ist die Zügelhilfe: Wenn das Pferd vermehrten Druck auf das Gebiss zum Anlass nimmt, jetzt gerade das Maul zuzumachen, das Gebiss fest zwischen die Zähne zu nehmen und gewissermaßen Gegendruck zu machen, darf es nicht unser Ziel sein, uns auf ein Kräftemessen mit dem Pferd einzulassen! Der Zügel soll keine Zwangsjacke sein für das Pferd. Er dient vielmehr der Kommunikation zwischen Pferd und Reiter, ist sozusagen der „heiße Draht“ zwischen beiden. Wenn nun also das Pferd unsere Aufforderung zu vermehrter Versammlung, Verkürzen des Tempos o.ä. (Aufforderungen, die natürlich niemals nur aus Zügelhilfen bestehen!) mit Gegendruck seines Maules und Halses quittiert, gehen wir einfach davon aus, dass es uns nicht verstanden hat.
Die Kommunikation hat nicht geklappt. Folglich unterbrechen wir das missverstandene Signal, um es sofort noch einmal zu geben. Diese Prozedur wiederholen wir so lange, bis das Pferd uns verstanden hat. Sowie es dann bereit ist, unserem Kommando zu folgen, muss es im gleichen Moment deutlich belohnt werden! Eine Belohnung in diesem Sinne ist das Leichtwerden der Hand, das heißt: Der Zügel wird zum seidenen Faden, an dem ich mein Pferd führe. Eine weitere Belohnung ist möglich durch die Stimme. War das Erreichen dieser Mitarbeit das Ziel der gesamten Reitstunde, kann die Belohnung auch in der Beendigung der Arbeit bestehen.
Wichtig ist jedoch, dass die Hand zwar leicht werden darf und soll, Gewicht und Beine in der Phase der direkten Belohnung jedoch auf keinen Fall nachlassen dürfen. Andernfalls wäre der Sinn der Übung, der u.a. darin besteht, das Pferd mit Gewicht, Beinen und Zügeln vom Gebiss zu lösen, für das Pferd nicht mehr erkennbar.

Für die Gewichts- und Schenkelhilfen gilt genau das gleiche Prinzip. Nicht ein zweifelhafter Sieg im Kräfteduell ist das Ziel, sondern das Vermitteln von Wünschen mittels der reiterlichen Hilfen.
Ein gut gerittenes Pferd bedankt sich bei seinem Reiter, indem es sich mit Freude bemüht, dessen Wünsche schon im voraus zu erfühlen und zu erfüllen.

Wie ihr merkt, kann man anhand des Themas „Paraden“ leicht die gesamte Reitkunst diskutieren. Sicher wisst ihr jetzt auch, wieso das so ist: Für eine Parade werden eben wirklich alle zur Verfügung stehenden Mittel in Bewegung gesetzt.
Eine gut gerittene Parade ist Ausdruck wahrer Reitkunst!

Ute Forler


* Pferdefarben und Abzeichen, Teil 2:

Farben ohne schwarzes Pigment, Schimmel und Schecken


Dass jedes Pferd eine bestimmte Farbe hat, ist klar. Das sieht doch jeder! Und wie man diese Farbe nennt, ist auch einfach; und sonst ist es ja auch nicht so wichtig - oder? Aber es lohnt sich, sich einmal mit den verschiedenen Pferdefarben zu beschäftigen; dabei trifft man auf eine unerwartete Vielfalt! Und man kann auf diese Weise erlernen, Pferde noch genauer voneinander zu unterscheiden bzw. nach ihrem „Steckbrief“ zu erkennen.
Jedes Pferd braucht einen Pferdepass. Falls vorhanden, findet sich hier ein Abstammungsnachweis. Auf jeden Fall enthält der Pass eine genaue Beschreibung des jeweiligen Tieres. Diese Beschreibung enthält, oft in Abkürzungen, Angaben zur Körper(-Deckhaar)-Farbe sowie zu den sogenannten Abzeichen. Die Färbung des Fells liegt an den Farbpigmenten, die in der Haut und im Fell enthalten sind. Die Abzeichen sind also pigmentlose, d.h. weiße bzw. - bei fehlender Behaarung - fleischfarbene Körperpartien, vorwiegend am Kopf und an den Beinen. Zu den üblichen Angaben zu Farbe und Abzeichen kommen in Sonderfällen Angaben zu Flecken an anderen Körperteilen sowie zur Farbe des Langhaars (Mähne und Schweif), falls diese von der Norm abweicht.
Um eine solche Beschreibung lesen bzw. durch Vergleich mit dem zugehörigen Pferd dessen Identität überprüfen zu können, muss man sich mit den gängigsten Abkürzungen und deren Bedeutung vertraut machen. Die folgende Übersicht hilft euch, die Papiere eures Pferdes richtig zu lesen, und sie stellt die „gängigsten“ Pferdefarben vor. In diesem zweiten Teil geht es um Farben ohne schwarzes Pigment und des Weiteren um Schimmel und Schecken.

Farb-Bezeichnungen und Abkürzungen


F. oder Fu. = Fuchs: rötliches Deck- und Langhaar in unterschiedlicher Farbintensität; danach
neben der mittleren Stufe (= Fuchs) Unterscheidung in:

HF. oder Hellfu. = Hellfuchs: blassrotes Deck- und Langhaar, teilweise vom Rücken zum Bauch hin heller werdend;

DF. oder Du.-Fu. = Dunkelfuchs: intensiv rotes bis kaffeefarbenes Deck- und Langhaar.

Bei Abweichen der Langhaar- von der Deckhaarfarbe ist dies in der Beschreibung zu erwähnen, z.B. als helles oder meliertes Langhaar. Zusatzangaben wie Goldfuchs, Schweißfuchs oder Kohlfuchs sind nicht eindeutig definiert, unüblich und überflüssig.

Neben den verschiedenen Fuchs-Varianten gibt es weitere Pferdefarben ohne Schwarz:

Rotfa. = Rotfalbe: Deckhaar blassgelb bis milchkaffeefarbig, Langhaar im Mittelstreifen sowie der „Aalstrich“ entlang der Wirbelsäule fuchsfarben (rötlich bis kaffeefarben).

Is. oder Isab. = Isabell: Deckhaar blassgelb bis goldfarben, Langhaar weiß bis meliert.

Pal. oder Palom. = Palomino: Sonderform der Isabell-Färbung, nur bei rein weiß erscheinendem Langhaar zutreffende bzw. korrekte Bezeichnung.


Schimmel und Schecken

Mit den bisher vorgestellten Farb-Bezeichnungen bzw. -Beschreibungen haben wir einen Großteil unserer Pferde bereits erfasst! Daneben gibt es aber noch die Sonderformen wie die bekannten Schimmel und Schecken sowie die weniger bekannten stichelhaarigen oder „unveränderlichen“ Schimmel (englisch = „Roan“), von Spezialfärbungen wie Tigerschecken (z.B. beim Noriker), Appaloosa- und Knabstrupper- oder Overo-Fleckung, „Cremello“, „Perlino“ und „Smoky“ ganz abgesehen.
Wir müssen uns hier auf die drei erstgenannten Varianten beschränken:

S., Sch. oder Schi. = Schimmel: allmählich „vergreisendes“, also weiß werdendes Deck- und Langhaar; als Geburtsfarben treten alle bisher beschriebenen Varianten auf. Ob ein Fohlen Schimmel wird, zeigt sich normalerweise schon bald nach seiner Geburt an einzelnen weißen Haaren um die Augen und am Schweifansatz.

Die Farbbeschreibung von Schimmeln wird von den dafür zuständigen Stellen leider oft sehr nachlässig gehandhabt. So gibt es Zuchtverbände, die grundsätzlich bei allen Fohlen, deren Vater oder Mutter Schimmel ist, neben der Geburtsfarbe den Zusatz anfügen: „ka.Schi.(w.)“ = „kann Schimmel werden“. Das führt dann zu jener witzig aussehenden Deckanzeige, wo ein Hengst als „Rakaschi“ („RappekannSchimmel(werden)“) angepriesen wird. Spätestens bei der Zuchtbuchaufnahme kann entschieden werden, ob ein Pferd Schimmel wird oder nicht. Der vorsichtshalber zunächst eingetragene Zusatz „ka.Schi.“ müsste dann, falls das Tier kein Schimmel wird, gelöscht werden. Korrekt ist die - in jedem Fall wünschenswerte - Angabe der Geburtsfarbe mit dem normalerweise ziemlich sicher festzulegenden Zusatz „wird Schimmel“ (oder „Schimmel“ in Klammern). Die manchmal anzutreffende Beschreibung von Fohlen mit dem Schimmel-Faktor als „Rappschimmel“, „Braunschimmel“ oder „Fuchsschimmel“ - ja sogar „Rotschimmel“ - ist abzulehnen, da sie teilweise auch bei Tieren, die die unveränderliche Schimmelung („Roan“) tragen, z.B. bei Kaltblütern oder Ponys verwendet wird. Das kann zu Verwechslungen führen. Zur klaren Unterscheidung sollte bei den später weiß werdenden Fohlen zumindest ein Bindestrich zwischen Geburtsfarbe und Zusatz „Schimmel“ gesetzt werden oder dieser Zusatz in Klammern dahinter stehen.

Im übrigen sind Bezeichnungen wie Blauschimmel, Grauschimmel, Eisen-, Rosen- oder Apfelschimmel Beschreibungen von vorübergehenden Färbungs-Stadien und deshalb nicht eindeutig bis unbrauchbar.

Unveränderlicher (stichelhaariger) Schimmel: Wenn neben den bisher beschriebenen Farbvarianten die unveränderliche Schimmelung („Roan“) auftritt, entstehen leicht gewisse Unklarheiten, z.B. bei Kaltblutrassen oder Welsh-Ponys. Im Normalfall sind dabei Kopf, Langhaar und die Beine grundfarbig, während Hals und Rumpf sowie die oberen Beinteile mehr oder weniger stark - häufig im Winter stärker als im Sommer - mit weißem Stichelhaar besetzt sind, also meliert bis weiß erscheinen. Diese spezielle Färbung ist - im Gegensatz zum Schimmel-Faktor - bereits im Fohlenalter eindeutig erkennbar. Und sie verändert sich nicht, wenn das Pferd älter wird!

Die stichelhaarige Schimmelung ist in der Beschreibung wie die Scheckung stets mit der vorangesetzten Grundfarbe zu verbinden. Dabei beschränkt man sich in der Praxis der Einfachheit halber auf die drei Varianten Schwarzschimmel (regional „Mohrenkopf“ genannt, Rappe und Stichelhaar), Braunschimmel (Braun und Stichelhaar) und Rotschimmel (Fuchs und Stichelhaar). Daneben gibt es natürlich auch Falben und Isabellen mit Stichelhaar-Faktor, letztere häufig kaum als solche erkennbar. Falls die Stichelhaarigkeit mit dem oben beschriebenen (veränderlichen) Schimmel-Faktor gemeinsam auftritt, verschwindet sie später mit dem Weißwerden von Kopf, Langhaar und Beinen wie die Scheckung beim Porzellanschecken.

Zum Unterschied von Pferden mit dem normalen Schimmel-Faktor sollten die Farb-Beschreibungen von Trägern des Stichelhaar-Faktors stets ohne Bindestrich und ausgeschrieben in den Papieren vermerkt werden.

Sche. = Schecke: Diese Bezeichnung darf nur unter Voranstellung der Grundfarbe verwendet
werden, also
Ra.-Sche. = Rappschecke usw.. Dabei treten pigmentlose, also weiße Flecken unterschiedlicher Form und Größe außerhalb des Kopf- und Fußbereichs auf, manchmal nur als kleiner weißer Fleck am Hals oder am Schweifansatz, andererseits aber auch im Extremfall ausgedehnt auf fast die gesamte Körperoberfläche, z.B. nur noch mit dunklem Kopf. In Verbindung mit dem Schimmel-Faktor ergibt sich der sogenannte Porzellanschecke, bei dem die zunächst nur schwach mit Stichelhaar durchsetzten farbigen Körperpartien im Laufe der Jahre weiß werden.

Die normale Fleckenbildung wird als Plattenscheckung (amerikanisch „Tobiano“) bezeichnet. Dabei sind die Flecken im allgemeinen verhältnismäßig groß und glattrandig. Daneben gibt es, vor allem bei bestimmten Rassen (Noriker, Appaloosa, Knabstrupper, Painthorse), besondere Arten der Körperfleckung, auf die hier aus Platzgründen nicht näher eingegangen werden kann.

Dr. Dieter Schön


* Gesundheit: Hautpilz beim Pferd


Obwohl Hautpilz für Pferde nicht wirklich gefährlich ist, ist es besonders wegen der hohen Ansteckungsgefahr eine unangenehme Angelegenheit. Hautpilz wird durch die Berührung mit einem infizierten Pferd übertragen, wobei ein Pferd auch Überträger sein kann, ohne selbst irgendwelche Anzeichen eines Pilzbefalles zu zeigen. Aber die Pilzerreger können nicht nur direkt, d.h. von Pferd zu Pferd, sondern auch indirekt durch Gegenstände, die das Pferd berührt hat, wie z.B. Putzzeug, Sättel, Decken und ähnliches übertragen werden. Und nicht nur in Putzzeug und Zubehör können sich Erreger festsetzen, sondern auch in der unmittelbaren Umgebung des Pferdes, also zum Beispiel in den Boxenwänden oder Holzzäunen. An solchen Orten können sich die Erreger dann jahrelang halten!
Hat man also erst einmal Pilz und Pilzerreger in einer Pferdegemeinschaft und ihrer Umgebung, wird man sie nur mit äußerster Gründlichkeit wieder los.

Woran ist Hautpilz zu erkennen?
Wenn ein Pferd Hautpilz hat, fällt bei diesem das Fell an kreisförmigen Stellen aus. Diese runden Kahlstellen breiten sich allmählich aus; an ihnen kann man Hautpilz dann auch recht einfach erkennen. Geht man von dem Fall aus, dass erst einmal nur ein Pferd befallen ist, sollte es nach Möglichkeit von anderen Pferden isoliert werden, bis die Behandlung anschlägt. Vom Tierarzt bekommt man in der Regel ein Mittel, mit dem man die befallenen Stellen regelmäßig auswaschen muss. Wenn sich auf den Stellen Krusten gebildet haben, könnt ihr sie vor der Behandlung schon einmal gründlich reinigen, um die Krusten zu entfernen. Dabei müsst ihr allerdings darauf achten, dass nicht mehr Fell nass wird als nötig, da Feuchtigkeit eine Verbreitung des Pilzes begünstigt! Eine weitere Behandlungsmöglichkeit besteht in einer speziellen Impfung gegen Pilz. Diese beugt nicht nur dem Pilzbefall vor, sondern kann auch während einer akuten Erkrankung eingesetzt werden.

Was ist sonst noch zu tun?
Putzzeug, Sättel, Decken usw. müssen regelmäßig vor dem Gebrauch desinfiziert werden, da sich das Pferd ansonsten an seinem eigenen Zubehör wieder anstecken könnte. Und auch anschließend dürfen diese Dinge nur für dieses eine Pferd benutzt werden! Auch Boxenwände, Holzzäune und sonstige Ansteckungsherde sollte man desinfizieren, wobei man besonders auf die Stellen achten sollte, an denen sich Pferde mit Vorliebe schubbern!
Für euch ist bei der Behandlung ebenfalls Vorsicht geboten, da sich Pilz auch auf den Menschen übertragen kann. Am besten könnt ihr euch schützen, indem ihr beim Kontakt mit den erkrankten Stellen Gummihandschuhe tragt, die ihr danach immer gleich mit desinfizieren könnt.

Hier kann der Herdenverband zum Problem werden
Richtig schwierig wird die Sache eigentlich erst dann, wenn gleich mehrere Pferde einer Herde von Pilz befallen sind, da das Risiko, dass sich die Pferde, selbst nach der erfolgreichen Behandlung einzelner, immer wieder gegenseitig anstecken, sehr hoch ist. Um dagegen an zu gehen, sollten auf jeden Fall alle Pferde während derselben Zeitspanne behandelt werden. Die gesamte Ausrüstung und Umgebung muss desinfiziert werden. Pferde, die noch keine Anzeichen zeigen, müssen ständig kontrolliert werden, um bei einsetzendem Pilzbefall direkt behandelt werden zu können. Hier lohnt sich Vorbeuge und Kontrolle wirklich!

Katinka Schnitker


* Zur Diskussion: Erziehung zwischen Lob und Strafe


Damit der Umgang mit dem Pferd sicher und unkompliziert möglich ist, muss jedes Pferd erzogen werden. Wer ein Pferd erziehen möchte, muss sich zunächst einmal grundsätzlich klarmachen, was es mit Lob und Strafe auf sich hat. Dazu ersetzen wir zunächst den Begriff der Strafe durch einen anderen: Wir strafen nicht, wir setzen dem Pferd Grenzen.

Strafe ist etwas sehr Negatives. Wenn wir strafen, schwingen immer auch unsere negativen Gefühle in unseren Handlungen mit. Deshalb verzichten wir auf Strafe, setzen unserem Pferd aber dennoch klare Grenzen. Wir stecken den Rahmen ab, wir bestimmen, welches Verhalten erwünscht ist, welches Verhalten vielleicht toleriert wird und welches Verhalten nicht geduldet wird.

Auf der anderen Seite betonen wir das Lob: Durch ein Lob wird das Pferd positiv verstärkt, d.h. es lernt, dass erwünschtes Verhalten mit angenehmen Reaktionen verbunden ist.

Situationsgerechtes Handeln
Wenn ein Pferd sich nicht gut benimmt und ungehorsam ist, müssen wir immer genau hinsehen und herausfinden, warum es sich auf diese Weise verhält. Vielleicht hat das Pferd ja einen guten Grund für diesen Ungehorsam, den man zunächst einmal beseitigen sollte? So könnte es beispielsweise Schmerzen haben, die es daran hindern, eine bestimmte Lektion auszuführen, die man von ihm erwartet. Oder es hat wirklich Angst vor irgendeinem „Ungeheuer“ am Wegesrand und weigert sich deshalb, weiterzugehen.
Andererseits gibt es aber auch Pferde, die irgendwann entdecken, dass sie mit einem scheinbar ängstlichen Verhalten immer durchkommen und diese Tatsache schamlos ausnutzen - denn Pferde sind ja nicht dumm. Wenn sie keinen Respekt vor „ihrem“ Menschen haben, kann das dazu führen, dass sie sich geradezu über ihn lustig machen!

Während das ängstliche Pferd Zuspruch und Ermutigung braucht, muss sich der Reiter bei dem intelligenten, eher frechen Pferd energisch durchsetzen. Die falsche Einschätzung der Situation kann hier fatale Folgen haben. Je besser ihr euer Pferd kennt, desto besser könnt ihr es erziehen und mit ihm umgehen.


Lob ermutigt
Grundsätzlich kann man mit Lob oft mehr erreichen als mit Strafe, indem man einfach das richtige Verhalten des Pferdes durch deutliches Lob belohnt und so verstärkt. Hier stellt sich aber die Frage: Was ist Lob? Lob sollte nicht darin enden, dass man sein Pferd wahllos bei jeder Gelegenheit mit Leckerlis vollstopft - das führt nämlich dazu, dass das Pferd wütend wird, sobald man einmal zufällig nichts dabei hat, und dann auch nicht mehr hört. Lob kann schon in einem Streicheln und Kraulen oder ein paar lobenden Worten bestehen - hier muss natürlich der Tonfall sehr deutlich machen, dass das Pferd etwas richtig gemacht hat. Lob wird vom Pferd nur anerkannt, wenn es auch Respekt hat! Wir empfinden es schließlich genauso: Wenn uns jemand lobt, den wir wirklich anerkennen und respektieren, bedeutet uns das viel mehr, als wenn das Lob von jemand kommt, der uns sowieso unterlegen erscheint.


Natürliche Autorität
Irgendwo zwischen Loben und Grenzen-Setzen muss jeder „Pferde-Erzieher“ die „natürliche Autorität“ entwickeln: Natürliche Autorität ist einfach eine Ausstrahlung, die man auf das Pferd hat. Diese Ausstrahlung verschafft einem den nötigen Respekt, der als Grundlage für jede Erziehung dient und dafür sorgt, dass Lob und Grenzen vom Pferd auch entsprechend gewürdigt werden. Wie aber erreicht man diese Ausstrahlung? Zum einen eben durch den richtigen, situationsangepassten Umgang mit Lob und Abgrenzung - das Pferd fühlt sich von uns verstanden und artgerecht behandelt. Zum anderen spielen hier Dinge wie Tonfall, Körpersprache und innere Einstellung eine ganz große Rolle! Um natürliche Autorität zu erlangen, musst du auch im Innern zu deinem Verhalten stehen und dir deiner selbst sicher sein. Wer eigentlich ängstlich ist, wird es nur selten schaffen, seinem Pferd Souveränität, Ruhe und Sicherheit zu vermitteln. Wer sich ruckartig und unsicher bewegt, wird damit ebenfalls Probleme haben. Und wer im falschen Moment energisch Gehorsam verlangt, schafft sich vielleicht Respekt im Sinne von Angst - aber den Respekt, den man auf einer Vertrauensbasis erlangen möchte, wird man auf diesem Weg nicht finden! Genauso ist es umgekehrt: Wer das Pferd noch lobt, wenn es selbst schon ganz genau weiß, dass es etwas falsch gemacht hat - wahrscheinlich sogar, um den Reiter zu provozieren und seine Grenzen auszutesten - der verliert ebenfalls an natürlicher Autorität.

Einfühlungsvermögen ist gefragt
Ohne Einfühlungsvermögen in das Pferd geht hier also gar nichts. Und gerade mangelndes Einfühlungsvermögen führt je nachdem dazu, dass Pferde - oft von besonders ängstlichen Menschen - zu schnell zu hart angefasst oder auch im falschen Moment gelobt werden. Der Einsatz von Lob und das Ziehen von Grenzen gehören zu den schwierigsten Dingen überhaupt im Umgang mit Pferden! Vor allem, da Fehlverhalten hier so grundlegende und langandauernde Konsequenzen haben kann.


 * Zum Wiehern: Geländereiten - mit Hindernissen


Jeder, der behauptet, ein gemütlicher Ausritt ins Gelände stelle keine Ansprüche an Pferd und Reiter, irrt sich gewaltig. Überall im Gelände lauern Fallen und Gefahren! Nehmen wir doch nur mal den Herbst, die Zeit des „Pilzsammler-Wechsels“: Wenn zum Entsetzen der Pferde, praktisch zu jeder Zeit und an jedem Ort, ein Pilzsammler hinter einem Baum hervorspringen kann. Und das auch noch meistens auf den Galoppstrecken!
Aber auch jede andere Jahreszeit hält so ihre Überraschungen für den leidgeprüften Geländereiter bereit.

Pfützen - eine Gefahr für Pferd und Reiter!
Mein Pferd ist beim Ausritt relativ aufmerksam, er achtet auf den Weg vor sich, stolpert nicht über Wurzeln (oder auf jeden Fall nur äußerst selten), er rennt inzwischen auch keine Spaziergänger oder Pilzsammler mehr um, und er übersieht auf gar keinen Fall eine auch noch so kleine Pfütze. Mit denen stand er nämlich auf Kriegsfuß! Früher sprang er im Angesicht einer Pfütze ohne Rücksicht auf Verluste kurzerhand rechts oder links in den Wald, in Gräben, auf Felder oder auf das, was sonst gerade da war. Bei diesen Aktionen fiel ich ein paar Mal herunter und schlug mir unzählige Male die Knie an im Weg stehenden Bäumen auf. Meinem Pferd dagegen passierte bis auf ein einziges Mal nichts dabei; da allerdings muss er sich irgendwie verrechnet haben! Auf jeden Fall sprang er auf der Flucht vor einer Pfütze geradewegs mit dem Kopf gegen einen Baum. Er hat sich dabei aber nichts Ernstes getan (obwohl böse Zungen das Gegenteil behaupten).

Stete Arbeit ändert immerhin die Art des Sturzes...
Nach einiger Zeit und viel Arbeit hatte ich mein Pferd dann soweit unter Kontrolle, dass ich ihn auch gegen seinen Willen auf der Mitte des Weges halten konnte. Doch damit gab er sich noch lange nicht geschlagen: Zwar näherte er sich den Pfützen jetzt auf der Mitte des Weges, doch blieb er ungefähr einen halben Meter vorher stehen, um sich die vermeintliche Gefahr erst einmal in aller Ruhe anschauen zu können. Da er diese Stopps mit einer gewissen Konsequenz vollzog und wir Pfützen auch durchaus im Galopp begegneten, trennten sich unsere Wege auch in dieser Zeit öfter mal.

Doch diese Zeiten sind jetzt vorbei...
Zum Glück hatten wir genügend Gelegenheit, um zu üben, und inzwischen geht mein Pferd wunderbar durch Pfützen, vielleicht sogar etwas zu gut, denn seit mein nicht allzu großes Pferd im vollen Galopp durch jede etwas größere Ansammlung von Wasser brettert, kommen wir zu bestimmten Jahreszeiten sehr selten trocken nach Hause.
Ein anderes Problem im Gelände stellen andere Pferde dar. Bin ich mit meinem Pferd alleine unterwegs, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder fremde Pferde kommen von vorne, ziehen an meinem vorbei und entschwinden in die andere Richtung, am besten noch Richtung Heimat, und lassen meins zurück. In diesem Fall kostet es mich ungefähr fünf Minuten, bis sich mein Pferd wieder in sein Schicksal ergibt. Der zweite Fall ist wesentlich schwieriger: Mein Pferd wird von hinten, am besten noch im Trab, überholt. Damit wird in meinem Pferd nämlich so eine Art krankhafter Ehrgeiz geweckt, der erst wieder Ruhe gibt, wenn er die Pferde seinerseits eingeholt und die Spitze übernommen hat. Mit solchen Aktionen haben wir uns übrigens auch einen gewissen Ruf erworben, da es die meisten Reiter ziemlich amüsiert, wenn nach einiger Zeit dasselbe übergewichtige Pony, das sie gerade zurückgelassen haben, schnaufend an ihnen vorüberzieht.
Abschließend würde ich sagen: Geländereiten ist nicht die einfachste Reitweise, aber sicher eine der nettesten (wenn auch nur fürs Pferd)!


Katinka Schnitker


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