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Herbstarbeiten - Langzügelarbeit - Scheren und Eindecken - Zur Diskussion - Zum Wiehern!


Equikids Ausgabe 09/2012


Der Oktober - letzte Chance zum Aufräumen vor dem Winter


Wer in den schönen goldenen Oktobertagen noch nicht an den Winter denkt, wird es im Winter bereuen. Nicht nur die Tiere sammeln sich Vorrat und bauen sich jetzt ihr Winterquartier aus - auch wir Menschen sollten das für unsere Pferde tun. Denn ist es erst einmal kalt, ist der Boden knochenhart gefroren oder regnet es an einem Stück, ist es oft zu spät, um gewisse Dinge zu erledigen.


Wintervorrat ausrechnen

Wer sein Pferd in eigener Regie hält, sollte spätestens jetzt ausrechnen, wie viel Heu und Stroh er über den Winter braucht. Kraftfutter ist kein Problem - das bekommt man bei jederm Futtermittelhändler in jeder beliebigen Menge. Gutes Heu und Stroh aber noch lange nicht. Und ist es ein mageres Heujahr, muss man spätestens jetzt die entsprechende Menge fest bestellen, sonst schaut man im Februar oder März in die Röhre.

Jetzt ist das Heu schon so weit ausgetrocknet, dass man sich beim Händler oder Bauern auch eine Probe nehmen und beurteilen kann. Ist es trocken und rösch, sind die Halme nicht zu weich und duftet es gut - dann schlagt zu: Bestellt die benötigte Menge fest. Es kommt euch meist billiger, als wenn ihr im späten Winter Notkäufe tätigen müsst.


Wiesen nochmals nachsäen

Im Oktober ist der Boden meist noch warm genug, um Kahlstellen in der Weide nachsäen zu können.  

Bevor man das tut, sollte man die Weide gründlich „abäppeln“, damit man die entstehenden kahlen Stellen mit einsäen kann. Und man sollte die Wühlmaushaufen glatt machen.

Das hat zwei Gründe: Wenn man die Pferde im Winter schon mal auf der hart gefrorenen Weide laufen lässt, können sie über die hoch hart aufgefrorenen Maulwurfs- oder Wühlmaushaufen ganz schön stolpern.

Aber selbst, wenn man die Pferde bis zum nächsten Heumachen nicht mehr auf die Weide lässt, sollte man diese Haufen glatt machen - sie machen nämlich viel Staub, wenn das Gras tief über der Erde gemäht wird. Und dieser Staub geht ins Heu... alles klar?

Jetzt kauft man sich spezielle Nachsaat, das ist meist Deutsches Weidelgras, also keine Untergräser, welche man in der Einsaat braucht.

Sind die Weiden nicht gerade riesig, kann man mit der Hand nachsäen. Dazu sucht man sich einen schönen trockenen und windstillen Tag aus und sät gegen Mittag oder am Nachmittag. Bis dahin ist das Gras auf der Weide abgetrocknet, und das muss es sein, sonst setzen sich die winzigen Grassamen an den Grashalmen fest und fallen nicht auf den Boden. Windstill sollte es sein, weil sonst der Samen schnell und weit verweht wird - man staunt, WIE schnell solch ein Samenkorn durch die Luft gewirbelt wird....

Warm genug muss es sein, sonst geht der Samen auch bei genügender Feuchtigkeit nicht mehr auf. Wenn man jedoch Glück mit dem Wetter hat, hat man gegenüber der Frühjahrssaat einige Wochen gespart.

Auch neue Weiden kann man im Oktober noch anlegen - aber dann gehört tatsächlich viel Glück mit dem Wetter dazu!

Ab November sollten die Weiden im Allgemeinen nicht mehr betreten werden, und bis dahin müssen sie tiptop sein!


Ausläufe befestigen

Oktober ist auch der letzte Termin, Ausläufe zu befestigen bzw. zu drainieren. Wohl dem, der im Vulkangebiet lebt, also dem weiteren Umkreis der Eifel: Hier ist Lava optimal für Ausläufe, und man hat wenig Sorgen damit.

Woanders - besonders bei Lehmböden - ist es schwieriger. Und bevor die Matsch-und Dreckzeit kommt, muss man etwas unternehmen.

Wenn man den Auslauf tatsächlich bis zum Winter nicht trocken bekommt, sollte man den Pferden wenigstens einen trockenen Platz zum Hinlegen anbieten. Das kann ein mit Kanthölzern abgeteiltes Stück sein, in welches man hoch Holzhackschnitzel (KEINE Hobelspäne!) packt. Man kann diese Stelle aber auch mit Tannenzweigen füllen. Sie sind luft- und feuchtigkeitsdurchlässig und bieten den Pferden ein angenehmes Bett. Tannenzweige bekommt man um diese Jahreszeit überall bei den Förster in rauen Mengen und umsonst - man muss sie sich nur aus dem Wald holen.

Auch geschreddertes Holz von den so genannten „Grünmüll-Deponien“ (was für eine schreckliche Bezeichnung, als ob Grünes Müll sein könnte!) eignet sich dazu. Das kann man sich lastwagenweise umsonst holen und dann etwa 40 cm hoch legen. Darauf noch eine Lage Tannenzweige - das ist dann eine wahre Luxusliege.


Zäune setzen und reparieren

Im November ist der Boden VIELLEICHT noch weich genug, um neue Zaunpfähle einzuschlagen. Sicher ist das aber nicht - also sollte man es besser jetzt tun.

Auch durchhängende Elektrobänder müssen nachgezogen bzw. ersetzt werden. ACHTUNG: Nicht jedes durchhängende Band ist noch funktionstüchtig! Oft sind die Metallleiter gerissen. Man sollte das also gründlich mit dem Zaunprüfgerät nachmessen, bevor es böse Überraschungen gibt...

Jetzt ist auch eine prima Möglichkeit, etwa noch bestehende Stacheldrahtzäune entgültig zu beseitigen. Wer einmal die entsetzlichen Verletzungen gesehen hat, die Stacheldrahtzäune in Pferdebeine reissen, wird sowieso kein Verständnis mehr dafür haben, wie man Pferde überhaupt in sowas halten kann!


Ein schwieriger Tag muss vorbereitet werden

Das endgültige Absetzen des Fohlens ist ein wichtiger und einschneidender Tag im Pferdeleben - sowohl für die Stute als auch für das Fohlen. Wer sein Fohlen nicht sanft nach und nach abgesetzt hat, muss sich jetzt entscheiden, wann der traurige Tag sein soll. Denn dann müssen Stute und Fohlen unwiderruflich und am besten außerhalb von Seh- und Hörweite voneinander untergebracht werden.

Das bedeutet, dass man die Aufzuchtweide oder den Aufzuchtstall des Fohlens nochmal gründlich und ohne vorherige Anmeldung in Augenschein nimmt - jetzt ist noch Zeit, notfalls einen anderen Stall zu suchen.

Das bedeutet aber auch, dass das Fohlen spätestens bis zu diesem Termin halfterführig sein sollte. Das erleichtert das Fortführen oder das Verladen doch sehr.


Die letzten Sonnentage ausnützen

Zwar haben die Pferde schon Winterfell, und bei robust gehaltenen Pferden kann man schon nicht mehr in den Abend hineinreiten. Aber noch sind die Tage warm und laden zu längeren Ritten ein. Die sollte man sich gönnen, wenn man alles winterfest gemacht hat. Wer weiß, wie matschig, regnerisch, windig der Winter wird...

Uta Over


Langzügelarbeit



In den letzten Ausgaben von Equikids haben wir uns bereits mit der Arbeit an der Doppellonge beschäftigt. Auch bei der Langzügelarbeit wird das Pferd an zwei Leinen bzw. eben langen Zügeln geführt. Der Führer ist jedoch deutlich näher am Pferd dran und kann deutlich unmittelbarer einwirken.


Bei der Langzügelarbeit gibt es keine Hilfszügel, keine Ausbilder oder Schlaufzügel. Hier geht es vor allem um eine fein abgestimmte Hilfengebung. Mit der Langzügelarbeit können am Boden diverse Lektionen erarbeitet werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Stellung und Biegung des Pferdes. So können sämtliche Seitengänge an der Hand erarbeitet werden. Die Ausbildung gipfelt in versammelten Lektionen. Vor allem die Piaffe als Element der Hohen Schule wird oft auch am Langzügel gezeigt. Sogar einige der sogenannten „Schulen über der Erde“ sind möglich: Bei der Levade etwa hebt sich das Pferd auf die Hinterbeine.

Doch auch zirzensische Lektionen werden oft am Langzügel erarbeitet und präsentiert. Vor allem der Spanische Schritt, bei dem das Pferd die Vorderbeine hoch hinaus streckt, wird gerne am Langzügel gezeigt, ebenso wie das Kompliment, das Hinknien und schließlich auch das Ablegen des Pferdes.

Da das Pferd dabei keinen Reiter tragen muss, kann diese Form der Arbeit oft sehr positiv eingesetzt werden. Junge Pferde können am langen Zügel auf die Arbeit unter dem Sattel vorbereitet und wirksam gymnastiziert werden. Die Muskulatur des Pferdes kann generell schonend aufgebaut werden, was besonders bei Rückenproblemen des Pferdes sinnvoll sein kann. Und auch alte Pferde freuen sich über diese zwar anspruchsvolle, aber nicht so belastende Form der Arbeit, die Abwechslung in ihren Alltag bringt.


Die Führposition

Der Führer geht seitlich versetzt direkt hinter dem Pferd. Die Position der Hände ist unter anderem abhängig vom Ausbildungsstand von Pferd und Führer: Am Anfang kann es sinnvoll sein, die innere Hand tief und deutlich seitlich zu führen (siehe Foto), später werden die Hände parallel geführt. Eine Dressurgerte in der inneren Hand dient dazu, dassa Pferd durch leichtes Touchieren, also leichte Berührungen aufzufordern.

Nun kann wie beim Reiten auch das Pferd gestellt werden. Auf gebogenen Linien wie Zirkeln, Schlangenlinien und Volten kann darüber hinaus die Biegung erarbeitet werden. Seine Position ermöglicht dem Führer, das Pferd genau zu beobachten und präzise zu reagieren.


Weitere Details der Einwirkung solltet ihr euch nicht anlesen, sondern unbedingt in der Praxis von einem erfahrenen Ausbilder bzw. einer erfahrenen Ausbilderin zeigen und erklären lassen. Viele Ausbilder bieten Kurse und Seminare in der Langzügelarbeit an – es lohnt sich!


Scheren und Eindecken



Es ist leider wieder so weit: Der Herbst ist da, das Wetter wird unbeständiger und kühler, und die Pferde reagieren wie immer – sie schieben kräftig Winterfell.

Das ist natürlich vernünftig. Das leichte Sommerkleid reicht nun nicht mehr aus, es braucht so langsam einen immer dichter werdenden Pelzmantel, um der Jahreszeit zu trotzen. Pferde kommen auf diese Weise sehr gut mit den unterschiedlichsten Klimabedingungen zurecht.

Deshalb sollte man gut überlegen, ob man ein Pferd im Winter scheren möchte. Man nimmt ihm damit seinen natürlichen Schutz und muss nun mit erheblichem Aufwand dafür sorgen, dass das Pferd immer richtig „angezogen“ ist. Eine Schur aus Modegründen, nur weil alle anderen das auch machen und das Pferd so ein schönes Muster bekommen kann, darf nicht sein!


Wann muss man scheren?

Wer im Winter keine Halle zur Verfügung hat, ist oft gut beraten, das Pferd nicht zu scheren. Denn ohne Halle sind die Arbeitsmöglichkeiten ohnehin eingeschränkt. Bei leichter Arbeit kann man darauf achten, dass das Pferd nicht zu stark ins Schwitzen gerät. Hinterher eine Abschwitzdecke drauf – dann kommt man auch mit Winterfell gut zurecht.

Wer aber ernsthaft mit seinem Pferd arbeiten möchte, der wird nicht drumrum kommen, das Winterfell in die Schranken zu weisen. Wenn das Pferd stark schwitzt, kann mit dem dichten Fell ein regelrechter Hitzestau entstehen. Hinzu kommt, dass das einmal nassgeschwitzte Winterfell nur sehr schwer und langsam wieder trocknet: Hier droht ein erhebliches Erkältungsrisiko!

Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten:


1. Eindecken, aber nicht scheren:

Wer rechtzeitig damit beginnt, sein Pferd zunächst nachts, bei sinkenden Temperaturen auch tagsüber einzudecken, braucht häufig gar nicht zu scheren: Wenn das Pferd warm angezogen ist, wächst das Winterfell meist gar nicht so stark. Eine Ausnahme können sehr ursprüngliche nördliche Rassen wie Isländer oder auch Norweger darstellen, bei denen das Winterfell genetisch stark festgelegt ist. Jetzt ist es dafür allerdings fast schon zu spät: Viele Pferde haben bereits deutlich Fell geschoben. Ab Anfang September kann je nach Witterung damit begonnen werden.

2. Der Rallye-Streifen:

Hierbei wird das Fell am Unterhals, an der Brust und in einem Streifen am Bauch entlang bis zur Flanke geschoren, eventuell auch noch um die Hinterhand herum. Dadurch erhält das Pferd die Möglichkeit, überschüssige Wärme leichter abzuführen; es schwitzt nicht so stark und trocknet schneller. Da das Pferd auf dem Rücken noch durch sein Fell geschützt ist, muss es bei trockenem und nicht zu kaltem Wetter häufig noch nicht einmal eingedeckt werden, vorausgesetzt, es hat freien Zugang zu einem Witterungsschutz.

3. Die Komplett-Schur

Wird das Pferd am ganzen Körper geschoren, muss es auf jeden Fall eingedeckt werden. Doch auch bei einer Komplett-Schur sollten Kopf und Beine am besten ausgespart werden. Die knochigen Partien sind schwer zu scheren, und das Fell schützt auch gegen Kratzer.


Welche Decken müssen sein?

Jeder Reiter braucht mindestens eine, besser zwei Abschwitzdecken für sein Pferd. Wenn das Pferd stark geschwitzt hat, reicht eine häufig nicht aus, die Decken müssen nach einiger Zeit getauscht werden, wenn die erste nass ist.

Wer sein Pferd im Winter eindecken möchte, braucht zusätzlich eine leichte Regendecke für die Übergangszeit und eine Thermo-Decke für den kalten Winter. Da Decken auch mal gewaschen werden müssen oder kaputtgehen können, ist es sinnvoll, jeweils zwei Exemplare in Bereitschaft zu halten. Da kommen schon einige Decken zusammen!


Wie wird geschoren?

Die Schur erfolgt am besten etwa Anfang Oktober. So kann das Fell bis zum Jahreswechsel, wenn es oft richtig kalt wird, noch etwas nachwachsen. Geschoren wird mit einer speziellen Schermaschine. Das Pferd muss in Ruhe an das Geräusch und die Vibrationen gewöhnt werden, damit es während der Schur ruhig stehen bleibt. Nun wird in gleichmäßigen Zügen genau gegen den Strich geschoren, am besten von der Hinterhand beginnend nach vorne.


Mit der Schur des Pferdes sind erhebliche Kosten und ein nicht geringer Aufwand verbunden. Es sollte daher gut überlegt werden, ob das wirklich sinnvoll ist!


Zur Diskussion:

Mein Pferd ist ein „Mischling“ - na und?


„Ich habe ein Rassepferd“, sagte neulich eine Reiterin, die eine - wie ich finde - eher mittelmäßige Stute hat. Sie war im Gespräch mit meiner Freundin, glücklicher und zu Recht stolzer Besitzerin einer Stute unbekannter Herkunft. Ihr Pferd könnte man für eine kräftige Welsh-Stute halten oder für eine kleine Friesen-Stute (wenn sie nicht dunkelbraun wäre). Auch ein bisschen spanisches Blut scheint sie zu haben, dafür sprechen der hochaufgesetzte und gut getragene Hals sowie die großen Augen, die ihr Gesicht beherrschen.

Ich habe dieses Pferd immer bewundert und weiß, dass meine Freundin es ziemlich billig gekauft hat - ein prima Reitpferd mit erstklassigem Charakter, „steinhart“, leistungsfähig und ungeheuer genügsam. So konnte meine Freundin über die etwas arrogante Bemerkung ihrer Mitreiterin auch mühelos lächeln. Wenn diese Bemerkung aber an jemanden gerichtet worden wäre, der weniger sicher ist, dass er ein Bombenpferd hat, hätte sie sehr kränkend wirken können.


Rasse - wie entsteht so etwas eigentlich?

Wenn der Mensch seine Finger nicht dazwischen hat, entsteht eine Rasse meist in einem bestimmten landschaftlichen Gebiet. Pferde, die dort leben, richten sich im Laufe von Jahrhunderten nach dem Klima und dem Futterangebot. Betrachtet man beispielsweise das arabische Pferd: Die Wüste bietet ihm wenig Futter, dafür aber harten Boden (sie besteht ja nicht nur aus Sand, sondern weitgehend auch aus Felsen und Geröll). Also wurden arabische Pferde im Laufe von Jahrhunderten genügsam, was das Futter angeht, schnell durch die Weite des Landes, und haben eisenharte Hufe.

Schaut man sich ein Bergpony wie beispielsweise die Bosniaken an: Auch sie sind von ihrer Landschaft geprägt. Kleine genügsame Pferde, die klar im Kopf sind und erstklassig klettern können.

Andere Pferde, die jahrhundertelang auf saftigen Weiden lebten, werden schwerer und brauchen dadurch auch mehr Futter, um ihren Körper zu erhalten, Kaltblüter beispielsweise. Der Mensch ging dann hin und kreuzte diese bodenständigen Rassen miteinander. Etwas schwerere spanische Pferde wurden mit arabischen Pferden gekreuzt, deutsche Landpferde mit Vollblütern usw..

Die Fohlen der ersten Generation waren sehr unterschiedlich. Wenn man jetzt aber konsequent weiterkreuzte, erhielt man irgendwann Pferde, die sich untereinander sehr ähnelten. Das war meist in der 8. oder 9. Generation, wenn man nicht systematisch vorging.

Jetzt waren sich Pferde einer bestimmten Abstammung alle gleich - eine RASSE war entstanden.

Später hat man dann Stutbücher geführt und genau darauf geachtet, dass diese Rasse jetzt sozusagen „unter sich“ blieb. Fremde Pferde durften nicht mehr eingekreuzt werden - und wenn, dann nur ganz vorsichtig und unter Aufsicht des Zuchtverbandes.


Sind Rassepferde besser?

Nein. Nur - wenn man ein „Rassepferd“ kauft, ist man etwas sicherer als bei einem „Mischlingspferd“, dass dieses Pferd ganz bestimmte Eigenschaften hat. Denn fast alle Pferderassen wurden auf bestimmte Eigenschaften hin gezüchtet. Es gibt Rassen, die ein hervorragendes Springvermögen haben, während andere Rassen tölten können. Iberische Pferde beispielsweise haben eine hohe Aktion, während das Englische Vollblut weite Bewegungen hat - „rassetypisch“ nennt man so etwas. Das ist schön, aber deshalb ist das Pferd noch kein besseres Pferd als ein Mix.


Auch Rassen „weichen auf“

Eine Zeitlang wurde es Mode, Haflinger mit Arabern zu kreuzen. Das war im Grunde keine schlechte Idee, denn im Stammbaum des Haflingers gibt es auch einen Araberhengst. Aber das ist schon über hundert Jahre her, und der Haflinger hat sich zu einem vernünftigen Bergpony entwickelt. Doch die neuen Mischlingsponys waren bildhübsch, und so ließen viele Züchter ihre Haflingerstuten von Araberhengsten decken.

Eine gefährliche Mischung, wie sich bald herausstellte. Denn allzuoft paarten sich das hitzige arabische Temperament mit der Bodenständigkeit oder Dominanz des Haflingers, und das ging gründlich schief.

Jetzt hat man eingesehen, wie schwierig es ist, zu kreuzen, und ist vorsichtiger geworden. Vollblüter aber werden immer wieder in „alte“ Warmblutrassen eingekreuzt. Wenn eine Oldenburger Stute dann mit einem Vollblüter gekreuzt wird, wird das Fohlen zwar als Oldenburger ins Stutbuch eingetragen - aber ein Mischlingsfohlen ist es trotzdem, auch wenn es „Papiere“ hat! Erst nach einigen Generationen wird sich das Oldenburger Blut wieder durchsetzen, und von dem vollblütigen Vater wird nur ein Spritzer mehr Härte und Temperament vorhanden sein.


Haflinger x Araber, Norweger x Hannoveraner - was ist sinnvoll?

Zuerst muss gesagt werden, dass die meisten Mischlingspferde aus Gleichgültigkeit oder Unkenntnis der Besitzer entstanden sind. Viele Pferdebesitzer sind sich überhaupt nicht darüber im Klaren, was sie den Pferden antun können, wenn sie sie „wild“ und ohne Verstand kreuzen. Glücklicherweise gleicht die Natur allzu große Unterschiede aus, denn die Natur ist immer aufs Überleben programmiert. Die meisten Mischlingspferde sind durchaus lebens- und leistungsfähig und stehen „Rassepferden“ nur in dem nach, dass man ihre besonderen Eigenschaften nicht vorher weiß, sondern nach und nach entdecken muss.

Dennoch:

Da gibt es kleine Pferde mit viel zu großem Kopf, Pferde mit viel Rumpf und dünnen Beinchen oder Pferde mit langem Hals auf einem kurzen Ponykörper. Die Pferde kommen damit alle irgendwie zurecht und kompensieren ihre Gebäudefehler. Die Frage ist nur, ob das sein muss...

Solche Pferde entstanden meist, wenn sich die Eltern so unähnlich waren. Dass ein Shetlandpony nicht zu einem Kaltblüter passt, sieht ja jeder noch mühelos ein. Dass es aber gefährlich ist, ein Nordpferd mit einem Südpferd zu kreuzen, ist schon schwieriger einzusehen.

Nordpferde beispielsweise haben einen anderen Körperbau, ein anderes Gebiss und ein anderes Fell als Südpferde. Bei dem Fohlen dieser Kreuzung passt das alles meist nicht so recht zusammen. Man sollte sich also überlegen, ob man ein Nordpferd mit einem Südpferd kreuzt. Besitzer von Araber x Norweger-Kreuzungen (das war eine Zeitlang auch in Mode) können ein Lied davon singen.

Wenn man ein Mischlingspferd decken lassen will, dann sollte es möglichst von einem Hengst sein, der ihm ähnlich ist, das birgt die wenigsten Gefahren.


„Ein Hengst unbekannter Herkunft...“

So heißt es in der Entstehungsgeschichte vieler Pferderassen, und nicht nur in der Entstehungsgeschichte - auch zwischendrin passierte es immer mal wieder, dass ein unbekannter Hengst wertvolle Stuten deckte und hervorragende Fohlen brachte. Das waren dann Mischlingsfohlen, und die Gestütsmeister schäumten vor Wut.

Diese Hengste jedoch waren oft prägend für die Rasse - und sie waren nicht vom Menschen ausgesucht worden und hatten keine Papiere. Ob man also ein Rassepferd oder einen Mischling hat - das ist doch egal! Wichtig ist, dass das Pferd harmonisch ist und mit seinem Körper und Geist in Einklang. Und wenn man eine Stute hat und sie decken lassen will, dann sollte man sehr darauf achten, dass der Hengst ihr im Körperbau grundsätzlich ähnlich ist.

Uta Over


Zum Wiehern: Erstaunlich...


Es ist wirklich immer wieder erstaunlich, wie unwahrscheinlich gut manche Reiter ihre Pferde kennen - da gibt es nun so viel Literatur darüber, wie man Pferde besser und richtiger verstehen kann: Jede Menge Experten und ihre Anhänger machen sich mit größter Sorgfalt daran, jedes noch so kleine Ohrenzucken der Pferde zu erkennen und zu deuten. Die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd scheint eine Wissenschaft für sich zu sein, und man könnte direkt Ehrfurcht vor all diesen Experten bekommen, wenn

- ja, wenn man nicht jeden Tag sehen würde, wie einige mehr oder weniger normale Reiter völlig problemlos in einem intensiven Zwiegespräch mit ihrem Vierbeiner versinken.

Und so sehr ich mich auch bemüht habe, ich habe noch nie gesehen, dass innerhalb eines solchen Gespräches irgendein aus Fachbüchern erworbenes Wissen verwendet wurde. Vielmehr handelt es sich bei diesen Gesprächen um einen netten Plauderton, auf den das Pferd in derselben Weise zu antworten scheint. Was genau die Pferde ihren Besitzern sagen, wird für Außenstehende wohl immer ein Rätsel bleiben, obwohl mir aufgefallen ist, dass die Antwort auf die Frage: "Möchtest du denn gerne noch ein Leckerli?" in den meisten Fällen "Ja" zu sein scheint.


Körpersprache?

So langsam beginne ich auch wirklich an jeglicher Form von Körpersprache der Pferde zu zweifeln, denn während allgemein behauptet wird, halbgeschlossene Augen, ein hängender Kopf und womöglich noch ein eingeknickter Hinterhuf wären ein Indiz für entspannte Schläfrigkeit, sieht man doch häufig die Besitzer dieser Pferde in der Bemühung neben ihnen stehen, beruhigend auf sie einzuwirken.

Und wenn ein Pferd mit angelegten Ohren und verspanntem Rücken durch die Gegend springt, können einem einige Besitzer tatsächlich erklären, dass ihr Pferd genau an dieser Stelle besonders gerne geputzt wird. So kommt es zu zahlreichen Irrtümern: Man denkt, das Pferd hätte sich erschreckt, dabei wollte es nur seinen Besitzer ärgern, es sieht so aus, als hätte das Pferd starke Rückenschmerzen, aber in Wirklichkeit genießt es das Aussitzen im Trab genauso wie der Reiter - usw...


Natürlich

Doch nicht nur die Körpersprache wurde anscheinend falsch bewertet, auch die Natur des Pferdes ist nicht so wie sie scheint: Fragt man einen liebenden Pferdebesitzer, warum sein Pferd seit mehreren Tagen in der Box steht, während alle anderen Pferde ihr Leben auf der Weide genießen, kann man überraschenderweise erfahren, dass es dem Pferd draußen einfach zu nass sei, eine Information, die ihm das Pferd mit Sicherheit auch in einem privaten Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit mitgeteilt hat.

Auch das Pferd als Herdentier wird völlig überschätzt, denn anstatt bei ihrer Herde zu sein, ziehen es viele Pferde vor, stundenlang von ihren Reitern betüddelt zu werden, wobei sie besonders das Ausprobieren immer neuer Frisuren zu genießen scheinen.

Ja, so sind sie also, die wahren Experten: Sie kennen ihre Pferde, sie wissen, was diese denken und was sie möchten, und das, ohne sich jemals auch nur einen Gedanken über Körpersprache oder Natur der Pferde machen zu müssen und selbst ohne ein einziges Mal etwas genauer hinzusehen, wirklich bewundernswert...

Katinka Schnitker


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