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Problempferde: Steigen, Teil II - Vorbereitung auf die Herbstjagd - Der richtige Auslaufboden - Zu viel des Guten? - Zum Wiehern!


Equikids Ausgabe 09/2012

Ungehorsam auf zwei Beinen – Teil II

Auge in Auge mit der Gefahr


Die Ursachen des Steigens waren unser Thema in der letzten Ausgabe von Equikids (siehe Archiv). Nun geht es konkret weiter: Was tun im Falle eines Falles?

Was auch immer die Gründe für das Steigen sein mögen, die Situation an sich ist grundsätzlich gefährlich. Ob Mensch und Tier heil da heraus kommen, ist überwiegend eine Frage des Gleichgewichts. Erstens kann sich nur ein wirklich ausbalanciertes Pferd trotz des Reiters auf dem Rücken gut genug selbst einschätzen, um nicht nach hinten über zu schlagen. Zweitens hat natürlich auch die Haltung des Reiters großen Einfluss darauf, ob die Landung nach vorne oder nach hinten erfolgen wird.

Empfehlenswertes Verhalten während des Steigens
- nicht treiben
Haben die Vorderhufe bereits den Boden verlassen, sollte man sicherheitshalber auf treibende Hilfen verzichten. Zur Veranschaulichung dieser Aussage kann folgender Fall dienen: Eine Stute, die es sich zur Gewohnheit hatte werden lassen, auf Probleme mit Steigen zu reagieren, sollte korrigiert werden. Wieder wollte sie sich auf bekannte Weise den Hilfen entziehen, woraufhin der Reiter mit entschlossenem Vorwärtstreiben reagierte. Leider hatte die Stute ihren Schwung schon nach oben gerichtet. Die Hilfen des Reiters verstärkten diesen mehr, als das Pferd selbst geplant hatte. Es gab einen gesprungenen Überschlag nach hinten, bei dem der Reiter zuunterst und die Stute zuoberst landeten. Nur durch großes Glück blieb dieser Unfall ohne ernste Folgen.
- mit dem Oberkörper das Gleichgewicht halten
Für ein normalerweise vierfüßiges Tier bedeutet das Stehen auf den zwei Hinterbeinen einen enormen Balance-Akt. Der Reiter sollte sich bemühen, seinen eigenen Schwerpunkt über dem des Pferdes zu halten. Je nach Ausmaß des Steigens bedeutet dies, den Oberkörper mehr oder weniger stark nach vorne zu beugen. Im Extremfall muss die eigene Achse sich mit der des Pferdes in der Senkrechten treffen, der Reiter schmiegt sich dann eng an den Pferdehals. Wer wie ein schlecht gepackter Rucksack dem Pferd am Rücken hängt, verstärkt deutlich die Gefahr des Überschlags. Den aufrechten Sitz auf erhobenem Pferd überlassen wir den Reitern der hohen Schule auf entsprechend trainierten Rössern.
- sich nicht am Zügel festhalten
Mangelnder Knieschluss in einem unsicheren Sitz kann dazu führen, dass der Reiter versucht, sich an den Zügeln festzuhalten, sobald das Pferd steigt. Das Ergebnis einer solchen Aktion ist recht eindrucksvoll: Das Pferd wird mit den Zügeln erst recht nach oben gezogen, das daran hängende Reitergewicht tut ein Übriges, um jede Balance zu zerstören. Der Sturz folgt praktisch unausweichlich.
- nicht die Zügel ganz freigeben
Ebenso falsch und schädlich ist es, sich mit durchhängenden Zügeln nach vorne zu werfen, sobald das Pferd auch nur zum Steigen ansetzt. Diese Reaktion des Reiters ist die beste Ermutigung zum Ungehorsam, die er nur geben kann. Für das Pferd präsentiert sich die Situation so, dass es durch einen freien Zügel belohnt wird, sobald es sich hochhebt. Selbst wenn es diese Möglichkeit zunächst nur zögerlich in Erwägung gezogen hat, wird es – derart ermuntert – schon bald mit System an die Sache herangehen. Besonders Unstimmigkeiten im Maul wird es so zu seinen Gunsten entscheiden.
- Kontakt zum Pferdemaul behalten
Wie in jeder anderen Problemsituation auch gilt beim Steigen der wichtige Grundsatz, nie den Kontakt zum Pferdemaul aufzugeben. Diese Kommunikationslinie sollte weiterhin genutzt werden, um dem Pferd klar zu machen, dass sein Ausbruchsversuch nach oben es nicht aus unseren Hilfen entlassen wird. Wohlgemerkt, es geht nicht um Ziehen oder gar scharfes Rucken am Maul! Lediglich der "heiße Draht" zwischen Ross und Reiter sollte nicht unterbrochen werden.

Wenn der Sturz unvermeidbar wird
Die meisten Stürze, die durch Steigen verursacht werden, enden glücklicherweise recht glimpflich. Nur selten verliert ein Pferd wirklich "sprunghaft" sein Gleichgewicht. In der Regel kommt der Fall fast wie in Zeitlupe auf den Reiter zu. Das Pferd kippt normalerweise nicht einfach hinten über, sondern sackt zunächst mit der Hinterhand ein, setzt sich sozusagen hin, und rollt sich dann seitwärts ab. Wer in dieser Situation die Nerven behält, kann durchaus wohlbehalten auf seinen zwei Beinen landen, indem er einfach neben dem Pferd absteigt, wenn dieses gerade "sitzt". Voraussetzung dafür sind zugegebenerweise ein sicherer und korrekter Sitz sowie reiterlicher Überblick. Nach einer wie auch immer gearteten Landung des Reiters sollte dessen Devise jedoch lauten: Weg vom Pferd! Abrollen und genügend Abstand gewinnen ist oberstes Gebot, um nicht unter den fallenden Pferdekörper zu geraten.

Steigen vermeiden
Aus welchen Gründen ein Pferd sich das Steigen auch angewöhnt haben mag – die Korrektur ist schwierig, aber nicht unmöglich. Im Wesentlichen geht es um Folgendes:
- genügend Vorwärtsschwung aufrecht erhalten!
Um sich auf die Hinterbeine zu stellen, muss ein Pferd extrem zurückkommen. Das heißt, es verlagert sein Gewicht deutlich auf die Hinterhand. Es ist daher natürlich, wenn auch keineswegs zu akzeptieren, dass immer wieder speziell beim versammelten Reiten Missverständnisse zwischen Ross und Reiter zu einer zweibeinigen Einlage führen. Neigt ein Pferd generell zum Steigen, sollte der Reiter besonders darauf achten, die treibenden Hilfen korrekt anzuwenden und mit ihnen durchzukommen. Sowie sich sein Tier ohne reiterliche Aufforderung zurücknimmt und hinter seinen Hilfen bleibt, ist mit einem Aufbäumen zu rechnen. Energisches Vorwärts – solange noch alle vier Hufe am Boden sind, siehe oben – kann die Situation retten. Reichen Gewicht und Schenkel nicht aus, kann es in einem solchen Fall angebracht sein, auch die Gerte zum Einsatz zu bringen. Abhängig ist deren Einsatz allerdings von der Sensibilität und dem Charakter des Pferdes. Löst die Gerte reine Panik aus oder veranlasst sie ein Tier, sich dem Reiter jetzt erst recht entgegen zu stellen, müssen selbstredend andere Wege gesucht werden.
- konsequent am Außenzügel reiten
Wie oben bereits erwähnt, kann ein zu fester Innenzügel Ursache für ein steigendes Pferd sein. Wo dieses Problem bereits zum Programm gehört, muss umso deutlicher darauf geachtet werden, das Pferd mit dem Innenbein an den Außenzügel heran zu reiten, um immer wieder am Innenzügel nachgeben zu können. Solange Kontakt und vertrauensvolle Anlehnung an die äußere Reiterhand aufrecht erhalten werden, wird das Pferd nicht nach oben ausweichen.
- Abwenden
Eine wirkungsvolle Sofortmaßnahme besteht darin, das Pferd sofort scharf abzuwenden, sobald der Reiter merkt, dass es zum Steigen ansetzt. Diese Nothilfe kann sogar noch dann angewandt werden – sofern der Reiter sich darauf einstellen kann –, wenn die Vorderhufe schon leicht angehoben sind. Durch das Seitwärts wird der Schwung nach oben gebrochen und in eine Drehbewegung umgewandelt. Solange die Steigung nicht schon fast oder ganz senkrecht ist, kann dadurch die Situation durchaus entschärft werden. Besser ist es natürlich, das Problem bereits im Ansatz zu erkennen und entsprechend früh die Wendung einzuleiten, um so das Pferd von seinem Vorhaben abzubringen.

Ursache – Problem - Lösung

Unabhängig von der Ursache ist Steigen unter dem Reiter ein sehr gefährliches und leicht zur Gewohnheit werdendes Problem. Dieses kann grundsätzlich nur dann gelöst werden, wenn die Rangfolge zwischen Mensch und Tier zugunsten des Menschen geklärt werden konnte und wenn der Reiter das Zusammenspiel der Hilfen aus einem guten Sitz heraus effektiv und sicher beherrscht. Stellung und Biegung, geritten am Außenzügel, sind die beste Lösung aus dem Sattel heraus. Denn sofern es sich nicht um einen Gymnastikkünstler unter den Tieren handelt, kann ein gebogenes Pferd nicht steigen.

Ute Forler


Vorbereitung auf die Herbstjagd


Die Herbstjagd erfordert eine hohe körperliche Leistung von Pferd und Reiter. Derart hohe Leistungen kann man nicht von heute auf morgen vom Körper verlangen, ohne dass er Schaden nehmen würde. Pferde stecken erstaunlich viel weg - aber ein ausgepumptes Pferd am Halali ist doch eine Schande für den Reiter.

Also sollte man rechtzeitig daran gehen, sich auf die Herbstjagd vorzubereiten.


Grundvoraussetzung: Ein durchgerittenes Pferd

Die beste körperliche Kondition nützt dem Pferd und damit dem Reiter nichts, wenn das Pferd nicht gut an den Hilfen steht. Das bedingt jedoch eine konsequente dressurmäßige Ausbildung. Wer meint, er könne daran vorbeigehen, gehört dann zu den Reitern, die sich während der Herbstjagd die Finger blutig reiten - und nicht nur sich, sondern auch ihrem Pferd das Maul. Denn beginnt bei der Jagd erst einmal das Herdengefühl vom Pferd Besitz zu ergreifen, kann man es durch bloßes Ziehen am Zügel kaum noch regulieren. Da hilft nur ein vorheriges ausgiebiges Dressurtraining, an welches man ein Pferd auch in der Stresssituation der Herbstjagd erinnern kann.

Ein Pferd, das nicht gelernt hat, Hilfen anzunehmen und auf Weisungen des Reiters zu reagieren, sondern sich bis dahin nur so recht und schlecht im Gelände zurechtwurschelte, ist eine Plage auf einer Jagd.

Will man allerdings in diesem Jahr noch eine Jagd mitreiten, ist es jetzt zu spät, mit der dressurmässigen Grundarbeit zu beginnen, denn die dauert mindestens ein bis zwei Jahre. Vielleicht fangt ihr jetzt damit an und reitet dann im nächsten Jahr eure erste Jagd! Das ist dann bestimmt angenehmer für euch und euer Pferd, als wenn ihr mit einem nicht durchgerittenen und damit nicht gehorsamen Pferd „irgendwie“ mit den anderen Reitern mitreitet.

Selbst, wenn ihr es nicht merken solltet, wie schlecht euer Pferd mangels dressurmässiger Arbeit reagiert, weil es euch bisher noch gar nicht so aufgefallen ist: Die anderen merken es!


Konditionsaufbau

Euer Pferd sollte mindestens sechs bis sieben Jahre alt sein, bevor ihr daran denkt, eine ernsthafte Herbstjagd mitzureiten; vorher ist es noch „zu weich“. Die Knochen sind zwar schon ausreichend stabil, aber Sehnen und Bänder können noch gar nicht die nötige Festigkeit haben. Die meisten Verletzungen bei Jagden geschehen daher auch bei jungen Pferden gerade in diesem Bereich. Und gerade Sehnen- und Bänderverletzungen brauchen extrem lange Zeit zum Ausheilen.

Beginnt das Konditionstraining nach einer entsprechenden Schrittstrecke mit langen Trabwegen, in denen das Pferd sich strecken darf - ruhig auch mal am langen Zügel und bei leichtem Reitersitz „in die Tiefe“, das stärkt die Rückenmuskulatur.

Diese Übung solltet ihr euer Pferd auch nach langen Galoppstrecken immer wieder gehen lassen, damit die zusammengezogenen und angestrengten Muskelpartien des Rückens sich wieder strecken können.

Wechselt wie später bei der Jagd auch jetzt im Konditionstraining Schritt, Trab und Galopp regelmäßig ab, denn bei jeder Gangart werden andere Muskelgruppen angesprochen und damit trainiert.

Konditionsaufbau bedeutet keineswegs nur schnelles Reiten. Gerade im langen Schritt, wenn die Muskulatur sich strecken muss, kann man wunderbar Kondition aufbauen. Selbstverständlich weder im Zockelschritt noch im überforderten Schritt, sondern im langen und gleichmäßigen Schritt, der nie an die Obergrenze dessen geht, was der Pferd leisten kann. Sowie das geschieht, verkrampft sich das Pferd, und die Leistung wird geringer. Achtet darauf, dass euer Pferd im Schritt zwar energisch, aber immer gelöst geht! Bei diesem Tempo werden sogar die Lungen trainiert; das Pferd atmet dabei zwar nicht so stoßartig wie beim Galopp, aber es atmet völlig tief durch und dehnt und durchblutet damit die Lunge ausreichend.

Das Trabtraining sollte teils im Leichttraben, teils im Entlastungssitz ausgeführt werden, niemals jedoch ausgesessen, da die Hinterhand dabei zu sehr belastet würde. Beim Leichttraben darf man allerdings nicht vergessen, regelmäßig „den Fuß“ zu wechseln; dieses Problem stellt sich beim Entlastungssitz glücklicherweise nicht.

Zum Konditionsaufbau gehört unbedingt Bergauf- und Bergabreiten, wobei das Tempo bergauf durchaus forciert werden kann. Bergab geht man dann langsamer, um die Vorhand des Pferdes nicht zu sehr zu belasten; das wird auch auf der Herbstjagd so sein.

Wenn ihr im ersten oder im zweiten Feld mitreiten wollt, muss euer Pferd nicht nur in der Lage sein, sauber zu springen, sondern es muss ein Hindernis auch selbständig taxieren können; denn klugerweise solltet ihr eurem Pferd gerade in der Aufregung der Herbstjagd einen Teil der Entscheidung, WANN es abspringen will, selbst überlassen. Pferde kennen den richtigen Absprungpunkt nämlich meist besser als ihre Reiter - wenn es mal „nicht passt“, ist meistens der Reiter schuld, der seinem Pferd dazwischengefunkt hat.

Übt diese Selbständigkeit also rechtzeitig vorher und lernt selbst, euch auf euer Pferd zu verlassen. Wenn man sich englische Jagden anschaut, kann  man sehen, wieviel Zügelfreiheit die Reiter ihren Pferden dort in dem oft unwegsamen Gelände lassen, und wie geschickt die Pferde sich oft „retten“, wenn sie nach einem Sprung, den sie nicht überblicken konnten, etwas ungeschickt aufkommen (was der Reiter auch nicht hätte verhindern können...).

Das tägliche Konditionstraining sollte so gestaltet sein, dass das Pferd täglich für einige Minuten kurz unterhalb seiner Leistungsgrenze ist, und zwar im zweiten Drittel der Trainingszeit. Danach ist es Zeit, die Arbeit ruhiger zu gestalten, bis sie dann ruhig abklingt. Wenn das Pferd in den Stall kommt, sollte es seine normalen Puls-, Atem- und Temperaturwerte erreicht haben.

Zum Konditionsaufbau gehört leider auch, dass die Weidezeit für die Pferde eingeschränkt wird, denn „voller Bauch“ studiert nicht nur nicht gern, er macht auch körperlich träge und schleppt viel zu viel Gewicht mit sich herum. Im September sind die Weiden schon magerer, morgens und abends eine oder eineinhalb Stunden reichen aus für ein Pferd im Konditionsaufbau.

Diese Zeit sollte man ihm allerdings gönnen. Wenn die Weide nicht gerade extrem fett ist, kann das Pferd sich in dieser Zeit gar keinen Weidebauch anfressen - es kann aber ruhig vor sich hin gehend Hälmchen für Hälmchen rupfen. Das trainiert den Körper bei sehr langsamer Füllung des Magens. Wenn ihr eurem Pferd nach dem Weidegang erst zwei Stunden Zeit zum Verdauen gebt, bevor ihr mit dem Training beginnt, wird ihm die Weide gewiss nicht schaden, ihm aber ein ausgeglicheneres Gemüt geben, als wenn es die ganze Zeit außer der Arbeit in der Box steht und die Wände anstarren  muss.

Woraus hervorgeht, dass die bessere Haltung darin besteht, wenn das Pferd neben seiner Box einen jederzeit frei zugänglichen Paddock hat. Das macht das Pferd keineswegs müde und lahm, lässt es aber an der Umwelt teilhaben und damit ausgeglichener werden. Wenn es die Möglichkeit hat, sich in seine Box zurückzuziehen, kann es sich dort nach der Arbeit ausruhen.


Reiten in der Gruppe

Nicht alle Pferde kennen es, in einer großen Gruppe zu gehen. Daher kommen beim Sammeln zur Jagd die oft unschönen Bilder, wenn Pferde schon vor dem Abritt regelrecht durchdrehen, sind sie doch nach Jahren der Abstinenz wieder einmal in einer richtig großen Herde - das törnt ganz schön an!

Das disziplinierte Reiten in der Gruppe muss also vorher konsequent geübt werden. Und zwar muss jeder Reiter nach Absprache an jeder Stelle der Gruppe reiten können. Es muss geübt werden, andere Pferde zu überholen und zurückzubleiben.

Kluge Ausbilder bringen das Pferden schon bei der Grundausbildung bei; aber leider kennen das nicht alle Pferde. Und wenn man das erst bei der Jagd feststellt, wird einem die Freude am Reiten ganz schön vermiest werden!

Bei diesen Gruppenübungen kann man auch feststellen, wie das eigene Pferd darauf reagiert, wenn ein fremdes Pferd ihm einmal zu nahe kommt. Schlägt es nach dem fremden Pferd, kann man es zwar bestrafen - aber man sollte es zur eigenen Sicherheit und der anderer Reiter und Pferde auch unbedingt als möglichen Schläger zeichnen: also rote Schleife in den Schweif binden. Das ist keine Schande, schließlich gibt es ja auch Menschen mit großer Individualdistanz, aber es ist ein deutliches Zeichen für die anderen Reiter, Abstand zu halten. Wenn euch dann doch jemand zu nahe kommt, könnt ihr bedeutsam hinter euch auf den schleifengeschmückten Schweif eures Pferdes zeigen!


Hufbeschlag und Sattelzeug

Nichts darf bei der Jagd neu sein. Alles muss erprobt und glatt sein, denn es wird strapaziert werden.

Also legt den letzten Hufbeschlagstermin vor der Herbstjagd zwei Wochen vor den großen Tag. Nach zwei Wochen klappern die Eisen bestimmt noch nicht - sollten sie aber zu Beginn der Beschlagsperiode etwas unbequem gewesen sein, ist noch Zeit, dies zu korrigieren.

Sattelzeug und Kopfstück und alles, was das Pferd trägt, müssen nicht nur sauber und gepflegt, sondern ihm auch gewohnt sein. Der Sattel muss über längere Zeit erprobt sein, sonst könnte er gerade bei der extremen Anspannung bei der Jagd drücken. Ebenso sollte das Gebiss kurz vorher noch einmal gründlich überprüft werden: Fahrt mit den Fingerkuppen an allen Kanten entlang, ob sie noch rund sind. Auch leicht scharfe Kanten tun weh, wenn man die Zügel in der Hektik der Jagd etwas fester anfasst als sonst.

Apropos Zügel: Bei der Jagd ist es angesagt, mit Gurtzügeln zu reiten, weil man mit ihnen - was man ja eigentlich nie tun sollte, manchmal aber leider muss - besser zupacken kann. Geschmeidige Lederzügel haben viele Vorteile - aber bei leichter Nässe flutschen sie einem unwiderstehlich durch die Hand. Aber auch die Gurtzügel dürfen nicht neu sein, denn dann sind sie noch hart und stockig in der Hand. Kauft sie also am besten gleich zu Beginn des Konditionstrainings, dann sind sie am Jagdtag gerade weich genug.


Die eigene Ausrüstung

Eure eigene Ausrüstung besteht im Idealfall in einer hellen Hose, dunklen Stiefeln (stilecht mit braunem Umschlag), einem grünen oder roten Rock und einer guten Reitkappe. Hinzu kommt ein helles Hemd mit Plastron, das mit einer hübschen Plastronnadel gehalten wird. Das kann eine Nadel mit dem üblichen Pferdemotiv sein, aber auch eine einzelne Perle sieht gut aus.

Geschmeidige Lederhandschuhe und eine kurze Gerte vervollständigen das Bild des Jagdreiters.

Und wenn das alles vorhanden ist und Reiter und Pferd eine gute Kondition haben, kann’s losgehen!

Uta Over


Der richtige Boden

Nur ganz wenige Pferdebesitzer sind mit ihren Auslaufböden zufrieden - die Pferde vermutlich noch viel weniger. Im Winter ist es matschig oder rutschig und im Sommer hart und staubig. Das muss natürlich nicht sein. Wenn aber mehrere Pferde auf engem Raum stehen, ist es fast unausweichbar - es sei denn, man befestigt den Untergrund und sorgt gleichzeitig für einen Abfluss des Regenwassers. Dass darüber hinaus noch das tägliche Absammeln der Pferdeäpfel erledigt werden muss, versteht sich von selbst, denn auch der teuerste Auslauf verdreckt und wird zum Krankheitsherd, wenn er nicht saubergehalten wird.


Die Kriterien

Pferdehufe sind nicht dafür gemacht, ständig auf hartem oder ständig in matschigem Boden zu stehen. Der elastische Huf braucht unterschiedliche mechanische Reize, um gesund zu bleiben. Dazu gehört die Feuchtigkeit ebenso wie ein teils harter, teils weicher Boden.

Daraus resultiert, dass man einen Auslauf, wenn irgend möglich, in verschiedene Zonen unterteilen sollte, in denen die Pferdehufe und -beine jeweils unterschiedlichen Reizen ausgesetzt sind; denn der harte Boden, der „gut“ für die Sehnen ist, „schadet“ dem Knochenapparat. Wichtig ist in jedem Fall, dass der jeweilige Boden zusammenhält, also nicht in der Mitte einen Haufen bildet und gegen die Ränder abflacht.

Um das zu verhindern, müssen die unterschiedlichen Bodenzonen gut ausgefüllt und durch Befestigungen voneinander getrennt sein. Das kann ein dickes Rund- oder Vierkantholz sein, über das die Pferde steigen müssen. Es kann aber auch einfach eine Reihe miteinander befestigter alter Autoreifen sein.

Diese „Hindernisse“ sorgen dafür, dass sich die unterschiedlichen Böden nicht oder zumindest kaum miteinander vermischen. Darüber hinaus haben sie noch den Vorteil, dass die Pferde auch beim Rennen und Toben im Auslauf darauf achten, wo sie hintreten, und sorgsam ihre Füße heben.

Rutschige oder scharfkantige Unterteilungen sind hingegen nicht geeignet. Eine schmale Unterteilung aus glattem Gummiboden kann schon böse Unfälle verursachen, wenn ein Pferd darauf ausrutscht. Und auch metallene Abtrennungen sind ungeeignet! Am besten sind Holz- oder weiche Plastik-Rundpfähle.

Die teilweise so beliebten ausrangierten Eisenbahnschwellen hingegen sollten nicht genommen werden. Ihre Ausdünstungen sind auch nach Jahren noch eindeutig krebserregend; es gibt Urteile, nach denen Leute, die mit diesen Eisenbahnschwellen ihren Garten einzäunten, die Dinger wieder abbauen mussten, weil die Ausdünstungen als gesundheitsschädigend eingestuft wurden. Also lieber Finger weg davon - auch wenn sie „tausend Jahre“ halten...


Drainagen

Sie sind das A und O des Bodens, denn ohne Drainagen läuft das Regenwasser fast nirgends richtig ab.

Es gibt verschiedene Arten, einen Boden zu drainieren. Alle sind aber nicht mit reiner Muskelarbeit zu bewerkstelligen und sollten von Fachleuten durchgeführt werden.

Entweder kann man Drainagerohre in den Boden legen; die gibt es als perforierte Kunststoffrohre, die sich leicht verlegen lassen. Dazu hebt man einen etwa dreißig Zentimeter breiten und ebenso tiefen Graben aus, in den man unter die Rohre eine Schicht Kies legt. Danach wird der Hohlraum mit Kies und Schlacke ausgefüllt, und darüber kommt dann erst der endgültige Bodenbelag.

In den Gegenden Deutschlands, in denen Lava abgebaut wird, kann man auch mit Lava drainieren. Die unterste Schicht besteht aus sehr grober Lava, darüber kommen zwei weitere jeweils feinere Schichten. Die oberste Schicht ist fast so fein wie Sand und muß gut durchgerüttelt werden. Sie verfestigt sich, ist aber doch wasserdurchlässig.

Ähnlich funktioniert die Drainage mit Schotter und Kies, beides Materialien, die ihre Form kaum verändern und daher Wasser durchlassen.

Eine weitere Möglichkeit der Drainage ist ein Trockensieb, wie es beispielsweise in der Papierherstellung gebraucht wird. Diese Siebe werden von einschlägigen Betrieben praktisch kostenlos abgegeben. Sie sind in verschiedenen Größen zu bekommen, wobei man zu der größten Größe raten muss. Denn wenn es überlappende Stellen gibt, können die von scharrenden Pferden schon mal freigelegt werden; und dann machen sich die Pferde einen Spaß daraus, das ganze Sieb freizulegen...


Naturmaterialien

Die Natur hat den Boden nicht für eine derartig massive Nutzung gemacht, wie sie durch die ständige Belastung durch Pferdehufe entsteht. Kaum ein natürlicher Boden hält das aus; er verdichtet sich, wird klumpig und friert im Winter möglicherweise hoch auf.

Allerdings gibt es einige Bodenarten, die - mit einer vernünftigen Drainage versehen - sehr wohl als Auslaufböden geeignet sind.


Sandausläufe

In Norddeutschland sind sie dort an der Tagesordnung, wo der Boden durchlässig ist. Ein guter Sandboden staubt im Sommer nicht, imWinter matscht er nicht; und er friert auch nicht auf. Hat man keinen durchlässigen Untergrund, so muss man mit technischen Mitteln für einen Abfluss sorgen.

Sandboden lässt sich gut sauberhalten, d.h. das tägliche „Äpfelsammeln“ macht keine Probleme, ist aber wie bei allen anderen Böden ein Muss!

Sandböden können dagegen ganz andere Probleme machen, wenn auf diesen Böden gefüttert wird: Mit dem Raufutter beispielsweise nehmen die Pferde immer mal wieder ein paar Sandkörner auf. Ein paar schaden ja noch nicht; da sie aber schwer sind, sacken sie im Magen bzw. im Darm ab und führen zu grauenhaften Magen- bzw. Darmverschlüssen, die nur operativ gelöst werden können.

Daher sollte man auf Sandböden oder auch in der Nähe von Sandböden niemals füttern, denn auch einzelne Heuhalme, die vom Wind in den Sandauslauf geweht werden, werden von den Pferden aufgenommen - und damit auch Sandkörner!


Lava

Lava eignet sich nicht nur als Drainage, sondern auch als Auslaufboden. Die oberste Schicht darf allerdings nicht die feinste Körnung haben, sonst weht sie im Sommer beim leichtesten Windzug wie ein roter Schleier über das Land...

Lavaböden sind immer trocken, weil das Wasser extrem gut versickert. Das hat im Sommer allerdings den Nachteil, dass der Boden leicht hart wird und unbeschlagenes Hufhorn abschmirgelt. Als Alternative zu einem Lava-Auslauf sollte man für diese Zeit also unbedingt einen weichen Boden haben. Im Winter hingegen ist Lava ideal - kein Rutschen, kein Matsch, kein Auffrieren des Bodens.


Holzhackschnitzel

Holzhackschnitzel sind ein hervorragendes Material für Pferdeausläufe - vorausgesetzt, sie sind guter Qualität, und der Unterbau stimmt. Die Hackschnitzel sollten aus abgelagertem Holz sein, da dies langsamer zusammenfällt, und unterschiedliche Größen haben. Erst durch die Unterschiedlichkeit der Größen verbinden sich die einzelnen Schnitzel zu einer festen und gleichermaßen federnden Tretmasse, die wasserdurchlässig ist.

Außerdem muss man unbedingt darauf achten, aus welchem Holz die Hackschnitzel hergestellt werden. Schon eine einzelne in der Masse enthaltene Robinie (falsche Akazie) kann tödlich für die Pferde sein, da bereits eine geringe Menge Rinde oder Blätter zum Tode führen. Ebenfalls ungeeignet ist Eiche (wegen der darin enthaltenen Gerbstoffe).

Normalerweise werden aber sowieso Weichhölzer wie Kiefer und Tanne genommen, die allerdings weitgehend entrindet sein sollten. Je höher der Rindenanteil, desto schneller verrottet der Boden. Holzhackschnitzel mit hohem Rindenanteil sind allerdings billiger, so dass man sich überlegen muss, was man nimmt.

Aus eigener Erfahrung:

In meinem Auslauf liegt eine etwa dreißig Zentimeter dicke Schicht von Holzhackschnitzeln auf einem soliden Lavaboden. Auch wenn der danebenliegende Matschauslauf endlos tief ist, haben die Pferde hier noch eine federnde Trittschicht, die auch schnell wieder abtrocknet. Wenn anderer Boden noch feucht ist, ist die oberste Schicht der Holzhackschnitzel schon trocken, und die Pferde legen sich mittags gern darauf.


Steinböden

Oft werden hier Rasenkammersteine verwendet, wie man sie auch für Garagenauffahrten oder Parkplätze benutzt. Die Innenräume der Rasenkammersteine werden mit Sand oder einem anderen Material verfüllt. Die anfänglich scharfen Kanten wetzen sich durch die Huftritte schnell ab.

Dass diese Steine für die kleinen Hufe von Fohlen oder beispielsweise Eseln ungeeignet sind, liegt auf der Hand. Auch kann man geteilter Meinung darüber sein, ob es gut ist, ein Pferd auf solch einen harten Boden zu stellen.

Allerdings kann man die Rasenkammersteine auch als eine Art Unterbau oder Drainage benutzen, wenn man darüber eine dicke Tretschicht aus Sand oder Holzhackschnitzeln füllt. Die muss aber gut eingerüttelt werden, damit der Untergrund nicht „löcherig“ wird.

Von anderen Böden wie Pflastersteinen oder Verbundpflaster sollte man absehen. Abgesehen davon, dass damit eine Oberflächenversiegelung stattfindet, ist dieser Boden für Pferdebeine denkbar ungeeignet und sollte höchstens am Putzplatz oder auf einer kleinen Fläche verlegt werden, auf der das Pferd nicht ständig stehen muss.


Kunststoffböden

Paddockplatten und -matten gibt es in vielen Variationen.  

Besonders interessant sind spezielle Gitterblockplatten. Sie sind 50 x 50 cm groß und wiegen je ca. sechs Kilogramm. Da sie sich sozusagen von selbst ineinander verzahnen, kann man sie ohne weitere technische Hilfe selbst verlegen. Durch das Gitterwerk braucht man bei normalen Böden - falls man also nicht gerade ein extremes Ton-/Lehmgemisch hat - keinen oder nur einen geringen Unterbau, denn das Wasser läuft durch das Gitter durch und bei leichter Schrägung von selbst ab. Man kann die Löcher in den Gittern wahlweise mit Sand, mit Holzhackschnitzeln oder mit Humus verfüllen, den man dann mit Grassaat einsät. Man kann aber auch eine dicke Tretschicht aus Sand oder Holzhackschnitzeln aufbringen. Rutschsicher sind diese Gitterblockplatten aber auch ohne weitere Tretschicht.

Eine weitere Variante sind Noppenmatten aus Gummi, die nicht wasserdurchlässig sind. Hier läuft das Wasser in den Rinnen quasi um die Noppen herum. Sie werden zwar hauptsächlich für Ställe benutzt, sind aber auch für kleinere Paddocks praktikabel.

Uta Over


Einfach zu viel des Guten...


Habt ihr auch so jemanden im Stall, der sein Pferd nun wirklich über alle Maßen vertüddelt? Immer muss es für dieses Pferd nur das Beste sein, und am liebsten würde es der Besitzer wohl ganz einfach in Watte verpacken: Dieses Pferd wird am längsten geputzt, am aufwendigsten gefüttert und das Trainingsprogramm ist vollgestopft mit ehrgeizigen Ideen. Der Besitzer scheint seine Freizeit tatsächlich gänzlich im Reitstall zu verbringen, und die Pflege und Betreuung des eigenen Pferdes nehmen eine außerordentlich große Rolle in seinem Leben ein. Erst wenn es dem Pferd  - in seinen Augen - perfekt geht, macht er sich wieder auf den Weg nach Hause, wo er schon die nächsten Programmpunkte ausklügelt...

Nicht, dass dieser Ansatz nicht lobenswert wäre - doch man kann eben auch im Umgang mit dem Pferd einiges ganz einfach übertreiben.

Meistens spart man sich zu solch intensiven Bemühungen um ein Pferd jeglichen Kommentar, denn erstens ist mit diesen Pferdebesitzern nicht gut diskutieren, und zweitens fühlt man sich, wenn man ehrlich ist, ja auch immer ein klein wenig ertappt: Denn wer verwöhnt sein Pferd nicht gerne? Wie oft erwischt man sich an der Kasse eines Reitsportgeschäftes, in dem man nur eben schnell den zerrissenen Führstrick ersetzen wollte, plötzlich mit kleinen Extras, wie etwa dem neuen Bronchialleckstein, welcher nach Aussage des Herstellers in keiner Box mehr fehlen sollte, einer Tüte Leckerlies mit Bananengeschmack (und besonders vielen wichtigen Vitaminen) oder weiteren wichtigen Utensilien?

Ja, es macht eben ganz einfach Spaß, etwas für sein Pferd zu tun! Und auch wenn es andere nicht verstehen mögen, so ist es einem selbst doch Lohn genug, das Lächeln des eigenen Pferdes zu sehen, wenn es sich endlich in dem neuen baumwollgepolsterten Halfter wie zu Hause fühlt...

Doch ist solch ein Verhalten wirklich nur ein harmloses, wenn auch kostspieliges Verwöhnen, oder kann solch eine Einstellung zum Pferd diesem auch schaden?


Die Pflege

Ein scheinbar ausgesprochen harmloses Thema, bei welchen sich übertriebener Einsatz zeigen kann, ist die Pflege des Pferdes. Der eine putzt sein Pferd in zehn Minuten, der andere braucht schon mal eine geschlagene Stunde. Natürlich darf beim Putzen vor dem Reiten nicht geschlampt werden, so müssen selbstverständlich die Gurtlage, der Kopf, die Sattellage etc. sauber und die Hufe anständig ausgekratzt sein. Sein Pferd auch ansonsten einmal überzuputzenund Stroh oder Heu aus Mähne und Schweif zu entfernen, gehört dann eigentlich auch noch dazu. Doch wenn man beginnt, vor einem ganz normalen Ausritt den Schweif zu verlesen, die Mähne mittels Mähnenspray in eine seidige Wellenpracht zu verwandeln und das gesamte Pferd mit einem Staubtuch zu polieren, so sind dies nicht notwendige Zugaben, in denen sich der Reiter so richtig austoben kann, und wenn man so eine ausgiebige Putzorgie einmal beobachtet hat, kommt einem schon der Gedanke, dass es dem entsprechendem Reiter (bzw. der Reiterin) in seiner/ihrer Kindheit vielleicht doch etwas an Puppen und Stofftieren zum Kämmen, Bürsten und Zöpfe-Flechten gemangelt hat.

Nun ist solch ein Verhalten für ein Pferd schon einmal ziemlich lästig, denn während seine Artgenossen vom Ausritt schon wieder zurück sind und sich auf der Weide tummeln, muss es immer noch die Vorbereitungen über sich ergehen lassen.

Doch neben der schlechten Laune des Pferdes riskiert man noch mehr, denn man kann durch übertriebenes Putzen die natürliche Fettschicht der Haut schädigen, was besonders bei robust gehaltenen Pferden problematisch ist, da diese einen wichtigen Schutz vor Wind und Wetter darstellt. Auch wenn man es also wirklich nur gut meint, kann man hier seinem Pferd schon schaden.

Schlimmer wird das Ganze dann noch im Sommer, wenn ständige Waschaktionen starten:

Tägliches Schamponieren ist weder angenehm fürs Pferd noch gut fürs Fell, denn hier wird die natürliche Fettschicht ganz besonders leicht geschädigt.

Auch mit dem Abduschen ohne Seife sollte man sich im Zaum halten können. Zwar ist eine kühle Dusche gerade an den Beinen nach einem Ritt im Sommer eine feine Sache, doch sollte man sein Pferd nicht gerade fünfzehn Minuten lang von oben bis unten mit kaltem Wasser begießen.

Doch solange die Pflege nicht tatsächlich so übertrieben wird, dass sie schaden könnte, kann man solche Pferdebesitzer ruhig putzen und wienern lassen, und wenn es dem Pferd ansonsten gut geht, ist ihm auch eine tägliche Hochglanzstunde zuzumuten.

Doch was ist, wenn es dem Pferd aufgrund solcher falsch verstandenen Fürsorglichkeit eben nicht mehr gut geht?


Die Haltung

Ein ganz wesentlicher Punkt, an dem es sich entscheidet, ob es einem Pferd gut gehen kann, ist und bleibt: die Haltung. Was eine vernünftige und artgerechte Haltung ist, muss hier wohl nicht mehr erklärt werden.

Wenn Pferde nicht in solch einer Weise gehalten werden, so wirft man den Besitzern meist zu wenig Liebe und Mühe in Bezug auf ihr Pferd vor. Man nimmt an, dass ihnen die Vorzüge reiner Boxenhaltung wichtiger sind als das Wohlbefinden ihrer Pferde.

Dass es so manchem Pferd aber schlecht geht, gerade weil es vom Besitzer eben zu viel oder besser gesagt auf eine falsche Art und Weise geliebt wird, können sich viele gar nicht vorstellen. Und doch versauern viele Pferde aufgrund von zu viel und nicht etwa zu wenig Aufmerksamkeit in ihren Boxen:

Das Problem beginnt oftmals damit, dass die Besitzer von sich selbst auf ihre Pferde schließen, und so etwas muss ja schon fast schief gehen. So würden wir uns bei Regen und Wind in einer schönen behaglichen Box, mit einer wärmenden Decke auf dem Rücken, doch ganz sicher wohler fühlen als unter einem Baum auf der Weide. Ganz im Gegensatz eben zu einem normalen Pferd. Doch so mancher Besitzer fühlt sich einfach besser, wenn er sein Pferd abends in einem geschlossenen Stall zurücklassen kann, und ist überzeugt, dem Pferd ginge es ebenso. Und ist es nicht herrlich, wenn man abends in den Stall kommt, das Pferd aus der Box holt, die Decke abnimmt und darunter erscheint ein trockenes, warmes und sauberes Pferd - da kann man mit dem Ergebnis seiner Pflege und Fürsorge doch wirklich zufrieden sein, oder?

Auch ansonsten bietet so eine Box für den Besitzer einfach viel mehr Pflegepotential als etwa ein Offenstall, denn während im Offenstall ja meist eine kleine Herde untergebracht ist, gehört die Box ja sozusagen nur dem eigenen Pferd: Hier kann man sich dann schon wieder herrlich ausleben, also etwa eine besonders moderne Futterkrippe anbringen, jede Sorte von Leckstein durchprobieren, und vielleicht sogar ein besonders gutes Stroh als Einstreu wählen. Die Box ist ein Stück Privatsphäre, ein kleiner Raum, in den man all die Liebe für sein Pferd stecken kann. Und stolz schaut dann der Besitzer nach getaner Arbeit auf den von ihm eigens errichteten goldenen Käfig, während sein Pferd das Schicksal aller Lebewesen in einem solchen teilt: Es ist einsam und unglücklich.


Auf der Weide

Und auch wenn es sich gar nicht um die so oder so abzulehnende reine Boxenhaltung handelt, kann Fürsorglichkeit den Bedürfnissen des Pferdes im Wege stehen: Denn während die anderen Besitzer ihre Pferde auch bei jedem noch so fiesen Regen auf einen schlammigen Auslauf stellen, kann ein zu behütetes Pferd ganz gemütlich drinnen bleiben - wahrhaft tierfreundlich...

Während andere sich einfach darüber im Klaren sind, dass es in einer Weidegruppe auch schon mal zu kleineren Rangkämpfen kommen kann, regen sich solche speziellen Besitzer oft schon bei dem bloßen Gedanken an einen Kratzer, den ihr Pferd davontragen könnte, wahnsinnig auf. Schon wenn das entsprechende Pferd zu neuen Weidegenossen kommen soll, werfen sie sich nur allzu gerne zwischen das eigene Pferd und die Angreifer und fischen ihr Pferd gaaaanz schnell wieder von der Weide - bevor noch etwas passieren kann. Mit solchen Aktionen macht man es einem Pferd im Endeffekt nicht gerade leichter, sich in eine bereits bestehende Gruppe zu integrieren. Denn wenn man den Pferden die Möglichkeit nimmt, ihre Rangkämpfe auszutragen, geht die Diskussion natürlich jeden Tag von neuem los. Schon hier tut man seinem Pferd also ganz und gar keinen Gefallen, und zum Teil sind die Konsequenzen, die aus einem Tritt oder einem Biss gezogen werden, sogar noch gemeiner für das betroffene Pferd:

Bei besonders Besorgten muss das heißgeliebte Pferd dann nämlich prinzipiell alleine oder eben gar nicht auf die Weide, da so am wenigsten passieren kann.

Und auch dies geschieht wieder nur zum Wohle des Pferdes!


Das Futter

Auch beim Futter kann es zu schon mal zu viel des Guten sein, denn wie man ja weiß, ist manchmal weniger mehr. So ist es jedem gestattet, für seinen Liebling nur das allerbeste Futter zu erstehen, doch sollte auch hier darauf geachtet werden, dass die Zusammensetzung des Futters vernünftig ist. Artet das Füttern in eine unkontrollierte Pulverschlacht aus, in der man alles im Handel erhältliche Zusatzfutter zusammenmischt, ist der Sinn dieser Übung in Frage zu stellen: Nicht nur, dass es unnötig ist, zu viele Mineralien und Vitamine zu füttern, es kann in bestimmten Fällen auch ungesund werden. Gerade beim Mischen können sich schon mal einige Stoffe gegenseitig an der Aufnahme hindern, und so können auch bei der wildesten Futtermischung noch Mangelerscheinungen entstehen. Es ist also wichtig, ausgewogen und nicht ausgefallen zu füttern.

Verwöhnt man sein Pferd ganz gerne mal mit einem Apfel, ist dagegen nichts einzuwenden, zu viele können jedoch schon eine Kolik verursachen. Allgemein sollte man sein Pferd, auch wenn es noch so verfressen ist und einen auch noch so süß anschaut, wenn man ihm etwas zu fressen bringt, nicht überfüttern, denn für ein Pferd ist Übergewicht ebenso schädlich wie für einen Menschen. Und auch wenn der Besitzer es niedlich findet, wie rund sein Pony im Sommer immer ist, drohen hohe Sehnen- und Gelenkbelastungen ebenso wie eine Rehe-Erkrankung.

Wenn man sein Pferd also verwöhnen möchte, dann ist es mit einer gewöhnlichen Möhre auch getan.


Ansonsten...

Auch beim Reiten und beim sonstigen Umgang kann es schwierig werden, wenn man einfach kein vernünftiges Maß für seine Bemühungen mit dem Pferd kennt: Wer hier etwa eine spezielle Übung immer wieder und wieder wiederholt, um sie auch wirklich sicher mit dem Pferd zu beherrschen, wird wohl kaum noch begeisterte und interessierte Mitarbeit erwarten können, doch ist dies wieder ein anderes Thema.

Es heißt also tatsächlich, seine Liebe und sein Bedürfnis, sich gut um das Pferd zu kümmern, in die richtigen Bahnen zu lenken, auch wenn man selber dann im Leben seines Pferdes gar keine so große Rolle mehr spielen mag: Wenn es dem Pferd nämlich einfach gut geht, braucht es einen deutlich weniger, als wenn es in der Box steht und sehnsüchtig die Abwechslung erwartet, die das Erscheinen des Besitzers mit sich bringt. Wenn man also seine Energie anstatt in eine mehrstündige Mähnenflechtaktion ohne Anlass beispielsweise in die Pflege der Weide, in das Ausmisten des Offenstalles oder Ähnliches steckt, so wird dies auf lange Sicht dem Wohl des Pferdes wesentlich dienlicher sein. Und verspürt man dann immer noch diesen unwiderstehlichen Drang, etwas zu betüddeln, dann muss man sich eben doch noch ein Stofftier kaufen...

Katinka Schnitker


Zum Wiehern:

Suche Offenstall mit Halle!


Man stelle sich einen schönen beschaulichen Sonntagnachmittag vor: Was mag da wohl ein normaler Mensch machen? Einen Besuch bei Verwandten, einen Spaziergang, oder vielleicht schaut er auch einen netten Film, liest ein schönes Buch?

Nicht so der Pferdebesitzer, nein - dieser befindet sich (wieder einmal) auf der Straße, auf Stallsuche. Anfänger in dieser Disziplin vielleicht noch gut gelaunt und enthusiastisch, doch alte Profis erkennt man unweigerlich an diesem Ausdruck in den Augen: eine Mischung aus völliger Resignation und Verzweiflung, gepaart mit einem Schuss Hysterie. Ja, so fahren sie die entlegensten Dörfchen ab, immer auf der Suche nach einem idealen... guten... annehmbaren... ach, eben einfach nach einem Stall. Schließlich kennt man ja schon alle Ställe der unmittelbaren Umgebung, und schlimmstenfalls hat man sein Pferd auch schon in allen stehen gehabt. Dahin sind die Illusionen, sein Pferd in der Nähe zu haben; eine Stunde Anfahrtsweg zum Pferd erscheint euch übertrieben lang? Wartet einfach noch ein paar Jahre...


Früher...

Und dabei hatte, zumindestens bei mir, alles so schön angefangen: Gut, zuerst hatte ich mein Pferd ein halbes Jahr lang recht annehmbar stehen, doch dies reichte mir nicht mehr, ich wollte einen richtig guten Stall, den Stall meiner Träume: Ein großer, heller, wind- und wettergeschützter Offenstall, in welchem goldenes, sauberes Stroh nur darauf wartet, dass sich mein Pferd abends darauf niederlässt und sich höchstens noch einmal erhebt, um noch einen Happen duftendes Heu aus der Raufe zu nehmen oder sich einen Schluck Quellwasser aus der frostsicheren Tränke zu genehmigen. Davor ein unglaublich großer Paddock, dessen Boden so befestigt ist, dass man selbst bei sintflutartigen Regenfällen den Auslauf trockenen Fußes überqueren kann – in Socken! Lässt man den Blick weiterschweifen, sieht man hinter der großen Reithalle einladend die Sommerweiden liegen, eingezäunt mit dreireihigem Holzzaun. Zum Glück bleibt noch genügend Platz für den beleuchteten Reitplatz, welchen man umreiten muss, bevor man auf die breiten Sandwege des Ausreitgeländes stößt. Ja, genau hier sah ich mein Pferd schon in kleinen glücklichen Herden leben...


Und heute?

Vielleicht ist es überraschend, doch ich habe diesen Stall auch nach zehn Jahren der intensiven Suche noch nicht gefunden. Stattdessen habe ich völlig neue Definitionen von Begriffen wie befestigter Reitplatzoder auch nah kennengelernt:

So gilt ein Auslauf etwa gemeinhin als befestigt, wenn er die Stiefelprobe zumindest in einer Trockenperiode übersteht: Kann man den Auslauf also durchqueren, ohne dabei einen oder beide Stiefel im Schlamm zu verlieren, so ist er befestigt; gelingt einem dies sogar mit normalen Schuhen, dann ist der Auslauf derart überwältigend befestigt, dass sich dieser Bonus sicherlich auch in der Stallmiete niederschlägt...

Ein Reitplatz ist eigentlich alles mit einem Zaun drum herum, also wirklich alles, sagen wir zum Beispiel: eine Pfütze.

Bei der Bezeichnung nah sollte man sich, gerade wenn es sich um nahes Ausreitgelände handelt, immer fragen, nach welchen Maßstäben es denn nah sei - also etwa nah für einen Düsenjet, nah für einen Porsche, nah im Verhältnis zu der Entfernung des Mondes, oder etwa nah im Sinne von: Man erreicht es, wenn man mit seinem Pferd morgens losreitet, absolut locker vor Anbruch der Dunkelheit...

Ja, seid gewarnt, sucht euren Stall gründlich aus, durchleuchtet alles, und seid sicher, dass  euch auch das auf Dauer nichts nützen wird, denn irgendetwas taucht mit der Zeit immer auf und dann sehen wir uns wieder am Sonntag, auf der Straße...

Katinka Schnitker



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