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Turniersport - Faule Pferde - Wundversorgung - Reiten, mehr als ein Hobby - Ponyspiele


            Equikids Ausgabe 09/2010


* Das Turnier ruft: Teil V - Der Endspurt


Die letzten Tage vor einem Turnier können – neben vielen anderen Komponenten – entscheidend zum Erfolg oder Misserfolg beitragen. Je nachdem, wie oft das Reiter-Pferd-Paar an Prüfungen teilnimmt, ist diese spezielle Vorbereitungszeit mehr oder weniger aufregend. Wer jedes Wochenende loszieht, um Schleifen zu erringen, kann diese Ausführungen als Anregung für die Arbeit zwischen den Starts sehen. Für den, der seine Turnierteilnahmen etwas seltener plant, hebt sich die Woche vor der/den Prüfung/en sicher deutlicher ab vom Trainingsalltag. Dass es einen solchen Alltag gibt mit regelmäßiger Arbeit, ist selbstverständlich eine wesentliche Voraussetzung dafür, eine Turnierteilnahme überhaupt in Betracht zu ziehen. Das heißt, spätestens zwei Monate vor dem Ereignis muss damit begonnen werden, das Pferd gezielt zu konditionieren und zu gymnastizieren. Natürlich hängen die Trainingsschwerpunkte von der Disziplin und der Schwere der genannten Prüfungen ab. Berücksichtigen wollen wir Starts von Klasse E - L. Dabei sind viele Hinweise allgemein anwendbar und nicht abhängig vom Ausbildungsstand.

Die meiste Arbeit ist getan
Wer jetzt erst anfängt, die Schwierigkeitsgrade der bevorstehenden Aufgaben erarbeiten zu wollen, sollte die Turnierteilnahme noch etwas verschieben. Eine Woche vor dem Start müssen alle Lektionen sitzen, die Hindernisabmessungen dürfen kein Thema sein, ebenso wenig wie das Reiten in einem und durch einen Spring- oder Geländeparcours. Die Kondition ist gefestigt, Sehnen und Bänder sind stark und belastbar. Der allgemeine Gesundheitszustand des Pferdes ist so, dass es ohne Medikamente auskommt, vor allem ohne solche, die eventuell auf der Doping-Liste stehen. Was bleibt denn dann überhaupt noch zu tun?

Kräfte schonen und für gute Laune sorgen
In dieser Phase der Turniervorbereitung wird keine Kondition mehr aufgebaut, sondern erhalten. Unabhängig von der Disziplin geht es jetzt schwerpunktmäßig um lösende Gymnastikarbeit gekoppelt mit leichtem Ausdauertraining, wie z.B. längere Schrittausritte, etwas Klettern im Gelände (im Schritt!), ruhige Trab- und Galopp-Reprisen auf freier Strecke. Überprüft und gefestigt werden Losgelassenheit, Geschmeidigkeit, Durchlässigkeit sowie das Grundvertrauen zwischen Reiter und Pferd in freiem Gelände und unvorhergesehenen Situationen. Für die gute Laune sorgen zusätzlicher täglicher Weidegang oder zumindest freie Bewegung an der frischen Luft - mit der Möglichkeit zum Wälzen! Selbstverständlich soll ein Pferd gerade in dieser Zeit nicht völlig aus seinem gewohnten Tagesablauf herausgerissen werden. Allerdings wäre es wünschenswert, dass freier Auslauf oder Weidegang sowieso das Alltagstraining ergänzen.

Gar kein „richtiges“ Training?

Zunächst einmal: Oben genannte Vorschläge sind durch und durch „richtiges“ Training, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. In der Prüfung kommt es nicht nur auf das Leistungsvermögen an, sondern in hohem Maße auch darauf, inwieweit das Pferd sich fit fühlt und Spaß hat an den gestellten Anforderungen. Wird die Kraft des Partners vor der Prüfung im Training überstrapaziert, sind im entscheidenden Moment keine Reserven mehr vorhanden. Das tägliche Abspulen von Prüfungsaufgaben/-parcours erhöht zudem sicher nicht die Motivation des Pferdes, auf dem Turnierplatz das Beste zu geben. Ein gezieltes und dosiertes Testen der Einsatzbereitschaft ist jedoch durchaus erlaubt. Routinierte Reiter-Pferd-Paare können wahrscheinlich in diesen letzten Vorbereitungstagen auch darauf verzichten. Den weniger Erfahrenen ist es schon rein psychologisch eine Hilfe, sollte dann aber in jedem Fall unter fachkundigen und kritischen Augen geschehen..

Was kann ich noch tun?
Empfehlenswert ist es in jedem Fall, 3 - 4 Tage vor dem Turnier einmal auf fremdem Platz zu trainieren. Wer mit dem Veranstalter spricht, kann durchaus die Gelegenheit erhalten, auf dem Prüfungsgelände zu reiten und so das Pferd bereits an die Umgebung gewöhnen. Wer dies allerdings ohne ausdrückliche Genehmigung der Turnierleitung tut, muss unter Umständen mit einem Ausschluss von den Prüfungen rechnen. Aber auch zuhause kann man etwas fremde Atmosphäre herstellen, z.B. mit lauter Musik, vorbeilaufenden Kindern, auf- und zuklappenden Regenschirmen usw. Wer also sein Pferd bisher vor solch Schrecknissen bewahrt hat, sollte zumindest den Versuch unternehmen, dessen spezielle Ängste zu erkennen und zu lernen, ihnen zu begegnen und sie abzubauen. Auch hier gilt aber: nicht die Nerven des Pferdes unnötig strapazieren. In einer Woche lässt sich ein Charakter nicht verändern. Sollten große Probleme auftreten, muss ihnen ruhig, mit viel Geduld und vor allem Zeit begegnet werden. Für die kommende Prüfung gilt dann: entweder auf Glück vertrauen oder verschieben.

Spezielle Hinweise für Dressurreiter
Während dieser Woche sollte man maximal zweimal die Aufgabe zusammenhängend reiten. Es besteht die Gefahr, dass das Pferd sozusagen „die Zügel selbst in die Hand nimmt“, da es sehr schnell sich wiederholende Vorgänge erkennt. Das kann dann z.B. so aussehen, dass ein gutwilliges Dressurpferd für die Ausführung der Lektionen nicht mehr auf den Reiter wartet; ein Umstand, der von den Richtern sehr wohl erkannt wird. Ein anderes Pferd, welches Schwierigkeiten mit der einen oder anderen Teilaufgabe hat, könnte sich bereits 10 m vor der erwarteten „Problemzone“ verspannen und sich den Hilfen entziehen. In jedem Fall leidet das Ergebnis. Etwas lassen sich diese Effekte vermeiden, indem beim Gesamtdurchlauf zuhause die angegebenen Bahnpunkte immer um 1 – 2 m überritten werden.
Kürübungen mit Musik sollten natürlich auch längst zusammengestellt sein und „sitzen“. Hier gilt: Höchstens noch einmal die Kür durchreiten! Durch die Musik erkennt das Pferd noch viel schneller den wiederkehrenden Ablauf, und oben beschriebene Probleme sind verstärkt zu erwarten.
Wer eine Prüfung
auf Kandare vorbereitet, sollte jetzt – nachdem das Pferd die Kandare grundsätzlich gut akzeptiert – überwiegend auf Trense die einzelnen Lektionen überprüfen, um die Sensibilität des Pferdes zu erhalten. Ob die gesamte Aufgabe noch einmal mit Trense oder auf Kandare geübt wird, muss letztlich der Reiter anhand seiner Erfahrung mit diesem Pferd selbst entscheiden.

Spezielle Hinweise für Springreiter
Neben Grundlagentraining und Springgymnastik gilt die Hauptarbeit dem Reiten zwischen den Hindernissen, also von Sprung zu Sprung. Ein Vorschlag dazu wäre, sich einen Weg auszudenken, der mit Wendungen und Schleifen versehen einen Parcours nachahmt. Man kann sich dabei vornehmen, die fliegenden Wechsel zu üben, an bestimmten Passagen Tempowechsel zu reiten, enge und weite Wendungen einzubauen usw. Wer dies zwischen aufgebauten Hindernissen tun will, sollte vermeiden, den Sprüngen folgend einfach an ihnen vorbeizureiten. Der dadurch vielleicht erzielte Effekt könnte unerwünscht sein ...  Einem wirklich durchlässigen und springfreudigen Pferd macht so etwas aber natürlich nichts aus. Wer partout noch einmal einen gesamten Parcours durchspringen möchte, sollte so kurz vor dem Turnier keine Wettkampfhöhe mehr aufbauen. Wie gesagt, Höhen und Breiten entsprechend den Anforderungen der genannten Prüfungen wurden bereits vorher trainiert und sind für das Pferd kein Problem.

Spezielle Hinweise für Vielseitigkeitsreiter
Teilnehmer dieser Disziplin haben ein besonders intensives Konditionstraining hinter sich. Dieses muss eine Woche vor der Prüfung beendet sein. Viel Spazierenreiten im Schritt, ruhiger Trab auf harter, ebener Straße zur Stärkung der Sehnen, gelegentlich ein fleißiger Arbeitsgalopp in freiem Gelände und leichte Gymnastikarbeit sind jetzt angesagt. Ohne eine „Bombe“ aufladen zu wollen, dürfen diese Pferde ruhig mehr Kräfte ansammeln als die Vertreter von Einzeldisziplinen. So werden sie die drei Teile einer Vielseitigkeit fit und souverän bewältigen. Wichtig ist kurz vor dem Event die peinlich genaue Pflege und Kontrolle der Beine. Das Pferd muss völlig gesund in die Prüfung gehen!

Das geht wieder alle an
Unabhängig von der Disziplin muss man für sich und sein Pferd herausfinden, welches die optimale Abreitezeit und -methode ist. Wie lange dauert es, bis die Lösungsphase abgeschlossen ist? Womit lässt sich mein Pferd am besten auf die Arbeit einstellen? Entspannt es sich besser mit Trab- oder Galoppübungen? Welche Zeitdauer darf ich auf keinen Fall überschreiten, weil die Leistungsbereitschaft des Pferdes dann extrem nachlässt?
Eine Anmerkung noch zu dem letzten Tag vor und dem ersten Tag nach dem Turnier: Völlig unangebracht und unreiterlich ist es, Pferde vor oder nach einer Sonderbeanspruchung stehen zu lassen. In beiden Fällen empfehlen sich ruhige und entspannte Schrittausritte. Die Muskeln werden angesprochen, aber nicht belastet, die Nerven tanken Ruhe.

Geistige Vorbereitung
Der Reiter kann die etwas ruhigere Phase vor der Prüfung nutzen, um sich selbst seelisch, geistig, moralisch auf die zu bewältigenden Aufgaben einzustimmen. Bewusstes Entspannen ebenso wie gezielte Konzentration auf den Punkt dürfen wir nicht nur von unserem Pferd verlangen, wir müssen es ihm vormachen! Selbstverständlich ist es in der Dressur, die Aufgabe auswendig zu beherrschen. Sodann wird – im Geiste – der gesamte Ablauf der Lektionen, nein, nicht durchgegangen, sondern durchgeritten! Jede Hilfengebung wird ins Bewusstsein geholt. Der ganze Körper fühlt die Reaktionen des Pferdes und verlässt schließlich das Viereck, von Übereinstimmung und Harmonie getragen.
Ein Springreiter reitet im Geiste durch den Parcours, fühlt die Wendungen, hebt sich mit dem Pferd über das Hindernis, überlässt sich dem Gefühl von Rhythmus und Sprungkraft. Überblick und Ruhe zu behalten ist kein Problem mehr.
Ähnliches gilt im Geländeparcours. Wir spüren die Kraft des Pferdes beim Start. Sein Mut und sein Geschick lässt alle Hindernisse leicht erscheinen. Wir spüren den Fahrtwind, das gleichmäßige Vorwärts. Wir schmiegen uns an, gemeinsam fliegen wir über die Sprünge und erreichen als Einheit das Ziel.

Zu viel des Guten?
Auf keinen Fall! Für unsere Vorstellungskraft ist nur das Beste gut genug! Wir orientieren uns immer an dem Ideal. Keinesfalls belasten wir uns damit auszumalen, was alles nicht klappen könnte. Je öfter wir dieses „Spiel“ spielen, desto sicherer werden wir dem guten Gelingen und damit auch dem Erfolg zustreben. Denn nicht nur wir sind empfänglich für derlei Manipulationen. Eine starke, sichere und ruhige Ausstrahlung des Reiters geht an keinem Pferd spurlos vorbei. Auch unserem Partner helfen wir damit, seinen Aufgaben mit mehr Selbstbewusstsein zu begegnen und sie besser zu bewältigen.
Viel Erfolg!

Ute Forler


* Problempferde - Faule Pferde: Was tun?
Teil II


In der letzten Ausgabe haben wir bereits mögliche Ursachen für scheinbare Faulheit aufgezeigt. Nun geht es vor allem um die Maßnahmen, die der Reiter ergreifen kann. Vorab aber noch etwas zu einem  ...


... Sonderfall: junge Pferde
Wenn junge Pferde bei ihren ersten Kontakten mit reiterlichen Hilfen nicht gleich korrekt reagieren, werden sie auch manchmal als faul eingestuft. Die Gründe dort liegen aber (noch!) nicht in prinzipieller Unlust, sondern vielmehr in reinem Unverständnis oder auch einfach einem Mangel an Muskelkraft; d.h. auch die körperlichen Grenzen eines (nicht nur jungen) Pferdes müssen erkannt werden. Dies wird leider beim Einreiten von einigen Reitern nicht berücksichtigt. Bevor solche Pferde noch die Zeit und Chance bekommen, mithilfe wachsenden Verständnisses und verbesserter Kondition sensibel und gehfreudig zu reagieren, werden sie schon mit Sporen, Gerte und Hilfszügeln traktiert. Wen wundert es da noch, dass so behandelte Tiere mit dem Reiten als interessante und angenehme Aufgabe abgeschlossen haben, noch bevor ihre Reitpferdkarriere richtig begonnen hat.

Zauberwort: Sensibilisieren
Unbestritten gibt es aber auch die Situation, dass ein grundsätzlich schon recht guter Reiter auf ein völlig abgestumpftes Pferd trifft, dass auf korrekte und feine Hilfen überhaupt nicht mehr reagiert. Bewusst sage ich: "nicht mehr"! Auch so ein Tier war einmal bereit, dem Reiter zuzuhören. Durch konstantes Bearbeiten mit unangebrachten Hilfsmitteln und schlechte Reiter rutschte es mehr und mehr in den Zustand lustloser Gleichgültigkeit. Es wurde – wahrscheinlich nicht einmal mit Absicht – desensibilisiert. In diesem Wort ist auch schon der Ausweg aus so einer Situation enthalten: sensibilisieren! Darunter versteht man ein Vorgehen, bei dem die angewandten Hilfen in der Stärke ihrer Anwendung solange immer weiter reduziert werden, bis das Pferd wieder auf leichteste Gewichts-, Bein- und Zügelhifen reagiert und keine weiteren Hilfsmaßnahmen mehr notwendig sind. Diese Methode sollte von einem erfahrenen Reiter angewandt werden oder zumindest unter fachkundiger Aufsicht stattfinden.

So kann es gehen:
Genau beschrieben sieht es so aus: Grundsätzlich werden dem Pferd zunächst feine Hilfen angeboten. Reagiert es darauf nicht, erfolgt keine langsame Steigerung, sondern sofort eine ausgesprochen deutliche Aufforderung. So wird im Wechsel vorgegangen, wobei dem Pferd immer ein bisschen Zeit gelassen werden sollte, auf die feine Hilfe zu reagieren. Der momentane Erfolg stellt sich in der Regel bei allen Pferden nach nur wenigen "Nachhilfen" ein. Mehr Geduld ist nötig, diese Reaktionen zu festigen. Auf keinen Fall darf sich der Reiter dazu verleiten lassen, dem Pferd wieder jeden Schritt "aus der Nase zu ziehen" und ihm jede Hilfe zehnmal "vorzukauen", bis es sich endlich entscheiden kann. Konsequent muss dem Pferd über längere Zeit hinweg (die Dauer variiert von Pferd zu Pferd) klar gemacht werden, dass Reiten angenehmer ist und sogar richtig Spaß machen kann, wenn man sich gegenseitig zuhört. Das beinhaltet auch die Anforderung, eine Gangart oder ein Tempo grundsätzlich solange einzuhalten, bis der Reiter durch neue Hilfen eine Änderung ankündigt und reitet.

Der verschlossene Rücken
Eine weitere harte Prüfung für den Reiter sind Pferde, die ihn bei scheinbarem Gehorsam einfach "verhungern" lassen. Z.B. traben sie zwar an, lassen sich aber in ihrem Tempo nicht im geringsten

beirren. Im Gegenteil, je mehr Mühe sich der Reiter gibt, umso langsamer werden sie. Besonders leicht tun sich bei dieser Übung Pferde mit kurzem Rücken. Der Rücken nämlich ist der Schlüssel zu solchem Verhalten. Lässt sich ein Pferd in keiner Gangart vorwärts schicken, liegt die Vermutung nahe, dass es sich vor allem im Rücken dem Reiter völlig verschließt. Es akzeptiert die Kommandos für die verschiedenen Gangarten, die Schwungentwicklung ist ihm aber völlig unmöglich, da durch seinen blockierten Rücken keine Vorwärtsenergie laufen kann. Warum das Pferd sich derartig festhält, kann verschiedene Gründe haben. Am häufigsten ist es eine Folge anhaltender Reiterfehler, sowohl seines Grundsitzes als auch seines Trainingsaufbaus. Wer die Lösungsphase vernachlässigt, wer viel geradeaus reitet, wer sein Pferd mit Hilfszügeln bearbeitet, wer den natürlichen Rhythmus der Grundgangarten ignoriert und eiliges Laufen mit Mitteltempo verwechselt, hat die besten Chancen, seinem Pferd einen verschlossenen Rücken anzureiten. Und je kürzer der Pferderücken, desto einfacher geht das.

Rücken öffnen
Die Lösung wird schon in der Problembeschreibung deutlich. Pferde mit festgehaltenem Rücken müssen Schritt für Schritt immer weiter in die gymnastische Arbeit geführt werden. Ein

vorsichtiges Vorgehen ist notwendig, um die völlig verspannten Rückenmuskeln nicht zu überfordern,

sondern langsam zu dehnen. Wer zu schnell zu viel verlangt, erreicht im Zweifelsfall nur, dass sich das Pferd noch stärker verspannt. Wenn es dann aber durch viel lösende Arbeit, wie z.B. Reiten auf gebogenen Linien, häufige Übergänge, Springgymnastik, freies Vorwärtsgaloppieren im Gelände und anderes mehr den Rücken wieder öffnet, sollte sichergestellt sein, dass sich der Reiter durch eine sensible Reitweise und korrekte Hilfen die Chance erhält, sein Pferd vor sich zu haben.

Wenn alles nichts hilft – die totale Arbeitsverweigerung
Sollte es ab und zu vorkommen, dass dein Pferd einfach stehen bleibt und scheinbar durch nichts zum Weitergehen zu bewegen ist, kommen auch wieder verschiedene Gründe in Betracht. Vielleicht will es nur einfach nicht von seinen Artgenossen weg. Das lässt sich aber leicht überprüfen, indem man solche Pferde wieder in Richtung Heimat dreht. Ist ihre Gehfreude dann sofort wieder erwacht, ist der Grund für den mangelnden Bewegungsdrang leicht erkannt. Die Korrektur beginnt – wie so oft – im Stall, auf der Weide, an der Hand. Das Verhältnis Mensch-Pferd sollte im Sinne einer Vorrangstellung des Menschen neu aufgebaut werden. Wenn dessen Führungsanspruch dem Pferd dann selbstverständlich geworden ist, wird es auch allein mit ihm hingehen, wo immer der "Chef" es wünscht.
Unerwartete Aussetzer an Gehorsam und Vorwärts könnten andererseits darauf hindeuten, dass die Psyche des Tieres ernsthaft gestört ist. Dies sollte durch genaue und durchgängige Beobachtung überprüft und gegebenenfalls mit Fachleuten besprochen werden.

Wenn sich das Pferd überfordert fühlt
Auch – aus menschlicher Sicht – als "dumm" zu bezeichnende Pferde neigen manchmal dazu, einfach stehen zu bleiben, und sich weder von treibenden Hilfen noch sonstigen Einwirkungen vom Fleck bringen zu lassen. Die Ursache dafür liegt oft darin, dass sie die momentane Situation mit ihren Anforderungen nicht mehr verarbeiten können und total verunsichert sind. Sie trauen sich keinen Schritt mehr weiter. In dem Fall kann man zunächst vorsichtig versuchen, das Pferd abzuwenden. Letztendlich ist das nichts weiter als der Versuch, es so weit aus dem Gleichgewicht zu bringen, bis es seine Füße setzen muss, um dem verlagerten Schwerpunkt nachzukommen. Wo das auch nichts hilft, bleibt dem Reiter kaum etwas anderes übrig, als einfach abzuwarten, bis das Pferd sich von alleine wieder bewegt, oder abzusteigen, von unten die Bewegung wieder herzustellen und es nach erneutem Aufsitzen von vorne zu versuchen. Die Gesellschaft anderer Pferde kann eine solche Situation aber auch entschärfen. Letztendlich ist es jedoch unerlässlich, das Pferd davon zu überzeugen, dass der Mensch so wichtig und vertrauenswürdig ist, dass man ihm und seinen Hilfen in jeder Situation folgen kann. Dazu gehört auch, das Auffassungsvermögen seines Pferdes richtig einzuschätzen und nicht zu überfordern.

Ute Forler


* Gesundheit: Wundversorgung


Kaum dreht man mal den Rücken - da ist es schon wieder passiert! Nichts kann so schnell passieren wie eine Verletzung. Im Stall, im Gelände, auf der Weide - überall besteht die Möglichkeit, dass ein Pferd sich eine Wunde zuzieht. Und in den meisten Fällen hat man auch keine Gelegenheit, dies im Vorfeld zu verhindern.

Also ist es besonders wichtig, dass man weiß, was man im Ernstfall zu tun hat. Man unterscheidet drei verschiedene Arten von Wunden: Schnittwunden, Risswunden und Stichwunden.

Schnittwunden entstehen zum Beispiel durch scharfe Kanten oder Scherben.

Risswunden werden sehr häufig durch Stacheldraht oder herausragende Nägel verursacht.

Stichwunden können an spitzen Pfählen oder Ästen entstehen.


Behandlungsweisen

Um zu wissen, wie man mit einer blutenden Wunde umgeht, muss man erst einmal eine wichtige Unterscheidung treffen: Handelt es sich um eine große und tiefe Wunde, oder ist es eine verhältnismäßig harmlose kleine und oberflächliche Verletzung? Bei der großen und/oder tiefen Verletzung muss sofort der Tierarzt geholt werden! Liegt eine spritzende Blutung vor, legt man, bis der Tierarzt kommt, einen Druckverband an. Dieser darf aber auf keinen Fall über längere Zeit anliegen, sondern wirklich nur während der Wartezeit. Bei starken, nicht spritzenden Blutungen legt man einen mit Watte gepolsterten Verband an, natürlich auch hier nur während der Wartezeit.


Keine vorschnelle Behandlung!

Diese Wunden, die den Besuch eines Tierarztes benötigen und eventuell genäht werden müssen, darf man auf keinen Fall mit starken Desinfektionsmitteln oder Wundsprays behandeln, da man sonst die Behandlung des Tierarztes unnötig erschwert oder sogar das Nähen einer Wunde unmöglich macht. Also hier die Behandlung auf jeden Fall dem Tierarzt überlassen!


Hier ist man selbst gefragt:

Jetzt aber zu den kleinen und oberflächlichen Wunden, die ja zum Glück wesentlich häufiger vorkommen: Hier ist es nicht nötig, den Tierarzt zu rufen, solange keine Infektion auftritt. Also bleibt einem die Wundversorgung selbst überlassen. Verschmutzte Wunden werden zunächst mit warmem Wasser und einem wundverträglichen Desinfektionsmittel gereinigt. Alle Wunden werden desinfiziert, wobei hier gebräuchliche Mittel und Wundsprays angebracht sind. Danach trägt man eine Wundsalbe auf. Diese Behandlung wird, sooft es nötig ist, wiederholt, und die Wunde bis zum Abschluß des Heilungsprozesses im Auge behalten, um eventuelle Komplikationen rechtzeitig zu erkennen.


Wie kann man unnötige Wunden vermeiden?

Dazu sollte man die Umgebung seines Pferdes so sicher wie möglich gestalten, also keinen Stacheldraht auf den Weiden haben, keine scharfen Kanten an der Box usw.

Abschließend sei noch gesagt, dass eine regelmäßige Schutzimpfung gegen Wundstarrkrampf bei allen Wunden lebenswichtig ist. Die Tetanusspritze kann Leben retten!

Katinka Schnitker


* Zur Diskussion: Pferd und Reiten -

sinnvolles Hobby oder zusätzlicher Stress?


In Umfragen, Brieffreundschaftswünschen usw. liest man es immer wieder. Hobbys: Lesen, schwimmen, radfahren, reiten, Musik hören... Oder auch: mein Pferd, mein Meerschwein, lesen, tanzen...

Ein Pferd zu haben oder zu reiten scheint also ein durchaus beliebtes Hobby zu sein, dem viele relativ begeistert nachgehen. Aber was ist das eigentlich: ein Hobby?

Im Allgemeinen versteht man darunter eine wie auch immer geartete Beschäftigung, die die Freizeit zu einem gewissen Teil ausfüllt, bei der man sich entspannen oder auch körperlich abreagieren kann, die einem Abwechslung im Alltag bietet und bei der man auch noch eine möglichst schöne Zeit hat.

Wie nun schneidet das "Hobby" Pferd und Reiten unter diesen Kriterien betrachtet ab?


Reiten zur Entspannung?

Sich nach einem anstrengendem Tag mit einem schönen Buch gemütlich aufs Sofa zu setzen und einfach mal in eine andere Welt abzutauchen, ist sicherlich für die meisten entspannend. Handelt es sich bei diesem Buch um ein Pferdebuch, so erfährt man fast zwangsläufig etwas zum Thema Reiten und Entspannung. Denn von Sorgen geplagte Titelhelden schütteln eben diese nur allzu gerne bei einem herrlichen Ritt am Strand ab, wobei selbstverständlich die Sonne scheint und das hellseherisch hochbegabte Pferd jeden Wunsch des Reiters schon beim bloßen Gedanken daran bereitwillig ausführt.

Doch muss man gar nicht in die Phantasiewelt eines Buches einsteigen, um Sätze wie "Wenn ich mit meinem Pferd durch den Wald galoppiere, vergesse ich alle Sorgen des Alltags" zu hören, denn so etwas äußern auch normale Reiter durchaus gerne. Und auch ich bin fest davon überzeugt, dass ein schöner Ausritt sogar sehr entspannend sein kann, nur dass der schöne Ausritt in der Realität gar nicht so einfach zu realisieren ist.

Welcher Reiter kommt schon in den Stall, steigt aufs Pferd, galoppiert eine Runde durch den Wald und fährt dann entspannt nach Hause?

Statt dessen kommt man gestresst in den Stall, zieht ein gründlich gewälztes Pferd von der Weide, dessen Laune mit zunehmender Entfernung vom Gras deutlich sinkt, und muss dann feststellen, dass wieder kein Anbindehaken frei ist. Wenn dann das Pferd dank mangelnder Erziehung nicht stillsteht, sondern sich über eine unachtsam herumstehende Futterschüssel hermacht, während man selber den Hufkratzer sucht, der in dieser Woche zum dritten Mal verschwunden ist, ist man zumindestens bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht sonderlich entspannt!

Hat man sich und sein Pferd dann endlich abrittbereit, macht man sich eventuell noch auf einen langen Weg über Asphaltstraßen und steinige Feldwege, bis man endlich den Wald erreicht. Nun ist man also endlich am Ziel, und die Entspannung könnte beginnen, doch mitten auf dem schönsten Weg, den man nun wirklich zu gerne galoppieren würde, übt gerade eine Ausreitgruppe einer Reitschule Anhalten und Anreiten im Gelände.

Entspannung?


Umgang zur Entspannung?

Auch der Umgang mit Pferden lässt viele den Alltag schon vergessen. Dabei stellt sich allerdings die Frage, welcher Alltag hier wohl gemeint ist, denn schließlich fängt für jeden Pferdebesitzer im Stall auch eine Art Alltag an.

So gibt es viele, die, bevor sie überhaupt an einen entspannenden Ritt denken können, erst einmal damit beschäftigt sind, den Stall, die Box, den Auslauf oder die Weide zu misten, dann wird noch Wasser kontrolliert und eventuell auch noch Futter gemacht. Hier tauscht man also im Prinzip nur einen arbeitsreichen Schul- oder Arbeitsalltag gegen einen arbeitsreichen Pferdealltag.

Diesen Alltag nimmt man natürlich freiwillig in Kauf, und er kann sicher auch sehr schön sein. An einem sonnigen Wochenende mit ein paar Freunden eine Weide abzumisten kann zu einer wirklich netten Zeit werden, und an einem idyllischen Winterabend den Pferden Heu zu geben und danach ihrem beruhigendem Kauen zu lauschen ist für mich zum Beispiel eine der entspannendsten und schönsten Zeiten überhaupt.

Aber wenn man im strömenden Regen mutterseelenallein über die Weide zieht und einem die Schubkarre nun schon zum vierten Mal umgekippt ist oder einem im Winter der Stiefel auf dem Weg zur Tränke im Schlamm steckenbleibt und man deshalb gerade mit seinem Socken im kalten Matsch versinkt, kann einem schon der Gedanke kommen, dass die Wahl dieses Hobbys vielleicht doch nicht zu den intelligentesten Entscheidungen des Lebens gehörte.

Wenn man keine Halle oder keinen beleuchteten Reitplatz hat, kann es einem im Winter auch schon mal passieren, dass man (anstatt sich zu Hause im Warmen aufzuhalten) losfährt, um im Dunkeln frierend durch Ausläufe zu stolpern, und dann versucht, sein Pferd durch Ertasten aufzuspüren, es zu füttern, dann in der Kälte noch ein bisschen herumzuarbeiten, wobei man sich mit der Taschenlampe auf die spannende Jagt nach Misthaufen macht, nur um dann endlich wieder nach Hause fahren zu dürfen - nicht gerade die Idealvorstellung eines Hobbys.


Körperlich abreagieren?

Körperlich abreagieren kann man sich bei diesem vielseitigen Hobby Reiten ganz ausgezeichnet: Meine absoluten Rekordzeiten im Weide-Abmisten habe ich stets nach einem heftigen Streit aufgestellt. Und auch der, dem das Privileg des Mistens versagt bleibt, wird ohne große Probleme Alternativen finden: Schließlich kann man Stallgassen fegen, den Sattelschrank aufräumen oder auch das Sattelzeug putzen.

Nur das Reiten selber eignet sich nicht besonders dazu:

Reiten ist ein anstrengender Sport, und wenn man ihn richtig betreibt, wird man sicherlich körperlich gefordert; aber um die Aggressionen loszuwerden, die sich während eines Tages in einem aufstauen können, eignet sich Reiten nur sehr bedingt.

Beim Radfahren oder Schwimmen kann man einfach seinen ganzen Frust mitbringen und ihn - indem man besonders schnell schwimmt oder besonders lange Fahrrad fährt - abbauen, und dabei ist es sowohl dem Wasser als auch dem Fahrrad völlig egal, wie ungehalten ich gerade bin.

Im Gegensatz dazu kann ich aber nicht wütend auf ein Pferd steigen, meinen Frust an dem Tier auslassen und erwarten, dass mein Handeln (nachdem mein Ärger nun abgebaut ist) ohne Konsequenzen bleibt, denn an einem Tag, an dem ich wütend aufs Pferd steige, mache ich mit Sicherheit mehr kapputt, als ich in langer Arbeit aufgebaut habe. Zudem neigt man in so einem Zustand zu ungerechten Strafen und gefährdet dann das Vertrauensverhältnis zwischen sich und seinem Pferd.

So ist man gezwungen, den ganzen Frust vor dem Reiten erst einmal hinunterzuschlucken und ruhig und konzentriert aufs Pferd zu steigen. Ist man dazu nicht in der Lage, lässt man das Reiten an diesem Tag lieber ausfallen; und auch der Umgang mit dem Pferd darf nicht von Wut, Aggressivität oder Unzufriedenheit beeinflusst werden.


Hinzu kommt:

Zu all dem kommt auch noch die Verantwortung, die man mit einem Pflegepferd oder einem eigenen Pferd übernimmt.

Habe ich an einem Tag einfach keine Lust mehr zu lesen, klappe ich das Buch zu und lege es weg.

Pferde hingegen lassen sich nur außerordentlich schlecht zusammenklappen und auf den Tisch legen. So ist es völlig egal, ob ich gerade Lust habe oder nicht, das Pferd muss bewegt und versorgt werden. Dabei müssen auch andere Hobbys immer hintenan stehen, denn auch wenn alle anderen an einem heißen Tag ins Schwimmbad gehen, kann sich jemand, der für ein Pferd verantwortlich ist, so etwas nur erlauben, wenn die vollständige Versorgung des Pferdes trotzdem gesichert ist.

Das Hobby Pferd füllt die Freizeit also nicht nur aus, sondern verplant sie fest - und das gefällt einem sicher nicht in jeder Situation.

Wenn man dann wirklich mal keine Zeit hat oder krank ist, muss man jemanden finden, der das Pferd versorgt. Anstatt sich also mit Fieber ins Bett zu legen und sich zu erholen, telefoniert man in der Weltgeschichte herum, und hat man schließlich jemanden gefunden, macht man sich auch noch die ganze Zeit Sorgen, ob es dem Pferd auch gut geht und ob der Beauftragte die drei Seiten Notizen, die er sich während des Telefonats mitschreiben musste, auch wirklich gewissenhaft befolgt.

Noch schlimmer wird es, wenn man in den Urlaub fahren möchte: Nun muss wirklich alles geklärt werden. Wird das Pferd ausreichend bewegt, wer füttert es, wer kontrolliert jeden Tag, dass das Pferd keine Verletzungen hat, und wer versorgt kleinere Verletzungen gut und zuverlässig?

Auch der Hufschmied muss bedacht werden, denn wenn der nächste Beschlagstermin ausgerechnet in die Urlaubszeit fällt, muss auch so etwas im voraus organisiert werden. Aber auch der Notfall muss überdacht werden: Welcher Tierarzt soll bei größeren Verletzungen gerufen werden, und würde man im Falle eines Falles einer Operation zustimmen?

Wie glücklich müssen da die Fahrradfahrer sein, die ihr Hobby einfach für ein paar Wochen abschließen können!


Eine möglichst schöne Zeit verbringen?

Beim Hobby Pferd und Reiten kann man sogar eine unglaublich schöne Zeit verbringen. Schließlich gibt es viele, viele positive Aspekte, und die meisten hängen einfach damit zusammen, dass man hier mit Tieren umgeht. Jedes Pferd ist einzigartig und auf seine Weise faszinierend und liebenswert.

Und dann sind da natürlich noch jede Menge Spaß, Freunde, Erfolgserlebnisse, Reiterspiele, Turniere, Reitstunden, Stallfeste...


Ein Hobby aufgeben

Die meisten Menschen gehen in ihrem Leben vielen verschiedenen Hobbys nach, und das ist in den meisten Fällen auch überhaupt kein Problem.

Viele Hobbys kann man problemlos parallel führen, und wenn einem eins nicht mehr gefällt, gibt man es eben auf. Was soll einen auch daran hindern, eben nicht mehr schwimmen zu gehen, lieber zu Fuß zu gehen als radzufahren oder eben keine oder andere Musik zu hören? Bei all diesen Hobbys habe ich einzig und allein Verantwortung für mich und kann problemlos je nach jetziger Neigung entscheiden.

Ein Pferd zu besitzen ist aber nunmal kein Verein, aus dem man sich einfach abmelden kann. Hier hat man eine Verantwortung für ein Leben übernommen. Diese Verantwortung kann man zwar auch wieder abgeben, aber einfach ist das sicher nicht.

Oft ist auch die Liebe zum Tier durchaus noch vorhanden, auch wenn das Interesse am Reiten schon ziemlich verblasst ist.

Selbst derjenige, dem es leicht fällt, sich von einem Tier zu trennen, zu dem man schließlich eine Beziehung aufgebaut haben sollte, ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass es dem Pferd bei seinen neuen Besitzern gut geht.

Wer sich also das "Hobby" Pferd aussucht, sollte sich unbedingt im Vorfeld darüber im Klaren sein, ob es ihm auch wirklich ernst ist.


Der kleine Unterschied

Solange man diesem Hobby nachgeht, ohne ein eigenes Pferd zu haben, ist es in vielen Dingen sehr viel einfacher:

In dem Moment, in dem die Verantwortung wegfällt und nicht so viele Zusatzpflichten auftauchen, kann man sehr viel leichter entspannen, wenn man im Stall ist. Andere Hobbys und Urlaub stellen keine Probleme mehr dar, und aufhören kann man auch jederzeit.

Reiten ohne ein eigenes Pferd ist meiner Meinung nach also ein ganz normales und sicherlich schönes Hobby.

Aber ein Pferd ist sicherlich kein normales Hobby mehr, und auf den zusätzlichen Stress muss man sicher nicht lange warten – womit ich nicht sagen will, dass er sich nicht lohnt.

Katinka Schnitker


* Zum Wiehern! Ponyspiele


Ponyspiele, so lautete die Idee, die wir hatten, als wir in einem Sommer auf der Wiese lagen, unseren Pferden beim Fressen zuschauten und darüber nachdachten, wie man das nächste Wochenende sinnvoll gestalten könnte.


Vorbereitungen werden getroffen

Sofort begaben wir uns auf die Suche nach dem entsprechenden Zubehör, das wir zur Umsetzung unserer phantasievollen und geradezu genialen Vorstellung von einem Geschicklichkeitsparcours benötigten. Und so entstanden bis zum Wochenende folgende Aufgaben auf unserem Platz: Direkt am Eingang erwartete den motivierten Teilnehmer ein Flattervorhang, den es zu durchreiten galt. Danach musste man sein Pferd in einem Stangenviereck abstellen und einmal um den Platz joggen, wobei der Vorgang wiederholt werden musste, sobald das Pferd auch nur einen Huf aus dem Stangenviereck setzen sollte. Nun musste ein großer und recht unhandlicher Ball vom Pferd aus von einer Tonne genommen, eine Strecke im Slalom transportiert und dann in einen Eimer geschmissen werden. Darauf folgte der allseits bekannte und beliebte Apfel, der in einem Wassereimer schwimmt und ohne Zuhilfenahme der Hände aus demselben entfernt werden soll. Den krönenden Abschluss bildete eine auf zwei Strohballen liegende Stange, unter der der Reiter hindurchkriechen musste. Dazu galt folgende Regel: Alle Aufgaben mussten erfüllt werden, wobei wir nur auf Zeit und nicht etwa auf Stil Wert legten.

Wider Erwarten zeigten recht viele Reiter Interesse, und so wurden einige Pferde, darunter auch meins, doppelt besetzt.


Die Spiele können beginnen

Ich sah dem Geschehen freudig und gelassen entgegen, denn erstens war ich maßgeblich an der Aufgabenstellung beteiligt gewesen, und zweitens neigt mein Pony nicht dazu, sich unnötig aufzuregen, und war so meiner Meinung nach bestens für Ponyspiele geeignet.

Den Flattervorhang meisterten wir auch noch ohne Probleme, doch schon bei der zweiten Aufgabe drohten wir zum Vergnügen aller zu scheitern; denn mein Pferd hielt nichts von der Idee, alleingelassen in einem Stangenviereck zu stehen, während es so viel Sinnvolleres zu tun gab: etwa nachsehen, ob es irgendwo einen freundlich gesinnten Zuschauer mit ein paar Leckerlis gab, oder mir hinterhertraben, um nichts Aufregendes zu verpassen. Schließlich erklärte sich mein Pferd dazu bereit, einen Moment stillzustehen, und ich konnte mein ungewolltes Fitnessprogramm beenden. Ball und Slalom waren dagegen verhältnismäßig einfach, doch verfehlte ich dummerweise den Eimer, und das hätte ich wirklich nicht tun sollen, denn es ist geradezu ein Ding der Unmöglichkeit, mit einem Ball im Arm wieder auf ein Pferd aufzusteigen.


Die Aufgabe wurde gelöst, aber wie ...

In den schwimmenden Apfel zu beißen, schaffte ich zwar nicht, doch während ich gerade Luft holte, erfüllte mein Pferd diese Aufgabe, was uns - wie ich fand - einige Extrapunkte hätte einbringen müssen. Aber erst nach einer zeitkostenden Diskussion mit dem Schiedsrichter und unter der Bedingung, dass ich für die nachfolgenden Teilnehmer frisches Wasser zu besorgen hätte, wurde es anerkannt.


Man kann nicht immer gewinnen

Gut, im Endeffekt haben wir den Sieg dann doch noch knapp verfehlt und uns mit dem letzten Platz begnügt, während meine Freundin, die danach noch auf meinem Pferd startete, einen ziemlich guten Platz belegte, aber das sollte ja nun auch jedem klar sein: Schließlich hatte ich meinem Pferd vorher genau gezeigt, was es zu tun hätte - aber es war trotzdem recht peinlich. Eins ist auf jeden Fall klar: Vor den nächsten Ponyspielen werden wir heimlich üben, und es ist mir völlig egal, ob das fair ist oder nicht!

Katinka Schnitker




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