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            Equikids - Ausgabe 09/2009


Lederpflege - Pferdefarben und -abzeichen - Reiten ohne Sattel - Zu zweit ein eigenes PFerd? - Ein Pferd und sein Apfel


* Lederpflege - aber richtig!


Leder ist ein Material, das besonderer Pflege bedarf. Einfach waschen oder einfach fetten ist zu wenig. Und nicht jedes Leder wird gleich gepflegt. Wildleder beispielsweise braucht eine andere Pflege als glattes Leder. Und Sättel pflegt man anders als Zügel; ein bisschen Sachkenntnis gehört schon dazu - und Arbeit ist es auch! Aber gut gepflegtes Leder hat einen unverwechselbaren Glanz, ist geschmeidig und hält sozusagen ewig.

Die Pflege von Wildleder
Es gibt nicht viel Wildleder bei der Pferdeausrüstung, weil Wildleder empfindlich ist. Aber die sogenannten „Pauschen“ vorn am Sattel, das sind die Verdickungen, die das Reiterbein richtig „hinlegen“, sind meistens aus Wildleder. Oft ist auch der Sitz aus Wildleder, manchmal sogar der ganze Sattel.
Neues Wildleder sprüht man mit einem speziellen Spray ein; dadurch wird das Leder wasserabweisend und nimmt insgesamt nicht so schnell Schmutz an. Zum Reinigen später benutzt man eine kleine harte Gummibürste, mit der man das Wildleder aufraut - damit geht der Schmutz automatisch weg.
Wildleder wird niemals gefettet, weil es rau sein soll. Durch diese Rauheit hat es seinen ganz bestimmten samtenen Glanz. Damit dieser Glanz bleibt und das Leder nicht verschmutzt, sollte man Wildledersättel mit einem Sattelschoner überziehen, wenn sie nicht benutzt werden, und regelmäßig aufrauen.

Glattes Leder: Pflege mit Sattelseife, Lederfett und Lederöl
Neues Leder:
Zuerst einmal muss man sagen, dass man nur erstklassiges Leder kaufen sollte. Erstklassiges Leder ist leider auch das teuerste - dafür ist es aber auch das schönste, das strapazierfähigste und das Leder, das am längsten hält.
Lasst die Finger von Leder, das wie gelackt aussieht - der Glanz täuscht meist über die mindere Qualität hinweg. Gutes neues Leder muss entweder ganz unbehandelt, also nur gegerbt, oder mit Fett gesättigt sein - Lack hat hier nichts zu suchen.
Gut gefettetes Leder kann man gleich einsetzen. Unbehandeltes, also nur gegerbtes Leder, legt man für eine Nacht in gutes Lederöl. Das zieht dann tief bis in die letzte Pore ein. Am nächsten Tag nimmt man das Leder heraus und lässt es mindestens einen Tag lang abtropfen. Danach kann man es dann mit einem weichen Lappen polieren; es bekommt einen weichen, warmen Glanz. Jetzt ist es schmutzabweisend und wasserfest für viele Monate!
Das geht natürlich nicht mit Sätteln. Die muss man anders behandeln, nämlich Lederstückchen für Lederstückchen, also die Sattelblätter, die Steigbügelriemen usw. Zuerst schnallt man die Steigbügelriemen aus und fettet sie mit Lederfett. Dabei muss man auch die Kanten mitfetten - übrigens IMMER bei allen Lederstücken. Denn gerade durch diese offenen Schnittkanten kommt Feuchtigkeit ins Leder; und das soll ja nicht sein!
Dann fettet man den Sattel von außen mit Lederfett dünn ein und lässt es einziehen. Dabei darf man die Sitzfläche nur ganz, ganz vorsichtig fetten - sonst hat man das Fett nachher an der Hose! Meist ist das Leder der Sitzfläche aber so präpariert, dass man es fast nicht zu fetten braucht. Nur da, wo sich die Kanten biegen, sollte man mit einem leicht gefetteten Lappen mit einem Strich vorbeigehen - softly!
Die Unterseite des Sattels, das ist die Fleischseite des Leders, wird mit Lederöl gefettet. Dazu nimmt man einen Pinsel und streicht das Leder
dünn ein. Das kann man mehrere Male hintereinander machen, bis das Leder sich nicht mehr dunkler färbt - dann ist es gesättigt und wird geschmeidig. Danach lässt man den Sattel über Nacht oder zumindest einige Stunden das Fett und Öl aufsaugen und poliert dann mit einem weichen Wolltuch nach.

Verschmutztes Leder:
Nehmen wir mal an, ihr wart im Gelände, und es war matschig. Da fliegt der Dreck nicht nur unter den Pferdebauch, auch der Ledersattelgurt und der Sattel kriegen meistens was mit. Wenn das Leder wirklich gut gefettet ist, kann man den Dreck einige Male mit viel lauwarmem Wasser abwaschen und schnell mit einem Frotteetuch nachtrocknen. Aber nur einige Male, dann braucht das Leder wieder Fett! Und dafür nimmt man Sattelseife.
Mit einem feuchten Schwamm streicht man leicht über die feste Sattelseife und bearbeitet dann mit dem Schwamm das Leder. Dabei bildet sich ein weicher Schaum, der den Schmutz aufnimmt. Den Schaum wischt man ab, nachdem man den Schwamm wieder in klares Wasser getaucht hat. Da der Schaum fetthaltig ist, bildet sich auf dem Leder ein feiner Fettfilm, der schützend wirkt. Den lässt man einfach drauf und poliert das Leder nach, sowie man den Sattel wieder braucht.

Die Aufbewahrung von Leder

Leder ist ein Material, das einmal lebendig war - nämlich meistens Rinderhaut. Solche Materialien können zwar extreme Temperaturen ertragen ... aber nicht von jetzt auf sofort. Das heißt im Klartext: Nasses Lederzeug niemals im Ofen trocknen! Es würde hart und unbrauchbar. Nasses Leder muss mit lauwarmem Wasser gesäubert und dann an der Luft getrocknet und aufbewahrt werden.
Große Gestüte und Reitbetriebe haben extra Sattelkammern; die sind immer beheizt. Sie sind nicht deshalb beheizt, weil das Leder die Kälte nicht vertragen würde - die ist für Leder kein Problem. Aber Leder verträgt keine Feuchtigkeit, und deshalb werden die Sattelkammern trocken geheizt.
Wenn man mit dem Pferd gearbeitet hat, dringt die Feuchtigkeit, der Pferdeschweiß, manchmal bis ins Leder. Und das schimmelt dann. Schimmel aber ist der größte Feind des Leders, weil er das Leder brüchig und rissig macht. Um das zu verhindern, bewahren Profis ihr Lederzeug in warmen, trockenen Räumen auf.
Sehr gut gefettetes Leder kann man auch draußen aufbewahren - aber es braucht viel Pflege und Aufmerksamkeit und muss immer und immer wieder gefettet werden. Optimal ist die Aufbewahrung im Freien nicht!

Die Pflegemittel
Lederöl, Sattelseife und Lederfett werden speziell für die Lederpflege hergestellt. Natürlich wäre es einfach, Mutters Salatöl zu nehmen, anstatt das teure Lederöl zu kaufen - leider geht das aber nicht. Denn Salatöl beispielsweise ist nicht so dünnflüssig wie Lederöl und würde die Poren eher verstopfen, als in sie einzudringen.
Gute Pflegemittel sind wie gutes Leder relativ teuer. Aber an einer Flasche Lederöl hat man ja
endlos... Also lohnen sich 5,- Euro mehr auf jeden Fall. Übrigens: Auch Lederpflegemittel lieben Zimmertemperatur!
Uta Over


* Pferdefarben und Abzeichen, Teil 1:

Farben mit schwarzem Pigment


Dass jedes Pferd eine bestimmte Farbe hat, ist klar. Das sieht doch jeder! Und wie man diese Farbe nennt, ist auch einfach; und sonst ist es ja auch nicht so wichtig - oder? Aber es lohnt sich, sich einmal mit den verschiedenen Pferdefarben zu beschäftigen; dabei trifft man auf eine unerwartete Vielfalt! Und man kann auf diese Weise erlernen, Pferde noch genauer voneinander zu unterscheiden bzw. nach ihrem „Steckbrief“ zu erkennen.
Jedes Pferd braucht einen Pferdepass. Falls vorhanden, findet sich hier ein Abstammungsnachweis. Auf jeden Fall enthält der Pass eine genaue Beschreibung des jeweiligen Tieres. Diese Beschreibung enthält, oft in Abkürzungen, Angaben zur Körper(-Deckhaar)-Farbe sowie zu den sogenannten Abzeichen. Die Färbung des Fells liegt an den Farbpigmenten, die in der Haut und im Fell enthalten sind. Die Abzeichen sind also pigmentlose, d.h. weiße bzw. - bei fehlender Behaarung - fleischfarbene Körperpartien, vorwiegend am Kopf und an den Beinen. Zu den üblichen Angaben zu Farbe und Abzeichen kommen in Sonderfällen Angaben zu Flecken an anderen Körperteilen sowie zur Farbe des Langhaars (Mähne und Schweif), falls diese von der Norm abweicht.
Um eine solche Beschreibung lesen bzw. durch Vergleich mit dem zugehörigen Pferd dessen Identität überprüfen zu können, muss man sich mit den gängigsten Abkürzungen und deren Bedeutung vertraut machen. Die folgende Übersicht hilft euch, die Papiere eures Pferdes richtig zu lesen, und sie stellt die „gängigsten“ Pferdefarben vor. In diesem ersten Teil geht es um Farben mit schwarzem Pigment.

Farb-Bezeichnungen und Abkürzungen

R. oder Ra. = Rappe: einheitlich schwarzes Deckhaar (Fell) und Langhaar (Mähne und Schweif); Geburtsfarbe „Mausgrau“.
Zusatzangaben wie „Glanzrappe“, „Sommerrappe“ u.ä. sind nicht eindeutig definiert und unüblich.

B. oder Br. = Braun: Schwarzfärbung im Normalfall beschränkt auf das Langhaar und den unteren Teil der Beine, restliches Deckhaar braun in unterschiedlicher Farbintensität; danach neben der mittleren Stufe (= Braun) Unterscheidung in:

HB. oder Hellbr. = Hellbraun: Deckhaar hellbraun (teilweise vom Rücken zum Bauch hin heller werdend), Beine oft nur ganz unten schwarz oder grau (das wird auch als „grüne Beine“ bezeichnet);

DB. oder Dubr. = Dunkelbraun: Deckhaar dunkelbraun, teilweise zum Maul und zur Flanke hin aufgehellt;

SB. oder Schwbr. = Schwarzbraun: Deckhaar schwarz bis auf die blassbraune bis kupferfarbige Umgebung von Maul und Flanke bzw. Kniefalte.

Fa. = Falbe: Langhaar - zumindest Mittelstreifen der Mähne und des Schweifes - und unterer Teil der Beine - zumindest bis zur Fessel - schwarz, Deckhaar aufgehellt in unterschiedlicher Intensität, demnach Unterscheidung in:

Gr.-Fa. oder Grau-Fa. = Graufalbe: Deckhaar mausgrau in unterschiedlicher Tönung;

W.-Fa. oder Weiß-Fa. = Weißfalbe: Deckhaar eierschalenfarbig;

H.-Fa. oder Hellbr.-Fa. = Hellbraunfalbe: Deckhaar blassgelb;

B.-Fa. oder Braun-Fa. = Braunfalbe: Deckhaar milchkaffeefarbig;

Du.-Fa. = Dunkelbraunfalbe: Deckhaar dunkelbraun bis auf blassgelbe Partien an Maul, Kniefalten und Schenkel-Innenseiten.

Neben den hier genannten Falb-Varianten gibt es noch den „
Rotfalben“, der in der nächsten Ausgabe bei den Farben ohne schwarzes Pigment besprochen wird.

Achtung! Die Falbfarbe tritt häufig in Verbindung mit schwarzer bzw. sehr dunkler Färbung entlang der Wirbelsäule („Aalstrich“), mit Querstreifen über den Widerrist („Schulterkreuz“) und mit Querstreifen im Bereich der Vorderfußwurzel bzw. des Sprunggelenks („Karpalstreifen“) auf. Dabei handelt es sich um die Ausprägung des „Wildfarb-Faktors“, der unabhängig vom Aufhellungs-Faktor vererbt wird, z.B. beim Fjordpferd.

Dr. Dieter Schön


* Auch ohne Sattel richtig reiten


Wer auch mal ohne Sattel reitet, wird von den „richtigen“ Reitern meistens scheel angesehen. Aber kann es denn wirklich sein, dass nicht die Harmonie von Pferd und Reiter, sondern ein Stück Leder entscheidend für gutes Reiten ist?
„Ohne Sattel?!? - Das kann ja wohl kein richtiges Reiten sein, ist doch bloß Juxerei!“
Reiten ohne Sattel ist Vertrauen, Genuss, Entspannung, Spaß, Gefühl und auch Arbeit! Und gejuxt wird mit Sattel mindestens ebensoviel wie ohne Sattel, wenn nicht mehr!
„Ohne Sattel?!? - Mensch, dass du dich das traust, so zu reiten, das ist doch gefährlich!“
Also, wenn ich mir vorstelle, was an einem Sattel alles reißen kann - Bügelriemen, Gurtstrupfen - und wie ein z.B. zu locker gegurteter Sattel zur Seite oder auf den Hals rutschen kann, ganz zu schweigen vom In-den-Bügeln-hängenbleiben bei einem Sturz, kann ich nicht finden, dass die Möglichkeit eines glatten Sturzes von einem blanken Pferderücken gefährlicher sein soll.

So, das wär’s zu dem Thema.
Oder doch nicht?
Nein, natürlich nicht!

Wie zu jedem Thema der Pferde- und Reiterwelt gibt es auch zum „Reiten ohne Sattel“ unglaublich viele Gedanken, Meinungen und Erfahrungen, von denen ich meinen Teil gerne weitergeben möchte. Vorweg muss man aber zugestehen, dass es in der Reiterwelt eben verschiedene Menschen gibt mit ganz unterschiedlichen Einstellungen zu Pferd und Reiterei. Ohne Sattel zu reiten ist vielleicht etwas, das in die Vorstellung vom Reitsport mancher Reiter nicht hineinpasst. In dem Fall kann ich nur sagen: Pech für sie! Etwas so wundervolles wie das Gefühl, völlig entspannt auf einem bloßen Pferderücken dahinzugaloppieren, gibt es nicht oft - zumindest nicht für ein echtes Reiterherz. Und dieser Galopp hat nichts mit dummer Juxerei zu tun. Er ist vielmehr der Ausdruck von Vertrauen und Harmonie zwischen Pferd und Mensch, und man braucht viel Können und Erfahrung, um ihn richtig zu genießen.

Die Ausbildung des Reiters
Die Ausbildung des Reiters sollte mit Longenstunden und den entsprechenden gymnastischen Übungen unbedingt auf einem ungesattelten Pferd beginnen. Mithilfe eines Longiergurtes, der den Sitz nicht behindert, kann das Pferd ausgebunden werden, und dem Anfänger kann ein Notriemen an den Gurt geschnallt werden. Der besondere Vorteil für den Anfänger besteht darin, daß er ohne ein störendes Zwischenteil (= Sattel) lernen kann, die Bewegungen des Pferdes zu erfühlen. Aber er kann nicht nur das Pferd besser spüren, er kann auch seine eigenen Knochen und Muskeln im Kontakt mit dem Pferd merken, und manchen Muskel lernt er dabei sogar erstmals kennen. Wer später einmal geschmeidig sitzen will, kann jetzt auf dem nackten Pferderücken verinnerlichen, wann sich das Pferd wie bewegt, und mit etwas Übung wird er in der Lage sein, die Bewegungsabläufe vorauszuspüren. Das wiederum ermöglicht es dem Reiter, rechtzeitig zu reagieren, und nur wer rechtzeitig reagiert, kann die Schwerpunkte von Pferd und Reiter in Übereinstimmung halten. Ein „hinter der Bewegung sein“ kann so vermieden werden.
Auch ist es wichtig, die Grundbalance des Reiters ohne Sattel zu trainieren, damit er nicht in Versuchung gerät, sich in die Bügel zu stellen oder sich mit den Beinen am Sattel festzuklammern. Der rutschige Pferderücken, an dessen Seite die Beine oft genug herumschlackern - und das auch dürfen! - bringt uns zu der Erkenntnis: Reiten beginnt im Hintern!
Derjenige, der auf diese Art reiten lernt, hat eine echte Chance, seinem Pferd später mal nicht in den Zügeln zu hängen oder ins Kreuz zu plumpsen.

Reiten ohne Sattel ist auch eine Ergänzung
Das ungesattelte Pferd sei nicht dem Anfänger vorbehalten! Reiten ohne Sattel ist in jedem Fall eine ideale Ergänzung zur Arbeit mit der üblichen Ausrüstung. Ohne Sattel - und wenn möglich auch ohne Trense, also mit Halfter, oder auch ohne alles - zeigt sich, wie weit Pferd und Reiter wirklich miteinander vertraut sind. Und es gibt ja auch Situationen, in denen das Pferd vielleicht Sattel- oder Gurtdruck hat, ansonsten aber gesund und munter ist. Natürlich kann ich es dann (unausgebunden, weil z.B. Gurtdruck) am Halfter oder an der Trense in die Runde laufen lassen. Wäre es aber nicht viel schöner, einfach ungesattelt einen Ausritt zu machen? Und außerdem: Was spricht denn dagegen, ein ungesatteltes Pferd auch dressurmäßig oder über Cavalettis zu arbeiten? Wer das versucht, wird feststellen, dass seine Hilfen ohne Sattel sogar direkter und dadurch stärker beim Pferd ankommen. Wer weiß, vielleicht gehen manche Lektionen auf einmal viel leichter?
Natürlich gibt es ohne Sattel kein Pardon für Sitzfehler. Wer z.B. seinem Pferd wegen fehlender Bügel ständig ins Kreuz fällt, sollte entweder nochmal unter Anleitung an seinem Sitz arbeiten, oder er muss tatsächlich beim leichten Sitz und Leichttraben mit Sattelunterstützung bleiben.

Es gibt auch ganz einfache Gründe, ohne Sattel zu reiten.
Als da wären:

1. Kinder, die zu klein sind, um auf einem Sattel - über dessen Blatt sie sowieso kaum hinausreichen - überhaupt etwas zu merken, sollten lieber auf einem kleinen Pony ohne Sattel reiten. Außerdem verfügen Kinder in der Regel noch über ein gutes, natürliches Körpergefühl, was durch das Reiten ohne Sattel gefördert und gefestigt wird.

2. Pferde, deren Sattellage so schlecht ist, dass viel Lederzeug notwendig wäre, um den Sattel mit Glück in einer korrekten Lage zu halten, sollten ruhig öfter ohne diesen geritten werden. Lieber auf bloßem Pferderücken als auf einem gesattelten Hals! Außerdem schont es die durch rutschendes Lederzeug strapazierte Haut des Pferdes.

3. Der Reiter hat ganz einfach wenig Zeit und verbringt diese lieber beim gemeinsamen Ritt als beim Putzen und Satteln.

4. Wie oben bereits erwähnt, sind die Gefahren bei einem eventuellen Sturz ohne Sattel wesentlich geringer als bei einem Sturz mit Sattel.

5. Der erste Kontakt eines jungen Pferdes mit dem Reitergewicht kann bei einem grundsätzlich guten Verhältnis zwischen Mensch und Pferd (d.h. Vertrauen auf beiden Seiten unter Wahrung der notwendigen Dominanz des Menschen) durchaus weniger beängstigend sein, wenn sich der dem Pferd vertraute Mensch einfach mal ohne große Vorbereitung und ohne Sattel auf den Pferderücken hinaufheben lässt. Je unauffälliger solche Aktionen passieren, umso gelassener begegnet ihnen auch das Pferd.
Zur Schonung des jungen Pferdes sollte für das richtige Gerittenwerden allerdings auf einen Sattel nicht verzichtet werden, da dieser das Gewicht des Reiters auf dem noch untrainierten Pferderücken besser verteilt und außerdem die Steigbügel die Möglichkeit des Entlastungssitzes bieten.

Wann ist ein Sattel unentbehrlich?
Wichtig ist es aber auch zu wissen, dass es Situationen gibt, in denen auf den Sattel nicht verzichtet werden sollte:

1. Die erste Arbeit mit einem jungen Pferd (s.o.).

2. Längere Ritte: Ein Sattel trägt hier sowohl zur Schonung des Pferderückens als auch der empfindlichen Pohaut des Reiters bei.

3. Das Pferd ist schlichtweg zu mager oder sein Widerrist steht grundsätzlich zu hart heraus => auch der „ohne-Sattel-Idealismus“ hat seine Grenzen!

4. Der Reiter kann wegen körperlicher Einschränkungen nicht auf die Bügel verzichten (z.B. Hüftprobleme).

5. Der Reiter ist (vielleicht aus Altersgründen) nicht mehr in der Lage, das geschmeidige Mitgehen mit der Bewegung zu erlernen.

Und noch ein Punkt ist wichtig: Die Versicherung sollte grundsätzlich auch das Reiten ohne Sattel absichern.

Alles in allem: Ob es für euch persönlich sinnvoll ist, ohne Sattel zu reiten, müsst ihr selber entscheiden. Doch wenn ihr die Möglichkeit dazu habt, freut euch und nutzt sie! Wenn ihr es nicht sowieso schon kennt, werdet ihr ein ganz neues Reitgefühl entdecken. Und ihr werdet feststellen, dass Reiten ohne Sattel nicht den Juxern, sondern den im Gleichgewicht befindlichen Reitern vorbehalten ist!

Ute Forler


* Zur Diskussion:

Der Traum vom eigenen Pferd - zu zweit geht es leichter!?


Wer ein eigenes Pferd oder Pony besitzt, hat gut lachen. Doch für viele Pferdefreunde ist es ein nahezu unerfüllbarer Traum: Der Traum vom eigenen Pferd! Meist scheitert dieser Traum an den äußeren Umständen, und die sind oft finanziell bedingt. Ein Pferd lässt sich nun einmal nicht auf dem Balkon einer Stadtwohnung oder im Vorgarten halten; die Unterstellung in einem Stall kostet Geld, und schon der Kaufpreis übersteigt oft die Verhältnisse. So kommt es, dass eine scheinbar einfache Lösung immer wieder gefunden wird:
Wir teilen uns ein Pferd!
Meist sind es beste Freundinnen, die diesen Plan fassen. Wir verstehen uns, wir verbringen unsere Freizeit eh zusammen im Stall - da können wir uns doch auch zusammen um ein Pferd kümmern? Und geteilte Kosten sind eben halbe Kosten!

Eine Lösung mit vielen Vorteilen

Natürlich hat es viele Vorteile, wenn man zu zweit für ein Pferd verantwortlich ist. Es ist nur der halbe zeitliche Aufwand, so dass auch Zeit für andere Dinge bleibt; die Kosten sinken wie gesagt beträchtlich, und man ist trotzdem nicht mehr darauf angewiesen, viel Geld für Stunden auf Schulpferden zu bezahlen oder sich mit dem Besitzer seines Pflegepferdes auseinanderzusetzen! Man kann endlich die emotionale Beziehung zu einem Pferd aufbauen, die man sich immer schon gewünscht hat, ohne dass man damit rechnen muss, dieses Pferd durch die Willkür seines Besitzers wieder zu verlieren. Damit könnte dieser Artikel also beendet werden - wenn das tatsächlich alles so problemlos wäre, wie es auf den ersten Blick scheint!

Probleme tauchen meist schneller auf, als man sich wünscht
Dummerweise verläuft eben meist nicht alles so glatt, wie man sich das in der ersten Begeisterung vorstellt. Und so gestaltet sich oft nicht nur die Arbeit mit dem Pferd schwieriger, als man gedacht hat, sondern auch die Freundschaft mit der zweiten Besitzerin gerät oft in Gefahr!
Das hat ganz banale Gründe: Gerade zu seinem ersten eigenen Pferd entwickelt man meist eine sehr intensive emotionale Beziehung. Und wie bei jeder intensiven Beziehung kommt auch hier Besitzdenken mit ins Spiel! Denn so gern man seine Freundin auch hat - das Pferd wird doch als persönliches Eigentum betrachtet, und natürlich möchte man, dass dieses Pferd niemand anders genauso gern hat! Also tritt oft Eifersucht auf: auf die Freundin, auf das Pferd...
Doch auch entgegengesetzte Probleme können entstehen. Wenn nämlich das Pferd versorgt werden muss, obwohl es regnet, und beide etwas Besseres zu tun hätten - wer muss dann herhalten? Diskussionen sind vorprogrammiert! Wer kümmert sich um den Schmied, und wer hat Zeit, wenn der Tierarzt kommt? Eigentlich klingen solche Probleme lächerlich, aber in der Praxis kann daraus schon einmal ein Streit entstehen.

Was genau erwarte ich von meinem Pferd?
Auch diese Frage sollte vorher genau geklärt werden. Wollen wir beide das Gleiche mit unserem Pferd erarbeiten - vielleicht Dressur oder Springen bis zur Turnierreife, vielleicht Geländesicherheit, vielleicht Western-Lektionen - oder haben wir ganz unterschiedliche Auffassungen? Denn natürlich ist es frustrierend, wenn man mit viel Mühe bestimmte Lektionen erarbeitet und die andere Reiterin alles wieder zunichte macht, weil sie ganz andere Interessen und Schwerpunkte hat. Deshalb ist es auch von Vorteil, wenn beide auf etwa dem gleichen reiterlichen Niveau sind; gegenseitige Vorwürfe bleiben dann eher aus.
Außerdem gibt es noch etwas zu bedenken: Ein Pferd kann recht alt werden. Haben wir beide die ganzen Jahre über die gleiche Möglichkeit, uns um das Tier zu kümmern, oder ist es vielleicht absehbar, dass eine von uns in einigen Jahren nicht mehr da sein wird? Wenn das Pferd einmal da ist, kann man es nicht einfach „wegbeamen“, sobald es schwierig wird. So kann es passieren, dass im Endeffekt eben doch einer allein die ganze Verantwortung und die ganzen Kosten tragen muss! Und das war natürlich nicht Sinn der Sache...

Also lassen wir’s lieber gleich bleiben?
Tja, eine gute Frage. Was soll man denn tun, wenn man sich ein Pferd allein nicht leisten kann und die Freundin den gleichen Traum hat? Einfach verzichten, weil es ja schiefgehen könnte? Denn natürlich kann auch alles gut gehen, so, wie man sich das gewünscht und vorgestellt hat. Dann hat man einfach eine schöne Zeit. Und vielleicht wird auch die Freundschaft dadurch noch enger! Überlegt euch also gut, wie genau die Vereinbarung aussehen soll. Legt alles ganz genau fest, und sprecht auch mit euren Eltern und Familien genau über euer Vorhaben. Ein Pferdekauf ist eine große Sache!


* Zum Wiehern:

Ein Pferd und sein Apfel


Eines wunderschönen, sonnigen Tages wurde ein Fußgänger, der wahrscheinlich nur einen schönen Spaziergang machen wollte, mitten im Wald von einem Pony zu Boden geworfen. Tragischerweise war dieses Pony mein Pony ... aber ich kann es erklären:
Es geschah vor etwas über fünf Jahren, ich hatte mein Pferd gerade erst bekommen, und unser Verhältnis war damals, sagen wir mal, nicht ganz so gut. Unser Hauptproblem war das Anhalten, aber auch das Überwechseln in eine langsamere Gangart oder auch nur Schritt zu gehen bereitete uns einige Schwierigkeiten. Mit anderen Worten: Ich konnte ihn einfach nicht bremsen.

Der Rückweg war besonders tückisch
Mit dieser Voraussetzung waren unsere Ausritte zwar meistens lustig, aber nie sehr kontrolliert, und besonders schlimm war immer der Rückweg. Wie oben schon angedeutet, ritten wir im Wald, und im Wald gibt es eben auch Fußgängerwege, und diese sind geteert oder sonstwie befestigt. Auf jeden Fall sollte man als Reiter, wenn man diese Wege überhaupt benutzt, im Schritt am Rand entlang reiten. Nun, unser Rückweg ging erstens das letzte Stück bergab und zweitens über einen solchen Fußgängerweg. Es passierte dann auch des öfteren, dass mein Pferd meine mehr oder weniger verzweifelten Versuche, ihn zu bremsen, schlicht ignorierte und munter mitten auf dem Fußgänger-weg bergab trabte. Dabei ist bis zu diesem Zwischenfall auch nie etwas passiert - obwohl ich zuge-ben muss, dass ich einmal, es war abends und wirklich schon ziemlich dunkel, einen Fußgänger mit einem dunklen Mantel (den man wirklich sehr schlecht erkennen konnte) übersehen haben muss. Um es kurz zu machen: Er konnte sich nur durch einen Sprung in die am Wegrand stehenden Dornenbüsche retten. Ich selbst sah nur einen Schatten in Richtung Büsche springen, dann waren wir auch schon weitergetrabt. Aber meine Kusine, die im Schritt hinter mir herkam, meinte später, als sie an der Stelle vorbeikam, wäre dieser Mensch gerade relativ unbeschadet aus den Büschen gekrabbelt! Sie hat sich dann auch für uns entschuldigt.

Wie war das mit dem Fußgänger ... ?

Aber nun zu dem umgeworfenen Fußgänger. Diesmal war es heller Tag, und man konnte ihn auch gut erkennen. Wir trabten also mal wieder heimwärts, und ich war einfach mit dem geplanten Bremsvorgang so beschäftigt, dass ich nicht merkte, wie mein Pferd besagten Fußgänger ins Auge fasste. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr genau wie, aber auf einmal hatte mein Pferd abgedreht und dann - auf welche Art auch immer - diesen Fußgänger umgerannt. Ich erinnere mich nur noch, dass mein Pferd plötzlich wie angewurzelt stand, und vor uns lag dieser Mensch mit einer Tüte und einem Apfel in der Hand.
Ich habe mich ganz ehrlich erschrocken, und erst als ich den Apfel sah, wurde mir klar, warum mein Pferd das getan hatte: Es wollte diesen Apfel! Deshalb sagte ich auch nur: „Oh, Sie haben einen Apfel!“
Meine Kusine war auch auf diesem Ausritt dabei, und ich schwöre euch, seit diesem Tag, seit fünf Jahren hält sie mir jedesmal, wenn dieses Thema zur Sprache kommt, vor, ich hätte unmöglicherweise nur dieses dumme „Oh, Sie haben einen Apfel“ von mir gegeben, anstatt mich zu entschuldi-gen. Deshalb werde ich das auf diesem Wege tun:
Lieber, lieber Fußgänger, es tut mir wirklich von Herzen leid!!
Aber es ist auch wirklich nicht so klug, einen Apfel mitten im Wald zu essen.

Katinka Schnitker


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