Die Jugend-Pferdezeitschrift im Netz

Home. Magazin. Rund ums Pferd. Unser Shop. Fachsprache von A - Z. Pferderassen von A - Z. Das Pferde-Quiz. Fotos zum Träumen. Eure Fragen. Brieffreundschaften. Gästebuch. Kontakt. Links. Über uns. Impressum.

Herbstjagd - Doppellonge - Von der Weide in den Stall - Pferde und ihre Gefährten - Zum Wiehern!


Equikids Ausgabe 08/2012


Vorbereitung auf die Herbstjagd


In vielen Reitervereinen gehört die Reitjagd im Herbst zu den Höhepunkten des Vereinslebens. Die meisten Reiter - obwohl oft gelände-unerfahren - nehmen an der Jagd teil; und Neulinge fiebern sozusagen ihrer ersten Jagd entgegen.

Obwohl es sich bei den Reitjagden heutzutage eher um einen anspruchsvollen Geländeritt handelt, sieht man dort doch oft mehr unschöne als schöne Bilder:

Pferde mit unglaublich viel Lederzeug verschnürt, was die Angst des Reiters deutlich zeigt. Reiter, die mehr auf den Pferden hängen, als dass sie sie reiten.

Und am Stop die vielen Schnäpse, die den Heimweg dann so „schnell“ machen.

Nach der Jagd viele ausgepumpte Pferde, die es deutlich zeigen - und viele ausgepumpte Reiter, die sich ihre Erleichterung nicht so gern ansehen lassen.

Muss das sein?

Man weiß doch, wann die Jagden beginnen. Also kann man doch früh genug damit anfangen, sich vorzubereiten.

Und  muss denn wirklich jeder Reitanfänger im ersten oder zweiten Ausbildungsjahr eine Jagd mitreiten? Genau genommen tut er weder sich noch einem Pferd damit einen Gefallen und wird das später meistens einsehen.


Voraussetzungen fürs Jagdtraining

Es dürfte klar sein, dass man Jagdreiten nicht in der Halle trainieren kann. Dennoch wird die Basis dafür hier gelegt, denn eine solide reiterliche Ausbildung ist die Voraussetzung für ein anständiges Jagdreiten. Und hierzulande bekommt man die solide Grundausbildung meistens in der Halle.

Dressurarbeit muss also sein - für Reiter und Pferd. Das Pferd lernt, die Grundgangarten korrekt unter dem Reiter zu gehen und auf seine Anweisungen zu hören. Der Reiter lernt, sein Pferd möglichst leicht zu dirigieren.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich beileibe nicht jedes Pferd (und eigentlich auch nicht jeder Reiter.... aber das ist ein anderes Kapitel) fürs Jagdreiten eignet.

Jagdpferde sollten die Voraussetzungen für ein gutes Geländepferd mitbringen, also genügend Fundament, dazu kräftige doch lange  Beine, einen guten langen Hals als „Balancierstange“ sozusagen, Galoppiervermögen und Mut. Pferde mit „viel Blut“ sind dafür hervorragend geeignet, während die konsolidierten Ponytypen andere Vorteile haben...

Nach der dressurmässigen Ausbildung geht es ins Gelände, und hier beginnt die eigentliche Vorbereitung auf die Jagd.


Das Basistraining

Grundsätzlich sollten keine Pferde unter sieben Jahren an Jagden teilnehmen, denn erst dann sind sie voll ausgewachsen; und erst dann sind Muskeln und Sehnen voll belastbar und halten ohne Mühe durch.

Das Basistraining im Gelände besteht aus drei Teilen:

+ Der körperlichen Konditionierung des Pferdes

+ Der geistigen „Konditionierung“ des Pferdes

+ Dem Konditionstraining des Reiters, wobei hier wirklich  nur das physische Training gemeint ist, das psychische sollte bereits vorhanden sein.


Die körperliche Konditionierung des Pferdes

Das bedeutet, dass das Pferd später in der Lage sein soll, mehrere Kilometer hintereinander im Galopp zurückzulegen und  dabei etliche Hindernisse zu überspringen. Das ist kein Pappenstil und setzt eine Bombenkondition voraus, wenn die Pferde am Tag nach der Jagd nicht  völlig ausgepumpt dastehen sollen.

Das Training beginnt mit langen - sehr langen! - Schrittreprisen. Das mag langweilig erscheinen; aber der lange Schritt ist nun mal die Grundlage, weil sich das Pferd im langen Schritt, in dem sonst nichts von ihm gefordert wird, lösen kann und locker geht. Durch das lockere Gehen ohne Angst senkt sich der Hals, die Rückenmuskulatur dehnt und streckt sich, der Rücken wölbt sich und wird kräftiger. Wer einmal erlebt hat, WIE sich der Rücken zur tragenden Brücke formen kann,  wird das verstehen. Wer’s noch nicht erlebt hat, sollte es anstreben....

Nach solch langen Schrittstrecken ist den Pferden nicht nach Davonstürmen zumute, weil ihr Gemüt ruhig ist; und das ist wichtig fürs Jagdreiten. Hektikter kann man da nicht brauchen.  Wohl aber kann man sie zu einem längeren Trab auffordern. Und wenn sie dann nach längerer Strecke munter geworden sind, kann man das tägliche Training mit einem kurzen Galopp beenden.

Die körperliche Konditionierung für die Jagd beinhaltet nichts Spektakuläres. Es müssen keine Riesenhindernisse gesprungen werden, die Pferde müssen auch keine Rennstrecken hinter sich bringen - es ist ja nur eine Vorbereitung auf die große Leistung!

Im ersten Jahr sollte man auf das Springen von Hindernissen verzichten. Für ein junges Pferd oder einen unerfahrenen Reiter reicht im ersten Jahr das dritte Feld, in dem nicht gesprungen wird.

Ein größeres Springtraining kann also entfallen - allerdings sollte das Pferd in der Lage sein, beispielsweise einen Graben oder einen Bach ohne Zögern zu durchqueren oder zu überspringen.

Und es sollte in der Lage sein, unterschiedliche Bodenverhältnisse einschätzen zu können. Jagdstrecken haben außer in der Heide mit ihren phantastischen Sandböden selten überall den gleichen Boden. Da werden in schnellem Tempo Asphalt, federnder Waldboden, Schotterboden und feuchte Wiesenwege geritten. Das Pferd sollte alles das kennen und körperlich darauf vorbereitet sein. Ebenso auf steile Steigungen und Abhänge.


Die geistige Konditionierung des Pferdes

Das Reiten im Pulk ist etwas anderes als ein Geländeritt mit Vereinskameraden. Schon beim Sammeln zur Jagd spüren die Pferde die erwartungsvolle Atmosphäre und laden sich leicht auf. Der Aufgalopp ist nicht selten ein Davonstürmen. Umso wichtiger ist es, diszipliniert zu reiten - und das erfordert Übung.

Vor der Jagd sollte das Pferd also schon einige Male ein kleineren oder größeren Gruppen gegangen sein, und zwar sowohl vorn als auch mitten in der Gruppe und ganz hinten. Damit vermeidet man das unangenehme Kleben und bringt sein Pferd darauf, mehr auf den Reiter als auf die Gruppe der Pferde zu hören.

Ebenfalls sollte man unbedingt üben, ein bestimmtes Tempo beizubehalten - auch wenn die anderen Reiter lospreschen. Gerade das Halten des gleichmäßigen Tempos ist schwierig und kann vor der Jagd nicht oft genug geübt werden. Denn wenn einem das Pferd bei der Jagd erst mal von der Hand kommt, ist es sehr schwer, es wieder „in Form“ zu bringen.

Sehr wichtig ist es auch, dass das Pferd weitgehend „scheufrei“ ist. Mit vielen Dingen wie Musik beispielsweise, die ja oft am Stopp ist, kann man sein Pferd vorher vertraut machen. Plötzlich aus dem Gebüsch springende Zuschauer, die einen am Sprung fotografieren wollen, erfordern vom Pferd allerdings viel Vertrauen zum Reiter und ein gutes Nervenkostüm. Das bekommt es nur durch möglichst vielseitiges Geländereiten, also nicht immer dieselbe Strecke um den Stall herum. Wenn irgend möglich, sollte man sein Pferd hie und da verladen und mit ihm eine fremde Geländestrecke reiten. Das fördert nicht nur das gegenseitige Vertrauen, sondern hält die Pferde auch frisch im Kopf.

Viele Reitvereine leisten sich den Luxus einer Schleppjagd hinter der Meute. Das bedeutet, dass viele Hunde zwischen den Pferden herumwuseln. Nicht alle Pferde halten das gut aus, und du solltest zuhause oder im Reitverein schon mal testen, welche Pferde überhaupt ausreichend Nerven für anhaltendes Gekläff haben. In jedem Fall muss das Pferd so erzogen sein, dass es grundsätzlich nicht nach Hunden tritt.


Die Konditionierung des Reiters

Beim Jagdreiten braucht man ja glücklicherweise nicht wie beim Distanzreiten größere Strecken zu Fuß zu laufen, sondern bleibt die ganze Zeit über im Sattel. Aber auch das erfordert Kondition.

Es bringt also nichts, sich auf ein gut konditioniertes Pferd zu schwingen, wenn man selbst nicht total fit ist - den letzten Teil der Jagdstrecke wird man verkrampft sitzen und am nächsten Tag einen gehörigen Muskelkater haben.

Es schadet daher nichts, wenn man auch sich selbst ein leichtes Konditionstraining auferlegt - ein bisschen Schwimmen oder Joggen vielleicht. Es muss kein Leistungssport sein, aber doch so viel, dass man sich auch nach längerem Ritt nicht auf dem Pferd verkrampft und es ihm unnötig schwer macht, seine Arbeit zu tun.


Allmähliche Leistungssteigerung

Muskeln bauen sich relativ schnell auf, auch die Knochen sind beim ausgewachsenen Pferd ziemlich schnell voll belastbar. Das Problem ist der Aufbau der Sehnen. Erfahrene Reiter rechnen damit, dass der Sehnenaufbau bis zu zwei Jahren dauert. Nicht umsonst sind die meisten Verletzungen im Gelände Sehnenrisse, -überdehnungen und -entzündungen.

Das bedeutet, dass man das Training langsam und auf unterschiedlichen Böden aufbauen muss. Harte Böden „gehen auf die Knochen“, tiefe weiche Böden „auf die Sehnen“. Es heißt also, systematisch abzuwechseln und darauf zu achten, dass weder Knochen noch Sehnen überfordert werden.

Knochenschäden sind meist irreparabel, Sehnenschäden brauchen Monate oder gar Jahre, um auszuheilen.

Sowie ein Pferd also nur einmal den Anflug einer warmen Sehne nach dem Reiten hat, muss man sofort mit dem Training aufhören und ganz vorsichtig wieder beginnen. Übrigens schützen Bandagen und Gamaschen die Sehnen keineswegs vor Überanstrengung, wie uns manche Werbung weismachen will; sie schützen lediglich vor mechanischen Verletzungen, also Anschlagen mit dem Hufeisen bei noch unsicheren oder überforderten Pferden.

Das korrekte Training für die Jagd beginnt im Frühjahr mit einem erwachsenen Pferd. Bei allmählicher Leistungssteigerung ist das Pferd dann im Herbst körperlich topfit und nimmt die Jagdstrecke mit Leichtigkeit.

In letzter Zeit gibt es allerdings auch schon „Frühjahrsjagden“. Wie  man ein Pferd dafür ausreichend konditionieren soll, ist schwer zu sagen...

Uta Over


An der Doppellonge – Teil II: Praktisches Arbeiten


Die Voraussetzungen für die Doppellongenarbeit wurden bereits besprochen (siehe Archiv). Nun geht es in die Praxis:


Die Führung der Doppellonge

Die gebräuchlichste Verschnallung der Doppellonge führt beidseitig vom Gebiss zum Longiergurt und von dort innen direkt zum Longenführer, außen um die Hinterhand des Pferdes herum zwischen Kruppe und Sprunggelenk zum Longenführer. Für die versammelnde Arbeit mit entsprechender Aufrichtung des Pferdes werden Umlenkrollen benötigt, die am Gurt befestigt werden. Nun verläuft die äußere Longe vomGebiss zur höheren Umlenkrolle, von dort nach unten zur unteren Umlenkrolle und von dort – nun entsprechend tief – um die Hinterhand herum zum Longenführer. Die Longe sollte bei der gewünschten Haltung des Pferdes ungefähr horizontal vom Gebiss zum Longiergurt verlaufen.

Bei dieser Art der Verschnallung sind Handwechsel ohne Umschnallen jederzeit möglich. Die Doppellonge wirkt wie die Zügel des Reiters auf das Pferdemaul ein. Die äußere Longe begrenzt die Hinterhand seitlich und unterstützt eine korrekte Biegung, ähnlich dem verwahrenden äußeren Schenkel des Reiters; zugleich wird die Hinterhand durch die zwischen Kruppe und Sprunggelenk herum gelegte Longe vermehrt zum Untertreten animiert.

Der Longenführer hält die Longe normalerweise in zwei Händen wie die Zügel beim Reiten. Weit fortgeschrittene Doppellongen-Profis können auch mit einhändiger Longenführung effektiv und einfühlsam arbeiten – zu Beginn wäre das jedoch ein sehr hoher Anspruch.


Die Gewöhnung an die Doppellonge

Das Pferd wird in mehreren Schritten an die Arbeit mit der Doppellonge gewöhnt. Verschiedene Voraussetzungen sollten für die Aufnahme des Trainings erfüllt sein:

Der Longenführer hat idealerweise mindestens einen Doppellongen-Kurs absolviert und ist sicher im Gebrauch von Longe und Peitsche. Er kennt sein Pferd und hat einen guten Blick für seine Bewegung und Haltung. Die Dehnungshaltung vorwärts-abwärts ist ihm ebenso vertraut wie die relative Aufrichtung.

Das Pferd läuft sicher an der einfachen Longe und kennt die Stimmkommandos aus dem FF.

Im besten Fall steht ein Helfer zur Verfügung, der dem Pferd vertraut ist.

Dieser Helfer sichert das Pferd mit einem Führstrick am Kopf, hält sich aber grundsätzlich sehr zurück und agiert (außer im Notfall) nur auf Aufforderung durch den Longenführer – andernfalls gerät das Pferd schnell durcheinander und wird unsicher, auf wessen Hilfen es sich konzentrieren soll.

Zu Beginn der Arbeit wird die Doppellonge nun nicht so verschnallt wie oben beschrieben, sondern führt innen vom Longiergurt zum Gebiss und von dort zur Hand des Longenführers. So lässt sich das Pferd leichter stellen und wie von der einfachen Longe her bekannt vorne führen. Die äußere Longe wird noch nicht um die Hinterhand gelegt, sondern führt vom Gebiss aus zum Longiergurt und wird von dort aus über den Rücken gelegt. Dabei wird die Doppellonge an einem tiefen Ring des Longiergurts durchgefädelt – entsprechend wird eine tiefe vorwärts-abwärts Dehnungshaltung angestrebt.

Auf diese Weise kann das Pferd zunächst longiert werden, bis alles reibungslos klappt und der Longenführer ein sicheres Gefühl für die Einwirkung hat.

Im nächsten Schritt wird die äußere Longe um die Hinterhand gelegt. Um diesen Übergang zu erleichtern, ist es sinnvoll, zunächst zum Fahren vom Boden aus zu wechseln: Der Longenführer geht nun in sicherem Abstand hinter dem Pferd her. Der Zirkel kann verlassen werden. Auf der ganzen Bahn wird die Doppellonge breit geführt, d.h. der Longenführer hält die Hände deutlich auseinander. Ganz bewusst kann auf diese Weise gesteuert werden, ob die Longe die Hinterhand des Pferdes berührt: Nach und nach kann das Pferd nun an diese Berührung der Longe an der Hinterhand gewöhnt werden.

Schließlich wird noch die Verschnallung der inneren Longe geändert, so dass auch diese vom Gebiss zum Longiergurt führt. Nun sind Handwechsel ebenso problemlos möglich wie das Fahren vom Boden aus und die Langzügelarbeit. Je nach gewünschter Leinenlänge wird die Doppellonge in Schlaufen aufgenommen und dadurch verkürzt. Vorsicht – der Longenführer muss diese Schlaufen jederzeit zügig nachlassen können, ohne dass sie sich festziehen!

Die V-Verschnallung, bei der die Longe vom Longiergurt zum Gebiss wieder zurück zum Longiergurt und erst dann zum Longenführer führt, ist kritisch zu betrachten. Hier entsteht eine erhebliche Hebelwirkung, die die Einwirkung deutlich verstärkt. Allenfalls in den Händen eines Profis zu Korrekturzwecken darf kurzfristig so gearbeitet werden – im normalen Trainingsalltag sollte die Longe so nicht verschnallt werden.


Der Aufbau der Trainingseinheit

Grundsätzlich wird an der Doppellonge ebenso wie unter dem Sattel in drei Phasen gearbeitet: Lösungsphase – Arbeitsphase – Entspannungsphase. Aufgrund der Enge des Longierzirkels bzw. der von Natur aus begrenzten Geschwindigkeit und Kondition des Longenführers beim Fahren vom Boden aus kann hier allerdings das Augenmerk nicht auf dem Konditionsaufbau in höherem Tempo liegen. Zu empfehlen sind vielmehr vor allem häufige Übergänge zwischen den Gangarten. Hier macht es sich bezahlt, wenn das Pferd gelernt hat, zuverlässig auf Stimmkommandos zu reagieren: Diese unterstützen gerade zu Beginn der Doppellongenarbeit die Hilfengebung des Longenführers und erleichtern Pferd und Mensch die zunächst noch ungewohnte Form der Kommunikation.

Wie unter dem Sattel auch sollte die Anlehnung, Losgelassenheit, Taktsicherheit und gewünschte Versammlung immer wieder durch ein kontrolliertes Nachgeben der Longe in Anlehnung an das Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen und das Zügel-Überstreichen überprüft werden. Hier ist darauf zu achten, dass das Pferd seinen Takt beibehält, also nicht eiliger oder langsamer wird, die Anlehnung am Gebiss sucht und sich je nachdem entspannt vorwärts-abwärts dehnt. Ist das nicht der Fall, ist es für versammelnde Arbeit noch zu früh – es sollte weiter an der Losgelassenheit des Pferdes gearbeitet werden.

Die Arbeit an der Doppellonge bietet etwas für jeden Ausbildungsstand und für jede Disziplin des Reitens. Es ist unbedingt zu empfehlen, vorhandene Berührungsängste abzubauen. Unterschätzt werden darf dieses Training jedoch auch nicht: Der beste Einstieg in die Praxis findet sich mit Hilfe eines Doppellongen-Kurses, wie sie immer mehr angeboten werden.


Von der Weide in den Stall


Im Frühjahr, wenn die Stallsaison endet und endlich die Weiden aufgehen, hört man es allerorten: Langsam muss der Übergang gestaltet werden! Langsam anweiden, langsam das Futter umstellen – ganz allmählich geht es auf die Weide.

Im Herbst hingegen, wenn die Weidesaison endet und der Stall wieder ruft, macht sich kaum jemand Gedanken. Doch auch jetzt steht eine einschneidende Veränderung für unsere Pferde an, und die sollte entsprechend bedachtsam gestaltet werden.


Ein Pferd ist kein Mensch

Vor allem sollten wir uns davor hüten, mit unseren eigenen Wohlfühl-Maßstäben an unsere Pferde zu denken: Wenn die Tage kürzer und dunkler werden, wenn Wind aufkommt und die Blätter von den Bäumen weht, dann ziehen wir Menschen uns gerne in eine warme Stube zurück. Kuschlig in eine Decke gewickelt, vielleicht sogar noch ein Feuerchen im Kamin – herrlich!

Wer das auf sein Pferd überträgt, der wird es beim ersten Wetterumschlag schnell in den warmen Stall holen, und am besten zieht man ihm noch eine schöne Decke an – da freut es sich bestimmt, so schön warm eingepackt zu sein …

Ein fataler Fehler. Pferde können sehr viel besser als wir Menschen mit Temperaturwechseln und unterschiedlichen Klimareizen umgehen. So schnell friert ein Pferd nicht! Wichtig ist, dass es einerseits satt ist und andererseits Schutz vor allem vor dem Wind findet. Ein gutes Winterfell, das jetzt im Herbst bereits ordentlich wächst, lässt Regenwasser relativ oberflächlich abfließen, so dass das Pferd gar nicht so richtig nass bis auf die Haut wird – es sei denn, der Wind kommt hinzu. Auf jeder Weide steht also idealerweise ein Dach mit Windschutz, wo die Pferde sich bei schlechtem Wetter oder auch an heißen Sommertagen unterstellen können.

Nötig ist der geschlossene Stall also nicht. Und auch für das Wohlfühl-Empfinden des Pferdes ist der Stall genau das Gegenteil wie für uns Menschen: nicht etwa gemütlich, sondern einengend, isolierend, langweilig. In einer Box ist kein freier Kontakt zu anderen Pferden möglich, die Bewegung für das Lauftier Pferd ist stark eingeschränkt, und frische Luft ist oft Mangelware. Keine idealen Bedingungen!

Wenn die Weidesaison endet, sollte das Pferdeleben sich deshalb unbedingt weiterhin weitgehend im Freien abspielen. Mindestens stundenweise sollten die Pferde gemeinsam in einem großen Auslauf sein. Ideal ist ein großer Gruppen-Auslaufstall mit befestigtem Paddock, wo die Pferde ganztägig an der frischen Luft und in der Herde leben können.


Vorsicht, Futterumstellung

Die Umstellung von Weidegras auf Heu oder Heulage ist meistens eher unproblematisch. Dennoch kann auch dies erleichtert werden, indem zum Ende der Weidesaison bereits an der Weide zusätzlich Heu angeboten wird. Einerseits ist das Gras im Spätherbst nicht mehr sehr gehaltvoll, so dass das zusätzliche Futterangebot gerne genommen wird, andererseits erfolgt die Umstellung von Gras auf das Winter-Raufutter auf diese Weise allmählich.

Vorsichtiger muss die Zufütterung mit Kraftfutter erfolgen. Viele leichtfuttrige Pferde, die lediglich freizeitmäßig geritten oder genutzt werden, benötigen auf der Weide kein zusätzliches Kraftfutter. Im Winter liefert Kraftfutter jedoch Energie, die beim „Heizen“ an kalten Tagen hilft.

Hier muss mit kleinen Mengen begonnen werden, die erst allmählich gesteigert werden dürfen. Zu groß darf die Kraftfutterportion nicht werden: Wenn das Pferd länger als ca. 15 – 20 Minuten an einer Ration frisst, sollte diese besser auf mehrere Portionen über den Tag verteilt werden. Pferde haben einen kleinen Magen, zu große Kraftfuttermengen sind deshalb problematisch. Auch wird das Futter besser verwertet, wenn es in mehreren kleinen Portionen aufgenommen wird.


Winterarbeit

Kurze Wintertage lassen oft nur weniger Zeit zum Reiten. Das ist nicht schlimm – wer sein Pferd artgerecht hält, steht jetzt ohnehin vor dem Problem, dass das dichte Winterfell sich nur bedingt zum Reiten eignet, da die Pferde sehr schnell schwitzen und schlecht wieder trocknen. Der Winter ist für Pferde naturgemäß eine Zeit der Ruhe; es gibt in der Natur nur wenig Futter, die Pferde laufen im „Energiesparmodus“.

Dennoch möchten Pferde auch im Winter gerne beschäftigt werden. Ideal sind ruhige Ausritte, lange Spaziergänge – und wie wäre es einmal mit neuen Techniken wie z.B. Langzügelarbeit oder Doppellongentraining? Alles, was nicht allzu schweißtreibend ist, aber Abwechslung in die dunklen Tage bringt, ist jetzt willkommen.


Zur Diskussion: Pferde und ihre Gefährten


Pferde brauchen die Gemeinschaft. Als Fluchttiere sind sie in der freien Natur darauf angewiesen, ihre Feinde früh genug zu erkennen. Ein Tier allein kann das nicht, dann hätte es nicht die nötige Ruhe zum Fressen. So leben fast alle Fluchttiere in Gemeinschaften, in denen  immer ein Tier Wache hält. Nur so fühlen sich alle sicher.

Die paar Jahrtausende, die wir  Menschen die Pferde domestiziert haben, konnten dieses Ur-Erbe nicht ausrotten. Koppen und Weben, die Zeichen von Frust und oft auch auswegsloser Angst in der Gefangenschaft der Box, sprechen eine beredte Sprache...

Das sollte man den Pferden ersparen. Die beste Gesellschaft sind natürlich andere Pferde. Wie man ein anderes Pferd zur Gesellschaft findet, war unser Thema in der letzten Ausgabe von Equikids. Doch wie sieht es mit anderen Tieren aus?


Jäger und Gejagte

In diese beiden Kategorien teilt sich die Tierwelt. Pferde gehören wie fast alle domestizierten „Nutz“-Tiere zu den Gejagten. Sie alle sind Weidetiere, die seit Jahrtausenden im Schutz des Menschen leben, ihr Urgedächtnis und damit eine gewisse Vorsicht jedoch nicht verloren haben.  

Jäger sind beispielsweise Hunde und Katzen. Nicht umsonst hält sich ein Schäfer einen Hund, um seine Herde zusammenzuhalten. Mit einer noch so intelligenten Ziege (=Fluchttier) wäre das nicht möglich, weil das Fluchttier Schaf das Fluchttier Ziege sofort erkennen und damit nicht respektieren würde.

Diese Einteilung in Kategorien ist somit auch für die Gemeinschaft  „Pferd und......“ wichtig.


Pferde und Hunde

Hie und da gibt es mal eine wirkliche Freundschaft zwischen einem Hund und einem Pferd; aber das ist eher die Seltenheit. Meist ist es eine Art Kumpanei, mehr nicht. Der Reit-Begleithund sieht das Pferd als Medium, heraus zu kommen und laufen zu können. Er wird es notfalls auch bewachen - aber man kann nie ganz sicher sein, ob nicht irgendwann auch das Agressionspotential des „jagenden Tieres“ hervorkommt.

Bei gemeinsamen Spielen auf der Weide kommt dieser Agressionstrieb oft unverhofft zum Vorschein: Gerade eben noch liefen die beiden harmonisch nebeneinander - plötzlich fängt der Hund an, das Pferd zu jagen.

Dann kommt es darauf an, ob es ein ängstliches Pferd ist... das lässt sich jagen. Selbstbewusste Pferde jedoch gehen dann auf den Hund los, und es kann echten Ärger geben, wenn der Mensch nicht energisch dazwischengeht.


Pferde und Esel

Sie sprechen zumindest eine gemeinsame Sprache, wenn sie auch im Wesen unterschiedlich sind. Ihre Dialekte variieren etwas - aber sie können sich doch verständigen, haben dieselbe Körpersprache.

 Dennoch müssen sie lernen, miteinander umzugehen. Denn wo ein Pferd bei Gefahr kopflos wegrennt, stellt sich der Esel „der Sache“ erst mal und greift notfalls auch an - völlig unverständlich für die meisten Pferde. Viele bekommen durch diesen Anschauungsunterricht jedoch ein größeres Selbstbewusstsein.

Um Pferde und Esel gemeinsam zu halten, muss man flexibel sein, zu unterschiedlich sind ihre Bedürfnisse. Macht es vielen Pferden beispielsweise nichts aus, mal im Regen zu stehen, flüchten die meisten Esel beim ersten Tropfen unter Dach. Und das von den Pferden (leider auch von Eseln) so geschätzte Kraftfutter ist Gift für Esel! Pferde brauchen den morgendlichen Tau oder zumindest Feuchtigkeit für die Hufe, Esel schätzen das Ganze eher trocken. Und so weiter...

Dennoch ist ein Esel für ein einsames Pferd immer noch der beste Stallgenosse, obwohl man zu Beginn der Bekanntschaft gründlichst gegen den Lungenwurm entwurmen sollte.


Ziegen

Sie gelten als unproblematische Stallgenossen - dabei sind sie es gar nicht. Ziegen können nämlich nicht nur hervorragend klettern und damit mühelos ihr Terrain erweitern, sie spotten auch der Elektrozäune. Bei kleineren Ziegen muss man schon mal grundsätzlich eine Litze mehr tief am Boden ziehen, denn unter der normalen Höhe spazieren sie völlig ungeschoren durch.

Außerdem sind Ziegen besitzergreifend. Leben sie in Gemeinschaft mit einem Pferd, möchten sie am liebsten auch dessen ganzes Leben teilen, also auch den Ausritt. Nun sind Ziegen im allgemeinen nicht allzu schnell und nicht dazu gemacht, längere Strecken diszipliniert neben dem Pferd herzulaufen, und deshalb muss man sie meistens zu Hause lassen. Das mögen sie aber gar nicht und geben ihr Missfallen lautstark kund - nichts für schwache Nerven! Aber das ist bei Eseln auch nicht besser...

Das Schlimmste aber ist ihre Neugier, die mit einer nicht zu unterschätzenden Intelligenz gepaart ist. Türklinken, die zu hoch zum Aufmachen mit dem Maul sind, werden einfach „besprungen“ - und das ist noch eine der leichteren Übungen. Hinzu kommt eine auch nicht zu unterschätzende Wehrhaftigkeit. Auch kleine Ziegenböckchen können ganz schön agressiv werden, wenn ihnen irgendetwas nicht passt. Und ihre Körperkraft sollte man nicht unterschätzen!

Wer eine Ziege zu einem einzelnen Pferd holen will, muss sich über derartige Konsequenzen im Klaren sein. Eine Ziege in einer Gemeinschaft von Pferden ist hingegen meist problemlos.



Katzen

Sie sind oft sehr vertraut mit Pferden. Sieht man es schon mal, dass ein Pferd nach einem Hund tritt, so tritt es fast nie nach einer Katze. Vielleicht liegt es an der (manchmal ja nur zum Spiel) herausfordenden Art des Hundes, während Katzen wenig Neigung zeigen, mit dem großen Tier Pferd zu spielen und von ruhigem Wesen sind.

Echte Freundschaften bilden sich allerdings weniger, vielmehr akzeptieren Pferde die Gegenwart von Katzen in ihrer Nähe - mehr aber auch nicht.

Katzen werden selten gejagt, eher geduldet, höchstens mal neugierig beschnüffelt.


Schafe

Schafe haben offensichtlich keine „Leitung“ zu Pferden. Sie sind die absoluten Herdentiere - und zwar für IHRE Herde. Ein einzelnes Schaf, das als Lamm zu einem Pferd kommt, schließt sich einem Pferd schon mal an. Aber auf der Weide leben die beiden Spezies ziemlich nebeneinander.

Die gemeinsame Beweidung hat lediglich den Vorteil, dass Schafe das fressen, was Pferde verschmähen. Der Nachteil jedoch ist, dass man für Schafe einen speziellen Zaun braucht, der wiederum aufgrund seiner Beschaffenheit für Pferde nicht geeignet ist.

 Hinzu kommt, dass Schafe - fellmäßig gesehen - nicht so pflegeleicht sind wie Pferde: Bis auf ganz wenige Rassen müssen sie nämlich jährlich geschoren werden, und das ist eine Sache für den Fachmann.

Schafe sollte man sich bei Pferden tatsächlich nur aus weidepflegerischen Gründen halten, wenn man große Weiden hat, die nachgefressen werden sollten.


Rinder

„Er steht zu ihm wie die Kuh zum Peerd“, lautet ein rheinisches Wort. Damit ist eigentlich alles gesagt - nämlich, dass die beiden Spezies sich nichts zu sagen haben. Beides Weidetiere, sind sie dennoch so unterschiedlich, dass ihnen jegliche Kommunikation fehlt.

Hinzu kommt der höhere Bewegungsdrang der Pferde, der oft dazu führt, dass Pferde Rinder ärgern und zu treiben versuchen. Gerade für halberwachsene Pferde ist das ein tolles Spiel - für die Rinder weniger.

 Da aber auch die gemeinsame Beweidung von Flächen durch Pferde und Rinder Vorteile bringt (allerdings nur, wenn etwa fünf Rinder auf ein Pferd kommen, was die wenigsten Pferdehalter wissen), stehen diese beiden Tierarten oft nebeneinander auf der Weide, denn von gemeinsam kann hier tatsächlich nicht die Rede sein.


Pferde und Pferde

Das ist natürlich die Lösung! Und dennoch kann auch das problematisch sein, denn ein rheinisches Kaltblut ist einem Araber nicht gewachsen, und welche Unruhe ein einzelnes Shetty auf einer Weide voller Warmblüter anrichten kann, ist auch weidlich bekannt.

Dennoch ist das immer noch besser, als ein Pferd allein stehen zu lassen oder ihm einen artfremden Gefährten zu suchen.

Uta Over


Zum Wiehern: Er dominiert, sie dominiert, es dominiert...


Da schlendert man an einem schönen Tag gedankenverloren in Gesellschaft seines Pferdes seiner Wege. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und das Pferd schnappt ab und zu nach ein paar Grashalmen am Wegesrand. Auf einmal durchdringt der laute Ruf eines Reiters diese Idylle: „Höchste Zeit für ein bisschen Dominanztraining, nicht wahr!?“

Macht man dann auch noch den Fehler und schaut sein Gegenüber verständnislos an, wird man nicht darum herumkommen, sich anzuhören, dass das Schnappen nach Grashalmen ein Zeichen von mangelndem Respekt ist und einen das Pferd ganz offensichtlich nicht als Herdenführer akzeptiert.

Ja, Dominanz wird groß geschrieben: Jeder hat etwas darüber gehört oder gelesen - und auf einmal ist es nicht mehr selbstverständlich, dass man beim alltäglichen Umgang mit Pferden die Dominanz klärt, sondern Dominanztraining ist plötzlich eine völlig neue und revolutionäre Idee, mit der sich alle Probleme des Pferdealltags restlos beseitigen lassen.

Doch Vorsicht: Wer nun denkt, er könne aufgrund dieser Dominanzwelle endlich einmal konsequent bei unerzogenen Pferden durchgreifen, der irrt sich! Meine Stallgenossen zum Beispiel haben nicht das geringste Problem damit, mich auf der einen Seite wegen Tierquälerei anzeigen zu wollen, weil ich mich dagegen wehre, von ihren Pferden über den Haufen gerannt zu werden, und mir auf der anderen Seite dringend Dominanztraining zu empfehlen, weil mein Pferd beim Führen nicht mich, sondern die Welt anschaut.

Einmal hat sich sogar ein freundlicher Mitreiter bereit erklärt, mich in die Kunst des Dominanztrainings einzuweisen; und so stand ich dann auch vor einiger Zeit bewaffnet mit Führkette und Gerte (denn ohne geht es angeblich schon mal gar nicht) mit meinem Pferd in der Mitte unseres Reitplatzes. Nach einem ausführlichen Vortrag über die Notwendigkeit regelmäßiger Dominanztrainings-Einheiten in Form von Bodenarbeit, um überhaupt den Umgang mit dem Pferd zu ermöglichen, lautete meine erste Anweisung: „Du musst dich durchsetzten und ihm direkt am Anfang zeigen, wer der Herdenführer ist.“

Ein Blick auf mein Pferd, das währenddessen gelangweilt weggedöst war und nun schlafend umzukippen drohte, überzeugte mich von der Notwendigkeit dieses Anfanges. Meine Frage, ob ich mein Pferd erst wecken sollte, bevor ich ihm zeige, wer der Herdenführer ist, wurde von meinem Gegenber jedoch nicht mit besonders viel Humor aufgenommen, und das Training wurde wieder abgebrochen, bevor wir irgend etwas klären konnten.  

Ja, Dominanz ist schon etwas Tolles: Im Umgang darf man sie zwar nicht anwenden, aber dafür „trainiert“ man sie dann ja auch ohne jeden Anlass ab und zu auf dem Reitplatz. Ich bin übrigens ganz sicher, dass die Pferde dabei auch etwas Wichtiges lernen: Auf dem Platz müssen wir uns zwar kurze Zeit benehmen, doch hinterher können wir dann ganz ungestört wieder die Führung übernehmen.

Genau weiß ich es natürlich nicht, weil mich ja noch immer keiner in dieses phantastische Dominanztraining eingeweiht hat, doch glaube ich auch nicht, dass wir das wirklich nötig haben. Schließlich haben sich mein Pferd und ich schon lange geeinigt: Ich habe das alleinige Sagen, bin der unangefochtene Herdenführer und natürlich schrecklich dominant... Mein Pferd denkt genau dasselbe - und damit sind wir beide sehr glücklich!

Katinka Schnitker



Kontakt                                   Impressum                                    Über uns