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Wenn Pferde steigen - Clickertraining - Aufzucht - Pferdezüchter als Beruf - zum Wiehern!

Equikids 08-2012

Hoch, höher, am Höchsten: Ungehorsam auf zwei Beinen

Es gibt Pferde, die beherrschen sie perfekt: Die Kunst, sich durch gezieltes Steigen allen Hilfen zu entziehen und ihren Reiter in Angst und Schrecken zu versetzen. Mit einem kurzen Energieaufwand stellen sie sicher, dass auch weiterhin alles nach ihrem Willen geht. Andere Pferde sind derartig verunsichert, dass sie in ihrer Verzweiflung nur noch den Weg nach oben finden. Egal, warum ein Pferd unter dem Reiter steigt, es ist mit Sicherheit kein Verbrecher oder Steiger von Natur aus! Aber wie so oft: Der Mensch macht`s möglich.

Steigen als natürliches Verhalten
Spielerisches Kräftemessen, Imponiergehabe, Angriff, Kampf – Steigen hat seinen festen Platz im natürlichen Verhaltensrepertoire von Pferden. Jeder kennt das Bild kämpfender Hengste, die sich senkrecht begegnen. Auch im Spiel junger, vorwiegend männlicher Pferde gehört Steigen einfach dazu. Selbst ältere Wallache haben sich oft genug noch soviel Männlichkeit bewahrt, um sich hin und wieder einmal auf zwei Beine zu erheben. Solch freies Verhalten hängt allerdings davon ab, ob sich das betreffende Pferd in Gesellschaft befindet. Allein gehaltene Tiere verspüren selten das Bedürfnis, zu steigen, denn das hat natürlicherweise etwas mit dem Beweis von Lebensmut und Lebenskraft zu tun. Wem aber sollte ein einzelnes Tier etwas beweisen wollen? Mit wem wollte es seine Kräfte messen?

Steigen aus Angst
Große Panik (etwa vor einem Feuer) kann jedes Pferd – auch eine Stute – dazu bringen, sich aufzubäumen, bevor es in wilder Flucht davon rast. Vielleicht weiß das Tier zunächst einfach nicht wohin, vielleicht will es sich auch nur im Anblick der Gefahr groß machen, um den imaginären Gegner zu beeindrucken, vielleicht hofft es, sich mit der Wucht der herunterdonnernden Vorderhufe verteidigen zu können. Diese Art von Steigen ist stark instinktgeprägt, und ein Reiter sollte das Wissen darum stets im Hinterkopf haben. Es lässt sich nur dann beeinflussen, wenn der Mensch dem Pferd ein wirklicher Zufluchtsort geworden ist, wenn das Vertrauen zu ihm größer ist als die Furcht vor der Gefahr. Wieder einmal spielt Dominanztraining eine große Rolle.

Steigen unter dem Reiter
Wo sich im freien Verhalten fast ausschließlich männliche Pferde (Hengste und Wallache) aufbäumen, finden sich unter dem Reiter nicht selten auch steigende Stuten. Diese Tatsache an sich stimmt schon nachdenklich. Es passt keineswegs in das Verhaltensmuster weiblicher Tiere, sich aufzubäumen. Ihre natürliche Waffe sind die Hinterhufe. Offensichtlich sind Reiter jedoch in der Lage, alles auf den Kopf (bzw. auf die Hinterbeine) zu stellen. Wie kommt es dazu?

Wer ist hier der Boss?
Hebt sich ein Pferd gegen den Willen seines Reiters auf die Hinterbeine, sind in der Regel schon vorher erst das gegenseitige Verständnis und anschließend die Kontrolle verloren gegangen. Vielleicht hat das Pferd seinen Reiter von Anfang an nicht recht ernst genommen. Handelt es sich nun um ein sehr hengstiges Tier – nicht notwendigerweise wirklich einen Hengst – kann es durchaus dazu kommen, dass es allein deshalb "in die Luft geht", weil es anderen Pferden imponieren will, oder weil sein Reiter es nicht in die gewünschte Richtung lässt. In diesem Fall ist das Aufbäumen ein klarer Ungehorsam, eine Nichtachtung des Reiters. Eines ist klar: Hier ist das Pferd der Chef.

Die Flucht vor den "Hilfen"
Anders sieht es aus, wenn Pferde steigen, weil sie keinen anderen Ausweg mehr wissen. Reiter, welche einem Pferd mit bewaffneter Brutalität ihren Willen aufzwingen wollen, finden sich plötzlich eine Etage höher wieder. Aber das macht dem "sportlichen" Reiter natürlich nichts – oder doch? Was muss ein Pferd noch alles tun, um mit seinem Hilferuf Gehör zu finden – sich und/oder dem Reiter das Genick brechen?

Missverständnisse
Weniger dramatisch in der Ursache, aber ebenfalls häufiger Anlass für gefährliches Steigen, sind Missverständnisse zwischen Ross und Reiter. Falsch angewandte Hilfen machen es dem Pferd teilweise unmöglich, die Anforderungen des Reiters zu erfüllen. Z. B. reicht oft schon ein konsequent fest gehaltener Innenzügel, um ein Pferd den Weg nach oben nehmen zu lassen. Aber auch ein stetes und inakzeptables Ungleichgewicht von treibenden und gegenhaltenden Einwirkungen des Reiters kann zu diesem Ergebnis führen. Hier wird zwar nicht in böser Absicht, sondern in Unwissenheit gehandelt. Trotzdem bleibt es unerlässlich für den Reiter, beim Auftreten solcher Schwierigkeiten seine eigene Reitkunst unbedingt zu überprüfen und zu verbessern.

Auge in Auge mit der Gefahr
Was auch immer die Gründe für das Steigen sein mögen, die Situation an sich ist grundsätzlich gefährlich. Ob Mensch und Tier heil da heraus kommen, ist überwiegend eine Frage des Gleichgewichts. Erstens kann sich nur ein wirklich ausbalanciertes Pferd trotz des Reiters auf dem Rücken gut genug selbst einschätzen, um nicht nach hinten über zu schlagen. Zweitens hat natürlich auch die Haltung des Reiters großen Einfluss darauf, ob die Landung nach vorne oder nach hinten erfolgen wird.

Was konkret zu tun ist, wenn das Pferd steigt, ist Thema der nächsten Ausgabe von Equikids.

Ute Forler


Wenn’s plötzlich „klick“ macht

Clickert doch mal!

Teil III


Clickern ist eine Ausbildungsmethode, bei welcher jede erwünschte Reaktion des Pferdes mit einem Spielzeugclicker „kommentiert“ und mit einem kleinen Leckerli belohnt wird.


Als Leckerli sollte man nicht unbedingt Zucker nehmen. Erstens ist er ungesund, zweitens bleibt der Geschmack zu lange im Maul. Kleine Stückchen Möhren, etwas Kraftfutter (jeweils eine Prise) oder Stücke trockenen Brotes tun’s genau so.


Ausschlaggebend dabei ist, dass das Clickern anfangs SOFORT erfolgen muss, damit das Pferd den Zusammenhang von richtigem Handeln und Belohnung erfasst.

Man beginnt mit einfachen Anforderungen wie dem Berühren eines Gegenstandes (ein „target“ – ein Ziel) mit dem Maul oder einer Übung, die das Pferd bereits beherrscht wie beispielsweise Rückwärts-Gehen.

Nach und nach verlängert man den Abstand zwischen der Ausführung der Anforderung und dem Clickern/der Belohnung (im folgenden als C/B bezeichnet) und kann so auch zwei bis drei Schritte hintereinander machen und erst beim letzten Schritt belohnen.

Strafen gibt es bei dieser Ausbildungsmethode nicht. Wird ein Pferd etwas aufdringlich oder „fordert“ sein Leckerli, ohne dafür das getan zu haben, was der Ausbilder möchte, dreht man sich einfach weg. Man entzieht sich und das Leckerli ihm – die Pferde begreifen das sehr schnell und werden ausgesprochen höflich. Man muss selbst nur absolut konsequent sein.


Einzelne Anwendungsmöglichkeiten


Still-Stehen

Eine der ersten Übungen sollte sein, dem Pferd beizubringen, absolut still zu stehen, ohne dass man es festhalten muss. Das kann in vielen Situationen von Wichtigkeit sein, abgesehen davon, dass es ziemlich lästig ist, wenn man sein Pferd ständig am Zügel festhalten muss, sowie man irgendetwas mit/an ihm machen will.

Man beginnt damit, dass man in einem umzäunten Raum den Strick des Halfters um den Pferdehals legt, sich einen Schritt etwa vom Pferd entfernt und mit Körpersprache dem Pferd bedeutet, still zu stehen. Das kann beispielsweise die Geste einer erhobenen Hand mit der Handfläche zum Pferd hin sein – das bedeutet „Steh und halte Abstand von mir“. Wer möchte, kann auch das stimmliche Kommando „Steh“ oder „Bleib“ geben.

Sowie das Pferd das tut: C/B.

Einen Augenblick nachdenken lassen, dann wiederholen und wiederum C/B.

Danach entfernt man sich ein paar Schritte vom Pferd, gibt ihm wieder das Signal mit der Körpersprache „Steh“, und wenn es ruhig steht: C/B.

Bewegt sich das Pferd oder geht es gar weg, hilft nur Geduld. Das Interesse an der Belohnung siegt fast immer und das Pferd tut, was man möchte.


Man sollte nicht mit Pferden üben, die gerade eine kräftige Portion Heu oder Kraftfutter bekommen haben, aber auch nicht mit richtig hungrigen Pferden. Am besten ist die Mitte der Zeit zwischen zwei Mahlzeiten, wenn „der kleine Appetit“ kommt.


Diese Übung kann man ausdehnen, indem man um das Pferd herum geht und ihm bedeutet, dass es still zu stehen habe, bis man clickt.

Das ist auch praktisch in Situationen, in denen der Strick lästig ist, wie beispielsweise beim Hufe-Auskratzen oder dem Anlegen von Bandagen – überall und immer, wenn man das Pferd nicht anbinden kann oder will.

Wenn das Pferd die Übung beherrscht, kann man das Clickern auch mal weg lassen, sollte aber die Belohnung nach ausgeführter Übung nicht vergessen. Die muss später nicht immer in Futter bestehen, sondern es reicht auch ein Streicheln oder ein Lob. Das Futter ist eigentlich nur für die Übungsphase gedacht.


Der Clicker ist ein positiver Verstärker und wirkt auch in Situationen, die dem Pferd Angst einflößen. Da es weiß, dass der Clicker eine Belohnung ist und es gleich darauf etwas Leckeres gibt, entspannt es sich automatisch, und das nimmt vielen Situationen die Brisanz.


Berührungsängste abbauen

Immer wieder machen Pferde unangenehme Erfahrungen mit groben Berührungen – man denke nur an das teilweise grobe Putzen in großen Ställen: Oft versuchen die Pferde direkt, sich dem Striegel zu entziehen, haben aber keine Chance dazu.

Dass die Pferde dann mit der Zeit misstrauisch jeder Berührung gegenüber werden, ist nur logisch. Besonders schwierig ist das bei kopfscheuen Pferden. Hier ist viel Geduld erforderlich, denn man muss nicht nur dahin kommen, dass das Pferd die Berührung duldet, sondern es soll einem ja auch von selbst den Kopf zuwenden, wenn man es fordert.

Also beginnt man zuerst damit. Man stellt sich neben oder vor das Pferd und hält ihm die Hand hin.

Sowie das Pferd den Kopf zu einem wendet, gleich C/B und bei jeder Annäherung wiederholen.

Berührt das Pferd die Hand: C/B.

Die Belohnung soll aber NICHT in der hingehaltenen Hand liegen, weil das zu Missverständnissen führen könnte, sondern erst in dem Moment angeboten werden, in dem man clickt.


Achtet darauf, dass ihr die Belohnung immer gleich in der Hand habt, wenn ihr clickert. Nicht sehr dekorativ, aber praktisch sind dafür die kleinen Bauchtaschen, wie man sie beim Fahrradfahren benutzt;viel besser als Futter in der Jackentasche.


Nach und nach versucht man nun den Pferdekopf zu berühren und macht immer dann C/B, wenn das Pferd die Berührung duldet.

Der nächste Schritt ist das Festhalten am Halfter, ohne dass das Pferd sich dem entzieht.

Und dann kann man damit beginnen, den Körper mit einer Hand zu berühren, während die andere das Halfter hält. Zwischendurch immer wieder C/B, damit das Pferd sowohl das Festhalten als auch die Berührung mit etwas Angenehmem verbindet.

Nach einiger Zeit kann man dann das Halfter los lassen und das Pferd ohne Widerstand seinerseits berühren.


Am Ende der „Lektion“ nicht vergessen: Da gibt es eine richtig dicke Hand voll Belohnung. Damit weiß das Pferd, dass es seine Sache gut gemacht hat, und wird für heute entlassen.


Vorübungen für den Schmiedebesuch

Viele Pferde geben ungern die Hufe und lassen sie noch weniger gern angehoben. Das ist für Aufhalter und Schmied nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich, denn heiße Eisen, die durch die Gegend fliegen, sind kein Spaß.

Also bringt man dem Pferd zuerst einmal bei, auf Berühren mit der Gerte und später auf Kommando den Huf zu heben, denn damit erspart man sich das tiefe Bücken.

Man beginnt damit, indem man das Fesselgelenk mit der Gerte antippt.

Sowie das Pferd – sei es auch aus einer Irritation heraus – den Huf anhebt, C/B.

Es wird einige Zeit dauern, bis das Pferd den Zusammenhang begriffen hat. Ist das geschehen, kann man C/B herauszögern, so dass das Pferd (oder auf dem Foto das Pony) den Huf etwas länger in der Schwebe halten muss, bis es seine Belohnung bekommt. Meist begreift das Pferd dies relativ schnell.

Selbstverständlich muss man beim Ausschneiden oder Beschlagen den Huf fest halten, aber das Pferd hat immerhin gelernt, ihn freiwillig zu geben.

Diese Übung wird einem auch zu Gute kommen, wenn das Pferd einmal einer tierärztlichen Beugeprobe unterzogen werden muss.


Viele Pferde haben Angst vor der Gerte. Sie laufen nicht unbedingt davon, wenn man sie in die Hand nimmt, aber sie versteifen sich, werden sozusagen innerlich starr.

Durch leichte streichende Bewegungen mit der Gerte und viel C/B kann man den Pferden diese Angst nehmen – muss die Gerte aber natürlich auch später nur als Hilfe, nicht als Strafe einsetzen.


Bestimmte Bewegungsabläufe

Manchmal ist es gar nicht so einfach, Pferden bestimmte Bewegungsabläufe klar zu machen. Viele Pferde beispielsweise lernen nur schwer, den Kopf zu senken. Damit entspannen sie sich einerseits, andererseits dehnt sich dadurch der lange Rückenmuskel und die Hinterhand nimmt in der Bewegung mehr Schub auf.

Beim Longieren kann man das Senken des Kopfes mit C/B belohnen, sowie es auch nur ansatzweise geschieht. Natürlich muss man anschließend das Pferd anhalten, damit es seine Belohnung bekommen kann. Danach lässt man es sofort wieder antreten und clickt, wenn es den Kopf senkt. Nach und nach clickt man in immer tieferen Phasen, bis das Pferd in korrekter Dehnungshaltung geht.

Diese Haltung kann man nun durch ein verzögertes Clicken verlängern.

Ähnlich macht man es im Stand. Hier kann man es dem Pferd noch etwas erleichtern, indem man es seiner Hand nach unten folgen lässt. Nach und nach nimmt man die Hand weg und das Pferd wird den Kopf auch ohne diese auf Kommando senken.

Auch beim Reiten kann man den Clicker einsetzen, muss dabei allerdings genau wie beim Longieren dessen gegenwärtig sein, dass das Pferd möglicherweise die Bewegung unterbricht, wenn man nicht weiter treibt.


Beim Reiten und Longieren befestigt man den Clicker am besten mit einem Gummiband an der Longierpeitsche bzw. der Gerte. Benutzt man beim Reiten keine Gerte, sichert man ihn mit einigen Gummibändern am Handgelenk, so dass man ihn immer greifbar in der Handinnenfläche liegen hat.


Bei den Seitengängen bedeutet es, dass C/B kommt, sowie das Pferd den ersten Ansatz zum Übertreten macht – nicht erst nach einigen Schritten oder beim perfekten Übertreten. Wichtig ist, dass schon der Ansatz belohnt wird. Gerade beim Übertreten schadet es nichts, wenn das Pferd nach einem Seitwärtsschritt stehen bleibt, das kann im Gegenteil den Schenkelgehorsam fördern. Denn anschließend muss das Pferd wieder dem Schenkel weichen.

Schwieriger ist das Clickern in anderen Bewegungsabläufen wie bei dem Pferd auf dem Foto, das dazu neigte, sich im Galopp zu verkriechen. Es sollte lernen, in Dehnung einen leichten Hang hinauf zu galoppieren. Hier muss man clickern, sowie es sich los lässt, gleichzeitig aber weiter treiben und lobend mit dem Pferd sprechen. Die Belohnung gibt es dann nach einigen weiteren lockeren Galoppsprüngen, wenn man das Pferd wieder aufgenommen hat. Pferde, die ein längeres Clickertraining hinter sich haben, verstehen das ohne Schwierigkeiten, sollten aber in jedem Fall nach Beendigung der Übung ihre Belohnung bekommen.


Zirkuskunststückchen

Sich hin legen, sich auf Kommando wälzen, eine Tonne mit dem Huf bewegen, Taschentücher aufheben, auf ein Podest steigen – alles das ist nicht lebensnotwendig für Pferd und Reiter, macht beiden aber oft viel Spaß, denn es trainiert nicht nur die Muskeln, sondern auch das selbständige Denken.

Pferde machen gerade diese Übungen unglaublich gern. Haben sie einen Parcours, in dem dies geübt wird, gehen sie oft selbständig zu den einzelnen Geräten wie Wippe und Podest und „zeigen“ von sich aus, was sie können.

Für dieses selbständige Handeln sollte man sie aber nicht belohnen, denn sie sollen ihre Kunststückchen nur auf Verlangen zeigen. Man führt sie also ruhig an einen neutralen Platz und verlangt irgendetwas von ihnen, was sie gerade nicht „gezeigt“ haben. Drauf dann C/B und dann kann man die anderen gelernten Übungen in willkürlicher Reihenfolge abrufen, sollte aber immer darauf achten, dass das Pferd einem nicht übereifrig zuvor kommt. Geschieht das, unterbricht man die Übung, indem man einen Schritt zurück geht. Pferde verstehen das sehr schnell, zumal es bei dieser Unterbrechung kein C/B gibt...


Clickern als allein selig machende Methode?

Nein, es sollte immer nur eine von vielen Möglichkeiten sein, einem Pferd etwas beizubringen. Manchmal kommt man mit den üblichen Ausbildungsmethoden nicht weiter – auch Pferdeköpfe sind manchmal „verkleistert“. Mit dieser Methode der Belohnung winzigster Schrittchen, die das Pferd immer positiv motiviert, wird manches nicht nur verständlicher, sondern auch eifriger ausgeführt als „trocken“ gelehrt.

Kennt das Pferd die Methode, kann man immer darauf zurück greifen, wenn man ihm etwas Neues beibringen will. Hat es das richtig gelernt, hat der Clicker seinen Dienst für diese Aufgabe getan.

Die ersten Versuche mit dem Clicker sollte man im übrigen unter sachkundiger Anleitung machen. Kurse werden angeboten.

Uta Over


Gleich und gleich oder gemischt?

Sollen Fohlen nach Alter und Geschlecht getrennt oder in gemischten Herden aufwachsen?


Jetzt ist es noch nicht relevant, noch können Hengst- und Stutfohlen zusammen laufen. Aber spätestens zum Frühjahr hin muss man sie trennen, denn wenn die Hengstfohlen auch meist noch nicht zeugungsfähig sind, so unterscheiden sich Hengst- und Stutfohlen doch sehr in ihrem Verhalten.

Spätestens im Frühjahr also werden die Weichen gestellt, wie das Fohlen aufwächst.

Üblicherweise wachsen Fohlen nach Jahrgang und Geschlecht getrennt auf. Absetzer bleiben oft bis zum Anreiten mit ihren Freunden oder Freundinnen unter sich und genießen in deren Gesellschaft ein relativ ruhiges Leben.

Ist das aber tatsächlich gut so?


So ist es in der Natur

In der Natur – die es bei Pferden ja kaum noch gibt – trennt sich das Fohlen meist im Laufe des Herbstes von selbst von seiner Mutter. Die ist dann meistens wieder tragend und braucht ihre Kräfte für das neue Fohlen, und das diesjährige Fohlen ist durchaus in der Lage, sich selbst zu ernähren und zu behaupten.

Spätestens mit dem Abfohlen wird das Vorjahresfohlen dann weg gejagt und muss sich andere Gesellschaft suchen.

Die Stutfohlen bleiben meistens in eigenen geschlossenen Gruppen in der großen Herde, während der Leithengst dafür sorgt, dass sich die Jünglinge außerhalb der Herde – und weit weg genug von „seinen“ Stuten – aufhalten. Dort bilden sie dann Junggesellengruppen, die vagabundieren oder später als Drei- oder Vierjährige in der Nähe der Herden herumlungern in der Hoffnung, mal eine Stute zu ergattern.


Welche Möglichkeiten haben wir?

Die Möglichkeiten hängen vom Personal und vom zur Verfügung stehenden Raum ab. Es muss unbedingt gesichert sein, dass jedes Fohlen einmal täglich inspiziert werden kann. Das bedeutet nicht, dass man es aus der Herde herausholen und von oben bis unten untersuchen muss – der Augenschein, ein schnelles Drübergucken genügt dem erfahrenen Pferdemenschen schon, denn man sieht einem Fohlen Unwohlsein relativ schnell an.

Es muss auch gewährleistet sein, dass die Fohlen genügend frisches Futter, also Gras, haben und dass sie ausreichend Platz haben, um sich nicht nur gegenseitig ausweichen zu können, sondern auch für einen herzhaften Galopp.


Nach Jahrgang getrennt

Das wird oft praktiziert, ist aber im Grunde die schlechteste Möglichkeit, denn die Fohlen bzw. Jungpferde können wenig Erfahrung im Umgang mit fremden Pferden sammeln.

Von Anfang an sind sie in einer ihnen vertrauten Gruppe. Rangkämpfe finden meistens nur in den ersten Wochen statt – dann ist Ruhe. Die Pferde wissen also gar nicht, wie es ist, sich mit fremden Pferden auseinander zu setzen, instinktiv deren Rang zu erkennen und souverän ihren Rang zu behaupten oder sich zurückzuhalten.

Oft wird der kleinen Gruppe eine ältere Stute bzw. ein älterer Wallach „als Aufsicht“ gegeben. Das heißt, sie kennen nur Pferde ihres Jahrgangs und ein altes Pferd. Dass es etwas dazwischen gibt, ist ihnen fremd. Wenn sie später angeritten und möglicherweise neben anderen fremden Pferden angebunden werden, müssen sie das erst lernen.


Nach Geschlechtern getrennt

Es ist selbstverständlich, dass man junge Stuten und junge Hengste nicht in einer Herde halten kann.

Wallache sind ein anderes Kapitel. Obwohl sie geschlechtsneutral sind, lässt man sie oft ebenso wie die Stuten unter sich aufwachsen.

Der Vorteil ist die Unkompliziertheit der Gruppe. Wallache spielen gern miteinander und stellen ihre Rangordnung immer wieder in Frage, es ist also Leben in der Gruppe.

Reine Stutengruppe sind insgesamt ruhiger. Zwar spielen auch Stutfohlen miteinander, aber die Spiele sind nicht so wild.


Stuten und Wallache zusammen

Wenn genügend Platz ist, kann man ohne weiteres Jungstuten und Jungwallache zusammen laufen lassen – allerdings erst einige Zeit nach der Kastration der Wallache, wenn der Geschlechtstrieb abgeebbt ist, also ca. ein halbes Jahr nach der Kastration.

Gibt  man den Jungstuten eine erfahrene Stute sozusagen als Schutz dazu, wird es von seiten der Wallache zu  keinen Übergriffen kommen.

Auf einem größeren Gelände bleiben Stuten und Wallache im allgemeinen unter sich, haben aber Kontakt untereinander.

Dabei lernen sie voneinander, denn im späteren Leben müssen sie ja oft miteinander arbeiten und auskommen.

Die Stuten lernen das aggressivere Verhalten der Wallache und ihre Spiele kennen und Wallache lernen, dass mit Stuten nicht gut Kirschen essen ist, wenn die richtig wütend werden. Auseinandersetzungen zwischen Wallachen sind niemals derart ernst, wie wenn eine Stute einem Wallach zeigt, wo er hingehört.

Es ist besser, wenn die beiden Geschlechter sich früh kennen lernen, als wenn sie später möglicherweise unter Arbeitsstress erst mal herausfinden müssen, wie man mit denen denn umgeht, oder wenn man eine Stute oder einen Wallach niemals mit dem anderen Geschlecht frei laufen lassen kann.


Verschiedene Jahrgänge zusammen

Es schadet nichts, wenn Fohlen bis zu einem Jahr „mit einer Aufsichtsperson“, also einem älteren Wallach oder einer älteren Stute, unter sich bleiben. Dann aber sind sie körperlich und  mental so weit, dass man sie durchaus in eine Herde mit älteren Pferden integrieren kann.

Das muss nicht nur bedeuten, dass sie jetzt mit Zwei- oder Dreijährigen auf einer großen Weide laufen können – es können Pferde jeden Alters sein. Die Jungpferde profitieren davon, das kennen zu lernen.

Sie werden ohne weiteres ranghohe ältere Stuten respektieren und schnell herausbekommen, dass sie ihnen ohne weitere Annäherungsversuche aus dem Weg zu gehen haben, wenn diese mal missgelaunt sind.

Hier lernen sie die Vielfalt kennen und einschätzen, mit der sie im späteren Leben konfrontiert werden.


Jede Rasse für sich?

Früher war das auf großen Gestüten überhaupt keine Frage, denn es wurde meistens nur eine Rasse gezüchtet. Die Herden waren dort auch so groß, dass die Jungpferde sozusagen jede Art Pferd kennenlernten.

Heutzutage werden viele Fohlen bei kleinen Züchtern geboren, oft genug steht das Fohlen bis zum Absetzen mit seiner Mutter ohne weitere Fohlengesellschaft.

Dann kommt die Frage: Wohin mit dem Fohlen? Es gibt zwei Rassen, deren Besitzer ihre Fohlen lieber innerhalb der eigenen Rasse aufwachsen lassen: Araber und Isländer.

Beide sind Exoten in Mitteleuropa, beide Pferderassen sind extrem in ihren Ansprüchen: Der Araber in seinem Laufbedürfnis, das Islandpferd in seiner Anspruchslosigkeit (was nicht bedeutet, dass diese Ponys gleichgültig oder nachlässig aufgezogen werden dürfen).

Araberbesitzer haben gern den engen Kontakt zu ihren Pferden, während es bei manchen Islandpferdebesitzern immer noch verpönt ist, die Fohlen außerhalb der Wurmkur und der anstehenden Impfungen auch nur anzufassen... Extreme eben.

Aber auch Besitzer von Pferden anderer Rassen sind der Auffassung, dass sich ihre Fohlen am besten entwickeln, wenn sie unter sich sind.

Mag sein, wenn sie auch im späteren Leben „unter sich“ sind. Wenn sie aber mit anderen Rassen zusammen kommen, sich beispielsweise im Wettkampf mit ihnen messen müssen, würden sie sehr davon profitieren, andere Rasse schon in ihren Jugend kennen zu lernen.


Jungpferde unterschiedlicher Rassen zusammen

Selbstverständlich sollte man nicht unbedingt Falabellas mit Shire-Horses aufziehen, annähernd ähnliche Rassen sollten es schon sein, damit keine Gruppe benachteiligt ist.

Mit etwas Überlegung kann man aber eine Gruppe so zusammenstellen, dass alle Pferde davon profitieren. Islandpferde beispielsweise, die mit hochblütigen Gangpferden aufwachsen, werden geschmeidiger und gelenkiger, während die hochblütigeren Gangpferde von der mentalen Überlegtheit der Islandpferde profitieren.

Im Klartext: Startet ein hochblütiger Paso Fino bei Gefahr schon mal durch, schaut sich der Isländer erst mal um und signalisiert seinem hochblütigen Gefährten „alles halb so schlimm“. Wenn der Paso Fino das oft genug erlebt, wird er etwas von der mentalen Gelassenheit des Islandpferdes übernehmen, sein sprudelndes Temperament deshalb aber noch lange nicht verlieren.

Andererseits profitiert der Isländer von der größeren Beweglichkeit des Pasos. Er wird sich mehr bewegen und selber dadurch geschmeidiger werden.

Möglicherweise werden sich zwei rassespezifische Gruppen bilden – dennoch ist der Kontakt untereinander so eng, dass die Gruppen voneinander profitieren.

Wichtig ist, dass die Bedürfnisse der unterschiedlichen Rassen berücksichtigt werden können. In dem erwähnten Fall beispielsweise muss dafür gesorgt werden, dass die hochblütigen Pferde ihre gehörige Portion Kraftfutter bekommen, während man diese den Islandpferden eher vorenthalten sollte. Diese Art der Aufzucht ist also arbeits- und organisationsintensiver als die Aufzucht einer Gruppe einer einzigen Rasse.


Wie groß sollen die Gruppen sein?

Das hängt vom zur Verfügung stehenden Raum und vom betreuenden Personal ab.

Man kann eine Herde nicht einfach wild auf 60 ha Land herumlaufen lassen und sich selbst überlassen. Das wären dann Verhältnisse wie im Meerfelder Bruch bei den Dülmenern, und die sind in keiner Weise erstrebenswert.

Es muss gesichert sein, dass jedes Fohlen täglich einmal angeschaut werden kann, d.h. keine Gruppe sollte mehr als maximal 25 Tiere umfassen.


Fazit:

Bis zu einem Jahr sollte man Stuten und Wallache getrennt halten, ab dann profitieren beide davon, wenn man sie gemischt hält. Ab dann profitieren auch unterschiedliche – allerdings nicht extrem unterschiedliche! – Pferderassen davon, wenn sie mit anderen aufwachsen.

Uta Over


Zur Diskussion - Von Beruf: Pferdezüchter


Was für ein schöner Beruf muss das sein: Pferdezüchter. Man besitzt viele Pferde, kann den ganzen Tag mit ihnen zusammen sein, sich mit ihnen beschäftigen - und diese Pferde bekommen dann auch noch Fohlen, und man selbst braucht nichts zu tun, als zu warten, bis diese Fohlen groß sind, und sie dann zu verkaufen... Mit diesem Traum auch noch seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, hört sich doch geradezu perfekt an! Und der Beruf eines Pferdezüchters scheint auf den ersten Blick doch auch wirklich sehr einfach: Man nehme eine Stute und einen Hengst und erzeuge mit diesen beiden Pferden schließlich Fohlen, das kann doch wirklich jeder, der ein bisschen was von Pferden versteht, oder???


Wie sieht es in der Realität aus?

Tatsächlich kann im Prinzip jeder züchten, der eine oder mehrere Stuten besitzt und diese decken lässt. Die Frage, die sich hierbei stellt, ist allerdings, ob es auch wirklich jeder sollte. Gerade in der heutigen Zeit, in der wir sowieso schon zu viele Pferde haben, haben wirklich gute Pferde die eindeutig besseren Chancen auf ein schönes Leben als unüberlegte und „merkwürdige“ Kreuzungen, die leider oft aus Züchtungen ohne das notwendige Fachwissen hervorgehen.

Schaut man sich einmal die „Profis“, also die beruflichen Pferdezüchter, an, so wird man feststellen, dass - wenn man es richtig machen möchte - noch sehr viel mehr dazu gehört als ein paar Pferde, die Freude an Fohlen und das Vorhaben, alles so gut wie möglich zu machen. Schon die Gefahr von Krankheiten oder Mängeln, die sich vererben können, sollte uns stutzig machen; und die Kriterien für eine gute Zuchtstute oder einen guten Zuchthengst und vor allem für die richtige Kombination dieser beiden sind dem „normalen“ Pferdebesitzer oft nicht ausreichend bekannt.

Pferdezüchter ist eben nicht wirklich ein erweitertes Hobby, sondern eigentlich ein Beruf wie jeder andere auch. Dieser muss, damit man ihn richtig und so erfolgreich ausführen kann, dass man damit auch noch Geld verdient, erst einmal erlernt werden.


Ausbildung ist wichtig

Wer nicht wirklich von klein auf in diesen Beruf hinein gewachsen ist, kann durch eine Ausbildung zum Pferdewirt in den Beruf einsteigen. Wenn man sich die Arbeitsschwerpunkte dieser Ausbildung anschaut, wird man schnell feststellen, dass es sich bei der Pferdezucht um ein anspruchsvolles Gebiet handelt, welches ein breit gefächertes Wissen erfordert: Pferdehaltung, Fütterung, Kenntnisse über Futtermittel, Umgang mit landwirtschaftlichen Geräten, Veterinärkunde, Kenntnisse der Zuchtverfahren, Stutenbetreuung, Fohlenaufzucht, Erziehung der Jährlinge und Hengsthaltung werden hier erlernt.

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, wobei es möglich ist, sie durch eine Erstausbildung oder durch das Abitur auf zwei Jahre zu verkürzen. Die Ausbildung findet in staatlich anerkannten Betrieben statt und wird durch zusätzlichen Berufsschulunterricht ergänzt.


Keine leichte Arbeit...

Die Voraussetzungen für einen Ausbildungsplatz sind allerdings relativ hoch gesetzt, denn der Beruf des Pferdewirts setzt Erfahrungen und fachliches Können auf einer breiten Grundlage voraus. Auch eine gute körperliche Verfassung und Fitness spielen eine entscheidende Rolle. Entscheidet man sich für diesen Beruf, nimmt man körperlich harte Arbeit, lange Arbeitszeiten und Arbeit an Sonn- und Feiertagen in Kauf.

Wenn man einen idyllischen Hof sieht, kann man sicherlich schnell ins Träumen geraten. Doch wer sich das Leben hier einfach vorstellt, der irrt sich: Auf einem Pferdehof sind die meisten Tage ein arbeitsreicher neun bis zehn Stunden-Tag! Die Mitarbeiter haben dabei oft nur anderthalb Tage die Woche frei.

Auch wetterfest sollte man hier auf jeden Fall sein, denn jeden Tag wird draußen gearbeitet. So müssen zum Beispiel alle Pferde, die auf der Weide leben, täglich kontrolliert werden, und auch die Zäune bedürfen regelmäßiger Kontrolle. Wenn ein Zaun repariert werden muss oder sonst dringende Arbeiten anfallen, wird nicht nach Dienstschluss gefragt.

Auch die Weiden selbst müssen gründlich gepflegt werden, damit für die Pferde gute Wiesen mit möglichst vielen Kräutern zur Verfügung stehen.


Tierärztliches Wissen ist unvermeidbar

Jeder, der über die Weiden geht, um Pferde zu kontrollieren, muss in der Lage sein, Verletzungen erkennen, einschätzen und gegebenenfalls behandeln zu können. Die Pferde zu kontrollieren ist also wesentlich mehr als ein gemütlicher Spaziergang über die Weiden. Gerade, wenn man Pferde züchtet, ist ein geschultes Auge für den Zustand der tragenden Stute notwendig, denn man sollte schon ungefähr einschätzen können, wann die Geburt des Fohlens ansteht. Auch bei dem Geburtsvorgang selbst muss man wissen, ob alles normal abläuft oder nicht - und was man im Notfall zu tun hat.

Sind dann die Fohlen endlich auf der Welt, beginnt auch für sie schon bald die tierärztliche Behandlung, denn bereits nach zwei Wochen werden sie das erste Mal entwurmt. Ohne tierärztliches Wissen kommt ein Züchter also nicht besonders weit!


Ohne Geld geht es (leider) nicht

Bei jeder Pferdezucht spielt Geld eine entscheidende Rolle. Um erfolgreich züchten zu können, braucht man entweder sehr viel Wissen, um schon die Qualitäten von jungen und unausgebildeten Pferden erkennen zu können, oder sehr viel Geld, um schon bekanntermaßen gute Pferde kaufen zu können.

Wer dann den Verkaufspreis eines Pferdes als Reingewinn betrachtet, der irrt sich auch, denn nachdem man die Pflege von Stute und Fohlen, anfallende Tierarztkosten wie etwa Impfungen oder Wurmkuren, das Futter und die Ausbildung mitgerechnet hat, lohnt es sich für den Züchter meist nicht, ein gutes Pferd unter ca. 5000 Euro zu verkaufen.


Beim Fohlen hört es nicht auf

Die meisten Menschen, die ein Pferd kaufen wollen, möchten ein ausgebildetes Pferd. Es reicht also nicht, gute Pferde zu züchten, man muss sich dann noch um eine gute Ausbildung der Pferde kümmern. Auch das kostet Geld bzw. braucht die entsprechenden Fachkräfte auf dem Hof, und es kostet Zeit, in der die jungen Pferde weiter gefüttert und auch tierärztlich versorgt werden müssen.


Marktkenntnis wird gebraucht

Nun reicht es auch nicht aus, viele Pferde zu züchten, die zwar gut sind und die einem selber auch sehr gut gefallen. Denn es kann einem ohne weiteres passieren, dass diese Pferde trotzdem nur sehr wenig Interessenten finden. Um Pferde erfolgreich verkaufen zu können, muss man als Züchter deshalb auch den Markt, also die Nachfrage nach bestimmten Pferden, stets im Auge behalten, um sein Zuchtziel der jeweiligen Marktlage anpassen zu können.

Der Beruf des Pferdezüchters ist sicherlich ein interessanter, vielseitiger und abwechslungsreicher Beruf - aber eben nicht so einfach, wie er vielleicht scheint. Wer sich also den Traum einer Pferdezucht erfüllen möchte, dem stehen alle Türen offen. Doch sollte man es nicht einfach so versuchen, sondern erst einmal alles Notwendige lernen und zu viel Arbeit bereit sein.

Katinka Schnitker


Zum Wiehern: Ist Reiten Sport?


Machst du eigentlich Sport? Ja klar, ich reite! Auf diese Antwort folgt oftmals ein hämisches Grinsen, begleitet von dem Kommentar, dass dieses sich von einem Pferd durch die Gegend tragen lassen ja wohl kaum etwas mit Sport zu tun haben kann. Hierauf folgt wiederum der vehemente Widerspruch des empörten Reiters, der sich ganz sicher ist, dass Reiten Sport ist, er weiß nur nicht genau, warum... denn eins ist wohl jedem klar: Wie man es dreht und wendet, es besteht die Möglichkeit, einfach nur auf einem Pferd zu sitzen, während sich dieses bewegt, und das ist ungefähr so viel Sport wie Fernsehschauen auf einem wackelnden Sofa.

Aus diesem Grunde soll nun endlich einmal geklärt werden: Ist Reiten Sport, und wenn ja, wann?

Nehmen wir einfach einmal einen wirklich guten Reiter: Setzt sich dieser auf ein Pferd, so kann er mit diesem arbeiten, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Unter Einsatz von Gewichts-, Schenkel-, Zügel- und sonstigen Hilfen wird sowohl vom Pferd als auch vom Reiter echte Leistung abverlangt, ja, solche Reiter geraten auch schon mal ins Schwitzen –  solche Reiter treiben Sport!


Gute Reiter treiben Sport...?

Heißt dies nun, dass die Antwort gefunden ist? Bei weitem nicht!

Nehmen wir einfach einmal einen wirklich schlechten Reiter: Setzt sich dieser auf ein Pferd, so ist er krampfhaft bemüht, sich auf diesem zu halten, was nicht selten Кlammern zur Folge hat. Кlammern ist nun ein heftiges, dauerhaftes Anspannen der gesamten Beinmuskulatur, hinzu kommt ein beständiges Ziehen am Zügel, was zweifellos die Arme trainiert. Stellt man sich solch einen Reiter schwitzend und mit hochrotem Kopf auf einem Pferd vor, ist einem sofort klar: Dieser Reiter treibt Sport! Schlechte Reiter treiben also Sport.

Um daher beim Reiten keinen Sport zu treiben, muss man gut genug sein, um friedlich auf einem Pferd sitzen zu können, während dieses durchs Gelände tapert, jedoch nicht so gut, dass man währenddessen irgendeinen Einfluss auf dieses hätte - oder nehmen könnte. Daraus kann man folgern: Der durchschnittliche Reiter treibt keinen Sport.


Alles klar?

Treibt nur der durchschnittliche Reiter keinen Sport? Nein!

Nehmen wir einfach einmal einen wirklich guten Reiter, der aber entweder zu faul ist, wirklich gut zu reiten, oder einfach einen entspannten Ausritt genießen möchte - dieser sitzt dann wie ein durchschnittlicher Reiter auf seinem Pferd und lässt sich tragen. Еntspannte gute Reiter treiben also keinen Sport.

Treiben wirklich schlechte Reiter immer Sport? Nein!

Nehmen wir einfach einmal einen wirklich schlechten Reiter, der aber zufällig auf einem wirklich friedlichen Pferd sitzt: In solch einem Falle kann auch ein wirklich schlechter Reiter einfach nur so draufsitzen. Wirklich schlechte Reiter auf wirklich friedlichen Pferden treiben also keinen Sport.

Wenn also durchschnittliche Reiter und gute, entspannte Reiter und schlechte Reiter mit friedlichen Pferden keinen Sport treiben, ist Reiten dann Sport? Selbstverständlich! Und was für ein vielseitiger noch dazu: Da wäre zum Beispiel das „Weidenwandern“ (eine hervorragende Vorbereitung für jeden Marathon), um das Pferd zum Stall zu holen, das Putzkastentragen, das Putzen, das Hufeauskratzen (ein super Rückentraining), das Satteltragen, gefolgt vom Sattelheben - und wenn man im Schweiße seines Angesichts dies alles bewältigt hat, folgt als krönender Abschluss auch noch das Aufsteigen.

Wie gut nur, dass sich nach diesen sportlichen Höchstleistungen der durchschnittliche Reiter, der entspannte gute Reiter und natürlich auch der schlechte Reiter auf einem friedlichen Pferd beim Reiten selber wieder so richtig erholen können...

Katinka Schnitker




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