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Aggressive Pferde - Doppellonge - Wurmkur - Beistellpferde - Zum Wiehern!

Equikids Ausgabe 07/2013


Aggressive Pferde, Teil III


Mögliche Ursachen für Aggressionen bei Pferden haben wir in den letzten Ausgaben von Equikids bereits beschrieben (siehe Archiv). Doch was ist zu tun, wenn tatsächlich ein aggressives Pferd vor einem steht? Auch das kann von Fall zu Fall verschieden sein.


Was tun, wenn:
ein Hengst an der Hand oder unter dem Reiter aggressiv auf andere Pferde losgeht?

a) Ruhe bewahren ist oberstes Gebot
Mit Schreien und Toben wird die Situation eher verschlimmert als verbessert. Es hat auch keinen Sinn, den Hengst zu strafen. Er wird in diesem Moment von seinen Instinkten übermannt – im wahrsten Sinne des Wortes – und ist nicht mehr so ganz das gezähmte Tier, mit welchem man sonst arbeitet. Versuch konsequent, aber ruhig, seine Aufmerksamkeit wieder zu gewinnen. Als Reiter musst du aus der Situation heraus abschätzen, ob es sicherer ist, abzusteigen und zunächst an der Hand die Kontrolle wieder zu gewinnen. Ob aber von oben oder von unten: Drehe als erstes den Kopf des Hengstes weg von seinem Angriffsziel. Beachte dabei, dass Hengste in solchen Situationen gerne steigen und durchaus gezielt versuchen, mit den Vorderhufen den Zügel oder Strick zu fangen und ihn dem Führer aus der Hand zu schlagen. Es ist also wichtig, darauf zu achten, dass Strick oder Zügel immer über den Hufen des Hengstes sind, auch wenn sich dieser auf zwei Beine stellt. Als nächstes musst du beachten, dass Hengste zwar lieber frontal kämpfen, aber durchaus auch ihre Hinterfüße benutzen, um den Widersacher zu erwischen, während du versuchst, seine Vorhand weg zu ziehen. Also musst du versuchen, das Pferd als Ganzes sofort in einen Abstand zurückzuführen, der hinter der Reizschwelle liegt.

b) Die Reizschwelle erkennen lernen
Jeder Hengst hat einen bestimmten Abstand zu anderen Pferden, ab welchem er aggressiv auf andere Tiere reagiert. Sein Besitzer und/oder Reiter muss in jedem Fall diese Reizschwelle kennen und sie beachten. Es ist die Aufgabe des Menschen, den Hengst so zu lenken, dass der individuelle Mindestabstand zu anderen Pferden eingehalten wird. Dazu müssen selbstverständlich auch alle anderen anwesenden Pferde stets im Blick behalten werden. Erstes Anspannen des Hengstes muss sofort erkannt, richtig gedeutet werden und zu der entsprechenden Aktion seines Menschen führen. Konfrontationen zu vermeiden ist die wichtigste Pflicht eines Hengstbesitzers/-reiters.

Was tun, wenn:
ein Leittier auf der Weide andere Pferde nicht heraus lässt?

Kontakt zum Leittier suchen
Eifersucht um die Gunst des Menschen sowie Abschirmen seiner Herde vor dem Eindringling können dazu führen, dass ein Leittier Menschen attackiert, welche andere Tiere von der Weide führen wollen. Die einfachste Lösung, diesem Verhalten zu begegnen, besteht darin, ihm den Grund zu nehmen. Das heißt: Alle Aufmerksamkeit dem Chef! Wen interessieren schon die anderen Pferde... Erst den Chef aufhalftern und anbinden, dann das gewünschte Pferd holen und heraus führen, dann das Leittier wieder loslassen. Auf keinen Fall sollte man sich auf einen Schlagabtausch mit dem Pferd einlassen. Gertengebrauch oder andere Drohgebärden erhöhen nur die Aggressivität und lassen die Situation in unkontrollierbare Gefilde eskalieren!

Was tun, wenn:
das Pferd beißt?

a) Erstes Gebot ist in diesem Fall die eigene Sicherheit.
Genauer ausgeführt bedeutet dies: Ein Pferd, welches als Beißer bekannt ist, darf nicht aus den Augen gelassen werden. Viel zu oft werden kleine Kinder oder auch Erwachsene von hinten z.B. in den Kopf gebissen. Beißattacken sind im Ansatz zu erkennen durch angelegte Ohren, tiefen, gestreckten Hals und gebleckte Zähne. Sofern man keine andere Abhilfe hat, gilt es in erster Linie, diesen Angriffen so schnell wie möglich auszuweichen. Selbst für einen Sprung über den Zaun o.ä. braucht sich in einem solchen Fall niemand zu schämen. Pferdezähne hinterlassen große Schmerzen und hässliche Narben

b) Zweites Gebot ist das Vermeiden von Situationen, in denen mit Beißen zu rechnen ist.
Ein beißwütiges Pferd sollte man niemals aus der Hand füttern! Die „Leckerli-Problematik“ taucht dann sofort wieder auf, und der Schritt vom Biss in den Apfel zum Biss in die darbietende Hand ist nur sehr klein. Weiterhin ist es wichtig, dem Pferd nicht den Rücken zuzuwenden oder gar vor ihm herzulaufen. Ein solches Verhalten löst einen Beißreiz geradezu aus. Das dominante Pferd straft ein anderes, indem es es wegjagt und dann in Kruppe oder Rücken beißt.

c) Drittes Gebot ist eine unmittelbare, daher vom Pferd zuzuordnende klare Zurechtweisung nach erfolgtem Beißen.
Wer dazu in der Lage ist, wer also über genügend schnelle Reflexe verfügt, sollte auf eine – hoffentlich erfolglose! – Beißattacke blitzschnell mit einem „Gegenangriff“, sprich: mit einem Klaps auf das Pferdmaul reagieren. Aber Achtung: Nur wer das weiche Maul trifft, kommt schadlos davon. Wer schlecht zielt oder zu langsam ist und auf den harten Nasenrücken oder andere Knochen schlägt, tut sich nur selber weh. Trotzdem sollte nur mit der eigenen Hand auf die Pferdezähne geantwortet werden. Wer ein wie-auch-immer-geartetes Hilfsmittel benutzt, ist erstens in der Regel zu langsam wegen der Trägheit des Mittels und riskiert zweitens, unbeabsichtigt das Auge des Pferdes zu erwischen, wodurch ein nicht gutzumachender Schaden entstehen kann. Alles in allem sollte die reflexartige Gegenwehr den erfahrenen Pferdemenschen überlassen bleiben. Was jedoch auch der körperlich Ungeübte schnell genug benutzen kann, ist seine Stimme. Ein kurzes scharfes Wort im richtigen Moment wirkt oft genauso gut wie eine tätliche Zurechtweisung.

d) Viertes Gebot ist die Umerziehung des betroffenen Pferdes.
Zu dieser Umerziehung gehören auf jeden Fall auch Vorsicht, Vermeiden von Problemsituationen und die schnelle Zurechtweisung. Darüber hinaus aber muss es das Bestreben des Pferdefreundes sein, einem solchen Tier den Weg aus dem Dilemma aufzuzeigen und ihm zu helfen, ihn auch zu gehen. Das bedeutet: Über Dominanztraining wird dem Pferd eine klare soziale Position gegeben, mit der es sich arrangieren kann. Körperliche Kontakte zum Menschen müssen vorsichtig und mit viel Geduld und Erfahrung wieder verbessert und aggressionsfrei werden. Das bedeutet, dass sich der Mensch in Gegenwart des Pferdes grundsätzlich ruhig und langsam bewegt. Seine Hände sollen zu Freunden des Pferdes werden. Sie sollen lieber streicheln als klopfen, sollen loben und kraulen, sollen dem Pferd wohl tun. Ängste und Verspannungen müssen erkannt und abgebaut werden. Die Stimme des Menschen spielt dabei eine sehr aktive Rolle. Ruhige und lobende Worte in möglichst tiefer Frequenz können helfen. Nicht zuletzt wirkt sich allein die Optimierung der Haltungs- und Fütterungsbedingungen schon positiv auf jedes Problempferd aus.

Was tun, wenn:

das Pferd schlägt?

Für diese Pferde gilt in etwa das gleiche wie für ihre beißenden Artgenossen. Beobachten, ausweichen, Problem vermeiden, Ängste erkennen und abbauen, Vertrauen schaffen, soziale Positionen klären – ein schlagendes Pferd ist in der Defensive und fühlt sich unsicher. Einen Menschen, den es respektiert und dem es sich anvertrauen kann, wird es nicht mehr schlagen. Wo eine solche Lösung nicht möglich ist, z.B. weil es sich um ein Schulpferd ohne feste Bezugsperson handelt, sollte sich niemand unnötig in Gefahr begeben. Keine Kämpfe riskieren! Keine Mutproben auf Kosten des Tieres und der eigenen Gesundheit! Niemand ist ein Feigling, der an einem schlagenden Pferd nicht vorbei gehen will. Zu bedenken ist dabei ebenfalls, dass jeder Angriff auch das Pferd belastet. Je mehr Ruhe ihm gelassen wird, desto mehr kann es sich entspannen und seine Aggression senken.

Sind Pferde gefährlich?
Ja, sie können es sein. Sie müssen es sein können, um in der Natur zu überleben. Aber es sollte ihnen möglich gemacht werden, im Umgang mit Menschen ohne Aggressionen auszukommen.

Ute Forler


Die Doppellonge, Teil I


Longenarbeit haben wir bereits genauer betrachtet (siehe Archiv). Fast jeder Reiter longiert sein Pferd auch, zumindest hin und wieder. Die Doppellonge jedoch bleibt oft – ehrfürchtig beäugt – den „Profis“ überlassen. Schade eigentlich! Denn gerade die Doppellonge bietet auch für die Grundlagenarbeit viele Möglichkeiten und ist für jedes Pferd und jeden Reiter interessant.


Möglichkeiten der Doppellonge

Während bei der Arbeit an der einfachen Longe Ausbindezügel das Pferd zwangsläufig eher starr begrenzen, kann die Doppellonge wie die Zügel beim Reiten flexibel geführt und eingesetzt werden. So erhält der Longenführer die Möglichkeit, von der starken Dehnung bis hin zu Aufrichtung und Versammlung sein Pferd in variablen Haltungen zu arbeiten, ohne den Fluss der Arbeit zu unterbrechen. Auch Schlangenlinien und Handwechsel können fließend absolviert werden.

Generell wird bei der Doppellongenarbeit die Hinterhand des Pferdes deutlich aktiviert und auch dadurch eine effektive Gymnastizierung im Wechsel von Versammlung und Dehnung des Pferdes ermöglicht. Wenn der Longenführer seine Position hin zum Fahren vom Boden aus und dann zur Langzügelarbeit hinter dem Pferd verändert, kann er selbst Seitengänge erarbeiten, und schließlich steht ihm sogar die Hohe Schule bis hin zu den Schulen über der Erde offen.

Doch nicht nur die dressurmäßige Gymnastizierung lässt sich an der Doppellonge vervollkommnen. Ein entsprechend geschickter Longenführer kann das Pferd darüber hinaus auch kleine Gymnastiksprünge absolvieren lassen, hindert doch kein Ausbindezügel das Pferd an der notwendigen Dehnung über dem Hindernis.

Besonders wertvoll ist der Blick des Ausbilders auf sein Pferd. Was er beim Reiten erfühlen muss, kann er nun ganz klar und deutlich sehen: Wie fußt das Pferd, gerade oder seitlich versetzt? Wie richtet es sich auf, dehnt es sich korrekt? So kann die Abstimmung der Hilfen weiter verfeinert werden.

Neben diesem Beitrag der Doppellonge zur physischen, also körperlichen Ausbildung des Pferdes sollte auch der Beitrag der Doppellonge zur mentalen Stärkung gerade des jungen Pferdes  nicht übersehen werden. Einerseits gewöhnt sich das Pferd an die Berührung der Longe auch an der Hinterhand und lernt, sich dadurch nicht schrecken zu lassen. Andererseits kann das Pferd, wenn der Longenführer seine Position ändert und hinter dem Pferd zum Fahren vom Boden aus wechselt, lernen, sich selbständig auch unbekannten Hindernissen mit Ruhe und Selbstbewusstsein zu nähern, befindet es sich doch einerseits an vorderster Front und dabei andererseits zugleich in der Sicherheit der Anlehnung und Hilfengebung durch den Longenführer. So können etwa Bodenstangen angegangen werden, aber auch generell die Konfrontation mit unbekannten Gegenständen wie Fässern, Planen usw. geübt werden.

Letztendlich bietet die Doppellonge so viele Einsatzmöglichkeiten, wie die Phantasie und Kreativität des Longenführers hergeben.

Erwähnt werden sollte noch der Wert dieser Trainingsform für Pferde, die aus den verschiedensten Gründen nicht voll einsatzfähig unter dem Sattel sind: Unbelastet vom Reitergewicht können sie an der Doppellonge schonend gymnastiziert und vorsichtig aufgebaut werden.


Die Ausrüstung

Benötigt wird – natürlich – eine Doppellonge. Diese gibt es aus unterschiedlichem Material. Falls auch im Außenbereich longiert werden soll, ist es günstig, ein Material zu wählen, das sich bei Nässe nicht vollsaugt, da die Longe sonst sehr schwer wird. Schon das normale Gewicht der Longe muss bei jeder Einwirkung am Pferdemaul berücksichtigt werden; eine nasse Longe macht eine sensible Longenführung nahezu unmöglich.

Für die versammelnde Arbeit an der Doppellonge werden Umlenkrollen benötigt, die am Longiergurt befestigt werden. Um flexibel agieren zu können, sollte der Longiergurt möglichst viele seitliche Ringe aufweisen. Damit die Longe gut durch die Umlenkrollen gleitet, sollte sie im vorderen Bereich rundgenäht sein – breite, schwere Gurte können nur mit deutlichem Kraftaufwand umgelenkt werden, was sich in Hinsicht auf das Pferdemaul von selbst verbietet.

Hinzu kommt eine möglichst leichte, handliche Longierpeitsche. Schwere Peitschen machen einen schweren Arm – und mit einem schweren Arm ist keine feine Einwirkung am Pferdemaul möglich.

Normalerweise wird mit dem gewohnten Gebiss gearbeitet. Nicht in Frage kommen Kandaren-Zäumungen aller Art. Einfache, weiche Trensengebisse sind optimal, auch Nathe-Stangen sind geeignet.

Der Longenführer selbst trägt feste und bequeme Schuhe und stellt sicher, dass sich keine Schnürsenkel lösen können – Stolperer sind unerwünscht. Dazu kommen feine Reithandschuhe, die die Hände schützen, aber eine einfühlsame Longenführung nicht verhindern.


In der nächsten Ausgabe von Equikids geht es weiter: Wie wird das Pferd an die Doppellonge gewöhnt?


Richtig entwurmen


Wenn die Weidezeit zu Ende geht, ist eine Entwurmung der Pferde besonders wichtig. Jetzt geht es den Rundwürmern, Bandwürmern und Magendasseln an den Kragen. Leider wird jedoch besonders bei Rundwürmern seit einiger Zeit beobachtet, dass sie Resistenzen entwickeln, also nicht mehr auf die Wurmmittel reagieren. Die Gabe von Wurmkuren alleine reicht also möglicherweise nicht aus. Weitere Maßnahmen helfen dabei, die Pferde frei von Parasiten zu halten.


Hygiene in Stall und Weide

Wenn sowohl im Stall als auch auf der Weide täglich der anfallende Mist eingesammelt und entfernt wird, besteht ein erheblich geringeres Infektionsrisiko für die Pferde: Sie nehmen einfach nicht so viele Würmer auf. Die Arbeit, die für viele im Stall selbstverständlich ist, ist bei großen Gruppen auf entsprechend großen Weiden draußen kaum von Hand machbar – es gibt entsprechende Maschinen, die das erledigen können. Bei kleineren Pferdeherden auf überschaubaren Flächen bzw. entsprechend abgetrennten Weiden kann jedoch durchaus auch von Hand mit der Schubkarre abgesammelt werden.  

Im Spätsommer kann man vor allem an den Pferdebeinen häufig die gelben Eier der Dasselfliege kleben sehen. Diese sollten täglich mit einem scharfen Messer vorsichtig abgeschabt werden.

Wer auf diese Weise auf Sauberkeit achtet, braucht normalerweise bereits weniger häufig eine Entwurmung für seine Pferde.


Richtig dosieren

Weniger ist mehr? Oh nein! Bei der Wurmkur sollte man immer ein bisschen drauflegen. Grundlage für die richtige Dosierung ist das Gewicht des Pferdes. Da nur selten eine Pferdewaage in greifbarer Nähe ist, wird das Gewicht jedoch meistens nur geschätzt. Um sicherzugehen, sollte man immer noch bis zu 20 % mehr dosieren. Eine zu geringe Dosierung kann nämlich die beschriebenen Resistenzen deutlich fördern – eine geringe Überdosierung hingegen wird vom Pferd normalerweise problemlos vertragen.


Kotuntersuchungen

Es ist sinnvoll, wirklich bedarfsgerecht und nicht nur nach Schema F zu entwurmen. Kotuntersuchungen vor und nach der Wurmkur geben Auskunft darüber, welche Würmer in der Pferdegruppe vorhanden sind und ob sie auf die Wurmkur wie gewünscht reagieren.

Durch solche Untersuchungen kann die Zahl der Entwurmungen häufig weiter gesenkt werden.


So wird entwurmt

Pferde, die älter sind als fünf Jahre, sollten mindestens zweimal im Jahr entwurmt werden: einmal im Sommer gegen Rund- und Bandwürmer und einmal im Winter gegen Rund- und Bandwürmer und Magendasseln. Häufig wird auch empfohlen, vierteljährlich zu entwurmen.

Fohlen und Jungpferde sollten unabhängig von Kotuntersuchungen auf jeden Fall regelmäßig entwurmt werden, da sie deutlich anfälliger für Würmer sind und oft mehr Würmer haben als erwachsene Pferde.

Kommt ein neues Pferd in den Stall, sollte dieses erst entwurmt werden, ehe es in die Herde eingegliedert wird – so kann es keine neuen Würmer einschleppen.

Eine Entwurmung ist keine große Sache. Dennoch: Vergessen sollte man das nie!


Partnersuche:

Die richtige Gesellschaft


in Pferd für mein Pferd - muss das denn sein?

Pferde sind Herdentiere, das ist allgemein bekannt. Es gibt sogar Pferderassen wie beispielsweise die Islandpferde, für die die Herde eine ungleich wichtigere Rolle spielt als der Mensch.

Aber auch Pferderassen, die seit Jahrhunderten sozusagen am Haus aufgezogen wurden, brauchen Artgenossen als Kommunikationspartner, als Sicherheit, wenn sie rangniedrig sind, als Spielkameraden oder rein zur Gesellschaft, damit sie nicht allein sind.

Selbstverständlich gibt es auch total menschenbezogene Pferde, die völlig auf ihren Menschen fixiert sind. Sie sind aber die Ausnahme von der Normalität und meistens für soziale Kontakte unter Pferden verdorben.

Dazwischen gibt es noch die Notlösung, nämlich ein Pferd allein zu halten und sich sehr, sehr viel mit ihm zu beschäftigen. Man darf sich aber nie darüber täuschen: Pferd bleibt Pferd.

Kein Mensch kann einem Pferd so die Mähne kraulen wie ein anderes Pferd. Menschen können sich nun mal nicht mit Кopf an Schweif an ein Pferd stellen und dem Kameraden an heißen Tagen mit dem Schweif die Fliegen aus dem Gesicht wedeln. Menschen können keine Wettrennen mit dem Pferd um die Weide machen. Sie können nicht richtig mit dem Pferd raufen und sind als Sicherheitsposten absolut unbrauchbar, weil sie alles viel später mitkriegen als die misstrauischen, immer wachen und viel besser hörenden und riechenden Pferde.

Und ein weiteres Problem ergibt sich, wenn man ein Pferd über Jahre ohne Pferdegesellschaft hält und auf den Menschen fixiert: Danach hat es oft Probleme, sich wieder zu integrieren. Pferde, die lange allein waren, fügen sich nur schwer wieder in eine Gruppe ein.


Als erstes: Das eigene Pferd genau beurteilen

Die meisten Leute kennen ihr eigenes Pferd recht gut, aber hier sollte es doch unter einem speziellen Aspekt betrachtet werden, nämlich unter dem, wie es sich mit anderen Pferden verträgt.

Man sollte sich als erstes fragen, wie ranghoch das Pferd ist. Die Stellung unter Pferden, also der Rang, ist ererbt. Eine ranghohe Stute wird immer ranghohe Fohlen haben, eine rangniedrige immer rangniedrige. Die können sich wohl hocharbeiten, werden aber immer Probleme haben, ihre Stellung zu halten.

Es wäre nicht sehr sinnvoll, zwei gleichrangige Tiere zusammen zu stellen. Das gibt immer Streit, der sich oft über Jahre hinzieht und die Pferde im Grunde Tag und Nacht nicht zur Ruhe kommen lässt, weil der ständige Kampf um die Herrschaft über den anderen da ist.

Bevor man sich ein zweites Pferd zur Gesellschaft holt, sollte man sich also Gedanken darüber machen, wie ranghoch bzw. wie rangniedrig das eigene Pferd ist.

Man sollte auch über sein Wesen nachdenken. Ist es ausgeglichen oder launisch, zankt es gern oder gibt es gern nach? Ist es aufbrausend oder eher ruhig? Ist es neugierig oder eher uninteressiert an seiner Umwelt?

Hier muss man wissen, ob man ihm einen Ausgleich schaffen oder es in seinen Eigenschaften bestärken will.

Zu Beginn der Suche nach einem Gesellschaftspferd steht also die Analyse des eigenen Pferdes.


Was erwarte ich von dem Gesellschaftspferd?

Man sollte klare Vorstellungen davon haben, was man von dem Gesellschaftspferd erwartet:  Soll es meinem Pferd nur Gesellschaft leisten oder soll es noch geritten werden können? Soll es vielleicht ausgleichend auf ein hektisches, nervöses Pferd wirken? Soll es einem ängstlichen Pferd Sicherheit geben? Oder soll es ein Spielkamerad für ein verspieltes Pferd werden? Vielleicht soll es einem unsicheren oder jungen Pferd ja auch etwas beibringen.

Alles das sollte man sich gründlich überlegen, bevor man auf die Suche geht.


Gleich und gleich gesellt sich gern

Das trifft in etwas abgewandelter Form auch auf Pferde zu. Selbstverständlich sieht ein Shire Horse ein Shetty auch als Artgenossen an; leichter ist die Verständigung jedoch mit einem Pferd, das ihm selbst ähnlich sieht.

Man sollte also darauf achten, sich ein Pferd zu holen, das in der Körpergröße in etwa zu dem eigenen passt.

Damit geht man auch arbeitstechnischen Problemen aus dem Weg: Hatte man bisher zwei Elektrobänder um die Weide gespannt, weil man einen großen Warmblüter  hat, so wird man nicht darum herumkommen, eine dritte Reihe zu ziehen, wenn man sich ein Shetlandpony dazu nimmt. Denn die gehen vorzugsweise unter dem Zaun her, wozu ein großes Warmblut gar nicht in der Lage ist.

Auch die Fütterung zweier ähnlicher Pferde ist einfacher, als wenn man ein Pferd beim Kraftfutter-Füttern regelmäßig wegsperren (und nach einer Stunde wieder rausholen) muss. Ganz abgesehen davon, dass es lästig ist, wenn ein Pferd absolut futterleicht ist und daher täglich vielleicht nur zwei Stunden auf die Weide darf, während das andere sechs Stunden fressen kann, ohne Schaden zu nehmen.


Sommerekzemer, Heuallergiker, chronisch kranke Pferde

Sie werden einem am meisten angeboten. Denn viele Pferdebesitzer wollen ein voll funktionsfähiges Pferd haben und schieben behinderte Pferde gern ab.

Man muss sich darüber im Klaren sein, ob und was man sich damit aufbürdet. Manche Dinge lassen sich gut managen, andere erfordern einen ungleich höheren Arbeitsaufwand.

Wenn man schon ein heuallergisches Pferd hat, sollte man sich vielleicht sogar einen zweiten Heuallergiker dazu holen (der allerdings nicht gerade am Rande eines Lungenemphysems sein sollte...). Denn wenn man das Heu für das eine Pferd nass macht, kann man dem anderen kein trockenes füttern, der eigene Heuallergiker nebenan würde sofort husten. In dem Fall ist es durchaus möglich, sich ein chronisch krankes Pferd zu holen.

Ähnlich gelagert ist es mit dem Sommerekzem, sofern man sich keinen schweren Ekzemer holt. Hat man nämlich schon einen Ekzemer, so muss man gewisse Rücksichten auf ihn nehmen wie z.B. Weidegang nur zu bestimmten Zeiten, ein dunkler Stall etc. Alles das wäre für ein gesundes Pferd vielleicht eine Beeinträchtigung oder zumindest genau derselbe Arbeitsaufwand, wie wenn man sich zum eigenen Ekzemer einen leichten Ekzemer dazu holt.

Schwieriger ist es schon mit Verschleißerscheinungen an den Gliedmaßen. Ein chronisch lahmendes Pferd, auch wenn es nur leicht lahmt, ist für das eigene recht muntere Pferd vielleicht nicht der beste Spielgefährte. Außerdem pflegen chronische Gliedmaßenerkrankungen sich irgendwann auch zu verschlechtern. Man holt sich also ein massiv pflegebedürftiges Pferd in den Stall. Das will gut überlegt und abgeschätzt sein.


Ein altes Pferd zur Gesellschaft?

„Alt“ ist nicht gleich alt. Es gibt zwanzigjährige Pferde, die quietschvergnügt und tatendurstig sind, und es gibt Pferdegreise von 15 Jahren.

Auch hier sollte man den Grundsatz gleich und gleich beachten. Es ist nicht sehr sinnvoll, einem Zweijährigen ein zwanzigjähriges Pferd zur Gesellschaft zu geben, denn die Spielgewohnheiten sind doch zu unterschiedlich. Hat man selbst ein schon älteres Pferd, ist das kein Problem.

Man sollte auch bedenken, dass die Vergreisung ab einem bestimmten Alter rapide voran schreitet und man dann einen Pflegefall anstatt einen Gefährten für das eigene Pferd hat.


Wo/wie findet man ein Gesellschaftspferd?

Nichts einfacher als das: Der Markt ist gepflastert mit Pferden, die gern abgegeben werden. Man kann zum nächsten Händler gehen, man kann eine Zeitungsanzeige aufgeben oder im Bekanntenkreis herumfragen; mit Sicherheit werden einem viele Вeistellpferde angeboten. (Persönliche Bemerkung der Autorin: Mir wurden im Frühjahr eines Jahres innerhalb kürzester Zeit 92 (!) Gesellschaftspferde angeboten!)

Es ist also kein Problem, auch ein passendes Pferd zu finden.


Kaufen oder umsonst?

Viele Pferdebesitzer sind froh, wenn sie ihr für sie nicht mehr nutzbares Pferd in gute Hände abgeben können. Meistens bekommt man die so genannten Вeistellpferde geschenkt. Will man aber ein Pferd haben, das reiterlich noch nutzbar ist, muss man dafür vielleicht auch in die Tasche greifen.

Egal wie, auf jeden Fall sollte man darauf achten, dass das Pferd ordnungsgemäß übereignet wird, d.h. Kauf- oder Schenkungsvertrag. Schutzverträge, die dem ehemaligen Besitzer das Recht geben, das Pferd aus irgendwelchen Grnden wieder zurück zu holen, stehen rechtlich meistens auf wackeligen Füßen. Das gibt im Ernstfall massiven Ärger.

Man sollte die Sache also klar machen und dafür sorgen, dass man Eigentmer des neuen Pferdes wird.


Probezeit?

Was ist, wenn sich die beiden Pferde nicht verstehen? Vier Wochen muss man ihnen auch bei systematischer Eingewöhnung des Neuen schon Zeit lassen. Wenn sie sich dann immer noch nicht grün sind, wird es wohl nichts mehr werden... Das ist selten, aber es kommt vor.

Wenn man also ein Pferd nicht gerade beim Händler kauft, sollte man eine entsprechende Vereinbarung treffen. Jeder, der sein Pferd in liebevolle Hände abgeben will, wird dafür Verständnis haben. Wenn nicht, lasst die Finger von dem Pferd.


Tierärztliche Untersuchung?

Auf jeden Fall sollte man eine gründliche tierärztliche Untersuchung machen lassen, bevor man sich für ein Pferd entscheidet. Viele Erkrankungen sind für den Laien ja nicht offensichtlich. Und eine geringgradige Lahmheit kann sich schnell zu einer massiven ausweiten; vielleicht weiß der Vorbesitzer das schon und gibt das Pferd deshalb ab. Bei einem Gesellschaftspferd sollte man genau dieselbe Vorsicht und Sorgfalt walten lassen wie bei einem Reitpferd, denn schließlich will man es ja etliche Jahre behalten.


Was tun mit dem Gesellschaftspferd?

Nur Вeistehen ist für die meisten Pferde nun doch etwas langweilig. Man sollte sich also überlegen, welche Beschäftigungsmöglichkeiten man für den Gesellschafter hat.

Das kann das Mitlaufen als Handpferd sein (vielleicht muss es das erst lernen), man kann mit dem Pferd spazierengehen oder findet über diese Schiene vielleicht eines jener pferdeverrückten Mädchen, die gern im Stall mithelfen und einem etwas Arbeit abnehmen, wenn sie das neue Pferd pflegen dürfen. Da Gesellschaftspferde meistens schon erfahren sind, wäre das eine gute Kombination.

Auf keinen Fall jedoch sollte das Gesellschaftspferd nur herumstehen, während man seine ganze Aufmerksamkeit dem Reitpferd widmet. Das ist auch für Pferde kränkend. Ein zweites Pferd bedeutet nicht nur mehr Arbeit, es bedeutet auch Beschäftigung mit dem Pferd.

Uta Over


Zum Wiehern!

Wenn einer eine Reise tut -

dann muss er auch verladen...


Wer verlädt da sein Pferd bei Nacht und Wind? Ein ängstlicher Reiter mit seinem Kind...

Ja, leider ist solch eine Szene schon längst keine Seltenheit mehr: Immer häufiger sieht man Reiter auf einsamen Plätzen, in stillen Gassen, auf kleinen Waldwegen und am liebsten bei Dämmerung ihre Pferde verladen. Nicht, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht - nein, es sind die rechtmäßigen Besitzer, die ihre Pferde ganz harmlos eine Strecke mit dem Hänger transportieren möchten, etwa zu einem Turnier, einem Ausflug oder vielleicht nehmen sie sie auch einfach mit in Urlaub.

Wer sich nun fragt, wozu dann wohl all diese Heimlichtuerei nötig sei, der möchte doch bitte einfach einmal versuchen, sein Pferd am helllichten Tag und in einem Reitstall zu verladen: Es wird ihm nicht gelingen, zumindest nicht friedlich.


Die Ankunft des Transportmittels

Die Schwierigkeiten offenbaren sich dankenswerterweise auch schon direkt zusammen mit dem Eintreffen des Hängers, und zwar in Form von ungefähr zwanzig hilfsbereiten Reitern (und wer Reiter kennt, weiß, dass sie in diesem Zustand am gefährlichsten sind!), welche in Gruppenarbeit versuchen, einem den richtigen Platz zuzuweisen. Eigentlich eine nette Idee, nur dass zwanzig wild fuchtelnde, gestikulierende und schreiende Menschen eigentlich gar nicht so hilfreich sind, wenn man rückwärts rangieren möchte. Doch man würde selbst dies noch in Kauf nehmen, wenn sie wenigstens versuchen würden, einen auf ein- und denselben Platz zu dirigieren - aber nein, natürlich hat jeder seine eigenen Vorstellungdavon, wo man am günstigsten stehen würde, und versucht, immerhin mit der Überzeugung, dass alle anderen Schwachsinn reden, sich durchzusetzen.

Schafft man es trotz dieser Hindernisse, den Anhänger auf einem einigermaßen guten Platz abzustellen, und war dabei sogar beherrscht genug, keinen der selbst ernannten Helfer zu überfahren, hat man das Schwierigste bei weitem noch nicht hinter sich.

Kaum dass man aus dem Auto ausgestiegen ist, hat auch schon jemand den Anhänger geöffnet, und eine Horde Reiter stürzt sich ins Innere, um den Anhänger erst einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Und das Ergebnis, welches man kurze Zeit später überreicht bekommt, fällt meist nicht sehr gnädig aus: Das Heunetz hing auf der falschen Seite und war zudem rot, wo doch nur ein grünes Heunetz ein Pferd während der Fahrt so richtig entspannen könnte, die Tür zu klein, die Plane zu groß.... nur mit Glück darf man sein Pferd überhaupt in diesen Abschaum von einem Hänger verladen.


Es wird ernst

Während man selber sich auf der Suche nach einem beruhigend grünen Heunetz befindet, kommt einem auch schon ein anderer mit dem eigenen Pferd entgegen - alles nur eine Geste der Hilfsbereitschaft. Nach einiger Diskussion darf man sein Pferd dann meistens doch noch selber zum Hänger führen, und jetzt, da das Pferd schon mal da ist, kann man es ja auch gleich verladen, auch wenn man vorher eigentlich noch tausend andere Dinge erledigen wollte... Der Weg zum Anhänger ist dann auch leicht zu finden, schließlich stehen alle Anwesenden gespannt Spalier, und genau dies ist auch der Augenblick, in dem jedes noch so verschlafene Pferd merkt, das hier irgendetwas nicht stimmen kann. Von überall her kommen gute Tipps, einem selber wird auf die Schulter getätschelt, und auch das Pferd wird im Vorbeigehen gestreichelt. Diese ganzen mutmachenden Gesten überzeugen schließlich das Pferd, dass es eigentlich nur noch zum Schlachter gehen kann - und so stoppt es dann auch vernünftigerweise ab und weigert sich, auch nur einen Huf in den Hänger zu setzten. Und ab dem Moment, da das Pferd zögert, hat man nicht mehr die Zeit „Nein, bloß nicht, mein Pferd kriegt Panik“ zu sagen, bis auch schon die Longe eingehakt wird und versucht wird, das Pferd mit dieser Hilfe von hinten in den Hänger zu schieben. Dies klappt nicht, das Pferd bekommt Panik, reißt sich los, springt durch den Stall, die Verfolgung wird von zwanzig hilfsbereiten Reitern aufgenommen und endet mit einem nun gänzlich verstörten Pferd.

“Oh, da fällt mir ein, das Turnier findet ja erst übermorgen statt - das ist mir jetzt peinlich, doch heute muss mein Pferd gar nicht verladen werden“ ist der einzige Ausruf, der einen hier noch retten kann. Und wenn man klug ist, kommt man später wieder, wenn sich die Nacht langsam über den Stall senkt, und verlädt sein Pferd auf einem abgelegenen Waldweg ...

Katinka Schnitker


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