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Hengste reiten - Clickertraining - Fliegenschutz - Snobismus im Reitsport - Zum Wiehern!


Equikids 07/2012


Hengste reiten – ein Problem?

Teil II: Besonderheiten unter dem Sattel


a) beim Training
Viele Hengste gehen gerne in Aufrichtung und bieten dem Reiter diese Haltung bereits zu Beginn einer Trainingsstunde an. Es sei davor gewarnt, in eitler Wonne dieses Angebot anzunehmen. Ohne sinnvolle Aufwärmgymnastik kann auch ein Hengst nicht lernen, sich zu entspannen, loszulassen und durchlässig zu werden. Wer sich daran freut, mit welch beeindruckendem "Beineschmeißen" sein Hengst vom ersten Moment an die Zuschauer begeistert, sollte sich einmal fragen, wer eigentlich den Ablauf der Stunde bestimmt. Für ausnahmslos jedes Pferd ist es unabdingbar, sich auf Abruf unter dem Reiter entspannen zu können. Ein Hengst, der in Imponiergehabe seine Runden dreht, wird wenig Sinn haben für die Hilfen des Reiters. Ein genau durchdachter Trainingsplan, das Anfordern konzentrierter Mitarbeit ist umso wichtiger, je dominanter das Tier sich verhält. Arbeit und Freizeit müssen gerade bei einem Hengst klar abgegrenzt werden. Er muss lernen, dass während des Reitens, Longierens oder anderer Ausbildungsarbeit seine Hormone nichts zu sagen haben. Da wir von Deckhengsten sprechen, ist es besonders wichtig, dass auch die Anwesenheit von Stuten während des Trainings mit anderen Augen gesehen wird als beim Probieren oder Decken. Sofern dieser Hengst an der Hand deckt, empfiehlt es sich, hierfür nicht die Reittrense zu benutzen, da sie immer auch einen Duft rossiger Stuten annehmen und dadurch den Hengst beim Reiten ablenken würde. Ansonsten gilt für die Arbeit unter dem Sattel dasselbe wie für die Arbeit an der Hand. Die besonders fundierten Kenntnisse – in dem Fall der Reitkunst – sollten mit ausgesprochener Genauigkeit und Konsequenz angewandt werden.

b) beim Ausritt
- in der Gruppe
Ausritte nur mit Hengsten sind in der Regel unproblematisch, wiewohl bekannte Aversionen zwischen verschiedenen Tieren berücksichtigt werden sollten. Schwieriger wird es, wenn Stuten und Wallache mit von der Partie sind. Selbst der wohlerzogenste Hengst wird unruhig, wenn eine rossige Stute direkt vor ihm geht. Die Freiheit des Geländes tut ein Übriges. Einfacher ist es meistens, Hengste an der Spitze einer Gruppe gehen zu lassen. Da sie von erfahrenen Reitern gehandhabt werden, können sie dort eine Führungs- und Vorbildfunktion übernehmen. Grundsätzlich sollten sie natürlich jeden beliebigen Platz in der Gruppe akzeptieren. Wieweit man aber darauf bestehen kann, hängt ab vom Charakter des einzelnen Tieres und von der Reitkunst des Menschen in seinem Sattel. Einer beginnenden Wehrigkeit begegnet man am besten mit erhöhten reiterlichen Anforderungen.

- alleine
Allein mit einem Hengst ins Gelände zu gehen, setzt die gleichen Dinge voraus wie bei anderen Pferden auch. Ein Verhältnis von Vertrauen und Dominanz mit dem Reiter als Chef ermöglicht ungetrübte Ausrittfreude. Trotzdem empfiehlt es sich für den Hengstreiter, seine Augen besonders offen zu halten. In der Regel beobachten Hengste die Umgebung wachsamer als andere Pferde und nehmen daher auch mehr Dinge zum Anlass, sich ablenken zu lassen. Ihr Blickfeld reicht dabei – je nach Landschaftsstruktur – mehrere Kilometer weit. Auch ist die Erregbarkeit beim Passieren fremder Weidepferde bei Hengsten oft größer als bei Wallachen oder Stuten. Stimmen reiterliches Können und das Grundverhältnis von Mensch und Tier, sind aber auch diese Dinge kein Grund, Ausritte zu meiden.

c) auf dem Turnier
Relativ häufig begegnet man schon auf kleinen Turnieren Teilnehmern, die mit einem Hengst beritten sind. Warum auch nicht? Eine Grundvoraussetzung sollte allerdings sein, dass sie während der Veranstaltung ihre Hormone im Zaum halten und sich wie Reitpferde benehmen können. Wenig erfreulich – und leider gar nicht so selten – sind Bilder von Hengsten, die zunächst schreiend und tobend auf dem Hänger stehen, eine Stunde vor der Prüfung gesattelt, gezäumt und mit diversen Hilfszügeln versehen dort hinausgezerrt werden und kaum, dass man sie ein halbe Stunde im Galopp in die Runde gejagt hat, traut sich der Reiter auch schon, sich drauf zu setzen. Hat das etwas mit männlicher Ausstrahlung zu tun? Unterstreichen derartige Aktionen den Charme und die Ausstrahlung eines eleganten Hengstes? Manche Besitzer scheinen dieser Ansicht zu sein, denn je wilder und unkultivierter ihr Hengst, desto stolzgeschwellter ihre Brust. Tatsächlich zeugen solche Bilder lediglich von Unverstand und Inkompetenz aller beteiligten Personen.

Die Möglichkeiten nutzen
Hengste geraten unbestreitbar leichter in Interessenkonflikte als ihre Artgenossen anderen Geschlechts. Dem Reiter obliegt es, klare Abgrenzungen zwischen Zuchtgeschehen, Freizeit und Reiten zu vermitteln und für sich die volle Konzentration des Pferdes zu erlangen. Ist das erreicht, wird ein gekörter und leistungsgeprüfter Hengst seine in der Regel überdurchschnittliche Begabung in den Dienste eben dieses Reiters stellen. Mit männlichem Charme und Geltungsbewusstsein zeigt er im Viereck eine ganz besondere Ausstrahlung. Sein ebenfalls geschlechtsspezifischer Siegeswillen kommt dem guten Reiter im Springparcours oder in der Querfeldein-Strecke zugute. Von alleine aber kommt so etwas nicht zustande. Pferdeverstand und Reitkunst sind für Hengste mehr noch als für andere Pferde die Voraussetzung für Harmonie und Erfolg.

Ute Forler


Clickert doch mal!

Teil II


Grundlagen des Clickerns haben wir bereits in der letzten Ausgabe von Equikids besprochen. Nun wird es ernst!


So fängt man an/Methode 1

Das Ziel ist, dass das Pferd möglichst schnell versteht: „Ich soll etwas Bestimmtes tun, höre durch den Click, dass ich es richtig gemacht habe, und bekomme dann sofort etwas Leckeres.“

Das kann man auf zwei Arten erreichen. Die eine ist die Arbeit mit dem sogenannten target, also einem Ziel. Unangenehmerweise hat noch niemand ein passendes deutsches Wort dafür gefunden, das ähnlich kurzsilbig ist. Bleiben wir also bei der englischen Bezeichnung.

Das target sollte ein kleiner Gegenstand sein, den man in die Hand nehmen kann und der für das Pferd gut sichtbar ist, etwa eine hübsche Fliegenklatsche.

Der Lernvorgang ist folgender: Berührt das Pferd das target mit dem Maul, wird geklickt und sofort belohnt.


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Spielzeugklicker bekommt an in jedem guten Spielwarengeschäft, oft auch in Tierform. Aber man sollte einen möglichst einfach konstruierten und griffigen wählen und am besten gleich zwei bis drei (für jede Jackentasche einen) kaufen.

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Im nachfolgenden Text wird dieser Vorgang ab jetzt immer mit C/B bezeichnet.

Das Pferd berührt anfangs möglicherweise zufällig das target, wird aber dennoch belohnt. Man sollte es ihm einfach machen und das target so halten, dass es gut sichtbar und erreichbar ist. Dennoch gehört etwas Geduld dazu, denn manche Pferde begreifen den Zusammenhang erst nach zwei oder drei „Sitzungen“, müssen immer wieder darauf hingewiesen werden, während andere Pferde schon nach vier Mal C/B wissen, worum es geht, und das target nicht mehr aus dem Auge lassen.

Direkt während des C/B sollte man das target senken oder derart außer Reichweite des Pferdes nehmen, dass es sich einen Augenblick gedulden muss, um sozusagen einen neuen Anlauf zu nehmen – ein Augenblick der Ruhe, des Überlegens.

Hierbei kann man das Pferd am Strick nehmen, man kann es in einem umzäunten Raum frei laufen lassen oder sich hinter einen Zaun stellen, wenn es etwas drängelig ist.

Der nächste Schritt ist der, dass das Pferd dem target folgt. Man beschreibt vielleicht mit dem Arm einen ruhigen großen Bogen und achtet drauf, dass das Pferd diesem mit den Augen folgt. Hält man still, wird das Pferd das target berühren, wenn es die Methode begriffen hat, und sofort erfolgt C/B.

Nun kann man mit dem Pferd (vielleicht anfangs sicherheitshalber am Strick) spazieren gehen, indem man es mit dem target führt. Dabei lernt das Pferd beispielsweise spielerisch, auf die Körpersprache des Menschen zu achten: Es folgt dem target, erreicht es aber nicht. Der Mensch bleibt stehen und hält das target so, dass das Pferd es mühelos erreichen kann: C/B.

Pferde sind nicht blöd. Sie achten auf alles, was um sie herum passiert, also auch auf die Körpersprache des Menschen. In späteren Ausbildungsphasen werden sie allein auf die Körpersprache des Menschen hin stehen bleiben, wenn er stehen bleibt.

Dies ist die Vorübung für viele Aufgaben wie Verladen, über die Wippe oder Plastikplanen oder vorbei an „gefährlichen“ Gegenständen gehen, denn der Clicker schafft Vertrauen.


Methode II

Bei einem schon ausgebildeten Pferd beginnt man mit einem Kommando, welches das Pferd schon kennt. Vielleicht kennt das Pferd das Kommando „Rum“ zum Zur-Seite-Treten.

Dieses Kommando kann man geben und gleichzeitig eine entsprechende Handbewegung dazu machen. Also beispielsweise die Hand in Höhe der Hinterhand halten und das Pferd auch mit dieser Bewegung zum Rumtreten auffordern.

Sowie das Pferd das tut: C/B.

Das Pferd wird anfangs erstaunt sein, den Zusammenhang aber sehr schnell begreifen.

Nur sollte man sich davor hüten, diese Methode jetzt bei jeder Kleinigkeit anzuwenden, sondern man sollte bewusst an einen Ort, vielleicht einen Auslauf oder einen Reitplatz gehen und systematisch „arbeiten“. Sonst denkt das Pferd, für jedes gehorsam ausgeführte Kommando gibt es was, und das ist nicht der Sinn der Sache.

Über diese Verknüpfung von Anforderung, Gehorsam und sofortiger akustischer und futtermäßiger Belohnung lernt das Pferd auch neue Dinge schneller als über den reinen Gehorsam, weil es eben durch die Aussicht auf ein Leckerli motiviert ist.

Es lernt, den Ausbilder genauer zu beobachten, so dass dieser bald mit reiner Gestik von dem Pferd die unterschiedlichsten Dinge verlangen kann.

Wie die Methode verfeinert angewendet wird und was man damit alles machen kann, wird in der nächsten Ausgabe beschrieben.

Uta Over


Sommerliche Plagegeister:

Der richtige Fliegenschutz


Wer kann schon Fliegen leiden.... niemand! Außer den Vögeln und Fröschen, die sich u.a. von ihnen ernähren. Ansonsten fragt man sich, wozu die gut sein mögen...

Auf jeden Fall sind sie für uns Menschen und die meisten Tiere eher von Schaden als von Nutzen.


Fliegen als Krankheitsüberträger

Die Vorstellung, dass die Fliege, die sich gerade auf den Kaffeetassenrand setzt, vorher auf einem Hundehaufen gesessen hat, ist Ekel erregend.

Und es ist gefährlich. Denn winzige Keime, mit dem bloßen Auge gar nicht wahrnehmbar, werden von den Fliegen weiter getragen.

Tiere erkennen das instinktiv und wehren sich gegen die Fliegen. Hunde schnappen nach ihnen und  Pferde zucken mit der Haut, wedeln mit dem Schweif und stellen sich so, dass sie den Fliegen möglicht ausweichen können.


Einfachster Schutz: Fliegendecken und –netze

Fliegen sind eine Plage und lassen Pferde auch auf der Weide nicht zur Ruhe kommen. Als ersten Schutz kann man den Pferden eine netzartige Fliegedecke überlegen. Sie sollte aus Synthetik und so feinmaschig sein, dass die Fliegen nicht durch die Löcher kommen.

Natürlich sind dadurch die Beine und meistens auch der Bauch nicht geschützt – aber es ist „schon mal was“, denn die Fliegen landen meistens von oben.

Wichtig sind auch Fliegennetze über den Augen. Für viele Reiter sind sie beim Ausritt oder bei der Arbeit eine Selbstverständlichkeit, weil es ihnen lästig ist, wenn ihr Pferd mit dem Kopf schlägt. Viel wichtiger sind sie jedoch auf der Weide, wo die Pferde den Kopf beim Grasen  gern ruhig halten möchten (sonst können sie ja nicht fressen).


Antifliegenmittel


Fliegensprays:

Mittlerweile gibt es eine Vielfalt von Fliegensprays für Pferde. Seit Jahrzehnten werden sie getestet und verbessert, und man kann ohne weiteres davon ausgehen, dass sie durchweg wirksam sind – sind sie es nicht, sind sie schnell vom Markt, denn ein unwirksames Fliegenspray kauft sich jeder Pferdebesitzer nur einmal. Und der Markt ist hart umkämpft.

Wenn man sich kein fertiges Spray, sondern ein Konzentrat kauft, muss man unbedingt das angegebene Mischungsverhältnis einhalten. Stärkere Konzentrationen als auf der Packung angegeben können massive Hautschäden verursachen. Bei Schimmeln und Füchsen – erfahrungsgemäß sind das die Pferde mit der empfindlichsten Haut – sollte man möglichst niedrig dosieren.


Selbst gemachte Anti-Fliegen-Mittel:

Manche Leute empfinden industriell hergestellte Anti-Fliegen-Mittel als „chemische Keule“ und mischen im Eigenverfahren ätherische Öle zu einem Fliegenabwehrmittel zusammen. Da werden die tollsten „Rezepte“ ersonnen und gedankenlos weitergegeben.

Man kann nicht genug davor warnen. Denn so „natürlich“ ätherische Öle auch sind, sie sind auch aggressiv, können allergische Reaktionen und bei starker Sonneneinstrahlung Verbrennungen hervorrufen.

Hinzu kommt, das sich diese Mischungen selten fein dosieren lassen. Die ätherischen Öle sind meist so dickflüssig, dass sie auch in großer Verdünnung innerhalb kürzester Zeit die Sprühköpfe der Sprühflaschen verstopfen. Und wenn man sie mit einem Lappen o. Ä.. aufträgt, kommen sie in Berührung mit der Haut.


Sprühen oder auftragen?

Sprühen ist in jedem Fall besser, denn auch das mildeste Antifliegenmittel ist aggressiv. Daher sollte es so wenig als möglich mit der Haut in Kontakt kommen. Die feine Sprühwolke bleibt auf dem Fell liegen – das reicht zur Fliegenabwehr.

Leider haben viele Pferde Angst vor der Sprühdose. Oft hilft es aber schon, wenn man statt der fertigen Sprühdose einen einfachen Pumpsprüher benutzt – das Geräusch ist nicht so pfeifend und wird von manchen Pferden eher akzeptiert.

Manchmal hilft es auch, einen Wasserhahn platschend laufen zu lassen, während man sprüht – das Geräusch überdeckt das unangenehme Sprühgeräusch.

Ist das nicht der Fall, muss man das Mittel am besten mit einem weichen Schwamm auftragen. Das ist natürlich nicht sehr ökonomisch, denn man muss das ganze Fell fein benetzen. Das bedeutet, dass der Schwamm oder das Tuch gut getränkt sein müssen und ein großer Teil der

wertvollen Flüssigkeit verloren ist; eine teure Angelegenheit.

Als Schutz um die Augen kann man Fliegenstifte benutzen, die es im Handel gibt. Aber Vorsicht – sie dürfen nicht allzu fetthaltig sein, denn das Fett schmilzt in der Sonne und das in den Stiften enthaltene Antifliegenmittel ist ausgesprochen aggressiv, wenn es den Pferden in die Augen kommt.

Sicherer ist es, ein kleines Schwämmchen mit etwas verdünntem Antifliegenmittel zu tränken (Verdünnt deshalb, weil die Augenpartie unbehaart ist) und die Augenpartie damit vorsichtig abzuwischen.

Wenn man regelmäßig Antifliegenmittel benutzt, sollte man die Pferde ab und an waschen, damit die Haare wieder frei werden.

Übrigens sollte man Antifliegenmittel grundsätzlich nicht im Stall auftragen. Hier reichert sich die Luft mit den chemischen Zusätzen an, was zu Atembeschwerden führen kann.

Antifliegenmittel also nur im Freien verwenden!


Knoblauch hilft nicht nur gegen Vampire

Knoblauch ist ein gesundes Zusatzfutter und hilft auch gegen Fliegen. Man muss den Pferden keineswegs so viel füttern, dass man sich in ihrer Nähe die Nase zuhalten muss – Fliegen haben ein empfindlicheres Geruchsorgan und meiden „knoblauchverseuchte“ Pferde schon früher. Viele Pferde fressen klein geschnittenen Knoblauch nach einer vorsichtigen Eingewöhnungszeit ohne weiteres im Kraftfutter. Mittlerweile gibt es aber auch Knoblauchpräparate als Zusatzfutter speziell für Pferde.


Fliegen im Stall

Im Stall sind die Pferde den Fliegen relativ hilflos ausgeliefert, weil sie dort nicht weglaufen können. Hektisches Schweifschlagen und Kopfschütteln zeigt ihr Unbehagen an.


Dunkle Ställe:

Pferde brauchen Licht und Luft zum Leben. Im Sommer jedoch ziehen sie einen dunklen luftigen Stall oft der freien Natur vor. Denn Fliegen mögen keine Dunkelheit. Wer seinem Pferd also im Sommer einen frei zugänglichen dunklen Offenstall bieten kann, wird erleben, dass es ihn stundenweise gern aufsucht, um dort von den Fliegen ungestört zu dösen.


Den Stall aussprühen:

Sprühmittel sollte man im Stall nur dann verwenden, wenn die Pferde nicht drin sind. Das gilt für aufs Fell aufgetragene Antifliegenmittel ebenso wie für Fliegenvernichtungsmittel, die man auf die Wände sprüht. NIEMALS sollte man die Einstreu besprühen, denn die Pferde liegen in ihr – es kann zu Hautreizungen und schweren Augenentzündungen kommen – und sie knibbeln daran.

Fliegenvernichtungsmittel sprüht man, bevor man den Stall reinigt. Nachdem das Mittel gewirkt hat, nimmt man die gesamte Einstreu raus, denn in ihr liegen die toten Fliegen, und desinfiziert den Stall gründlich.


Antifliegentafeln

Fliegen fühlen sich von der Farbe gelb angezogen. So gibt es für Großtierställe im Landhandel mit Vernichtungsmittel getränkte gelbe Farbtafeln und breite Bänder, die man im Stall  (bitte unerreichbar für die Pferde!) aufhängen kann. Das Kontaktgift lässt die Fliegen relativ schnell sterben.


Fliegenvorhänge

Die bekannten Plastikvorhänge vor Offenställen halten auch Fliegen und Mücken fern. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Stall innen sauber ist, sonst setzen sich die Fliegen innen auf die Plastikvorhänge - und das ist ja nicht der Sinn der Sache.


Der Misthaufen

Er sollte möglichst weit entfernt vom Stall errichtet werden und wenn irgend möglich so, dass der Wind nicht vom Misthaufen in Richtung Stall weht. Ein ordentlich aufgestapelter Misthaufen zieht wenig Fliegen an. Dennoch ist es manchmal sinnvoll, den Misthaufen mit einem Hauch Kalk zu überziehen – das mögen die Fliegen gar nicht.


Hygiene


Im Stall:

Sie erschöpft sich nicht darin, täglich gründlich auszumisten und gut zu lüften. Auch die Futtergefäße müssen täglich sauber ausgespült werden. Futtermittelreste – schon gar feuchte – sind eine herrliche Speise und eine prima Eiablage für die Fliegen.


Auf der Weide:

Wenn irgend möglich, sollte man die Weide regelmäßig absammeln. Natürlich ist das auf riesigen Weiden problematisch bis unmöglich. Auf derart großen Weiden haben die Pferde aber auch ausreichend Platz, die Geilstellen zu meiden. Von diesen sollte man aber doch den Kot entfernen und die Geilstellen regelmäßig ausmähen.

Wie wichtig das ist, zeigt uns schon die Tatsache, dass früher auf den großen Weiden von Trakehnen den ganzen Tag lang ein Lehrling mit einem von einem Esel gezogenen Karren herumfuhr und den frischen Kot absammelte. Man wusste schon, warum man das tat...

Das Abziehen der Weide nach der Weidesaison ist eine Unsitte, die die Fliegeneier und die Würmer im Kot nur schön regelmäßig auf der Weide verteilt.

Auch sollte man niemals ein Pferd allein auf die Weide stellen. Zwei können sich schon Kopf an Schweif stellen und sich gegenseitig die Fliegen vertreiben – ein Pferd allein kann das nicht.


Am Pferd:

Verschwitzte Pferde sollten gründlich mit lauwarmem Wasser abgewaschen werden. Shampoo ist keineswegs notwendig, es zerstört eher den Schutzmantel der Haut. Reichlich lauwarmes Wasser, dem man zum Schluss einen Schuss Apfelessig beigibt, tut gute Dienste.

Pferde, die unter der Abschwitzdecke abschwitzen müssen, neigen dazu sich zu schubbern, weil die Poren durch den Schweiß verstopft sind. Durch das Schubbern entstehen kleinste Wunden, die aber eine große Anziehungskraft auf Fliegen ausüben. Das Abwaschen ist dem Abschwitzen-Lassen also in jedem Fall vorzuziehen (auch wenn es etwas mehr Zeitaufwand ist....).


Bei Wunden:

Fliegen lieben Wunden und Entzündungen. Darauf können sie sich prima niederlassen und die Wundsekrete saugen und schlimmstenfalls sogar ihre Eier in die Wunden legen.

Bei verletzten Pferden, die draußen sind, ist also unbedingt darauf zu achten, dass keine Fliegen an/in die Wunden kommen. Das kann man mit einem entsprechenden Verband verhindern oder mit Inal-Salbe (Tierarzt), die man eng um die Wunde streicht. Inal-Salbe enthält fliegenabwehrende Stoffe.


Kann man Fliegen nicht ausrotten?

Nein, denn erstens sind die Insekten gegenüber allen anderen Tieren in der Überzahl und äußerst anpassungsfähig und zweitens sind sie ein Teil der Nahrungskette (wenn auch nicht unserer...).

Wir müssen also mit ihnen leben und sie so gut wie möglich aus unserer Umgebung vertreiben.

Uta Over


Die Geldfrage – Snobismus im Reitsport


Wenn über das Thema Reiten gesprochen wird, hört man viel von der Harmonie zwischen Mensch und Tier, der besonderen Freundschaft, die sich zu einem Pferd entwickeln kann, dem letzten Ausritt, der letzten Reitstunde oder auch dem letzten Turniererfolg. Das also scheint Reiten auszumachen: hohe moralische Werte, die Liebe zu Tieren und Sport.

Das Pferd scheint dabei immer im Vordergrund zu stehen, und wenn einige ständig über den Preis ihres neuen Sattels, der neuen Luxusreithose und der farblich passenden Satteldecke reden, werden sie schnell als oberflächliche Angeber abgestempelt. Obwohl dies in vielen Fällen zutreffen mag, muss man sich fragen: Welche Rolle spielt das Geld denn nun wirklich im Reitsport?


Unterschiede sind schnell zu erkennen

Die finanziellen Unterschiede zeigen sich oft schon bei den Anfängern, denn während einige in Jeans und Gummistiefeln in der Stallgasse stehen, erscheinen andere in guten Reithosen und Lederreitstiefeln zu ihrer ersten Longenstunde. Diese Unterschiede bleiben oft auch noch später bestehen; hier geht es dann um eigenes Zubehör oder die Ganzlederbesatzreithose. So kann sich mit der Zeit im Stall eine regelrechte Klassengesellschaft entwickeln, und umso länger man dabei bleibt, umso drastischere Ausmaße kann sie annehmen, spätestens bei der Frage nach dem eigenen Pferd.

Nun ist es selbstverständlich, dass bessere Kleidung und Ausrüstung noch lange keinen besseren Reiter ausmachen, doch kann man Geld und Können in der heutigen Zeit noch klar voneinander trennen? In vielen Fällen leider nicht!


Wie sehen die Möglichkeiten aus?

Schon normale Reitstunden sind ganz schön teuer. Und obwohl die meisten, die ihr Pferd halbwegs kontrolliert in der Abteilung traben und galoppieren können und zusätzlich noch ein paar Bahnfiguren beherrschen, meinen, nun schon ziemlich gute Reiter zu sein, gehört doch einiges mehr dazu.

Auch ein noch so guter Reitlehrer wird es kaum schaffen, jedem Mitglied einer fünf- bis fünfzehnköpfigen Abteilung innerhalb einer Stunde fortlaufend intensiven Unterricht zu erteilen. Ein weiteres Hindernis auf dem langen Weg zum guten Reiter stellen die Schulpferde dar, die meistens durch ihren trüben Alltag, in dem sie Tag für Tag die Fehler von neuen Anfängern ertragen müssen, schon völlig abgestumpft sind.

Auf ihnen kann man sich, anstatt sein reiterliches Können zu verbessern, schnell Unarten angewöhnen, die man dann auch nicht mehr so leicht los wird. Denn wer soll die so viel gerühmte „weiche Hand“ ausbilden, wenn die Pferde ein derart hartes Maul haben, dass jeder Versuch durchzuparieren in ein „Wer kann stärker am Zügel ziehen“-Spielchen (in dem die Pferde übrigens eindeutig die besseren Chancen haben) ausartet. Auch die richtige Schenkeleinwirkung leidet, wenn das Antraben nur noch durch eine Mischung aus „wir treten dem Pferd mit den Hacken in den Bauch“ und  „wir schlagen mit einer Gerte auf das Pferd ein“ gelingt. Dass solch grobe Fehlschläge zum Thema Reiten, bei denen nur wenig an Harmonie zwischen Reiter und Pferd erinnert und die eher an einen Kampf einer gegen einen erinnern, von einigen Reitlehrern nicht nur nicht sofort unterbunden werden, sondern entweder resigniert hingenommen oder schlimmer: aktiv unterstützt werden, ist zusätzlich erschreckend.


Die Alternative

Natürlich bestehen in der Qualität der Reitstunden je nach Stall große Unterschiede. In einem Unterricht mit einer möglichst kleinen Abteilung, einem guten und bemühten Lehrer und Pferden, die regelmäßig Korrektur geritten werden, kann man sicher eine Menge lernen. Doch die sicherste Methode, irgendwann ein annehmbar guter Reiter zu werden, ist immer noch Einzelunterricht auf wirklich gut ausgebildeten Pferden. Hat der Reitlehrer die Chance, sich voll und ganz auf einen Schüler zu konzentrieren, können Fehler korrigiert werden, bevor man die Gelegenheit hat, sie sich anzugewöhnen. Auch ein gut ausgebildetes Pferd wird einem die eigenen Fehler vor Augen führen, denn fasst man solch ein Pferd beispielsweise zu hart am Zügel an, wird es der Hilfe entsprechend abrupt bremsen, was einen unvorbereiteten Reiter schon mal etwas aus dem Gleichgewicht bringen kann.

Diesen Luxus nun regelmäßig zu zahlen können sich leider nur wenige leisten.


Ein eigenes Pferd?

Wie ist es nun mit dem Traum vom eigenen Pferd? Auch hier ist eine gewisse Menge Geld Voraussetzung: Man muss den Anschaffungspreis aufbringen, monatliche Unterstellkosten, Hufschmied, Tierarzt, Zubehör, Versicherung usw. Zusätzlich sollten immer noch Reserven für den Notfall, etwa einen Klinikaufenthalt, vorhanden sein.

Preisunterschiede gibt es bei all diesen Punkten. Gerade bei der Unterbringung kann jemand, der auf  zwei Hallen, vier Reitplätze und ein Pferde-Solarium verzichten kann, einiges sparen; und auch die pferdefreundlichere Offenstallhaltung ist in der Regel noch um vieles billiger als die Boxenhaltung.

Aber wie man es auch dreht und wendet, um einen gewissen Mindestbetrag wird man einfach nicht herumkommen, wenn man sein Pferd anständig halten möchte.

Auch die Anschaffungspreise variieren stark, je nach Pferd, Rasse und Ausbildungstand.


Traurige Konsequenzen

Zieht man aus diesen Überlegungen jetzt die knallharten Konsequenzen, ergeben sich zwei Gruppen von Reitern: diejenigen, die viel Geld haben, deshalb einen relativ hohen Ausbildungsstand erreichen können und sich zusätzlich ein gut ausgebildetes Pferd leisten können – und diejenigen, die nicht so viel Geld haben und deshalb nicht so gut ausgebildet werden und die sich dann, wenn überhaupt, nur ein relativ schlecht bis gar nicht ausgebildetes Pferd leisten können.

Da ein schlecht ausgebildeter Reiter und ein schlecht ausgebildetes Pferd nun eine denkbar ungünstige Kombination darstellen, scheint sich die Behauptung „Reiten ist ein Sport für reiche Leute“ zu bewahrheiten.

Doch zum Glück bieten sich noch einige sinnvolle Alternativen.


Die Wahl ist entscheidend

Da wäre zunächst einmal Gründlichkeit bei der Wahl der Reitschule gefragt. Wer einfach mal die gelben Seiten aufschlägt und sich bei der ersten besten Reitschule anmeldet, braucht schon eine gehörige Portion Glück, um eine gute zu erwischen. Am besten nimmt man sich die Zeit, jede, die in Frage kommt, einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Ein guter Anhaltspunkt ist dabei schon mal der Allgemeinzustand der Pferde: Sind sie gepflegt und einigermaßen freundlich, oder sehen sie etwas vernachlässigt aus und legen die Ohren an, wenn sie einen potentiellen Reiter am Horizont erkennen? Auch die Unterbringung der Pferde sollte vernünftig sein. Besonders schön ist es, wenn auch den Schulpferden Weidegang ermöglicht wird, denn ein Pferd, das möglichst artgerecht gehalten wird, ist meist auch im Umgang und beim Reiten unkomplizierter. Nach diesem ersten Eindruck sollten sich eure Beobachtungen natürlich besonders auf den Unterricht konzentrieren. Von Reitlehrern, die nur gelangweilt in der Mitte stehen oder gerade ihr zweites Frühstück einnehmen, während sie per Handy in der Welt herumtelefonieren, ist direkt wieder Abstand zu nehmen. Auch die Qualität dessen, was der Lehrer sagt, muss bewertet werden: Beschränken sich seine Korrekturen auf „sitz gerade“ und „Hacken nach unten“, oder korrigiert er auch wirklich die Hilfen, die man gibt und erklärt das Gesagte auch? Besteht die Abteilung die gesamte Stunde lang, oder nimmt er sich die Schüler auch einmal alleine vor?

Um das alles beurteilen zu können, schaut man sich am besten eine Stunde mit schon fortgeschrittenen Reitern an, da Anfängerstunden einfach noch nicht allzuviel hergeben. Werden die Pferde Korrektur geritten, ist dies ein weiterer großer Pluspunkt. Auch Angebote wie Springkurse, regelmäßige Ausritte oder theoretischer Unterricht machen eine Reitschule gleich noch einmal etwas interessanter.


Ein Kompromiss ist möglich

Nun wird man nur selten den perfekten Stall finden, der dies alles in sich vereint; doch sollte man sich bemühen, den besten aus seiner Umgebung herauszufinden. Dabei gibt die Qualität des Unterrichts letztendlich den entscheidenden Ausschlag.

Reitet man schon länger in einem Stall und muss feststellen, dass dieser keine dieser Kriterien erfüllt, sollte man einmal ernsthaft über einen Wechsel nachdenken.

Oft kann einen auch eine Einzelstunde alle zwei Wochen weiterbringen, als jede Woche eine Abteilungsstunde.


Die Voraussetzungen müssen stimmen

Bevor man überhaupt über ein eigenes Pferd nachdenkt, muss erst einmal eine ganz andere Voraussetzung geschaffen werden als das nötige Geld. Man muss nämlich, auf welchem Wege auch immer, einen Ausbildungsstand erreicht haben, der es einem ermöglicht, ein Pferd zu kontrollieren! Das heißt, man muss grundsätzliche Dressurlektionen beherrschen, außerdem muss man einen sicheren Sitz und eine ruhige, unabhängige Hand haben. Und dahinter stehen mit Sicherheit einige Jahre intensiver Übung.

Auch das Pferd muss zumindestens eine gründliche Grundausbildung hinter sich haben, denn unausgebildete Pferde gehören ausschließlich in die Hände wirklich erfahrener und guter Reiter (übrigens ist man nach einem Jahr Reitschule kein erfahrener und guter Reiter). So ausgebildete Pferde können aber, wenn man keinen Wert auf das Prestige einer bestimmten Rasse legt, durchaus erschwinglich sein.


Geld ersetzt nicht alles

Diese Kombination, die zwar auch teuer genug ist, aber keine abstrakt hohen Geldsummen verschlingen muss, kann durchaus sehr glücklich miteinander werden. Allerdings muss auch hier eine vernünftige Ausbildung fortgesetzt werden.

So kann ein ehrlich erarbeiteter, korrekt gerittener Zirkel zu einem weit größerem Erfolgserlebnis werden als der Turniererfolg eines Reiters, der auf einem teuren Pferd sitzt, auf dem auch noch dreimal in der Woche ein Bereiter seine Arbeit tut. Denn um ein guter Reiter zu werden, ersetzt kein Geld der Welt Talent, echte Bemühungen und jahrelanges Üben.

Geld kann einem den Weg also ebnen, aber es wird ihn nicht für einen gehen - und umgekehrt erschwert ein Mangel an Geld den Weg zwar erheblich, aber mit viel Einsatz und der beharrlichen Suche nach guten Möglichkeiten kann man ihn dennoch bewältigen!


Ein Wort zu den „Glücklichen“

Gerade diejenigen, die von klein auf mit allen Mitteln gefördert wurden, sollten jeden Morgen einmal kurz „danke“ sagen und ansonsten die Klappe halten. Snobismus ist gerade im Reitsport nicht angebracht. Reiterliches Können beruht in den meisten Fällen eben nicht auf einem außergewöhnlichen Talent oder macht einen zu etwas Besserem, sondern begründet sich nur in der gegebenen Möglichkeit, es zu erwerben!

Dass der Reitsport so mit dem Geld steht und fällt, ist traurig genug. Da sollten doch wenigstens die Reiter untereinander zusammenhalten und sich lieber unterstützen, als auch noch arrogantes Verhalten an den Tag zu legen.

Katinka Schnitker


Turniere – Sammelstationen für reiterliches Können


Ist es nicht einfach phantastisch, so ein Turnier? Endlich hat auch der minderbegabte Reiter die Gelegenheit, schon durch bloßes Zuschauen ein wenig mehr Reitwissen mit nach Hause zu nehmen.

Manche Reiter maßen sich doch tatsächlich an zu behaupten, man könne auch ohne Turniere gut reiten lernen; dabei sollte es doch inzwischen bekannt sein, dass man sich überhaupt erst Reiter nennen darf, nachdem man sich an den Besten der Besten gemessen hat.

Gerade auf den kleinen Stall- oder Vereinsturnieren tummeln sich wahre Reitgiganten, ob Dressur, Springen oder Western, überall werden einem ehrfurchteinflößende Darbietungen geboten:


Dressur

So sieht man Pferde, die den Kopf stolz in den Himmel erheben und elegant den Rücken nach unten drücken, während der Reiter, welcher schließlich durch die bloße Teilnahme an einem Turnier schon in die Profiliga aufgestiegen ist, sich sensibel und einfühlsam am Zügel festhält und dem Pferd mit einem nur ganz wenig verkrampft wirkenden Lächeln völlig taktklar in den Rücken fällt. Dabei reiten die beiden die grandiose Dressurlektion eines Zirkels im Trab, wobei sich das Pferd als gehobenen Schwierigkeitsgrad in der Kurve nicht biegt.


Springen

Woanders scheinen die Pferde jeglichen Kontakt zum Erdboden zu verlieren, wenn sie nach den vorgeschriebenen drei Anläufen über schwindelerregende 25 cm fliegen und dies nur dank der unglaublichen Hilfestellung des Reiters, der auch während des Sprunges nie vergisst, sein Pferd zu bremsen. Der Landung folgt dann eine sofortige Wiederherstellung des Kontaktes zwischen Pferderücken und Reiterhintern, welcher ein stilvoller freier Fall des Reiters vorausgeht.


Western

Auch kleine Westernturniere, deren Teilnehmer aufgrund ihrer hervorragenden Kostüme von jedem Indianer unverzüglich angegriffen würden, erzeugen bei den Teilnehmern einen unwahrscheinlichen Leistungsdruck, und nur diejenigen, die hier zu den Allerbesten zählen und allen Anforderungen gerecht werden, dürfen im nächsten Jahr an schwierigeren Disziplinen teilnehmen....etwa an Ponyspielen.


Die Aufmachung

Doch wer denkt, die Prüfungen wären das Wichtigste an einem Turnier, der war allem Anschein nach noch nie vor einem Turnier in einem Stall, denn hier spielt sich das wirklich Wichtige ab, hier wird geschrubbt, geputzt und geflochten, was das Zeug hält. Glänzende Stiefel und weiße Reithosen flitzen in großen Abständen um Dreckhaufen und Matschpfützen, Westernhüte werden entstaubt und Rädchensporen poliert. Hier scheint der alte Spruch zur Geltung zu kommen: Legst aufs Aussehen Du Gewicht, kümmert Deine Reitkunst nicht!


Und das Wichtigste:

Das Wichtigste an jedem Turnier sind natürlich die Schleifen, denn sie sind schließlich der Beweis für das, was man selber schon lange geahnt hat: Man ist ein wirklich überragend guter Reiter. Da bleibt einem nur noch zu sagen: Schleife an die Wand hängen und die nächste Reitstunde absagen!

Katinka Schnitker



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