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                Equikids - Ausgabe 07/2010


Turniersport/Training - Kitzlige Pferde - Fliegenplage - Pferde vermenschlichen? - zum Wiehern


* Das Turnier ruft!

Teil III - Vorbereitendes Training

Wenn die Entscheidung gefallen ist, welches Niveau bei dem Turnierstart angestrebt werden soll und wann die Höhepunkte der Saison sein sollen, lassen sich relativ leicht auch die Trainingsschwerpunkte festsetzen.
Grundsätzlich ist es wichtig, sich und seinem Pferd eine ausreichende Dauer bei der Vorbereitungszeit zuzugestehen. Hopplahopp-Aktionen mögen vereinzelt Erfolge bescheren, sind aber eher fragwürdig und haben wenig Aussicht auf dauerhaften Erfolg.

Haltungsform berücksichtigen
Grundsätzlich spielt es beim Training und der Konditionierung des Pferdes eine nicht unbedeutende Rolle, in welcher Weise es gehalten wird. Als einfache Regel könnte man sagen: Je bewegungsärmer die Haltungsform, desto größer der Trainingsaufwand. Pferde, die in Einzelboxen gehalten werden, sollten entweder zweimal am Tag bewegt werden oder zusätzlich zum stundenweisen Weidegang auch noch gearbeitet werden. Pferde, welche nur nachts in die Box kommen und sich den ganzen Tag innerhalb einer Gruppe frei bewegen können, haben schon eine bessere Ausgangsbasis für den relativ schnellen Aufbau der notwendigen Turnierfitness. Die beste Grundkondition haben ohne Zweifel Pferde, welche sich in einem relativ großen Raum gemeinsam mit Artgenossen ganztags frei bewegen können. Wenn dabei auch noch gezielt längere Wege zwischen Futter- und Tränkstelle angelegt sind oder die Weide/der Paddock gar hügelig ist, sind solche Pferde im Prinzip schon optimal vorbereitet was den Bewegungsapparat und die Atmung betrifft.

Vorsichtig vorbereiten
Bevor ein untrainiertes Pferd (z.B. nach einer Winterpause) wieder ausgiebig geritten und gefordert werden kann, sollten wenigstens ein bis zwei Wochen Longenarbeit mit kurzen Reitphasen vorgeschoben werden. Je nach Dauer der "Auszeit" und vorherigem Trainingsstand des Pferdes baut sich die Kondition leichter oder weniger schnell wieder auf. Wenn das Pferd beim Longieren mit schwingendem Rücken und ohne große Schweißentwicklung eine Arbeitsstunde absolvieren kann, wenn es entspannt vorwärts-abwärts an seine Ausbinder herantritt (am besten: Dreieckszügel mit Spielraum zum Dehnen!), wenn es sich bei den zunächst kurzen Reprisen unter dem Sattel (oder ohne Sattel) auch unter dem Reiter loslässt und keine Probleme mit der Gewichtsaufnahem signalisiert, dann ist der Moment gekommen, ein gezieltes Turnier-Aufbautraining zu beginnen.

Gleiches Recht für alle!
Unabhängig von der gewählten Turnierdisziplin haben alle Pferde das Recht auf Abwechslung in ihrem Training und auch auf Ausritte. Kein ernst zu nehmender Springreiter reitet sein Pferde nur und ständig über Hindernisse. Kein guter Dressurreiter lässt die Pferde ihr Leben nur im Viereck verbringen. Kein verständiger Geländerreiter verzichtet auf Dressur- und Parcourstraining. Eine Trainingswoche kann demnach alles beinhalten von Bodenarbeit über Longe, entspanntem Ausritt und lösender Gymnastik bis zu ernster Dressur-, Spring- oder auch Geländearbeit.

Bekannt machen mit dem Unbekannten
Das immer neue Suchen und Besuchen fremder Umgebung, fremder Plätze und Hallen sowie das gemeinsame Reiten mit unbekannten Reiter-Pferd-Paaren ist eine äußerst sinnvolle Arbeit vor und auch noch während der Turniersaison. Z.B. kann man vielleicht zum Nachbarreitplatz hinreiten, dort ein paar Runden drehen und wieder heimkehren. Oder man sucht sich beim Ausritt bewusst solche Wege, bei denen mit vielen "Gefahren" zu rechnen ist, wie z.B. durch eine Siedlung mit vielen Hunden in den Gärten, oder dem Pferd unbekannte Waldwege, oder an Kuhweiden vorbei oder an einem Fußballplatz während dort ein Spiel ausgetragen wird, oder nach dem Regen einen Weg mit besonders vielen Pfützen, oder Waldwege mit tief hängenden Zweigen, usw. usw.. Natürlich kann niemand seinem Pferd schon vorher alles zeigen, was auf einem Turnierplatz evtl. auf es zukommen wird. Es ist unmöglich, ihm jede Form von Viereck, Parcours oder Geländestrecke vorweg bekannt zu machen. Aber darum geht es auch gar nicht. Bei all dem geht es einfach darum, dem Pferd klar zu machen, dass sein Reiter in jeder auch noch so ungewöhnlichen Situation bei ihm ist und auch weiterhin die Führung inne hat. Es geht darum, so viele Zweifel wie möglich auszuräumen, die das Pferd evtl. noch an der Souveränität seines Reiters hegen mag. Und wenn das an fast unzählbaren Situationen gefestigt wurde, bleibt in der Aufregung einer Turnierteilnahme dem Reiter immer noch genug an Überzeugungsarbeit zu leisten, um sein Pferd zu entspannter und optimaler Leistung zu motivieren.

Mit Abzügen rechnen
"Zu Hause ist er doch so toll gegangen!" - Dieser Spruch begleitet viele enttäuschte Turnierteilnehmer, wenn trotz aller Vorbereitung die Prüfung einfach nicht geklappt hat. Es ist einfach so, dass zu Hause eben doch immer noch alles einfacher ist. Ross und Reiter entwickeln bewusst oder unbewusst Nerven angesichts der Tatsache, dass es JETZT drauf ankommt. Wenn dann noch dazu kommt, dass der Prüfungsinhalt eigentlich schon die Grenze des Machbaren darstellt, wird es besonders schwer. Leichter wird es, wenn man sich für das Turnier einfach etwas vornimmt, dessen Bewältigung im Grunde locker "aus dem Handgelenk" geschafft werden kann. Wer Angesichts der Prüfung noch zittern muss, ob er wirklich die Schwierigkeiten bewältigen wird, läuft Gefahr, selbst einfache Dinge falsch zu machen. Im Klartext bedeutet dies: Wer z.B. A reiten will, sollte daheim dieses Niveau als leichte Aufwärmübung abhaken können und sich durchaus schon mit Höherem beschäftigen. Es bedeutet natürlich NICHT, dass beim Training über das leichte Niveau hinweggeschlampt wird, um sich "Besserem" zuzuwenden! Wenn das Pferd jedoch die Anforderungen, mit denen es auf dem Turnier konfrontiert wird, als stressfreie Vorarbeit einstuft, sind die Chancen auf einen fehlerfreien Auftritt vor den Richtern ungleich größer. Selbstverständlich kommt auch mal der Tag, an dem man es gerade auf dem Turnier auch einmal wissen will. Aber auch in dem Fall sind leichte Prüfungen, zum Einlaufen vorweg geschaltet, unbedingt zu empfehlen.

Ruhe vor dem Sturm
Wenn das Turniernäher rückt, ist es sinnvoll, das Training leicht zurückzufahren. Je anspruchsvoller die genannten Wettbewerbe, desto wichtiger ist es, die Kräfte des Pferdes vor der Veranstaltung zu schonen. Bei wirklich schweren Prüfungen sollte die letzte Trainingsspitze etwa zwei Wochen vor dem Turnier sein. Die folgenden Tage bis zum "Event" werden dann ausgefüllt mit durchaus längerer aber leichterer Arbeit, z.B. lange Schrittausritte, lösende Arbeit, konzentrierte Arbeit an leicht zu bewältigenden Aufgaben. Etwas anders sieht es aus, wenn ein Turnier leichteren Niveaus quasi als Trainingseinheit in die Entwicklung auf die große Prüfung hin in den Gesamtplan mit eingebaut wurde. In dem Fall kann und soll natürlich auch vor und nach der Veranstaltung ganz normal weiter trainiert werden.
Ute Forler


* Problempferde – "Kitzelige" Pferde

Teil II

Im ersten Teil dieses Themas ging es vor allem darum, welche Urängste hinter "kitzligen" Reaktionen eines Pferdes stehen. Neben diesen natürlichen Ursachen gibt es aber zum einen auch noch das "handgemachte" Problempferd, welches übertrieben empfindlich reagiert, und zum anderen instinktgebundene, kitzelige Reaktionen, die mit Angst nichts zu tun haben.

Kitzlig – made by Mensch
Wer hat es nicht selbst schon erlebt, am eigenen Leibe oder bei anderen unglücklichen "Opfern" spielerischen Neckens: Da wird mit spitzem Finger in die Rippen des Freundes oder der Freundin gepiekt, bis er oder sie mit spitzem Schrei zur Seite springt. Wen dieses Schicksal oft genug ereilt hat, der reagiert irgendwann bereits dann schon hysterisch, wenn jemand anderes mit dem Finger nur in die Richtung seiner Rippen zeigt. Konditionierung heißt das Wort für diese Verhaltensentwicklung.. Der pawlow`sche "Sabberhund" ist berühmt geworden, andere treibt eine solche, der tatsächlichen Ursache voraus eilende Reaktion in zunehmende Angst und Verkrampfung. Solche Menschen nennt man dann "kitzlig".

Wie der Mensch – so das Pferd

Genau wie der Mensch, der bereits bei Ansicht des spitzen Fingers zu quietschen beginnt, gibt es auch Pferde, für die allein der Anblick bestimmter Dinge genügt, eine der Ursache voraus eilende Reaktion zu zeigen. Das gilt für alle möglichen Situationen, aber eben auch für sogenanntes kitzliges Verhalten. Wer sein Pferd stets besonders vorsichtig und zart berührt, wer bei der ersten Bewegung des großen Tieres mit seiner Hand ängstlich zurückzuckt, provoziert schreckhafte und ungehaltene bis zornige Verhaltensweisen seines Pferdes. Je nach Heftigkeit der verursachenden Bewegung versucht dieses lediglich, eine Belästigung – ähnlich einer Fliege – los zu werden, oder aber es geht direkt zum Angriff über. All dies geht grundsätzlich nicht gegen den Menschen an sich. Es geht gegen diese seltsame oder unangenehme Berührung. Ein Pferd, welches sich dagegen wehrt, ist nicht notwendigerweise ablehnend gegen den Menschen eingestellt.

Ruhe, Entspannung, Berechenbarkeit
Wie wir unser Pferd haben wollen, so müssen als Erstes wir selbst ihm gegenüber auftreten. Ruhig und selbstsicher sollten wir zuerst mit der Stimme den Kontakt aufnehmen. Wenn wir das Tier berühren, sollen die Bewegungen sanft, aber fest, nicht kurz, sondern lang, nicht stupsend, sondern beruhigend sein. Stimme und Hand müssen "den gleichen Ton" treffen, mit dem das Pferd sich entspannen und uns vertrauen kann. In fast allen Fällen wird sich bei einem solchen Umgang auch die Kitzeligkeit legen.

Und wenn es trotzdem kitzlig bleibt?
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass der Begriff "kitzlig" eine völlige Fehlbezeichnung für eine aus Angst, Instinkten, Vorstellungskraft und Verkrampfung entstandene Hysterie ist. Dennoch muss ich zugeben, dass es tatsächlich Pferde gibt, welche ohne jedes Zutun und ohne irgendeine Provokation extrem sensibel auf Berührungen im Ellbogenbereich, an der Flanke oder auch an den Hinterbeinen reagieren. Wenn man das Wort "kitzlig" überhaupt verwenden möchte, dann bei diesen Tieren. Was jedoch nichts daran ändert, dass auch bei ihnen Abhilfe möglich ist, d.h.: Bei sinnvollem Umgang werden genau wie andere Pferde auch diese ihre Übersensibilität ablegen und sich entspannen können, unabhängig davon, welche Körperstelle gerade berührt wird.

Die Zwänge der Natur
Eine einzige Ausprägung sogenannter Kitzeligkeit lässt sich nicht abstellen, was auch immer man dagegen unternehmen möchte: Eine rossige Stute in Anwesenheit eines Hengstes sowie ein zum Deckeinsatz bereiter Hengst werden immer extrem reagieren auf Berührungen im Bereich der Flanke und der gesamten Hinterhand, vorwiegend im Kniebereich. Zwar liegt auch diesen Reaktionen eine gewisse Anspannung zugrunde, doch wird sie dieses Mal wahrhaftig nicht durch Angst hervorgerufen. Der Fortpflanzungstrieb elektrisiert die Hautsensoren. Das muss so sein, und da wollen wir uns auch gar nicht einmischen. Leider zeigen viele Stuten während der Rosse diese Überempfindlichkeit nicht nur in Anwesenheit eines Hengstes. Wem also beim Putzen der Flanke und des Knies seiner Stute dieselbe fast in den Schoß fällt, der sollte daran denken, dass sie wahrscheinlich mal wieder rossig ist. Aber auch blitzschnelle Hinterbeinaktionen weiblicher Tiere hängen oft genug mit der Rosse zusammen. In dem Fall hilft nur behutsame Rücksichtnahme, ein erhöhtes Sicherheitsbewusstsein des betreuenden Menschen sowie Hoffen und Warten auf das Ende der Rosse.

Ute Forler


* Fliegen, Mücken, Bremsen... die fliegende Plage!


Ist das nicht herrlich, so ein Nachmittag draußen mit den Pferden? Da sitzt man gemütlich neben ihnen auf der Weide und hört ihnen zu, wie sie Gras rupfen und es zwischen ihren Zähnen zermahlen; oder man reitet am Waldrand entlang und freut sich der Sonne und des schönen Wetters... und dann kommen sie an: Fliegen, Mücken, Bremsen, Gnitzen - brrr!

So schnell kann man gar nicht mit der Hand zuschlagen oder mit einem Tuch wedeln, wie sie einen überfallen! Eine Plage sind sie - und nicht nur für den Menschen, viel mehr noch für die Pferde, die ihnen draußen auf der Weide oft den ganzen Tag lang ausgesetzt sind.


Fliege ist nicht gleich Fliege

In Stallnähe und in Ausläufen sieht man meistens die Stubenfliege und den Wadenstecher, und der hat’s in sich: Er entwickelt sich im Pferdekot und saugt den Pferden beim Zustechen Blut ab. Das ist natürlich nicht angenehm und auch gesundheitsschädigend.

Auf Weiden leben hauptsächlich die Augen- und Kopffliegen. Sie sitzen bei den Pferden meist am Kopf und am Bauch, auch am Euter und den Geschlechtsteilen. Sie stechen nicht, aber sie lecken an kleinen Hautwunden, an der Nasenöffnung und am Maul und an den Augenwinkeln und infizieren dadurch winzigste Wunden.

Bremsen halten sich vorwiegend in Feuchtgebieten auf und können Pferde rasend machen. Die großen Pferdebremsen stechen schmerzhaft, und schon manches Pferd ist durchgegangen, wenn es von einer Bremse gestochen wurde. Nach dem Stich einer Bremse tritt oft ein Bluttröpfchen aus - und darauf setzen sich dann die Kopf- und Augenfliegen und haben eine gute Mahlzeit. Sie infizieren oft das Pferd mit irgendwelchen Krankheiten, die sie von anderen Tieren rüberschleppen.

Die Kriebelmücken sind verantwortlich für das Entstehen des Sommerekzems bei robust gehaltenen Pferden. Diese Pferde reagieren allergisch auf den Biss der Kriebelmücke; denn die Kriebelmücke hat in ihrem Speichel ein Gift, das die winzigen Gefäße um den Biss schädigt. Bei manchen Pferden führt das zu Entzündungen und zu einem Juckreiz, der quälend ist.

Fliegen sind auch Zwischenwirte für Magenwürmer und übertragen deren Larven.

Gefährlich sind sie also alle, die stechenden und saugenden Insekten, deshalb:

Dagegen muss man was tun!


1. Im Stall

Fliegen mögen es hell, in dunkle Ställe gehen sie nicht gern. Pferde aber brauchen Licht - doch gerade in der fliegenreichen Zeit kann man beobachten, dass sie gern einen dunklen Stall aufsuchen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben.

Selbstverständlich soll man Pferde den Sommer über nicht in dunkle Boxen sperren, das ist „voriges Jahrhundert“ - aber man soll ihnen die Möglichkeit geben, in einen kühlen, dunklen Stall zu gehen. Die Pferde merken am ehesten, wann die Fliegen weg sind, und gehen dann von selbst wieder auf die Weide oder in den Auslauf.

Sehr praktisch sind Plastikstreifen vor der Stalltür oder der Boxentür. Die Pferde können hinausgucken, aber es können nur ganz wenige Fliegen hinein. Die schmalen Plastikstreifen, die man vor Haustüren hängt, sind weniger geeignet - denn die Pferde spielen mit ihnen, und im Handumdrehen sind sie abgerupft... also lieber breite Plastikstreifen, die nicht so zum Spielen einladen.

Aber Achtung: Wenn Schwalben im Stall sind, müssen sie unbedingt einen Durchschlupf haben, sonst können sie ihre Jungen nicht versorgen! Irgendwo muss also ein schmaler Spalt offen sein; und man muss darauf achten, ob die Schwalben ihn auch benutzen.

Fliegenfänger im Stall sind - abgesehen davon, dass die Fliegen daran schrecklich lange sterben - abzulehnen. Zu schnell kommt ein Pferd mit dem Kopf oder eine Schwalbe mit dem Flügel daran...

Spinnenweben, die die meisten Leute aus Sauberkeitsgründen immer wieder wegfegen, kann  man aber im Sommer ruhig hängen lassen. Die Spinnen bauen sie ja, um Fliegen zu fangen!

Es gibt Streichmittel für die Wände, die aber nur von Erwachsenen angewandt werden sollten. Es ist ein dünn aufgetragenes Fraßgift, d.h. die Fliegen werden angelockt, fressen das Zeug und sterben ziemlich schnell.

Spray sollte man im Stall überhaupt nicht verwenden. Denn Spray wird durch Treibgas aus der Dose getrieben, und das reizt die empfindlichen Augen und Schleimhäute der Pferde und kann für die kleinen Schwalbenkinder tödlich sein.


2. Fliegenschutz im Freien

Wenn die Pferde unter Aufsicht sind, aber nicht geritten werden, hilft eine dünne Fliegendecke. Ganz empfindliche Pferde brauchen sogar einen Ohrenschutz, und zwar nicht gegen die Fliegen, sondern gegen die kleinen Gnitzen, die zwischen den feinen Haaren in den Ohren durchkommen.

Beim Reiten sollte man empfindlichen Pferden den Kopf schützen. Mittlerweile gibt es Fliegennetze für den Kopf in jeder Form und Farbe. Am sinnvollsten sind solche, die nicht nur die Augen schützen, sondern die bis auf die Nüstern gehen; denn die Fliegen setzen sich bei erhitzten Pferden gern auf den Nüsternbereich.

Bis zu einem gewissen Grad kann man das Pferd durch Eindecken schützen - aber beim Reiten kann man sein Pferd im Sommer ja nicht total einpacken. Hier muss man auf chemische Mittel zurückgreifen. Da gibt es zum einen die natürlichen Öle wie Zitronenöl, Nelkenöl und Lavendelöl. Sie alle kann man in der Apotheke, und sie halten Fliegen fern. Vorsicht: Ein Tropfen genügt für eine ziemlich große Fellstelle. Und man muss beachten, dass diese Öle ziemlich agressiv sind - am besten verdünnt man sie mit etwas Wasser, dann muss man sie aber vor jedem Gebrauch wieder aufschütteln.

Insekten mögen keine „saure“ Haut. So ist es gut, dem Pferd nach dem Reiten den Schweiß abzuwaschen und mit einer Essiglösung (ein kräftiger Schuß einfacher Obstessig in den Wassereimer, ein Viertelliter darf es schon sein...) nachzuspülen. Das macht die Haut im wahrsten Sinne des Wortes sauer, und das schmeckt den Insekten nicht.

Aber auch gekaufte Fliegenabwehrmittel sind nicht schlecht. Es gibt sie als Sprays oder als Lotion oder Gel. Was man nimmt, muss man ausprobieren. Wichtig bei allen ist, dass man sie in Augen- und Maulnähe vorsichtig aufträgt, denn sie dürfen nicht mit den Schleimhäuten in Berührung kommen. Also ein Sicherheitsabstand von Augen und Maul!

Manche Pferde reagieren auch allergisch auf Fliegenschutzmittel. Sie bekommen Juckreiz oder Rötungen auf der Haut, genau wie Menschen. Ein neues Fliegenschutzmittel sollte man daher erst auf einer Stelle ausprobieren.

Ewig hält ein Fliegenschutzmittel auf dem Fell natürlich auch nicht. Die meisten verlieren ihre Wirkung, wenn das Pferd schwitzt; denn der Geruch des Schweißes ist stärker als der des Schutzmittels. Also muss man immer mal wieder nachsprühen oder neu auftragen.


3. Fliegenschutz von innen heraus

Insekten mögen den Geschmack von Knoblauch und Vitamin B nicht. So kann man im Sommer gezielt Vitamin B zufüttern (vorher bitte den Tierarzt fragen) und einen Hauch Knoblauch übers Futter geben. Der Geruch beider Mittel wird über die Haut wieder ausgeschieden.

Vorsicht: Zuerst mögen die Pferde den Knoblauch gar nicht, daher muss man mit kleinen Mengen anfangen. Mit der Zeit gewöhnen sich die Pferde daran - und stinken nach Knoblauch. Das ist aber immer noch besser, als wenn sie von Fliegen und Mücken verfolgt und gebissen werden.

Mit dem gezielten Füttern von Knoblauch oder Vitamin B muss man früh genug beginnen, denn es dauert einige Wochen, bis der Geruch stark genug ist, dass er von den Insekten wahrgenommen werden kann. Dann aber bewahrheitet sich der alte Spruch: „Knoblauch ist gut gegen Vampire...!“


Wichtig in jedem Fall:

- Saubere Einstreu im Stall und gute Lüftung

- Pferde gut pflegen, Schweiß gleich abwaschen

- Pferde täglich kontrollieren - Insektenstiche können gefährlich werden

- Immer Fliegenschutzmittel zur Hand haben, am besten auch ein wenig auf den Ausritt mitnehmen.

Uta Over


* Zur Diskussion

Pferde vermenschlichen - harmloses Verwöhnen oder ernsthafter Fehler?


Wenn man sieht, wie Pferde umarmt oder geküsst werden, wie mit ihnen geredet wird wie mit einem Gesprächspartner und wie sie gleichzeitig interessante Beinamen wie etwa „mein süßes, kleines Goldstück“ erhalten, muss man sich damit nicht unbedingt identifizieren können - doch ist man schnell geneigt, solch ein Verhalten als harmlose Spinnerei abzutun.


Falsche Erwartungen

Viele Leute gehen mit falschen Vorstellungen auf die Reiterei und auf Pferde zu; sie erwarten, in dem Pferd einen treuen Freund wie etwa einen Hund zu finden, oder suchen Ersatz für Freunde, einige sehen in ihrem Pferd auch etwas, was ihr Leben vollständig ausfüllen kann. Diese hohen Erwartungen findet man auch in den meisten Pferdebüchern und Geschichten wieder. Dort wird oft eine extrem enge Bindung zwischen Pferd und Mensch beschrieben, in der das intelligente Pferd seinen Reiter völlig versteht, auf dessen Bitte jederzeit bereit ist, Hilfe zu holen, und man eigentlich nur noch darauf wartet, dass das Pferd selbst anfängt zu sprechen - natürlich nur um zu sagen, dass sein einziger Lebensinhalt darin besteht, jeden Wunsch dieses speziellen Menschen zu erfüllen.

Doch diese Vermenschlichung von Pferden, die in den Büchern meist zum erhofften Happy End führt, kann in der Realität einige Probleme mit sich bringen.

So kann man zu seinem Pferd eine gute und auch durchaus enge Beziehung aufbauen, und es kann eine schöne Bereicherung für das Leben darstellen, doch diese falschen und überzogenen Erwartungen wird es niemals erfüllen können.


In der Realität führt so ein Verhalten nicht zum „Happy End“

Natürlich merkt man im täglichen Umgang mit Pferden recht schnell, dass es nicht ganz so funktioniert wie in den Büchern; und niemand wird ernsthaft erwarten, dass ein Pferd aus Solidarität von anderen Menschen keine Mohrrübe annimmt oder aus purer Liebe zum Reiter ein Turnier gewinnt. Trotzdem richtet man schnell zu hohe Erwartungen an sein Pferd und gefährdet gerade so die Beziehung, die man zu einem Pferd aufbauen kann. Jeder Ärger und jede Strafe für eine für das Pferd eben nicht erfüllbare Erwartung kann zu einem Vertrauensbruch führen; dies zeigt sich gerade in scheinbar harmlosen Alltagssituationen.


Reden ist eigentlich sehr wichtig

Mit seinem Pferd zu reden ist nicht nur ganz nett, sondern in vielen Situationen sogar ausgesprochen wichtig. So ist die Sprache eine gutes Mittel, um ein Pferd zu beruhigen oder auch um es zurechtzurufen.

Reden an sich ist also eine prima Sache, kompliziert wird es erst dann, wenn man erwartet, dass das Pferd einen fast wörtlich versteht.

Nun werden viele sagen: Mein Pferd versteht, was ich will, wenn ich mit ihm spreche, und damit haben sie in gewissem Sinne ja auch recht. Meistens weiß ein Pferd sogar sehr genau, was man von ihm möchte; dies liegt aber hauptsächlich am Tonfall.


Der Ton macht die Musik

So kann derjenige, der gelangweilt ein Lob vor sich hinmurmelt, sicher sein, dass dieses nicht als Lob bei seinem Pferd ankommt. Ebenso wird ein schrilles und hysterisches „Ganz ruhig“ kaum den gewünschten Effekt erzielen, und ein gleichgültiges „Würdest Du jetzt bitte endlich von meinem Fuß runtergehen“ verspricht noch langes und recht unangenehmes Warten.

Erfreuen kann ich mein Pferd dagegen mit einem liebevollem Zitat aus der Fernsehwerbung und erschrecken durch eine wütende Zuneigungsbeteuerung.

Der richtige Tonfall ist also das Geheimnis - und nicht der Inhalt des Gesagten.

Hier haben wir dann auch schon das erste Problem mit dem Vermenschlichen: Ein Pferd wird gestraft, weil es offensichtlich ungehorsam ist - und dabei fehlte dem Verbot, den Führstrick zu frühstücken, einfach der Nachdruck, und so war es für das Pferd unverständlich. Oder ein Pferd wird als hysterisch abgestempelt, nur weil es der Stimme seines Menschen entnehmen konnte, dass hier anscheinend jede Menge Gründe vorhanden sind, um sich aufzuregen.

Liegt einem also daran, dass das Pferd versteht, was man von ihm will, muss man sich schon die Mühe machen, auf den entsprechenden Tonfall zu achten.


Kommandos wollen gelernt sein

Der andere Grund, warum Pferde einen „verstehen“, sind Kommandos, wie etwa „steh still“, „komm“ oder „Nein“. Auch hier wird anscheinend oft vergessen, dass Pferde eben keine Menschen sind und Kommandos erst lernen müssen. So ist „Halt“ zwar eigentlich ein schönes Kommando, doch Sinn macht es eben nur, wenn mein Pferd weiß, was ich mit diesem Kommando von ihm verlange.

Auch hier wird immer wieder gestraft, bevor man sich über das Verständnis des Pferdes sicher ist. Nun kann man sich leicht vorstellen, dass Pferde, die gar nicht verstehen, was man von ihnen will, die aber aufmerksam und bemüht sind und die dafür auch noch gestraft werden, kein besonders positives Verhältnis zum Menschen aufbauen können.


Man muss in der Lage sein, ein Pferd richtig zu deuten

Genauso schlimm ist es, wenn dem Pferd menschliche Eigenschaften angedichtet werden. So kann man zum Beispiel erschreckend oft beobachten, wie Pferde gestraft werden, weil sie sich erschrecken.

Fragt man hier nach dem Grund, hört man tatsächlich Sachen wie: „Ach, das macht es doch mit Absicht, dieses blöde Vieh will mich doch nur ärgern.“ Hier wird dem Pferd also unterstellt, dass es die ganze Sache mal gründlich durchdenkt und zu dem Schluss kommt, dass es den Reiter bestimmt ärgert, wenn es sich erschreckt – und der Reiter soll sich auch ärgern, weil er nämlich gestern zu wenig Futter gemacht hat, oder wie soll das bitte funktionieren?

Da fragt man sich doch wirklich, wo wir da hinkommen: Ein Pferd, das wohlgemerkt ein Fluchttier ist und seinen Instinkten folgt, wird dafür auch noch bestraft, und das, weil es angeblich aus Berechnung handelt, was es gar nicht kann und was die ganzen „Pferdeexperten“, die überall herumlaufen, eigentlich auch wissen sollten!

Und wenn ein Pferd etwas falsch macht, ist es so schön, einfach ihm eine böse Absicht zu unterstellen, bevor man sich fragen muss, was man selber falsch gemacht hat.


Ein Pferd braucht kein Sofa

Auch bei der Pflege und Haltung wird oft etwas vom Menschen auf das Pferd übertragen: Wie oft hört man Vorwürfe, wenn man sein Pferd in Offenstallhaltung hält. Entweder wird man direkt als Tierquäler abgestempelt, oder man hört ständig besorgte Fragen, ob das Pferd bei diesen Temperaturen denn auch nicht friert, ob es sich bei Regen denn nicht unwohl fühlt und so weiter.

Nur weil wir uns vielleicht in einer „gemütlichen“ Box mit einer schönen warmen Decke wohler fühlen würden als im Regen auf einer Weide, gilt das noch lange nicht für Pferde. Wenn man selber Einzelgänger ist, möchte das Pferd trotzdem Gesellschaft, und wenn einem selbst eine halbe Stunde Bewegung am Tag reicht, reicht es dem Pferd eben noch lange nicht.

Auch legt ein Pferd sicher mehr Wert auf einen schönen Apfel als auf ein besonders bunt geblümtes neues Halfter. Kauft man neue Zubehörteile, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man diese ausschließlich für sich selbst kauft.

Wenn ich mein Pferd glücklich machen möchte, muss ich seine Bedürfnisse von meinen unterscheiden und darf nicht meine Maßstäbe für sein Wohlbefinden anlegen.


Ein Pferd setzt eigene Prioritäten

Oft kann man auch beobachten, dass Menschen enttäuscht sind, wenn ihr Pferd, mit dem sie sich jeden Tag intensiv auseinandersetzen, trotz der Beziehung, die zwischen ihnen besteht, immer die Gesellschaft von anderen Pferden vorzieht. Hier muss der natürliche Herdentrieb der Pferde berücksichtigt werden. Leider meinen auch viele Menschen, wenn man sich nur intensiv genug mit seinem Pferd beschäftigt, bräuchte es keine andere Gesellschaft mehr; doch niemals wird ein Mensch die Anwesenheit von anderen Pferden ersetzen können, und diejenigen, die dies versuchen, werden zwar ein anhängliches Pferd haben, weil ihm die Alternative fehlt, doch werden sie nie ein glückliches Pferd haben – und jeder, dem etwas an seinem Pferd liegt, wird einsehen, dass dies kein guter Handel ist.


Nur verwöhnen bringt auch Probleme

Neben der ungerechten Strafe, die aus der Vermenschlichung entstehen kann, kann eben dies auch zu falschen Strafen führen. Wer einmal Pferde untereinander beobachtet hat, weiß, dass es bei der Festlegung der Rangordnung nicht gerade sanft zugeht. Wer also meint, es reiche in jeder Situation aus, das Pferd mit einer freundlichen Zurechtweisung unter Kontrolle halten zu wollen, der irrt sich. Wer nicht in der Lage ist, sein Pferd rechtzeitig in angemessene Grenzen zu weisen, wird sich ein Pferd heranzüchten, das so unerzogen ist, dass man ihm irgendwann nur noch mit Gewalt beikommt.

Leider ist so etwas oft zu sehen: Erst wird ein Pferd verwöhnt und kennt eigentlich überhaupt keine Grenzen, und wenn es dem Besitzer dann auf einmal reicht, wird das arme Tier nur noch niedergemacht und versteht nun natürlich die Welt nicht mehr.

Da ist es wirklich sinnvoller, von Anfang an vernünftige Grenzen festzustecken, in denen man mit seinem Pferd friedlich umgehen kann; auf diese Art und Weise werden harte Strafen gar nicht erst notwendig.

Mir ist es sehr wichtig, hierbei noch einmal zu betonen, dass ich mich absolut gegen übertriebene Härte gegen ein Pferd ausspreche. Meiner Meinung nach lässt sich mit ruhiger Konsequenz immer noch am meisten erreichen.

Wer sein Pferd wie ein kleines Kuscheltier immer nur betüdelt und nur mit Samthandschuhen anfasst, wird in der Rangordnung aus der Sicht des Pferdes immer unter diesem stehen und kann sich auf diese Weise auch nicht das Vertrauen des Pferdes erarbeiten.


Der Mensch muss erst einmal das Pferd verstehen

Eine Art von Kommunikation zwischen Pferd und Mensch ist also nur möglich, wenn der Mensch sich erst einmal bemüht, ein Pferd verstehen zu können, und dann lernt, wie er selbst sich dem Pferd verständlich machen kann.

In dem Moment, in dem ich mit einem Pferd umgehe, es ausbilde und reite, stelle ich mich über ein Lebewesen, welches eigene Gefühle und einen eigenen Willen hat. Ich erwarte von diesem Wesen, dass es sich mir unterordnet und das tut, was ich von ihm verlange; tut es das nicht, bin ich sogar bereit, Zwangsmittel einzusetzen. Denkt man einmal darüber nach, ist diese Einstellung schon ziemlich arrogant, und es scheint geradezu anmaßend zu sein, wenn man sich auch noch darüber aufregt, wenn ein Pferd einmal nicht gewillt ist, dem Menschen aufs Wort zu gehorchen.

Aber wenn ich mich schon über ein Pferd stelle – und dies tut eben jeder Reiter in irgendeiner Form – dann sollte ich doch wenigstens so fair sein und dies richtig tun, also ein Pferd auch als Pferd behandeln, seine Instinkte berücksichtigen und seine Bedürfnisse erfüllen. Ein Pferd zu vermenschlichen ist eine ungerechte Sache, bei der das Pferd nur verlieren kann.

Katinka Schnitker


* Zum Wiehern!

Pferdebücher - oder: Mit Black Beauty wäre das nicht passiert...


Eines Tages pendelten mein Pferd und ich bei schönem Wetter recht ziellos durchs Gelände. Zwar war dies durchaus nichts Ungewöhnliches, doch an diesem Tag hatte ich vor, in unbekannte Gegenden vorzustoßen und ein paar neue Wege zu entdecken. Und es war wirklich ein schöner Ausritt: Wir fanden gute Reitwege, galoppierten nebenbei über ein paar Stoppelfelder und kamen durch einige kleine Dörfer.

Irgendwann wurde es Zeit, sich auf den Rückweg zu machen, was allerdings leichter gesagt als getan war, da ich inzwischen auch nicht mehr die leiseste Ahnung hatte, wo unser Hof war.

Nach einigen erfragten Richtungsangaben standen wir schließlich vor einem kleinen Waldstück. Zwar wusste ich mit ziemlicher Sicherheit, dass sich kurz dahinter der Hof befinden musste, aber ich wusste auch, dass sich eben dieses Waldstück durch viele kleine, verkreuzte Wege auszeichnete, durch die ich bisher nur mit Führung geritten war. Fand man immer den richtigen Weg, konnte man den Wald in ca. zehn Minuten durchqueren.


Kein Problem!

Nun war ich früher eifriger Leser der üblichen Pferdebücher gewesen und wusste deshalb sofort, was zu tun war: Wenn sich in solchen Büchern nämlich jemand verreitet oder ohnmächtig auf seinem Pferd zusammensinkt, so bringt ihn dieses natürlich auf dem schnellsten Weg nach Hause und in ganz tollen Fällen sogar direkt zum Arzt, wo es dann auch noch die Türklingel betätigt und per Huf-Morsezeichen Art und Dauer der Krankheit beschreibt. Solche Phänomene werden dann stets damit erklärt, dass Pferde einen ausgesprochen guten Orientierungssinn haben und immer nach Hause finden. Ich sah mich also keinem Problem gegenübergestellt, da ja anscheinend alles, was ich zu tun hatte, darin bestand, meinem Pferd die Führung zu überlassen.

So legte ich die Zügel auf den Hals, trieb mein Pferd kurz an, und wir verschwanden im Wald. Und was soll ich sagen: Es klappte tatsächlich! An jeder Kreuzung bog mein Pferd zielstrebig in einen Weg ein, ohne der anderen Alternative auch nur einen Blick zu widmen.


Oder doch?

Keinmal zögerte er auch nur einen Augenblick oder wurde langsamer, nein, er schien ganz genau zu wissen, wohin er wollte, und so konnte ich mich ganz ruhig zurücklehnen. Ich war erstaunt, wieviel man doch aus solchen Büchern lernen kann, und erwartete, jeden Augenblick den Waldrand zu sehen. Leider sah ich ihn nicht, was mich nach einer Viertelstunde dann doch langsam nervös machte. Immer noch zielstrebig wanderte mein Pferd durch den Wald - und wanderte und wanderte ... Nur, um im Endeffekt wieder an derselben Stelle herauszukommen! Nun war eine halbe Stunde vergangen, und wir waren nicht weiter als vorher. Nach weiteren Versuchen, bei denen ich mich allerdings mehr auf systematisches Suchen verließ als auf mein Pferd, gelang es uns doch tatsächlich, dieses wenige 100 Meter lange Waldstück zu durchqueren, wobei ich mich bis heute frage, wie man sich überhaupt eine halbe Stunde darin aufhalten kann - und dann denke ich: Mit Black Beauty wäre mir das sicher nicht passiert! Und überhaupt, seitdem kann ich nur hoffen, dass ich beim Reiten nie ohnmächtig werde, denn mein Pferd bringt mich dann bestimmt zum Friseur, und morsen kann es auch nicht …

Katinka Schnitker


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