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Aggressive Pferde - Longenarbeit - Übergewicht - Grabenkrieg - Zum Wiehern!


Equikids 06/2013


Aggressive Pferde – Teil II: Wehret den Anfängen!


Wer sich der verschiedenen Aggressionsursachen bewusst ist (siehe Equikids 05/2013), wird im Umgang mit seinem Pferd sowohl an der Hand als auch unter dem Sattel bereits viele Problem-Situationen vermeiden können. Leider legen nicht alle Menschen Wert darauf, den Frieden zu suchen oder zu erhalten. Im Gegenteil, die meisten Aggressionen, denen ein Mensch beim Pferd begegnet, sind bewusst oder unbewusst „hausgemacht“:

Der Einfluss des Menschen auf die Aggression des Pferdes

1. Unwissenheit

Minimaler Aufwand für die „Massenware“ Pferd:
Pferde sind schon lange nicht mehr das Prestigeobjekt der oberen Zehntausend. Pferde sind billig. Sie sind zur Massenware geworden und leiden wie so vieles andere unter der herrschenden Einstellung: Was nichts kostet, ist nichts wert. Und um etwas so Minderwertiges muss man sich auch keine großen Gedanken machen, oder?
Wozu einen teuren Reitkurs machen, wenn man doch auch so sportlich genug ist, um nicht herunter zu fallen ...
Wozu die Kritik eines Reitlehrers ertragen, wenn man in jedem Western sehen kann, wie es gemacht wird ...
Wozu Fachbücher lesen, wenn doch der Nachbar auch schon einmal ein Pferd hatte ...
Es stimmt zwar, dass sich grundsätzliches Fachwissen immer weiter verbreitet, und zwar aufgrund umfangreicher Anstrengungen aller verantwortungsbewussten Pferdeleute. Es stimmt aber leider auch, dass es trotzdem, immer noch und immer wieder Menschen gibt und geben wird, welche Pferde erwerben und diese ohne böse Absicht, aber in dennoch brutaler Unwissenheit durch grundfalsche Behandlung zu sogenannten „Verbrechern“ machen.

Die „Leckerli-Problematik“:
In liebevoller Hingabe verwöhnen gutmeinende Pferdebesitzer ihre Tiere, indem sie bei jeder Begegnung ein Leckerli aus der Tasche zaubern. Die Natur des Pferdes wird dabei völlig auf den Kopf gestellt. Der Mensch bietet ihm nicht das, was es am notwendigsten braucht, nämlich soziale Struktur und Sicherheit durch einen vertrauenswürdigen Chef. Der Mensch degradiert sich selbst zum „Leckerli-spendenden-Futtertopf“. Habt ihr schon einmal beobachtet, was ein Pferd mit seinem Futtereimer macht, wenn es Hunger hat, dieser aber leer ist? Es beißt hinein und schleudert ihn herum. Es tritt mit den Hufen danach und darin herum usw. All dies ist mit Sicherheit keineswegs als bösartiges Verhalten zu bezeichnen. Es ist nichts weiter als die vehemente Suche nach Futter in der Quelle, aus der dieses sonst immer kam. Der Mensch aber, welcher sich als Futterspender präsentiert, darf sich nicht wundern, wenn ihm, sobald die Leckerlis alle sind, schließlich die gleiche Behandlung widerfährt wie einem leeren Futtereimer. Da wird geboxt, gerempelt, in Taschen gebissen, und eines Tages erwischt das Pferd mit seinen Zähnen eben auch Hand, Arm oder andere Körperteile seines Besitzers. Und auf einmal ist dieses Tier nicht mehr dessen kleines, niedliches Schmusepferdchen, sondern ein bösartiges Geschöpf, das bestraft werden muss. Genauso wie vorher gefüttert wurde, wird nun gestraft – ohne Sinn und Verstand. Selbstverständlich lässt sich das Pferd ein solches Verhalten von seinem „Futtereimer“ nicht gefallen, und schon ist ein echter Verbrecher geboren, der als Folge falscher Behandlung durch Menschen diese tatsächlich gezielt angreift und danach trachtet, sie zu verletzen.

2. Bewusste Nichtachtung lebenswichtiger Grundbedürfnisse eines Pferdes

Neben der zwar nicht akzeptablen, in ihrer Absicht jedoch unschuldigen Dummheit gibt es auch die bewusste Ignoranz. Geiz, versteckte oder offene Grausamkeit oder auch einfach das Übertragen von eigenen Zwängen auf das Pferd mögen Ursache sein für das Handeln wider jedes artgerechtes Denken. Da werden Pferde in dunklen, miefigen Ställen ohne Gesellschaft vor die Wand gebunden und tage-, manchmal sogar wochenlang nicht heraus gelassen. Da werden großrahmige Tiere an einer 3m-langen Kette getüdert. Da werden Shetties wie Hunde im Vorgarten gehalten und als Spielzeug betrachtet. Aber es werden auch Ponys gnadenlos überfüttert, bis die Rehe unausweichlich ist und der Schlachter ruft. Hufe werden gar nicht oder nur sehr unsachgemäß und sporadisch gepflegt. Auf ausgebrochenen und abgelaufenen Füßen werden Tiere stundenlang vor der Kutsche gescheucht. Halfter wachsen ein, Sättel oder Geschirre drücken. Kraftfutter wird keines gekauft – auf der Wiese steht doch noch genügend Unkraut. Die Zahl der täglichen Verbrechen gegen das Pferd ist ungleich größer als die Zahl der Fälle, in denen sich einige dieser armen Tiere zur Wehr setzen oder wenigstens den Versuch dazu unternehmen.

3. Ausleben von Machtbedürfnissen

Ein stolzes Pferd zu beherrschen ist der Traum vieler Menschen. Leider führen solche Wünsche oft zu einem sehr machtbetontem Umgang mit dem Tier. Da wird mit Lust gestraft und sinnlos gedemütigt. Da freut man sich über hysterisches Tänzeln seines Pferdes, macht es doch jedem Umstehenden klar, wie cool und sicher man im Sattel sitzt. Aber eines Tages wird diesem Menschen sein Pferd in einer Art begegnen, dass er es nicht wieder erkennt. Es wird ihn bösartig anblicken und ihn nicht mehr in seine Nähe lassen. Wenn solche Tiere Glück haben, werden sie an einen wahren Pferdemenschen weiterverkauft. Wenn sie Pech haben, führt ihr Weg direkt ins Schlachthaus.

4. Überforderung
Immer wieder werden Pferde zu früh angeritten, belastet und mit Anforderungen konfrontiert, denen sie weder körperlich noch mental gewachsen sind. Selbst wenn ansonsten Haltung und Umgang mit dem Tier artgerechten Bedingungen entsprechen, kann allein die Art der Arbeit, welche dem Pferd Schmerzen bereitet und es in eine seelische Sackgasse treibt, zu echten Aggressionen führen. Fassungslos stehen liebende Pferdebesitzer vor gefletschten Zähnen oder drohenden Hinterhufen, wenn sie mit dem Sattel erscheinen. Auch gezieltes Abwerfen des Reiters als letzte Hilfsmaßnahme des Pferdes wird nicht als das verstanden, was es schließlich ist: ein Hilferuf!

Ute Forler


Longieren – aber richtig! Teil III:

Der Aufbau einer Trainingseinheit


Damit sinnvoll longiert werden kann, braucht der Longenführer nicht nur die richtige Ausrüstung und Kenntnisse in der korrekten Hilfengebung: Er muss auch ein Ziel vor Augen haben und wissen, wie er dieses erreichen kann.

Wie gut gepflegt und passend Kappzaum, Longiergurt und Hilfszügel auch sitzen, wie sensibel Longe und Peitsche auch gehandhabt werden – wenn das Pferd lediglich eine halbe Stunde im Kreis herum läuft, werden die Möglichkeiten der Longenarbeit kaum genutzt.


Drei Phasen der Longenarbeit

Was beim Reiten (hoffentlich) eine Selbstverständlichkeit ist, kommt an der Longe dennoch häufig zu kurz. Die Arbeit teilt sich nämlich wie auch in der Reitstunde in drei Phasen: Lösungsphase – Arbeitsphase – Entspannungsphase.

Wie auch immer individuelle Ziele im Detail aussehen mögen, ein Ziel sollte jede Trainingseinheit an der Longe haben: ein losgelassenes, zufriedenes Pferd.

Der Lösungsphase zu Beginn der Arbeit kommt daher direkt sehr große Bedeutung zu. Je nachdem reicht es auch schon aus, das Pferd an der Longe effektiv zu lösen – es muss nicht immer eine weitere Arbeitsphase folgen. Da Longenarbeit generell nicht länger als ca. 30 Minuten dauern sollte, um das Pferd auf der engen Kreisbahn nicht zu überlasten, bleibt nur dann Zeit für weiterführende Arbeit, wenn das Pferd sich in relativ kurzer Zeit effektiv lösen lässt.

Das trifft sich gut, ist doch die lösende Arbeit nicht nur an der Longe, sondern auch unter dem Reiter stets von zentraler Bedeutung! Es kann gar nicht genug betont werden, wie wichtig es ist, das Pferd zu lösen, zu lockern und zu entspannen.


So könnte eine Longen-Trainingseinheit aussehen:

Die Longenarbeit beginnt – wie auch eine Reitstunde – stets im Schritt. Auf keinen Fall darf das Pferd sofort lostraben! Das tun vor allem Pferde, die an der Longe stets nur mehr oder weniger sinnlos in die Runde gescheucht werden.

Im Schritt wird das Pferd einerseits schonend aufgewärmt, andererseits lernt es aber auch, zunächst ruhig und gehorsam in die Runde zu gehen und auf den Longenführer zu achten – es kann nicht einfach prinzipiell losrennen, sondern muss auf die entsprechende Aufforderung warten.

Anschließend wird angetrabt: nicht zu schnell, sondern ruhig und taktmäßig. Angestrebt wird eine Dehnungshaltung vorwärts-abwärts bei schwingendem Rücken.

Wichtig sind regelmäßige Handwechsel. Etwa alle 5 bis höchstens 10 Minuten wird die Hand gewechselt. Begonnen wird auf der Hand, die dem Pferd angenehmer ist – das ist individuell verschieden.

Wenn das Pferd auch im Trab gut aufgewärmt ist und locker läuft, kann mit Übergängen begonnen werden: Übergänge zwischen den Gangarten (Trab – Schritt, Schritt – Trab, Trab – Galopp, Galopp – Trab) können ebenfalls dazu beitragen, das Pferd zu lösen.

Auch Bodenstangen können an der Longe eingesetzt werden. Bei Trabstangen muss darauf geachtet werden, das Pferd nicht zu überfordern: Die Abstände sollten so gewählt werden, dass das Pferd locker und gleichmäßig im Arbeitstrab hinübertreten kann, ohne sich extrem strecken zu müssen. Wichtig ist, dass die Stangen nicht lose am Boden liegen, sondern so gesichert sind, dass sie nicht wegrollen können, wenn das Pferd darauf oder dagegen tritt.

Sofern das Pferd mit Hilfszügeln wie etwa dem Laufferzügel longiert wird, wird dieser so tief und lang verschnallt, dass eine Dehnung problemlos möglich ist, die Nase des Pferdes bei anstehendem Ausbindezügel also deutlich vor der Senkrechten ist. Bei der Arbeit über Bodenstanden oder Cavaletti sollte auf einen Ausbindezügel ganz verzichtet werden, damit das Pferd sich ungehindert dehnen und auch mit dem Hals ausbalancieren kann.

Auch Übergänge zum Halten sollten geübt werden. Das Pferd lernt, ruhig stehenzubleiben und auf den Longenführer zu achten. Für einen Handwechsel tritt dieser an das Pferd heran, während er die Longe nach und nach in Schlaufen aufnimmt. Nun kann er das Pferd entweder in einer kleinen Schlangenlinie auf die andere Hand führen oder aber den Handwechsel für eine weitere Lektion nutzen: An der Hand vollführt das Pferd eine Vorhandwendung, bis es in die andere Richtung blickt. Dabei sollte es nicht vor- oder zurücktreten, sondern mit der Hinterhand herumtreten, während die Vorhand einen kleinen Kreis beschreibt. Anschließend bleibt es wieder ruhig stehen, bis der Longenführer auf seine Position zurückgekehrt ist und das Pferd antreten lässt. Das erfordert allerdings einige Übung, bis es zuverlässig gut klappt.

Für die nun folgende Arbeitsphase wird der Laufferzügel etwas höher und auch ein wenig kürzer verschnallt. Dennoch bleibt die Nase des Pferdes bei Anlehnung an den Hilfszügel vor der Senkrechten!

Auch für die Arbeitsphase können Übergänge genutzt werden, bei einem fortgeschrittenen Pferd auch Übergänge Schritt – Galopp, Galopp – Schritt, Trab – Halten oder auch Halten – Trab. Tempowechsel innerhalb der Gangarten sind ebenfalls sinnvoll. Dazu kann der Longenführer auch einmal auf die ganze Bahn gehen, sofern er auf dem großen Viereck und nicht in einem Longierzirkel longiert: Hier muss er selbst etwas Tempo vorlegen, dann kann er das Pferd an der langen Seite die Tritte verlängern lassen.

Eine weitere Lektion, die an der Longe in der Arbeitsphase gut genutzt werden kann, ist das Zirkel-Verkleinern und das anschließende Zirkel-Vergrößern.

Wichtig ist, dass auf diese Arbeitsphase – wie in der Reitstunde auch – immer noch eine Entspannungsphase folgt. Das Pferd darf sich noch einmal dehnen und strecken, die Arbeitseinheit endet locker und entspannt, zum Schluss geht das Pferd einige Runden Schritt, ehe es ganz in Ruhe trockengeführt und versorgt wird.


Übergewicht? Nein danke!


Dicke Pferde haben sicherlich nicht die gleichen Probleme wie übergewichtige Menschen: Sie werden selten gehänselt – und wenn, dann bemerken sie es wohl kaum -, und auch andere Pferde machen ihren Sympathie nicht davon abhängig, wie schlank und fit ein Pferd gerade ist.

Dennoch ist Übergewicht auch bei Pferden ein großes Problem und nicht nur ein Schönheitsfehler. Dicke Pferde leben ungesund – und leiden häufig an entsprechenden Erkrankungen.


Risiko!

Besonders belastend ist Übergewicht für den gesamten Trageapparat des Pferdes, also die Gliedmaßen mit den Bändern, Sehnen, Gelenken und Hufen. Doch auch das Herz-Kreislauf-System leidet unter dem Gewicht. Besonders gefährlich ist Hufrehe, die vor allem übergewichtige Pferde betrifft und einen so schweren Verlauf nehmen kann, dass das Pferd getötet werden muss.

Doch auch weniger dramatische Nebenwirkungen des Übergewichts sind unangenehm: Fettrillen am Hals beispielsweise sind Sammelstellen für Schmutz und Schweiß und entwickeln oft einen starken und sehr unangenehmen Juckreiz. Auf einem sehr dicken Pferd liegt der Sattel oft nur schlecht und rutscht schnell, so dass auch Satteldruck zu den Risiken gehört.


Genau hingeschaut

Es ist wichtig, genau hinzuschauen, um den Zustand des Pferdes richtig zu beurteilen. Nicht der dicke Bauch ist das erste Indiz für Übergewicht! Im Gegenteil, auch sehr magere Pferde haben oft einen großen, aufgeblähten Bauch.

Eine Faustregel besagt: Man soll die Rippen des Pferdes fühlen können, aber nicht sehen. Sieht man die Rippen, ist das Pferd eher mager – sind sie hingegen nicht mehr oder nur noch mit großem Druck zu fühlen, ist eine ordentliche Speckschicht angelegt! Darüber hinaus finden sich Fettreserven beim Pferd vor allem am Mähnenkamm und auch auf der Kruppe links und rechts der Schweifrübe.


Was tun?

Eine Radikal-Diät ist gefährlich! Pferde brauchen gleichmäßig über den Tag verteilt ein angemessenes Futterangebot. Der Pferdemagen ist so angelegt, dass er ständig kleine Mengen Nahrung verarbeitet – muss das Pferd hungern, drohen Magenprobleme. Auch der Stoffwechsel kann durch eine Hungerkur schnell aus dem Gleichgewicht geraten.

Was jedoch auf jeden Fall problemlos reduziert werden kann, ist das Kraftfutter. Auch frisches Gras muss portioniert werden. Gutes Futterstroh ist ein ideales Diätfutter, gerne gemischt mit gutem Heu.   Der große Bauch wird davon allerdings nicht so schnell verschwinden – Stroh und Heu sind voluminös und machen schon mal einen dicken Bauch, lassen das Fett aber schmelzen.

Weidegang muss eingeschränkt werden. Zunächst einmal sind Weiden mit langem, altem und hartem Gras besser als relativ kurze Weiden mit weichem, frischem Gras. Darüber hinaus kann das Pferd entweder nur stundenweise auf die Weide gehen – z.B. morgens und abends je zwei bis drei Stunden –, oder die Weide kann mit einem Wanderzaun abgetrennt werden, so dass täglich eine knapp bemessene neue Portion weitergesteckt werden kann.

Im Zweifelsfall ist der Tierarzt der richtige Ansprechpartner, um eine passende Futterration für das übergewichtige Pferd zu erstellen.


Sport macht fit!

Wie bei Menschen auch tut auch dem dicken Pferd Bewegung gut. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass ein übergewichtiges Pferd meistens nicht gut in Kondition ist. Es muss daher entsprechend vorsichtig und allmählich antrainiert werden. Zunächst ist auch Bodenarbeit und leichte Longenarbeit gut geeignet, da dem Pferd hier das zusätzliche Reitergewicht noch erspart bleibt. Lange Spaziergänge sind ebenfalls zu empfehlen – und man kann auch mit Pferd joggen, wenn das Pferd entsprechend gut erzogen ist. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das Pferd als Handpferd mit ins Gelände zu nehmen, wo es sich ohne Reiter leicht bewegen kann.


Zur Diskussion: Die Gräben zwischen den Reitweisen


„Szenenfremde“ wissen überhaupt nicht, wovon gesprochen wird. Da ist die Rede von Stoppelhopsern, Reitelefanten, Bahnakrobaten, Rennmäusen, Giraffen, Rasenmähern oder  Tackermaschinen.

Verwendet werden diese Ausdrücke von Reitern oder Pferdebesitzern für Reiter oder Pferdebesitzer. Dabei wird – Gott bewahre! - niemals von den eigenen Pferden oder dem eigenen Reiten gesprochen, sondern immer von den Anderen oder deren Reitweise.


Der andere ist schlecht...

Und immer – oder fast immer – in abschätziger Art und Weise.

Nicht nur das: Bei diesen Gesprächen zeigt sich oft eine Unkenntnis der anderen Reitweise, die erschreckend  ist. Es ist die Parallele zu den Leuten, die von Ithakern reden und Italiener meinen...

Ganz im Ernst. Da glauben Reiter des normalen deutschen Warmbluts doch tatsächlich, der Tölt würde Gangpferden mit Gewalt beigebracht! Springreiter können nicht verstehen, dass Dressurreiter „nicht weiter kommen“ und ENDLICH springen lernen, und unterstellen ihnen mangelnden Mumm! Gangpferdereiter hingegen halten die Dressurarbeit weitgehend für Zeitverschwendung, während Westernreiter alles, was den Kopf höher als Widerristhöhe hält, als uncoole Durchgänger ansehen und Barockpferdereiter einfach lächerlich finden, weil die angeblich nicht von der Stelle kommen. Diese wiederum schauen auf die Westernreiter herab, die ihren Pferden nicht mal ein Gebiss im Maul gönnen...

Aber nicht nur das.

Sätze wie „Sporen? Die braucht man bei (hier kommt jetzt eine x-beliebige Pferderasse) ... doch nicht, die sind auch so schnell genug!“ oder „Kandaren sind doch pure Tierquälerei!“ hört man oft genug.


Woher kommt das?

Es ist schon erstaunlich. Woher kommt diese Nichtachtung anderer Reitweisen, die man in dieser Form in kaum einem anderen Land praktiziert?

Man muss sie geschichtlich sehen, allerdings kurz-geschichtlich und nach dem Zweiten Weltkrieg beginnend.

Damals lag die Reiterei in Deutschland am Boden. Es gab noch einige Staatsgestüte, sehr wenige private Züchter und noch weniger Leute, die sich ein Reitpferd zum Zeitvertreib halten konnten.

Dann aber kam der wirtschaftliche Aufschwung, auch Pferde konnte man sich wieder leisten.

Aber der Ton der Reitlehrer war auch lange nach dem Krieg immer noch der Ton des Vorgesetzten gegenüber Kavallerierekruten – und der war herb! Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat lange an dieser Tradition zu tragen gehabt und erst mit dem Generationswechsel die Chance bekommen umzudenken.

Der Ton in deutschen Reithallen entsprach also nicht dem, was der zahlende Kunde erwartete, und so sah er sich anderswo um. Da sah man auch, dass andere Pferde leichter zu reiten waren, leichter gingen, dass es andere Ziele gab und andere Reiter offensichtlich fröhlicher ritten.

Was man übersah, war, dass die auch nur mit Wasser kochten, d.h. dass Pferd Pferd ist – egal, wie es geritten wird - und dass eine korrekte Ausbildung von Reiter und Pferd in allen Reitweisen Zeit braucht.


Importe

So wurden Pferde und Reitweisen importiert, die eine völlig andere Tradition haben – aber auch eine andere Umgebung brauchen.

Wenn es in manchen Westernreitlehren heißt: „Ist dein Pferd widersetzlich, lasse es geradeaus laufen, bis es todmüde ist. Dann treibe es weiter!“, ist das bei uns nur schwer umzusetzen, denn „geradeaus“ ist nach 200 m eine Bahnschranke!

Oder wenn Islandpferdereiter empfehlen, sich ein anderes Pferd zu nehmen, sowie das eigene müde ist, und dieses „einfach eine Zeitlang mitlaufen zu lassen“, fragt man sich doch, wo denn??? Auf der Ovalbahn? Die Weiten Islands und des Wilden Westens haben wir hier nun mal nicht.

Wir haben auch nicht die Rigorosität peruanischer Trainer, ein übermütiges oder widersetzliches junges Pferd mit Augenklappen blind zumachen  und es damit zu reiten, bis es kirre ist...

Importiert wurden häufig nur Ergebnisse, mit dem Weg dahin (der ja auch nicht leichter ist) setzte man sich oft wenig auseinander.


Wenig Nationalgefühl

In anderen Ländern ist es anders, sind Traditionen ungebrochener. So haben richtig fremde Reitweisen  in anderen Ländern weniger Raum als bei uns. Das Westernreiten, das Gangpferdereiten sind in Frankreich und in England wesentlich weniger bekannt, in Spanien und Portugal beispielsweise wird es als absolut exotisch angesehen.

Schon der Ausdruck „englische Reitweise“, der ja eigentlich die typisch deutsche Kavallerie-Sportreitweise beschreiben soll, weist darauf hin – Import ist immer wichtiger als das Eigene, Gewachsene.


Gurus, Kurse, Seminare...

Früher -  nicht alles, was früher war, war gut, manches aber doch – ging man mehrmals wöchentlich in den Reitunterricht. Ob der immer gut war, mag dahingestellt sein – aber man musste doch eine gewisse Zähigkeit beweisen. Das ist heute anders.

Heute geht man zu einem Guru, man belegt einen Kurs oder – besser noch – ein Seminar. Dort bekommt man komprimiert das vorgesetzt, was man früher mühevoll in jahrelanger Kleinarbeit lernte. Aber die jahrelange Kleinarbeit hatte durchaus etwas Gutes, nämlich die Praxis, die dem Kurs- und Seminarteilnehmer oft fehlt. Der ist theoretisch oft sehr gut, praktisch aber sitzt er oft nicht so gut auf dem Pferd.


Jeder will den anderen übertrumpfen

Hinzu kommt ein gewisses Geltungsbewusstsein. Früher war derjenige der Größte, der das höchste, größte, dickste Pferd hatte. Die Zeiten sind vorbei, aber „schneller, teurer, exklusiver“ gilt immer noch. Irgendwann hat sich auch in Großpferdekreisen herumgesprochen, dass das normale Islandpferd oft entschieden teurer ist als das normale deutsche Warmblut. Hat es etwas genützt? Hat man Islandpferde deshalb anders gesehen? Mitnichten!

Die Parole heißt heutzutage nicht mehr „teurer“, sondern „anders“ – und da lässt man sich nicht in die Karten gucken... und guckt auch nicht über den eigenen Tellerrand!


Kaum Wissen um anderes

Kaum ein Westernreiter weiß, wie ein Reiter der barocken Reitweise seine vier Zügel sortiert. Kaum ein Barockreiter auch weiß, dass Westernpferde keineswegs immer völlig auseinandergefallen gehen.

Prof. Kurt Albrecht und RA Fellmer waren sich vor einigen Jahren auf einem Symposion über Dressur in Luhmühlen völlig einig darüber, dass Westernpferde keine Versammlung und Anlehnung kennen! Wenn das Unwissen schon bis hinauf in diese Chargen geht...

Das Bedauerliche ist, dass kaum ein Reiter von einer Sparte der Reiterei in die andere wechselt. Man lernt Western, Barock oder „Englisch“ und hält sich viele Jahre nur da auf... wenige schauen über den Tellerrand. Wie man sieht, manchmal nicht einmal auf „höherer Ebene“...


Back to the roots

Es wäre schön, wenn sich die Reiter verschiedener Reitweisen einmal darauf besinnen würden, WIE ein Pferd gebaut ist. Eigentlich wurde es nämlich nicht dafür gemacht, einen Reiter zu tragen.

Jedes Pferd – egal, wie es später geritten wird -, muss so umgeformt werden, dass es seinen Schwerpunkt den veränderten Situationen anpassen, damit „spielen“ und somit seinen Reiter mühelos tragen kann. Das ist Arbeit für Reiter und Pferd... und keine leichte.

Sie ist auch bei jedem Pferd (abgesehen von Gebäudefehlern) gleich. Erst, wenn man das hinter sich hat, kann man sich „spezialisieren“ auf  Western, Barock oder Wanderreiten.

Warum kann man da auf andere Reitweisen herabblicken?

Man sollte sich auf das Gemeinsame besinnen, auf die Freude am Pferd, am Reiten.

Aufeinander herabblicken ist dumm und arrogant.


Ein paar „fiese“ Tricks

Wenn ihr aber jemanden habt, der auf „EURE“ Reitweise herabblickt: Lasst ihn doch mal euer (hoffentlich gut ausgebildetes) Pferd reiten! Schon manchem Dressurreiter zogen sich auf einem Islandpferd im Tölt die Lippen zu einem Lächeln breit, wenn er dieses besondere Schweben empfand...

Mancher Islandpferdereiter hingegen war begeistert von den großen Bewegungen des Warmbluts.

Es gibt Springreiter, die gar nicht wussten, WIE ein barock gerittenes Pferd schwingen kann.

Und es gibt Barockreiter, denen beim Sprung über ein kleines Hindernis der Hut wegflog....

Einfach mal reinschnuppern in andere Reitweisen. Glaubt mir: Es erweitert nicht nur das (Reit-)Weltbild, es macht auch Spaß und lehrt einen, dass Pferd zwar immer Pferd,  die Vielfalt seiner „Verwendungsmöglichkeiten“ aber bewundernswert ist.

Uta Over


Zum Wiehern: Urlaubsvertretung


Ach, Urlaub - herrlich. Endlich mal raus, etwas anderes sehen, und alles hinter sich lassen: Arbeit, Schule, Studium, Ausbildung, Haushalt, Pflichten, Pferd.... Moment! Das Pferd? Sein eigenes geliebtes Pferd zurücklassen?

Also für mich ist so etwas überhaupt kein Problem, denn ich bin ein extrem aufgeklärter, vernünftiger und sachlicher Pferdebesitzer: Ich habe schon vor Jahren die „Black-Beauty-Mentalität”abgelegt und bin mir völlig darüber im Klaren, dass sich auch andere Menschen genauso gut, und ja, auch das kann ich nach intensiver Übung offen aussprechen: vielleicht, eventuell, mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit sogar ein klein wenig besser als ich um mein Pferd kümmern können. Ich gehöre nicht mehr zu jenen hysterischen Pferdebesitzern, die ihre arme Urlaubsvertretung stundenlang am Telefon mit tausend unnötigen Kleinigkeiten, welche es zu beachten gilt, nerven. Nein - ich schreibe eine Liste. Und nicht, das jetzt jemand denkt, auf dieser Liste stünden unwichtige Dinge, nein, nur das Notwendigste wird dort klar und präzise zusammengefasst:


In Notfällen bitte folgenden Tierarzt verständigen:

Wenn mein Pferd etwa ein Eisen verliert, bitte folgenden Hufschmied verständigen:

Hier die korrekte Futterzusammenstellung:

Ach ja, und wenn du Zeit hast, könntest du ihn ja vielleicht ab und zu putzen.... Aber nicht die harte Bürste für seine Beine verwenden, und denk daran, dass ich extra eine besonders weiche Kopfbürste habe, also es wäre natürlich nicht schlimm, wenn du eine normale Bürste verwendest, es ist nur so, dass er am Kopf ziemlich empfindlich ist, und deshalb wäre es schon nett, also, wenn du vielleicht doch lieber auf jeden Fall die ganz weiche Bürste nimmst. In meinem Putzkasten findest du auch eine Art Fellkratzer, so ein komisches Metallding, wirst du schon finden, damit wird er am liebsten am Mähnenansatz und auf der Kruppe (linke Seite) gekratzt. Ich fange immer mit der rechten Mähnenseite an und arbeite mich dann über die Kruppe zur anderen Seite vor, doch das ist nur ein Tipp, weil er es eben so gewöhnt ist....

Eins wäre da noch: Beim Aufhalftern verklemmt sich sein Schopf so leicht, nicht dass dir das nicht auch aufgefallen wäre, aber das ist halt unangenehm für ihn, du verstehst? Wenn du ihm mal ein Leckerli geben möchtest, nimm doch bitte die in der kleinen, blauen Tonne unter meinem Sattel, das sind die cholesterinarmen, fettfreien - wegen seiner Figur. Ich gebe ihm immer eines zur Begrüßung und eines zum Abschied. Denk bitte auch daran, ihm seinen Fliegenschutz anzuziehen, außer es regnet natürlich. Und dann wäre da noch eine Kleinigkeit...

So, ansonsten mach dir eine schöne Zeit, ich bin ganz sicher, dass du das alles hervorragend meisterst, ich rufe aber auch noch mal aus dem Urlaub an, so jeden Tag zwischen 17 und 18 Uhr, wäre nett, wenn du dann erreichbar wärest!         

Viele Grüße


Ein gutes Beispiel

Gut, das mag jetzt einigen auch schon wieder völlig überzogen erscheinen - aber dies sind wirklich nur die wichtigsten Dinge, an die meine Urlaubsvertretung denken sollte, ich bin nicht so eine, die überall im Stall kleine Merkzettel aufhängt, bevor sie geht. Ich hoffe nur, dass meine Urlaubsvertretung noch die komplette Putzanleitung hat, welche ich ihr letzten Urlaub zusammengestellt habe!? Vielleicht drucke ich sie ihr doch noch mal schnell aus, bevor wir losfahren...

Ja, wir alle sollten auch lernen, einmal loszulassen, anderen Menschen zu vertrauen und einfach unbeschwert unseren Urlaub zu genießen, und zwar ohne permanent an unser Pferd zu denken!

Ich werde mit gutem Beispiel vorangehen und mir jetzt auf keinen Fall nur aus dem Grund ein neues Handy kaufen, um immer erreichbar zu sein, falls jemand doch nicht die richtige Bürste findet oder so. Nein, so etwas wäre übertrieben, ich werde mir keines kaufen... aber mein Freund sollte seines auf jeden Fall mitnehmen - ich schreib nur noch schnell die Nummer mit auf die Liste ...

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