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Stolpern II - Juni und Juli - Sommerekzem - Einfach überfordert? - Zum Wiehern!


Equikids 06/2011


* Problempferde – stolpern, Teil 2


Die Maßnahmen


Haltung und Pflege

Vorweg sei gesagt, dass bei allen Tipps und Vorschlägen zum Überwinden von Stolperproblemen ein grundsätzlich guter Allgemeinzustand der betreffenden Pferde vorausgesetzt wird. Nicht genügend behandelte bzw. nicht auskurierte Verletzungen können natürlich auch zu einem eingeschränkten Beingefühl bzw. zu Bein- und/oder Rückenschwächen führen. Aus denen wiederum kann eine gefährliche Unsicherheit in der Bewegung eines Pferdes resultieren. Probleme dieser Art sollten Sie jedoch mit Ihrem Tierarzt besprechen. Ein weiterer Punkt, den ich nur am Rande erwähnen möchte, ist die Bedeutung der Haltungsbedingungen auf die Belastbarkeit und die generelle Stärke des Bewegungsapparates. Pferde, die sich über lange Zeit kaum bewegen können, sei es im Ständer, sei es in zu engen Boxen, können auch ihre Sehnen und Bänder in keiner Weise trainieren. Wenn dann noch ein unvernünftiger Trainingsablauf hinzukommt, z.B. ohne genügend lange Schrittphase am Anfang, sind Schäden an Sehnen und Bändern sowie den Gelenken vorprogrammiert. Auch das Laufen lassen von Pferden nach langem Stehen ohne Aufwärmen, mit dem oft sofortigen "Explodieren", mit abruptem Beschleunigen und Bremsen, ist eine sichere Methode, bleibende Schäden an den Pferdebeinen anzurichten. Ausgiebiger Weidegang, bei dem sich die Pferde ruhig und gleichmäßig bewegen, ist die beste Voraussetzung für eine normale und gesunde Entwicklung aller Muskeln, Sehnen und Bänder.

zu 1.: Vorderbeinschwäche


Diese Stolperursache ist entweder sehr einfach oder praktisch nicht zu beheben. Knickt ein Pferd auf ebenem Boden immer wieder mit den Vorderbeinen weg, sollte zunächst das Reitergewicht deutlich reduziert werden. Läuft das Tier dann wieder frei und sicher, ist alles gut. Wichtig ist, dass diese einfache Lösung akzeptiert und umgesetzt wird. Lässt sich das Problem nicht durch einen leichteren Reiter lösen, könnte eine angeborene oder durch dauerhafte Überbelastung entstandene bleibende Sehnen- und Bänderschwäche in den Vorderbeinen der Grund für das Stolpern sein. Tierärztliche Untersuchungen können Klarheit schaffen. Sind die Sehnen zwar schwach, grundsätzlich aber gesund, können sie vorsichtig durch gezielte Arbeit gestärkt werden. Schritt und sich steigernde Reprisen eines abgekürzten Trabs auf harter, ebener Straße können ihre Belastbarkeit erhöhen. Akute Sehnenschäden aber sollten immer zum Anlass genommen werden, das Training grundsätzlich in Frage zu stellen und die Anforderungen gegebenenfalls zu verändern bzw. zu reduzieren. Auch muss bei dieser Art von Erkrankung die Rekonvaleszenzphase unbedingt eingehalten werden. Eine zu frühe Wiederbelastung kann zu bleibenden Sehnenschäden führen und damit zu dauerhaftem Leistungsausfall.

zu 2.: Rückenprobleme
Das in einer schwachen Rückenmuskulatur begründete kurzzeitige "Vergessen" eines Hinterbeines ist ebenfalls entweder leicht oder vermutlich gar nicht zu beheben. Zeigt ein Pferd solche Aussetzer, sollte als Erstes die Anforderung an seinen Rücken reduziert werden, z.B. leichttraben statt aussitzen, Mitteltempi statt Versammlung. Die Muskulatur sollte die Chance haben, sich erst wieder richtig zu dehnen, zu lockern und im freien Vorwärts zu stärken, bevor sie erneut belastet wird. Im Normalfall sollte mit diesen oder ähnlichen Maßnahmen das Problem ausreichend gelöst sein. Hat ein Pferd trotz solcher Maßnahmen weiterhin Probleme mit seinem Rücken, gibt es noch die (nicht ganz billige) Möglichkeit, durch medizinische Präparate (vom Tierarzt!) den Muskulaturaufbau zu unterstützen. Schonende Trainingsentwicklung mit sehr viel Rückengymnastik hat für solche Pferde eine besonders hohe Bedeutung. Hilft alles nichts, sollte von einer reiterlichen Belastung abgesehen werden.

zu 3.: Allgemeines Körpergefühl verbessern
Pferden mit Koordinierungsproblemen kann mit verschiedenen Übungen geholfen werden. Die Verbindung von sensorischer Empfindung und dem entsprechenden Bewegungsimpuls lässt sich trainieren. Beginnen sollte man im Stand. Mithilfe einer Gerte streicht man vom Genick bis hin zu den Hinterfüßen langsam und wiederholt dies am ganzen Pferdekörper entlang. Eine Gerte nimmt man übrigens deshalb, weil sie zum Einen den eigenen Arm verlängert, so dass ich ohne Positionswechsel an alle Stellen des Pferdekörpers herankomme. Das verhindert unnötige Unruhe. Zum Anderen ist aber auch die Berührung mit einer Gerte wesentlich feiner, punktueller und neutraler, somit also zum Erspüren anspruchsvoller, als das Abtasten mit der Hand. Wichtig ist, dass möglichst wenig Ablenkung von der Umgebung ausgeht, damit das Pferd sich auf die Berührungen konzentrieren kann. Wenn man das Gefühl hat, es nimmt das Abstreichen bewusst wahr – viele Pferde überlassen sich solchen Übungen voller Genuss – kann man anfangen, sich auf die Beine zu konzentrieren.

- Spezielle Übungen für die Koordinierung der Beine im Stand:
Auch dort wird zunächst einfach Bein für Bein von oben bis unten mit der Gerte abgestrichen. Sodann kann man damit beginnen, durch leichtes Klopfen an verschiedenen Stellen des Beines das Pferd zu einer Reaktion zu veranlassen. Bei dieser Übung sind oft schon Schwierigkeiten zu erkennen. Manche Tiere brauchen mehrere Versuche, um mit dem Anheben des richtigen Beines zu antworten. Geduld und viel Ruhe sind wichtige Voraussetzungen für das Gelingen. Auch sollte man dem Pferd stets eine gewisse Reaktionszeit zubilligen, also nach einem leichten Klopfen ruhig erst einmal abwarten, bevor man das Signal wiederholt. Dieses Vorgehen sollte man mit allen vier Beinen solange wiederholen, bis die korrekte Reaktion ohne Zögern erfolgt. Auch während der alltäglichen Pflege kann man mit dem Pferd die Koordinierung seiner vier Füße üben. Beim Aufheben zum Hufeauskratzen wird das Bein nicht hoch gezogen, sondern durch kurzes und leichtes Anklopfen nur eines Fingers an die Röhre zum Anheben animiert.

- Übungen in der Bewegung:


An der Hand geht es zunächst um das Überschreiten
einer Bodenstange oder eines tief gelegten Cavalettis in einzelnen Phasen. Zur Vorbereitung kann man das Pferd im Schritt einige Male von beiden Seiten langsam über die Stange führen. Bewusst wird für diese Übung nur eine Stange verwandt. Es geht nicht darum, mit mehreren Stangen den Takt zu festigen. Das Pferd soll nicht durch passend gelegte Stangen hindurchlaufen, sondern es soll sich bewusst mit dem zusammenhanglosen "Hindernis" auseinandersetzen. Schulung der Aufmerksamkeit, des Auges und der Koordinierung seiner Füße ist das Ziel. Der Hauptunterschied zwischen dem Überwinden mehrerer gegenüber dem Treten über nur eine Stange liegt darin, dass in einer ganzen Folge viele Pferde sicherheitshalber eben einfach durchgehend alle vier Beine heben. Bei nur einem Cavaletti sollte das Pferd sinnvollerweise unterscheiden, welches einzelne Bein jetzt gerade angehoben werden muss. Sobald die Stange flüssig und ohne Berührung überschritten wird, werden die Anforderungen an Koordinierung und Körperbewusstsein erhöht.

- Den Bewegungsablauf unterbrechen:
Das Pferd soll nun jeweils nach dem Übersetzen eines Fußes in seinem Bewegungsablauf unterbrochen werden. Wenn also das eine Vorderbein über die Stange getreten ist, halte ich das Pferd an und lasse es in dieser Position stehen. Nach einer kleinen Weile
ruhigen Verharrens ermuntere ich es, das nächste Vorderbein überzusetzen. Dies ist der Moment, in dem viele Pferde ernsthafte Schwierigkeiten bekommen. Aus dem Halt heraus sollen sie entscheiden, welches Bein sie jetzt hochheben und über die Stange setzen müssen. Der Ausbilder kann bei sehr unsicheren Pferden zunächst ruhig eine Hilfe geben, indem er das betreffende Bein mit Gerte oder Hand berührt, oder es sogar selbst vorsichtig über die Stange hebt. Wieder folgt ein Moment ruhigen Stehenbleibens. Diese Phasen sollten zu ausgiebigem Lob und beruhigendem Zuspruch genutzt werden. Noch größere Probleme ergeben sich häufig bei dem nächsten Schritt, dem isolierten Nachsetzen des ersten Hinterbeines. Das Pferd muss sich seine eigene Fußfolge erst vergegenwärtigen und zusätzlich an das Hindernis denken. Auch wird es oft schwer werden, es am sofortigen Mitnehmen des zweiten Hinterfußes zu hindern. Das Verharren über der Stange ist ihm zunächst etwas unheimlich. Daher sollte auf keinen Fall grob oder ungeduldig vorgegangen werden! Man kann diese Übung schließlich beliebig oft wiederholen. Und wenn an einem Tag nichts zu machen ist, wird das Ganze auf einen anderen Tag verschoben. Die notwendige Konzentrationskraft lässt bei manchen Pferden eher nach als bei anderen. Wenn zunehmende Unruhe statt Entspannung sich breit macht, ist es höchste Zeit, die Übung zu beenden. Die letzte Phase des Überscheitens, das Setzen des zweiten Hinterbeines, ist die einfachste. Selbst dem unkoordiniertesten Pferd ist klar, dass nur noch dieser Fuß übrig ist. Zum Abschluss ist es aber wichtig, auch nach diesem letzten Schritt nicht gleich weiterzuführen, sondern noch einmal auf einer kleinen Ruhephase, direkt hinter dem Kavaletti, zu bestehen. Ein "Hurra, jetzt aber nichts wie weg" sollte man nicht zulassen. Wenn Ihr Pferd diese Übung entspannt, sicher und ohne Stangenberührung bewältigt, hat es schon sehr viel über die Koordinierung seiner Beine dazugelernt.

- Stangensalat:
Den Trailprüfungen abgeschaut ist die nächste Übung, die wahlweise an der Hand oder unter dem Sattel
im Schritt ausgeführt werden kann. Anfangs sei das Führen des Pferdes empfohlen. Jetzt werden mehrere Stangen zum Überschreiten benutzt. Sie befinden sich allerdings nicht flach auf dem Boden, sondern liegen wechselnd einseitig auf verschieden hohen Rahmenstangen/-Kavalettis (siehe Foto). Des Weiteren sind ihre Abstände keineswegs passend. Mal eng, mal weit, mal hoch, mal tief verlangen sie vom Pferd ein sehr bewusstes und unterschiedliches Setzen und Heben verschiedener Füße gleichzeitig. Bei fortgeschrittenem Training kann auch hier die Anforderung noch gesteigert werden, indem nach jedem einzelnen Schritt die Bewegung unterbrochen wird. Pferde, die solche Übungen souverän absolvieren, können bereits als trittsicher bezeichnet werden.

- Im Trab und im Galopp:
Folgende Übung hilft auch den Pferden, deren Stolpern durch einen festgehaltenen Rücken begründet ist. Zurückgekehrt zu dem einzelnen Kavaletti, wird dieses sinnvollerweise im Mittelpunkt einer Bahn platziert, so dass es die Zirkellinien beider Hände unterbricht. Es sollte also an einem Punkt stehen, wo es auf gebogener Linie überwunden werden muss. Gerade Linien verleiten oft zu eiligem und unkontrollierten Anreiten, welches dem Sinn der Übung entgegenwirkt. Diese besteht in nichts anderem, als in den Ablauf eines entspannten Trabes oder auch Galopps auf dem Zirkel ein einzelnes Kavaletti einzubauen. Auch hier wird ganz bewusst nur ein Hindernis benutzt, da nicht der Rhythmus, sondern Aufmerksamkeit, Auge und Beingeschicklichkeit geschult werden sollen. Es geht auch nicht darum, mit reiterlichem Geschick das Pferd möglichst passend an den "Sprung" heranzuzirkeln. Vielmehr soll das Pferd selbstständig und im Fluss diesen kleinen "Stolperstein" möglichst geschickt überwinden. Im Trab kann es lernen zu entscheiden, welches Bein gerade gehoben werden muss. Im Galopp soll es ein eigenes Gefühl dafür entwickeln, wann es spätestens abspringen muss. Geht es groß weg, muss es sich strecken. Kommt es sehr eng an die Stange heran, muss es mit den Vorderbeinen, besonders aber mit den Hinterfüßen extrem schnell sein, um sich nicht anzuhauen. Wo ein Pferd erfahrungsgemäß mit solchen Übungen Schwierigkeiten hat, sollten dessen Beine mit Gamaschen oder Bandagen geschützt werden. Es ist nicht das Ziel, über Schmerzen die Geschicklichkeit zu verbessern. Daher sollte es auch höchstens bei Kavalettihöhe bleiben, zumindest solange, bis sich das Pferd wirklich sicher ist über seinen Absprung.

Tollpatsch ade
Alle beschriebenen Übungen sind mit der nötigen Geduld seitens des Ausbilders von jedem Pferd ausführbar. Bei manchen Tieren platzt im Verlauf solcher Arbeit regelrecht ein Knoten. Andere brauchen immer wieder Unterstützung durch die Grundübungen zur Auffrischung ihres Körpergefühls. Wichtig aber ist, dass man gegen diese Ursache des Stolperns mit der größten Aussicht auf Erfolg etwas unternehmen kann. Abgesehen von der gesteigerten Sicherheit für den Reiter reagieren vielen Pferde mit Entspannung und Dankbarkeit auf diese neuen Erfahrungen. Ihre Selbstsicherheit wächst mit jeder Übung, die sie souverän bewältigen.

Ute Forler


* Juni und Juli - Sommerzeit


Als Rosenmonat gilt der Juni bei Romantikern - und nicht zu Unrecht. Jetzt erblühen die Rosen und verströmen ihren Duft wie später nie im Jahr. Wunderbar - auch für Pferdeleute. Manchmal haben die aber in diesem Monat ganz andere Dinge im Kopf.

Heu beispielsweise. Denn der Juni ist auch der Heumonat, und das ist für self-made-Heumacher immer ein Va-Banque-Spiel: Hält das Wetter? Bekommt man den Bauern, der das Heu machen soll, auch dazu, es auch so spät zu ernten, wie man möchte? Die meisten Bauern ernten eben doch lieber Rinderheu, also weiches Heu, das für die Pferde gar nicht gut ist. Ein echtes Problem. Und dann schneiden sie es auch noch kurz über dem Boden ab, so dass die Maulwurfs- und Wühlmäusehügel vom Frühjahr später mit im Heu sind... igitt! Es ist nicht leicht, heutzutage noch jemanden zu finden, der das Gras sieben bis zehn Zentimeter über dem Boden abschneidet. Die meisten Mäher sind auf Bodennähe eingestellt, für die Heuqualität der absolute Graus! Wenn man dann noch eine Kräuterweide hat, muss das Heu noch einen bis zwei Tage länger liegen und trocknen, weil die Kräuter so blattreich sind - einen Bauern davon zu überzeugen, erfordert schon echte Könnerschaft.

Aber nicht nur das: Auch das Wetter ist ein Problem beim Heumachen. Gutes Heu braucht eine Woche Sonnenschein. Schon vor dem Schnitt sollte ein paar Tage die Sonne scheinen, und nach dem Schnitt kommt das Wenden, das Zeit braucht, und dann das Pressen, das nicht zu fest sein darf - oje, so ein Stress jedes Jahr! Aber es lohnt sich, denn danach ist das Heu trocken und rösch und duftet viel besser als zu frisch und zu fest gepresstes Heu.

Und noch etwas:

Wenn ihr etwas für die Tiere tun wollt, die auch in eurer Umwelt leben und denen eigentlich der Lebensraum gehört, den ihr nutzt, dann geht am Vormittag, bevor das Gras geschnitten wird, durch die Wiese - Jungtiere, die dort liegen, werden dann aufgescheucht und verenden nicht elendiglich in den Messern der Mähmaschine! Das sollte eigentlich für jeden Pferdebesitzer eine Selbstverständlichkeit sein.

Bis auf die Heuernte ist der Juni ein unspektakulärer Monat - es sind keine Witterungs-Katastrophen zu erwarten, nicht mal schwere Sommergewitter, die kommen meistens später. Die Pferde haben sich an die Weide gewöhnt, und überhaupt ist alles relativ ausgeglichen.

Jetzt ist die Zeit, die Pferde zu konditionieren. Die Zeit der Begeisterung über das frische Gras hat sich erledigt. Der vernünftige Reiter lässt seine Pferde nur stundenweise auf die Weide und kann jetzt richtig Kondition anreiten. Auch die Turniersaison boomt: Jetzt gibt es jedes Wochenende in jeder Ecke ein Turnier. Springturniere, Dressurprüfungen, Vielseitigkeit - jetzt geht es echt los! Und im Gelände ziehen die WanderreiterInnen ihre Spuren. Jetzt, wo die Wiesen abgeerntet sind, bekommt man immer mal Unterkunft bei einem Bauern - sprich: Eine Nacht auf gerade abgeernteter Wiese für die Pferde. Ein gut mit Strom eingezäuntes Stück ist schon ein angenehmes Nachtquartier für sie, wenn sie so etwas gewöhnt sind  - aber bitte nur dann, sonst kann man die Lieben am nächsten Morgen suchen gehen und überlegen, ob sie auch wirklich ausreichend versichert sind...

Es wird warm, und damit stellen sich die Fliegen, Mücken, Bremsen, alle diese verdammt ungeliebten Insekten ein. Klar - sie haben auch ein Lebensrecht, aber muss das unbedingt in der Nähe unserer Pferde sein? Biester! Die Industrie rings ums Pferd hat auch erkannt, dass das Pferde wie Reiter gleichermaßen ärgert und hat vorgesorgt: Da gibt es Fliegendecken, Fliegenspray und -gel, vorbeugende Futtermittel meist auf Basis von Knoblauch und sogar Ohrenschützer für fliegenempfindliche Pferde. Man mag darüber lachen - aber in den letzten Jahren sind die Insekten, gegen Vernichtungsgifte zusehends resistenter, immer aggressiver geworden. Besitzer von Pferden mit Sommerekzem können ein Lied davon singen: Waren die Mücken, die bei den Pferden die allergische Reaktion auslösen, früher nur in sumpfigen Gebieten zu finden, so fliegen sie heute locker auch in Trockengebieten und in Gebieten, in denen man sie früher nie vermutet hätte: an der See und in den Alpen in großer Höhe. Mit einem Wort - vor denen ist kein allergisches Pferd mehr sicher und muss allerspätestens jetzt sehr sorgfältig gepflegt und geschützt werden. Tut man das nicht, hat man im Juli mit Sicherheit ein unglückliches Pferd, das sich qualvoll bis aufs Blut gescheuert hat.

Abgesehen vom Sommerekzem aber ist der Juni - nach dem oft kühlen und wetterwendischen Frühjahr und an der Schwelle des Sommers - einer der ausgeglichensten Monate. Noch braucht man keine Angst vor ausgetrockneten Böden zu haben, wenn man draußen reitet, und gerade jetzt ist die Natur in einer Überfülle, die im Juli schon bricht...


Im Juli ist der Sommer wirklich ausgebrochen, und man kann sich schon fast nicht mehr daran erinnern, wie nass und matschig es im letzten November war...

Jetzt bekommt man eher Probleme mit der Trockenheit: Man kann die Kunststoffpfähle für den mobilen Elektrozaun fast nicht mehr in den harten Boden treten, der Erdungspfahl für das Weidezaungerät funktioniert nicht mehr, weil er keine Feuchtigkeit im Boden findet, und der Misthaufen schimmelt! Und nicht nur das: Auch die Hufe der robust gehaltenen Pferde trocknen jetzt schnell aus, und dann gibt es den sogenannten eingezogenen Weidehuf, der wie eine Eieruhr in der Mitte schmaler ist, d.h. das Horn um die Hornkapsel ist ausgetrocknet, während der Kronrand und der Tragrand noch ihre Form bewahren. Die Folge sind splitternde Hufe und tiefe Hufrisse.

Aber für all das gibt es auch Abhilfe: Die Kunststoffpfähle tritt man einfach in eine Pfahlwurzel - entweder vom Löwenzahn oder vom Huflattich; irgendetwas wird sich schon finden. Die Pfahlwurzeln haben nämlich noch lange Wasser und damit Flexibilität, wenn der Boden rundum schon lange ausgetrocknet ist. Beim Erdungspfahl fürs Elektrozaungerät hilft fleißiges Gießen. Da das Wasser auf dem trockenen Boden aber oft einfach nicht versickern will, sondern regelrecht obendrauf stehenbleibt, muss man um den Erdungspfahl einen kleinen Krater graben, eine Art Trichter. Ist der voll, wartet man ein bisschen, bis sich der Boden darin vollgesaugt hat, und dann läuft das Wasser prima am Stab nach unten - der Elektrozaun hat wieder Saft.

Den Misthaufen muss man jetzt in der trockenen Jahreszeit ab und an kontrollieren. Wohl dem, dessen Misthaufen im Schatten steht - der hat damit keine Arbeit. Aber nicht jeder kann sich aussuchen, wo er seinen Mist ablagert. Und wenn das in der Sonne ist, gibt es meistens Ärger mit Trockenschimmel. Der Mist verbrennt, sagen die Bauern, und tatsächlich sieht der Mist aus wie Asche. Er ist dann für nichts mehr brauchbar. Ab und an sollte man deshalb mal in den Misthaufen reinschauen, wie er denn aussieht. Ist er noch braun und duftet entsprechend, ist alles in Ordnung. Man kann sich auch ein einfaches Einmachthermometer kaufen (die sind lang genug) und es in den Misthaufen stecken: Ist die Temperatur höher als 60 °C, muss gekühlt werden. Also den Misthaufen leicht auseinanderziehen und wässern. Man kann dafür einen Rasensprenger nehmen oder einen Schlauch auf Sprühen einstellen, damit die Nässe langsam und gleichmäßig in den Mist sinkt.

Die einfachste und pferdefreundlichste Methode, um den Hufen Feuchtigkeit zuzuführen, ist, die Pferde morgens früh auf die Weide zu lassen. Dann nehmen die Hufe den Tau auf, der auf dem Gras liegt. Langsam und stetig dringt er ein, bis die Sonne den Tau weggenommen hat - so lange und sanft kann man die Hufe gar nicht abspritzen. Diese Feuchtigkeit reicht locker bis zum nächsten Morgen, und es macht auch nichts aus, wenn die Pferde einmal nicht frühmorgens auf die Weide kommen.

Jetzt macht den Pferden die Mittagshitze zu schaffen, und sie sind dankbar, wenn sie mittags von der Weide reinkommen dürfen oder dort zumindest einen schattigen Unterstand haben. Ein Witterungsschutz auf der Weide ist übrigens Vorschrift. Wenn Pferde ohne Witterungsschutz auf der Weide gelassen werden, kann das empfindliche Geldbußen für den Pferdebesitzer nach sich ziehen.

Will man in dieser Jahreszeit die Pferde reiten, ihnen andererseits aber Weidegang gönnen, so muss man sie Stunden vor der Arbeit von der Weide in die Kühle holen. Kein Pferd arbeitet gern von Hitze durchglüht und mit vollem Bauch. Nach dem Reiten muss man sie jetzt gut abwaschen, damit der Schweiß nicht die Insekten anzieht. Das macht man am besten mit viel klarem Wasser, dem man einen Schuss Obstessig hinzugefügt hat. Der neutralisiert das Hautklima, und die Insekten mögen seinen Geruch gar nicht.

Übrigens: Auch Pferde können Sonnenbrand bekommen. Besonders gefährdet sind die Schimmel mit rosa Hautstellen und helle Füchse. Es schadet gar nicht, auf diese Stellen ein Sonnenschutzmittel mit einem hohen Schutzfaktor aufzutragen - auch wenn andere Pferdebesitzer darüber lachen. Denen schält sich die Haut ja nicht...


Im Juni wurden die Weiden gemäht, jetzt sind sie wieder soweit gewachsen, dass die Pferde nachweiden können. Aber Vorsicht bei diesen Weiden: Die Pferde suchen sich - Feinschmecker, die sie sind - die neuen nachgewachsenen Grashälmchen heraus und verschmähen die Stoppeln. Das bedeutet, dass sie mit dem jungen Gras viel Eiweiß und kaum Rohfaser aufnehmen. Die Rohfaser brauchen sie aber, denn die Ballaststoffe halten die Verdauung in Schwung. Also muss man dafür sorgen, genügend Raufutter anzubieten, am besten erstklassiges Futterstroh. Auch wenn die Pferde nicht gleich drangehen - über Nacht knibbeln sie doch die ihnen zugedachte Menge weg, wobei diese pro Pferd nicht über 4 kg liegen sollte.

Letzten Monat gab es Heu, nächsten Monat gibt es Stroh - beides arbeitsintensive Zeiten für Pferdehalter. Im Juli hingegen hat man Zeit, alles ein bisschen auf Vordermann zu bringen. Schon jetzt sollte man die Zäune noch einmal gründlich nachsehen, bevor im September/Oktober das Futterangebot knapper wird und damit die Zäune doppelt sicher sein müssen.

Uta Over


* Gesundheit: Das Sommerekzem


Sommerräude, Sommerekzem – gefürchtete Worte für Pferdefreunde. Immer mehr Pferde sind davon betroffen. Das mag einerseits damit zusammenhängen, dass die Insekten immer stärker verbreitet sind, die mit ihren Stichen die allergische Reaktion auslösen – andererseits werden aber auch (glücklicherweise!) immer mehr Pferde artgerecht gehalten, d.h. sie stehen nicht im dunklen, abgeschlossenen Stall, sondern befinden sich an der frischen Luft, können sich bewegen und treffen draußen auf der Weide oder auf dem Paddock leider neben all den Vorteilen auch auf die Gnitzen und Kriebelmücken, die mit ihren Angriffen den quälenden Juckreiz auslösen können.


Individuelle Behandlung

Unzählige Therapien werden angeboten. Das beginnt mit einfachen Fliegenschutzmitteln, geht weiter mit Futtermittelzusätzen, die häufig durch Knoblauch und ähnliche Geruchsstoffe die Insekten vom Pferd fernhalten sollten, und endet bei speziellen Lotionen, Wässerchen und Einreibungen. Und hier wird es problematisch: Denn was bei dem einen Pferd wahre Wunder wirkt, hilft dem anderen vielleicht gar nicht.

Jedes Pferd reagiert individuell. Vor dem Pferdebesitzer liegt daher oft eine längere Phase des Ausprobierens, bis das passende Mittel gefunden ist.

Sicher wirken Cortison-Gaben. Diese Medikamente haben jedoch erhebliche Nebenwirkungen; der Einsatz von Cortison sollte daher nicht leichtfertig vorgenommen werden, sondern wohl abgewogen werden.

Ebenfalls gut wirksam, aber ohne Nebenwirkungen hilft die Ekzemer-Decke. Solche Decken hüllen das Pferd buchstäblich von Kopf bis Schweif ein, auch den Bauch, und halten so ganz einfach mechanisch die Insekten fern. Simpel, aber es funktioniert!


Die passende Weide

Uneingeschränkter Weidegang ist für Ekzemer oft nicht zu empfehlen. Das hat auch den Vorteil, dass die Ekzemerdecke nicht 24 Stunden am Tag getragen werden muss, was – wenn sie nicht hundertprozentig ideal sitzt – zu Scheuerstellen führen kann.

Einerseits sollte gerade bei Ekzemer-Pferden darauf geachtet werden, dass sie nicht zu dick werden – in den Speckfalten etwa am Hals wird die Haut schlecht belüftet, es kann durch das Scheuern zu schlimmen Entzündungen kommen. Ein geregelter Stoffwechsel, der während der Weidezeit etwa durch die Gabe von Raufutter wie gutem Stroh oder Heu begünstigt wird, ist für die betroffenen Pferde besonders wichtig.

Andererseits sind dunkle, geschützte Rückzugsräume hier besonders wichtig, die von den Insekten gemieden werden. Auch Pferde, die nicht unter dieser Allergie leiden, suchen an heißen Sommertagen zumindest in der Mittagshitze gerne dunkle Weidehütten und schattige Plätzchen auf, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Für einen Ekzemer ist dies umso wichtiger.

Besonders aggressiv sind die Insekten häufig in der Dämmerung, sowohl morgens als auch abends. Die dunklen Nachtstunden sind eine geeignete Zeit für den Weidegang.

Die Weide selbst sollte möglichst offen und luftig sein, ein frischer Wind  tut gut. Feuchtgebiete wie sumpfige Quellen oder Teiche hingegen dienen den Insekten oft als Brutstätten, hier ist die Belastung besonders hoch.


Vererbung

Es gibt Hinweise darauf, dass die Veranlagung zum Sommerekzem, also die Allergie-Bereitschaft, auch erblich bedingt ist. In der Konsequenz bedeutet das, dass Ekzemer keinesfalls zur Zucht benutzt werden sollten! Wie schön das Pferd auch sein mag, wie gut die Stute auch ist – eine Insekten-Allergie sollte im Hinblick auf kommende Generationen als K.O-Kriterium gelten, dieses Pferd darf sich nicht vermehren.

Beim Pferdekauf ist es daher auch durchaus sinnvoll, sich die Eltern und Geschwister des Wunschpferdes anzusehen, wenn möglich. Eine Allergie muss nicht zwangsläufig in den ersten Lebensjahren auftreten, sondern kann auch später noch zum Problem werden. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist jedoch geringer, wenn alle Verwandten ekzemfrei sind – Garantien gibt es allerdings in keinem Fall.


* Zur Diskussion: Einfach überfordert


Seit Stunden müht man sich nun schon mit ein und derselben Lektion ab, doch noch immer ist nicht einmal der Ansatz eines Fortschrittes zu bemerken... Woran mag es liegen?

Ein kluger Reiter sucht den Fehler zuerst einmal bei sich selbst, allerdings nicht immer in der richtigen Richtung: Will es mit einer Übung einfach nicht klappen, scheint es einem logisch, die Ursache in deren Durchführung zu suchen. So wird dann jeder Schritt noch einmal überdacht: Habe ich die Parade richtig gegeben, war mein Gewicht vielleicht falsch verlagert oder kann es sein, dass meine Schenkel sinnlos in der Gegend herumschlackerten? Alles wichtige Überlegungen, und ich möchte wetten, dass sich mit eben diesen enorm viele Probleme lösen lassen; was ist aber, wenn die Wurzel allen Übels gar nicht die Durchführung ist, sondern der Zeitpunkt oder der Anspruch?

Für viele Reiter scheint es auch nahe liegend, dass das Pferd einfach auf stur gestellt hat und man deshalb nicht weiterkommt. Also wird man nach einigen netten Versuchen immer deutlicher und endet vielleicht sogar bei regelrechter Brutalität, nur um endlich die gewünschte Mitarbeit des Pferdes zu erlangen; was aber, wenn man die Mitarbeit seines Pferdes schon längst hat und dieses mit seinen Forderungen an den Rand der Verzweiflung treibt?

Was also, wenn man sein Pferd ganz einfach überfordert, wenn man etwas von ihm verlangt, was es nicht oder noch nicht leisten kann?


Überfordert - nur ein physisches Problem?

Hört man einen Satz wie: Мein Pferd ist überfordert, so kommt einem vielleicht das Bild eines leicht übergewichtigen kleinen Wuschelponys (damit ist keinesfalls mein eigenes gemeint...) in den Sinn, welches versucht, ein Springhindernis der S-Kategorie zu überwinden - man wird also zu allererst einmal an eine körperliche Überforderung denken. Und damit denkt man nicht falsch, tatsächlich gibt es auch bei Pferden begabte und unbegabte, leistungsfähige und nicht so leistungsfähige Individuen.

Im Leistungssport ist das den meisten Menschen noch recht verständlich; nicht nur im Springen, sondern auch in der Dressur scheinen einige Lektionen einfach logischerweise zu schwer für ein Durchschnittspferd. Nicht umsonst werden für solche Pferde aufgrund ihrer besonderen Begabungen ja auch horrende Summen gezahlt. Natürlich spielen auch die überdurchschnittlich gute Ausbildung und der entsprechende Reiter eine wichtige Rolle, doch ohne die Leistungsfähigkeit des Pferdes geht es nicht. Aufgrund dieser Tatsachen kommt also kaum jemandem der Gedanke, sein Pferd müsse Vergleichbares leisten können.

Anders sieht es jedoch mit der Einsicht und dem Verständnis im normalen Stallalltag aus: Da kommt so mancher Reiter gar nicht auf die Idee, dass ausgerechnet sein Sturmwind genau das Hindernis nicht schaffen soll, über welches noch gestern der doch offensichtlich untalentierte Purzel von dieser arroganten Frau Müller gesprungen ist; und selbst wenn doch einmal kurz solch ein Gedanke aufkommt, wird er ganz schnell wieder beiseite geschoben. Es muss einfach andere Gründe für Purzels Überlegenheit geben: Vielleicht war man in letzter Zeit zu nachlässig in der Springstunde, oder Frau Müller hat einen besonders guten Bereiter aufgetan, und was bekommt Purzel eigentlich zu fressen?

Die physische Unterlegenheit des eigenen Pferdes wird häufig gar nicht erkannt oder ganz einfach ignoriert. Doch was sich hier wie ein eher harmloser Wettstreit anhört, kann für dasjenige Pferd, welches bei eben diesem Sprung an seine körperlichen Grenzen stößt, böse Folgen haben - doch dazu später.


Lernen braucht seine Zeit

Die körperliche Überforderung, welche natürlich in allen Bereichen auftreten kann, ist für die meisten Reiter noch einigermaßen nachvollziehbar. Und spätestens, wenn ein Pferd ein Hindernis auch unter Zuhilfenahme jeglicher Tricks nicht schafft oder wenn ein Pferd auf einem Geländeritt zusammenbricht, ist sie mehr als offensichtlich.

Schwieriger ist es da schon mit der psychischen Überforderung: So wird einem kaum jemand abnehmen, dass ein normales Pferd beispielsweise mit Schenkelweichen körperlich überfordert ist oder dass es grundsätzlich zu viel verlangt ist, wenn es korrekt über ein Cavaletti springen soll. Es ist jedoch sehr wohl möglich, dass dieses Pferd aufgrund von mangelnder Ausbildung und Vorbereitung noch nicht in der Lage ist, zu verstehen, was man von ihm möchte.

Dieses Problem tritt insbesondere dann auf, wenn sich Reiter ohne besondere Kenntnisse in der Ausbildung von Jungpferden an eben diese wagen. Ohne die nötige Erfahrung und in erschreckend vielen Fällen sogar ohne die nötigen reiterlichen Fähigkeiten trauen sich viele Reiter zu, ihr junges Pferd alleine anzureiten. Kommt dann zu der eben bereits erwähnten mangelnden Vorbereitung auch noch eine zu große Menge an Neuem hinzu, hat das junge Pferd einfach nicht die Chance, den Wünschen des Reiters nachzukommen. Hier ist es also psychisch berfordert. Weil viele Reiter solch eine Situation dann nicht richtig einschätzen, wird hier nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Unwissenheit oft falsch reagiert.

Nicht anders kann es natürlich auch bei der Arbeit mit schon ausgebildeten Pferden sein. Möchte ich mit einem Pferd neue Lektionen erarbeiten, kann es immer passieren, dass ich dieses aufgrund von zu hohen Ansprüchen - wie eben sehr viel Neues auf einmal verlangen - psychisch überfordere.


Es fängt früh an

Diese Form der Überforderung fängt oft schon früh an: Gerade mit Fohlen beschäftigen sich viel Menschen sehr gerne und deshalb auch leicht zu viel. Natürlich gibt es Dinge, wie etwa sich aufhalftern und führen lassen, Hufe geben usw., die ein Fohlen können sollte, doch die meiste Zeit gehört ein Fohlen eben mit anderen Pferden auf die Weide, um dort seine Kindheit zu genießen. Fängt man hier an, dem Fohlen schon so viel wie möglich beibringen zu wollen, verfällt vielleicht auf den Gedanken „etwas Bodenarbeit schadet nie“ und triezt das Fohlen mit zahllosen Übungen auf dem Reitplatz, so ist dieses nicht nur hoffnungslos überfordert, sondern verliert aufgrund solcher Aktionen vielleicht sogar die Lust an jeglicher Arbeit, schon bevor diese überhaupt richtig begonnen hat.

Hier sollte man sich vielleicht einmal vor Augen führen, dass man Kinder ja auch nicht mit zwei Jahren in die Schule schickt.

Bei dem Beispiel Schule kann man eigentlich auch gleich bleiben, denn hier wird sich viel Zeit genommen, um den Schülern Wissen zu vermitteln. Immer wieder wird das Gelernte vertieft, und erst, wenn eine Lektion sitzt, wird mit der nächsten begonnen. Auch der Anspruch des zu Erlernenden wird behutsam und kontinuierlich gesteigert.

Und wie sieht es bei der Jungpferdeschulung, dem Einreiten aus? Geht denn hier nicht der Trend zu immer größeren Erfolgen in immer weniger Zeit - bewundern wir denn nicht alle die neuen Helden, wenn sie schon nach fünf Minuten einen Sattel auf ein vorher noch völlig rohes Pferd legen, sich hinaufschwingen und losreiten?

Zwar wird von einigen extra betont, dass dies nur eine Demonstration einer Methode zu Showzwecken sei und natürlich nicht auf eine normale Anreitsituation übertragen werden sollte, doch scheinen solche Worte ungehört zu bleiben. Was die Masse sieht, ist eine tolle neue und besonders zeitsparende Methode.

Dass sie ein junges Pferd mehr als leicht überfordern kann, sollte eigentlich verständlich sein. Schließlich trifft es auf einen neuen Menschen, bekommt etwas ihm völlig Fremdes auf den Rücken geschnallt, eventuell auch zum ersten Mal in seinem Leben etwas anderes als Nahrung in sein Maul gesteckt, und zu allem Überfluss soll man dann auch noch einen Menschen mit all seinem Gewicht durch die Gegend tragen... Eine Situation, die ich keinem jungen Pferd wünschen würde.

Und gerade wenn man hier von dem eigenen jungen Pferd redet, welches man auch noch als geliebtes Hobby betrachtet, hat man nun wirklich alle Zeit der Welt. Man kann mit seinem Pferd in Ruhe Kommandos an der Longe üben, man kann es vorsichtig an Sattel und Zaumzeug gewöhnen, kurz gesagt, man kann dem Pferd einfach die Zeit lassen, die es braucht, um sich auf seine neue Aufgabe einzustellen. Diese Methode ist zwar lange nicht so spektakulär und kostet auch viel Zeit, doch liefert sie einem selber und dem jungen Pferd für die folgende Ausbildung schon einmal eine Menge Vertrauen und Sicherheit.

Auch in der Ausbildung selber gilt es also, dem Pferd genügend Zeit zu lassen, um Neues zu lernen und dies durch Wiederholungen zu vertiefen. Hier kommt auch der Spruch zum Tragen „Man sollte immer mit einem Erfolgserlebnis aufhören“. Denn auch wenn es an einem Tag besonders gut läuft, sollte man sich nicht unbedingt von dieser Erfolgswelle mitreißen lassen, sondern nach einer zum ersten Mal wirklich gut gelungenen Lektion lieber das Trainingsprogramm für diesen Tag beenden, anstatt die nächste anzugehen,und sich und dem Pferd eher noch einen entspannenden Ausritt gönnen.


Die Folgen

Auch bei den Folgen ist der körperliche Aspekt vielleicht etwas offensichtlicher, denn eine Überforderung kann einerseits direkt in der Situation zu Verletzungen führen, andererseits muss man mit Folgeschäden, wie etwa geschädigten Gelenken, Rückenproblemen etc. rechnen.

Übel kann es ausgehen, wenn sich das Pferd die Überforderung eine ganze Zeit lang gefallen lässt, also wenn es etwa immer etwas mehr leistet, als eigentlich gut für es wäre. Nimmt man dies nicht zur Kenntnis und nutzt es im Gegenteil auch noch aus, indem man etwa sehr intensiv und ohne die nötige Abwechslung immer in eine bestimmte Richtung trainiert, so kann es sein, dass das Pferd eines Tages sauer wird. Dies heißt, dass es sich plötzlich verweigert und vorher schon erfolgreich erbrachte Leistung nicht mehr zeigt. Diese Verweigerung äußert sich oft sogar in heftigen Reaktionen wie etwa Steigen oder Losrennen.

Werden diese Reaktionen dann wie ein Ungehorsam behandelt und bestraft, macht man seinen eigenen Fehler nur noch schlimmer.

Wenn man Glück hat, kann man so ein saures Pferd mit viel Zeit, Geduld und Arbeit wieder zu einer guten Mitarbeit bewegen, wenn man jedoch Pech hat, ist so ein Pferd zumindestens für einen bestimmten Bereich endgltig verdorben.

Nach diesen dramatischen Folgen sollte jedoch auch eine kleinere und doch nicht weniger wichtige Folge erwähnt werden: Das so hoch gelobte und wichtige Vertrauensverhältnis zwischen Pferd und Mensch kann man sehr schnell und gründlich zunichte machen, indem man von seinem Pferd etwas verlangt, was dieses auch mit echter Mitarbeit und gutem Willen nicht erfüllen kann, und es dafür dann straft.


Fazit

Und mal wieder ist man bei einem wesentlichen Thema der gesamten Reiterei angekommen: Will man eine Überforderung des Pferdes vermeiden, muss man zum einen das Pferd und seine Grenzen genau einschätzen können, und zum anderen auch sich selbst, seine eigenen Fähigkeiten und eben auch Schwächen kennen.

Auch wenn man dies nicht in allen Punkten leisten kann, sollte man, wenn man mal wieder mit seinem Pferd nicht weiterkommt, einfach einmal die Ansprüche, welche man stellt, gründlich auf ihre Berechtigung überprüfen.

Katinka Schnitker


* Zum Wiehern: Die Stallpolizei


Dort läuft doch schon wieder ein Hund ohne Leine durch den Stall, ein Gebiss wird unter dem falschen Wasserhahn abgewaschen, und zu allem Überfluss hat auch noch jemand vergessen, seinen Putzkasten wegzustellen - welch heilloses Chaos, in dem zweifellos jeder Stall versinken würde, wenn es sie nicht gäbe: die Stallpolizei.

Sie besteht aus reizenden Mitmenschen, die wir wohl alle kennen und lieben und die ihre ganze - offensichtlich knapp bemessene - Freizeit damit verbringen, sich den gesamten Tag im Stall aufzuhalten und für Recht und Ordnung zu sorgen.

Kaum hat man in der Eile beim Fegen einen mittelgroßen Dreckkrümel übersehen, sind sie da, jederzeit bereit, rettend einzugreifen, wenn das Wohl des Stalles, welches zweifellos an diesem Krümel hängt, in Gefahr ist. Dabei sind sie stets in der Lage, die Stallordnung in erstaunlich präziser Weise zu zitieren: Punkt 5 Absatz 3: „Der Putzplatz ist nach jeder Benutzung gründlich gesäubert zu hinterlassen.“


Verteidigung zwecklos

Müde Verteidigungsversuche wie etwa: „Ich hab ja gefegt, aber ich bin wirklich schon sehr spät dran und außerdem ist da ja nur dieser kleine Krümel...“, führen unweigerlich zu einer genauen Definition des Wortes „gründlich“. So sieht man mit der Zeit ein, dass die Stallpolizei einfach immer Recht hat, und geht dazu über, sich überschwenglich dafür zu bedanken, dass sie einen auf diesen groben Verstoß aufmerksam gemacht haben, und bietet sozusagen zu Übungszwecken an, noch schnell den Hof zu fegen.

Harte Aufnahmebedingungen

Wie man sich für diese Eliteeinheit des Stalles qualifiziert, ist mir persönlich zwar immer noch nicht bekannt, doch gehe ich stark davon aus, dass dem Ganzen eine strenge Ausbildung zu Grunde liegt; denn sie wissen einfach Sachen, die uns „Normal-Einstellern“ immer noch nicht ausreichend bekannt sind. So können sie zum Beispiel die unsichtbaren Grenzen des Waschplatzes unglaublich genau abschätzen, wie man schnell merkt, wenn sich der rechte Hinterhuf seines Pferdes mal wieder weit außerhalb dieser Grenzen befindet.


Stets omnipräsent

Irgend ein Angehöriger der Stallpolizei steht zum Glück zu jeder Tages- und Nachtzeit hinter einem Schrank, versteckt sich in einer Futtertonne oder verbirgt sich im Schatten einer Box, was besonders Leuten wie mir zugute kommt, die ständig vergessen, ihr Halfter vorschriftsmäßig aufzuhängen.

Dieser Umstand kommt aber auch dem Schutz der Pferde sehr zugute: Neulich wurde ich zum Beispiel von einer Freundin gebeten, ihr Pferd mitzuversorgen, und so konnte ein Rudel Stallpolizisten an diesem Tag beobachten, wie ich auf der Weide an meinem Pferd vorbei auf ein anderes zuging und dieses aufhalfterte. Am Weidetor wurde ich daraufhin gestellt und mit strengem Blick gefragt, ob ich wüsste, dass dieses Pferd, das ich gerade von der Weide führen wollte, nicht mein eigenes sei? Als ich dies nach einem weiteren prüfenden Blick mit gutem Gewissen bestätigen konnte und zusätzlich darauf hinwies, dass sich ja schließlich die Ähnlichkeit zwischen diesem Pferd und meinem Pferd in Grenzen hielt, begann das Verhör über den Grund meines offensichtlich geplanten Tuns.

Nun mag man denken, dass die Stallpolizei vielleicht doch etwas übereifrig sei, aber wenn es einem gelingt, sein Handeln überzeugend zu rechtfertigen, wird man ohne weitere Probleme die Weide mit Pferd verlassen können. Gelingt einem dies allerdings nicht, bleiben einem noch genau zwei Alternativen: Entweder man kapituliert und versorgt das Pferd an diesem Tag eben nicht - oder man wartet, bis die Stallpolizei sich telefonisch das O.K. des Besitzers geholt hat.


Danke!

So sind sie also, die edlen Kämpfer für Recht und Ordnung, die glorreichen Helden im Kampf gegen streunende Strohhalme auf der Stallgasse, pflichtbewusst und mutig und doch so oft falsch verstanden. Immer wieder stimmt es mich traurig, wenn ich üble Nachrede über diese Menschen höre, die bereit sind, das zu tun, was alle anderen für überflüssig halten... Auch wenn sie einen dabei manchmal dazu zwingen, im Schutz der Dämmerung keuchend Putzzeug, Sattel und Trense zur Weide zu schleppen, nur um einer Wiederholung des Vortrages über die Wichtigkeit der richtigen Steigbügelpflege vor dem Ritt in den Wald zu entgehen.

Deshalb möchte ich mich heute aus der Masse hervorheben und sagen, was schon längst einmal fällig war: Danke, dass es euch gibt, und danke, dass ihr euch auch durch das herzzerreißendste Flehen nicht von der Arbeit abhalten lasst!

Katinka Schnitker

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