Die Jugend-Pferdezeitschrift im Netz
Equikids - Ausgabe 06/2010
Auf zum Turnier - Kitzlige Pferde - Sommerekzem - Turnier- oder Freizeitreiter? - Man kann nicht immer gewinnen ...
Bevor ein genauer Trainingsplan erstellt wird, sollte sich der Reiter zunächst einmal
eine Übersicht über die Turniertermine verschaffen und sie mit seiner persönlichen
Zeitplanung abstimmen.
Was für die Großen des Turniersports selbstverständlich ist,
macht auch schon bei den "Kleinen" Sinn. Mithilfe des Turnierkalenders lassen sich
Schwerpunkte setzen hinsichtlich der geplanten Turnierteilnahmen.
Auch wenn keine
Meisterschaften angestrebt werden, auch wenn alle Turniere eigentlich nur aus persönlicher
Freude an der Sache besucht werden sollen, sollte ein Reiter seinem Pferd zuliebe
stets auch den größeren Zusammenhang sehen. Folgende Punkte spielen bei der individuellen
Saisonplanung eine wichtige Rolle:
Eigene Urlaubsplanung
Wenn während des eigenen Urlaubs
auch das Pferd auf die Weide geht und nicht durchgehend weiter trainiert wird, ist
es wichtig, schon ein bis zwei Wochen vor dem Urlaub die Anforderungen langsam herunter
zu schrauben und so das Pferd auf seine Freizeit einzustellen. Wer am Wochenende
vor dem Flug in den Süden noch so richtig anstrengende Prüfungen reitet und dann
sein Pferd einfach wegstellt, riskiert Störungen an Leib und Seele bei seinem Partner.
Auch nach dem Urlaub sollte dem Pferd erst eine Mindestzeit zur Wiederaufnahme des
ernsten Trainings gegeben werden, bevor das nächste Turnier ruft.
Impftermine für
die Pferde
Direkt nach einer Impfung sind weder hartes Training noch eine Turnierteilnahme
empfehlenswert. Idealerweise gewährt der Reiter seinem Pferd nach der Impfungen einige
Tage leichteren Trainings und lässt ihm bis zur ernsten Prüfungsanforderung etwa
zwei Wochen Zeit.
Schmiedtermine
Weder mit dem frisch beschlagenen/frisch ausgeschnittenen
noch mit dem über das Eisen gewachsenen/langen und im Zweifelsfall ausgebrochenen
Huf sollte man auf dem Turnierplatz auftauchen. Gerade für Prüfungsanforderungen
soll sich das Pferd optimal wohl fühlen, um sein Bestes geben zu können. Auf fühligen
Hufen oder stolperlangen Zehen lässt sich nicht so gut sportliche Leistung zeigen.
Ein Turnierreiter sollte dies bei seiner Terminplanung berücksichtigen.
Regionale
Erreichbarkeit des Turniers
Selbstverständlich ist es jedem Turnierbegeisterten selbst
überlassen, wie viele Stunden er zum Turnierplatz hin unterwegs sein möchte. Wenn
es ihn aber zu Veranstaltungen lockt, bei denen eine mehrstündige Anfahrt bevor steht,
sollte er überdenken, ob er sich und seinem Pferd eine eventuell notwendige Nachttour
zumuten möchte oder ob er lieber Boxen- und Übernachtungsangebote des Veranstalters
nutzen möchte und schon einen Tag vorher anreist. Allerdings tun sich manche Pferde
durchaus schwer mit einem "Boxenstopp" im fremden Stall. Selbst wenn ein kleiner
Paddock aufgebaut wird, um dem Pferd den ungewohnten Stall zu ersparen, bleibt doch
die ganze fremde Umgebung als Stressfaktor bestehen, auf den viele Pferde empfindlich
reagieren. Die einen fressen nicht richtig, die anderen saufen nicht aus fremden
Tränken oder überhaupt kein Wasser mit anderem Geschmack als gewohnt. Natürlich kann
man Futter und auch Wasser von zu Hause mitnehmen, aber in jedem Fall ist abzuwägen,
welche Art der Belastung für das Pferd schwieriger zu verarbeiten ist: Eine lange
Hängerfahrt direkt vor (und natürlich auch nach) dem Turniertag oder eine lange Hängerfahrt
plus eine/mehrere Nacht/Nächte im fremden Stall/fremder Umgebung. Auch die Spritkosten
und der allgemeine Zeitaufwand müssen neben der nervlichen Belastung für das Pferd
gerechnet werden.
Haushalten mit den Kräften des Pferdes
Selbst wenn es dem Reiter
grundsätzlich möglich wäre, jedes Wochenende aufs Turnier zu fahren, ist es fraglich,
ob dem Pferd ein solcher Dauerstress gut tut. Sogar die großen Reiter, bei denen
es wirklich um viel Geld geht bei ihren Starts, nehmen nicht ihr bestes Pferd jedes
Wochenende mit aufs Turnier, sondern setzen es gezielt für bestimmte Prüfungen ein
und gönnen ihm zwischendurch auch stressfreie Zeiten. Wer nun mit nur einem Pferd
arbeitet und Prüfungen reiten möchte, tut gut daran, auch mal den einen oder anderen
Wettbewerb auszulassen. Die Saison ist wirklich lang genug, um sich oft genug und
auf vielen Veranstaltungen zu überprüfen. Im Zweifelsfall steht ja sogar die Hallensaison
auch noch zur Wahl. Also: Bloß nicht übertreiben! Ein Pferd ist kein Automat, der
beliebig oft abgespielt werden kann. Selbst wenn kleinere körperliche Wehwehchen
"repariert" werden können, setzt doch die seelische Belastbarkeit deutliche Grenzen.
Auch hier ist wieder das gesunde Einfühlungsvermögen des Reiters gefordert, um zu
unterscheiden zwischen sinnvollem Erfahrungsaufbau und übermäßiger Belastung.
Sportliche
Höhepunkte setzen
Im Verlauf einer Turniersaison ist es sinnvoll, die Herausforderungen
langsam zu steigern und sich einen oder zwei sportliche Höhepunkte auszusuchen. Sowohl
Training als auch die ausgewählten Wettbewerbe sollten sich auf diese/n Höhepunkt/e
hin entwickeln. Z.B. könnte man die Saison mit Prüfungen der Klasse E beginnen und
etwa Mitte des Sommers ein oder zwei A-Dressuren/A-Springen oder auch eine A-Vielseitigkeit
reiten. Wenn dies gelungen ist, heißt das nicht, dass fortan das Pferd nur noch auf
dem hohen Niveau starten muss. Im Gegenteil: Entweder der Ausflug nach oben war ein
Erfolg, dann sollte das Pferd im Anschluss daran erst einmal belohnt werden mit einer
leichteren Prüfung auf dem nächsten Turnier. Oder es war ein Misserfolg, dann ist
es umso notwendiger, mit niedrigeren Anforderungen das Selbstbewusstsein bei Reiter
und Pferd erst wieder behutsam aufzubauen und zu festigen bevor - evtl. auch erst
im nächsten Jahr - ein neuer Anlauf in der höheren Klasse unternommen wird. Oder
aber die Beteiligten sehen ein, dass dem Pferd die schwierigeren Prüfungen doch zu
hoch sind, und konzentrieren sich fortan vermehrt auf das optimale Absolvieren der
geeigneten Anforderungen. Für diejenigen, welche einen ersten Höhepunkt souverän
gemeistert haben, könnte die Saison auch noch auf einen zweiten Schwerpunkt z.B.
im Herbst als Saisonabschluss hin aufgebaut werden. Dabei muss nicht mehr ganz bis
das Niveau der ersten Starts runtergefahren werden, aber es sollte doch eine leichtere
Phase zwischen den beiden Schwerpunkten liegen. Diese Überlegungen sind übertragbar
auch auf höhere Leistungsklassen und genauso auch auf andere Wettbewerbsformen. Jede
Form einer Prüfung bietet in der Regel Steigerungsmöglichkeiten hinsichtlich ihrer
Herausforderungen. Die Wellenform einer Saisonplanung lässt sich daher in jedem Bereich
berücksichtigen.
Ute Forler
Schnappen, beißen, stampfen, trampeln, flüchten, drohen – dieses und anderes mehr
an so genannten Untugenden erleben unzählige Reiter von Seiten ihrer Pferde immer
dann, wenn Gurtlage, Bauch und Flanken, manchmal auch die Beine angefasst oder geputzt
werden sollen oder wenn es darum geht, einen Gurt fest zu ziehen.
Kitzlig?
Die meisten
Besitzer gehen über solche Probleme ihrer Schützlinge mehr oder weniger gelassen
hinweg. "Mein Pferd ist furchtbar kitzelig", lautet die abschließende Erklärung.
Andere fühlen sich durch das "Fehlverhalten" ihrer Tiere herausgefordert und nehmen
den "Kampf" auf, d.h.: Sie bestrafen jede unerwünschte Reaktion mehr oder weniger
hart. Beide Verhaltensweisen sind nicht wirklich geeignet, eine Verbesserung zu erzielen.
Wie immer sollte der engagierte Pferdefreund zunächst die Ursachen bedenken, bevor
er sich der Korrektur von Symptomen zuwendet.
Die Urängste des Haustieres
Trotz jahrtausendelanger
Domestizierung ist das Pferd bis heute ein von seinen Urinstinkten geprägtes Wesen
geblieben. Die Angst vor Raubtieren steckt nach wie vor tief in ihm drin. Zwei Dinge
fürchtet es dabei naturgemäß am meisten: Zum einen den Angriff von oben, welcher
den tödlichen Genickbiss anstrebt, und zum zweiten den vielleicht noch grausameren
Angriff von unten, bei welchem das Raubtier dem Pferd den Bauch aufschlitzt, so dass
es in jedem Fall qualvoll verenden muss.
Gleiches Recht für alle Ängste
Einem Pferd
die Angst vor dem Aufsitzen und Gerittenwerden zu nehmen, das haben die meisten Menschen
inzwischen gelernt. Die Motivation des Reiters, solche Instinkte ernst zu nehmen,
liegt klar auf der Hand. Wenn sie ihr Pferd nicht sinnvoll und behutsam darauf vorbereiten,
einen Reiter zu tragen, wird es diesen schlicht und einfach wieder absetzen. Der
Gefahr eines Sturzes setzt sich niemand gerne aus – also macht man sich Gedanken
und findet Wege, dem Pferd die Angst vor dem Wesen auf seinem Rücken zu nehmen.
Die
"Problemzone" Bauch hingegen erregt wesentlich weniger Verständnis und Bemühen, da
es dem Menschen relativ leicht fällt, dem Abwehrverhalten eines in der Regel angebundenen
Pferdes auszuweichen und sich darüber hinweg zu setzen. Erst, wenn es beim Reiten
dann zu Sattelzwang-Explosionen kommt, werden sich wieder ein paar Gedanken gemacht.
Eigentherapie
vor Pferdekorrektur
"Kitzelige" Pferde brauchen vor allem jemanden, der den Kreis
aus Angst und Aggression durchbrechen möchte. Das bedeutet für den Menschen, dass
er zuallererst seine eigene Furcht vor den Untugenden seines Pferdes abbaut und sich
in die Position des Trösters und Beschützers hinein versetzt. Wer sich fürchtet,
zornig wird oder das betreffende Tier vielleicht überhaupt nicht leiden kann, wird
nicht zu diesem durchdringen können. Hat der Mensch sich selbst im Griff, kann er
dazu übergehen, seine Ruhe und sein Vertrauen auf das Pferd zu übertragen
Berührung,
Entspannung, Vertrauen
Mit warmer, ruhiger und tiefer Stimme kann das gleichmäßige
Sprechen mit dem Pferd bereits ein gut Teil Entspannung bewirken. Berührungen mit
bloßer Hand sind ebenfalls ein wichtiger Schritt zum Angstabbau. Bei den Berührungen
kommt es allerdings sehr auf die Technik an. Es sollte stets bei "ungefährlichen"
Stellen wie z.B. der Halsseite begonnen werden. Weiterhin sollte die Hand des Menschen
nicht stupsen, nicht punktuell berühren, nicht federleicht sein, sondern ruhig und
fest über das Fell gleiten. Regt sich ein Pferd an bestimmten Stellen bei der Berührung
besonders auf, kann es helfen, die Hand ruhig und fest einfach dort liegen zu lassen,
während man mit der zweiten Hand wieder problemlose Zonen streichelt und mit ruhiger
und sicherer Stimme auf das Pferd einredet. In der Regel tritt dann nach relativ
kurzer Zeit bereits eine deutliche Entspannung ein, wofür das Pferd ausgiebig durch
Streicheln, Kraulen an Lieblingsstellen und gute Worte belohnt werden sollte. Von
einer Belohnung mit Leckerlis o.ä. würde ich in diesem Zusammenhang abraten. Das
Pferd braucht seinen Menschen hier als Beschützer und nicht als Futterspender.
Geduld,
Einfühlung und Erfolg
Das sind Begriffe, die gerade bei der Arbeit mit Pferden immer
wieder untrennbar miteinander verbunden sind. Wichtig ist es zu wissen, dass ein
so genannt kitzeliges Pferd sich in der Regel nicht widersetzen will, sondern mit
Ängsten und Instinkten kämpft, deren Überwinden auch die Symptome abstellen kann.
Es gibt noch andere zusätzliche Auslöser für die Kitzligkeit eines Pferdes - damit beschäftigen wir uns in der nächsten Ausgabe.
Ute Forler
Das Sommerekzem ist für viele Pferde der Preis der Freiheit, denn im Stall gehaltene Pferde werden nicht oder kaum davon betroffen. Lediglich Pferde, die die Freiheit der Weide genießen dürfen, erkranken an dieser quälenden, juckenden Krankheit, die sie sich Mähne und Schweifrübe abschubbern und sich verzweifelt mit den Beinen unter den Bauch schlagen lässt.
Dieser Juckreiz ist so exzessiv, dass manche Pferde dadurch regelrecht psychische Schäden bekommen.
Was ist der Auslöser der Krankheit?
Das Sommerekzem ist schon lange bekannt, „populär“ wurde es jedoch erst in den sechziger Jahren, als größere Mengen Islandpferde importiert wurden und sozusagen schlagartig offensichtlich eine ganze Rasse erkrankte. Isländer galten folglich als Ekzemer.
Im Grunde sind sie jedoch kaum ekzemanfälliger als andere Rassen – der Grund für dieses Gerücht entstand lediglich dadurch, dass Islandpferde mehr als andere Freizeitpferde robust gehalten wurden und auch heute noch werden: Sie sind dem Auslöser der Krankheit relativ schutzlos ausgesetzt – der Stechmücke.
Genauer gesagt der weiblichen Stechmücke, denn nur sie löst die Krankheit aus. Stechmücken entwickeln sich im Wasser, auf dem sie ihre Eier ablegen. Innerhalb von zwei bis fünf Wochen schlüpft die Mücke aus der Larve. Bereits kurze Zeit nach dem Schlüpfen kann die weibliche Mücke begattet werden.
Zum Austragen der bis zu 400 Eier benötigt die Mücke allerdings Blut, das sie sich von einem Säugetier holen muss, meistens nimmt sie dazu ein Pferd. Damit das Blut nicht gerinnt, sondern sie es aufsaugen kann, drückt sie nach dem Stich erst einmal etwas Speichel in die Wunde. Auf diesen Speichel reagieren viele Pferde mit einer Allergie.
Ob das Pferd schon beim ersten oder erst beim fünfzigsten Stich reagiert, hängt von seinem individuellen Immunsystem ab. Das wiederum ist teils genetisch bestimmt, teils von Haltungs- und Fütterungsbedingungen abhängig.
Ist die Krankheit erblich?
Erfahrungsgemäß hat ein hoher Prozentsatz von am Sommerekzem erkrankten Pferden – sei es Stute oder Hengst – die Disposition dazu in sich. Ob die Krankheit jemals ausbricht, hängt von den Lebensumständen des jeweiligen Tieres ab. Es gibt Pferde, bei denen sich das Ekzem erst in relativ hohem Alter, manchmal im Alter von über zwanzig Jahren, zeigt.
Bedauerlicherweise können aber auch Pferde von nicht am Ekzem erkrankten Elternteilen Ekzem bekommen. Absolut Sicherheit gibt es hier nicht.
Fest steht aber, dass Abkommen von Ekzemern die Disposition eher in sich tragen als Abkommen gesunder Eltern.
Wann und wo sticht die Mücke?
Mücken lieben feuchte Wärme und das Halbdunkel. Schwüle Abende und die Zeit um/nach dem Sonnenuntergang sind die Zeiten, in denen sie schwirren und stechen.
Auch warme Sommernächte werden von ihnen bevorzugt. Es ist deshalb ein Irrtum, wenn man Pferde nachts auf die Weide bringt, um sie vor den stechenden Insekten zu schützen, denn die sind auch nachtaktiv.
Die Mücken stechen am liebsten an den Stellen am Pferdekörper, an denen das Haarkleid nicht glatt anliegt, denn hier kommen sie am einfachsten an die Haut ran. Das sind also der Mähnenkamm, der Schweifrübenansatz und die Wirbel an den Flanken. Die Gliedmaßen mit ihren kurzen fest anliegenden Haaren spielen kaum eine Rolle, wohl aber die Bauchnaht und möglicherweise die Innenseite der Schenkel mit ihrer feinen Behaarung.
Diese Stellen gilt es zu schützen, will man der Mücke ein Schnippchen schlagen.
Wichtig zu wissen ist auch, dass Mücken relativ standorttreu sind. Selten entfernen sie sich mehr als acht Kilometer von ihrem Geburtsort, es sei denn, starker Wind trägt sie gegen ihren Willen fort.
Es gibt also immer noch Gegenden, in denen auch ein allergiebereites Pferd fast unbehelligt leben kann. Gibt es in einem Bestand keinen Ekzemer, so könnte das ein Hinweis darauf sein, dass hier die Stechmücken (noch) nicht sind.
Allerdings muss man sagen, dass sie sich in den letzten Jahrzehnten rasant ausgebreitet haben. Gab es in den sechziger Jahren noch viele mückenfreie Gegenden, so ist das heute kaum mehr der Fall. Lediglich einige Nordseeinseln sind mückenfrei – und quellen mittlerweile fast vor ehemaligen Ekzemern über, die hier allerdings gesund sind.
Das Sommerekzem ist auf der ganzen Welt bekannt und betrifft alle Pferderassen vom Arabischen Vollblut bis zum Kaltblut und Shetlandpony. Lediglich auf Island ist die Erkrankung bisher nicht in Erscheinung getreten, denn hier gibt es diese bestimmte Stechmückenart nicht.
Pferde wissen mehr als wir
Die Pferde wissen das schon lange. Instinktiv halten sie sich – natürlich nicht nur aus diesem Grund – lieber auf windigen Höhen auf als in Gegenden mit feuchten Wiesen oder gar stehenden oder träge fließenden Gewässern, den Brutstätten ihrer Quälgeister.
Pferde stehen auch gelassen in einem Schwarm tanzender Mücken, und der Mensch wundert sich: Er weiß nämlich nicht, dass nur die Mückenmännchen tanzen – Weibchen haben dazu gar keine Zeit. Und die Männchen sind keine Allergieauslöser. Offensichtlich wissen die Pferde das.
Die Symptome
Anfangs sieht man nur kleine Erhebungen der Haut unter dem Fell, die schnell zu jucken beginnen – und damit fängt der Teufelskreis an: Das Pferd juckt sich an den betroffenen Stellen, oft bis Blut kommt. Und das ist dann sozusagen der Eingang für andere Krankheitserreger in den Körper, Pilze und Bakterien richten einen Sekundärschaden an. Die Haut ist ständig wund, sie fängt an zu nässen und manchmal sogar unangenehm zu riechen.
Oft werden Mähne und Schweif völlig abgescheuert und das Pferd legt sich verzweifelt hin, um die Bauchnaht am Boden zu scheuern.
Im Herbst bzw. im frühen Winter stechen die Mücken nicht mehr, die Wunden können abheilen, Mähne und Schweif wachsen nach – bis der Kreislauf im nächsten Sommer wieder beginnt.
Was kann man tun?
Eine Heilung ist bisher wie bei vielen Allergien noch nicht möglich. Etliche Forschungsteams in Tierärztlichen Hochschulen und der Pharmaindustrie befassen sich mit dem Problem, haben aber noch keine Lösung gefunden. Lediglich Schutzmaßnahmen und Lösungsansätze sind bekannt, wobei jedes Tier individuell reagiert: Was bei einem Pferd als Schutzmaßnahme schon ausreicht, ist für das nächste Pferd lange nicht genug. Hier sind genaue Beobachtung und Ausprobieren nötig.
Lindern kann man sowieso nur die Symptome.
Die Mücke muss fern gehalten werden!
Es wird kaum möglich sein, eine Mückenpopulation weiträumig zu vertreiben, es macht auch keinen Sinn. Man müsste Unmengen von Insektiziden einsetzen, die wiederum die Umwelt in nicht zu verantwortender Weise schädigen. Hinzu kommt, dass die Mücken die Nahrungsgrundlage für viele Singvögel, für Schwalben und auch für die nachtaktiven Fledermäuse sind. Das geht also nicht.
Daher muss man den Körper des Pferdes schützen bzw. für die Mücke unattraktiv machen. Das geht auf zwei Arten: Einmal kann man den Körper ein- bzw. abdecken oder man gibt ihm einen geruchlichen Schutzschild, der die Mücke abschreckt.
Unabdingbar ist für Pferde, die robust gehalten werden, ein jederzeit zugänglicher, möglichst tief durch gehender und dunkler Offenstall. Denn Dunkelheit mögen die Mücken nicht und die Pferde ziehen sich „bei Gefahr“ automatisch in den dunklen Stall zurück. Dort verdösen sie dann gelassen die Stunden, in denen die Mücken schwirren.
Pferde eindecken
Wenn man die Teile des Pferdekörpers abdeckt, die von den Mücken bevorzugt werden, ist man schon einen guten Schritt weiter. Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurden mit dem Zunehmen des Sommerekzems spezielle „Ekzemerdecken“ entwickelt, die das Pferd notfalls vom Maul bis zum Schweif eindecken.
Die ersten Decken auf dem Markt kamen aus Schweden und sind auch heute noch marktbeherrschend, es gibt aber mittlerweile viele Nachahmer.
Wichtig ist, dass das Material atmungsaktiv ist, d.h. die Pferde dürfen darunter nicht schwitzen. Es gibt Decken, die lediglich den Rumpf abdecken, wobei der Bauchlatz nie vergessen werden darf. Andere Decken haben einen angesetzten, teilweise sogar mit Reißverschluss abzunehmenden Halsteil, und für extrem sensible Pferde sogar ein Kopfteil, das nur Maul und Augen frei lässt. Der Anblick dieser Pferde ist für schönheitshungrige Augen etwas gewöhnungsbedürftig – wenn man aber sieht, wie gern die Pferde in diesen Schutz schlüpfen, sollte man sich damit abfinden.
Die Decken sind mittlerweile so ausgereift, dass die Verschlüsse sinnvoll an den richtigen Stellen sitzen – ein Abreißen ist nur in den seltensten Fällen möglich. Allerdings kommen beim Spielen schon mal Risse in die Decke. Es ist also kein überflüssiger Luxus, eine Nähmaschine in greifbarer Nähe zu haben. Gute Firmen machen die Reparaturen aber auch kostenlos.
Die Körperstellen der Pferde, die die Decke nicht bedeckt, sollten darüber hinaus gut mit Fliegenschutzmittel besprüht oder eingerieben werden. Unter der Decke hingegen darf nicht „geschmiert“ werden.
Salben, Gele, Emulsionen, Tinkturen
Jeder Ekzembesitzer weiß ein Lied davon zu singen, denn es gibt unendliche Variationen auf dem Markt, angefangen von Knoblauchkonzentraten bis hin zu Ölen mit vielen Inhalten.
Diese „Schmiermittel“ haben zwei Funktionen: Zum einen sollen sich durch ihren Geruch oder durch den Fettfilm die Mücken fernhalten oder ihnen zumindest das Stechen vermiesen, zum anderen sollen sie heilende Wirkung bei bereits bestehenden Scheuerwunden haben.
In den „Anfangszeiten“ des Ekzems nahm man einfaches Ballistolöl (Waffenreinigungs-Öl). Nicht die schlechteste Maßnahme, wenn man den Geruch gut aushalten kann. Etwas angenehmer und viel reiner ist Neoballistol aus der Apotheke. Aber auch Nussöl, Paraffinöl, Nivea-Hautöl, Zedernholzöl und althosol (Wundöl), Nelkenöl und Melkfett erfüllen diesen Zweck.
Es gibt etliche Kombinationspräparate auf dem Markt, die eine Mischung verschiedener ätherischer Öle enthalten. Hier hilft leider nur Ausprobieren.
Nach Absprache mit dem Tierarzt kann man auch cortisonhaltige Emulsionen wie Hydrocortiderm oder Penochron verwenden, sollte es aber erst einmal ohne Cortison versuchen.
Wichtig ist das tägliche Versorgen der kleinen Wunden, der Schwellungen, der gefährdeten Stellen. Versäumt man dies über mehrere Tage, kann es passieren, dass sich das Pferd kahl und blutig scheuert.
Heilung von innen?
Auch der Futtermittelmarkt hat entdeckt, wie verzweifelt Ekzemer-Besitzer sind und dass sie bereit sind, viel Geld für die Linderung der Beschwerden ihrer Pferde auszugeben. Es gibt Firmen mit großen Forscherteams, die lange Erfahrung in der Futtermittel-Zusatzherstellung haben, und es gibt Bastler „in der Garage“.
Wichtig zu wissen ist, dass eine „Heilung von innen“ zur Zeit noch nicht möglich ist. Möglich ist es lediglich, die Voraussetzungen, dass die Mücke dieses spezielle Pferd nicht sticht bzw. dieses nicht allergisch reagiert, zu verbessern.
Erfahrungsgemäß sind diejenigen Pferde anfällig für Ekzem, die eine Unterversorgung mit Mineralstoffen und Mineralien, aber auch – und hier Achtung! – eine Überversorgung mit Vitamin A und D sowie mit Eiweiß haben.
Bevor man also irgendein Zusatzmittel füttert, sollte man ein spezielles Blutbild machen lassen. Möglicherweise liegt man schon mit gezielter Zufütterung von Selen, Magnesium, Zink oder Eisen richtig oder mit dem Weglassen von zusätzlichen Vitaminen.
Ein Tipp: Gute Futtermittelfirmen bieten eine Beratung an (natürlich kein kostenloses Blutbild, aber eine Beratung auf dessen Grundlage). Das sollte man nutzen und sich dann genau das passende Mittel kaufen.
Beipackzettel beachten
Besitzer von Ekzemern sind bereit, viel Geld auszugeben. Da sind Emulsionen auf dem Markt, die genauso viel und genauso wenig bewirken wie die einfachste Lotion von ALDI und teilweise maßlos überteuerte Mineralstoffe, die mit Füllmitteln zu einem Volumen aufgefüllt wurden, dass man denkt, man hätte „richtig“ was.
Auf jeden Fall sollte man bei allen diesen Mitteln ganz genau den Beipackzettel mit der Analyse des Produkts lesen, bevor man es kauft.
Zusammenfassende Tipps:
Mücken durch Eindecken, Fliegenspray und freizügiges Begehen von dunklen Räumen fern halten.
Bei der Fütterung auf eine gute Grundversorgung mit Mineralien und Vitaminen sorgen und eine Überversorgung von Vitamin A und D vermeiden.
Wunden regelmäßig versorgen und mit abschwellenden und juckreizlindernden Mitteln behandeln.
Uta Over
Hört man sich in verschiedenen "Reiterkreisen" um, wird man immer wieder hören, wie abfällig über "die Turnierreiter" oder das Gegenstück, "die Freizeitreiter", geredet wird.
Begriffe, die geklärt werden müssen
Der Turnierreiter, der Freizeitreiter, was soll das denn bitte sein? Reitet ein Turnierreiter denn ausschließlich Turniere und beschäftigt sich ansonsten nicht mit seinem Pferd, und wann reitet er denn diese Turniere, etwa nicht in seiner Freizeit?
Und ein Freizeitreiter, auch bekannt als Geländereiter, darf der einen Platz überhaupt betreten, oder muss er mit seinem Pferd tatsächlich ausschließlich im Gelände bleiben?
Und überhaupt, können Turnierreiter denn nicht ins Gelände gehen und Geländereiter nicht auf Turniere?
Welche Urteile und vor allem auch Vorurteile stehen denn nun eigentlich hinter diesen beiden Begriffen ?
Einige Vorurteile
Die häufigsten Vorurteile, die gegen die Turnierreiter bestehen, lauten:
Turnierreiter sind allesamt von Ehrgeiz zerfressen, und so zählt für sie ausschließlich der Erfolg auf dem nächsten Turnier, das Motto "dabei sein ist alles" scheint hier überhaupt nicht mehr zu zählen.
Zudem sind Turnierreiter meistens als Tierquäler verschrien.
Den Freizeitreitern hingegen wird vorgeworfen:
Dass sie eigentlich nicht reiten können, auch sonst nicht viel von Pferden verstehen und sich deshalb auf unausgebildeten Pferde mehr schlecht als recht durchs Gelände quälen.
Die Schattenseiten des Turnierreitens
Schaut man sich die Realität an , findet man leider einige dieser Vorurteile nur allzu oft bestätigt.
So trifft man vor allem in den üblichen Reitställen Leute, die gerade den 7. Platz bei der E-Dressur des Stallturnieres belegt haben und sich aufgrund dieser Tatsache von keinem mehr etwas sagen lassen müssen und sich einbilden, jetzt wirklich gute Reiter zu sein.
Dass Turnierreiten gerade in den unteren Klassen nicht unbedingt etwas mit reiterlichem Können zu tun haben muss, haben sie anscheinend noch nicht begriffen.
Natürlich ist Erfolg etwas Schönes, aber gerade hier besteht die Gefahr, dass man sich etwas zu sehr in den Turnierehrgeiz hineinsteigert. Ein verbissener Trainingsplan, der dem Pferd keine Abwechslung und Entspannung bietet, ist einfach der falsche Weg.
Auch falsch verstandener Ehrgeiz kann schnell zum Problem werden: So kann man zum Beispiel auf Turnieren beobachten, wie Reiter schon auf dem Abreiteplatz unkontrolliert auf ihr Pferd einschlagen, weil es ausgerechnet heute seine Lektionen nicht gut ausführt. Auch nach dem Wettkampf wird der Ärger über eine Niederlage oft am Pferd ausgelassen.
Wer solche Szenen beobachtet, ist dann schon mal schnell geneigt, sich vom Turniersport abzuwenden.
Und wie Turnierreiten auch sein kann
Ein Turnier kann etwas sehr Positives sein, nämlich die Möglichkeit, das Können, das man sich zusammen mit seinem Pferd erarbeitet hat, unter Beweis zu stellen; ein Erfolg ist dann zwar eine schöne Belohnung, doch wenn es diesmal nicht geklappt hat, kann man es ja schließlich jederzeit wieder versuchen. Schließlich kann man mit sich und seinem Pferd auch zufrieden sein, wenn man zwar nicht plaziert wurde, aber es wenigstens versucht hat.
Es kann auch einfach nur ein Anreiz für eine vernünftige Ausbildung und die damit verbundene Arbeit sein, denn mit einem Ziel vor Augen macht das Üben manchmal gleich viel mehr Spaß.
Nun schließen eine gute Ausbildung und intensive Vorbereitungen für ein Turnier Abwechslungen wie zum Beispiel Ausritte nicht nur nicht aus, sondern auf jeden Fall mit ein, denn ein guter Reiter wird schnell merken, dass ein Pferd, das gelangweilt oder genervt ist, einfach nicht so gut mitarbeitet wie ein ausgeglichenes und zufriedenes Pferd. Man kann von einem Pferd ja schließlich nicht erwarten, dass es, wenn es sich jeden Tag immer nur auf dasselbe konzentrieren muss, immer noch gerne und eifrig bei der Sache ist. Wir sorgen ja in unserem Leben auch für Abwechslung, indem wir zum Beispiel in unserer Freizeit reiten gehen.
Also: Abwechslung ist angesagt, und mit etwas gutem Willen kann einem da eine Menge einfallen, und Reiter und Pferd können sich beide sowohl bei den Turniervorbereitungen als auch beispielsweise auf einem schönen langen Ausritt wohl fühlen.
Freizeitreiter haben auch Fehler
Auch bei den Freizeitreitern bestätigen sich bei einigen die Vorurteile, denn hier kommt es tatsächlich öfter vor, dass Reiter und Pferd viel zu wenig ausgebildet sind.
Wer denkt, dass Pferd und Reiter nicht viel können müssen, um ins Gelände zu gehen, der irrt sich.
Gerade hier, wo einen keine Umzäunung auf relativ kleinem Raum hält und man jederzeit mit schwierigen Situationen, wie etwa einem Lastwagen oder einem Reh, das auf einmal aus dem Wald springt, konfrontiert werden kann, ist es wichtig, sein Pferd jederzeit unter Kontrolle zu haben, und dies geht eben nicht ohne eine Ausbildung.
Ausbildung ist ein absolutes Muss für Pferd und Reiter
So sind doch zum Beispiel einige Lektionen, wie beispielsweise Rückwärtsrichten oder Schenkelweichen, in gewissen Situationen im Gelände unerlässlich. Hat man sich in eine enge Sackgasse hineinmanövriert, möchte man diese ja schließlich wieder verlassen können. Ich kann ein Pferd auch am besten dazu bringen, ordentlich am Straßenrand zu gehen, wenn es auf meinen Schenkel reagiert. Auch eine schöne lange Galoppstrecke kann man erst dann richtig genießen, wenn man weiß, dass man sein Pferd am Ende oder gegebenenfalls auch früher wieder anhalten kann, und dieses Anhalten sollte kein unkontrolliertes Geziehe am Zügel sein, sondern durch eine "Hilfe" erreicht werden. Ob man sein Pferd durch eine Parade wie in der klassischen Dressur oder durch ein Signal wie beim Westernreiten anhält, ist dabei völlig egal.
Aber nicht nur zur Kontrolle benötigt man eine richtige Ausbildung; ein schöner Ausritt ist erst dann wirklich pferdefreundlich, wenn der Reiter gelernt hat, sich auf einem Pferd zu halten, ohne ihm weh zu tun. Er muss also reiten können, ohne dem Pferd in den Rücken zu fallen und ohne ihm ständig im Maul zu rucken oder zu ziehen.
Auch das Pferd braucht eine Ausbildung. Da es ja nicht von Natur aus daran gewöhnt ist, etwas auf seinem Rücken zu tragen, muss es erst lernen, sich auszubalancieren und das Gewicht des Reiters vernünftig zu tragen.
Ein Geländereiter, der auf einem Pferd sitzt, welches offensichtlich Rückenschmerzen hat und der sich zum Bremsen einfach in die Zügel hängt, ist also genauso schlimm wie ein Turnierreiter, der versucht, sein Pferd mit Gewalt zum Gehorsam zu zwingen und deshalb jeden Tag verbissen übt.
Es gibt also in beiden Lagern schwarze Schafe; und wenn man diese vergleicht, kann man wirklich nicht besonders viele Gemeinsamkeiten feststellen. Aber was ist, wenn man sich die positiven Beispiele einmal etwas genauer ansieht?
Der Direktvergleich
Stellt man sich also einen Turnierreiter in positiven Sinne vor, so sähe das ungefähr so aus:
Wir haben einen Reiter, dem Ausbildung und Können wichtig sind. Er hat Spaß an Turnieren.
Da diesem Reiter sowohl Erfolg als auch sein Pferd wichtig sind, könnte er sich beispielsweise folgenden Wochenplan zusammengestellt haben:
Zweimal in der Woche nimmt er an einem guten Unterricht teil, das hier Erlernte möchte er dann gerne noch ein bis zweimal die Woche selbständig mit seinem Pferd üben. An den restlichen drei bis vier Tagen steht nun Abwechslung auf dem Programm.
Liegt der Schwerpunkt sonst eher auf Dressur, ist auch eine Springstunde schon Abwechslung und kann Pferd und Reiter viel Spaß machen, aber ein Pferd muss den Reitplatz oder die Halle einfach auch mal verlassen, also werden die restlichen Lücken durch ein paar nette Ausritte ins Gelände gefüllt. Ein Turnierreiter reitet also entspannt und am langen Zügel durchs Gelände - und siehe da, so schnell haben wir ihn dort, wo wir doch eigentlich nur den Freizeitreiter vermuten.
Und was macht der Freizeitreiter inzwischen? Er reitet also am liebsten entspannt mit seinem Pferd durchs Gelände. Doch er weiß, auch sein Pferd braucht Abwechslung und sie beide brauchen eine gute Ausbildung, na, wenn sich das nicht wunderbar verknüpfen lässt! Was macht er also? Er meldet sich bei einer guten Reitstunde an.
Wo kann man diesen Freizeitreiter also regelmäßig antreffen? Genau, in einer Halle oder auf einem Reitplatz, wo er die Voraussetzungen für seine Ausritte schafft.
Und das Pferd vor, neben oder hinter ihm, wem könnte das gehören ? - Richtig, einem Turnierreiter und vielleicht sogar demselben, den er gestern noch im Gelände getroffen hat.
Das Ergebnis:
Die Grenzen zwischen Freizeit- und Turnierreitern sind hier schon ziemlich verwischt. Denn ein Turnierreiter, der in seiner Freizeit im Gelände herumreitet, kommt der Vorstellung eines Freizeitreiters doch schon ziemlich nahe.
Und wenn sich ein Freizeitreiter nun schon um eine Ausbildung bemüht, warum sollte er da nicht eines Tages auf die Idee kommen, sich auch mal bei einem Turnier anzumelden, und was ist er dann? Ein Turnierreiter, oder etwa nicht?
Was also soll diese merkwürdige Abneigung zwischen Freizeit und Turnierreitern, wo sie doch eigentlich gar nicht so furchtbar verschieden sind?
Warum nicht einfach so:
Eigentlich könnte man doch einfach mal feststellen, dass es Reiter gibt. Und unter diesen ganzen Reitern gibt es einige, die springen gerne, die anderen bevorzugen die Westernreitweise oder die klassische Dressur oder auch die iberische Reitweise, einige genießen Ausritte besonders und andere reiten eben am liebsten Gangpferde und die nächsten verständigen sich mit ihrem Pferd gerne mit Hilfe von Zeichensprache oder singen ihre Kommandos und einige aus dieser großen Gruppe reiten auch gerne Turniere.
Meiner Meinung nach lassen sich alle Reiter in zwei ganz andere Gruppen einordnen, nämlich in vernünftige, die auf ihre Pferde achten und sich um sie kümmern, und die anderen, bei denen es den Pferden schlecht geht. Und nach welcher Einstellung oder Reitweise es den Pferden schlecht geht und ob sich diejenigen, die das verschulden, nun gerade Freizeitreiter oder Turnierreiter nennen, ist dabei glaube ich sowohl mir als auch den Pferden vollkommen egal.
Katinka Schnitker
Es ist Hochsommer, wir befinden uns auf einem Feldweg. Überall steht hohes Gras und verleitet ein Pferd schnell dazu, sich ein bisschen Nahrung für unterwegs mitzunehmen. Mein Pferd gehört nun leider zu den unerzogenen Tieren und hat sich noch nie davon abhalten lassen, Ausritt mit Picknick gleichzusetzen.
Hauptsache, die anderen wissen, wie’s geht
Nicht, dass ich das nicht als Unart erkannte oder nicht versuchte, die Tipps, die von entsetzten Mitreitern kamen, zu befolgen! Ganz im Gegenteil wurde jeder sofort in die Tat umgesetzt: Da war zum Beispiel der weise Ratschlag, um ein Pferd am Fressen zu hindern, müsse man ihm einfach nur den Kopf hochnehmen. Gescheitert ist dieser Versuch einfach daran, dass mein Pferd ziemlich klein ist und ihm das Gras, auch bei erhobenem Kopf, geradezu ins Maul wächst. Also konnte mein Pferd auch so noch ohne größere Probleme sein zweites Frühstück abgrasen.
Dann muss man ihn eben antreiben!
Ein guter Tipp - sobald man mein Pferd antreibt, trabt es zügig los und macht dabei immer so seltsam schnappende Bewegungen nach links und rechts, aber da diese Methode ja todsicher ist, kann es sich dabei ja unmöglich um Fressen handeln - oder vielleicht doch?
Gut, im Galopp frisst er wirklich nicht mehr, aber ob es deshalb sinnvoll wäre, jeden Feldweg in vollem Galopp zu nehmen, wage ich ja noch zu bezweifeln!
Andere Alternativen wären, im Sommer nur noch im Wald zu reiten, wobei sich die Frage stellt, wie man die zehn Minuten Strecke zum Wald hin überwindet - vielleicht im Hänger? Aber da mein Pferd grundsätzlich nicht freiwillig wieder aus einem Hänger herauskommt, müsste ich jedesmal ein paar kräftige Leute bitten, mitzufahren, damit sie mein Pferd aus dem Hänger heraustragen können.
Oder ein Maulkorb? Na ja, das würde dann ja doch ein bißchen komisch aussehen, und ständig dieses Auf- und Abgeschnalle... Grundsätzlich könnte man sich natürlich auch eine Heckenschere nehmen und den Weg bis zum Wald auf eine unerreichbare Länge stutzen.
Ich habe mich letztendlich dafür entschieden, meinem Pferd jedesmal aufs Neue klarzumachen, dass es nicht gut ist, was er da gerade tut, seinen Kopf hochzunehmen, ihn zu treiben, weitere Ratschläge zu überhören und auf den Herbst zu warten.
Man gönnt dem Pferd ja sonst nichts!
Was würden diese Leute erst sagen, wenn sie sehen könnten, wie sich mein Pferd jedesmal, wenn er nah genug an einem Apfelbaum vorbeigeht, mit einer lässigen Kopfbewegung einen Apfel aneignet? Man muss sein Pferd eben ab und zu mal gewinnen lassen, damit es den Spaß am Reiten nicht verliert!
Katinka Schnitker
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