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Aggressive Pferde - Longieren: Hilfengebung - Hufeisen - Freizeitreiter - Zum Wiehern!


Equikids Mai 2013


Aggressive Pferde:

Wenn der Nahkampf droht...

Böse Blicke, offene Rachen, giftig angelegte Ohren, drohende Hinterfüße, schlagende Vorderbeine – all das gehört durchaus zu dem Verhaltensrepertoire eines ganz normalen Pferdes. Die entscheidende Frage ist nur, wann, wie oft, gegen wen und mit welcher Intensität das Pferd diese Mittel einsetzt. Mit den verschiedenen Antworten darauf scheiden sich Normalität und Problem. Sinnvollerweise müssen zunächst die Ursachen erkannt werden, bevor das Verhalten während konkreter Problem-Situationen besprochen wird.

Situationen „natürlicher Aggression“
Unter diesem Begriff sollen Verhaltensweisen aufgeführt werden, welche dem Menschen aggressiv erscheinen, für Pferde jedoch vollkommen normal, sinnvoll und notwendig sind. Das Wissen darum ist insofern für den Menschen ausgesprochen wichtig, als durch das frühzeitige Erkennen pferdeinterner Aggressionen z.B. auf einer Weide unnötiges Dazwischenkommen und somit Gefahren vermieden werden können. Aber auch unter dem Sattel holen die Instinkte so manches Pferd wieder ein. Reiter haben die Verantwortung dafür, ihr Pferd vor Situationen zu bewahren, in denen es naturgemäß aggressiv reagieren wird.

1. Kampf der Hengste um die Stuten
Die spektakulärste und bekannteste Aggression unter Pferden ist der Kampf der Hengste. Wiewohl es dabei selten Todesopfer gibt, wird doch mit solcher Vehemenz gekämpft, dass schwere, zum Teil auch unheilbare Verletzungen davon getragen werden. Es geht um Macht, um Fortpflanzung, aber auch um Prestige. Ein führender Hengst muss ständig damit rechnen, von einem jüngeren herausgefordert zu werden. Seine Aggressivität liegt daher sehr dicht unter der Oberfläche und bricht schon aus scheinbar nichtigen Anlässen mit Macht hervor. „Wehret den Anfängen!“, scheint das Motto zu lauten. Und doch wird er eines Tages gegen einen Konkurrenten das Nachsehen haben. Das Bild eines kämpfenden Hengstes ist wahrhaft bedrohlich und macht deutlich, zu welcher Kraft und Wut Pferde fähig sind.

2. Abgrenzung der Herde durch den Hengst

Die Aggression eines Hengstes richtet sich jedoch nicht nur gegen Konkurrenten und Eindringlinge. Sowie er das Gefühl hat, ein anderer Hengst würde ihm seine Herde streitig machen, geht er fast genauso gnadenlos mit seinen eigenen „Untergebenen“ um. Mit zurückgedrehten Ohren, tief gesenktem Hals und gefletschten Zähnen treibt er seine Pferde zusammen und genau dorthin, wo er sie in Sicherheit glaubt. Sobald ein Tier auch nur in die Richtung des Fremdlings blickt, muss es mit den Zähnen des Hengstes in seinem Fleisch rechnen. Zur Strafe werden wilde Hetzjagden veranstaltet, bei denen nicht selten die Kruppe und der Rücken des „ungehorsamen“ Tieres deutlich leiden. Auf eine Spielart des Kampfes wird bei den eigenen Anhängern in der Regel jedoch verzichtet, nämlich auf den Einsatz der aufgebäumten Vorhand und der herunterprasselnden Hufe. Jagen und Beißen scheinen zur Züchtigung der Herde auszureichen.

3. Machtgerangel in der Herde

In jeder Gesellschaft mit sozialen Strukturen gibt es Mitglieder, welche ihren Platz akzeptieren, und solche, die hoch hinaus wollen. In einer Gemeinschaft von Pferden sind es vorwiegend die jungen Tiere, die sich ihre Stellung erkämpfen wollen bzw. müssen. Aus den spielerischen Rangeleien der Fohlen werden mit zunehmendem Alter und wachsender Kraft ernsthafte Auseinandersetzungen, bei denen es mit Zähnen und Hufen zur Sache geht. Selten mischen sich ältere Tiere als Schlichter ein. Die Aggressionen werden herausgelassen, bis sich eine feste Ordnung eingestellt hat. Sowie jedoch die bestehende Struktur gestört wird, sei es durch Tod, Weggang oder Neuzugang eines Tieres, sind fast alle Positionen wieder in Frage gestellt. Es liegt in der Natur eines Pferdes, seine „Vorgesetzten“ bei jeder sich bietenden Gelegenheit in Frage zu stellen und gegebenenfalls mit aller Aggressivität zu versuchen, seinen eigenen sozialen Rang zu verbessern.

4. Erziehung junger Pferde durch ältere Stuten

Gewaltfreie Erziehung ist ein Ideal, welches die menschliche Gesellschaft anstrebt. Pferdekinder können mit solchen Privilegien nicht rechnen. Wiewohl Mutterstuten oft erstaunlich geduldig sind, kommt eines Tages der Moment, in dem das Jungtier zurecht gewiesen wird. Dabei wird sowohl physischer als auch psychischer Druck angewandt. Beißen, drohen, selten ein echter Tritt, sowie wegdrängen und ausgrenzen sind Formen der Aggression, welche von den „Erzieherinnen“ angewandt werden.

5. Bedrohung von außen
Wird eine Pferdeherde von außen bedroht, sucht sie zunächst ihr Heil in der Flucht. Ihr schneller Galopp hilft ihnen aus vielen Gefahren heraus. Sehen sich die Tiere jedoch konfrontiert mit der Unmöglichkeit einer Flucht, so wenden sie der Gefahr die Kehrseite mit den schlagkräftigen Hinterhufen zu. Angst bis hin zu Panik und Hysterie vervielfachen ihre Kraft und machen die Aggression der Pferde unberechenbar. Wer in einer solchen Situation an sie heran oder durch sie durch will, muss mit einem Trommelfeuer aller verfügbaren Hufe rechnen.

Wer sich dieser verschiedenen Aggressionsursachen bewusst ist, wird im Umgang mit seinem Pferd sowohl an der Hand als auch unter dem Sattel bereits viele Problem-Situationen vermeiden können. Leider legen nicht alle Menschen Wert darauf, den Frieden zu suchen oder zu erhalten. Im Gegenteil, die meisten Aggressionen, denen ein Mensch beim Pferd begegnet, sind bewusst oder unbewusst „hausgemacht“. Das ist unser Thema in der nächsten Ausgabe von Equikids.

Ute Forler


Richtig longieren: Die Hilfengebung


In der letzten Ausgabe von Equikids haben wir uns mit der richtigen Ausrüstung für die Arbeit an der Longe befasst. Nun wird es ernst: Reiter und Pferd sind perfekt ausgerüstet und stehen in der Reitbahn bzw. auf dem Longierzirkel. Wie sieht nun die richtige Hilfengebung aus? Kurz: Was ist nun zu tun?


Auf den Zirkel

Mit einem erfahrenen Pferd wird man direkt außen auf dem Longierzirkel beginnen. Kennt das Pferd die Longe noch nicht gut, sollte man zunächst „führlongieren“: Die Longe wird so in Schlaufen gelegt, dass der Abstand zum Pferd nur noch ca. 2 Meter beträgt – als würde man es an einem langen Halfterstrick führen. Der Schlag der Peitsche wird festgehalten, so dass diese wie eine Gerte an der Hinterhand des Pferdes eingesetzt werden kann. Nun wird das Pferd vorsichtig angetrieben, während der Longenführer zunächst wie am Halfter auch mitgeht, ehe er das Pferd nach und nach auf eine Kreisbahn schickt und dann die Longe Stück für Stück verlängert, bis das Pferd auf einem Longierzirkel um ihn herum geht.


Longe und Peitsche

Auch auf einem relativ groß angelegten Longierzirkel bleibt meist noch ein Rest Longe übrig. Dieses Longenende wird in Schlaufen in die Hand genommen. Wichtig ist, dass der Longenführer diese Schlaufen sofort Stück für Stück loslassen kann, so dass die Longe allmählich länger wird, falls nötig: Wird die Longe zu schnell nachgegeben, liegt sie schnell am Boden, und das Pferd kann drauf oder drüber treten – beides ist gefährlich.

Nun wird die Longe ungefähr auf Höhe des Pferdesmauls gehalten, sie rahmt das Pferd vorne ein. Die Peitsche hingegen zeigt in der „Neutralstellung“ in Richtung Sprunggelenk, sie rahmt das Pferd auf diese Weise von hinten ein. Der Longenführer steht dem Pferd zugewandt und dreht sich weitgehend auf der Stelle, solange er nicht aktiv einwirken möchte (siehe „Körpersprache“ unten).

Ein leichtes Annehmen und Nachgeben der Longe signalisiert dem Pferd „Achtung! Ich will etwas!“ und bereitet auf diese Weise beispielsweise Übergänge zwischen den Gangarten vor. Die Peitsche kann auf verschiedene Weise eingesetzt werden: Um das Pferd anzutreiben, holt der Longenführer mit der Peitsche nach hinten aus und schwingt sie in Richtung Pferdekruppe. Falls das Pferd nach innen drängt und die gewünschte äußere Kreisbahn des Zirkels verlässt, kann die Peitsche in Richtung Schulter zeigen und das Pferd so wieder nach außen schicken.

Schließlich kann die Peitsche noch dabei helfen, das Pferd zum Halten durchzuparieren: Hierzu wird sie unter der Longe hindurch nach vorne geführt und kann entweder einfach als deutlich sichtbares Signal nach oben zeigen oder das Pferd sogar waagerecht gehalten vorne begrenzen.

Normalerweise berührt die Peitsche das Pferd bei dieser Hilfengebung nicht. Lediglich als energische Aufforderung beim Treiben kann die Peitsche das Pferd auch leicht touchieren (berühren).


Stimmhilfen

Stimmhilfen sind bei der Longenarbeit besonders wichtig. Das Pferd lernt, auf die Stimmkommandos zu hören, so dass vor allem die Peitsche bei einem gut ausgebildeten Pferd nur noch sehr wenig eingesetzt wird.

Dazu ist es wichtig, diese Kommandos klar und eindeutig zu geben. Es wird immer der gleiche Wortlaut verwendet. Jedes Kommando wird mit einem „und“ angekündigt und eingeleitet, um das Pferd aufmerksam zu machen. Darüber hinaus ist der Tonfall entscheidend: Beruhigend und bremsend wird das Kommando langgezogen ausgesprochen, die Stimme sinkt am Ende ab. Auffordernd und treibend wird das Kommando kurz und energisch ausgesprochen. Welche Kommandos verwendet werden, ist eigentlich egal, solange es immer die gleichen sind – das Pferd versteht nicht die Sprache, sondern lernt, was der Longenführer mit welchem Wort möchte. Dennoch ist es sinnvoll, die Kommandos mit dem gewünschten Ergebnis zu verknüpfen, da man dann auch ohne nachzudenken immer die gleichen Kommandoworte verwendet. Einsilbige Wörter werden häufig zu zwei Silben gedehnt, da das besser zu sprechen ist.

Beispiel: „Und Schee-ritt“, „Und Te-rab“, „Und Galopp“, „Und Haaalt“.


Die Körpersprache

Über Longe, Peitsche und Stimme hinaus kann der Longenführer noch mit seiner Körpersprache Einfluss auf das Pferd nehmen. Vor allem seine Position zum Pferd ist entscheidend. Neutral steht er etwa auf Höhe der Pferdeschulter. Verlagert er seine Position weiter nach vorne, wirkt er bremsend, im Extremfall können ihn einige Schritte sogar vor das Pferd bringen. Steht er weiter hinten, wirkt er treibend auf das Pferd ein.

Hebt der Longenführer die Hand, kann das einerseits grundsätzlich die Aufmerksamkeit des Pferdes wecken. Häufig wird dieses Signal mit dem „Haalt“-Kommando verknüpft, die vordere Hand ist normalerweise auch tendentiell vor dem Pferd und wirkt dort hoch erhoben wie eine Begrenzung.

Weiter geht’s nächsten Monat: Wie wird eine Longenstunde gestaltet?


Das richtige Schuhwerk:

Hufeisen ist nicht gleich Hufeisen


Serienmäßig hergestellte Hufeisen in der heutigen Form gibt es erst seit Ende des 19. Jahrhunderts. Da nämlich entstand die erste Fabrik für Hufeisen. Vorher wurde jedes Eisen per Hand hergestellt. Man kann sich denken, wie lange damals ein Beschlag dauerte.

Ausschlag für die Rahmenmaße unserer heutigen Hufeisen gab das „Heereshufeisen 32“, das im Jahre 1934 bei der Deutschen Wehrmacht eingeführt wurde.

Wer aber glaubt, bis dahin hätte sich nichts getan, irrt sich: Bereits im Jahre 1887 gab es Hufeisen mit aufgeklebtem Kautschukbelag und knapp zehn Jahre später ließ sich ein Fabrikant den ersten Aluminiumbeschlag patentieren.

Heute gibt es viele gute Alternativen zum traditionellen Metallbeschlag, dennoch wird das Gros der Pferde noch mit „Hufeisen“ beschlagen, die genagelt oder manchmal auch geklebt werden.


Vielfalt in Form und Materialien

Die Pferde haben sich ja gar nicht so verändert, obwohl einige „exotische“ Pferderassen den Markt erobert haben. Aber die Einflüsse aus dem Ausland und das Wissen um die Mechanik des Hufes sind hinzu gekommen. Auch die Klientel ist anders als noch vor fünfzig Jahren.

Damals gab es Vollblüter, Warmblüter und Ponys und man ritt Dressur, Springen oder Gelände, Profis allenthalben noch Rennen.

Kein Mensch dachte an Vier- und Fünfgänger, an sliding stops, spins oder Spezialeisen für Wanderritte in alpinen Gebieten. Hier hat sich eine unendliche Vielfalt an Formen entwickelt, deren gravierender Nachteil allerdings die Spezialisierung ist.

Mit einem glatten sliding-Eisen mit seinen extrem langen geraden Schenkeln kann man im Gelände höchstens im Schritt auf ebenem Boden reiten, und kaum jemand wird ein Springpferd oder Fahrpferd mit Eisen mit langen Stollen mit anderen Pferden auf die Weide lassen, weil die Verletzungsgefahr bei Rangeleien einfach zu hoch ist.

Alle diese Eisen sollen eine spezielle Disziplin unterstützen und die Leistungen dem Pferd einerseits erleichtern, andererseits werden auch durch den Hufbeschlag immer höhere Leistungen angestrebt.


Auch die Materialien haben sich verändert. Das traditionelle Metalleisen hat wohl noch den höchsten Marktanteil, aber immer öfter werden empfindliche Pferde mit anderen Legierungen oder Kombinationen beschlagen. Da gibt es die leichten Alu-Eisen für Pferde mit dünnen Hufwänden oder empfindlichen Hufen. Sie sind leicht und werden mit dünnen Nägeln aufgebracht, allerdings sind sie auch nach kurzer Zeit durch gelaufen. Für junge Pferde, bei denen man das zusätzliche Gewicht an den Hufen nicht unterschätzen darf, sind sie jedoch eine positive Alternative zum „schweren Eisen“. Nicht umsonst reiten viele klassische Ausbilder ihre Jungpferde erst barhuf ein, lassen sie erst ohne Eisen ins Gleichgewicht kommen, bevor sie Sehnen und Muskeln mit diesem Gewicht belasten.


Manipulationen mit Eisen

Gerade in der Gangpferdeszene ist es fast schon üblich, die Spezialgangarten durch einen speziellen Beschlag „zu fördern“. Ganz selbstverständlich werden die Pferde vorn und hinten mit unterschiedlich schweren Eisen beschlagen, um erst einmal überhaupt Tölt zu erreichen, später oft genug, um Gangverschiebungen zu korrigieren. Macht man das tatsächlich nur für einen sehr kurzen Zeitraum, um einem Pferd den Weg zu zeigen, ist das wohl vertretbar. Oft genug aber bleibt der Beschlag eine ganze Beschlagsperiode drauf und verfälscht im Grunde das Ausbildungsergebnis.

Oder das Pferd wird vor dem Turnier mit relativ schweren Eisen beschlagen. Einen Tag vorher wird mit leichteren Eisen umbeschlagen. Ein paar Tage noch wird das Pferd gewohnheitsmäßig „die Beine bis ans Kinn reißen“, weil es instinktiv immer noch das schwere Gewicht an den Hufen hebt. Nach einer Woche etwa ist der Spuk vorbei, aber das Pferd hat auf dem Turnier wegen seiner spektakulären Gänge ein paar Punkte mehr bekommen.


„Manipulation“ kann auch positiv sein

Der orthopädische Beschlag hat in den letzten Jahrzehnten ungeheure Fortschritte gemacht. Da gibt es Spezialbeschläge für Pferde mit Hufrehe, mit Spat, mit Hufrollenentzündung und Gleichbeinproblemen. Alle diese Krankheiten wurden auch früher behandelt, aber erst das Zusammenwirken der modernen Medizin mit innovativen Schmieden brachte hier den Durchbruch.


Wo kann man sich darüber informieren?

Sicherlich nicht bei einem „Hobby-Schmied“, der seine Pferde selbst beschlägt. Andere als seine eigenen darf er übrigens aus gutem Grund nicht beschlagen, denn hierfür muss er eine abgeschlossene staatliche Ausbildung vorweisen. Ansonsten würde ihn keine Betriebshaftpflicht-Versicherung annehmen und wenn er ein fremdes Pferd vernagelt, müsste er das aus eigener Tasche bezahlen.

Euer Schmied kann euch Auskunft geben, welches Eisen für welches Pferd geeignet ist. Gute Schmiede haben immer eine vielfältige Auswahl vorrätig. Sie gehen auch auf spezielle Fortbildungstagungen für Schmiede und arbeiten mit einem oder mehreren Tierärzten zusammen und sind nicht auf „Eisen“ fixiert, sonder beschlagen und bekleben Pferde gegebenenfalls auch mit Alternativhufschutz.

Grundsätzliche Auskünfte erhält man auch beim Ersten Deutschen Hufbeschlagschmiede-Verband e.V. unter http://www.edhv.de.


Zur Diskussion: Ein- oder ausgebildet?

„Freizeit“-Reiter


„Freizeitreiter“ - dies ist ein geläufiger Ausdruck, auch wenn es immer noch keine wirkliche genaue Definition davon gibt, welche Kriterien man erfüllen muss, um diesem Reitervölkchen anzugehören. Während die einen behaupten, Freizeitreiten wäre einfach nur eine etwas lockerere Sicht der Dinge, so dass man ohne Leistungsdruck oder gar Turnierstress mit seinem Pferd durch den Wald reiten kann, sind andere der Überzeugung, dass man sich schon mit nicht vorhandenen Reitkünsten getrost zu den Freizeitreitern zählen dürfte.

Die Freizeitreiter als untalentierte Randgruppe: Unverschämtheit, oder vielleicht doch eher traurige Wahrheit? Haben Freizeitreiter einfach eine andere Auffassung vom Reiten, indem sie es nicht als Turniersport betreiben, oder sind es einfach jene, die bei einem Turnier so oder so keine Chancen hätten?

Bilden sich Freizeitreiter ihre Fähigkeiten vielleicht nur ein, oder steckt tatsächlich Ausbildung und Können hinter ihrem Tun?

Ein Thema, welches durchdacht werden sollte. Doch bevor man nun über die Freizeitreiter diskutiert, möchte ich diesen Begriff zumindestens für den weiteren Gebrauch im Artikel definieren: Ein Freizeitreiter soll hier ein Reiter sein, welcher mit seinem eigenen oder Pflegepferd überwiegend im Gelände reitet, das Reiten als Hobby betrachtet und nicht beziehungsweise nicht regelmäßig oder professionell an Turnieren teilnimmt.


Klischees - und ihr wahrer Kern

Das Negativ-Klischee eines Freizeitreiters kennen wir wohl alle: Ein völlig unfähiger Reiter hängt mehr schlecht als recht auf irgendeinem unausgebildeten Pferd und schlurft am schon fast auf dem Boden schleifenden Zügel durch die Botanik.

Zwar springt jeder Freizeitreiter sofort auf den nächsten Tisch, um eine Protestrede zu halten, wenn er dergleichen hört - doch sollte man sich vorher einmal gründlich überlegen,

was einem bei einem Ausritt eigentlich für Reiter begegnen: Genau solche sind eben auch dabei. Fast bei jedem Ausritt sieht man Reiter, die wirklich nur auf ihrem Pferd „rumhängen“ oder auch ziemlich unbeholfen darauf hin- und herschaukeln, während sie sich nicht selten noch am Zügel festhalten. Pferde laufen mit hochgerissenem Kopf und weggedrücktem Rücken durch den Wald, und die Reiter genießen währenddessen das schöne Wetter.

Manchmal schlagen Reiter verzweifelt auf ihr Pferd ein, nur um es zu ein paar Trabschritten zu bewegen, und was noch schlimmer ist: Nicht selten hört man von hinten ein „Achtung!“ und kann dann gerade noch sein Pferd ins nächste Gebüsch lenken, bis ein völlig unkontrolliertes Pferd von hinten an einem vorbeischießt.

Wenn man solche Szenen beobachtet und ja (wahrscheinlich mit Recht) davon ausgehen kann, dass es sich hierbei überwiegend um Freizeitreiter handelt, kann man die Vorurteile schon recht gut nachvollziehen.

Nun wäre es ja wundervoll, einfach bei der nächsten Diskussion ein klein wenig einzulenken und zuzugeben, dass es sehr wohl schwarze Schafe unter den Freizeitreitern gibt, aber das wäre schließlich nicht die Mehrheit. Wie sieht es damit aus?

Natürlich verursachen die meisten Freizeitreiter bei einem Ausritt kein Chaos auf den Reitwegen und natürlich sitzt auch nicht jeder Freizeitreiter unmöglich auf seinem Pferd, nein - die meisten Freizeitreiter reiten tatsächlich ruhig, harmonisch und friedlich durch den Wald, doch schließt diese Tatsache einen Ausbildungsmangel bei den Freizeitreitern aus?


Ein Beispiel

Nein, sie tut es nicht, und um dies zu belegen, nehme ich mich hier einmal selbst als Beispiel:

Ich würde mich durchaus zu der Gruppe der Freizeitreiter zählen, und ferner würde ich mich auch zu jener Gruppe zählen, die kein allzu schlechtes Bild im Gelände abgeben.

Ich kann mit meinem Pferd völlig entspannt einen Ausritt genießen, und in der Regel habe ich mein Pferd dabei auch problemlos unter Kontrolle. Dies liegt jedoch leider nicht daran, dass ich ein besonders guter Freizeitreiter bin oder mein Pferd so wahnsinnig gut ausgebildet ist, nein, der Trick ist ein ganz anderer: Wir kennen uns einfach zu gut! Wenn man seit neun Jahren gemeinsam durch den Wald reitet, hat man es einfach nicht mehr nötig, besonders gut zu sein: Man ist besonders routiniert. Sowohl mein Pferd als auch ich wissen sehr genau, was wir zu tun haben, um einen Ausritt ohne Ärger oder unnötige Anstrengung hinter uns zu bringen; und so haben sich mit der Zeit viele kleine Kompromisse und stille Übereinkommen entwickelt, die einem nur selten ins Bewusstsein kommen - dann zum Beispiel, wenn man völlig selbstverständlich auf einem einladenden Weg galoppiert und sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern kann, jemals das Kommando hierzu ausgesprochen zu haben.

Solche Beziehungen zwischen Reiter und Pferd können nach außen dann zwar wahnsinnig harmonisch wirken, haben aber nicht unbedingt etwas mit guter Ausbildung zu tun.

Die nächste Frage wäre: Ist das denn schlimm? Muss man sich mit seinem Pferd denn genau auf dem Weg verständigen, den einem die verschiedenen Ausbildungsweisen vorschreiben? Eigentlich nicht!


Die Grundlagen

Natürlich muss man als Reiter eine gute Grundausbildung besitzen, die einen dazu befähigt, gut und sicher auf einem Pferd zu sitzen und das Pferd selbstverständlich auch mit Leichttraben und dem leichten Sitz entlasten zu können. Auch muss man als Reiter unabhängig sitzen können, also keinesfalls am Zügel ziehen oder sich daran festhalten. Darüber hinaus sollte man ein prinzipielles Verständnis und Gefühl für das Pferd und auch für die richtige Abstimmung der Hilfen haben. Das Pferd sollte so weit ausgebildet sein, dass man es möglichst sanft dirigieren und unter Kontrolle halten kann. Wichtig ist auch die richtige Körperhaltung des Pferdes, also dass es zum Beispiel den Rücken nicht nach unten wegdrückt, sondern nach oben wölbt, dass es hierzu den Kopf eben nicht nach oben reißt, dass auch das Gewicht möglichst nicht nur auf der Vorhand getragen wird. Ist dies nicht der Fall, so wird zumindestens das Pferd den Ausritt nicht genießen können.

Solange aber diese Mindestbedingungen erfüllt sind, ist es nicht so wichtig, wenn die klassischen Kommandos etwas verwischen und sich individuelle Verständigungsformen herausbilden.

Manchmal verläuft ein Ausritt jedoch auch nur friedlich, weil sich der Reiter zwar immer unsanft in den Sattel fallen lässt und am Zügel wieder hochzieht, aber das Pferd sich mit der Zeit eben an die Schmerzen gewöhnt hat.

Also auch wenn eigentlich alles glatt läuft, sollte man immer wieder mit Hilfe von fachkundigen Personen überprüfen, ob dies auch die richtigen Gründe hat.


Ausbildung zum Freizeitreiter

Viele Freizeitreiter nehmen an keinem Unterricht mehr teil, weil sie meinen, sie könnten schon genug für die Umsetzung ihrer Vorstellungen. Doch wie jeder andere Reiter auch hat auch der Freizeitreiter im Prinzip nie ausgelernt. Auch wenn man nicht das nächste Turnier vor Augen hat, muss man reiterlich nicht einfach alles schleifen lassen. Schließlich nennt man sich ja immer noch „Reiter“ und bezeichnet sein Hobby auch als Sport, doch wenn man bei seinem Spaziergang durch den Wald zufällig noch auf einem Pferd sitzt, hat dies nicht mehr viel damit zu tun...

Zuerst einmal sollte man sich vielleicht darüber im Klaren sein, dass es gar nicht so einfach ist, durchs Gelände zu reiten: Hier befindet man sich auf offener Strecke und nicht wie in der Reitbahn oder der Halle in einem abgezäunten Gebiet. Zudem begegnen einem hier auch noch bedeutend mehr unvorhersehbare Gegebenheiten, wie etwa ein schwerer Traktor mit Anhänger, eine Baustelle, ein hupendes Auto oder auch ein Wanderer, der plötzlich hinter einem Baum erscheint.

Hier ist es also noch wichtiger, sein Pferd unter Kontrolle zu haben; auch ein intaktes Vertrauensverhältnis ist hier nicht nur von Vorteil, sondern eigentlich unabdingbar.

Und jeder Freizeitreiter, der behauptet, eine richtige Ausbildung wäre nicht so wichtig, wird Schwierigkeiten bekommen, wenn es gilt, Hindernisse zu bewältigen und sein Pferd in schwierigen Situationen dirigieren zu können: Nicht nur Grundsätzliches wie etwa schnelles Anhalten, sondern auch Lektionen wie etwa Schenkelweichen und Rückwärtsrichten sind vom Freizeitreiter unbedingt zu beherrschen. Auch ein kleiner Sprung sollte gekonnt werden, falls ein Baumstamm den Weg versperrt.

Ein guter Freizeitreiter ist also durchaus ein fähiger und vielseitiger Reiter. Deshalb schließt Freizeitreiten regelmäßigen Unterricht genauso ein wie selbstständiges Üben und Trainieren, sowohl auf dem Platz als auch im Gelände. Ob klassische Dressur, Westernreiten, Springen oder Bodenarbeit, für den Freizeitreiter gilt: Je mehr man von allem kann, umso besser.

So ist sie also, die Ausbildung zum Freizeitreiter, mit Unterricht, Anstrengung und allem, was dazu gehört, und wie jede reiterliche Ausbildung endet sie nie...


Freitzeitreiter

„Freizeitreiter“: In diesem Begriff steckt meiner Meinung nach auch sehr viel Positives. Ohne übertriebenen Ehrgeiz und Turnierstress setzt der Freizeitreiter seine Ziele noch im wirklichen Umgang mit dem Pferd. Hier geht es nicht um Ruhm und Schleifen, sondern um Spaß und Reiten als ein Hobby, welches die Freizeit äußerst schön ausfüllen kann. Hier kann ein Pferd noch ein echter Partner werden, der den Ausritt im Idealfall ebenso genießt wie der Reiter. Ein Freizeitpferd ist im Gegensatz zum Sport- und Leistungspferd viel häufiger ein Partner fürs Leben, mit dem man seinen Alltag teilt.

Nach getaner Arbeit so schnell wie irgendmöglich zum Stall zu fahren, um dort einfach nur eine schöne Zeit mit seinem zufriedenen und ausgeglichenen Pferd zu verbringen, was eben durch die richtige Ausbildung ermöglicht wird, das ist für mich Freizeitreiten - und dagegen lässt sich meiner Meinung nach auch nicht mehr viel sagen.

Katinka Schnitker


Zum Wiehern: Charaktersache


Alle Pferde haben einen Charakter, so viel steht schon mal fest!

Wenn man sich mit einem Pferd intensiv beschäftigt, lernt man diesen - ob man will oder nicht - auch gut kennen. Doch diese Methode ist anscheinend völlig überholt!

Heutzutage muss man lange nicht mehr so viel Zeit mit der Suche des Charakters verbringen. Wie ich neulich lernen musste, braucht man dafür nur noch ein Buch und eine halbe Stunde Zeit. Denn alles, was so in einem Pferd steckt an Anlagen und Wesenszügen, verrät uns schon sein Äußeres:

Nicht nur, dass man an Äußerlichkeiten irgendwelche Tendenzen ablesen kann, oder auch auf Verhalten und Umgang achtet, nein, anscheinend muss man nur die Länge der Ohren messen und schon ist die Intelligenz des entsprechenden Pferdes exakt bestimmt.

Also, wenn du jetzt zufällig Besitzer eines langohrigen Pferdes bist, muss ich dir leider mitteilen: Dein Pferd ist dumm... Nein, jetzt bitte keine Diskussionen -  Pferde mit langen Ohren sind dumm, ich habe es selbst gelesen, oder waren es vielleicht doch lange Wimpern, so genau weiß ich es dann doch nicht mehr, wie dem auch sei, in so einem Fall kann man nur noch mit jeder Bemühung, seinem Pferd etwas beizubringen, sofort aufhören, es ist zwecklos! Will man es dennoch versuchen, dann zumindestens gaaaanz langsam...

Und wenn du der stolze Besitzer eines Kurzohrs bist, dann jetzt aber Schluss mit den Ausreden  - das nächste Turnier ruft, und es wäre beschämend, wenn so ein intelligentes Pferd nicht zumindestens platziert würde!


Eigentlich praktisch

Zuerst mag einem diese Erkenntnis niederschmetternd erscheinen, doch bei längerem Nachdenken ist es so doch eigentlich ganz praktisch: Wenn man mit einer Übung einfach nicht weiterkommt, liegt dies nicht an den mangelhaft vorhandenen reiterlichen Fähigkeiten, nein, es liegt an den Ohren des Pferdes - und wenn man schon wieder vom Pferd gefallen ist, so ist dies nicht peinlich, solange da dieser weiße, wie ein Schafskopf geformte Fleck im oberen Drittel des linken Hinterbeines zu sehen ist.

Bei einem Linkswirbel ist ein Pferd stur und bei einem Rechtswirbel ist es schwierig, sitzt ein Wirbel hingegen im Mähnenansatz, heißt es die Stimme senken, denn dann steht ein kleines Sensibelchen vor einem. Dies kann schon mal zu üblen Situationen führen, wenn man sich da nicht hundertprozentig auskennt, schließlich kann man ein schwieriges Pferd nicht einfach wie ein stures Pferd behandeln, nur weil man die Richtung der Haare unachtsam beurteilt hat. Ist man bei der Charakterbestimmung jedoch sorgsam, kann eigentlich nichts mehr schief gehen - und wenn doch, muss man irgendwo noch einen Wirbel übersehen haben!

Schwierig wird es natürlich bei Pferden, welche sowohl linksgedrehte wie auch rechtsgedrehte Wirbel besitzen und einige auch noch im Mähnenansatz - hier ist guter Rat teuer, ist das Pferd nun schwierig oder stur oder sensibel? Vielleicht jeden Tag etwas Neues, oder noch viel schlimmer: alles auf einmal?


Nicht aufregen

Doch bevor jetzt wieder die Wellen hochschlagen: Ich gebe zu, so genau habe ich dieses Buch gar nicht gelesen, und wahrscheinlich heißt der Rechtswirbel etwas ganz anderes, außerdem mag an solchen Charakterbestimmungen ja auch viel Wahres sein...

Doch an all diejenigen, die diese Methode für absolut unfehlbar halten, habe ich eine wichtige Frage:

Auch ich habe versucht, den Charakter meines Pferdes so zu bestimmen, und nun habe ich ein stures Sensibelchen, mit unberechenbarer Gutmütigkeit, doch wird nun die Intelligenz seiner Ohren von seinem dummen Schweifansatz wieder aufgehoben? Für sachdienliche Hinweise wäre ich dankbar!

Katinka Schnitker




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