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Verwerfen, Teil III – Müssen Pferde arbeiten? - Hufrehe – Tierarzt oder Eigenbehandlung? - Zum Wiehern!


Equikids 05/2012


Der Knick im Genick:

Wenn Pferde sich verwerfen

Teil III


Abhilfemaßnahmen


1. Grundlagenarbeit


a) für den Reiter
Grundlage für jede Korrekturarbeit muss ein ausbalancierter Sitz der Reiters sein, aus dem heraus er korrekte Hilfen gibt. Trifft er auf ein so heikles Problem wie das Verwerfen seines Pferdes, sollte er sich als Erstes die Frage stellen, ob sein Sitz wirklich im Gleichgewicht ist. Für die nachfolgende Überprüfung bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. Wer einen kompetenten Reitlehrer befragen kann, sollte sich diesem präsentieren. Sitzübungen an der Longe sind - wie immer – hilfreich. Zur Feststellung und Beseitigung des Problems seitlicher Ungleichheit eignet sich allerdings diese Methode nur dann, wenn der Reitlehrer nicht gleichzeitig auch der Longenführer ist. Er sollte vielmehr frei und vor allem von vorne und von hinten die Gleichmäßigkeit des Sitzes beurteilen können. Einfacher ist demnach in diesem Fall die Sitzschulung während des freien Reitens in der Bahn. Wer keinen Fachmann befragen kann, wendet sich an den besten Experten in Sachen Gleichgewicht, den es gibt: an sein Pferd. Es wird keine Konferenz mit Dolmetscher nötig sein, um herauszufinden, ob die Balance des Reiters stimmt. Der nackte Pferderücken wird genug Hinweise geben können. Reiten ohne Sattel und – wenn möglich – nur mit Halfter ist immer wieder die beste Methode, das natürliche Gleichgewicht des Reiters zu prüfen und zu verbessern. Bewegungsabläufe des Pferdes werden intensiver empfunden und begriffen. Ein Festklammern mit den Beinen kann den Sturz nicht verhindern, wenn die Balance nicht stimmt. Nur dann, wenn der Reiter seinen eigenen Schwerpunkt völlig ungezwungen über dem des Pferdes halten kann, sitzt er wirklich im Gleichgewicht und wird immer korrekt mit der Bewegung mitgehen können.

b) für das Pferd
Dem Pferd sollte mit behutsamer Gymnastik, angefangen bei der Bodenarbeit, geholfen werden, seine Steifheit zu überwinden. Beidseitige Dehnungsübungen für den Hals, Massage der Muskulatur entlang der Wirbelsäule vom Genick bis hin zur Schweifrübe und vieles mehr, was die Fachliteratur empfiehlt, kann das Problem bereits entschärfen. Während der Reiter noch an seinem Sitz und seiner Hilfengebung arbeitet, hat das Pferd Urlaub von anspruchsvollen Lektionen. Durch Labyrinthstangen gehen, an der Longe über Stangen treten, leichte Springgymnastik im Freispringen oder unter einem guten Reiter sind Beispiele für lockernde und gymnastizierende Arbeit.

2. Die Hilfengebung
Nachdem der Reiter seinen Sitz ins Gleichgewicht gebracht und sein Pferd gymnastiziert hat, wird das Verwerfen vom Sattel aus korrigiert. Vor der ersten Hilfengebung ist es sinnvoll, sich noch einmal an den "Selbstversuch" zu erinnern. Wie natürlich ergeben sich Stellung und Biegung aus den verschiedenen Lektionen! Die Hilfen des Reiters sollten also keine martialischen Maßnahmen sein, sondern sanfte und einfühlsame Unterstützung der harmonischen Bewegungsabläufe. Soll eine Wendung geritten werden, ist es zuallererst am Reiter, sich in die Biegung hineinzudenken. Eine besondere Bedeutung hat dabei die korrekte Gewichtsverlagerung. Fällt der Reiter nach außen, macht er es dem Pferd äußerst schwer, dieses Ungleichgewicht aufzufangen und trotzdem noch in guter Stellung und Biegung um die Kurve zu gelangen. Der nächste Punkt ist der sinnvolle Einsatz der Reiterbeine. Der Druck des Innenschenkels am Gurt schiebt den Brustkorb des Pferdes nach außen. Sofern man es zulässt, nimmt das Pferd als Gegenreaktion automatisch den Kopf leicht nach innen. Der Reiter legt sein äußeres Bein etwas zurück und gibt damit der Hinterhand einen verwahrenden Rahmen. Was haben wir nun? Sowohl Stellung als auch Biegung sind praktisch schon perfekt. Der Außenzügel hilft dem Pferd, der Fliehkraft einer Kurve zu begegnen. Er gibt der Schulter einen äußeren Rahmen und dem Hals eine sichere Anlehnung. Der Innenzügel hat nur noch die Aufgabe, dem Pferd den Grad der gewünschten Stellung mitzuteilen. Sowie diese erreicht ist, wird er leicht und weich. Auf diese Weise öffnet er der Hinterhand den nötigen Raum, geradegerichtet, also in der Spur der Vorderfüße unter das Gewicht zu treten. Ein fester Innenzügel verhindert das Untertreten des inneren Hinterbeines und macht damit eine korrekte Biegung unmöglich.

Schokoladenseite zuerst!
Ein wichtiger und genereller Hinweis noch für einseitig steife Pferde: Die Arbeit sollte immer auf der "guten" Seite beginnen. Erst wenn sich das Pferd auf seiner Schokoladenseite gedehnt und entspannt hat, wird auf der "schlechten" Hand gearbeitet. Treten dort wieder Verspannungen auf, wird wieder auf die dem Pferd angenehmere Hand gewechselt. Dabei müsst ihr keine Angst haben, die Einseitigkeit vielleicht noch zu unterstützen. Auch die äußeren Muskeln eines Pferdes arbeiten schließlich mit, also wird auf der "guten" auch die "schlechte" Seite trainiert. Priorität muss die Entspannung des Pferdes haben. Nur aus ihr heraus lassen sich Probleme lösen. Wer mit "Gewalt" die steifere Seite biegen will, wird Verspannungen, Gegenwehr und Fehler wie das Verwerfen nur hervorrufen oder noch verstärken.

Schritt für Schritt
Erfolg in der Reitkunst hängt – neben vielen anderen Dingen – davon ab, nicht den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun. Ungeduld ist etwas, das jeden noch so hoffnungsvollen Ansatz zunichte machen kann. Hinhören, beobachten, einfühlen – sind wichtiger als der Blick in den Bandenspiegel der Reitbahn. Tritt ein Problem auf, hat es keinen Sinn, es zu "überreiten". Selbst wenn ein momentanes Vertuschen gelingt, zu gegebener Zeit wird sich der nicht beachtete Fehler doppelt und dreifach rächen. Verwerfen ist ein sehr ernst zu nehmendes Problem. Erst wenn Ross und Reiter es sicher überwunden haben, ist es sinnvoll, sich wieder anspruchsvollen Aufgaben zuzuwenden. Und wahrscheinlich werden beide feststellen, dass die Zeit der Korrekturarbeit keineswegs verloren war. Nach intensiver und korrekter Grundlagenarbeit gelingen auch bisher schwer erscheinende Lektionen mit nie gekannter Leichtigkeit.

Ute Forler


Leistungsdruck:

Müssen Pferde eigentlich arbeiten?


Diese Frage stellen sich viele Reiter/Pferdebesitzer. Und zwar aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Da gibt es die Pferdebesitzer, die zwar gern mit Pferden umgehen, aber – eigentlich und ganz ehrlich gesagt – ein bisschen Angst vor ihrer Urgewalt haben und sich dieser nicht beim Reiten oder Fahren aussetzen wollen.

Es sind aber auch die Pferdebesitzer, die zu wenig Zeit für ihre Pferde haben. Verwerflich ist das bei denen, die ihre Pferde im Reitstall vor sich hin dämmern lassen. Verständlich bei jenen, die ihre Pferde in Eigenregie halten und vor lauter Versorgen nicht mehr zum Reiten kommen. Die schauen dann oft sehnsüchtig vorbeireitenden Menschen nach und denken an ihre lieben Pferde, die sich auf der Weide den Bauch voll schlagen... und vielleicht langweilen???


Arbeit hat viele Gesichter

Ein Pferd, das auf einer riesigen Bergwiese steht und frisst, „arbeitet“ nicht?

O doch! Schon das Fressen ist hier Arbeit. Es muss das richtige Gras ausgesucht, giftige Kräuter müssen aussortiert werden. Winzige Grasmengen müssen mit jedem Biss ausgerupft und gründlich zermahlen werden, bis der Magen voll ist. Das dauert Stunden und ist nicht immer nur Genuss.

Denn gleichzeitig muss das Pferd Augen und Ohren überall haben. Das Fluchttier Pferd frisst nur dann ruhig, wenn es sich absolut sicher fühlt, und das ist nur in zwei Situationen der Fall: im vertrauten Stall oder als Fohlen im Schutz der Mutter. Selbst als mittleres Glied der Herdenhierarchie ist ein Pferd immer auf der Hut: Komme ich dem Übergeordneten nicht aus Versehen zu nahe? Ist der mir Untergeordnete vielleicht zu dreist zu mir? Beides muss streng beachtet werden und erfordert ständige Aufmerksamkeit.

Und nicht nur das: Die Leitstute muss ständig im Auge behalten werden, ob sie warnt, wenn eine (und sei es nur vermeintliche) Gefahr naht.

Das ranghöchste Pferde, meist eine Stute, hat in einer Herde sowieso die meiste Arbeit: Sie ist für die Sicherheit aller verantwortlich und kann niemals in Ruhe fressen; sie ist ständig im Stress.

Auch der Hengst in der Herde hat kein ruhiges Dasein. Ständig muss er darauf achten, dass seine Stuten beisammen bleiben. Er muss sie kontrollieren, ob sie deckbereit sind, und dann decken, wobei der Deckakt noch die geringste Arbeit ist – die „Überzeugungsarbeit“ vorher und die lange Zeit der Geduld zehren viel mehr an seinen Kräften.

Auch die nicht wild lebenden Pferde in der Gruppe auf der Weide „arbeiten“, indem sie Nahrung aufnehmen und ihre Rangstreitigkeiten untereinander austragen, wie ihre wilden Vettern auch heute noch immer auf der Hut sind und ab und an vor imaginären Feinden flüchten.

Dabei legen sie auf richtig großen Weiden täglich zwischen 6 und 16 Kilometern zurück – eine hübsche Leistung, wenn man bedenkt, wie viele Runden das in der Reithalle wären...

Auch Zuchtstuten arbeiten. Das Austragen des Fohlens ist ebenso wenig eine Krankheit wie eine normale menschliche Schwangerschaft – aber kräftezehrend ist es doch. Und die Beaufsichtigung eines halbflüggen Fohlens erfordert erheblichen Aufwand an Aufmerksamkeit und auch Durchgreifvermögen – da bleibt oft wenig Zeit zum ruhigen Fressen.

Lediglich das in der Box gehaltene Pferd „arbeitet“ überhaupt nicht. Es sei denn, es hat Stress mit der Box und will raus und entwickelt daher die so genannten „Stalluntugenden“. Fügt es sich aber in sein Leben, so hat es überhaupt keine Arbeit. Es braucht/darf/kann sich in seiner Box nicht bewegen, und selbst die Nahrungsaufnahme ist schnell geschehen und erfordert keine Kraft. Hier ergeben sich aber auch beim fügsamsten Pferd auf die Dauer massive psychische Probleme.


Der Körper braucht Bewegung

Pferde sind Fluchttiere, die ihren Körper ständig leicht bewegen und damit gymnastizieren, um für die Sekunden der möglichen Flucht fit zu sein. Das ist ihnen angeboren und ein tiefes Bedürfnis. Dem Bewegungsdrang muss man also unbedingt nachgeben, diese „Arbeit“ braucht der Körper.

Vielen Pferden reicht dazu eine große Weide, auf welcher sie mit Gefährten herumtollen können. Dabei kann man beobachten, das es „solche und solche“ gibt. Es gibt bewegungshungrige Pferde, die schnaubend und mit flatterndem Schweif  Runde um Runde im Galopp ziehen, und solche, die dem ganzen Treiben verständnislos zuschauen.

Die ersten sind die anstrengenderen – ihnen muss man was bieten.

Bieten muss man auch dem in der Box gehaltenen Pferd etwas, denn durch die Boxenhaltung kann es seinem angeborenen Bewegungsdrang nicht nachkommen – kein Wunder, dass es „explodiert“, wenn es dann mal frei laufen darf! Und kein Wunder, dass manche Leute meinen, „der Bock braucht Arbeit“. Das braucht er tatsächlich, denn sonst verkümmert er völlig in seinem Herumstehen in der Box und sein Körper wird ihm zur Last.


Offenstallhaltung – der Freibrief fürs Nichtstun?

Pferde, die in Gruppen im Offenstall mit Auslauf und Weide leben, haben auch ohne geritten oder gefahren zu werden „Arbeit“. Sie müssen sich in der Gruppe auseinandersetzen und bewegen sich viel mehr als im Stall gehaltene Pferde. Gerade für rangniedrige Pferde ist das ganz schön anstrengend.

Aber reicht das aus?

Viele Besitzer von robust gehaltenen Pferden, die ihren Pferden ein artgerechtes Leben ermöglichen wollen, kommen vor lauter Arbeit einfach nicht oder – wie sie meinen – viel zu wenig zum Reiten und haben daher ein permanent schlechtes Gewissen.

Je nach Pferd ist das berechtigt oder nicht. Jungen, tatendurstigen oder erlebnishungrigen Pferden sollte man tatsächlich Arbeit bieten. Sie brauchen ab und an Laufen oder auch geistige Anstrengung bis zum Müdewerden.

Aber vielen Pferden reicht der Aufenthalt in der Gruppe, das langsame Aufnehmen der Nahrung auf der Weide bzw. des Heus und ab und an eine Abwechslung.

Man muss die Pferde aufmerksam beobachten, um herauszufinden, welches Pferd welchen „Anspruch“ stellt. Hat man ein „anspruchsvolles“, muss man dem auch gerecht werden.


Keine Zeit? Die Ausrede gilt nicht!

Man muss nicht immer unbedingt reiten. Manche Leute haben ja auch Angst davor, obwohl sie ihr Pferd lieben, oder kommen im Winter erst im Dunkeln nach Hause. Aber man muss dem Pferd eine gewisse Zeit widmen. Hat man die nicht –und zwar permanent, nicht mal gerade zeitweise -, sollte man sich überlegen, ob man sein Pferd in bessere Hände gibt, die Zeit für es haben.

In jedem Fall muss man sich die Zeit nehmen, sein Pferd so zu beschäftigen, dass es ausgeglichen ist. Einem alten oder faulen Pferd mag ein gemütlicher Spaziergang reichen, ein junges Pferd hingegen will und muss seinen Körper bewegen. Will man nicht reiten, muss man sich einen Ausweg suchen – vielleicht Freilaufen oder Freispringen in einer Reithalle, vielleicht Longieren (natürlich nicht, bis sich die Knochen verbiegen...). Auch Arbeit an der Hand im Trail fordert das Pferd. Zwar nicht so sehr körperlich, dafür aber geistig.

(Anmerkung der Autorin: Ich habe für meine im Offenstall gehaltenen Pferde um meinen kleinen Reitplatz eine „Rennbahn“ mit griffigem Boden gemacht – die nutzen sie begeistert... Runde um Runde. Einige, bis sie aus der Puste sind, eine Stute nur zwei Runden. Aber immerhin, ihrem Bewegungsdrang wird damit Genüge getan.)

Jeder, der sich „wieder einmal“ Zeit für sein Pferd genommen hat, wird bemerken, wie munter, aufmerksam und dankbar es danach ist. Pferde lieben es, wenn man sich mit ihnen beschäftigt.


Die Fütterung muss stimmen

Pferde, die keine großen körperlichen Leistungen vollbringen, sollten so gefüttert werden, dass sie möglichst lange fressen und kein hochwertiges Futter bekommen. Das heißt ausreichend Raufutter, welches ja langsam aufgenommen wird. Pellets, die schnell gefressen werden, und aufputschendes Kraftfutter sind tabu.

Lange Fresszeiten verkürzen Nichtstun-Zeiten, lange Fresszeiten bedeuten auch Aufnahme größerer Mengen, die langsam durch den Verdauungstrakt gehen = längere Ruhe-/Verdauungszeiten.

Dreimal tägliche Fütterung im Winter und dabei das Heu in Heunetzen, aus denen sich die Pferde „mühsam“ jedes Hälmchen zupfen müssen – damit sind sie beschäftigt.


Das wichtigste: Ein ausgeglichenes Pferd

Ob ein Pferd ausgeglichen ist oder nicht, merkt man sofort, wenn man es aus dem Stall holt. „Spinnt“ es dann herum, explodiert es auf der Stelle, bockt und steigt es, ist es mit Sicherheit nicht ausgeglichen und braucht mehr Bewegung bis Arbeit.

Schaut es sich aber ruhig und gelassen um, betrachtet seine Umgebung aufmerksam und neugierig, ohne gleich zu explodieren, ist es mit sich und der Welt im Gleichgewicht. So soll es sein. Dann braucht das Pferd auch nicht mehr Arbeit, als es hat, um glücklich zu sein, sondern ist vermutlich mit seinem Leben zufrieden.


Arbeit um jeden Preis?

Nein – auch nicht, wenn die Mitreiter im Reitsstall motzen, weil man nicht reitet, sondern lieber mit dem Pferd spazieren geht. Wenn das Pferd der Typ dazu ist, wenn man selbst der Typ dazu ist ... warum nicht? Pferde sind von Natur aus nicht dazu gemacht, zu arbeiten. Dazu haben wir sie gemacht. Aber wenn ein Pferd nun mal nicht arbeitsam ist und einen ebensolchen Besitzer hat – vielleicht ist es glücklicher, wenn du  „nur“ mit ihm spazieren gehst oder es auf der Weide stehen kann.

Uta Over


Hufrehe – die Gefahr beginnt im Frühjahr


Die Hufrehe kann durch Überfütterung, durch ein Nachgeburtsverhalten, durch Medikamente, aber auch durch übermäßige Beanspruchung der Hufe (= zu starkes Reiten) ausgelöst werden. Der häufigste Grund für Hufrehe jedoch ist das frische Gras im Frühjahr.

Dieses Gras kann der Körper nicht verkraften, vor allem bei einer plötzlichen Futterumstellung; es kommt zu einer Stoffwechselstörung, die sich in einer Entzündung des Hufinnern äußert. Vereinfacht gesagt, schwillt das Innere des Hufes an und stößt dabei sehr schnell an die starre Hufwand, was starke Schmerzen verursacht. Im Verlauf der Krankheit besteht die Gefahr einer Hufbeinsenkung oder gar eines Hufbeindurchbruchs durch die Sohle, was meist die Tötung des Tieres bedeutet.


Was man vorbeugend tun kann

Die Grasfütterung muss äußerst vorsichtig beginnen. Es reicht, die Pferde zu Beginn der Weideperiode eine Viertelstunde lang raus zu lassen, wenn sie mit Heu/Stroh sattgefüttert sind. Besser noch ist es, sie zunächst einmal an der Hand grasen zu lassen, denn viele Pferde lassen sich nur schwer fangen, wenn sie einmal auf dem Gras sind.

Von Tag zu Tag kann man die Weidezeit verlängern, am besten immer ab Mittag/Nachmittag nach der Heufütterung.

Besonders groß ist das Risiko, wenn das Gras nicht wachsen kann: Dann speichert es Sonnenenergie, statt sie in Wachstum umzusetzen, und das ist gefährlich. Vorsicht geboten ist also vor allem bei extremer Trockenheit oder auch Nachfrost mit gleichzeitiger starker Sonneneinstrahlung tagsüber.


Die Symptome

Die Tiere machen einen matten Eindruck und stellen bei Fortschreiten der Stoffwechselstörung die Vorderfüße, die meist zuerst befallen werden, weit nach vorn, um sie vom Druck des Körpergewichtes zu entlasten. Die Hinterhand dagegen wird unter den Körper gestellt - sie soll das Körpergewicht tragen. Diese Stellung nennt man sägebockartig. Die Hufe sind heiß, am Fesselkopf kann man das Blut pulsieren fühlen. Das Pferd tritt zuerst mit den Trachten auf und versucht, die Zehenregion zu entlasten. Vor allem in Wendungen zeigt sich Lahmheit.


Erste Hilfe

Die erste Maßnahme ist, SOFORT den Tierarzt zu rufen und die Sache dringend zu machen. Je schneller das Pferd behandelt wird, desto leichter der Verlauf der Krankheit. Eine akute Hufrehe gilt bei erfahrenen Tierärzten ebenso als Notfall wie eine Kolik.

Dass das Pferd sofort vom Gras runterkommt, dürfte selbstverständlich sein. Bis der Tierarzt kommt, sollte man das Pferd in möglichst weiche Einstreu stellen und die Hufe feucht und kühl halten. Durch die Feuchtigkeit weicht die Hufwand etwas auf und weitet sich, die Kühle verschafft Linderung bei der Entzündung. Optimal ist ein dünner Wasserstrahl, den man über das Fesselgelenk laufen lässt; das kann man ruhig eine Viertelstunde und noch länger machen. Ist das nicht möglich, kann man die Hufe in Eimer mit kaltem Wasser stellen und möglichst dabei bleiben; sonst schmeißt das Pferd den Eimer um, und der Effekt zerfließt im wahrsten Sinne des Wortes.


Die weitere Behandlung

Sie besteht meist in einer strengen Diät = hauptsächlich Stroh-/Heugemisch.

Früher galt es als unabdinglich, einen Aderlass zu machen, um das Blut zu verdünnen. Man war - und ist auch oft heute noch - der Meinung, dass das verdünnte Blut besser durch die verstopften Kapillargefäße im Huf fließen kann. Die Meinungen der Tierärzte gehen hier auseinander; Tatsache ist, dass diese Erstbehandlung bei manchen Pferden erfolgreich ist. Der Tierarzt wird weiterhin ein entzündungshemmendes Mittel und gegebenenfalls ein Schmerzmittel verschreiben.

Auch die Hufe müssen behandelt werden. Die Zufuhr von frischem, kaltem Wasser verschafft den Pferden eine gewisse Erleichterung. Ein guter Schmied kann Maßnahmen ergreifen, um den Huf zu entlasten.  

Statt eines Beschlags, der durch das Nageln ja auch wieder Schmerzen verursachen kann, kann man Rehe-Hufschuhe nehmen. Sie werden geklebt und von vielen modernen Schmieden und Tierärzten durchaus als erfolgreiche Alternative angesehen.

Es ist sinnvoll, das Pferd langfristig in eine tief mit Sand ausgestreute Box zu stellen. In dem tiefen Sand kann sich das Pferd so hinstellen, wie es ihm am angenehmsten ist, d.h. es wird den Huf extrem steil stellen, um die tiefe Beugesehne zu entlasten. Dadurch wird einer Rotation des Hufbeins vorgebeugt. Besser kann man das weder mit einem Hufeisen noch mit Hufschuhen machen.


Einmal Hufrehe - immer Gefahr!

Ein Pferd, das einmal Hufrehe hatte, steht immer in der latenten Gefahr, dass sie wieder ausbricht. Ein Zuckerstück schon kann die allergische Reaktion auslösen, eine Handvoll Weizenkleie oder ein bestimmtes Medikament.

Hufrehe-Pferde müssen daher sorgfältigst beobachtet werden; und bei tierärztlichen Behandlungen sollte man auf die Rehe-Disposition hinweisen.

Uta Over


Eigenbehandlung oder Tierarzt?

Das richtige Handeln zur richtigen Zeit


Mal wieder herrscht große Aufregung im Stall: Der Tierarzt wird erwartet. Zuerst bekommt man vielleicht selber noch einen Schrecken, doch dann bemerkt man, wer da schon wieder einmal einen angeblichen Notfall an seinem Pferd festgestellt hat. Jedes Mal, wenn auch nur drei Haare an diesem Pferd fehlen, wird ein riesiger Aufstand gestartet, dabei könnte man die leichten Schrammen oder den oberflächlichen Biss doch nun wirklich selber behandeln...

Oft trifft man auf Pferdebesitzer, welche ständig mit dem Schlimmsten rechnen und sich selber anscheinend noch nicht einmal zutrauen, etwas Salbe aufzutragen.

Auf der einen Seite kann man sich also nur noch wundern über diese (doch eigentlich völlig überzogene) Panik, welche ja nun weder dem Besitzer noch dem Pferd etwas nützt, doch auf der anderen Seite ist es manchmal noch viel schlimmer: nämlich dann, wenn genau diese Sorge ums Pferd fast völlig zu fehlen scheint. Leider kann man viel zu häufig beobachten, wie sich Pferde Tage oder sogar Wochen quälen müssen, bevor überhaupt einmal an einen Tierarzt gedacht wird.  

Natürlich sind dies die beiden Extreme, doch es scheint tatsächlich gar nicht so einfach zu sein, sich im richtigen Moment für oder gegen einen Tierarzt zu entscheiden. Also: Eigenbehandlung oder Tierarzt - wie soll man sich richtig entscheiden, und gibt es hier eigentlich wirklich eine Entscheidung?


Wann den Tierarzt rufen?

Wann man einen Tierarzt rufen sollte, ist eigentlich relativ einfach gesagt: Immer wenn es nötig ist! Schwierig kann es manchmal nur bei dieser Einschätzung werden. Die meisten Reiter sind zum Beispiel in der Lage, eine akute Kolik zu erkennen, sofort einen Tierarzt zu verständigen und sich auch in der Wartezeit richtig zu verhalten (was übrigens nicht unbedingt heißt, sein Pferd in die Runde zu führen). Auch zögert kaum jemand mit dem Griff zum Telefon, wenn eine extrem stark blutende Wunde zu sehen ist. Geht es jedoch etwa um einen Kreuzverschlag, tun sich so manche Reiter extrem schwer damit, auch nur ein einziges Anzeichen dieser Erkrankung zu nennen, und dies, obwohl auch hier schnelles und überlegtes Handeln vonnöten wäre. Auch der Allgemeinzustand des Pferdes wird häufig viel zu lange ignoriert, dabei können Appetitlosigkeit, Mattigkeit, erhöhte Temperatur oder auch ein im Ruhezustand stark erhöhter Puls sehr ernst zu nehmende Warnzeichen sein.

Tierärzte sind also leider manches Mal unterwegs, um eine zwar spektakulär aussehende, jedoch eigentlich recht harmlose Schürfwunde zu behandeln, während sie an anderer Stelle viel zu spät verständigt werden.

Es ist daher wichtig, dass man als Besitzer in der Lage ist, die Situation möglichst gut einschätzen zu können und zu erkennen, wann ein Tierarzt wirklich sofort und ohne weitere Diskussion gerufen werden muss. Dies heißt natürlich nicht, dass man sich vor dem Griff zum Telefon hundertprozentig sicher sein muss, dass es wichtig ist! Nein - einen Tierarzt sollte man auch in jedem Zweifelsfall rufen.

Jeder kennt doch sicherlich die Situation, in der man etwas hin- und herüberlegt, ob man nun wirklich den Tierarzt holt, obwohl das Pferd eben eigentlich nur ein bisschen lahmt... Doch im Endeffekt entscheidet man sich dann doch meist dafür, weil man es einfach nicht verantworten möchte, durch zu langes Warten eine Verschlimmerung des Zustandes zu provozieren.

Hier gilt einfach immer noch der Satz: Lieber den Tierarzt einmal zu viel rufen als einmal zu wenig!  

Doch auch wenn ich den Tierarzt gerufen habe, bleibt immer noch eine gewisse Zeitspanne, bis er wirklich da ist. Und in dieser Zeit kommt man dann häufig gar nicht um eine Eigenbehandlung herum: Je nach Fall und auch je nach Länge der Anfahrt kann es dann auch schon mal heißen, eine Blutung zu stoppen, einen bestimmten Körperteil zu kühlen oder andere Sofortmaßnahmen zu ergreifen. Wer sich in solchen Fällen nicht überwinden kann zu handeln, riskiert im schlimmsten Falle das Leben seines Pferdes. Tierarzt und Eigenbehandlung sind hier also gar nicht unbedingt trennbar.


Wann Eigenbehandlung?

Dies hört sich ja nun eindeutig so an, als hätten die Leute, welche wegen jeder Kleinigkeit den Tierarzt rufen, im Prinzip gar nicht so Unrecht, und als wäre Eigenbehandlung eine ziemlich schlechte Idee. Dennoch sollte man schon in der Lage sein, mit nicht schwerwiegenden Verletzungen oder einer harmlosen Schwellung oder Ähnlichem alleine fertig zu werden. Um nichts falsch zu machen, gilt genau dasselbe wie eben: Man muss in der Lage sein, eine kleine Verletzung zu erkennen, was eben nicht unbedingt etwas mit der wirklichen Größe zu tun hat - wie etwa das Beispiel Einschuss zeigt, welcher ja häufig durch eine kleine, eher unscheinbare Stichverletzung hervorgerufen wird.

Nach der richtigen Einschätzung sollte dann auch die richtige Versorgung folgen, und dies setzt einiges Wissen voraus. Ein Phänomen, welches fast in jedem Stall auftritt, ist zum Beispiel Folgendes: Kaum hat man eine Wunde an seinem Pferd entdeckt, schon reicht einem irgendjemand das anscheinende Allheilmittel hierfür, nämlich Blauspray. Dies ist ein wahres Мuss der Eigenbehandlung, und es wird viel zu oft einfach auf alles, was blutet, gesprüht. Verwendet man dies nämlich bei einer Wunde, welche bei näherer Betrachtung doch lieber genäht werden sollte, hat man schon einen möglichen und verheerenden Fehler der Eigenbehandlung begangen: Vorschnelles Handeln, welches die richtige Versorgung später behindert. Eine Wunde, welche mit Blauspray behandelt wurde, kann in manchen Fällen nämlich nicht mehr vernünftig genäht werden. So kann Blauspray, das ja eigentlich wirklich eine feine Sache ist, auch schaden, und dies gilt durchaus auch noch für andere Mittel, die sich in den Stallapotheken so herumtreiben.

Wer aber in der Lage ist, eine oberflächliche Wunde vernünftig zu versorgen oder etwa auch eine leichte Form der Mauke fachkundig zu behandeln, kann seinem Pferd einige Aufregung ersparen - und sich selber einige Kosten.

Wichtig bei der Eigenbehandlung ist jedoch, dass man im Zweifel immer einen Tierarzt fragt. Selbst wenn ich davon überzeugt bin, dass ich das Problem selber behandeln kann, kann ein Tierarzt vielleicht noch einen nützlichen Tipp geben oder mir sagen, worauf besonders zu achten ist. Einen Tierarzt ruft man natürlich auch, wenn sich der Zustand des Pferdes innerhalb relativ kurzer Zeit nicht deutlich bessert oder sogar verschlechtert. Gar nicht gefragt sind hier Reiter, die sich oder auch anderen gegenüber nicht eingestehen möchten, dass sie die Situation plötzlich doch nicht mehr unter Kontrolle haben, obwohl sie vorher noch so schön mit ihrem fundierten Wissen über die korrekte medizinische Versorgung angegeben haben...! Wer sein Pferd selber behandelt, darf niemals den Blick für die Situation verlieren: Wenn man etwas einmal falsch eingeschätzt hat, muss sofort ein Fachmann zu Rate gezogen werden, hier sollte persönliche Eitelkeit oder verletzter Stolz nun wirklich keine Rolle spielen!


Hier noch kurz etwas zu alternativen Heilmitteln:

Unter Eigenbehandlung wird immer mehr auch das Anwenden von alternativen Heilmitteln verstanden. Gerade hier scheint die Hemmschwelle deutlich geringer zu sein, ein bisschen auf eigene Faust herumzuexperimentieren.

Leider wird mit diesen Mitteln oft viel zu gedankenlos umgegangen, da sie den Ruf haben, dass man damit so oder so einfach nichts falsch machen kann. Pferdebesitzer, welche sich nicht zutrauen, eine Wunde mit einer desinfizierenden Spülung auszuwaschen, tragen auf dieselbe Wunde mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit ein Präparat auf, solange nur „rein pflanzlich“ darauf steht. Doch wer wirklich sinnvoll solche Mittel verwenden möchte, der kommt auch hier nicht um ein klärendes und erklärendes Gespräch mit einem Tierarzt herum. In Absprache mit einem Tierarzt können solche Mittel eine Behandlung sehr sinnvoll ergänzen, in unfachmännischen Händen jedoch auch einigen Schaden anrichten.


Immer auch eine Kostenfrage

Ein Aspekt dieser Diskussion ist - ob dies nun schön ist oder nicht! - auch das Geld.

Natürlich sollte man bereit sein, im Ernstfall auch die Kosten des Tierarztes oder eventuell sogar der Klinik zu tragen, und jeder wird mit Recht verachtet, wenn er sein Pferd leiden lässt, weil er kein Geld für einen Tierarzt ausgeben möchte. Hier gilt, um es direkt zu sagen: Wer sich keinen Tierarzt leisten kann, der sollte auch kein Tier besitzen.

Doch wer nun einmal nicht locker jede Rechnung bezahlt und erst recht keine eigentlich überflüssigen, der überlegt dann schon zweimal, wann er den Tierarzt ruft und wann nicht. Wenn etwa das Pferd beschließt, ausgerechnet an einem Sonntagnachmittag über die Weide zu humpeln, wer hat dann nicht auch den Wochenendaufschlag der Tierärzte zumindestens im Hinterkopf? Reizt es einen da nicht, wenigstens noch den einen Tag zu warten? Und das, wo das Pferd die letzten drei Mal genau in dem Moment wieder völlig klar über die Wiese trabte, als der Tierarzt dann doch da war?

Und auch bei Verletzungen hofft man in solchen Fällen viel eher, dass man es doch noch selber in den Griff bekommt. Wenn diese Hoffnung sich allerdings als ungerechtfertigt erweisen sollte, geht der Schuss gleich zweifach nach hinten los: einerseits leidet das Pferd unnötig lange, andererseits können sich die Folgekosten deutlich erhöhen.  

Was kann man also tun, um unnötige Tierarztkosten zu vermeiden? Wieder einmal muss man den Zustand des Pferdes richtig einschätzen können, also:


Sich kundig machen!

Die richtige Einschätzung, welche hier ständig erwähnt wird, ist nun keine angeborene Fähigkeit, sondern kann durch jeden Pferdebesitzer oder Reiter erworben werden. So gibt es zahlreiche Seminare zum Thema Pferdekrankheiten, in denen man vieles über die Symptome der verschiedenen Krankheiten erfährt, lernen kann, wann man einen Tierarzt schon nach einem Blick auf das Pferd verständigen sollte, und auch die Kriterien für harmlose und schwerwiegende Verletzungen erfährt.

Wirklich sehr sinnvoll sind auch Erste-Hilfe-Kurse fürs Pferd. Diese versetzen einen in die Lage, der Aufforderung des Tierarztes, die Blutung zu stoppen, auch wirklich ohne weitere Nachfragen nachkommen zu können. Auch das richtige Anlegen eines Verbandes will gelernt sein. Jeder, der so einen Kurs erfolgreich absolviert hat, weiß, wie angenehm es ist, sich nicht völlig hilflos mit einer Notsituation konfrontiert zu sehen. Doch genauso wichtig wie die richtige Erstversorgung ist auch die Kenntnis etwa der Normaltemperatur eines Pferdes. Ohne dieses Wissen kann es einem ansonsten schon Schwierigkeiten bereiten, Fieber bei einem Pferd festzustellen. Und da Pferde keine Handgelenke haben, sollte man sich darüber im Klaren sein, wo man den Puls eines Pferdes messen kann.

Es gilt also, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und möglichst viel Wissen anzuhäufen, dann spricht in meinen Augen auch nichts mehr gegen eine Eigenbehandlung bei eher harmlosen Erkrankungen oder Verletzungen, und es trägt hoffentlich dazu bei, dass, wenn nötig, auch ein Tierarzt gerufen wird.

Daher sollte es eine ethische Verpflichtung für jeden Pferdebesitzer sein, seinem Pferd, wenn es der Hilfe bedarf, auch helfen zu können.

Katinka Schnitker


Besuch – oder: Die Ehre eines Norwegers


Wenn sich Besuch ankündigt, also nicht gute Bekannte oder Freunde, sondern eher so in die Richtung entfernte Verwandte, liegen Freude und Stress ja meistens recht nah beieinander. Wenn dieser Besuch dann auch noch weiß oder erfährt, dass man ein Pferd hat, kann es schnell zu der mehr oder weniger angenehmen Frage kommen: "Ja, können wir das Pferd denn nicht einmal anschauen?"

Und schon befindet man sich in einer Situation, die ich persönlich ziemlich schwierig finde: Einerseits bin ich ja schon ziemlich stolz auf mein Pferd und würde es von daher ja auch sehr gerne vorführen, doch andererseits ist dies schließlich nicht der erste Besuch und mit meinem Pferd und Besuch habe ich eben schon so meine Erfahrungen gesammelt...

Doch während ich immer noch in dieser Überlegung gefangen bin und der Besuch gespannt auf eine Antwort wartet, meldet sich meist überaus hilfreich irgendein Bekannter zu Wort: "Natürlich kann man das Pferd anschauen, mit dem Auto sind das nur zehn Minuten!" Was bleibt einem da noch übrig, außer einen vernichtenden Blick auf entsprechenden Bekannten zu werfen und zu behaupten, man selber hätte gerade genau dasselbe gedacht.

Schon im Auto kann man die Erwartung eines großen edlen Pferdes, in einer noblen Box mit einer langen, frisch gefegten Stallgasse davor, auf den Gesichtern der Gäste ablesen. Und so bin ich dann, während ich die Sommerweide ansteuere, die garantiert genau an diesem Tag absolut schlammig ist, weil es nämlich garantiert am Tag zuvor sintflutartig geregnet hat, bemüht, diese Erwartungen schon mal im Vorfeld etwas herunterzuschrauben: "Also, besonders groß ist er natürlich nicht, und im Moment stehen sie Tag und Nacht draußen, und aufgrund der Bodenverhältnisse könnte er auch ziemlich dreckig sein, wenn er sich gewälzt hat (und das hat er auf jeden Fall, wenn ich Besuch mitbringe!)..."


Versuchte Ehrenrettung

Der Besuch äüßert sich zu diesem Thema meistens erst wieder, wenn wir tatsächlich angekommen sind und ich einen schlammigen, ein wenig aus der Form geratenen Norweger aus der Weide fische: " Wie, das ist dein Pferd? Ist der denn nicht viel zu klein? Kann man den denn wirklich reiten? Außerdem ist er ja doch ganz schön dick, oder muss das so sein?"

Eine Bemerkung darf natürlich auch niemals fehlen: "Wir dachten, du hättest ein richtiges Pferd!"

Bemüht höflich starte ich daraufhin selbstverständlich zur Ehrenrettung meines Pferdes und versuche diesen ja wohl mehr als offensichtlichen Nichtswissern zu verdeutlichen, dass sie sich zufällig vor dem besten Pferd überhaupt befinden, welches sich durch viele Dinge besonders auszeichnet: Klugheit, Temperament, Charakter, Schönheit, Schnelligkeit, die perfekte Größe und ... Sensibilität! ( Naja, schließlich geht es hier um die Ehre meines Pferdes!)

Diese Lobeshymne führt leider in der Regel zur schlimmsten aller Aufforderungen: "Na, wenn das so ist, dann zeig doch mal, was er alles kann, reit uns doch einfach mal etwas vor!"

Dies wäre an sich ja auch gar kein Problem, wenn mein Pferd sich nicht seine guten Eigenschaften lieber für Momente unter vier Augen aufheben würde und ich kein fast unangefochtener Meister des berühmten "Vorführeffektes" wäre. Da diese Kombination aber leider besteht, bin ich in der Regel immer schon ganz froh, wenn ich bei solchem Vorreiten nicht schon im Stand von meinem Pferd falle.

Die Besucher im Nachhinein davon überzeugen zu wollen, dass das Ganze normalerweise völlig anders ist, ist völlig zwecklos, zumal man ja auch gar nicht gegen die Welle des Spottes ankommt, die einem entgegengeworfen wird.

Am Ende eines solchen Tages sind die Gäste aber immerhin meistens gut gelaunt und fühlen sich bestens unterhalten, während ich, wie jedesmal, in einer abgelegenen Ecke den heiligen Schwur ablege: "Nie wieder, nie wieder sehen Gäste, die Qualität nicht erkennen können, mein Pferd - und wenn ich es vorher verkaufen muss!"

Katinka Schnitker

                                                                                                                                                                   


Wenn sich Besuch ankündigt, also nicht gute Bekannte oder Freunde, sondern eher so in die Richtung entfernte Verwandte, liegen Freude und Stress ja meistens recht nah beieinander. Wenn dieser Besuch dann auch noch weiß oder erfährt, dass man ein Pferd hat, kann es schnell zu der mehr oder weniger angenehmen Frage kommen: "Ja, können wir das Pferd denn nicht einmal anschauen?"

Und schon befindet man sich in einer Situation, die ich persönlich ziemlich schwierig finde: Einerseits bin ich ja schon ziemlich stolz auf mein Pferd und würde es von daher ja auch sehr gerne vorführen, doch andererseits ist dies schließlich nicht der erste Besuch und mit meinem Pferd und Besuch habe ich eben schon so meine Erfahrungen gesammelt...

Doch während ich immer noch in dieser Überlegung gefangen bin und der Besuch gespannt auf eine Antwort wartet, meldet sich meist überaus hilfreich irgendein Bekannter zu Wort: "Natürlich kann man das Pferd anschauen, mit dem Auto sind das nur zehn Minuten!" Was bleibt einem da noch übrig, außer einen vernichtenden Blick auf entsprechenden Bekannten zu werfen und zu behaupten, man selber hätte gerade genau dasselbe gedacht.

Schon im Auto kann man die Erwartung eines großen edlen Pferdes, in einer noblen Box mit einer langen, frisch gefegten Stallgasse davor, auf den Gesichtern der Gäste ablesen. Und so bin ich dann, während ich die Sommerweide ansteuere, die garantiert genau an diesem Tag absolut schlammig ist, weil es nämlich garantiert am Tag zuvor sintflutartig geregnet hat, bemüht, diese Erwartungen schon mal im Vorfeld etwas herunterzuschrauben: "Also, besonders groß ist er natürlich nicht, und im Moment stehen sie Tag und Nacht draußen, und aufgrund der Bodenverhältnisse könnte er auch ziemlich dreckig sein, wenn er sich gewälzt hat (und das hat er auf jeden Fall, wenn ich Besuch mitbringe!)..."


Versuchte Ehrenrettung

Der Besuch äüßert sich zu diesem Thema meistens erst wieder, wenn wir tatsächlich angekommen sind und ich einen schlammigen, ein wenig aus der Form geratenen Norweger aus der Weide fische: " Wie, das ist dein Pferd? Ist der denn nicht viel zu klein? Kann man den denn wirklich reiten? Außerdem ist er ja doch ganz schön dick, oder muss das so sein?"

Eine Bemerkung darf natürlich auch niemals fehlen: "Wir dachten, du hättest ein richtiges Pferd!"

Bemüht höflich starte ich daraufhin selbstverständlich zur Ehrenrettung meines Pferdes und versuche diesen ja wohl mehr als offensichtlichen Nichtswissern zu verdeutlichen, dass sie sich zufällig vor dem besten Pferd überhaupt befinden, welches sich durch viele Dinge besonders auszeichnet: Klugheit, Temperament, Charakter, Schönheit, Schnelligkeit, die perfekte Größe und ... Sensibilität! ( Naja, schließlich geht es hier um die Ehre meines Pferdes!)

Diese Lobeshymne führt leider in der Regel zur schlimmsten aller Aufforderungen: "Na, wenn das so ist, dann zeig doch mal, was er alles kann, reit uns doch einfach mal etwas vor!"

Dies wäre an sich ja auch gar kein Problem, wenn mein Pferd sich nicht seine guten Eigenschaften lieber für Momente unter vier Augen aufheben würde und ich kein fast unangefochtener Meister des berühmten "Vorführeffektes" wäre. Da diese Kombination aber leider besteht, bin ich in der Regel immer schon ganz froh, wenn ich bei solchem Vorreiten nicht schon im Stand von meinem Pferd falle.

Die Besucher im Nachhinein davon überzeugen zu wollen, dass das Ganze normalerweise völlig anders ist, ist völlig zwecklos, zumal man ja auch gar nicht gegen die Welle des Spottes ankommt, die einem entgegengeworfen wird.

Am Ende eines solchen Tages sind die Gäste aber immerhin meistens gut gelaunt und fühlen sich bestens unterhalten, während ich, wie jedesmal, in einer abgelegenen Ecke den heiligen Schwur ablege: "Nie wieder, nie wieder sehen Gäste, die Qualität nicht erkennen können, mein Pferd - und wenn ich es vorher verkaufen muss!"

Katinka Schnitker

                                                                                                                                                                  


Wenn sich Besuch ankündigt, also nicht gute Bekannte oder Freunde, sondern eher so in die Richtung entfernte Verwandte, liegen Freude und Stress ja meistens recht nah beieinander. Wenn dieser Besuch dann auch noch weiß oder erfährt, dass man ein Pferd hat, kann es schnell zu der mehr oder weniger angenehmen Frage kommen: "Ja, können wir das Pferd denn nicht einmal anschauen?"

Und schon befindet man sich in einer Situation, die ich persönlich ziemlich schwierig finde: Einerseits bin ich ja schon ziemlich stolz auf mein Pferd und würde es von daher ja auch sehr gerne vorführen, doch andererseits ist dies schließlich nicht der erste Besuch und mit meinem Pferd und Besuch habe ich eben schon so meine Erfahrungen gesammelt...

Doch während ich immer noch in dieser Überlegung gefangen bin und der Besuch gespannt auf eine Antwort wartet, meldet sich meist überaus hilfreich irgendein Bekannter zu Wort: "Natürlich kann man das Pferd anschauen, mit dem Auto sind das nur zehn Minuten!" Was bleibt einem da noch übrig, außer einen vernichtenden Blick auf entsprechenden Bekannten zu werfen und zu behaupten, man selber hätte gerade genau dasselbe gedacht.

Schon im Auto kann man die Erwartung eines großen edlen Pferdes, in einer noblen Box mit einer langen, frisch gefegten Stallgasse davor, auf den Gesichtern der Gäste ablesen. Und so bin ich dann, während ich die Sommerweide ansteuere, die garantiert genau an diesem Tag absolut schlammig ist, weil es nämlich garantiert am Tag zuvor sintflutartig geregnet hat, bemüht, diese Erwartungen schon mal im Vorfeld etwas herunterzuschrauben: "Also, besonders groß ist er natürlich nicht, und im Moment stehen sie Tag und Nacht draußen, und aufgrund der Bodenverhältnisse könnte er auch ziemlich dreckig sein, wenn er sich gewälzt hat (und das hat er auf jeden Fall, wenn ich Besuch mitbringe!)..."


Versuchte Ehrenrettung

Der Besuch äüßert sich zu diesem Thema meistens erst wieder, wenn wir tatsächlich angekommen sind und ich einen schlammigen, ein wenig aus der Form geratenen Norweger aus der Weide fische: " Wie, das ist dein Pferd? Ist der denn nicht viel zu klein? Kann man den denn wirklich reiten? Außerdem ist er ja doch ganz schön dick, oder muss das so sein?"

Eine Bemerkung darf natürlich auch niemals fehlen: "Wir dachten, du hättest ein richtiges Pferd!"

Bemüht höflich starte ich daraufhin selbstverständlich zur Ehrenrettung meines Pferdes und versuche diesen ja wohl mehr als offensichtlichen Nichtswissern zu verdeutlichen, dass sie sich zufällig vor dem besten Pferd überhaupt befinden, welches sich durch viele Dinge besonders auszeichnet: Klugheit, Temperament, Charakter, Schönheit, Schnelligkeit, die perfekte Größe und ... Sensibilität! ( Naja, schließlich geht es hier um die Ehre meines Pferdes!)

Diese Lobeshymne führt leider in der Regel zur schlimmsten aller Aufforderungen: "Na, wenn das so ist, dann zeig doch mal, was er alles kann, reit uns doch einfach mal etwas vor!"

Dies wäre an sich ja auch gar kein Problem, wenn mein Pferd sich nicht seine guten Eigenschaften lieber für Momente unter vier Augen aufheben würde und ich kein fast unangefochtener Meister des berühmten "Vorführeffektes" wäre. Da diese Kombination aber leider besteht, bin ich in der Regel immer schon ganz froh, wenn ich bei solchem Vorreiten nicht schon im Stand von meinem Pferd falle.

Die Besucher im Nachhinein davon überzeugen zu wollen, dass das Ganze normalerweise völlig anders ist, ist völlig zwecklos, zumal man ja auch gar nicht gegen die Welle des Spottes ankommt, die einem entgegengeworfen wird.

Am Ende eines solchen Tages sind die Gäste aber immerhin meistens gut gelaunt und fühlen sich bestens unterhalten, während ich, wie jedesmal, in einer abgelegenen Ecke den heiligen Schwur ablege: "Nie wieder, nie wieder sehen Gäste, die Qualität nicht erkennen können, mein Pferd - und wenn ich es vorher verkaufen muss!"

Katinka Schnitker


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