Die Jugend-Pferdezeitschrift im Netz

Home. Magazin. Rund ums Pferd. Unser Shop. Fachsprache von A - Z. Pferderassen von A - Z. Das Pferde-Quiz. Fotos zum Träumen. Eure Fragen. Brieffreundschaften. Gästebuch. Kontakt. Links. Über uns. Impressum.

Wenn Pferde stolpern, Teil I - Wonnemonat Mai - Hufrehe - Reiten mit Kappe - Zum Wiehern!


                 Equikids 05/2011


* Wenn Pferde stolpern

"Kommst du mit zum Ausritt auf dem Stoppelacker?" – "Nein, lieber nicht. Mein Pferd stolpert ja schon auf ebenem Boden. Auf dem holprigen Acker gehen wir im Zweifelsfall direkt über Kopf." Zugegeben, dieses kleine Gespräch hat so nicht stattgefunden. Sehr ähnliche Aussagen habe ich aber tatsächlich schon gehört. Und ich habe Reiter-Pferd-Paare gesehen, die lieber die gleiche Antwort hätten geben sollen, statt im Gelände auf stolpernden Beinen Kopf und Kragen zu riskieren. Sogar im Springparcours sind manchmal fatalerweise Pferde zu beobachten, die sich nicht wirklich sicher zu sein scheinen, was ihre Beine gerade tun. Im Dressurviereck werden Stolperer den Taktfehlern zugeordnet. Eine Störung sind sie in jedem Fall.

Ist Stolpern überhaupt ein Problem?
Ja, das ist es. Zum Einen ist ein aus dem Stolpern entstandener Sturz besonders gefährlich, da Pferd und Reiter oft gemeinsam zu Boden gehen. Dabei kann es passieren, dass der Mensch unter das Tier gerät, was häufig zu ernsteren Verletzungen wie z.B. Knochenbrüchen und Quetschungen aller Art führt. Aber auch das Pferd kann sich gefährlich verletzen, wenn es z.B. im Wurzelwerk hängen bleibt oder in ein Kaninchenloch hineintritt. Natürlich ist bei diesen Beispielen nicht das Stolpern des Pferdes die direkte Ursache. Es sind aber genau solche Pferde, die auch sonst einmal ohne ersichtlichen Grund einknicken, welche im Gelände mit den beschriebenen Gefahren nicht zurecht kommen. Somit besteht mindestens ein indirekter Zusammenhang zwischen Stolpern und dem Tritt in den Kaninchenbau. Wer sich mit einem solchen Pferd in einen Springparcours traut, liebt das Risiko. Wer in die Dressurprüfung reitet mit einem Stolperkandidaten, hofft auf sein Glück und milde Richter. Dabei werden wenige Pferde "stolpernd" geboren. Man muss diese Schwäche als das ansehen, was es ist: Ein Anzeiger für Probleme, die hauptsächlich durch Reiten bzw. das Reitergewicht entstehen. Aber in vielen Fällen lässt sich etwas dagegen unternehmen.

Stolper-Variationen


1. Das einbeinige Vorne-Einknicken auf ebenem Gelände ist eine Variante, bei der das tragende Vorderbein plötzlich und ohne erkennbaren Grund einknickt. Reiter und Pferd fallen einen Moment lang ins Leere. In der Regel fängt sich das Pferd aber sofort wieder.

2. Das Hinterfuß-Vergessen vermittelt dem Reiter in etwa ein Gefühl, als hätte man ihm den Stuhl unterm Gesäß weggezogen. Es entsteht dadurch, dass das Pferd ein Hinterbein kurzzeitig einfach stehen lässt. Der Bewegungsfluss wird unterbrochen, die Kruppe muss sich aus anatomischen Gründen zwangsläufig senken. Reiter und Pferd werden hinten herunter gezogen, bis das "vergessene Bein" wieder mitkommt und Last aufnimmt.

3. Das wahllose An- oder auch Darauftreten an/auf alles, was zufällig im Weg steht, inklusive menschlicher Füße (bei manchen Pferden besonders beliebt), ist dem Grunde nach vielleicht die harmloseste Form, den Auswirkungen nach jedoch für den Reiter die gefährlichste.


Ursachen und Wirkungen


zu 1.
Das Einknicken der Vorderbeine ist ein ziemlich sicheres Anzeichen für eine Überbelastung. Besonders anfällig sind dabei Tiere, die von Natur aus vorlastig sind. Mit zusätzlichem Reitergewicht bepackt und/oder schlecht geritten halten die Beine solcher Pferde der Belastung ab und zu nicht mehr stand. Die Erfahrung zeigt, dass manche Pferde unter schweren Reitern ständig mit den Vorderbeinen stolpern, wohingegen sie unter leichten Reitern problemlos laufen. Natürlich kann auch eine angeborene Sehnen- und Bänderschwäche in den Vorderbeinen für das Einknicken verantwortlich sein. Ich halte dies jedoch für die seltenere Ursache. Für den Reiter kann solches Stolpern je nach Ausprägung zu verschiedenen Risiken führen, von einem kurzfristigen Gleichgewichtsverlust über einen Sturz über den gesenkten Pferdehals hinweg bis hin zum gemeinsamen Sturz von Pferd und Reiter. In den meisten Fällen fängt sich das Pferd glücklicherweise mit seinen anderen drei Beinen auf.

zu 2.
Das Stehen lassen eines Hinterbeines hat seine Ursache im Rücken des Pferdes. Ist dieser grundsätzlich schwach oder handelt es sich um die nicht adäquate Belastung eines untrainierten Rückens, kommt es häufig zu diesen "Aussetzern". Dabei hat die zum Untersetzen des Hinterfußes notwendige Muskulatur, und dazu gehört maßgeblich die der Rückenpartie, eine Schwäche, wodurch das betreffende Bein eben erst durch die Zwänge der Anatomie (schließlich ist es ja angewachsen) dem sich bewegenden Tier folgt. Bei so einem Stolperer kann sich ein Pferd ernsthaft den Rücken zerren, was die weitere Arbeit umso mehr belastet und das Problem verstärkt.

zu 3.
a) Pferde, die derartig unachtsam mit ihren Beinen umgehen, tun das sicher nicht, weil sie so gerne überall gegen hauen. Den meisten Tieren dieser Kategorie fehlt einfach das Gefühl für ihre Extremitäten. Sie haben Koordinierungsschwierigkeiten. Das sensorische Empfinden am einzelnen Bein wird offensichtlich vom Gehirn nicht durch entsprechende Bewegungsimpulse beantwortet.
Solche Pferde zeichnen sich u.a. dadurch aus, dass sie im Parcours entweder grundsätzlich viel zu hoch springen, da sie sich nicht sicher sind, ob ihre Beine eng genug am Körper sind, oder sie sind in der Lage, ein und dasselbe Hindernis beliebig oft zu reißen, da sie das Anhauen ihrer Füße eben nicht mit einer Änderung der Motorik beantworten können. In Extremfällen stolpern sie sogar einfach durch Hindernisse hindurch, wobei der Reiter jedes Mal einen Sturz riskiert.
In unebenem Gelände werden diese Tiere ebenfalls zu einem ernsten Gesundheitsrisiko. Das Gegenteil von Trittsicherheit zeichnet sie aus, von schnelleren Gangarten muss aus Sicherheitsgründen abgeraten werden.,
b) Bei manchen Pferden sagen die Besitzer z.B.: "Der ist einfach zu faul, die Beine hochzuheben." Das heißt, es wird auf das Phlegma geschoben. Sicher gibt es Pferde, die weniger Lust haben, sich anzustrengen und daher jedes unnötige Beine heben vermeiden. Das aber ist der springende Punkt: Notwendiges Beine heben sollten auch diese Tiere von sich aus unternehmen. Tun sie es dennoch nicht, rumpeln also hemmungslos gegen Cavalettis oder Bodenstangen u.a., halte ich dies nicht für einen Ausdruck ihrer Bequemlichkeit. Kein Pferd ist wirklich so unsensibel, dass es sich gerne wehtut. Neben grundsätzlichen Problemen, die eigenen Beine zu koordinieren, kann auch ein festgehaltener Rücken die Motorik derartig behindern, dass der betreffende Fuß zwar hochgenommen werden soll, diese Bewegung aufgrund schmerzender und blockierter Muskelpartien im Rücken aber nicht ausreichend ausgeführt werden kann. Schlurfende Bewegungen ohne Rückentätigkeit und somit ohne Aufwärtsfedern sind eine Folge, die eben zu Stolpern führen kann. Ein dem äußeren Anschein nach faules Pferd kann demnach auch schlichtweg ein blockiertes Pferd sein.
c) Einen Sonderfall stellen Jungpferde im Wachstum dar. Ähnlich wie menschliche Halbwüchsige sind auch sie oftmals ungelenk, weil sich ihre Proportionen noch ständig verändern. Zwar gibt es auch unter ihnen geschicktere und weniger geschickte, im Stolpern eines unausgewachsenen Pferdes würde ich jedoch noch kein ernst zu nehmendes Problem sehen.

So viel zu den Ursachen für das Stolpern. In der nächsten Ausgabe von Equikids erfahrt ihr, was ihr tun könnt, wenn euer Pferd auch zum Stolpern neigt!

Ute Forler


* Der Mai


„Komm lieber Mai  und mache die Bäume wieder grün... so heißt das alte Kinderlied, das bei der heutigen Klimaverschiebung nicht mehr so recht stimmen mag. Im Mai sind die Bäume längst grün - und glücklicherweise auch die Weiden, was Pferde wie Pferdebesitzer gleichermaßen begrüßen.

Jetzt haben fast alle Pferde ihr Winterfell verloren: Lediglich einige nordische Pferderassen wie Island- oder Fjordpferde kämpfen noch damit, werden von den vernünftigeren Besitzern jetzt aber geschoren, um beim Reiten nicht allzusehr zu schwitzen.

Auch alte Pferde, die aufgrund des schlechten Stoffwechsels ihr Fell nur noch zögernd wechseln, sollte man jetzt scheren - eventuell nur teilweise; damit entlastet man ihren Kreislauf, denn unter dem dicken Fell, das alte Pferde nicht mehr gut wechseln können, kommt es sonst möglicherweise zu Hitzestaus.

Die Fohlen von Warmblutpferden sind meist schon einige Monate alt und dürfen jetzt in der warmen Witterung mit ihren Müttern raus auf die Weide. Bei robust gehaltenen Pferden - Ponys oder Großpferden - fallen aber jetzt erst die Fohlen. Das hat einen tiefen Sinn - die Witterung ist mild genug, und auf der Weide geborene Fohlen saugen nicht nur die Muttermilch, sondern knabbern schon früh am nahrhaften Gras.

Jetzt ist auch die Weide wieder offen; endlich können die Pferde wieder echtes Gras fressen, Hälmchen für Hälmchen im langsamen Gehen abrupfen - und ihre Besitzer freuen sich über etwas ausgeglichenere Pferde.

Ganz ohne Risiko ist das allerdings nicht, denn das frische Gras birgt auch Gefahren. Die Hufrehe beispielsweise, jene ungemein schmerzhafte Erkrankung des Hufes. Man sollte sie nicht unterschätzen. Und ein Pferd, das einmal Hufrehe gehabt hat, ist sein Leben lang anfällig dafür; eine Allergie, die immer wieder aufflackern kann. So hart es den Besitzern von Hufrehe-Pferden und auch den Pferden sein mag: Das frische Gras im Mai ist ein absolutes Tabu!!!

Und es muss gar nicht immer Hufrehe sein - jede Futterumstellung ist für das langsam und selektiv fressende Pferd problematisch. So muss auch die Umstellung auf das frische Gras langsam erfolgen. Eine Viertelstunde reicht zu Anfang für Pferde, die nicht auf der Winterweide knabbern durften. Wenn es irgend geht, lässt man die Pferde erst dann auf die Weide, wenn sie schon satt sind, nach der Mittagsmahlzeit beispielsweise. Das klappt zwei- bis dreimal, dann wissen die Pferde Bescheid und lungern nur noch aufs Gras...

Wie man sie danach einfängt? Naja - das ist so ein Problem! Vielleicht lässt man sie anfangs nur an der Hand grasen, oder man hängt eine kleine Schnur von etwa 30 bis 50 cm ans Halfter des lieben Pferdes - daran kann es sich mit Sicherheit nicht verletzen; aber der Besitzer fängt es damit möglicherweise (aber wirklich nur möglicherweise) nach längerem Nachlaufen etwas leichter wieder ein.

Egal wie - mehr als eine Viertelstunde oder zwanzig Minuten sind für Pferde, die keine Winterweide genießen konnten, nicht angemessen. Und sehr wichtig ist es, dass sie dann in der Zeit, in der sie nicht auf der Weide sein dürfen, ausreichend Ballastfutter zur Verfügung haben, am besten gutes Futterstroh. Das füllt den Magen und lenkt zumindest zeitweise von dem Gedanken an das schöne grüne Gras ab...

Jetzt im Mai zeigt sich auch deutlich das Sommerekzem, das sich immer mehr verbreitet. Schon lange ist es nicht mehr auf Islandpferde begrenzt - im Laufe der letzten Jahrzehnte sind alle Pferderassen davon befallen worden, sofern die jeweiligen Pferde robust gehalten wurden. Es scheint schon lange mehr kein rassespezifisches, sondern eher ein Umwelt-Problem zu sein. Im Mai erkennt man Ekzemer deutlich: Sie schubbern und scheuern sich, bis das Fell verschwindet und die Haut blutig wird. Jetzt ist es allerhöchste Zeit, etwas dagegen zu unternehmen! Das Aufstallen im dunklen Stall allein hilft nicht nur nicht, sondern ist auch tierschutzrelevant. Der Besitzer eines Ekzemers sollte sich genau informieren und sein Pferd so gut behandeln, wie es der derzeitige Wissensstand ermöglicht. Dass das ein echtes Problem ist, weiß jeder verantwortungsbewusste Besitzer eines Ekzemers. Von Jahr zu Jahr kommen neue Mittel auf den Markt, welche die Lösung des Problems versprechen. Man muss sehr genau abwägen, welches Mittel - vielleicht - helfen kann. Der Entscheidungsfaktor sollte dabei immer der Gedanke sein, dem durch das Ekzem tatsächlich gequälten Pferd mehr Lebensqualität zu geben.

Aber der Mai hat nicht nur Risiken. Jetzt beginnt auch die Zeit der langen Geländeritte. Die Tage werden länger, jetzt kann man abends noch raus, der Boden wird trockener und griffiger, die Pferde können Kondition aufbauen. Der Mai ist der Einstieg in den Sommer.

Jetzt ist der Boden auch so warm, dass er neue Saaten aufgehen lässt. Das bedeutet, dass jetzt die beste Zeit für die neue Weideansaat ist. Das Gras wird schnell aufgehen, darf in diesem Sommer von den Pferden aber noch nicht betreten werden. Lediglich Heu darf man von der jetzt eingesäten Weide machen; erst im nächsten Jahr, wenn die zarten Wurzeln fester geworden sind, dürfen die Pferde darauf grasen.

Für Pferdebesitzer - und vielleicht auch für die Pferde - ist der Mai ein wunderbarer Monat: Es gibt Futter im Überfluss (man muss sich nur beherrschen können), der Boden ist griffig, die Temperaturen sind mild, so dass die Pferde jetzt nach dem Fellwechsel nicht so sehr schwitzen... was will man mehr! Mai könnte es immer bleiben!

Uta Over


* Gesundheit: Hufrehe


Im Frühjahr und im Herbst hat Hufrehe Hochsaison. Diese Erkrankung ist besonders bösartig, denn sie führt zu bleibenden Schäden – umso wichtiger ist es, rechtzeitig vorzubeugen.


Was ist Hufrehe?

Die verbreitete Grasrehe ist eine Stoffwechselstörung, die zu einer Entzündung der Huflederhaut führt. Im Huf des Pferdes ist das knöcherne Hufbein gleichsam schwebend aufgehängt. Bei einer Hufrehe wird diese Tragevorrichtung geschädigt und schließlich zerstört, so dass das Hufbein sich absenken oder auch rotieren kann. Dadurch drückt dieser Knochen schmerzhaft auf die Hufsohle. In der Folge geht das Pferd stark lahm oder mag sich auch gar nicht mehr bewegen.

Nicht nur Gras, sondern auch übermäßig viel Kraftfutter kann eine solche Stoffwechselstörung auslösen.

Es gibt auch eine Belastungsrehe. Wenn das Pferd auf hartem und/oder unebenem Boden belastet wird, kann dadurch ebenfalls der Hufbeinträger überlastet und geschädigt werden. Das ist unabhängig von der Fütterung.

Gerade jetzt im Mai ist die durch den Weidegang ausgelöste Hufrehe ein großes Problem. Besonders gefährdet sind übergewichtige, moppelige Pferde mit guten Speckpolstern – je schlanker ein Pferd ist, desto besser ist es in diesem Fall.


Wie wird der Weidegang vorbereitet?

Besonders wichtig ist, dass jede Futterumstellung langsam und allmählich erfolgt. Nach dem Winter, wo die Pferde nur Heu und Stroh fressen, muss das frische Gras ganz allmählich eingeführt werden. Das beginnt mit einer Viertelstunde Weidezeit, dann eine halbe Stunde usw. - und erst nach einigen Wochen dürfen die Pferde tatsächlich ganztägig auf die Weide.

Als Ausgleich für das Gras ist Raufutter ganz wichtig. Das kann Heu sein, aber auch Stroh ist hier sehr gut geeignet – es enthält wenig Kalorien, aber viel Struktur, und hilft so, den Stoffwechsel in der Balance zu halten. Kraftfutter hingegen kann jetzt reduziert oder sogar ganz weggelassen werden, wichtig ist lediglich ein Mineralfutter, das das Pferd mit Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt.

Wenn die Pferde hungrig auf die Weide gehen, fressen sie besonders gierig und entsprechend besonders schnell besonders viel Gras – das kann gefährlich werden. Vor dem Weidegang steht also eine Portion Raufutter, um den Bauch schon mal etwas zu füllen.

Angeweidet wird am besten ganz früh im Jahr auf Flächen mit altem Gras aus dem letzten Jahr, so dass die Pferde sich mit Beginn der neuen Wachstumsphasen automatisch ganz allmählich umstellen – oder spät im Frühjahr, wenn das Gras schon hoch steht mit langen Halmen und Blättern. Besonders riskant ist das kurze, frische Gras, das etwa zwischen Mitte April und Mitte/Ende Mai auf den Weiden steht.


Wann ist Weidegang besonders gefährlich?

Wie riskant der Weidegang ist, hängt einerseits davon ab, in welchem Aufwuchsstadium sich das Gras befindet; andererseits hat auch das Wetter großen Einfluss.

Gefährlich ist immer das kurze, frische Gras. Das wächst jetzt im Frühjahr, aber auch im Herbst, wenn die Weiden zum zweiten oder dritten Mal nachwachsen. Dieses Gras ist sehr weich und enthält wenig Struktur. Altes, überständiges Gras sieht zwar nicht so lecker aus und schmeckt den Pferden auch nicht so gut, ist aber deutlich ungefährlicher. Und wenn das Gras hochgewachsen ist und im Sommer geblüht hat, ist es als Rehe-Verursacher auch nicht mehr so riskant. Die reine Menge an Gras ist es also nicht, es kommt auch auf die Konsistenz an.

Das Wetter ist immer dann bedenklich, wenn zwar die Sonne scheint, aber das Gras nicht wachsen kann. Das ist der Fall, wenn die Nächte trotz Sonnenschein am Tag noch sehr kalt sind, denn die Kälte hindert das Gras am Wachsen. Temperaturen unter 5° Celsius sind kritisch. Doch auch extreme Trockenheit, wie wir sie in diesem Frühjahr haben, führt dazu, dass das Gras trotz Sonnenbestrahlung nicht wachsen kann.

Wenn das Gras nicht wächst, wird die Sonnenenergie gespeichert. Dabei bilden sich Zuckermoleküle – wenn es nun warm wird oder regnet, kann diese gespeicherte Energie schnell in Wachstum umgesetzt werden. Diese sogenannten Fruktane werden für die Entstehung von Hufrehe verantwortlich gemacht. Bei so kritischen Wetterlagen muss der Weidegang für betroffene Pferde also nochmals eingeschränkt oder ganz eingestellt werden.

Immer wieder trifft es vor allem dicke Pferde. Also: Vor Beginn der Weidesaison sollte das Pferd schlank und rank sein – das ist die beste Vorbeugung!


* Zur Diskussion: Reiten mit Reitkappe

Samstagabend. Gemütlich sitzt man vor dem Fernseher, der tapfere Held hat wirklich sein Letztes gegeben und hat alleine ganze Hundertschaften besiegt, ist in den Turm vorgedrungen, um seine Geliebte zu befreien, und gemeinsam galoppieren sie nun auf ihren prachtvollen Pferden davon. Die Sonne geht am Horizont unter und scheint langsam im Meer zu versinken, und die Reitszene am Strand ist in romantisches Licht getaucht, als Bild der Freiheit wehen die Mähnen der Pferde und das lange Haar der Heldin offen im Wind... Moment! Offen im Wind? Da sieht man es mal wieder, wie sie sind, diese Helden, würde er diese Frau wirklich lieben, dann hätte er doch wohl darauf geachtet, dass ihre Haare unter einer sicheren Reitkappe verborgen sind! Oder?

Gedanken, die sich eigentlich jeder verantwortungsbewusste Reiter machen sollte - doch inzwischen ist es nicht nur im Film, sondern gerade auch in der Realität zu einem völlig alltäglichen Bild geworden, dass Reiter auf dem Platz, aber genauso auch im Gelände ohne Kappe unterwegs sind (und dabei haben sie noch nicht mal die Ausrede, dass sie von den Rittern der Dunkelheit verfolgt werden...).

Ja, dies ist so ein Thema: Eigentlich wissen alle, wie unglaublich wichtig eine Reitkappe sein kann - schließlich gibt es genügend Geschichten, in denen entweder eine Reitkappe Schlimmeres verhindern konnte oder ihr Fehlen zur Katastrophe führte. Doch wer trägt so etwas heute schon noch? - Im Sommer sind sie viel zu warm, im Winter ist eine schöne Wollmütze genau das Richtige, und noch viel entscheidender: Wer möchte sich schon dem Spott der anderen Reiter aussetzten, und genau das wird er tun, wenn er mit einem Reithelm ausreiten möchte! Schließlich gilt so etwas in den meisten Ställen eigentlich als albern und übervorsichtig. Teilweise erntet man sogar nicht nur spöttische Blicke, sondern muss sich richtig verteidigen, und dies, obwohl man etwas völlig Vernünftiges und eigentlich auch Selbstverständliches macht.


Warum keine Kappe?

Woran liegt es nun eigentlich, dass es so verpönt ist, einen Helm zu tragen? Meiner Meinung nach spielt bei dieser Frage die Argumentation vieler, warum sie selber keine Kappe brauchen, eine wichtige Rolle: Auf diese Frage hört man nämlich erstaunlich oft dieselbe Antwort: Ich kenne mich und ich kenne mein Pferd. Diese Reiter scheinen also tatsächlich davon auszugehen, dass sie ihr Pferd und die gesamte Situation jederzeit so unter Kontrolle haben, dass sie eigentlich gar nicht vom Pferd fallen können, und wer nicht vom Pferd fällt, braucht bekanntlich auch keinen Kopfschutz.

Bekennt man sich nun also dazu, doch lieber mit Reitkappe zu reiten, so hieße dies im Umkehrschluss, dass man nicht in der Lage ist, die Situation zu beherrschen, ja dass ich womöglich sogar ein so  schlechter Reiter bin, dass ich auch noch vom Pferd falle... Wer möchte vor seinen Stallkollegen schon so dastehen?

Eigentlich weiß man zwar, dass auch die besten Reiter noch vom Pferd fallen, aber solche Argumente zählen in Diskussionen mit anderen Reitern oft nicht viel, und man wird höchstens etwas mitleidig angesehen. So gibt es in vielen Ställen tatsächlich schon so etwas wie Gruppenzwang, dem sich so mancher nicht gut entziehen kann und nur um dazuzugehören auf ein Stück Sicherheit verzichtet.

Einen Anteil derjenigen, die nicht mit Kappe reiten, bilden also einfach Mitläufer - und die anderen?


Naive Selbstüberschätzung

Wie eben schon erwähnt, sind viele Reiter tatsächlich davon überzeugt, dass sie, wahrscheinlich aufgrund ihrer überragenden Fähigkeiten, einfach keine Kappe brauchen.

Also: Man braucht keine Reitkappe, wenn man nicht stürzt, und um gewährleisten zu können, dass ich tatsächlich auf keinen Fall stürze, was muss man da alles beachten?

Zuerst einmal kommt ja immer das Argument: Ich kenne mein Pferd! Doch wenn ich mein Pferd wirklich kenne, dann sollte mir auch klar sein, dass es sich hierbei um ein anderes Lebewesen handelt, welches ich niemals hundertprozentig unter Kontrolle haben kann! Wer so etwas behauptet, beweist also schon ziemliche Wissenslücken. Ein Pferd kann sich zum Beispiel immer vor irgendetwas erschrecken, und oft genug wird auch der beste Reiter davon überrascht, weil er vorher den Grund nicht ausmachen konnte. Natürlich weiß man mit der Zeit, dass sich das eigene Pferd besonders gerne vor Plastiktüten oder Autohupen oder diesem ganz bestimmten Vorgarten erschreckt. Hier kann ich dann die Reaktion meines Pferdes voraussehen und mich dementsprechend verhalten, doch manchmal fühlt sich ein Pferd eben auch sehr plötzlich von einem harmlos erscheinendem Ast oder einem um die Ecke biegenden Fußgänger angegriffen, und darauf ist man dann eben doch nicht gefasst.

Auch derjenige Reiter, welcher annimmt, ihm könnte nie ein Pferd durchgehen und wenn doch, dann hätte er es schon schnell wieder unter Kontrolle, unterliegt einem Irrtum, welchen er im schlimmsten Fall erst dann bemerkt, wenn es zu spät ist.

Doch selbst wenn man einmal den Fall annimmt, dass man sein Pferd immer unter Kontrolle hat, wäre dies wirklich eine Begründung, keine Reitkappe zu tragen?

Nehmen wir als Vergleich einmal einen Motorradfahrer: Wenn es sich um einen richtig guten Fahrer handelt, kann man doch wohl davon ausgehen, dass er seine Maschine, da es eben nur eine Maschine ist, mindestens so gut unter Kontrolle hat wie unser theoretischer Reiter. Wenn er Gas gibt, wird das Motorrad schneller, wenn er bremst, hält es an, und lenken lässt es sich auch. Wenn man jedoch einen Motorradfahrer ohne Helm sieht, regen sich alle auf, wie leichtsinnig (verboten) und gefährlich dies ist. Wo ist also der Unterschied zum Reiten? Gut, der Motorradfahrer ist schneller, und somit ist sein Tempo auch gefährlicher, aber sonst? Wenn man sich keine Sorgen um ein durchgehendes Motorrad macht und das Tempo einmal außer acht lässt, dann macht man sich hier dennoch Sorgen um die Umstände: Auch wenn der Fahrer selber ganz vorsichtig fährt, kann ihm die Vorfahrt genommen werden, ein Auto schneidet ihn auf der Autobahn und drängt ihn von der Straße, oder er kommt durch Rollsplit in einer Kurve zu Fall.

Aber kann so etwas beim Reiten denn wirklich nicht passieren? Natürlich kann es! Wie viele Reiter müssen auf dem Weg zu den richtigen Reitwegen Straßen überqueren oder ganze Ortschaften durchreiten? Und hier sind sie natürlich auch den ganz normalen Gefahren des Verkehrs ausgesetzt. Und auch ein Pferd kann im Galopp auf einer matschigen Stelle wegrutschen und stürzen. Welcher Reiter kann eine solche Situation kontrollieren?


Die Unverbesserlichen

Doch diese Reiter sind gar nicht das größte Problem, hier handelt es sich einfach um eine Form von Selbstüberschätzung und Naivität, und wenn man diesen Menschen einmal die offensichtlichen Risiken klarmacht, lassen sie sich häufig auch noch davon überzeugen. Schlimmer sind jedoch die Reiter, die sich keinerlei Illusionen machen und dennoch keine Reitkappe tragen: Das sind diejenigen, die immer etwas peinlich berührt reagieren, wenn man sie auf das Fehlen der Kappe aufmerksam macht, und sich dann mit irgendwelchen entschuldigenden Erklärungen herausreden, wie etwa: Ich weiß, ich sollte eine Kappe tragen und ich gehe ein unnötiges Risiko ein, aber irgendwie... Oft können sie einem dann sogar noch Situationen aufzählen, in denen sie erst neulich wieder gemerkt haben, wie wichtig das Tragen einer Reitkappe ist und wie unvernünftig es ist, dies nicht zu tun.

Was soll man solchen Reitern noch sagen? Ja, du hast Recht mit allem, was du sagst! Ob das überzeugen kann?

Oft sind dies Reiter, welche einfach schon sehr lange ohne Kappe reiten - und da noch nie etwas Schlimmes passiert ist, auch weiterhin darauf hoffen. Doch das Prinzip „das kann mir nicht passiereng funktioniert ja leider auch nicht immer.

Da bleibt wohl nur, auf eine plötzliche Umsetzung ihrer Einsichten zu hoffen.


Vorbildfunktion

Nicht zu vernachlässigen ist auch die Vorbildfunktion, welche man anderen Reitern und gerade auch Reitanfängern gegenüber eigentlich haben sollte. Hier endet dann nämlich auch das oft gehörte Argument: Ich mache das auf meine Verantwortung, das ist mein Risiko.

Zwar ist, soweit mir bekannt ist, in den Reitstunden selber Helmpflicht, doch was sehen die Kleinen bei den Privatreitern, zu denen viele ja auch gerne einmal gehören möchten? Richtig: keinen Reithelm. So rutscht man mit der Zeit fast automatisch mit in dieses Verhalten.

Doch möchte man tatsächlich mitverantwortlich sein, wenn so jemand dann ohne Reithelm stürzt? Nicht dass man wirklich Schuld hätte, aber trotzdem...


Westernhut contra Sicherheit

So, und nun ist es mal wieder so weit: Reiter einer ganzen Reitweise können sich gesammelt aufregen, weil sie angriffen werden. Diesmal trifft es die Westernreiter! Aber, liebe Westernreiter, bei diesem Thema bleibt einem wirklich nichts anderes übrig.

Wenn man schon über den Sinn einer Kappe diskutiert, dann natürlich für alle Reiter. Nun habe ich zum Beispiel noch nie einen Westernreiter mit einer Reitkappe gesehen. Aber so eine Kappe passt ja auch ganz und gar nicht zu ihrem sonst so lässigen Image. Und da liegt eben auch das Problem: Man hat ein ganz bestimmtes Bild von einem Westernreiter, und dies wird eben in der Regel von einem Hut abgeschlossen und nicht von einem Helm.

Doch jeder Westernreiter geht nun mal genau dieselben Risiken ein wie jeder andere Reiter auch und sollte sich deshalb eigentlich auch so schützen, hier müsste Sicherheit wirklich vorgehen.

Gerade im Freizeitreiterbereich gibt es immer mehr Westernreiter, doch gerade auch hier, wo häufig eben Wochenendreiter auf mehr oder weniger gut ausgebildeten Pferden durchs Gelände toben möchten (und dies ist wirklich nicht negativ gemeint), ist ein Schutz einfach wichtig.

Es gibt Westernhüte, in denen sich ein harte Schale als Schutz gegen Stürze verbirgt. Diese Möglichkeit, Schutz mit einem passenden Outfit zu verbinden, sollte mindestens genutzt werden.


Noch nicht schlimm genug...

Um ein vernünftiger Reiter zu sein, sollte man sich also ganz entgegen dem aktuellen Trend eine Reitkappe aufsetzten, im Sommer schwitzen, im Winter frieren und zu jeder Jahreszeit damit ziemlich unvorteilhaft aussehen. Vorbei das romantische „Haare im Wind wehen lasseng, den Flirt mit dem netten jungen Reitlehrer muss man auch unter erschwerten Bedingungen durchführen, aber dafür darf man sich ja schließlich von allen wegen seiner Ängstlichkeit verspotten lassen... Dann wird auch noch verlangt, dass man sich absolut zum Narren macht, weil man verzweifelt versucht, den Westernhut über der Reitkappe zu tragen - und dies alles nur, um einem Fall vorzubeugen, welcher vielleicht nie eintritt?

Aber noch nicht schlimm genug, ist Reitkappe ja nicht gleich Reitkappe, und wer denkt, hier geht es um so ein schlichtes, unauffälliges Modell mit einem kleinen Riemen ums Kinn, der hat sich getäuscht! Wenn Schutz, dann auch sinnvoll, und das heißt dann: ein richtiger Sturzhelm mit allem drum und dran! Eine ordentliche Dreipunkt-Befestigung ist ein Muss. Und: Nach einem harten Sturz sollte ein Reithelm wie ein Motorradhelm auch ausgetauscht werden.

Soll man sich also so einen Helm in Anbetracht dieser ungünstigen Umstände anziehen, und zwar immer?

Ich denke: Ja!

Katinka Schnitker


* Zum Wiehern: Die Erziehung der Goldstücke


Fast alle Pferdebesitzer verbindet ein ungeschriebenes Gesetz: Das eigene Pferd ist immer das Beste. Dies wird stets gerne betont, und die lieben Tiere werden mit allerlei Namen bedacht, die ihre besonderen Qualitäten herausstellen sollen. So leben in Ställen unzählige Schätze, Mäuse, Goldstücke und Herzchen.

Die Besitzer dieser Herzchen haben schon längst das kleine Schmusetierchen erkannt, welches in jedem Pferd wohnt und das jederzeit ein Sofa einer Weide vorziehen wrde. Die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis sind eine Tasche voller Leckerlis und jede Menge Verständnis.

Wer in diesen Zeiten ungehalten reagiert, wenn es sich ein Pferd auf seinem Fuß gemütlich macht, ist ein Monster - und wer mit einer gewissen Konsequenz darauf beharrt, dass das Pferd beim Reiten zumindestens in Ansätzen das tut, was man von ihm möchte, ist ein Feigling.                                                                          


Der Feind heißt Erziehung

Und so wird doch sicherlich keiner seinem kleinem Goldstück mit einem Stockmaß von einem Meter achtzig übelnehmen, wenn es einen eben mal schnell über den Haufen rennt, weil es weiter hinten einen Apfel gesichtet hat; schließlich hat es einen ja nicht mit böser Absicht umgerannt, und die meisten Verletzungen, die man bei solchen Aktionen abbekommt, verheilen binnen weniger Tage.

Geht man im Stall hinter einem Pferd her, das die anerzogene Angewohnheit, vorher auf sich aufmerksam zu machen, ausschließlich dazu nutzt, um gezielter nach einem treten zu können, wird es vom Besitzer, falls überhaupt eine Reaktion erfolgt, nur liebevoll getätschelt und beruhigt: Schließlich kann es sich hierbei unmöglich um ein Attentat auf mein Leben handeln, sondern muss irgendwie an meinem Ton gelegen haben - und dann bin ich im Prinzip ja auch selbst schuld.


Geduld ist alles

Wirklich bewundernswert finde ich auch solche Reiter, die von ihrem Vierbeiner während des Putzens gnadenlos an die Wand gequetscht werden, weil gerade etwas auf der Stallgasse passiert, was das Pferd auf keinen Fall verpassen möchte, und die dann konsequenterweise mit der letzten ihnen verbleibenden Luft noch: "Ist doch alles gut, Schatz" hervorstoßen.

Und eine schier unglaubliche Geduld beweisen die, deren Pferde sich schon geschlagene fünf Minuten ber die Futterschüssel eines anderen Pferdes hermachen und die die freundliche Bitte dessen Besitzers um Unterlassung ebenso geduldig ignorieren. Über so etwas darf man sich natürlich nicht aufregen - und eigentlich braucht mein Pferd ja auch gar kein Futter...

Besonders gerne lasse ich mir auch nette kleine Kunststücke von diesen Wundertieren zeigen, wie etwa: "Oh schau doch mal, wie niedlich, immer wenn ich mein Pferd auftrensen möchte, beißt es nach mir." Da erkennt man sofort: Übung macht den Meister.

Ja, so sind sie, die lieben Goldstücke, und da man sich (im Beisein der Besitzer zumindest) auch nicht aktiv gegen sie zur Wehr setzen darf, bleibt einem wohl nur noch die Flucht!

Katinka Schnitker




Kontakt                                   Impressum                                    Über uns