Die Jugend-Pferdezeitschrift im Netz

Home. Magazin. Rund ums Pferd. Unser Shop. Fachsprache von A - Z. Pferderassen von A - Z. Das Pferde-Quiz. Fotos zum Träumen. Eure Fragen. Brieffreundschaften. Gästebuch. Kontakt. Links. Über uns. Impressum.

                 Equikids - Ausgabe 05/2010


Auf zum Turnier - Longenarbeit - Giftpflanzen - Junge Pferde selbst ausbilden?  - Hängerfahrt, die zweite


* Das Turnier ruft!
Teil I: Die Formalien

Von LPO und WBO

Wiewohl bereits im März die ersten Leistungsprüfungen der "Grünen Saison" stattfanden, kommt das breite Turniergeschehen doch oftmals erst im Mai so richtig in Fahrt.
 
WBO oder LPO
Vor allem anderen steht die Frage, ob der zukünftige Turnierteilnehmer sich in Prüfungen der LPO oder der WBO (Wettbewerbsordnung) den Richtern stellen möchte. Davon nämlich hängt ab, welchen verwaltungstechnischen, finanziellen und ausbildungsmäßigen Aufwand er betreiben muss, bevor eine Nennung möglich ist. Um dies entscheiden zu können, sollte man natürlich erst einmal wissen, wo denn da der Unterschied liegt und was ihn bei WBO, bzw. LPO erwartet.

WBO-Prüfungen
Grob vereinfacht könnte man sagen: Mit der WBO ist alles möglich, was nicht über die Anforderungen der Klasse E traditioneller Prüfungen hinaus geht. Der Veranstalter hat jeweils eine große Freiheit bzgl. der Ausgestaltung der angebotenen Wettbewerbe. Allerdings muss man teilen nach reinen WBO-Veranstaltungen, die ganz dem Breitensport gewidmet sind und den klassischen Turnierveranstaltungen, bei denen nun einige Prüfungen als WBO Wettbewerbe ausgeschrieben sind. Dies betrifft vor allem die Wettberwerbe der bisherigen Kategorie C, also Führzügelklassen, Reiterwettbewerbe sowie Spring- Dressur- und Gelände-/Vielseitigkeitsprüfungen der Klasse E.

WBO als einfacher Einstieg
Wer sich also in seinen Ansprüchen auf breitensportliche Ereignisse und Prüfungen der Klasse E beschränken möchte, kann ohne großen Aufwand seine Turniersaison planen. Die Teilnahmevoraussetzungen beinhalten lediglich:
- Mitgliedschaft in einem Reitverein
- Pferdepass mit Nachweis über gültigem Impfschutz für das teilnehmende Pferd/Pony
- termingerechte Anmeldung beim Veranstalter
- Bezahlung des Nenngeldes
Die Informationen über entsprechende Veranstaltungen lassen sich in den regionalen Verbandszeitschriften der Landeskommissionen für Pferdeleistungsprüfungen nachlesen.
WICHTIG: Wer in E-Prüfungen nach WBO starten möchte, muss sich nicht auf reine Breitensportereignisse beschränken! Bei vielen traditionellen Turnierveranstaltungen werden neben den LPO-Prüfungen auch Wettbewerbe nach WBO ausgeschrieben.

Die Klasse E als "Doppelagent"
Neben der Möglichkeit, Prüfungen der Klasse E als WBO-Wettbewerbe auszuschreiben, gibt es seit Inkrafttreten der LPO 2008 auch die Variante, solche Prüfungen nach LPO-Vorgaben anzubieten. Damit verbunden ist eine Aufwertung der Ergebnisse, da diese dann zur FN gemeldet und für Reiter und Pferd dokumentiert werden. Die Inhalte und reiterlichen Anforderungen der Prüfungen unterscheiden sich nicht! Ob sich z.B. in einer LPO-E-Dressur stärkere Reiter miteinander messen als in einer nach WBO ausgeschriebenen Prüfung der gleichen Art, wird sich erst im Verlauf der aktuellen Turniersaison zeigen. Grundsätzlich ist zu beachten, dass als Voraussetzung für die Teilnahme an einer Prüfung der Klasse E nach LPO folgende Voraussetzungen gelten:
- Mitgliedschaft in einem Reitverein
- Pferdepass mit Nachweis über gültigem Impfschutz für das teilnehmende Pferd/Pony
- termingerechte Anmeldung beim Veranstalter
- Bezahlung des Nenngeldes
+ Für den Reiter: Besitz eines Reitausweises (erhältlich nach dem Erwerb eines Reitabzeichens (DRA) der Klasse IV oder besser) mit aktueller Fortschreibung
+ Für das Pferd/Pony: Eintragung in die Liste der Turnierpferde bei der FN mit aktueller Fortschreibung


Prüfungen der LPO ab Klasse A
Hier hat sich für die interessierten Reiter nicht viel geändert. Die Teilnahmevoraussetzungen entsprechen denen der Klasse E/LPO, wobei je nach Niveau der Prüfung jeweilig notwendige Leistungsklassen im Reitausweis vermerkt sein müssen. Die niedrigste Leistungsklasse im Reitausweis ist die Stufe 6, welche zum Start in Prüfungen der Klasse E und A entsprechend der betreffenden Ausschreibung berechtigt. Werden weitere Reitabzeichen (DRA III und DRA II) erworben, kann eine Höherstufung beantragt werden, bzw. wird automatisch durchgeführt. Genauere Informationen dazu gibt die FN jedes Jahr an alle mit Reitausweis erfassten Reiter heraus. Mit der LK 5 dürfen Prüfungen der Klasse A und L geritten werden, usw.. In der Regel ermöglicht eine Leistungsklasse prinzipiell den Start in zwei benachbarten Prüfungsniveaus. Mit dieser Regelung bemüht sich die FN dafür zu sorgen, dass die Reiter den Anforderungen der genannten Prüfungen auch nachweisbar gewachsen sind. Aus diesem Grunde können neben den Reitabzeichen auch dokumentierte Turniererfolge zur Höherstufung in den Leistungsklassen genutzt werden.

Modern und online: Kontakt mit der FN
Mehr und mehr setzt sich auch im verwaltungstechnischen Turniergeschehen das Internet durch. Papierlose Fortschreibungen von Ross und Reiter sowie die Nennungen über www.fn-neon.de (Nennung Online) machen für alle Internetnutzer die Dinge spürbar einfacher.


Gewusst was - gewusst wie!
Wer sich also entschieden hat, in welcher Kategorie er in der laufenden Saison sein und seines Pferdes Können den Richtern präsentieren möchte, findet Auskunft und helfende Hinweise nicht nur bei Freunden, Kollegen und Reitlehrern. Auch mithilfe der Informationen der FN kann er sich in Sachen formaler Voraussetzungen vorbereiten. Wer zum ersten Mal in das Turniergeschehen mit eingreifen möchte, hat sicherlich in den WBO-Wettbewerben eine gute Möglichkeit, erste Erfahrungen zu sammeln und sich langsam mit dem auch dort nicht ganz vermeidbaren Turnierstress vertraut zu machen. Denn ganz ohne Nervenanspannung geht es wohl nirgends. Jede noch so "kleine" Prüfung hat ihre Schwierigkeiten, über die man stolpern kann. Jeder Auftritt in der Öffentlichkeit verdient Respekt. Wer gleich zu Beginn die Latte zu hoch legt, riskiert schnell einmal Misserfolg und Enttäuschung.

Ein Lehrgang ist selten verkehrt
Wer sich jedoch schon sicher ist, dass er auf jeden Fall in den LPO-Prüfungen antreten kann und will, muss im Zweifelsfall zunächst einmal einen Abzeichenlehrgang belegen, die Prüfungen bestehen (!) und sein Pferd in die Liste der Turnierpferde bei der FN eintragen lassen. Im Grunde sind dies organisatorisch keine großen Stolpersteine. Viele Reitschulen bieten regelmäßig Abzeichenlehrgänge an - die zuständige Landeskommission kann bei der Suche helfen. Und unabhängig davon, ob man nun tatsächlich in die höheren Klassen aufsteigen will, ist ein solcher Lehrgang selten rausgeschmissenes Geld, sondern in der Regel eine sinnvolle Ergänzung der eigenen Ausbildung.

Ute Forler


* Longieren – aber richtig!


Die Longenarbeit gehört zur Grundausbildung für das Pferd und so zwangsläufig auch für den Reiter. Was so einfach aussieht, erfordert doch einige Kenntnisse – wenn ihr ein Pferd longieren möchtet, solltet ihr das nicht unterschätzen.

An der Longe läuft das Pferd im Kreis um den Longenführer herum. Das klingt recht simpel. Damit dieses Training jedoch sinnvoll gestaltet werden kann, braucht der Longenführer einige Kenntnisse und ebenso eine gewisse Übung.


Die Ausrüstung

Eine Longe ist eine stabile Leine von ca. 8 Metern Länge. Als Kopfstück ist ein Kappzaum ideal, bei dem die Longe vorne auf der Nase eingehängt wird. Der Kappzaum sollte gut gepolstert sein und dem Pferd exakt passen. Weiterhin benötigt der Longenführer eine Longierpeitsche, die ausreichend lang ist, um die Hinterhand des Pferdes zu erreichen. Bei der Peitsche sollte ein möglichst leichtes Modell gewählt werden – sonst wird euch der Arm schnell lahm werden! Wie beim Führen auch trägt der Longenführer Handschuhe.


Grundlagen

Mit der Longe wird eine leichte Verbindung zum Pferd, genauer zum Pferdekopf gehalten, während die Longierpeitsche grundsätzlich zum Sprunggelenk des Pferdes zeigt. Auf diese Weise wird das Pferd vom Longenführer eingerahmt. Um die Gelenke des Pferdes zu schonen, wird der Longierzirkel so groß wie möglich angelegt. Das je nachdem zu lange Ende der Longe wird in Schlaufen gelegt und so gehalten, dass sie jederzeit nachgelassen werden kann.


Die Körpersprache des Longenführers

Grundsätzlich steht der Longenführer der Schulter des Pferdes zugewandt. Um treibend einzuwirken, tritt er einen Schritt zur Seite, so dass er etwas mehr hinter das Pferd kommt. Zusätzlich kommt die Peitsche zum Einsatz. Ob diese lediglich von hinten an das Pferd herangeschwungen wird oder das Pferd auch tatsächlich berührt, ist eine Frage der Abstufung. Zum Durchparieren verändert der Longenführer seine Position in die andere Richtung, so dass er relativ betrachtet weiter vor das Pferd kommt. Er entspannt seine Körperhaltung. Als deutlich sichtbares Signal zum Anhalten kann zusätzlich zum Stimmkommando die vordere Hand gehoben werden.


Kommandos

Es ist wichtig, dass von Beginn der Ausbildung an immer die gleichen Kommandos verwendet werden. Üblich sind die Kommandos „Halt“, „Scheritt“, „Terab“ und „Galopp“. Jedem Kommando geht ein „und“ voraus, um das Pferd aufmerksam zu machen. Zusätzlich kann die Longe kurz leicht angenommen und wieder nachgelassen werden, um das Pferd auf das folgende Kommando hinzuweisen. Es heißt also „und Terab“, „und Scheritt“ usw. Je nachdem, ob das Pferd in eine höhere oder niedrigere Gangart wechseln soll, ändert sich der Tonfall. Zum Antreiben wird das Kommando eher kurz und in einem auffordernden Tonfall gegeben. Anders beim Durchparieren: Hier wird das Kommando gedehnt und beruhigend ausgesprochen, die Stimme senkt sich am Ende. „Und Scheee-ritt“, „und Haaalt“ – so gedehnt wird Ruhe vermittelt.


Weiterführende Arbeit

Das fortgeschrittene Pferd kann mit Gebiss und Hilfszügeln longiert werden. Hier sind vor allem der Ausbinder, der Dreiecks- und der Laufferzügel zu nennen. Durch diese Hilfszügel wird dem Pferd der Weg vorwärts-abwärts gezeigt bzw. beim Ausbinder eine gewisse Anlehnung vorgegeben. Weiterführend kann das Pferd über Trabstangen und Cavalettis longiert werden. Dadurch können Takt und Raumgriff verbessert werden, ebenso wie die Losgelassenheit gefördert werden kann. Die Arbeit an den Übergängen zwischen den Gangarten kann zusätzlich dazu beitragen, die Durchlässigkeit des Pferdes zu verbessern.


 * Gesundheit: Unscheinbar, aber gefährlich - Giftpflanzen!


Überall auf Weiden, Wiesen, in Hecken, im Wald und an Wegrändern können leider auch Pflanzen wachsen, die für Pferde giftig sind. Manche Arten werden glücklicherweise von aufmerksam fressenden Pferden von selbst gemieden, wobei ich unter aufmerksam ein Pferd verstehe, das, auf der Weide grasend, gewählt sein Futter zu sich nimmt. Hat sich ein Pferd allerdings die Unart angewöhnt, sich während eines Ausritts beispielsweise ein paar Maul voll Gras zu gönnen, wird es bei passender Gelegenheit wahllos nach unten schnappen, und schon fällt auch der natürliche Sicherheitsfaktor weg. Es gilt also auch für den Reiter, Giftpflanzen erkennen und meiden zu können!


Welches sind die wichtigsten Giftpflanzen?

Eine der gefährlichsten Giftpflanzen ist die Eibe, ein mittelgroßer Nadelbaum mit an der Oberseite grünen, an der Unterseite weißlichen Nadeln, die ein starkes Gift enthalten und schon in geringen Mengen ein Pferd töten können. Gut zu erkennen ist die Eibe an ihren auffallend roten Samenmänteln.

Auch die Blätter des Buchsbaumes sind giftig und führen zu Kolik und tödlicher Lähmung. Seine relativ kleinen Blätter sind hell gesprenkelt und haben einen gelben bis weißen Rand. Am häufigsten kommt er in Hecken vor.

Weiter geht es mit der Robinie oder Scheinakazie: Sie kann Baumgröße erreichen, wobei sie eine ausladende Krone bildet. In Wurzeln, Blättern und Blüten der Robinie befindet sich eine giftige Substanz. Erkennen kann man sie an den starken Dornenpaaren, die sich jeweils am Ende eines Blattstiels befinden.

Eine extrem giftige Frucht besitzt die Tollkirsche, eine 0,5 - 1,5 m hohe krautartige Dauerpflanze. Ihr Stengel ist verzweigt mit ovalen Blättern, ihre Blüten sind innen gelb und außen violett, die Frucht ist eine schwarzglänzende runde Beere von der Größe einer kleinen Kirsche.

Die Herbstzeitlose ist eine Pflanzenart, die im September/Oktober blass-violett blüht und im Frühjahr breite, tulpenähnliche Blätter ausbildet. Die ganze Pflanze ist giftig, besonders aber ihre Samen. Die Herbstzeitlose verliert auch bei Trocknung im Heu nicht ihre gesamte Giftigkeit. Hier ist besondere Vorsicht geboten, da sie auf Wiesen vorkommt!

Der Schierling ist durch seinen rot-gesprenkelten Stengel, seine ovalen Früchte und seine gefiederten Blätter recht gut zu erkennen. Er ist sehr giftig und führt zu einer aufsteigenden Lähmung, die, sobald sie das Herz erreicht hat, tödlich ist.

Dasselbe gilt auch für den Goldregen, einen Strauch mit abgerundeten Blättern und gelben, hängenden Blütentrauben.

Hahnenfuß kommt auf feuchten Wiesen vor, ist aber im Heu ungiftig. Der bis zu 1 m hohe Stengel ist mit fingerförmig geteilten Blättern besetzt und trägt eine gelbe Blüte.

Wie die Herbstzeitlose ist auch das Jakobs-Kreuzkraut im Heu noch giftig. Es hat viele schmale Blätter und gelbe Blüten.

Als letztes möchte ich noch den roten Fingerhut nennen. Sein aufrechter Stiel erreicht eine Höhe von 0,5 - 1 m und trägt eine purpurrosa Blütentraube, seine Blätter sind länglich oval  und an der Unterseite leicht behaart. Ihn findet man hauptsächlich an Waldrändern vor.


Natürlich sind dies nicht alle Giftpflanzen gewesen, aber hoffentlich doch die wichtigsten! Bevor ich dieses Material zusammengesucht habe, war meine einzige Berührung mit Giftpflanzen, dass ich einmal geholfen habe, eine Weide nach jungen Eiben abzusuchen. Daher fand ich es einerseits erschreckend, andererseits aber auch sehr interessant und wissenswert, wieviele Giftpflanzen es tatsächlich gibt. Ich habe mir vorgenommen, in Zukunft etwas mehr darauf zu achten und hoffe, dass auch euch diese Liste weiterhilft!

Katinka Schnitker


* Zur Diskussion:

Ein Pferd selber ausbilden - gute Idee oder perfekte Katastrophe?


Die Ausbildung – und gemeint ist hier im besonderen die reiterliche Ausbildung des Pferdes – ist ein extrem heiß und gerne diskutiertes Thema:

Da wären einmal die absolut überzeugten „Profis“, die sich der Sache mit der Ausbildung selbstverständlich gewachsen fühlen, sich nicht gerne in ihre Methode hineinreden lassen und den Standpunkt vertreten, dass man sein eigenes Pferd niemals aus der Hand geben sollte. Auf der anderen Seite haben wir diejenigen, die von einem bestimmten Ausbildungsstil und dem dazugehörigen Ausbilder derart überzeugt sind, dass sie ihr Pferd problemlos auch für einen längeren Zeitraum weggeben, um es anschließend fix und fertig ausgebildet zurückzubekommen. Vielleicht etwas in der Mitte stehen dann noch solche, die ihr Pferd sozusagen gemeinsam oder unter Anleitung eines Ausbilders oder Reitlehrers ausbilden.

Doch wozu eigentlich der ganze Aufstand? Warum bildet nicht einfach jeder sein eigenes Pferd selber aus?

Da besitzt man nun ein Pferd: Wie wohl jeder weiß, heißt dies weit mehr als nur reiten. Jeden Tag muss man sich um sein Pferd kümmern, gewisse Dinge wie Hufschmied oder Tierarzt organisieren und natürlich auch immer wieder Entscheidungen treffen, wie etwa über die Futtermenge oder Zusammenstellung. Als Pferdebesitzer erwirbt man sich schnell eine gewisse Routine und hat die Pflege seines Vierbeiners völlig im Griff, schließlich kennt ja auch kein anderer das eigene Pferd so gut wie man selber. Wenn nun also der Alltag reibungslos abläuft, warum sollte dann gerade die Frage der Ausbildung so schwierig werden?


Wann stellt sich diese Frage überhaupt?

Kauft man sich ein Fohlen oder Jungpferd, ist man sich ja in der Regel von vornherein darüber im klaren, dass das „Problem“ der Ausbildung unweigerlich auf einen zukommt; und die meisten Menschen in solch einer Situation haben sich auch schon vorher Gedanken zu diesem Thema gemacht. Dennoch verleitet es viele, die ein Pferd schon von klein auf besitzen, dazu, es im entsprechendem Alter auch selber auszubilden. Schließlich ist das Pferd einem ja schon lange bekannt, und man hat in der Regel auch schon einige Höhen und Tiefen mit ihm überwunden. Der Gedanke, dass dieses vertraute und geliebte Tier, das man nun so gut kennt, einem während der Ausbildung ernsthafte Schwierigkeiten bereiten könnte, liegt fern. Und die Vorstellung, dass ein Pferd auch während seiner Ausbildung von einer bekannten Vertrauensperson angeleitet wird, scheint im Prinzip durchaus eine sinnvolle und gute Idee zu sein.

Auf der anderen Seite ist nun aber auch bekannt, dass man gerade bei jungen Pferden noch am Nachhaltigsten etwas falsch machen kann. Benötigt man hier also doch einen Fachmann?

Doch nicht nur bei jungen Pferden kann man vor dem Problem einer notwendigen Ausbildung stehen: Auch ältere, kaum oder schlecht ausgebildete Pferde sind relativ leicht zu bekommen. Gerade im letzteren Falle haben wir das umgekehrte Problem; zwar kann man sich auf einem schon „verdorbenen“ Pferd auch mal einen kleinen Fehler erlauben, ohne dass dieser gleich so ins Gewicht fällt wie bei einem jungen Pferd, doch auf der anderen Seite fehlt die Vertrautheit, und man ist oft nicht in der Lage, das Pferd und die Situation richtig einzuschätzen und dementsprechend zu reagieren.


Der gewünschte Ausbildungsstand

Neben der Ausgangssituation kann auch der angestrebte Ausbildungsstand und vor allem auch die Zeit, in der man ihn erreichen möchte, eine wichtige Hilfe bei der Wahl der richtigen Ausbildungsform sein:

Möchte man zum Beispiel mit seinem Pferd überwiegend entspannende Ausritte genießen, ohne nur durch ein Kräftemessen beim Zügelziehen wieder anhalten zu können, ist man mit einer soliden Grundausbildung meist schon recht gut beraten, wobei natürlich auch diese vom erforderlichen reiterlichen Können nicht zu unterschätzen ist.

Gerade bei älteren und schon etwas „verdorbenen“ Pferden und ihren Reitern können sich während einer Ausbildung mit diesem Ziel vor Augen Wege der Kommunikation auftun, bei denen zwar so manchem Experten die Haare zu Berge stehen würden, mit denen aber sowohl Pferd als auch Reiter durchaus dauerhaft glücklich werden können.

Strebt man jedoch nach höheren Zielen und ist auch noch so ehrgeizig, diese in möglichst kurzer Zeit zu erreichen, ist mehr Vorsicht geboten: Schnelle Ausbildungsmethoden sind in der Regel sowieso mit Bedacht zu genießen, und wenn sie dann noch nicht einmal von einem wirklich professionellen und guten Ausbilder geleitet oder durchgeführt werden, ist der Weg zur Katastrophe schon so gut wie vorprogrammiert.


Das eigene Können

Das jedoch absolut wichtigste, unausweichliche und entscheidenste Kriterium bei der Frage „selber ausbilden oder lieber nicht?“ ist das eigene Können - und genau das ist auch das größte Problem der meisten Reiter.

Interessanterweise scheinen Reiter im Gegensatz zu anderen Sportlern im Laufe der Jahre eher Rück- als Fortschritte zu machen, denn umso länger die meisten Menschen reiten, umso kleinlauter werden sie, was ihr Können betrifft. Anscheinend dauert es ein paar Jahre, um erkennen zu können, dass man eigentlich nicht besonders gut reiten kann ...

Möchte man nun über die Ausbildung eines Pferdes entscheiden, bevor man diesen Punkt der Erkenntnis erreicht hat, steht man vor dem nicht gerade harmlosen Problem der Selbstüberschätzung. Als richtiger Reiter weiß man natürlich erstens alles und das zweitens besser als die anderen.

Und genau dann haben wir die perfekte Katastrophe: Selbsternannte Profis stehen auf Reitplätzen und in Hallen und bilden ihre Pferde selber aus, wobei sie niemals Hilfe von außen annehmen würden, denn schließlich sind sie nach zwei Jahren wöchentlichem Gruppenunterricht dem Niveau der Reitschule schon lange entwachsen und haben keinerlei Bedarf mehr etwas dazuzulernen.

Auch interessant ist die Variante der Reiter, die meinen, sie hätten das nötige Wissen erworben, weil sie schon einmal ein schlaues Buch gelesen haben, oder noch besser, weil sie  schon einmal zugeschaut haben, wie ein Pferd ausgebildet wurde.


Drum prüfe ...

Ist man nach dem steinigen Weg der Selbsteinschätzung zu dem Entschluss gelangt, die Ausbildung aus der Hand zu geben (was nicht heißen soll, dass dies ein zwingender Schluss ist), steht man allerdings vor einem nicht minder großen Problem:

Habe ich schon beschlossen, dass mein Können nicht gut genug für mein eigenes Pferd ist, versteht es sich ja wohl von selbst, dass ich nun von einem Ausbilder, dem ich die Ehre zuteil werden lasse, mit meinem Pferd zu arbeiten, auch das Allerbeste verlange!

Doch wer schon einmal versucht hat, einen Ausbilder seines Vertrauens zu finden, weiß vielleicht auch, wie schwierig dies sein kann; und selbst wenn man ihn gefunden hat, woher weiß man, dass dieser Ausbilder das in ihn gesetzte Vertrauen auch verdient?

Jeder hält seine Methode für die einzig wahre und wird sie einem auch dementsprechend anpreisen, hier noch ein objektives Urteil zu fällen ist gar nicht so leicht. Wer sich nun Hilfe von anderen Reitern erhofft, kann sich auch schnell wundern, denn in der Regel kennt jeder den besten Ausbilder, nur dass es leider nie der gleiche ist.

Als mehr oder weniger Laie fällt es schwer, die wirklichen Fähigkeiten von anderen richtig einzuschätzen, und die Gefahr, dass man sich blenden lässt, ist groß. Wer jedoch möchte riskieren, dass das eigene Pferd vielleicht mehrere Monate lang einem Stümper in die Hände fällt?


Abschließend

Was also soll man tun? Jeder Weg hat schließlich seine Vor- und Nachteile, und muss man tatsächlich die Ausbildung aus der Hand geben, nur weil es Menschen gibt, die es besser können?

Meiner Meinung nach ist der mittlere Weg gar nicht so schlecht. Mit einem Ausbilder zusammenzuarbeiten bietet mir die Möglichkeit, an der Ausbildung meines Pferdes beteiligt zu sein. Hier arbeitet man sozusagen mit Netz und doppeltem Boden, ohne die Zügel gänzlich aus der Hand geben zu müssen.

Möchte man es jedoch auf jeden Fall alleine versuchen, sollte man die Sache zumindestens ruhig, durchdacht und gut vorbereitet angehen. Auch sollte man immer in der Lage sein, den Punkt zu erkennen, an dem es alleine eben doch nicht mehr weitergeht. Hier ist übertriebener Stolz nicht angebracht; und man sollte, wenn nötig, jederzeit bereit sein, Hilfe vom Fachmann zu erbitten.

Wer sich selber ganz aus der Ausbildung heraushält, sollte sich darüber im klaren sein, dass auch ein noch so guter Ausbilder einem die eigene Auseinandersetzung mit seinem Pferd nicht erspart.

Katinka Schnitker


* Zum Wiehern: Und alles wieder zurück...


Nachdem mein Pferd und ich, wie in der letzten Geschichte beschrieben, unter gewissen Schwierigkeiten am Ferienziel angekommen waren, verbrachten wir dort eine schöne Zeit, in der ich lernte, wie es ist, auf Stoppelfeldern vom Pferd zu fallen, und in der wir erste und dann vorläufig auch letzte Erfahrungen beim Springen sammelten.


Hängerfahren war noch nie ein Problem

Aber auch diese Ferien gingen, wie alle, viel zu schnell zu Ende; die Rückfahrt stand bevor, und das auch noch direkt in einen neuen Stall. Um einen guten Eindruck zu machen, wurde mein Pferd vor der Abfahrt noch einmal gründlich geputzt, und los ging’s!

Die Fahrt verlief friedlich - mein Pferd fraß einen ganzen Ballen Heu und war mit seinem Schicksal zufrieden.


Der erste Eindruck ist immer der wichtigste

Kaum am neuen Hof angekommen, zeigte er sich dann auch gleich von seiner besten Seite und weigerte sich, wie vorauszusehen war, den Hänger zu verlassen. So nach und nach sammelten sich alle Anwesenden um den Hänger, um sich mit meinem Pferd anzulegen, gute Ratschläge zu erteilen oder einfach nur, um sich das Schauspiel anzusehen. Diesen unbewachten und damit sehr günstigen Augenblick nutzten nun leider die übrigen elf Bewohner des Offenstalls, um einen Zaun niederzumachen und die Flucht zu ergreifen.


Erst einmal etwas Bewegung

Als dies bemerkt wurde, bekam ich vier Halfter in die Hand gedrückt und nahm mit den übrigen Pferdebesitzern die Verfolgung auf, um fremde Pferde wieder einzufangen, während mein Pferd völlig allein auf dem Hof und vor allem im Hänger zurückblieb.

Nachdem wir die elf Pferde aus einem etwas entfernt liegenden Maisfeld gefischt hatten, kehrten wir zum Hof zurück, die Pferde wurden versorgt und der Zaun notdürftig wiederhergestellt.


Zurück zum Hänger

Während ich nun einen kleinen Geländelauf hinter mir hatte, döste mein Pferd noch immer friedlich in seinem Hänger und reagierte eher gereizt als erfreut, als wir wiederkamen und unsere Bemühungen, ihn aus dem Hänger zu holen, wieder aufnahmen.

Nach einiger Zeit wurde er dann von drei Männern mit äußerster Kraft aus dem Hänger geschoben, wobei er sich so sehr gegen sie lehnte, dass er garantiert vornüber gefallen wäre, wenn sie zur Seite getreten wären!

Nun wurden alle Pferde auf einer großen Weide zusammengelassen, und während sich die übrigen über die Weide verteilten, ging meiner ungefähr drei Schritte, senkte seinen Kopf ins hohe Gras, ignorierte alle anderen Pferde, begann zu fressen und war zu Hause.

Katinka Schnitker


Kontakt                                   Impressum                                    Über uns