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Bockende Pferde, Teil V - Der April - Tetanus - Einmischen leicht gemacht - Zum Wiehern!


                Equikids 04/2011


* Wenn Pferde bocken, Teil V: Oben bleiben!


Leicht gesagt und – nicht immer die beste Lösung. Um einen sinnvollen und möglichst sicheren Abgang geht es aber erst im nächsten Absatz. Zunächst ein paar Tipps, wie man im Sattel eines bockenden Pferdes oben bleiben kann:
- einen Anfassriemen am Sattel anbringen und sich nicht scheuen, ihn auch herzunehmen
- die Kontrolle über die Zügel behalten, möglichst den Kopf des Pferdes hoch halten
- deutlich verkürzte Bügel erlauben dem Reiter, sich aus dem Sattel zu heben und dadurch die Stöße des Pferdes unter sich verpuffen zu lassen
- gut darauf achten, in der Senkrechten zu bleiben bzw. über dem Schwerpunkt des Pferdes
- nicht nach vorne fallen, da dann ein Salto über den Hals quasi schon vorprogrammiert ist
- nicht versuchen, das Pferd anzuhalten, sondern eher vorwärts treiben, denn beim Vorwärts lösen sich Verspannungen, im Halten werden sie eher verstärkt, zudem erlaubt der Reiter dem Pferd so die Flucht vor der Gefahr
- in jedem Fall versuchen, die Ruhe und Übersicht zu bewahren!

Scheiden tut weh?
Wenn sich Reiter und Pferd denn wirklich trennen müssen, sollte das natürlich möglichst glimpflich abgehen. Allererste Voraussetzung dazu ist es, Ängste abzubauen und sich entspannt der Situation zu überlassen. Die schlimmsten Verletzungen resultieren selten aus hohen Salti vom Pferd, sondern vielmehr aus völlig unspektakulären, langsamen Purzlern oder sogar einfachem Herunterrutschen. Das liegt daran, dass bei einem wirklich schwungvollen und schnellen "Abflug" der Mensch nicht mehr zum Denken kommt. Reflexe übernehmen die Körperkontrolle und sorgen dafür, dass das notwendige Ein- und Abrollen bei der Landung funktioniert. Manch einer steht nach einem solchen Sturz schon wieder auf den Beinen, bevor er recht begriffen hat, was eigentlich passiert ist. Bei einer Trennung in Etappen bleibt dummerweise genug Zeit, sich so richtig auszumalen, was für eine Katastrophe jetzt auf einen zukommt. Angst und Verspannung bestimmen die Körperfunktionen. Derart behindert und versteift sind keine geschmeidigen Bewegungsabläufe mehr möglich, Knochenbrüche sind vorprogrammiert.

Ängste abbauen!
Jedem Reiter, auch den Besitzern wirklich braver Pferde, sei empfohlen, sich mit der Möglichkeit eines Sturzes auseinander zusetzen,
bevor es dazu kommt! Anfangen könnte man mit dem Sprung von einem Stuhl in den Sand mit anschließender Rolle. Die Absprunghöhe sollte dann bis zur Pferdegröße aufgebaut werden. Wichtig ist, unbedingt und immer nach der Landung abzurollen! Dieser Bewegungsablauf ist entscheidend und soll absolut automatisch erfolgen! Als Nächstes wird auf einem braven Pferd, wenn möglich dem eigenen, ohne und mit Sattel einfach herumgeklettert, in alle Richtungen heruntergerutscht und schließlich aus dem Stehen hinabgesprungen, immer mit anschließendem Abrollen. Einen großen Vorteil in dieser Disziplin haben all diejenigen, welche bereits voltigiert haben. Dort ist der Sprung vom Pferd ebenso wie ein geschmeidiges Abrollen sowieso Teil des Trainings. Aber auch "einfache" Reiter können sich darin verbessern. Fortgeschrittene üben das gezielte Verlassen des Pferdes in allen drei Gangarten, sinnvollerweise in einem abgegrenztem Bereich. Ein relativ lustiges Problem ergibt sich bei dieser Übung oft daraus, dass viele Pferde sofort stehen bleiben, wenn der Reiter zum Absitzen ansetzt, oder spätestens, wenn er unten ist, nicht mehr weiter wollen. Natürlich darf ein Pferd für dieses rücksichtvolle Verhalten auf gar keinen Fall gestraft werden!

Entspannt aus der Gefahrenzone "herausfliegen"
Der Sinn all dieser Übungen ist es, die Angst vor dem Höhenunterschied zwischen Pferderücken und Erd- oder Reitplatzboden zu überwinden. Wer aufgerichtet auf seinem Pferd steht, hat bereits ungefähr die gleiche Perspektive, wie ein aus dem Sattel geschleuderter Reiter vor seinem "Landeanflug". Sich zu entspannen und die Reflexe arbeiten zu lassen, ist die sicherste Methode, heil wieder aufzustehen. Wer sich einfach fliegen lässt, landet zudem wesentlich seltener in der bedrohlichen Nähe der Hufe. Weg vom Pferd muss die Devise lauten, wenn denn ein Sturz nicht mehr zu vermeiden ist.

Aussitzen ist gut, vermeiden ist besser!
Bocksprünge auszusitzen, aber auch den richtigen Moment für eine Trennung erkennen zu können, erfordert Erfahrung, Talent und körperliches Training. Wo es wirklich notwendig ist, sich diesem Problem zu stellen, sollte man diese Voraussetzungen erfüllen, oder die Aufgabe jemand anderem, routinierterem überlassen. Tatsächlich bin ich aber der Überzeugung, dass in vielen Fällen Pferde erst durch Unverstand und reiterlichen Dilettantismus zu bockenden Gefahrenquellen gemacht werden. Die ersten Erfahrungen junger Tiere mit Sattel und Reiter sind dabei derartig ausschlaggebend, dass man gar nicht genug dafür werben kann, sich in dieser ersten und entscheidenden Ausbildungsphase so viel Zeit und Geduld zu nehmen wie nur irgend möglich. Wie schon früher erwähnt, braucht der erste Reiter kein Dressur- oder Springmeister zu sein. Wer ein sicheres Gefühl für sein Gleichgewicht zu Pferde besitzt und genügend Selbstvertrauen, um gemeinsam mit dem Tier entspannt die ersten Runden zu drehen, hat die besten Chancen, ein Pferd zu bekommen, welches den Gedanken an das Raubtier im Menschen völlig vergisst.

Ute Forler


* April - der problematische Monat für Pferde und Pferdehalter


Der April ist ein konfuser Monat - ein Monat im Umbruch zwischen Winter und Sommer und dennoch nicht so ganz Frühling. Alles ändert sich, noch ist nichts stabil. Ist der März meist noch fast ein Wintermonat mit Temperaturen gerade über dem Gefrierpunkt und hartgefrorenen Böden, so wirft der April das alles über den Haufen. Leider nicht in der Art, dass es jetzt nett und gemtlich warm würde - nein, der April macht, was er will, wie es das Sprichwort sagt:

Mal stürmt und schneit es über den Narzissen, die schon ihre Köpfe herausstecken - andererseits gibt es Tage mit gritzegratzeblauem Himmel und einer Sonne, die direkt unverschämt intensiv strahlt!

Aber Vorsicht! Das kann nachmittags schon wieder völlig anders sein! Und dann ist man froh, wenn man den Wachsmantel und warme Handschuhe anhat.

Mit einem Wort: Im April hat man/frau es nicht leicht!


Die Sonne bringt Power

Es ist seit langem wissenschaftlich erwiesen, dass das Sonnenlicht einen direkten Einfluss auf den Stoffwechsel und damit auf das Wachstum und das Wohlbefinden von Pflanzen und Tieren hat. Geländereiter können ein Lied davon singen - da geht die Post ab! Die Lauflust der Pferde, unterbrochen von fröhlichen Frühlingsbucklern, scheint endlos zu sein!

Da hilft nur viel Auslauf in möglichst weitläufigen Paddocks; sonst sind Unfälle vorprogrammiert.


Mittendrin im Fellwechsel

Ende März, Anfang April wird es ernst mit dem Fellwechsel, und das kostet die Pferde Kraft. Manche Pferde wirken in dieser Zeit etwas geschlaucht und brauchen etwas Schonung.

Dem Futter sollte täglich eine Handvoll Leinsamen beigefügt werden; das fördert den Fellwechsel und gibt darüberhinaus dem Fell einen schönen Glanz. Doch Vorsicht: Mehr als 35 g (das ist knapp ein kleiner Yoghurtbecher voll) sollten roh nicht verfüttert werden, sonst kann es zu Blausäurevergiftungen kommen! Man kann natürlich den Leinsamen über Nacht aufquellen lassen, morgens gut durchkochen und vor dem Verfüttern abkühlen lassen. Lauwarm verfüttert ist er für alle Pferde eine Delikatesse. Nur - diese Zubereitung ist ziemlich zeitintensiv.

Das Putzen in dieser Zeit ruft bei vielen Pferdebesitzern ein Stöhnen hervor: Endlose Mengen winziger Haare fliegen durch die Luft! Also sollte man in jedem Fall draußen putzen. Es gibt spezielle Handschuh-Striegel mit kleinen Noppen, in denen sich das ausgekämmte Haar wie ein Vlies festsetzt und abgezogen werden kann. Das ausgebürstete Fell sollte man übrigens nicht in den Mülleimer werfen - viel zu schade: Jetzt bauen die Vögel ihre Nester und freuen sich über die kurzen Pferdehaare! In den Mülleimer allerdings gehören die langen Schweif- und Mähnenhaare, denn in ihnen können sich die winzigen Vogelbeine wie in Schlingen verfangen.

An einem warmen, windstillen Tag kann man auch die erste Frühlingswäsche des Pferdes vornehmen. Pferde, denen es der verständige Besitzer ermöglicht, sich zu wälzen, versuchen ja schon lange, sich der lästigen Hautpartikelchen zu entledigen, die sich trotz Putzen nicht lösen wollen!

Trotz der wärmenden Sonne sollte man allerdings bedenken, dass der nasse Pferdekörper dem Wind eine große Angriffsfläche bietet. Deshalb muss man die Pferde gut eindecken, während man sie trockenführt - am besten nach der altbewährten Methode mit einer Lage Stroh unter der Decke!


Weide und Stall

Die Weide, die im Februar oder März schon gründlich abgeschleppt wurde, braucht jetzt möglicherweise noch eine Kopfdüngung mit Stickstoff. Das bedeutet, dass sie danach mindestens drei Wochen lang für die Pferde gesperrt ist. Aber auch ohne Düngung dürfen die Pferde vor Mai oft noch nicht auf die Weide, um das Graswachstum nicht zu stören.

Die Zäune, die im Winter fast immer leiden, müssen nachgesehen werden. Holzpfähle neigen im Winter dazu, anzufaulen; sie müssen ersetzt werden. Und bei Elektrozäunen bleibt einem eine gründliche Kontrolle - am besten gleich mit einem Strommessgerät - auch nicht erspart, denn oft genug reißen die dünnen stromführenden Metallfäden in dem Band im scharfen Winterwind.

Auch wenn man den Stall penibel sauberhält: Im Frühjahr sollte man ihn einmal gründlich ausräumen, ausspritzen und desinfizieren bzw. neu kalken. Auch die Schwalbennester sollte man ausräumen, bevor die Schwalben kommen, sonst sammeln sich darin Parasiten, die die Brut vernichten können. Wer (noch) keine Schwalben im Stall hat, kann es jetzt mit künstlichen Schwalbennestern versuchen - manchmal locken sie die Schwalben an.


Das Schönste im April: die Fohlen

Die meisten robust gehaltenen Pferde kommen im April und Mai zur Welt, eine unruhige Zeit für Pferdebesitzer. Das sind die Tage und Nächte, die man dann auf der Weide oder im Stall verbringt, um die Geburt des Fohlens nicht zu versäumen. Oft genug kommt es aber genau in den paar Minuten zur Welt, in denen man sich gerade eine frische Tasse Kaffee holt oder ein bisschen eingenickt war... aber der Freude über ein gesundes Fohlen tut das keinen Abbruch.

Ein Fohlen kommt selten allein, und so zieht sich die stressige Zeit oft über einige Wochen hin. Im Mai sind die Fohlen aber meist alle da - und der Frühling beginnt wirklich!


Tipps für den April

- Um die Zeit der Forsythienblüte kann man Moos auf den Weiden durch Gaben von Kalkstickstoff bekämpfen; dadurch werden auch Darmparasiten vernichtet.

- Wenn die Pferde das Fell noch nicht gewechselt haben und bei der Arbeit zu sehr schwitzen, kann man ihnen zwei Ralleystreifen rings um den Körper schneiden: Die beiden Streifen sorgen für bessere Ventilation und dadurch besseres Abschwitzen.

- Keine Pullover im Stall anziehen: Die Pferdehaare setzen sich darin fest.

- Ende des Monats ist für die Pferde Land in Sicht: Dann dürfen sie schon stundenweise zum Angewöhnen auf die Weide.


Uta Over


* Tetanus - Wundstarrkrampf


Von Tetanus hat sicher jeder schon einmal gehört, denn diese Krankheit kann für einen Menschen ebenso gefährlich werden wie für ein Pferd. Nun kennt man also den Begriff Tetanus, und die meisten werden vernünftigerweise auch dagegen geimpft sein, aber um was für eine Krankheit handelt es sich beim Wundstarrkrampf eigentlich, und wie genau entsteht sie?


Wie entsteht Tetanus?

Die Schuld an dieser Krankheit trägt das Bakterium „Clostridium tetanig. Dieser Tetanuserreger lebt im Boden; ist dieser Boden für das Bakterium ausreichend feucht, kann es dort mehrere Jahre in einer Art Ruhezustand berleben.

Durch eine Wunde können diese Erreger dann in den Körper des Pferdes gelangen. Dabei handelt es sich jedoch meistens um kleine und unauffällige Wunden, denen man vielleicht gar nicht so viel Aufmerksamkeit widmen würde. Da die Bakterien eine sauerstoffarme Umgebung benötigen, um sich vermehren zu können, bildet eine tiefe Stichwunde (etwa durch einen Nagel) den idealen Infektionsweg, denn in einer solchen Wunde existiert so gut wie keine Luftzufuhr. Einmal im Körper angelangt, scheiden die Bakterien ein giftiges Stoffwechselprodukt aus. Dieses wird Toxin genannt und ist der Verursacher dieser Krankheit.


Was genau ist Tetanus?

Tetanus ist eine Störung des zentralen Nervensystems. Diese Störung wird durch das Toxin hervorgerufen, welches an den Nervenbahnen entlang zum zentralen Nervensystem gelangt und dessen Funktionen zerstört.


Woran kann man die Krankheit erkennen?

Die Inkubationszeit kann einige Tage, aber auch mehrere Wochen dauern. Danach tritt eine Starre auf, die am Kopf beginnt und sich langsam über Rücken und Schweif ausbreitet. Während dieser Zeit kann man auch beobachten, dass das Pferd außergewöhnlich schreckhaft ist. Vorder- und Hinterbeine stehen weiter auseinander als normal, und der Schweif ist angehoben. Hebt man einem Pferd mit Wundstarrkrampf den Kopf an, kann sich die Nickhaut (das dritte Augenlid des Pferdes) über den Augapfel schieben. Mit fortschreitender Krankheit bekommt das Pferd zusätzlich Atemnot und Schluckbeschwerden.


Behandlungsmöglichkeiten

Ob eine Behandlung Erfolg hat oder nicht, hängt von der Toxinmenge und vom Stadium der Krankheit ab, in welchem die Behandlung einsetzt. Trotzdem bleibt eine Behandlung in den meisten Fällen erfolglos.

Bei einem Verdacht auf Wundstarrkrampf muss sofort ein Tierarzt verständigt werden, denn je schneller eine Behandlung und Immunisierung stattfindet, umso besser stehen die Chancen.


Vorbeugung!!!

Die Vorbeugung gegen Tetanus findet durch eine regelmäßige Impfung mit vorangegangener Grundimmunisierung statt. Tetanus ist also eine Krankheit, die sich mit geringem Aufwand fast ausschließen lässt, und ich denke, dass jeder seinem Pferd das schuldig ist - besonders, wenn man bedenkt, wie schrecklich diese Krankheit für ein Pferd sein muss. Also: Impftermine zu vergessen ist eine Sache, die nicht so leicht zu verzeihen ist!

Katinka Schnitker


* Zur Diskussion: Einmischen leicht gemacht


Friedlich steht man im Stall, lässt gedankenverloren die Blicke schweifen, die rein zufällig einen Reiter treffen, der gerade dabei ist, sein Pferd zu putzen. Ohne wirkliches Interesse schaut man ihm dabei eine Weile zu und muss leider feststellen, dass dieser Jemand sein Pferd also so etwas von absolut unfachmännisch putzt, dass man es kaum fassen kann: "Warum fängt der denn jetzt von hinten an und benutzt ausgerechnet diese Bürste für diesen Grad der Verschmutzung? Ja, und was macht der denn jetzt, wechselt doch glatt die Seite, obwohl da noch ein festsitzender Staubfleck ist, der einem nun wirklich ins Auge springt. Außerdem ist auch noch die Reihenfolge der Beine beim Hufeauskratzen geradezu willkürlich gewählt und auf keinen Fall besonders sinnvoll durchdacht! Hat denn dieser Mensch in seinem ganzen Leben noch kein Pferd geputzt? Ich glaube, da geh ich lieber mal rüber und helfe etwas mit..."

Dies sollte eine allgemein bekannte Situation sein - und aus der eigenen Sicht betrachtet, liegt hier eindeutig ein Fall von Hilfsbereitschaft vor, und doch regt man sich als Reiter ständig darüber auf, dass die lieben Mitreiter anscheinend den ganzen Tag nichts Besseres vorhaben, als sich in alles, was man selber macht, einzumischen:

Was man auch macht und wo man auch ist, immer sind Menschen mit schlauen Ratschlägen um einen herum. Na, wenn das keine Frechheit ist! Schließlich ist man sich ganz sicher, dass es überhaupt keinen auch nur das Geringste angeht, was man mit seinem eigenen Pferd macht. Immerhin weiß man ja, was man tut.


Mischen sich andere in die eigenen Angelegenheiten ein, dann ist das also ganz klar ein Grund, um sich darüber aufzuregen. Andersherum geht diese Rechnung jedoch nicht so gut auf: Sind wir doch mal ehrlich, sehen wir denn nicht ständig Reiter, die grobe Fehler machen und anscheinend nicht die geringste Ahnung von dem haben, was sie gerade machen? Und fühlt man sich in solch einer Situation denn nicht auch geradezu verpflichtet, einzugreifen, bevor noch etwas Schlimmes passiert? Und ist man dabei nicht immer völlig im Recht und handelt zum Wohle aller? Ja, erwartet man nicht eigentlich noch ein herzliches "Dankeschön" dafr, dass man den anderen auf seinen Fehler aufmerksam gemacht hat?

Wo liegt also der Unterschied? Wann darf man sich bei anderen einmischen und wann lieber nicht - und dürfen sich demnach auch andere bei mir einmischen?


Der Anlass bestimmt die Notwendigkeit

Der Grund, warum man sich unter Reitern so gerne einmischt, ist, dass jeder Reiter im Laufe der Zeit (und sei es auch nur durch geringfügige Abweichungen) seine ganz eigene Art beim Reiten und im Umgang mit Pferden entwickelt.

So wird man sich schon sehr viel Mühe geben mssen, um zwei Reiter aufzutreiben, die wirklich in allen Situationen übereinstimmen. Das alleine ist zwar durchaus schon Grund für einige Spannungen, wäre aber gar nicht so dramatisch, wenn nicht auch noch jeder davon überzeugt wäre, dass alles ausschließlich nach seiner persönlichen Methode funktionieren kann.

Aufgrund dieser Tatsache verspüren Reiter bei wirklich jeder Gelegenheit das fast unerträgliche Bedürfnis, die anderen zu verbessern.

Eine bekannte und auch verständliche Situation, schließlich gibt es ja wirklich Reiter, die ein Pferd noch nicht mal richtig putzen können, also ich sehe das auf jeden Fall öfter ...

Doch wenn es nicht gerade um die Gefahr von Satteldruck oder ähnlichen Scheuerstellen geht, kann man sich doch recht schnell darüber einig werden, dass es nicht wirklich wichtig ist, an welcher Seite man anfängt und in welcher Reihenfolge man die unterschiedlichen Putzutensilien gebraucht.

Und da man Streit und schlechte Stimmung im Stall und mit Mitreitern am besten dadurch vermeidet, dass man sich überhaupt nicht einmischt, heißt es in solchen Fällen:

Zähne zusammenbeißen und die schlauen Tipps unterdrücken, auch wenn es schwerfällt und der andere sie ja eigentlich doch ganz gut gebrauchen könnte...

Könnte man sich also darauf einigen, sich bei Kleinigkeiten einfach herauszuhalten, ginge es in manchen Ställen viel friedlicher zu.

Doch wo hören Kleinigkeiten auf und wo fangen ernstzunehmende Fehler an? Und vor allem, was macht man dann? Hält man sich nur um des lieben Frieden willens raus, auch wenn dadurch Pferd und Reiter Schaden nehmen könnten? Oder gibt es Szenen, in die man sich auf jeden Fall einmischen sollte, um noch mit ruhigem Gewissen schlafen zu können?


So nicht - einmischen, bitte!

Wird man zum Beispiel Zeuge von einer offensichtlichen Misshandlung eines Pferdes, sollte man meiner Meinung nach nicht mehr einfach nur daneben stehen und so tun, als ginge dies alles einen überhaupt nichts an. Hier heißt es eingreifen und offen seine Meinung sagen.

Interessant ist nämlich, dass die Hemmschwelle, sich zu solchen Problemen zu äußern, anscheinend viel größer ist, als sich in irgendwelche Lappalien hineinzuhängen. So schauen dieselben Leute, die einem noch vor fünf Minuten einen ausführlichen Vortrag über die korrekte Aufhalfter-Technik gehalten haben, seelenruhig zu, wenn jemand versucht, seine reiterlichen Schwächen dadurch auszugleichen, dass er während des Reitens abspringt und sein Pferd verprügelt.

Sich in solchen Situationen einzumischen, ist nämlich wesentlich unangenehmer und führt fast automatisch zu einem handfesten Streit.

Erschwert wird das Ganze dann auch noch, wenn es sich bei demjenigen, der sich derart unmöglich aufführt, entweder um einen Freund oder eine Freundin handelt, mit der man sich schließlich noch viel weniger gern anlegt, oder noch schlimmer: eine Autoritätsperson. Wer möchte schon hingehen und das Verhalten seines Reitlehrers öffentlich kritisieren?

Und doch sollte man sich in solchen Situationen dazu durchringen einzugreifen. Oft kann man nämlich auch Situationen beobachten, die sowohl für Pferd als auch für Reiter wirklich gefährlich werden können, entweder weil der Reiter aus Leichtsinn unnötige Risiken eingeht oder weil eine Situation, etwa durch übertriebene Härte des Reiters, zu eskalieren droht.

Allein um sich hinterher nichts vorwerfen zu mssen, sollte man versuchen, das Schlimmste zu verhindern.


Schwierige Entscheidungen

Nun gibt es also wirkliche Kleinigkeiten, aus denen man sich ganz einfach heraushalten kann, und eher dramatische Situationen, in die man auf jeden Fall eingreifen sollte, doch was ist mit dem ganzen großen Mittelfeld?

Was ist zum Beispiel, wenn einem die Futterzusammenstellung eines anderen überhaupt nicht gefällt? Auf der einen Seite bekommt das Pferd in meinen Augen vielleicht zu wenig Mineralien, auf der anderen Seite sieht es aber auch mit diesem Futter gut und gesund aus. Sollte ich hier nun etwas sagen oder lieber nicht?

Auch reiterliche Fehler sind immer eine heikle Angelegenheit: Zwar ist es für das Pferd alles andere als angenehm, wenn der Reiter nicht in der Lage ist, vernünftig auszusitzen und dem Pferd dadurch in den Rücken fällt oder auch unkontrolliert an den Zügeln herumzieht, doch wenn es dem Pferd ansonsten gut geht und es zum Beispiel auch nur einmal in der Woche geritten wird - lohnt sich dann der ganze Aufwand?

Was bewertet man höher: das Gesamtbefinden des Pferdes oder das Befinden während des Reitens? Mischt man sich nun eher ein, wenn ein Pferd artgerecht gehalten und schlecht geritten wird, oder schlecht gehalten und gut geritten? Und wenn man sich einmischt, wie viel kann man erreichen und wie viele sinnvolle Lösungsvorschläge für das jeweilige Problem kann man vorweisen? Schließlich bringt es nichts, jemanden darauf hinzuweisen, dass er kleinere oder größere Fehler macht, wenn man ihm nicht logisch darlegen kann, wie man es besser machen muss.

Hier kommt man eben doch recht schnell an den Punkt, wo man sich gründlich überlegen sollte, ob es wirklich notwendig ist, sich engagiert einzumischen, oder ob man die anderen auch einfach ihre eigenen Fehler machen lässt.


Danke für den Tipp?

Hat man sich jedoch dafür entschieden, sich einzumischen, dann fangen die Probleme in Wirklichkeit erst so richtig an: Nehmen wir noch einmal an, wir beobachten, wie jemand seinem Pferd ganz offensichtlich Schaden zufügt, gehen daraufhin zu ihm und sprechen ihn an: Diejenigen, die ihrem Pferd bewusst weh tun, und die gibt es leider wirklich, lassen sich dann auch nur ungern davon abbringen, sie fühlen sich dem Pferd gegenüber im Recht oder haben sonstige kranke Gründe und reagieren auf Kritik meist auch noch ziemlich aggressiv.

Hier kann man sich auf eine heftige Diskussion gefasst machen, die in aller Regel noch nicht mal etwas bringt.

Die andere Möglichkeit ist, dass dem Pferd aus echter Unwissenheit weh getan wird. Hier steht man vor dem Problem, den anderen mit Argumenten davon zu überzeugen, dass er einen Fehler begeht. Auch dieser Ansatz wird selten freudig vom Gegenüber aufgenommen.

So geht man also hin, um etwas Richtiges zu tun, bekommt richtig Ärger - und erreichen kann man in den meisten Fällen auch nichts.

Es bleibt einem also selbst die Genugtuung verwehrt, dass sich der Ärger zumindestens gelohnt hat.

Einfluss auf die Wirkung seiner Kritik kann man natürlich noch durch die Art nehmen, in der man sie vorträgt: In einem ruhigen Gespräch lässt sich vieles besser verdeutlichen. Und wenn man es schafft, dass sich der andere nicht zu sehr angegriffen fühlt, hat man auch eine gewisse Chance, dass er einem zuhört. Wichtig ist dabei auch noch, dass man sich am Besten unter vier Augen unterhält, denn wer in der Öffentlichkeit kritisiert wird, reagiert fast immer ungehalten.

Wenn man das alles berücksichtigt, kann man sich tatsächlich sinnvoll in etwas einmischen, auch wenn es einen objektiv gesehen nicht besonders viel angeht; und mit etwas Glück hört man zum Schluss noch ein: "Danke für den Tipp!"


Und umgekehrt?

So gesehen war das ja noch recht einfach: Prinzipiell kann man sich schon einmischen, man sollte halt nur gründlich abwägen, wo es nötig ist und wo nicht. Doch wie sieht es nun aus, wenn sich jemand anderes bei uns einmischen möchte?

Das kann doch nicht wirklich genau dasselbe sein, oder etwa doch? Normalerweise neigt man ja doch recht schnell dazu, davon auszugehen, dass diejenigen, die einen selber kritisieren, ganz klar zu denjenigen gehören, die sich in unnötige Kleinigkeiten einmischen, ohne wirklich Ahnung von dem zu haben, worüber sie reden. Doch wenn ich selber in der Lage bin, Situationen und Probleme abzuwägen und mich wirklich nur dann einmische, wenn ich es für wichtig halte, warum sollten andere dies dann nicht auch können?

Und auch wenn man schnell dazu neigt, sich für allwissend zu halten, so ist man es ja doch leider in der Regel nicht. Warum sollten einem selber dann nicht auch ganz dumme Fehler unterlaufen, und sei es nur aus Unwissenheit? Wenn dann auch noch das eigene Pferd darunter leiden muss, sollte man dann nicht froh und dankbar sein, wenn es Menschen in der Nähe gibt, denen diese Fehler auffallen, die dann auch noch mit uns über diese reden und uns somit ja schließlich auch die Möglichkeit geben, uns in Zukunft besser zu verhalten?

Natürlich muss man nicht auf alles hören oder alles bedenkenlos übernehmen, was einem erzählt wird, doch wäre es nicht ziemlich perfekt, wenn man in einem ruhigen Dialog in der Lage wäre, gegenseitig konstruktive Kritik anzubringen?

Meiner Meinung nach sollte man sich ruhig ab und zu bei anderen einmischen, wenn diese wirkliche Fehler begehen; und im Gegenzug ist man dann eben auch selber bereit, sich die Kritik der anderen zumindestens einmal in Ruhe anzuhören und gründlich zu durchdenken.

Katinka Schnitker


* Hufschuh-Suchen - harmloses Hobby oder echte Gefahr?


Obwohl Spazierwege und Reitwege normalerweise getrennt sind, lag in unserem Reitgelände seit jeher ein gewisses Risiko darin, dass nach einer Kurve plötzlich ein Wanderverein oder eine Großfamilie mit Kinderwagen auftaucht.

Da sich solche Zusammentreffen jedoch an sonnigen Sonntagen häufen, wohingegen an einem verregneten Wochentag kaum mit ihnen zu rechnen ist, wird das Risiko kalkulierbar, und man gewöhnt sich mit der Zeit daran.


Die ungewohnte Gefahr

Doch seit einigen Jahren werden Wald und Felder von einer anderen Gefahr heimgesucht. Einer Gefahr, die sich sogar genau auf die Reitwege spezialisiert hat und an eben diesen verregneten Tagen, an denen es einem bisher vergönnt war, recht ungestört durch den Matsch zu galoppieren, besonders gerne zuzuschlagen scheint!


Der erste Kontakt

Das erste Mal begegnete ich ihr vor ein paar Monaten, als ich alleine mit meinem Pferd durch den Wald ritt. Gerade trabten wir um eine Wegbiegung, da stand plötzlich etwas vor uns: Ein Hufschuhsammler. Mit gesenktem Kopf, den Blick starr vor sich auf den Boden gerichtet, bewegte er sich langsam über den Weg, wobei er sein widerwilliges Pferd hinter sich herzog.

Nur durch eine Notbremsung konnte der Zusammenstoß verhindert werden.

Glimpflich überstanden mein Pferd und ich dieses erste Zusammentreffen, doch beim zweiten Mal wurde es schon deutlich ungemütlicher: Zwar konnte man schon von weitem die unverkennbaren Umrisse eines Hufschuhsuchers sehen, doch bot sich uns kein Fluchtweg, und so mussten wir uns dem Hufschuhsammler bis auf Hörweite nähern, was uns dann auch sofort zum Verhängnis wurde. Unter Zuhilfenahme von mitleidserhaschenden Blicken und ebensolchen Worten wurde ich genötigt, vom Pferd zu steigen und mich der immer beliebter werdenden Beschäftigung des Hufschuh-Suchens anzuschließen. So verbrachte auch ich an diesem Tag das erste Mal in meinem Leben einige Zeit damit, frustriert über schlammige Wege zu stapfen und einen Hufschuh zu suchen.


Jetzt reicht es

Aber bei diesem einen Mal sollte es nicht bleiben, denn das Hufschuh-Suchen gewann in der folgenden Zeit derart an Popularität, dass inzwischen ganze Horden von Hufschuhsuchern durch die Wälder ziehen und ihrem merkwürdigem Hobby nachgehen.

Natürlich ist man durchaus bereit, ab und zu scharf zu bremsen oder auch schon mal einen Hufschuh zu suchen, doch wenn fast jeder Weg durch einen Hufschuhsammler versperrt ist und sich Gräben und Gebüsche so langsam mit den Überbleibseln von erfolglosen Hufschuhsuchen füllen, kann einen das schon erheblich stören - und deshalb hier einige Tipps, um wenigstens den heimischen Hufschuhsuchern zu entgehen:


1. Wenn möglich sollte man immer vor einem potentiellen Hufschuhsucher ins Gelände aufbrechen, denn wenn man später startet, kommt er einem ja doch auf halben Wege zu Fuß wieder entgegen und ruft schon von weitem den Erkennungsruf aller Hufschuhsucher: „Hast Du vielleicht einen Hufschuh auf den Wegen liegen gesehen?g Wenn man vorher startet, ist es empfehlenswert, sich nach der Richtung zu erkundigen, so dass man ihm im Gelände nicht genau in die hilfesuchenden Arme reitet.

2. Schnell putzen, satteln und trensen üben, denn mit etwas Glück ist man mit einem beschlagenen Pferd vom Ausritt schon wieder zurück, bevor der vierte Hufschuh angelegt wurde, und mit etwas Übung schafft man es oft sogar schon vor dem dritten.


Glücklicherweise wurden die Hufschuhe in den letzten Jahren doch deutlich besser in ihrer Passform – so droht dieses beliebte Hobby heute schon beinahe wieder auszusterben. Schade eigentlich ...!

Katinka Schnitker




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