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           Equikids - Ausgabe 04/2010


Sicher im Gelände - Die Weidesaison beginnt - Hufrehe - Pferde verkaufen - Hängerfahrt mit Hindernissen


* Sicher mit Pferd im Gelände unterwegs


Wenn die Tage länger werden, macht das Reiten im Gelände wieder Spaß. Vorbei die Zeit, in der es nur durch Matsch und Pfützen ging – jetzt kann wieder richtig geritten werden!
Damit der Ausritt auch wirklich Spaß macht, sind ein paar Dinge zu beachten.

Bin ich reif fürs Gelände?
So stellt sich zunächst ganz grundsätzlich die Frage, ob Reiter und Pferd bereits reif fürs Gelände sind. Auch wenn ihr euch eigentlich nicht als Dressurreiter sehr, ist eine Grundausbildung auf dem Reitplatz für Reiter und Pferd doch in jedem Fall unverzichtbar. Dort lernt ihr, das Pferd
- sicher und zuverlässig an jedem gewünschten Punkt anzuhalten,
- linksrum und rechtsrum gleichermaßen auszubalancieren und
- jederzeit problemlos die Gangart zu wechseln und innerhalb einer Gangart das Tempo zu bestimmen.
Erst wenn das alles sicher sitzt, seid ihr bereit für den Ausritt.

Gemeinsam unterwegs
Zwar führt ein Ausritt meist über weite Strecken durch Wiesen und Wälder, aber dem Reiter begegnen doch immer wieder auch Fahrzeuge, seien es Trecker, LKWs, Autos oder auch Motorräder. Das Pferd sollte daher rechtzeitig mit motorisierten Gefährten vertraut gemacht werden. Die erste Begegnung mit solch einem „Monster“ findet am besten nicht unter dem Sattel, sondern an der Hand statt. Erfahrene und sichere Pferde als Begleitung können mit ihrem Beispiel dabei helfen, das Pferd an den Verkehr zu gewöhnen.
Grundsätzlich sollte das Pferd gelernt haben, in der Gruppe zu gehen und sich dabei den anderen Pferden gegenüber friedlich zu verhalten, ohne nach vorne zu drängeln. Denn ein Ausritt macht zu mehreren nicht nur mehr Spaß, es ist auch sehr viel sicherer, nicht alleine unterwegs zu sein! Falls ein Reiter stürzt, können die anderen sein Pferd einfangen, ihm Erste Hilfe leisten und gegebenenfalls einen Krankenwagen rufen. Ein Handy sollte also immer dabei sein, aber auch ein kleines Erste-Hilfe-Päckchen ist zu empfehlen.

Die Ausrüstung
Sicheres Schuhwerk und ein passender Reithelm sind ein Muss. Das müssen nicht immer Reitstiefel sein, es gibt auch viele weitere Formen von sicheren Reitschuhen wie z.B. Jodhpur-Stiefeletten oder auch leichte Schnürschuhe für Reiter. Wichtig ist, dass die Schuhe bis über den Knöchel reichen und so das Fußgelenk stützen und über einen kleinen Absatz verfügen, damit der Fuß nicht zu weit durch den Steigbügel rutschen kann.
Leichte Reithandschuhe geben einen sicheren Griff und können ein Durchrutschen der Zügel verhindern.
Zusätzliche Sicherheit bieten Westen, wie sie etwa in den Geländeprüfungen der Vielseitigkeitsreiter getragen werden. Diese Westen schützen bei einem Sturz den Rücken und die Wirbelsäule.
Das Pferd benötigt grundsätzlich einen Sattel und ein Zaumzeug. Wichtig ist, dass das Leder gut gepflegt ist und alle Strupfen und Schnallen sicher halten. Steigbügelriemen, Gurtstrupfen usw. sollten daher regelmäßig überprüft werden und sofort ausgetauscht werden, falls sie auszureißen drohen. Ein reißender Steigbügelriemen kann einen schweren Sturz verursachen, ebenso wie ein plötzlich rutschender Sattel.
Hilfszügel wie Ausbinder, Dreieckszügel usw. haben im Gelände nichts zu suchen. Das Pferd muss sich auch auf unebenem Untergrund ausbalancieren und braucht daher auch im Kopf-Hals-Bereich Bewegungsfreiheit. Ein korrekt, d.h. keinesfalls zu kurz verschnalltes Martingal ist zulässig, wenn auch oft unnötig. Es verhindert lediglich ein extremes Hochwerfen des Pferdeskopfes.
Falls auch schneller geritten wird, neigen manche Pferde dazu, mit den Hinterhufen weit nach vorne zu fußen und dabei eventuell in die Vorderfesseln zu greifen. Hier können Sprungglocken als Schutz dienen. Gamaschen und Streichkappen schützen die Pferdebeine gegen seitliches Streifen, falls nötig. Bandagen hingegen sollten im Gelände nicht verwendet werden – falls sich im Galopp eine Bandage löst, kann das zur Katastrophe führen.

Regeln beachten!
In verschiedenen Bundesländern gelten unterschiedliche Vorschriften für das Reiten im Wald. Generell gilt: Ein weißer Reiter auf blauem Grund markiert einen Reitweg. Reitverbots-Schilder sollten unbedingt beachtet werden. Keinesfalls darf man einfach querfeldein oder über Wiesen und Felder reiten! Ehe man abgeerntete Flächen bereitet, sollte man sich bei dem Landwirt die Erlaubnis dazu holen.
Viele Wege im Wald werden nicht nur von Reitern benutzt. Gegenseitige Rücksichtnahme ist oberstes Gebot. Bei Begegnungen mit Fußgängern, Radfahrern, Joggern und auch anderen Reitern gilt: Es wird Schritt geritten und ausreichend Platz gelassen. Ein freundlicher Gruß kann viel dazu beitragen, ein friedliches Miteinander zu erhalten, und so dafür sorgen, dass wir Reiter auch weiterhin im Wald willkommen sind.
Also: Rauf aufs Pferd und raus in die Natur!


* Die Weidesaison beginnt


Jetzt ist es endlich wieder soweit: Die Nachtfröste gehören (hoffentlich!) endgültig der Vergangenheit an, die Sonne scheint intensiver, das Gras beginnt zu wachsen und die Weidesaison beginnt. Während die Pferde bis jetzt draußen lediglich die Möglichkeit zum Auslauf hatten, können sie nun endlich auch wieder Gras fressen! Das ist toll: Kein Heustaub im Stall mehr, frische Luft und wirklich artgerechte Haltung auf der Weide. Viele Pferde werden den Stall bald bis zum Herbst hinter sich lassen und komplett auf die Weide ziehen.
Doch bei diesem Wechsel gibt es für den Pferdehalter einiges zu bedenken!

Der Weideauftrieb will vorbereitet sein
Die Versuchung ist groß: Sobald sich das Grün zeigt, kann man die Pferde „rauswerfen“ und der ewigen Ausmisterei ein Ende machen, die Futterkosten reduzieren und nicht zuletzt dabei den Wünschen der Tiere selbst entgegenkommen. Prima Sache! Aber ganz so einfach geht es eben nicht.
Zunächst muss nach dem Winter natürlich gründlich kontrolliert werden, in welchem Zustand sich die Weiden befinden, die im letzten Herbst zurückgelassen wurden. Zum Beispiel die Zäune: Sind sie noch völlig intakt? Oder sind vielleicht einige Zaunpfähle morsch geworden und sollten besser ausgetauscht werden? Falls die Weide mit Elektrodraht eingezäunt ist: Leitet der Draht auch überall den Strom weiter, oder ist vielleicht Unkraut an den Draht gewachsen und sorgt so für Ableitung? Als erstes steht also ein Rundgang an, bei dem solche Dinge erledigt werden können. Und der macht natürlich nur dann Sinn, wenn das entsprechende Werkzeug dabei ist!

Weide ist nicht gleich Weide
Immer wieder sieht man Pferdeweiden, die zu großen Teilen von Unkraut wie riesigen Brennesselstauden oder Ampfer überwuchert sind, so dass die Tiere hier nicht so viel Futter finden, wie eigentlich möglich wäre. Durch ständige Kontrolle und Pflege der Weide kann so etwas verhindert werden! Gerade jetzt im Frühjahr kann dem Einhalt geboten werden. So sollten Unkräuter gemäht werden, ehe sie verblüht sind und aussamen können. Dadurch wird die Vermehrung eingeschränkt. Am besten rottet man diese Pflanzen natürlich mit Stumpf und Stiel, also mit Wurzel aus.
Pferde richten sich auf der Weide meist eine Art Toilette ein, die sogenannten Geilstellen. Hier wächst das Gras durch die Düngung besonders gut, aber es wird wegen des Geruchs nicht gerne gefressen. Vor dem Weideauftrieb, am besten bereits im Herbst, sollte die Weide daher geschleppt werden, so dass sich der Pferdemist gleichmäßig verteilt – falls man nicht wirklich gründlich arbeitet und auf der Weide den Mist direkt absammelt, denn durch das Verteilen der Pferdeäpfel werden auch Parasiten wie Würmer über die Weide verteilt.
Das Gras sollte bereits eine gewisse Höhe erreicht haben, ehe die Pferde es wieder kurz abfressen; denn erst ab einer gewissen Größe kann das Gras schnell weiter wachsen. Wenn eine Weide stets ganz kurz abgegrast wird, kann sich die Vegetation nicht mehr erholen, und der ganze Sommer bleibt knapp! Deswegen sollten auch immer mehrere Weiden zur Verfügung stehen, die abwechselnd abgegrast werden und nachwachsen können.
Und natürlich müssen auch die Tränkeinrichtungen überprüft werden, ehe die Pferde ihre Freiheit genießen können.

Auch die Pferde müssen gut beobachtet werden
Nach einem Winter, in dem die meisten Pferde von Heu, Stroh und Kraftfutter gelebt haben, sind die Tiere natürlich wie verrückt auf frisches Gras! Jeder Reiter kennt diesen Effekt, wenn das erste grüne Gras wächst und die Ausritte sich auf einmal recht anstrengend gestalten, weil das Pferd ständig versucht, am Straßenrand zu grasen. Wenn die Pferde jetzt auf eine reichliche Weide kommen, schlagen sie sich natürlich erstmal so richtig den Bauch voll! Doch der Verdauungsapparat und der Stoffwechsel sind noch nicht auf dieses saftige Futter eingestellt. So kommt es oft zu Durchfall, manchmal sogar zu Kolik und – nicht zu vergessen – Hufrehe. Die Umstellung muss daher auf jeden Fall langsam erfolgen.

Am Anfang reicht etappenweiser Weidegang
Für die ersten Tage ist es völlig ausreichend, die Pferde nur stundenweise auf die Weide zu lassen. Dabei sollte man immer auf Erscheinungen wie Durchfall, Bauchschmerzen oder auch Lahmheit achten! Nach einigen Tagen kann die Dauer des Weidegangs allmählich gesteigert werden, bis die Pferde tagsüber komplett draußen sind und Gras fressen können. Abends und morgens kann das Kraftfutter jetzt deutlich reduziert oder auch ganz gestrichen werden, aber nachts sollte weiterhin genügend Rauhfutter wie Heu und Stroh zur Verfügung stehen: Das macht satt und hilft, die Umstellung zu erleichtern. Wenn alle Tiere den Tag auf der Weide ohne Probleme und Verdauungsstörungen überstehen, kann der endgültige Übergang zum Weideleben stattfinden. Endlich beginnt die schöne Zeit, in der die Pferde Tag und Nacht glücklich auf der Weide sind und der Besitzer erheblich weniger Arbeit hat. In diesem Sinne: Einen schönen Sommer euch allen!


* Hufrehe - eine schmerzhafte Erkrankung

Bei einer Hufrehe liegt eine Stoffwechselstörung vor, die sich auf den Hufbeinträger und in der Folge auch auf das Hufbein auswirkt. Die Verbindung des Hufbeinträgers zum Hufbein, das im Huf quasi aufgehängt ist, kann sich lösen, und das Hufbein kann im Huf absinken und rotieren. Daher ist Hufrehe für Pferde äußerst schmerzhaft und gefährlich.

Welche Ursachen hat Hufrehe?
Die Ursachen für Hufrehe können verschiedener Natur sein: Grundsätzlich kann eine Überfütterung immer zu Hufrehe führen, sei es mit Getreide oder auch auf der Weide. Auch allergische Reaktionen auf bestimmte Futtermittel können eine Hufrehe auslösen, ebenso wie die Gabe von Cortison, und nach einer Geburt besteht eine Rehe-Risiko für die Stute, falls die Nachgeburt nicht vollständig abgeht.
Besonders jetzt im Frühjahr steigt die Rehegefahr. Einerseits sind die Pferde einfach noch nicht an das Gras gewöhnt, die Futterumstellung muss also ganz langsam erfolgen. Aber es gibt auch ganz konkrete Gefahren: Auslöser sind die sogenannten Fruktane in den Gräsern auf der Weide. Grob vereinfacht könnt ihr euch das so vorstellen: Durch Sonnenschein erhalten die Gräser Energie, die sie zum Wachstum brauchen. Wenn sie aber nicht wachsen können, wird diese Energie gespeichert – in Form von Fruktanen, das sind Kohlenhydrate. Und die sind gefährlich für die Pferde.
Wann kann das Gras nicht wachsen? Vor allem dann, wenn es zu kalt ist, wird das Wachstum unterbrochen. Deshalb sind sonnige Frühjahrstage nach Nachtfrösten besonders gefährlich für Weidepferde. Auch extreme Trockenheit kann das Wachstum bei strahlendem Sonnenschein beeinträchtigen; auch jetzt steigt das Hufrehe-Risiko.
Darüber hinaus kann eine Hufrehe auch durch eine mechanische Überlastung ausgelöst werden. Dies betrifft Pferde, die viel auf hartem und eventuell auch unebenem Boden laufen und arbeiten müssen.

Woran kann ich Hufrehe erkennen?
Hat ein Pferd einen akuten Anfall von Hufrehe, wird es sich aufgrund der Schmerzen nicht bewegen wollen. Also aufgepasst, wenn sich ein Pferd auf einmal extrem dagegen wehrt, beispielsweise beim Führen mit euch mitzugehen, oder wenn es beim Reiten nicht vorwärts geht! Wird ein Pferd trotz allem gezwungen, sich zu bewegen, so wird es unter allen Umständen versuchen, die Vorderbeine so weit wie möglich zu entlasten. In Wendungen zeigt sich die Lahmheit besonders deutlich.
Der Huf selber ist klopfempfindlich und warm bis hin zum Kronenrand. Pferde mit Hufrehe liegen oft längere Zeit auf einer Seite, und wenn sie aufstehen, dann nur mit Mühe.

Warum ist Hufrehe so gefährlich?
Bleibt die Erkrankung längere Zeit bestehen, so wird der Hufbeinträger in Mitleidenschaft gezogen. Das hat zur Folge, dass das Hufbein nach unten sinkt, eventuell auch rotiert und gegen die Hufsohle drückt. Diese wird flach oder wölbt sich sogar nach unten. In extremen Fällen kann das Hufbein sogar durch die Sohle brechen, dann ist kaum noch eine Behandlung möglich. Bei Hufrehe geht es also auf jeden Fall um Stunden! Wisst oder befürchtet ihr, dass euer Pferd Hufrehe hat, müsst ihr unbedingt sofort den Tierarzt holen!

Wie wird Hufrehe behandelt?
Die wichtigste Sofortmaßnahme besteht unbedingt darin, den Tierarzt zu rufen. Dieser entscheidet über die weitere Behandlung. Ein Aderlass kann helfen, kurzfristig das Blut zu verdünnen und so den Abbau der Stoffwechselstörung zu beschleunigen, ebenso wie verschiedene Medikamente. Weicher Untergrund erleichtert dem Pferd das Stehen. Eine Hufrehe ist ein Notfall – hier geht es wirklich um jede Stunde, die eher mit der Behandlung begonnen werden kann.
Hufrehe kann nur gestoppt, aber nicht geheilt werden. Die Veränderungen am Hufbein können nicht rückgängig gemacht werden. Ein erneuter Reheschub kann das Krankheitsbild verschlechtern.

Vorbeugende Maßnahmen
Will man Hufrehe vorbeugen, ist Vorsicht beim Füttern angesagt: nicht zuviel Getreide! Gefährdete Pferde, vor allem rundliche Ponys, sollte man nur auf mageren Weiden halten oder nur stundenweise auf fette Weiden lassen. Besonders übergewichtige Pferde sind betroffen; ehe es auf die Weide geht, sollte das Pferd daher von überschüssigem Gewicht möglichst frei sein. Das Anweiden muss auf jeden Fall sehr vorsichtig und langsam erfolgen. Bei Rehewetter (s.o.) wird die Weidezeit stark eingeschränkt.

Katinka Schnitker


* Zur Diskussion: Augen auf beim Pferde-Verkauf


Ein eigenes Pferd – gerade für einen „normalen“ Reitschüler ist das oft ein Traum. Und wenn dieser Traum dann auch noch in Erfüllung geht, scheint das Glück erst einmal vollkommen zu sein. Man beschäftigt sich mit seinem Pferd und baut eine Beziehung zu ihm auf, der Gedanke, es wieder zu verkaufen, liegt in scheinbar unerreichbarer Ferne ...
Und doch kann man schneller als gedacht in die Situation kommen, sich nach einem neuen Besitzer für seinen Vierbeiner umsehen zu müssen. Wer nun denkt, ein Pferd verkauft sich ebenso einfach wie ein lebloser Gegenstand, der irrt sich gewaltig. Mit einer Annonce in der Zeitung ist es hierbei noch lange nicht getan! Doch wie kann es eigentlich dazu kommen, dass man sein Pferd verkauft? Normalerweise gibt es in dieser Lage zwei Alternativen: Entweder man möchte sein Pferd „freiwillig“ verkaufen, oder man wird - meist durch äußere Umstände - dazu gezwungen.

Warum möchte man ein Pferd verkaufen?
Die Gründe hierfür sind selbstverständlich von Fall zu Fall verschieden. Doch oft spielen Ehrgeiz, Unzufriedenheit oder mangelndes Interesse eine Rolle. So ist zum Beispiel der Wunsch nach Turniererfolgen oft ausschlaggebend bei der Entscheidung, ein absolut ruhiges, verlässliches, vielleicht schon etwas älteres Anfängerpferd zugunsten eines erfolgversprechenderen Pferdes zu verkaufen. Ständige Probleme mit einem schwierigen Pferd oder auch die Erkenntnis, dass Pferd und Reiter einfach nicht zueinander passen, können zu einer Unzufriedenheit führen, die einen auch schnell auf die Idee bringen könnte, sein Pferd wieder loswerden zu wollen. Oft empfinden Reiter diese Situation als so festgefahren, dass der Verkauf des Pferdes der einzige Ausweg zu sein scheint.
Auch die Größe und das Gewicht des Reiters können zum Problem werden, nämlich dann, wenn man aus seinem Kinderpony langsam, aber sicher herauswächst.
Und dann besteht eben noch die Möglichkeit, dass man einfach das Interesse oder die Lust am Pferd und am Reiten verliert und, anstatt ständig im Stall herumzuhängen, vielleicht auch mal wieder ein paar anderen Hobbys nachgehen und von der ewigen Verantwortung befreit sein möchte.

Warum muss man ein Pferd verkaufen?
Auch hier gibt es natürlich verschiedene Gründe – doch am häufigsten sind Geld- und Zeitmangel.
So kann man durch eine Veränderung des Berufs oder der Lebenssituation im allgemeinen leicht in die Lage geraten, das geld- und zeitaufwendige Hobby Pferd einfach nicht mehr bewältigen zu können. Auch wenn es Kompromisse wie einen günstigeren Stall oder eine Reitbeteiligung gibt, kommt man oft um den Verkauf des Pferdes als vernünftigere Lösung nicht herum.
Es liegt nahe, dass die Trennung für den- bzw. diejenige, die dazu gezwungen wird, wesentlich schwerer ist als für jemanden, der diese Trennung aus eigenem Willen vollzieht, und dass diese sich deshalb eventuell auch mehr Gedanken um die Zukunft ihres Pferdes macht. Aber völlig egal, aus welcher Motivation man ein Pferd verkauft: In jedem Fall sollte man dafür sorgen, dass es ihm auch beim nächsten Besitzer gut geht.

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser
Dieser Spruch trifft beim Verkauf von Pferden den Nagel auf den Kopf. Vielleicht stellen sich einige vor, dass man sich, wenn man ein Pferd verkaufen möchte, mit den potentiellen Käufern trifft, sich anhört, was sie zu sagen haben, und wenn sich alles gut anhört, kann man ihnen mit gutem Gewissen das eigene Pferd überlassen. In der Realität funktioniert es so allerdings allzu oft nicht: Leider hat sich immer wieder gezeigt, dass auf mündliche Zusagen kein Verlass ist. Da verkauft man sein Pferd an eine nette Familie, wo es nach Möglichkeit für den Rest seines Lebens ein schönes Zuhause haben soll, und wenn man es dann einen Monat später besuchen möchte, ist es schon längst wieder weiterverkauft - kein Einzelfall!
Oder man verkauft ein Pferd aus gesundheitlichen Gründen ausdrücklich nur als Gesellschaftspferd und muss nach einiger Zeit mit Entsetzen feststellen, dass das arme Tier trotz starker Rückenschmerzen noch regelmäßig geritten wird.
Natürlich sind solche Fälle nicht unbedingt die Regel – aber es ist leider so gut wie unmöglich, solche Menschen von „anständigen“ Käufern zu unterscheiden.
Hinzu kommt noch, dass es bei einem Gespräch auch einfach zu Missverständnissen kommen kann. Während dem einen bei der Formulierung „pferdefreundliche Haltung“ vielleicht eine Weide vorschwebt, denkt der andere an eine große Box.
Deshalb ist der verantwortungsbewusste Verkäufer gezwungen, einfach alles und jeden selbst zu überprüfen.

Die Haltung
Dies beginnt schon bei der Haltung, denn diese ist einer der wichtigsten Faktoren, wenn es um das Wohlbefinden des Pferdes geht. Auch wenn ich ein Pferd noch so liebevoll behandle und es mit Leckerlis verwöhne, wird es niemals glücklich sein, wenn es dreiundzwanzig Stunden am Tag in einer Box vor sich hinvegetiert. Sympathische Käufer machen also eine mangelhafte Haltung des Pferdes nicht wieder wett. Jedes Pferd sollte artgerecht gehalten werden, das heißt im besten Fall ganzjährige Herdenhaltung auf großen Weiden und Ausläufen, mindestens aber große, offene Boxen mit täglichem Weidegang im Sommer und Winterausläufen.
Immer mehr Menschen legen auf pferdegerechte Haltung großen Wert, und so sieht man immer mehr Verkaufsanzeigen mit den Worten „Haltung vor Preis“. Solche Menschen sind ganz klar am Wohlbefinden ihres Pferdes interessiert. Doch auch wenn man einen bestimmten Preis für sein Pferd erzielen möchte/muss, sollte man so lange suchen, bis man einen Käufer findet, der sowohl den gewünschten Preis zahlt als auch eine gute Haltung bietet.
Um nun eine möglichst gute Unterbringung zu gewährleisten, reicht eben ein Gespräch mit den potentiellen Käufern nicht aus, denn was als schöne Box mit Auslaufmöglichkeit beschrieben wird, stellt sich manchmal als dunkler Verschlag mit der Möglichkeit, das Pferd einmal pro Woche für eine Stunde in ein mit Stacheldraht umzäuntes Matschloch zu stellen, heraus. Möchte man dies vermeiden, ist man also gezwungen, selbst aktiv zu werden und sich persönlich von den angepriesenen Haltungsbedingungen zu überzeugen. Stellt sich einem dabei ein Kaufinteressent in den Weg, dann sollte man ihn, auch wenn er noch so überzeugende Argumente vorbringen kann, warum man im Moment den Stall leider nicht besichtigen kann und weshalb dies auch wirklich nicht notwendig sei, direkt wieder aus der Liste der möglichen Kaufinteressenten aussortieren.

Auch beim Reiten muss es stimmen
Wenn man sein Pferd nicht gerade als Anfängerpferd verkauft und damit automatisch in Kauf nimmt, dass ihm jemand in den Rücken fällt oder am Zügel zieht, hat man zwei vernünftige Alternativen: Entweder man erwischt einen wirklich guten Reiter, was nicht ganz einfach ist, oder man findet jemanden, der zumindest schon so gut reitet, dass er dem Pferd nicht weh tut, und sich weiterhin um eine anständige Ausbildung bemüht. Welche Reitweise dabei bevorzugt wird, ist im Prinzip egal, wobei es sicherlich nicht besonders sinnvoll ist, einem Dressurreiter ein western-ausgebildetes Pferd zu verkaufen. Doch so lange das Pferd gut geritten wird, kann es ruhig dem Käufer überlassen werden, auf welche Weise das geschieht.
Ein bis dahin hauptsächlich im Gelände gerittenes Pferd kann also problemlos mit dem neuen Reiter ein paar Turniere bestreiten. Viel wichtiger als die Übereinstimmung der Reitweise oder der Turnierambitionen ist die Frage, wie es dem Pferd dabei geht.
Sinnvollerweise legen viele Menschen, die ein Pferd verkaufen, großen Wert darauf, dass es nach ihnen nicht mehr durch viele Hände wandert, denn ständiger Besitzerwechsel ist für ein Pferd, das normalerweise zu einer bestimmten Bezugsperson Vertrauen aufbaut, nicht besonders schön. Außerdem kann man nicht gewährleisten, dass alle Hände, durch die es in Zukunft gehen wird, auch wirklich gute Hände sind. Deshalb ist es sehr wichtig, dass eine möglichst gute Chance besteht, dass Pferd und Reiter auf Dauer miteinander glücklich werden.
Nun sollte man eigentlich davon ausgehen, dass die Käufer selbst darauf achten, dass das Pferd ihren Vorstellungen und Wünschen entspricht - und doch kommt es immer wieder vor, dass ein Pferd unüberlegt und vielleicht sogar nur aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes gekauft wird.
Gerade bei jüngeren Kaufinteressenten wird ein Pferd schnell nach der „Pferdebuch-Mentalität“ ausgesucht. Doch auch wenn ein temperamentvolles, nicht ausgebildetes Pferd noch so schöne Augen hat, einen ganz lieb anschaut und man sofort spürt, wie toll man zueinander passt, ist es noch lange kein besonders sinnvolles Anfängerpferd. Wenn sich die Theorie auch noch so schön anhört, auch in diesem Punkt ist die Praxis das Entscheidende: Auf ein gründliches Probereiten kann nicht verzichtet werden.

Zuviel des Guten?
Nun mag sich ja mancher fragen, ob dieser Aufstand nicht vielleicht doch etwas übertrieben ist. Schließlich möchte man ja „nur“ ein Pferd verkaufen ...
Gerade Leute, die ein Pferd verkaufen, sind oft mehr daran interessiert, alles so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen. Und doch meine ich, dass auch diese Menschen die Pflicht haben, dafür zu sorgen, dass es dem Pferd auch weiterhin gut geht. Wem das alles zu viel ist, der sollte sich meiner Meinung nach erst gar kein Pferd anschaffen – denn die Verantwortung für ein Leben bekommt man immer gratis mit dazu, ob man will oder nicht. Die Einstellung „nach mir die Sintflut“ ist hier ganz sicher fehl am Platz.
Bestimmt ist es besser, ein Pferd zu verkaufen, wenn man ihm selbst kein gutes Leben mehr bieten kann, doch am besten lässt sich ein unnötiger Verkauf durch einen überlegten Kauf vermeiden. Die Verantwortung für ein Pferd endet erst nach dem Verkauf - nicht etwa davor.
Katinka Schnitker


* Zum Wiehern: Hänger mein - Glück allein ...


Endlich! Endlich einmal eine Geschichte, in der es nicht um mich geht, in der es nicht darum geht, wie ich mich mit meinem eigenen Pferd blamiere. Nein, sogar ganz im Gegenteil wird diese Geschichte zeigen, dass auch andere pferdeerfahrene Leute an meinem Pferd gescheitert sind! Ich schreibe also mit viel Vergnügen und vor allem Schadenfreude.

Wer freundlich ist, hat selber Schuld...
Es war im Sommer vor einigen Jahren, ich wollte mein Pferd über die Ferien mit zu Verwandten nehmen. Meine Kusine bot mir freundlicherweise an, mein Pferd im Hänger mitzunehmen, ich sollte am nächsten Tag nachkommen. Sie fuhr also mit ein paar Freunden, noch nichts Böses ahnend, mein Pferd abholen. Einladen ließ er sich, für mein Pferd schon beinahe beunruhigend, lieb – ohne irgendwelche Anstalten zockelte er in den Hänger und blieb während der gesamten Fahrt ruhig und friedlich. So weit, so gut, sie kamen an, fuhren den Hänger in den Hof und wollten das Pferd, sich ihres Erfolges schon sicher fühlend, „nur“ noch ausladen. Wie also lädt man ein Pferd aus? Nun, man klappt den Hänger auf, bindet das Pferd los und führt es rückwärts hinaus. Haha – nicht mit meinem Pferd! Nicht mit diesem kleinen, dicken Norweger, den es noch nie sonderlich interessiert hat, was wir Menschen von ihm wollen.

Die Gedanken sind frei
Aus mir persönlich nicht bekannten Gründen hatte er beschlossen, dass es ein Ding der Unmöglichkeit sei, diesen Hänger auf dem üblichen Weg zu verlassen. Und so weigerte er sich, auch nur einen Huf zu rühren! Aber wer jetzt denkt, mein Pferd hätte sich aufgeregt oder wäre gar nervös im Hänger rumgesprungen, der irrt sich. Er machte gar nichts, stand in Seelenruhe im Hänger, behielt sein freundliches Naturell bei und ging keinen Schritt rückwärts. Als man dann mit mehreren Leuten an ihm rumschob, versuchte er, sich umzudrehen, was in diesem Hänger leider nicht möglich war - also blieb er, wo er war.

Hier bin ich und hier bleibe ich!
Nun wurden alle Register gezogen: Es wurde gelockt, geschoben, zugeredet, alles ohne Erfolg (allein die Vorstellung freut mich heute noch). Man kam zu dem Schluss: Das Pferd wird schon alleine rauskommen, schloss den Hof, ließ den Hänger offen, das Pferd unangebunden und ging Kaffeetrinken. Nach geraumer Zeit kehrten sie zurück, da waren der Hof, der Hänger und mein Pferd, allerdings immer noch im Hänger. Und genau da war die Geduld am Ende: Vier kräftige Leute betraten den Hänger, schnappten sich je ein Bein, und so verließ mein Pferd, halb getragen, halb geschliffen, nach Stunden den Hänger, ohne auch nur ein kleines bisschen nachgegeben zu haben.
Was soll ich noch groß sagen, die Geschichte spricht für sich. Aber meinem Pferd möchte ich noch einmal dafür danken, dass es solche Sachen wenigstens nicht nur bei mir macht! So etwas erfüllt einen Pferdebesitzer mit Stolz.

Katinka Schnitker


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