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Problempferde: Verwerfen - Notausrüstung - Holzhackschnitzel - Gnadenbrot - Zum Wiehern!

Equikids März 2012



Der seitliche Knick im Genick:

Wenn Pferde sich verwerfen, Teil I


Stellung und Biegung sind Grundbegriffe der Reitkunst und als solche fast jedem Schüler geläufig – zumindest dem Namen nach. Was genau dahinter steht und wie sie erritten werden, ist allerdings eine Frage, an der viele Reiter scheitern. Nach innen gezogene Pferdeköpfe haben mit Stellung wenig zu tun. Auch bedeutet ein krummer Hals nicht, dass das Pferd gebogen wäre. Ein besonders schwerwiegender Fehler ist das seitliche "Verwerfen" im Genick, da diese falsche Haltung jede Lektion zunichte machen kann und ausgesprochen schwer zu korrigieren ist. Zurück zu den Anfängen ist oft die einzige Lösung. Da ein Verwerfen in der Regel durch falsch gerittene Stellung und Biegung entsteht, betrachten wir zunächst diese Begriffe etwas ausführlicher.

Sauber trennen und klar definieren
So häufig die Worte "Stellung" und "Biegung" auch fallen, allein diese beiden Begriffe auseinander zu halten, scheint nicht so einfach zu sein. Deshalb hier vorweg eine Kurzdefinition:
Stellung - ist eine gleichmäßige, seitliche Biegung in den Ganaschen, also dem Übergang von Hals und Kopf. Korrekt ist die Stellung dann, wenn der Reiter das innere Auge des Pferdes "schimmern sieht" und die Ohren des Pferdes auf gleicher Höhe bleiben. Die Stellung ist von einer Biegung unabhängig. Bei manchen Lektionen wird ausdrücklich nur die Stellung verlangt, z.B. beim Schenkelweichen, wie in der Lektion "Viereck verkleinern und vergrößern". Der Körper des Pferdes bleibt dabei in seiner Längsachse gerade. Eine Biegung ohne Stellung andererseits ist nicht möglich.
Biegung – bezeichnet einen gleichbleibenden Bogen der gesamten Wirbelsäule des Pferdes vom Schweif bis zum vordersten Halswirbel. Das Pferd biegt sich dabei um das innere Reiterbein. Ein leicht erkennbares Merkmal für die korrekte Biegung bieten die Hufspuren des Pferdes. Nur wenn die Hinterfüße in einer Wendung auf der gleichen Linie laufen wie die Vorderbeine, ist das Pferd gleichmäßig gebogen. Verwirrenderweise sagt man in dem Fall auch: Das Pferd ist "geradegerichtet". Dieser Ausdruck hat nichts mit einer geraden Linie oder einem geraden Körper zu tun, er bezeichnet lediglich die Tatsache, dass die Hinterhand der Spur der Vorhand genau folgt. Unabdingbar verbunden mit der korrekten Biegung ist die korrekte Stellung, wie oben beschrieben.

Der "Selbstversuch"


a)
Stellung, am Beispiel des Schenkelweichens
Eine gute Verständnishilfe kann es sein, wenn sich der Reiter einmal selbst in den Vierfüßlerstand, auf Hände und Knie niederlässt. Sicher wird es für euch kein Problem sein, Kopf und Hals abwechseln nach rechts oder nach links zu drehen und trotzdem geradeaus weiter zu gehen (auf Ihren vier "Füßen"). Wenn ihr nun mit geradem Körper seitwärts kreuzen wollt, wenden sich Kopf und Hals automatisch ein wenig gegen die Bewegungsrichtung. Ihr habt die klassische Haltung des Pferdes beim Schenkelweichen eingenommen: leichte Innenstellung beim Kreuzen nach außen mit geradem Körper.
Die Erkenntnisse:
1. Die von der Reitlehre geforderte Haltung des Pferdes für diese Lektion ist keine abstrakte Vorgabe, sondern ergibt sich zwanglos und natürlich aus der gerittenen Bewegung.
2. Stellung ist auch ohne Biegung möglich.

b)
Biegung, am Beispiel einer Kreislinie und eines Seitengangs
Wenn ihr nun auf allen Vieren einen Bogen geht, werden ihr bemerken, dass eure Knie genau der Linie der Hände folgen –  ihr bewegt euch "geradegerichtet". Auch euer Kopf wird sich genau auf der beschriebenen Kreisbahn befinden. Das also ist eine korrekte Biegung. Euer Körper folgt eurem Blick und somit eurem Kopf. Haltet ihr Kopf und Hals gerade, wird euch eine gebogene Körperlinie nicht gelingen. Ihr werdet eher "bügelbrettartig" in vielen kleinen Geraden um die Ecke lawieren, um wenigstens ab und zu die Kreislinie zu treffen. Zurück in korrekter Biegung, nehmt ihr den Kopf vermehrt nach innen. Wahrscheinlich werdet ihr das Bedürfnis haben, auch eure gesamte Wirbelsäule stärker zu krümmen. In den Fall wird auch die Kreislinie beständig verkleinert. Wenn ihr den Versuch unternehmt, auf dem Zirkel den Hals mehr zu biegen als den Körper, wird eure "Hinterhand" mit ziemlicher Sicherheit "ausfallen", das heißt nicht mehr der Spur eurer Hände folgen können.
Jetzt versucht einen Seitengang im Travers, das heißt, ihr seid durchgehend gebogen und kreuzt nun in die Richtung, in die ihr blickt. Selbst wenn euer Körper bis dahin nicht korrekt gebogen war, wird er bei dieser Lektion nicht umhinkönnen, sich in die Bewegungsrichtung zu krümmen, da sonst das Kreuzen der "Hinterbeine" nicht gelingen kann.

Die Erkenntnisse:
1. Biegung ohne Stellung ist nicht möglich.
2. Ein Missverhältnis zwischen Stellung und Biegung verursacht Fehler.
3. Auch bei höheren Lektionen wie den Seitengängen ergibt sich die lehrbuchgemäße Körperhaltung des Pferdes zwanglos und natürlich aus der entsprechenden Bewegung.

Warum kommt es zu Fehlern?
Als Folge des "Selbstversuches" stellt sich quasi zwangsläufig die Frage:
Wenn sich die korrekte Haltung ganz natürlich und automatisch aus den Lektionen ergibt, warum machen die Pferde dann immer wieder so viele Fehler?
Die Antwort ist ebenso simpel wie deprimierend:
Weil sie geritten werden!
Ein Pferd ist nicht mit dem Reiter auf seinem Rücken geboren worden. Dieses zusätzliche Gewicht mit seinen eigenen Schwerpunktproblemen bedeutet fast immer eine Beeinträchtigung der eigenen Balance. Nichts kann ein Pferd so nachhaltig aus dem Gleichgewicht bringen wie ein Reiter. Nichts kann dem Pferd seine natürliche Bewegungsmechanik und –anmut so gründlich zerstören wie ein Reiter. Jeder "falsche" Schritt eines Pferdes, jedes "falsche" Ausweichen ist in der Regel begründet durch den Versuch des Tieres, mangelndes Gleichgewicht des Menschen abzufangen, eigene Schmerzen zu vermeiden oder falsche und widersprüchliche Hilfen umzusetzen. Dabei sollte es das Ziel jedes Reiters sein, gerade die umgekehrte Situation anzustreben. Reitkunst bedeutet unter anderem, die Balance sowie die Anmut und Leichtigkeit der Bewegungen des Pferdes unter dem Reiter einfühlsam zu unterstützen, zu fördern und zu perfektionieren.

Eine "Lanze brechen" für die Reiter
Als Erstes muss man sich eingestehen, dass es den absolut fehlerfreien Reiter nicht gibt, nicht gegeben hat und niemals geben wird. Die Unvollkommenheit des Menschen ist eine Bürde, mit der jeder von uns lebt.
Zum Zweiten kann man davon ausgehen, dass es auch das perfekte Pferd nicht gibt, nicht gegeben hat und niemals geben wird. Auch solch edle Geschöpfe tragen diesen "Makel".
Im Idealfall ergänzen sich Ross und Reiter in einer Weise, in welcher sie gegenseitig ihre Schwächen ausgleichen und ihre Stärken zum Vorschein bringen. Unglücklicherweise trifft man nur selten auf eine solche Konstellation. Und so ist es ganz normal und keine Schande, Fehler zu machen. Wichtig ist allein das ehrliche und ausdauernde Bestreben, sie zu erkennen und zu vermeiden.

Des Pudels Kern – Was genau ist "Verwerfen"?
Der Begriff "Verwerfen" beschreibt ein seitliches Kippen im Genick des Pferdes, wobei ein Ohr tiefer kommt als das andere. Auch die Maulwinkel sind nicht mehr auf gleicher Höhe. Die ganze Achse des Pferdekopfes befindet sich nicht mehr senkrecht vor dem Körper, sondern – bildlich gesprochen – seitwärts, wie ein arretiertes Pendel. Die Aufmerksamkeit des Pferdes ist oft nicht mehr in die Bewegungsrichtung ausgerichtet, sie gilt vielmehr dem Versuch, sich den Hilfen zu entziehen. Wenn der Reiter etwas bemerkt – was leider nicht immer der Fall ist –, dann nimmt er das Problem meistens zuerst in den Zügelhänden wahr. Durch den seitlich gekippten Kopf des Pferdes entsteht unterschiedliches Zuggewicht an den Maulwinkeln. Ein Tier, welches sich nach rechts verwirft, liegt schwer auf dem linken Zügel, da diese Maulhälfte nach unten drückt, wohingegen sich die rechte Maulhälfte anhebt und somit diesen Zügel entlastet. Beim Verwerfen nach links gilt gleiches umgekehrt. Anders als man es vermuten könnte, kämpft das Pferd aber nicht gegen den Zügel, auf welchen es sich legt, es ist vielmehr sein Bestreben, dem anderen Zügel auszuweichen. Es verweigert die vertrauensvolle Anlehnung auf der Seite, auf der es sein Maul anhebt.

Ute Forler


Im Falle eines Falles:

Die ultimative Notausrüstung


Stellt euch vor: Ihr denkt an nichts Böses, fahrt gemütlich durch die Gegend – und seht am Straßenrand ein Pferd stehen. Ohne Kopfstück, ohne Halfter, ohne Sattel... einfach so. Jeder Pferdemensch wird sofort darum bemüht sein, das Pferd irgendwohin zu bringen, wo es in Sicherheit ist.

Nur: Wie macht man das ohne Kopfstück, Halfter, Sattel o.ä.?

Viele Islandpferde sind es gewöhnt, dass man sie am Bart packt und führt. Über weite Strecken ist das aber auch unbequem, und sehr sicher ist es auch nicht. Außerdem ist das Pferd in diesem Beispiel leider ein Warmblut.


Die Lösung: Ein Strick

Ein Strick ist ein vielseitiges Hilfsmittel. Natürlich sollte es ein anständiger, ausreichend langer Strick sein, der aber auch bestimmte Eigenschaften haben muss:

 Er muss reißfest sein.

 Er muss sich mit einem Messer kappen lassen.

 Er muss biegsam sein.

 Er muss griffig sein.

 Er muss etwa drei bis vier Meter lang sein.


Mit einem Wort: Ein etwa fingerdicker Strick aus Naturfaser. Nylonstricke sind gut zum Abschleppen von PKWs, aber man kann sie kaum durchschneiden, wenn Not am Mann oder am Pferd ist.

Außerdem passen sie sich nicht wie ein Seil aus Naturfaser der Form an, also beispielsweise einem Pferdekopf oder der Hand.

Und wem einmal ein Nylonseil die Haut zerfetzt – „verbrannt“ - hat, weil es rasend schnell durch die Finger glitt, der weiß griffige Naturfasern zu schätzen. Das kann gedrehte Baumwolle sein, aber auch Flachs oder Kokosfaser.


So macht man ein Nothalfter

Zurück zu dem Pferd am Straßenrand. Natürlich wollt ihr es in Sicherheit bringen. Mit einem Strick von vier bis fünf Metern Länge kann man schon ein Pferd von der Straße holen, es führen und sogar anbinden.

Legt ihm also erst einmal den ausreichend langen Strick um den Hals, so dass es bei euch bleibt.


 Verknotet ein Strickende und macht gleich daran eine Schlaufe. Durch diese Schlaufe zieht das Seil so, dass sich eine große Schlinge bildet.

 Legt die Schlinge über dem Maul um den Kopf und umfasst mit ihr Ober- und Unterkiefer.

 Der Knoten mit der Schlaufe liegt auf der rechten Seite des Pferdekopfes.

 Nun legt ihr das Seilende über den Pferdekopf nach links und zieht es von oben nach unten durch die Schlinge.

 Schlingt es noch einmal um das „Backenstück“ des Halfters. Jetzt habt ihr ein Halfter, das sich auch auf Zug nicht zusammen zieht. Daran könnt ihr das Pferd vom Straßenrand holen, wegführen und sogar anbinden.


Ein gutes Taschenmesser

Ihr müsst nicht ständig eine Machete mit euch herumtragen. Aber ein gutes stabiles Taschenmesser, das auch ab und an geschliffen wird, hat schon manchem Pferd das Leben oder zumindest die Gemütsruhe gerettet.

Denkt dabei nicht an ein Taschenmesser mit ganz, ganz vielen Funktionen: Für Pferdeleute reicht eigentlich ein Taschenmesser, das wirklich gut schneidet. Eventuell ist ein zusätzlich eingebauter Hufkratzer noch sinnvoll, aber der ist meistens zu schwach, wenn es darum geht, verkantete Steine aus dem Hufeisen heraus zu hebeln.

Gute Taschenmesser bekommt man in allen Größen in Geschäften für Jagdbedarf, und sie sind nicht billig. Dennoch lohnt sich der Preis, weil sie tatsächlich strapazierfähig sind. In den Stall sollte man sich durchaus ein größeres Messer legen – wer weiß, wann man es braucht...


Hufkratzer verhindern Hufgeschwüre

Ein Stein, der sich unterwegs zwischen Huf und Eisen setzt, kann eine massive Lahmheit verursachen, die in einem langwierigen Hufgeschwür endet. Aber auch ein Stück Holz, das sich im Eisen verkantet, macht Ärger, weil es das Pferd am Gehen hindert. Ganz zu schweigen von dem im Winter aufgestollten Schnee im Huf, der ohne Hufkratzer nicht zu lösen ist.

Hufkratzer für unterwegs sollten einen gut fassbaren Griff aus Plastik haben. Die Metallhufkratzer, die in vielen Ställen benutzt werden, sind im Winter eisig in der Hand, mit dicken Handschuhen lassen sie sich darüber hinaus nicht packen. Achtet darauf, dass die Spitze des Hufkratzers, die mit dem Huf in Berührung kommt, nicht richtig spitz, sondern abgeflacht ist. Damit kommt ihr notfalls zwischen Eisen und Huf und verletzt die Sohle nicht. Außerdem könnt ihr einen an der Spitze abgeflachten Hufkratzer länger in der Jackentasche mitnehmen als einen spitzen (wegen der Löcher im Futter...).

Es gibt kleine zusammenklappbare Hufkratzer, die keine Löcher im Futter verursachen. Sie sind handlich und nett – aber wenn man wirklich einmal Kraft einsetzen muss, klappt das aufgrund ihrer runden Form in der Hand nicht. Es fehlt einfach die Hebelkraft des geraden Griffs.

So tut ein gar nicht teurer einfacher Hufkratzer aus Plastik, wie man ihn für wirklich wenig Geld in jedem Reitsportgeschäft bekommt, die besten Dienste.


Lampen geben Licht

Im Stall sollte man unbedingt eine vom Stromnetz unabhängige Lampe haben. Das kann eine starke Taschenlampe sein, die man im Winter allerdings gut warm einpacken muss, denn erfahrungsgemäss entladen sich Batterien in der Kälte sehr schnell.

Je nach Bauweise des Stalles kann es sogar eine der alten gut geschützten Petroleumlampen sein.

Am Stalleingang hat sich eine kleine auf Berührung reagierende Lampe bewährt, die batteriebetrieben ist und allerdings nur gedämpftes Licht gibt. Bei Stromausfall jedoch besser als gar nichts – und um die Taschenlampe zu finden, reicht es allemal.

Die sollte allerdings unbedingt immer am selben Ort liegen, denn gerade in Notsituationen hat man keine Zeit, Licht zu suchen.

Für die Hosentasche beim Ausreiten reicht eine Streichholzschachtel-große Taschenlampe.

Im Auto allerdings sollte immer eine starke Lampe liegen, die weit und auch breit leuchtet.


Nicht zu vergessen: Leckerlis!

Auch wenn ihr dagegen seid, Leckerlis zu verfüttern: Im Notfall kommt manches Pferd eher auf die ausgestreckte Hand zu, wenn es dort ein Leckerli sieht.

Und manches Pferd lässt sich mit einem Leckerli im Maul und den dazu gehörigen Streicheleinheiten leichter ein Nothalfter über den Kopf ziehen als ohne die süße Bestechung oder Belohnung.

Leckerlis sind eine nicht zu unterschätzende Hilfe in Notsituationen. Denn mit Futter verbinden Pferde immer Positives, Kauen beruhigt.

Viele Pferde sind es auch gewöhnt, Leckerlis als Belohnung zu bekommen, und verbinden diese Erfahrung auch in der Notsituation mit Positivem = „Ich mache gerade alles richtig, mich erwartet keine Strafe, sondern nur Angenehmes.“ Das beruhigt ungemein – nicht nur Pferde.

Steckt euch also ruhig ein paar Leckerlis in die Hosentasche, wenn ihr ausreitet, oder legt euch einige ins Auto zur Notausrüstung. Das hat nichts damit zu tun, dass man Pferde verhätschelt.


Die ultimative Notausrüstung

Man kann nicht ständig für alle Notfälle gerüstet sein, aber schon mit ein paar Dingen kann man dafür sorgen, dass Notfälle nicht in Katastrophen ausarten.


Das solltet ihr im Auto haben:

 Einen griffigen, ca. 3-4 m langen Strick

 Ein kräftiges Messer

 Eine Taschenlampe

 Eine Leuchtweste

 Natürlich ein Handy

 Eventuell einen „Not“-Fotoapparat, wie man ihn für Autopannen benutzt

 Verbandskasten (der sowieso Pflicht ist)


Das solltet ihr griffbereit im Stall haben:

 Passende Halfter für alle Pferde

 Ausreichend Stricke

 Ein kräftiges Messer

 Eine Taschenlampe

 Handy oder Telefon mit gespeicherten Notfallnummern

 Notfallapotheke für Pferde


Auf dem Ausritt in der Hosentasche oder am Pferd:

 Einen griffigen, 3-4 m langen Strick

 Ein gutes Taschenmesser

 Evtl. zusammenklappbarer Hufkratzer

 Handy mit gespeicherten Notfallnummern


Das alles passt in die Hosen- und Jackentasche, und mit dieser Ausrüstung kann eigentlich nichts mehr passieren.

Wenn euch jetzt ein Pferd begegnet, wenn ihr vom Pferd fallt, euer Pferd sich verletzt oder ein Stein sich im Huf verkantet – diese Notausrüstung reicht aus. In allergrößter Not könnt ihr Hilfe per Handy holen. Pech, wenn ihr gerade in einem tiefen Tal ohne Empfang seid – aber Leuchtraketen sind wirklich etwas übertrieben als Notausrüstung ...

Uta Over


Holzhackschnitzel –

eine diffizile Angelegenheit


Sind Holzhackschnitzel eine umweltfreundliche Alternative?Eine Alternative durchaus nicht, denn auch Sand ist umweltfreundlich – aber umweltfreundlich in jedem Fall, denn Holzhackschnitzel stammen von nachwachsenden Rohstoffen und sind oft ein Nebenprodukt.

Holzhackschnitzel werden mehr und mehr als Heizmaterial für bestimmte Heizungsanlagen entdeckt. Dennoch sind sie immer noch auf Paddocks, größeren Ausläufen und sogar auf Reitplätzen zu finden. Zwar sind Holzhackschnitzel ein relativ preiswerter Belag – aber man darf sich nicht täuschen: Die Anschaffung ist oft billig, aber nur dann, wenn man nicht im Spezialbetrieb kauft. Und der Belag muss relativ oft gewechselt werden, weil er zertreten wird. Je nach Ort entsteht dann entweder eine puderige Masse (Reithalle) oder durch den Regen bzw. Bodennässe ein tiefer oder glitschiger Untergrund.

Rechnet man das um, sind Holzhackschnitzel oft nicht preiswerter als Sand.


Wo kann man Holzhackschnitzel aufbringen?

Holzhackschnitzel – allerdings die von der teuren Sorte vom Fachhandel, ordentlich sortiert und getrocknet, ohne Rinde und somit auch relativ teuer – sieht man gelegentlich in Reithallen. Hier bilden sie einen federnden Untergrund, wobei man darauf achten muss, dass der Boden darunter nicht rutschig ist, denn sonst rutschen auch die Pferdehufe auf den Holzhackschnitzeln. Regelmäßig und nur fein beregnet ist solch ein Boden für längere Zeit eine angenehme Unterlage.

Auf Außenplätzen sind Holzhackschnitzel nur dann geeignet, wenn der Untergrund wasserundurchlässig ist und zu einer Seite des Platzes hin eine Neigung hat, so dass das Regenwasser zügig abläuft. Erfüllt der Untergrund diese Kriterien nicht, bildet sich auch bei bester Pflege innerhalb kürzester Zeit ein relativ matschiger Hufschlag, der immer tiefer wird.

Holzhackschnitzel werden oft für Ausläufe verwendet – aber auch hier sollten die Erwartungen nicht allzu hoch geschraubt werden. Selbst hochwertige Eichenholzschnitzel, die tatsächlich nicht billig sind, zeigen bereits nach einigen Monaten deutliche Zerfallserscheinungen, womit der Boden seine Elastizität verliert. Allerdings sind die Hackschnitzel dann ähnlich wie Rindenmulch dazu geeignet, das Unkraut zu unterdrücken bzw. zu vertreiben.

Hervorragend sind Holzhackschnitzel überall dort einzusetzen, wo sie an Ort und Stelle bleiben, wo der Untergrund wasserdurchlässig ist, und wo man sie gegebenenfalls schnell austauschen kann.

Auf dem Alten Lescherhof in Cochem hat man mit der „Pferdetoilette“ für Holzhackschnitzel, die auf dem Auslauf zertreten und somit unbrauchbar wurden, eine hervorragende Lösung gefunden: In dem Sommerauslauf, auf dem normalerweise keine Holzhackschnitzel liegen, ist mit Rundhölzern ein großes Geviert abgesteckt. In diesem Geviert ist eine dicke Schicht alter Holzhackschnitzel deponiert – die Pferde lieben ihr „Klo“ und gehen freiwillig lieber dorthin als auf den glatten Boden des Auslaufs. Die tägliche Entsorgung der Pferdetoilette auf den Misthaufen und Neufüllung mit alten Holzhackschnitzeln ist ein ökologischer Rundlauf.


Welche Hölzer sind geeignet?

Pferde meiden in ihrer natürlichem Umgebung instinktiv giftige Hölzer. Nur so konnte es beispielsweise sein, dass auf einem Turnierplatz im Rheinland fast ein Jahrzehnt lang eine Gruppe Robinien (falsche Akazie) stand, ohne dass ein Pferd daran geknabbert hätte. Als es dann zwei gemeinsam taten, war das allerdings ihr Todesurteil. Sie starben innerhalb von wenigen Stunden.

Fast alle hochgiftigen Hölzer werden von den Pferden also instinktiv gemieden... solange sie „lebendig“ sind. In zerschnittenem, getrockneten und mehrfach verarbeiteten Zustand erkennen die Pferde diese Hölzer oft nicht. Hinzu kommt, das diese Hölzer dann auf einer Fläche liegen, auf der die Pferde sich möglicherweise langweilen, also z.B. in einem Paddock. Da wird im Belag geschnüffelt, dessen Einzelteile gar nicht mehr individuell erkennbar sind. Einige hundert Gramm giftigen Materials können hier ohne weiteres aufgenommen, sogar noch genüsslich zerkaut werden – und schwerste Vergiftungen hervorrufen.

Geeignet sind also Hölzer wie Eiche und Buche, aber auch Weide und Birke, Hasel, Hainbuchen und Apfelbäume, wobei diese im Fachhandel kaum verwendet werden. Die Eiche hat den Vorteil, dass sie einen hohen Anteil an Gerbstoffen beinhaltet, der selbst den Pferden zu bitter ist und daher ungern aufgenommen wird. Alle anderen Hölzer sind gut verträglich und werden teilweise sozusagen „zum Nachtisch“ verzehrt oder aus Langeweile aufgenommen. Bei geringeren Mengen ist dagegen nichts einzuwenden. Werden allerdings große Mengen davon aufgenommen, muss man darüber nachdenken, die Raufuttermenge zu erhöhen.

Problematisch hingegen sind Walnussbäume und Eschen. Walnussbäume enthalten sehr viel Gerbstoffe in Holz, Rinde und Blättern des Walnussbaumes, die zwar hervorragend Insekten abhalten und auch bei Sommerekzem etc. in der Tierheilkunde eingesetzt werden, aber nicht von den Pferden aufgenommen werden sollten. Was viele Tierhalter nicht wissen: Bei der Esche sind Holz, Rinde und Blätter giftig.

Ungeeignet sind selbstverständlich hochgiftige Bäume wie Eibe, Robinie, Traubenkirschen, Pfaffenhütchen und alle exotischen Hölzer, die von den Pferden per se oft nicht als giftig erkannt werden, aber tödlich wirken oder lang anhaltende Vergiftungen hervorrufen können.

Nicht direkt giftig, aber in größeren Mengen doch bedenklich sind heimische Nadelhölzer wie Fichte und Tanne. Sie enthalten einen hohen Anteil an Harzen – und dafür ist der Verdauungstrakt der Pferde nicht ausgelegt. Hinzu kommt, dass diese Weichhölzer schnell zertreten werden und daher nur eine recht kurze Lebensdauer haben.


Wo kauft man am besten?

Es gibt viele Möglichkeiten, Holzhackschnitzel umsonst, billig oder teuer zu kaufen. Umsonst oder fast umsonst bekommt man Holzhackschnitzel bei vielen Straßenmeistereien. Im ausgehenden Winter werden die Bäume und Sträucher an den Landstraßen geschnitten und meistens an Ort und Stelle gehäckselt.

Je nach Straßenmeisterei wird das anfallende Häckselgut liegen gelassen und soll zu Humus zerfallen, oder es wird zu großen Sammelstellen gebracht. Oft ist es für die Straßenmeistereien einfacher, einen oder mehrere LKWs bei näher gelegenen Pferdehaltern abzuladen, als sie zur weit entfernten Deponie zu fahren. Mit etwas Verhandlungsgeschick bekommt man so seine Holzhackschnitzel kostenlos vor Ort gefahren.

ABER: Es ist völlig unsicher, wie dieses Häckselgut zusammengesetzt ist. In den letzten Jahrzehnten wurden nicht nur exotische schnell wachsende Sträucher an Autobahnen und Landstraßen angepflanzt, viele Sträucher und Bäume haben sich auch selbst gesetzt. Das sind oft Pflanzen, die mit Schiffscontainern oder Flugzeugen als Samen aus dem Ausland her kamen und hier teilweise ideale Bedingungen vorfanden – man denke nur an den Riesenbärenklau, jene hochgiftige Pflanze, die sich unglaublich schnell verbreitet und kaum auszurotten ist. Ähnlich ist es mit vielen Straßenbepflanzungen. Also sollte man Holzhackschnitzel nur von Straßenmeistereien holen, die bereit sind, einem die Abschnitte zu zeigen, an denen das Grüngut gehäckselt wird.

Holzhäcksel „vom Nachbarn“ ist mit Sicherheit kostenlos, sollte aber rigoros abgelehnt werden – es sei denn, man weiß genau, dass nur die Haselhecke oder die Krüppelweiden gehäckselt wurden. Und selbst dann ist das Häckselgut meistens minderwertig, weil zu viele kleine Äste und Blätter darunter waren, die einen hohen Feuchtigkeitsgehalt und wenig Festigkeit haben, so dass sehr bald alles zu Matsch zertreten wird.

Bleibt der Fachhandel – und der ist mit Recht teuer. Hier hat man die Gewähr, dass nur ungiftige Harthölzer verwendet werden. Und es werden Hackschnitzel ohne Rinde verkauft, was die Haltbarkeit des Materials deutlich erhöht. Rechnet man das auf die Zeit um, ist der Preis gerechtfertigt.

Uta Over


Wenn das Pferd alt wird:

Gnadenbrot – aber richtig....


Bei dem Begriff Gnadenbrotpferd drängt sich vielen Reitern das Bild eines alten, aber dennoch glücklichen Pferdes auf, welches sein Leben noch in vollen Zügen genießt, während es in der warmen Sommersonne Gras fressend über eine große Weide wandert. Dieses Pferd hat die Anforderungen, die der Mensch an es gestellt hat, hinter sich gebracht und verdient es nun auch, ein bisschen verwöhnt zu werden.

Ein schöner Gedanke an das Dasein als Gnadenbrotpferd, wie wir es uns durchaus auch für unser eigenes Pferd später einmal vorstellen können...

Doch wer sich in den Ställen einmal etwas genauer umschaut, der weiß, dass dieses Bild vom Gnadenbrot von der Realität viel zu oft weit entfernt ist: Wird einem in einem Stall ein Pferd als Gnadenbrotpferd vorgestellt, gehört zu diesem meist auch dieselbe traurige Geschichte, dass nämlich der Besitzer sein Pferd mehr oder weniger abgestellt hat und nun alle zwei Monate kurz vorbeischaut und dessen Gnade darin besteht, dass er immerhin noch die Stallmiete zahlt, während er auf die Nachricht vom Tod seines Pferdes wartet.

Und auch das Äußere dieser Pferde lässt nicht oft darauf schließen, dass diese Pferde ihr Leben wirklich noch genießen: Hier kann man schon mal viel zu dünne Pferde mit glanzlosem Fell sehen. Oft sind auch Dinge wie entzündete Augen oder kleinere Verletzungen scheinbar unentdeckt und unbehandelt. Auch der Zustand der Hufe lässt häufig vermuten, dass der letzte Hufschmiedtermin schon sehr lange zurück liegt.

Doch wie kann es kommen, dass Realität und Absicht beim Gnadenbrot so weit auseinander liegen? Schließlich kann man davon ausgehen, dass jeder, der seinem Pferd ein Gnadenbrot gibt, ihm eigentlich etwas Gutes tun möchte. Vielleicht liegt es daran, dass es, um ein Pferd zu haben, welches glücklich ber eine Weide geht, nicht ausreicht, es auf eben dieser abzustellen.


Warum Gnadenbrot eine Frage des Gewissens ist

Manchmal hat man leider wirklich das Gefühl, dass die Besitzer ihrem Pferd mehr um ihr Gewissen zu beruhigen noch ein Gnadenbrot zugestehen, schließlich hört es sich ja auch nicht so besonders gut an, wenn man sagt, mein Pferd war nicht mehr ganz fit, da habe ich es halt schlachten lassen. Nein, man wird auf Sympathie und Bewunderung stoßen, wenn man verkünden kann: Mein Pferd bekommt jetzt sein Gnadenbrot. Allerdings scheinen viele ihre Pflichten dem Pferd gegenüber schnell zu vergessen, als hätten sie allein mit der Entscheidung, dem Pferd noch sein Gnadenbrot zu gönnen, schon ihre Schuldigkeit getan, doch muss man sich wirklich nicht weiter um sein Pferd kümmern? Und auch wenn man seinem Pferd wirklich etwas Gutes tun möchte, dürfen dann solche Nachlässigkeiten wie mangelnde Pflege auftreten? Fängt nicht viel eher mit dem Gnadenbrot die Zeit an, in der man seinem Pferd zurückgeben kann, was es die ganzen Jahre zuvor für einen geleistet hat?

Wenn man sich also dazu entschließt, seinem Pferd Gnadenbrot zu geben, so sollte man dies auch mit allen nötigen Konsequenzen, vernünftig und durchdacht tun. Mit dem Gnadenbrot hört nämlich die Verantwortung des Besitzers nicht auf, und oft nimmt der Zeitaufwand für sein Pferd mit dem Alter eher zu als ab. Plötzlich tauchen nämlich altersbedingte neue Ansprüche und Probleme auf, die es liebevoll und fürsorglich zu bewältigen gilt.


Der richtige Zeitpunkt

Den richtigen Zeitpunkt zu finden, scheint nicht so einfach zu sein, da man leider oft Pferde sieht, die durchaus noch leistungsfähig sind und einen schönen Ausritt und etwas Bewegung sehr wohl zu schätzen wüssten, aber nur noch auf der Weide stehen und genauso kann man Pferde sehen, die schon lange ihren Ruhestand verdient hätten, aber immer noch weiter gefordert werden, dies dann auf Kosten der Gesundheit und im schlimmsten Falle unter Schmerzen.

Das Pferd wird also älter, und die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt wird konkret: Wacht man einfach eines Morgens auf und beschließt: So, ab heute bleibt mein Pferd auf der Weide? Wohl kaum, vielmehr ist dies ein langsamer Prozess, den man als aufmerksamer Pferdebesitzer über Jahre hinweg mitverfolgen kann.

Mit der Zeit nimmt das Leistungsvermögen ab, das Pferd ist nicht mehr so belastbar und auch äußerlich hinterlässt das Alter seine Spuren, wie etwa ein durchhängender Rcken, vermehrtes Auftreten von weißen Stichelhaaren, Vorbiegigkeit der Vorderbeine oder eingefallene Augenhöhlen. Oft kommen auch Beschwerden wie etwa das Nachlassen der Sehkraft oder auch eine Schwächung des Muskel- und Bindegewebes hinzu.  

Wann ein Pferd dann zum Gnadenbrotpferd wird oder sinnvollerweise werden sollte, hängt natürlich auch von der Definition dieses Begriffes ab: Manche machen mit ihrem Gnadenbrotpferd nämlich noch jeden zweiten Tag einen schönen Ritt durchs Gelände, während für andere Gnadenbrot eher bedeutet, dass man sein Pferd mit dem Löffel füttern muss. Ich rede hier bei dem Begriff Gnadenbrotpferd von Pferden, die zwar körperlich noch gesund sind, also keine Krankheiten oder Beschwerden haben, bei denen eine endgültige Lösung sprich der Tod für sie besser wäre, da sie sonst mit Schmerzen leben müssten, für die aber zum Thema Belastbarkeit höchstens ab und zu noch ein kurzer Schrittausritt in Frage kommt. Pferde, die also als Reit- und Arbeitstier nicht mehr wirklich in Frage kommen.

Wann dieser Zeitpunkt gekommen ist, ist von Pferd zu Pferd verschieden, kann also nicht generell angegeben werden und sollte bei Bedarf auch in Zusammenarbeit mit einem Tierarzt im Laufe der Zeit ermittelt werden.


Artgerecht für Jung und Alt

Zum Glück scheint es den meisten Besitzern bewusst zu sein, dass ein Pferd, welches nicht mehr jeden Tag geritten wird, auf keinen Fall in die reine Boxenhaltung gehört; und so landen dann auch viele alte Pferde, wenn sie nicht schon vorher robust gehalten wurden, im Alter noch im Offenstall.

Bei dieser Haltungsform, die im Ansatz sehr positiv ist, gelten jedoch nicht die gleichen Maßstäbe für junge und für alte Pferde:

Der Offenstall bietet zwar Gesellschaft und Bewegung, jedoch ist die Betreuung der einzelnen Pferde oft nicht so intensiv. Raufutter wird für alle Pferde gemeinsam zur Verfügung gestellt, und die Fütterung von Kraft- und Mineralfutter liegt meistens noch bei den Besitzern selber.

Nun können alte Pferde oftmals nicht mehr so gut kauen, selbst wenn ihre Zähne noch einigermaßen in Ordnung sind, brauchen sie einfach etwas mehr Zeit und Ruhe beim Heu und Stroh fressen als ihre jungen Kollegen. Und während ein altes Pferd noch vor sich hinmümmelt, kann der zur Verfügung gestellte Heuballen schon mal schnell in den Bäuchen der umstehenden Pferde verschwunden sein.

Es muss einem alten Pferd also ein ruhiger und ungestörter Platz zum Fressen zur Verfügung stehen, was in einem normalen Offenstall schon schwierig werden kann.

Auch die Ansprüche an Kraft- und Mineralfutter nehmen im Alter in der Regel zu. So sind für ein altes Pferd mehrere kleine Portionen von hochwertigem Futter notwendig, auch diese sollte es natürlich wieder in Ruhe fressen können. Ideal wäre hier also die Möglichkeit, das Pferd zum Fressen in eine Box oder einen abgetrennten Futterstand stellen zu können.

Auch auf der Weide, im Paddock oder Offenstall kann es zu Problemen kommen:

Alte Pferde brauchen oft viel mehr Zeit, um sich hinzulegen und auch um wieder aufzustehen. So gibt es einige Fälle von alten Pferden, die sich draußen nicht mehr gerne hinlegen. Ich kenne zum Beispiel ein altes Pferd, das, wenn es abends von der Weide in seine Box kommt, sich sofort zufrieden hinlegt und erst einmal ein bisschen ausruht. Die Ansprüche des Pferdes an seine Haltung ändern sich also, und viele Reiter zeigen sich überrascht, wenn ihr Pferd, das seit Jahren glücklich und gesund im Offenstall lebt, mit der Zeit immer dünner wird und körperlich abbaut. Je nach Pferd kann im Alter also eine kombinierte Box- und Weidehaltung von Vorteil sein. Dies bedeutet jedoch für den Besitzer manchmal sogar mehr Zeit und auch Geld als früher.


Probleme der Jahreszeiten

In Sommer und Winter gibt es verschiedene Probleme, welche mit zunehmendem Alter immer gewichtiger werden können:

Manches alte Pferd, auch wenn es immer robust gehalten wurde, kann in der kalten Jahreszeit die notwendige Energie zum Warmbleiben nicht mehr aufbringen; gerade wenn ein altes Pferd kein richtiges Winterfell mehr ausbildet, sondern nur die so genannten Grannenhaare, welche keinen ausreichenden Schutz bieten, kann ein feuchtkalter Winter dazu führen, dass das Pferd frierend draußen steht. Hier kann etwa eine Thermodecke eine Lösung sein, mit der alte Pferde auch bei frostigen Temperaturen noch problemlos über die Weide ziehen können. Und auch hier ist wieder der Einsatz des Besitzers gefragt!

Im Sommer hingegen kann die Hitze den Alten zu schaffen machen, sie brauchen also auf jeden Fall Schatten; und an besonders heißen Tagen ist es auch schon mal besser, zumindestens die Mittagshitze in einem kühleren Stall zu verbringen, da alte Pferde anfälliger für Kreislaufprobleme und in schlimmeren Fällen für einen Hitzschlag sind.

Und auch die Insektenplage hört nicht auf, wenn ein Pferd nicht mehr geritten wird, auch Gnadenbrotpferde freuen sich über ausreichenden Fliegenschutz, doch leider sieht man gerade diese oft mit entzündeten Augen auf der Weide stehen.

Auch hier brauchen alte Pferde wieder eher mehr Arbeit und Rücksichtnahme als ihre jüngeren Artgenossen.


Die richtige Herde

Auch die richtige Herde ist entscheidend. So ist ein altes Pferd in einer Jährlingsherde sicher nicht besonders gut aufgehoben: Denn während die Jungen toben, wird das alte Pferd entweder alleine und resigniert in einer Ecke stehen oder verzweifelt um Anschluss bemüht sein. In einer ruhigen Herde aber, in der es am besten noch einige Alte gibt, kann man es sich auf der Weide in aller Ruhe gut gehen lassen.

In unserem Stall konnte man zum Beispiel gut beobachten, wie sich die alten Pferde zusammentaten und das wilde Treiben der jüngeren Generation lieber aus der Ferne beobachteten. Nicht das unsere Alten sich gelangweilt hätten, ganz im Gegenteil haben sie auch noch gespielt und getobt und bei der passenden Gelegenheit allerhand Blödsinn angestellt, aber eben alles in Maßen und mit der richtigen Anzahl an Ruhepausen dazwischen.

Man sollte seinem Pferd also die Möglichkeit geben, auf Gleichgesinnte zu treffen, damit es weiterhin integriert bleibt und unbeschwert am Herdenleben teilnehmen kann.


Gnadenbrot heißt nicht Langeweile

Besonders traurig ist es auch, dass sich viele Pferdebesitzer als äußerst phantasielos erweisen: Denn für sie scheint es außer dem Reiten nicht mehr viel zu geben, was man mit seinem Pferd unternehmen könnte. Doch auch alte Pferde brauchen Abwechslung! Je nach Zustand des Pferdes kann das zum Beispiel ein kleiner Schrittausritt, ein schöner Spaziergang oder auch ein wenig Bodenarbeit sein. Manche üben mit ihren Alten auch noch einige Kunststückchen ein oder nehmen sie auf ruhigeren Ausritten als Handpferd mit. Hier ist also Kreativität gefragt; und ein Pferd, dass immer noch mit neuen Reizen konfrontiert wird und mit dem man sich immer noch regelmäßig beschäftigt, bleibt oftmals noch viel länger munter und gesund als ein vernachlässigtes.

Zum Gesundbleiben gehört natrlich noch mehr, und so sollte es eigentlich ganz selbstverständlich sein, dass auch alte Pferde noch regelmäßig geimpft und entwurmt werden. Und auch die Hufe sollten ganz normal weiter gepflegt und nachgeschaut werden.


Gnadenbrot – aber richtig!

In all diesen Überlegungen zeichnet sich also eines recht deutlich ab: Mit dem Gnadenbrot endet nicht etwa der Zeitaufwand und die Fürsorge des Besitzers, nein im Gegenteil fängt dies mit dem Gnadenbrot erst richtig an.

Seinem Pferd, solange es noch Spaß am Leben hat und ohne Schmerzen läuft, ein Gnadenbrot zu geben, ist in meinen Augen durchaus richtig, solange man es eben gut macht. Liebevolle Zuwendung und sorgfältige Pflege sind hier angebracht, und wer nicht bereit ist, sich im Alter um sein Pferd zu kümmern, sondern es bestenfalls noch irgendwo abstellt, der hat meiner Meinung nach auch die Jahre zuvor, als das Pferd noch gänzlich einsatzfähig war, nicht verdient!

Katinka Schnitker


Zum Wiehern:

Sei gegrüßt!


Auch wenn sich Reiter nicht immer nur gut verstehen, gibt es doch so etwas wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl in der großen glücklichenFamilie der Pferdefreunde.

Aufgrund dessen haben sich auch einige Umgangsformen entwickelt, wie etwa die Tatsache, dass sich Reiter, die sich im Gelände  treffen, gelegentlich grüßen.

Nun hört sich das ja wirklich mehr als einfach an: Man reitet also ins Gelände, sichtet einen Menschen, der sich ganz offensichtlich zu Pferd fortbewegt, und grüßt diesen. Aber weit gefehlt! Wen man wann, wie und warum im Gelände grüßt, lernt man in der Regel erst nach einigen Jahren. Auch ich musste durch viele Fettnäpfchen reiten, bevor ich dieses Ritual wenigstens einigermaßen durchschaut habe...

Schwierig wird auch dieser Bereich der Reiterei, wie so viele andere, durch die verschiedenen Gruppen, die durch Reitweisen oder Rassenvorlieben entstehen.


Wer grüßt wen?

Doch fangen wir mit den einfachen Dingen an: Wer sich auf jeden Fall immer grüßt, sind gleichgesinnte Reiter auf gleichwertigen Pferden. Zum Beispiel grüßt jeder Großpferde-Dressurreiter einen anderen Großpferde-Dressurreiter, ebenso grüßen sich Кleinpferde-Freizeitreiter. Etwas komplizierter wird es schon bei Schwankungen der Pferdegröße: Begegnen sich nämlich ein Großpferde-Dressurreiterund ein Кleinpferde-Dressurreiter, kommt es meistens zu einem peinlichen Moment des Überlegens, ob man nun grüßt oder nicht. Diese Entscheidung wird jedoch durch kleine Accesoires erleichtert: So ist die Grüßungswahrscheinlichkeit sehr hoch, wenn beide mit Martingal unterwegs sind, wohingegen es bei einem mit und einem ohne Martingal oder noch ganz verschiedenen Ausbindern meist nicht zum Gruß kommt.

Bei Freizeitreitern ist es ähnlich, nur dass es dort dann mehr um Westernzügel oder gebisslose Zäumungen geht.

Leicht ist das Ganze bei Reitern, die man besser kennt, da man diese in der Regel ja so oder so ignoriert und viel zu sehr damit beschäftigt ist, vor ihnen etwas anzugeben, um noch Zeit zum Grüßen zu haben.

Es grüßen sich also unbekannte Reiter der gleichen Gruppe und Pferdegröße, wobei unterschiedliche Größe durch Übereinstimmung der Ausrüstung überwunden werden kann.

Trifft man einen Reiter, der sich einem selber etwas überlegen fühlt, wird man von diesem verachtend übersehen werden, trifft man hingegen einen Reiter, der sich einem völlig überlegen fühlt, erntet man einen arrogant-mitleidigen Gruß.


Wie man es richtig macht:

Nun muss man sich nicht zwangsweise an diese Regeln halten. Tatsächlich ist es sogar möglich, jeden Reiter zu grüßen und sogar von ihm zurückgegrüßt zu werden, wenn man sich etwas Mühe gibt:

Eingefleischte Großpferdereiter grüßt man am besten mit den Worten: Hallo, mein richtiges Pferd ist noch im Stall! Bei Ponyreitern bietet sich dagegen eher etwas an wie: Als ich ihn kaufte, war er viel kleiner!

Isländerreiter muss man schnell grüßen, da sie ja immer an einem vorübertölten - dies macht Konversation schwierig; will man sich dennoch beliebt machen, kann man ihnen noch eine nette Bemerkung über die Mähne ihres Pferdes hinterherrufen.

Für den richtigen Gruß eines Westernreiters sollte man immer einen Cowboyhut dabei haben, an den man, gesetzt den Fall, man bekommt ihn schnell genug aufgesetzt, lässig tippen kann. Profigrüßer imitieren zusätzlich mit einem Schlüssel das Geräusch von Rädchensporen, dies gilt jedoch in vielen Gegenden als übertrieben.

Bei Freizeitreitern sollte man auf jeden Fall zusätzlich zum verbalen Gruß freundlich mit beiden Händen winken, um zu zeigen, dass man im Einklang mit seinem Pferd am gaaaaanz langen Zügel reitet.

Bei Dressurreitern hingegen schiebt man am besten eine kleine Demonstration seines Könnens vor den Gruß, also merke: erst fliegender Galoppwechsel, dann grüßen.

Um auch die ganzen Zwischenstufen bewältigen zu können, bleibt einem nichts anderes übrig als üben.

Einzig und allein, wenn man unkontrolliert und im vollen Galopp an einer Anfängerausreitgruppe vorüberprescht, ist es völlig egal, auf welche Weise man grüßt Hauptsache freundlich!

Katinka Schnitker



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