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Bockende Pferde, Teil IV - Der März - Druse - Das Pferd an der Ecke - Auf zur Equitana!


Equikids 03/2011


* Bockende Pferde

Teil IV

Luftsprünge mit gekrümmten Rücken und dem Kopf zwischen den Beinen, bei denen das Pferd mit allen vier Füßen gleichzeitig sich (und den Reiter) hochkatapultiert, werden allgemein als "Bocken" bezeichnet. Gleichzeitige seitliche Drehungen des Pferdekörpers erschweren die Situation ganz gemein. Von sieben ausgesuchten Gründen für solch eine Verhaltenweise wurden die ersten fünf bereits genauer besprochen. Heute geht es weiter mit den genaueren Betrachtungen zu den Punkten 6. und 7.
Zur Erinnerung noch einmal alle sieben Ursachen:

Warum bocken Pferde?
1. Das erste, sozusagen "jungfräuliche" Bocken eines Pferdes resultiert zunächst immer aus seinen Instinkten. In freier Wildbahn landet niemals etwas anderes auf seinem Rücken als der Todfeind, das Raubtier. Die äußerst anstrengenden Sprungfolgen eines bockendes Pferdes sind der verzweifelte Versuch, sein Leben zu retten, indem es den Angreifer abschüttelt. Natürlich braucht ein in unseren Breitengraden als Haustier aufgewachsenes Pferd nicht mehr den Tod durch Raubtiere zu fürchten. Um diese Instinkte abzubauen, bedürfte es aber wahrscheinlich noch einer Evolution.
2. Je nachdem, welcher Erfolg das erste Bocken krönte, können Pferde daraus eine gezielte und ziemlich angstfreie Methode machen, unerwünschte Reiter abzusetzen. Oder es wird ganz einfach ihre Art der Arbeitsverweigerung.
3. Charakterlich anders veranlagte Pferde, die auch nach dem berühmten ersten Mal plötzlich ohne Reiter waren, erfuhren dadurch nur noch eine Steigerung ihrer Angst. Bei ihnen ist das wiederholte Bocken keine gezielte Aktion gegen den Reiter, bei ihnen siegt einfach immer wieder der Instinkt.
4. Als vom Anlass her harmlos, in der Auswirkung leider oft genauso gefährlich wie gezielte Aktionen, ist das Bocken aus Lebensfreude heraus anzusehen. Vor allem junge oder besonders gut konditionierte und energiegeladene Pferde machen ihrer Lust an Sonne, Wind, Wiesen, und anderen Dingen gerne einmal mit vereinzelten Bocksprüngen Luft.
5. Ein dem Pferd nicht anzulastender Grund für unangenehme Bocksprünge kann in falscher Fütterung zu finden sein. Wenn dem Pferd durch Hafer oder anderes Kraftfutter mehr Energie zugeführt wird, als es abarbeiten kann, kommt es in manchen Fällen zu der klassischen Situation, wo man sagt: "Den sticht der Hafer!"
6. Ein weiterer Anlass, an dem das Pferd nicht nur unschuldig ist, sondern unter dem es zudem noch leidet, ist mangelnde Bewegung. Tiere, denen die natürliche und tägliche Bewegung vorenthalten wird, reagieren oft – verständlicherweise – mit gefährlichen Kapriolen auf den ungewohnten Freiraum eines Reitplatzes, eines Reitweges oder einer Halle.
7. Nicht selten sind auch unpassende oder falsch verwandte Ausrüstungsteile für "Katzensprünge" verantwortlich. Besonders der "Sattelzwang" veranlasst Pferde zu ganz außergewöhnlichen und sehr gefährlichen Explosionen. Diese Möglichkeit sollte daher immer als erste überprüft und behoben oder als Ursache ausgeschlossen werden.


Die ersten Punkte wurden bereits abgehandelt, weiter geht es mit Punkt 6.

zu 6.: Die "Freiheit" begrüßen


Dieser Absatz betrifft nicht nur Pferde, die tagelang im Ständer stehen (was glücklicherweise nur noch selten vorkommt) oder längere Zeit nur in ihrer Box verbringen. Auch der traditionelle "Stehtag" pro Woche bringt Reitern und Pferden immer wieder Probleme. Aber unabhängig davon, was der Anlass für erzwungene Ruhe sei, der natürliche Bewegungsdrang staut sich auf und kann bei der ersten Gelegenheit zu unerwünschten und gefährlichen Bocksprüngen führen. Solche Tiere vor dem Reiten frei laufen zu lassen bzw. gezielt in die Runde zu scheuchen, ist in keinem Fall akzeptabel. Die aufgestaute Energie löst sofortiges Toben aus. Die für Sehnen, Bänder und Gelenke unbedingt notwendige Aufwärmphase wird völlig außer Acht gelassen. Dadurch erhöht sich nochmals die durch das Herumspringen an sich schon vorhandene Verletzungsgefahr. Man begegnet dem Problem am besten damit, das Pferd in jedem Fall täglich zu bewegen und ihm möglichst noch zusätzlich zur reiterlichen Arbeit Gelegenheit zu freiem Weidegang oder Auslauf zu geben.

zu 7.: Die Ausrüstungsfrage


Sattelzwang
Bocken als Folge von einengenden, zwickenden, scheuernden, drückenden oder anderweitig unpassenden Ausrüstungsgegenständen ist wahrscheinlich eine der unangenehmsten Varianten, da die Ursache während des Bockens kaum abgestellt werden kann. Häufigster Anlass für sehr gefährliche Situationen ist der Sattelzwang. In "günstigen" Fällen gibt es beim Anziehen des Gurtes Alarmzeichen wie: Stöhnen des Pferdes, Aufkrümmen des Rückens, in-die-Knie-gehen, alle vier Beine steif in den Boden stemmen und Ähnliches mehr. Im schlechten Fall reagiert das Pferd ohne Vorwarnung völlig hysterisch auf den einzwängenden Druck am Bauch. Hier hilft nur, den Sattelgurt sehr behutsam und langsam enger zu schnallen, immer wieder unterbrochen durch Führen des Pferdes und eventuell auch fressen lassen, da schon das Kauen an sich entspannend wirkt. Auch sollte man nicht über den Bügel aufsteigen, sondern entweder von einer Aufsteigebank auf das Pferd gleiten oder sich von jemand hinaufsetzen lassen, damit kein unangenehmes einseitiges Ziehen am Gurt das Pferd verängstigt. Das (vorsichtige!) Einsitzen selbst hat auf die Gurtspannung eine für das Pferd angenehme Wirkung: Der Sattel wird fester an das Pferd gedrückt, wodurch sich der Gurt etwas lockert. Das Pferd kann dem Gewicht des Reiters dann sogar positive Seiten abgewinnen.

Gebisse, Hilfszügel etc.

Bocken als Protest gegen ein zu scharfes Gebiss, zu kurz geschnallte Hilfszügel, Sporen und Ähnliches wird leider viel zu selten als solcher erkannt. Im Gegenteil führt es eher dazu, dass die Ursache statt beseitigt noch verschärft wird. Hier wäre manches Mal ein Dolmetscher wünschenswert. In vielen Fällen würde weniger einzwängendes Material auch weniger Protest und Bocken zur Folge haben.

Ute Forler


* Kalender: Der März


Im Märzen der Bauer

sein Rösslein anspannt ...


Das tut er tatsächlich nur noch selten, die meisten Bauern hantieren doch längst mit den  pflegeleichterten und arbeitssparenden Traktoren. Aber die weiteren Zeilen des alten Kinderliedes „er setzt seine Felder und Wiesen instandg stimmen auch heute noch.


Die Weiden

Die Pferde schauen zwar sehnsüchtig auf das erste sprießende Grün der Weide, aber sie dürfen noch nicht darauf, denn sie würden in ihrer Gier nicht nur die Grasnarbe zerbeißen, sondern auch den vom Winter noch aufgeweichten Boden zu sehr zerstören.

 Im März ist bei genügend abgetrocknetem Boden erst mal Düngen angesagt. Und vor dem Düngen sollte eine Bodenprobe stehen. Wie man das macht, erfährt man bei jeder Landwirtschaftskammer. Dort bekommt man auch Adressen, wo man die Bodenprobe untersuchen lassen kann. Ist das geschehen, kann man gezielt düngen.

Der März ist für Pferdehalter ein noch relativ ruhiger Monat - da kann man auch daran gehen, die Zäune für die nächste Weidesaison zu kontrollieren. Erfahrungsgemäß geht die Hektik los, wenn die Pferde raus sollen, und hier wackelt ein Zaunpfahl, dort ist ein Elektroseil los... Jetzt im März ist noch genügend Zeit, das alles zu richten; und meist ist der Boden auch schon so offen, dass man selbst Zaunpfähle mühelos mit der Ramme in den Boden bekommt.


Die Pferde

Für sie ist jetzt eine schwere Zeit, denn der Fellwechsel beginnt. Jetzt ist es besonders wichtig, dass sie ausreichend Mineralstoffe erhalten. Auch Leinsamen, den es ja mittlerweile in vielen Formen bereits fertig aufgeschlossen gibt, fördert den Fellwechsel. Triebe mit jungen Knospen sind für sie ein vitaminreicher Leckerbissen, den man ihnen ab und zu gönnen sollte - selbstverständlich nur, wenn man sicher ist, dass es sich bei den Trieben um ungiftige Pflanzen handelt!

Sobald der Fellwechsel abgeschlossen ist, kann man damit beginnen, die Pferde vorsichtig zu konditionieren. Jetzt im scharfen Frühjahrswind ist die Erkältungsgefahr für die Pferde besonders groß. Es ist also kein überflüssiger Luxus, wenn jedes Pferd eine eigene Abschwitzdecke und dazu noch eine warme Decke hat. Dass man es gründlich abreibt, bevor man die Decke auflegt, sollte selbstverständlich sein.


Der erste Fohlenmonat

Im März kommen die ersten robusten Fohlen auf die Welt. Das hat seinen Sinn, denn wenn die Kleinen zwei Monate alt sind, können sie schon richtig saftiges Maigras fressen. Das ist dann gerade noch weich genug, dass sie es abreißen können.

Fohlenzeit ist eine aufregende Zeit für die Besitzer. Man muss ihnen etwas nachsehen, wenn sie in dieser Zeit etwas nervös und gestresst sind - schließlich ist es keine Kleinigkeit, auf ein Fohlen zu warten...


Impfungen und Wurmkuren

Jetzt vor der Weidesaison sollte man überprüfen, ob alle Pferde noch Tetanus-Schutz haben und gegen Tollwut geimpft sind.

Auch eine Wurmkur sollte man besorgen, denn wenn im April die ersten Pferde auf die Weide dürfen - mancherorts lässt man sie dann ja schon stundenweise raus -, sollten sie entwurmt sein.


Planung für den Sommer

Wenn man eigene Pferde hat und im Sommer verreisen will, wird es Zeit, sich um eine Urlaubsvertretung zu kümmern. Und auch, wenn man kein eigenes Pferd hat, sondern Reiterurlaub im In- oder Ausland machen will, sollte man planen. Ab April sind die besten Sachen meist ausgebucht!

Planen sollte man aber auch längere Ritte, bei denen man Quartier braucht. Jetzt ist noch Zeit, die Strecken abzufahren und die Quartiere zu besichtigen und festzumachen, eventuell Karten (Messtischblätter) zu besorgen und den Beschlagstermin so zu planen, dasss die Pferde etwa eine Woche vor dem Ritt beschlagen werden können.


Der Frühling beginnt

Jetzt, wo alles wieder anfängt grün zu werden, wo der Boden nicht mehr total grau aussieht und die Landschaft wieder farbig wird, steigen die Lebensgeister bei Mensch und Tier. Die Menschen sind freier, und die Pferde sind „lustigg im Gelände.

Eine schöne Zeit, eine Zeit des Aufbruchs und der Planung, bevor im April die „echteg Reitsaison anfängt.

Uta Over


* Gesundheit: Druse


Was alleine schon ausreichen würde, um Druse zu einer unangenehmen Krankheit zu machen, ist die Tatsache, dass sie höchst ansteckend ist. Wird auf einem größeren Betrieb ein Pferd infiziert, kann es schnell dazu kommen, dass fast alle Pferde krank werden. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum man Druse fürchten sollte: Druse ist eine für das Pferd äüßerst unangenehme und schmerzhafte Angelegenheit.


Wie entsteht Druse?

Druse wird durch ein Bakterium verursacht, welches Streptococcus equi genannt wird. Dieses Bakterium ist eiterbildend und befällt bevorzugt jüngere Pferde, was aber nicht ausschließen soll, dass auch ältere Pferde davon betroffen werden.

Dringen diese Bakterien in den Körper ein, entsteht eine Infektion in der Halsgegend.


Woran kann man Druse erkennen?

Nach einer Inkubationszeit von einigen Tagen treten die ersten Symptome auf. Diese sind denen einer Erkältung recht ähnlich: Die Pferde haben keinen Appetit mehr und sind lustlos, es tritt ein verhältnismäßig hohes Fieber und ein trockener Husten auf. Gleichzeitig sind aber auch die Lymphknoten angeschwollen, und das ist ein klarer Hinweis auf Druse. Im Verlauf der Krankheit kommt es zu einem eitrigen Nasenausfluss. Das Pferd hat Halsschmerzen und Schluckbeschwerden, was dazu führen kann, dass gerade aufgenommenes Futter oder Wasser dem Pferd wieder aus den Nüstern läuft.


Behandlungsmöglichkeiten

Sobald der Verdacht auf Druse besteht, muss umgehend ein Tierarzt verständigt werden, da es jederzeit zu Komplikationen kommen kann. Es gibt verschiedene Formen dieser Krankheit, die unterschiedlich schwer und unterschiedlich gefährlich für das Pferd verlaufen. Außerdem ist je nach Höhe des Fiebers eine Behandlung mit Antibiotika notwendig.

Häufig werden heiße Kompressen um die Lymphknoten gemacht; um dem Pferd Erleichterung zu verschaffen, kann man es auch inhalieren lassen. Es sollte möglichst weiches und staubfreies Futter erhalten.

Wegen der hohen Ansteckungsgefahr muss so ein Pferd sofort isoliert werden. Gegenstände, mit denen ein erkranktes Pferd in Berührung war, sollte man desinfizieren.


Vorbeugung?

Eine Vorbeugung gegen diese Krankheit ist sehr schwierig. Am wichtigsten ist es, eine Ansteckung durch erkrankte Pferde zu verhindern.

Katinka Schnitker


* Zur Diskussion: Das Pferd an der Ecke


Fast in jedem Dorf steht so ein einsames Pferd an einer Straßenecke. Seit Jahren steht es da allein. Nur manchmal nicht, nämlich dann, wenn der Besitzer seine Stute decken ließ. Dann springt auf dem kleinen Stückchen Land ein Fohlen um die Stute herum - auch es im Grunde einsam ohne Spielgefährten, ohne sozialen Kontakt zu anderen Fohlen oder erwachsenen Pferden.

Für den Besitzer ist das kein Problem. Das Pferd hat ja genug Futter, sogar einen mehr oder weniger geeigneten Unterstand und macht relativ wenig Arbeit. Sehr praktisch, wenn man am Wochenende mal reiten gehen will!

Dieser Trend, sich auf einem kleinen Grundstück ein Pferd zu halten, wächst. In Stadtrandnähe oder in ländlichen Gebieten sieht man vom Frühjahr bis zum Herbst einzelne Pferde auf kleinen Grasstücken stehen, die den Namen Weide nicht verdienen. Manchmal stehen sie auch auf riesigen Kuhweiden mit viel zu fettem Gras - die Hufrehe ist vorprogrammiert! Dass sie im Winter in ihrer Box nicht weniger einsam sind, liegt auf der Hand.


Einsamkeit - die psychische Qual

Pferde sind Herdentiere, ein relativ abgedroschener Satz, den diese Pferdebesitzer aber offensichtlich überhaupt noch nicht gehört haben. Oder sie haben ihn gehört und gehen einfach darüber hinweg, weil Pferde in dieser Beziehung ja pflegeleicht sind. Jeder Hund würde vor Einsamkeit stundenlang heulen, wenn er so leben ü wie solch ein Pferd. Er würde die Nachbarschaft nerven, und das Geheul würde mit Sicherheit auf die eine oder andere Art relativ schnell abgeschafft.

Pferde leiden schweigend. Aber sie leiden auch unter der Einsamkeit. Nicht nur, dass sie niemanden haben, mit dem sie gegenseitig Fellkraulen machen können; sie haben auch niemanden, der ihnen soziale Sicherheit gibt. Das bedeutet unter anderem, dass sich diese Pferde fast nie hinlegen, denn sie haben ja niemanden, der aufpasst. In einer noch so kleinen Gruppe passt immer ein Pferd auf, während die anderen liegen. Und so sinnreich die Natur es eingerichtet hat, dass Pferde im Stehen dösen können - den richtigen Tiefschlaf (und den braucht auch mal ein Pferd) erhalten sie nur im Liegen. Ganz abgesehen davon, dass sie nur dann auch mal den ganzen Stützapparat ihrer Beine ausruhen können.

Es gibt Pferde, die allein stehen und wie die Tiger im Käfig am Zaun entlangrennen, immer hin und her. Da sieht man dann einen richtigen Trampelpfad - eine Spur der Einsamkeit. Deutlicher kann ein Pferd nicht sagen, dass es heraus möchte aus seinem „Käfig.

Andere Pferde haben aufgegeben, nehmen wenig Anteil an ihrer Umwelt und sind brav, benehmen sich gut, wie ihre Besitzer meinen.

Hinzu kommt, dass diese Pferde ihre sozialen Instinkte im Laufe der Jahre verlieren. Sie sind fast nicht mehr in eine Gruppe zu integrieren, weil sie jedes gute Benehmen verlernt haben. Ganz schlimm ist das für Fohlen. Sie haben niemanden außer ihrer Mutter, von der sie Benehmen lernen und an der sie sich abschleifen können. Das ersetzt aber in keinem Fall Gleichaltrige. Wer je das Geschehen in einer Fohlenherde beobachtet hat, der kann nur mit dem Kopf schütteln ob der Gedankenlosigkeit der Menschen, eine Stute mit einem Fohlen allein zu lassen.


Einsamkeit - die physische Qual

Pferde sind nicht nur Herdentiere, sie sind auch Lauftiere. Beim normalen Grasen legt ein Pferd etwa 10 - 16 km pro Tag im langsamen Tempo zurück. Hinzu kommt dann noch die eine oder andere mehr oder weniger ernste kurze Flucht. Oder ein Pferd buckelt plötzlich, springt in die Luft, schlägt aus, quietscht und rennt los - und die ganze Herde hinterher. Aus purer Lebenslust und oft bis zum Pusten! Sie brauchen diese ständige Bewegung; seit Jahrmillionen ist ihr Körper darauf eingerichtet, und die paar tausend Jahre Domestikation haben daran auch nichts geändert.

Ein Pferd allein auf einem kleinen Grundstück jedoch hat keinen Anreiz, plötzlich loszulaufen und sich seiner Kraft zu freuen, seinen Körper zu trainieren - es ist ja kein Gefährte da, der anspornt und mitmacht. Wenn sein Besitzer es wenigstens regelmäßig reiten oder longieren würde, wäre diese relative Bewegungslosigkeit schon leichter zu ertragen. Gerade diese „Einzelpferde aber werden meist nur zum Wochenende für einen Geländeritt herausgeholt oder zu offiziellen Anlässen wie Pferdesegnungen oder gar als Sankt-Martins-Pferd. Man muss ja schließlich zeigen, dass man ein Pferd hat, nicht? Dass die Pferde durch das relative Stillstehen die Woche(n) über gar nicht ausreichend gymnastiziert, ihre Sehnen und Bänder nicht kräftig genug für längere Wochenendritte sind, ist diesen Pferdebesitzern relativ unbekannt. Und das bisschen Muskelkater vergeht schon bis zum Wochenende - das Pferd hat ja genügend Zeit zum Ausruhen!


Die Argumente der Pferdebesitzer

Sie sind vielfältig, und dumm sind sie alle. Da ist der häufigste Satz: „Ein zweites Pferd kann ich mir nicht leisten.Das ist nachvollziehbar, denn Pferde kosten Geld. Weshalb man sein eines Pferd dann aber nicht in Pferdegesellschaft gibt, ist jedoch nicht nachvollziehbar. Bei etwas gutem Willen findet jeder, der wirklich an sein Pferd denkt, eine Möglichkeit, es mit Artgenossen leben zu lassen. Zuhause an der Ecke ist es allerdings billiger aufgehoben, das stimmt. Oft hört man auch das Argument: Für zwei Pferde habe ich keinen Platz. Die Platzfrage ist tatsächlich ein wichtiges Argument; aber zwei Pferde - ordentlich gehalten - brauchen wirklich nicht viel mehr Platz als ein Pferd. Wenn man natürlich davon ausgeht, dass ein Pferd allein ziemlich ruhig herumsteht und zwei Pferde schon mal laufen und toben wollen, greift dieses Argument. Falsch ist es dennoch. Das dritte Argument ist dann: Für zwei Pferde habe ich keine Zeit, und das ist ein wirklich gutes Argument; es sei denn, man nimmt sich ein älteres Pferd zur Gesellschaft, das nicht mehr regelmäßig geritten werden muss. Aber auch das ist problematisch, denn immer kann man es nicht zuhause lassen, wenn man ausreitet. Darunter leidet auch ein altes Pferd. Also müsste man sich jemanden suchen, der sich darum kümmert.

Alle diese Argumente zielen lediglich auf die Bequemlichkeit des Pferdebesitzers und berücksichtigen die Bedürfnisse des Pferdes überhaupt nicht. Horseman-like ist das nicht. Es ist der pure Egoismus, aus dem heraus man ein Pferd möglichst billig und jederzeit griffbereithalten will.


Natürlich gibt es Ausnahmen

Es gibt immer Pferde, die Einzelgänger sind; Menschen ja schließlich auch. Allerdings sind sie in der Minderheit. Vielleicht ist das eine oder andere Pferd wirklich glücklicher allein. Aber es sind wenige - glaubt mir. Jeder Verhaltensforscher wird das bestätigen.

Und es gibt auch Pferde, die allein gehalten werden und dennoch relativ zufrieden sind, weil ihre Menschen sich intensiv um sie kümmern. Pferde, die sorgfältig gepflegt werden und viel Kontakt zu Menschen haben, sozusagen ins Küchenfenster schauen können. Der enge Kontakt zu Menschen, vielleicht sogar zu einer Familie, kann einem Pferd viel von dem fehlenden Kontakt zu Pferden ersetzen, wenn auch nicht alles. Von diesen Pferden rede ich auch nicht, um das klar zu sagen.


Die Schlussfolgerung

Wenn man sein Pferd nicht einigermaßen so halten kann, dass man seine sozialen und physischen Bedrüfnisse erfüllt, sollte man sich überlegen, ob man überhaupt ein Pferd haben sollte. Oft könnte man das Problem dadurch lösen, dass man sich etwas mehr Arbeit mit dem Pferd macht oder in sinnvoller Weise etwas mehr Geld für es ausgibt. Dazu gehört jedoch Pferdeliebe; und die spreche ich den Haltern dieser Pferde ab. Das Schlimme ist eben, dass sich jeder ein Pferd halten kann. Man braucht keine Prüfung abzulegen, ob man überhaupt die Kompetenz dazu hat; und reiten darf man das Tier auch noch ohne fachliche Überprüfung. Leider halten die Pferde das auch noch schweigend und ohne zu jaulen eine ziemlich lange Zeit aus - eine prima Sache für bequeme Leute!

Uta Over


* Zum Wiehern: Auf zur Equitana...!


Es war wieder einmal so weit: Equitana! Ich muss gestehen, dass ich schon so manches Mal in einem sinnlosen Kaufrausch durch die Hallen gesaust bin, mich mit anderen Reitern um Sonderangebote und Vorratspackungen gestritten habe, Shows, welche ich mir anschauen wollte, verpasst habe und abends völlig fertig und überaus pleite in die Kissen gesunken bin.

Doch dieses Mal sollte es anders werden! Ich wollte dieses eine Mal vernünftig sein: Ich brauchte eine neue Trense, und es ist vernünftig und richtig, sich eine neue Trense auf der Equitana zu kaufen, denn hier wollte ich das Preis-Leistungsverhältnis von verschiedenen Trensen genau prüfen und mich dann für eine günstige und doch qualitativ hochwertige Trense entscheiden. Um irgendwelchen Ausschweifungen aus dem Wege zu gehen, fand ich es zusätzlich sinnvoll, mir nur einen begrenzten Geldbetrag mitzunehmen, falls man sich im Angesicht des Warenangebotes doch nicht mehr an seine guten Vorsätze erinnern kann... In meinem Fall nahm ich mir also genau so viel Geld mit, wie meine Trense maximal kosten sollte. Zudem hatte ich mir noch eine bestimmte Attraktion im großen Ring herausgesucht, welche ich mir ohne Stress nach gelungen Trensenkauf gönnen wollte - es konnte losgehen!


Die Terminwahl

Der echte Messebesucher wählt sich als Termin natürlich einen Samstag, denn auch wenn einem diese Feiglinge von Wochentagsbesuchern ständig erzählen, wie wunderschön und entspannt der Messebesuch an einem verregneten Montagmorgen ist, so weiß man doch, dass diese Menschen das Schönste verpassen.

Es fängt bereits an den Kassen an. Wenn man erst einmal eine halbe Stunde lang in der Schlange gestanden hat, sind die ersten Kontakte bereits geknüpft. Gelangt man dann in die Messe selber, erwartet einen schon eine sympathische Menschenmenge, in deren wärmender Mitte man sich sorglos durch die Hallen treiben lassen kann.

Wie bedauernswert sind da doch jene Menschen, die frierend und einsam an einem Wochentag durch die Hallen schleichen und sich ihren Weg selbst suchen müssen...


Die falsche Wahl

Trotz dieser unbestrittenen Vorteile eines Samstages wurde mir dieser Termin zum Verhängnis: Denn die Menschenmenge trieb zielstrebig am ersten Stand vorbei, an dem ich eine schöne Auswahl an Trensen entdeckte, und mein Ausbruchsversuch wurde schnell entdeckt und von einer reaktionsschnellen Frau mit Kinderwagen vereitelt. Stattdessen wurde ich weiter getrieben, bis ich schließlich vor einem gigantischen Berg stark reduzierter Reitwesten zum Stehen kam. Nun wollte ich eigentlich nur warten, bis es weitergeht, doch dann war da diese wirklich schöne... Es blieb auf jeden Fall noch genug Geld für eine akzeptable Trense übrig.

Nun wäre es eigentlich Zeit für meine Show gewesen, doch die Abzweigung zum großen Ring hatte ich verpasst, und bis ich das nächste Mal hier vorbeigeschoben werden würde, wäre sie schon lange vorbei.

Die nächsten Zwischenstopps der Menge brachten mir einen roten Plastikstriegel, einen aufklappbaren Hufkratzer und eine Dose Hufbalsam, welcher sich aber immerhin auf dem neusten Stand der Forschung befindet, ein. Eine Kassenschlangenbekanntschaft, die plötzlich neben mir in der Menge auftauchte, zeigte mir einen Geheimgang durch die Masse, an dessen Ende das Schnäppchen des Tages wartete: eine Wende-Satteldecke, der neuste Schrei aus den USA und für diese Qualität wirklich geschenkt!

In der nächsten Halle hätte ich dann beinahe noch den Kaufvertrag für einen Pferdeanhänger unterschrieben, doch ein Gedanke an mein Konto brachte mich gerade noch rechtzeitig in die Realität zurück.

Weil es aber wirklich ein sehr schöner Hänger war, kaufte ich mir zum Trost zumindestens noch ein Halfter, eine Echthaarbürste und natürlich eine Gerte! Für eine Trense hätte das Geld eh nicht mehr gereicht ...

Katinka Schnitker




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