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           Equikids - Ausgabe 03/2010


Das Islandpferd - Das alte Pferd - Das Koppen - Eigenes Pferd um jeden Preis? - Von Pfützen und Reitmarken


* Das Islandpferd: Pony aus Feuer und Eis


Auf Island ist vieles anders. Hier gibt es warme Quellen mitten in Schnee und Eis – und hier gibt es nur eine Pferderasse: das Islandpferd.
Das liegt daran, dass schon vor etwa tausend Jahren durch die Volksversammlung ein Gesetz erlassen wurde, dass die Einfuhr von fremden Pferden z.B. vom europäischen Kontinent verbietet. Auch wenn das nicht immer ganz genau befolgt wurde, so ist das Islandpferd doch bis heute weitgehend frei von fremden Einflüssen geblieben und somit eine der ältesten reingezogenen Pferderassen weltweit. Sogar die Pferde, die die Insel verlassen, um an Wettkämpfen wie Weltmeisterschaften teilzunehmen, dürfen nicht wieder zurück.

Das Aussehen
Islandpferde sind ursprüngliche Ponys mit dichtem, oft wuscheligem Langhaar, d.h. besonders dichter Mähne und Schweif. Mit einer Größe von ca. 130 bis 145 cm Stockmaß sind sie mittelgroß. Der Rücken ist kräftig, das Fundament, d.h. die Beine sind trocken und stabil. Die Kruppe ist oft abfallend mit einem tiefen Schweifansatz. Der ausdrucksvolle Kopf hat kleine Ohren und sitzt auf einem kräftigen Hals.
Eine besondere Erwähnung verdient die Farbenvielfalt des Isländers. Die Grundfarben wie Schimmel, Rappe, Fuchs und Braune sind vorhanden, doch darüber hinaus gibt es z.B. Falben und Isabellen in allen denkbaren Schattierungen, und auch Schecken sind zu finden. Lediglich die klein gepunktete Tigerscheckung kommt nicht vor.

Der Charakter
Islandpferde sind ausgesprochen leistungsbereit. Sie haben einen guten Vorwärtsdrang und sind eigenständig und selbstbewusst, dabei aber keinesfalls unsensibel. Ihr Aussehen kann täuschen: Viele Islandpferde sind sehr ehrgeizig und auch durchaus temperamentvoll. Ein gut ausgebildeter Isländer lässt sich jedoch gut regulieren und zeigt sich entsprechend leichtrittig.

Die Gangveranlagung

Wenn es um die Gangarten geht, schlägt die Stunde des Isländers. Zwar kommen innerhalb der Rasse auch Dreigänger vor, d.h. Ponys, die als Gangarten Schritt, Trab und Galopp zeigen, doch viele Isländer sind Viergänger, manche beherrschen sogar fünf Gangarten. Die Viergänger zeigen zusätzlich zu den drei Grundgangarten den Tölt. Ganz vereinfacht könnte man den Tölt als sehr schnellen, gelaufenen Schritt beschreiben. Dabei ist immer mindestens ein Bein am Boden. Da es keine Schwebephase gibt, wird der Reiter im Sattel nicht geworfen, sondern bleibt auch bei schnellem Tempo weitgehend erschütterungsfrei sitzen. Der Fünfgänger zeigt darüber hinaus den Rennpass. Bei dieser schnellen Gangart werden die beiden linken und die beiden rechten Beine jeweils gleichzeitig vorgeführt.

Die Eignung
Islandpferde sind sehr vielseitig einsetzbar. Im Freizeitbereich sind ihnen kaum Grenzen gesetzt: Der flotte Schritt begeistert den Geländereiter, kleine Sprünge werden gut gemeistert, Trailhindernisse cool überwunden, und selbst vor dem Wagen sind Islandpferde zu bewundern. Im Turnierbereich gibt es eine eigene Szene mit vielfältigen Prüfungen, bei denen vor allem die Gangveranlagung des Islandpferdes im Mittelpunkt steht.
Da das Islandpferd recht spätreif ist, werden Islandpferde nicht dreijährig angeritten, wie das bei vielen Warmblutpferden der Fall ist, sondern kommen erst vier- bis fünfjährig unter den Sattel. Dafür sind sie meistens bis ins hohe Alter ausgesprochen fit und leistungsfähig.

Die Haltung
Das Islandpferd ist ausgesprochen robust und genügsam. Traditionell wachsen Isländer artgerecht in der Herde auf und sollten daher unbedingt stets mit Pferdegesellschaft und freier Bewegungsmöglichkeit gehalten werden. Gegenüber Witterungseinflüssen ist das Islandpferd relativ unempfindlich, doch auch diese Robustponys brauchen einen windgeschützten und trockenen Platz im Winter und ein schattiges Plätzchen im Sommer.


 * Das alte Pferd, Teil II: Haltung und Pflege


Dass alte Pferde wertvolle Begleiter in vielen Lebenslagen sind, haben wir bereits in der letzten Ausgabe von Equikids beschrieben. Damit Pferde auch im Alter noch fit genug sind, um entsprechend leistungsfähig zu bleiben, ist die Haltung und Pflege der Oldies besonders wichtig.

Auslauf-Gruppenhaltung

Generell brauchen Pferde vor allem Gesellschaft, Platz zum Laufen, frische Luft und Licht. Das gilt selbstverständlich auch für alte Pferde, die durchaus in der Auslauf-Gruppenhaltung leben können. Da das alte Pferd jedoch in der Gruppe oft nicht mehr so durchsetzungsfähig ist wie seine jüngeren Kollegen, muss nun besonders darauf geachtet werden, dass es nicht zu kurz kommt.
Alte Pferde haben oft einen erhöhten Energiebedarf und brauchen daher unbedingt ausreichend Futter. So ist es häufig sinnvoll, den Pferde-Rentner mehrmals täglich zum Fressen von der Gruppe zu trennen, damit er ganz in Ruhe seine Portion fressen kann. In der Gruppe kann die Futtermenge des einzelnen Pferdes kaum kontrolliert werden. So fällt bei dieser Einzelfütterung auch schnell auf, wenn das alte Pferd schlecht frisst; andernfalls merkt der Besitzer das oft erst, wenn das Pferd bereits deutlich abgemagert ist. Da alte Pferde oft nur schwer wieder zunehmen, wenn sie erst einmal abgebaut haben, ist die tägliche Kontrolle unverzichtbar.
Ebenso wie die Futterration garantiert werden muss, sollte das alte Pferd auch auf jeden Fall ungehinderten Zugang zu einer wettergeschützten Ecke haben. Dazu gehören ein Dach gegen Regen und Schnee und mindestens zwei Wände als Windschutz. Wenn der geschützte Platz im Stall von anderen Pferden blockiert wird, muss der Oldie wohl oder übel zumindestens halbtags bei schlechtem Wetter in ein Einzelabteil umziehen. Auch eine wetterfeste Decke kann hier sinnvoll sein.

Boxenhaltung
In der Boxenhaltung stellen sich andere Probleme. Fütterung und Wetterschutz sind hier kein Thema, doch gerade alte Pferde brauchen unbedingt ausreichend Bewegung. Langes Stehen auf dem begrenzten Raum einer Box begünstigt beispielsweise Gelenkschmerzen. Reine Boxenhaltung ist daher für alte Pferde nicht zu empfehlen, wenigstens halbtägiger freier Auslauf ist ein Muss. Alternativ sind ausgedehnte Spaziergänge zu empfehlen.
Auch wenn das alte Pferd ein erhöhtes Ruhebedürfnis zeigt und nicht mehr so viel mit den anderen Pferden über die Weide tobt, ist die Gesellschaft der Herde doch nach wie vor sehr wichtig. Um Stress zu vermeiden, ist es oft sinnvoll, wenn sich mehrere Oldies Gesellschaft leisten; auf jeden Fall sollte die Gruppe aus möglichst verträglichen Pferden bestehen. Im Stall bedeutet das, dass auf jeden Fall Sichtkontakt zu anderen Pferden bestehen muss; idealerweise können sich die Pferde über die Boxenwände hinweg auch beschnuppern oder kraulen. Dazu muss die Box allerdings groß genug sein, dass sich das alte Pferd auch unbehelligt in eine Ruhezone zurückziehen kann.

Die Pflege des alten Pferdes

Wenn Menschen in die Jahre kommen, tragen sie häufig die dritten Zähne. Bei Pferden sieht man keine Gebissträger – doch auch bei ihnen nutzen sich die Zähne im Laufe des Lebens ab. Bei alten Pferden ist der Zahnpflege daher unbedingt besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Ein- bis zweimal im Jahr sollten die Zähne standardmäßig kontrolliert werden. Spätestens dann, wenn das Pferd schlecht frisst oder auch trotz regelmäßiger Futteraufnahme deutlich an Gewicht verliert, ist es Zeit für den Zahnarzt. Wenn die Zähne nicht mehr voll funktionsfähig sind, kann das Pferd sein Raufutter wie Heu oder Stroh eventuell nicht mehr ausreichend zerkleinern. In diesem Fall sollte auf die Fütterung von Gras- oder Heucobs umgestellt werden. Das sind kleine gepresste Pellets, die je nachdem noch mit Wasser aufgeweicht werden, so dass ein Grasbrei entsteht, denn auch das alte Pferd aufnehmen und verdauen kann.
Im Frühjahr haben viele alte Pferde Probleme mit dem Fellwechsel. Sie werden ihr Winterfell nicht schnell genug los. Hier hilft es, das Fell zu scheren, damit das Pferd in der starken Sonne nicht überhitzt. Im kalten Winter hingegen kann eine Decke dazu beitragen, das alte Pferd warmzuhalten. Ob das notwendig ist, muss im Einzelfall entschieden werden: Wenn man das Pferd gut beobachtet, wird man schnell sehen, ob es sich wohl fühlt oder vielleicht friert.
Und natürlich gilt: Auch wenn ein altes Pferd nicht mehr voll eingesetzt wird, braucht es doch weiterhin seine Wurmkuren, Impfungen und den regelmäßigen Schmiedbesuch.

In der Haltung und Pflege stellen alte Pferde besondere Ansprüche. Nach einem langen Leben im Dienst des Menschen sollte es selbstverständlich sein, auf ihre Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen und ihnen einen schönen Lebensabend zu ermöglichen.


 * Das Koppen: Eine Verhaltensstörung


Koppen ist keine Krankheit, an der sich ein Pferd direkt anstecken kann oder die durch irgendeinen Virus ausgelöst wird: Koppen ist eine Stalluntugend, eine Art Verhaltensstörung, die aber durchaus gesundheitliche Folgen für das Pferd haben kann.
Man könnte allerdings sagen, dass Koppen durch den Menschen verursacht wird, denn in den meisten Fällen entsteht es durch die Langeweile, die ein Pferd empfindet, wenn es ohne jede Beschäftigung in einer Box steht.

Was genau ist Koppen?
Wenn ein Pferd koppt, heißt das, dass es Luft in den Magen schluckt. Hierzu setzen die meisten Pferde die Schneidezähne auf irgendeinen Rand oder eine Kante. Da sich dazu meistens die Futterkrippe anbietet, nennt man diese Art des Koppens auch Krippensetzen. Es gibt aber auch Pferde, die die Luft ohne irgendwelche Hilfen schlucken können.

Die Auswirkungen des Koppens
Dadurch, dass auf diese Weise Luft in den Magen gelangt, können Magen- und Verdauungsprobleme auftreten, die auch chronisch werden können. Infolgedessen verliert das Pferd Kondition und kann in schlimmen Fällen sogar abmagern.

Wie entsteht es?
Wie bereits gesagt, ist die häufigste Ursache Langeweile. Es wird auch spekuliert, ob Pferde sich das Koppen eventuell von anderen Koppern abgucken können – gesichert ist das allerdings nicht. Hier spielt auf jeden Fall auch die Veranlagung eine Rolle: Manche Pferde können ihr Leben lang ihren Stallkameraden beim Koppen zuschauen, ohne diese Unart zu übernehmen, und andere kommen ganz von selbst drauf, wenn sie unausgeglichen und unzufrieden sind.

Was tun?
Eine Behandlung sollte man in jedem Fall versuchen, auch wenn sie nicht immer erfolgreich ist. Als erstes sollte vermieden werden, dass das Pferd sich langweilt - also raus aus der Box und ab auf die Weide! Ausritte, ausreichend Bewegung, Pferdegesellschaft, Spaziergänge usw., da gibt es wirklich genug Möglichkeiten. Wenn das Pferd in einer Box steht, sollte es eine Außenbox mit Kontaktmöglichkeiten zu anderen Pferden sein, so dass das Pferd immer etwas zu sehen und zu tun hat.
Mit etwas Glück reichen diese Maßnahmen schon aus. Wenn das aber nicht der Fall ist, sollten weitere Maßnahmen unbedingt mit einem Tierarzt besprochen werden – der kann am besten beurteilen, wie groß das gesundheitliche Risiko des Koppens ist und ob und was dagegen unternommen werden kann.
Man darf einfach nicht denken, dass es reicht, wenn man sein Pferd in eine Box stellt und einmal am Tag vorbeischaut - von dem Moment an, in dem mir ein Pferd gehört oder ich ein Pferd versorge und pflege, bin ich nicht nur für sein körperliches Wohl zuständig, sondern auch für sein seelisches Wohlergehen.

Katinka Schnitker


* Zur Diskussion: Ich hätte so gern ein eigenes Pferd ...!


Jeder, der einmal der Pferde-Faszination erlegen ist, träumt davon: Ein eigenes Pferd, ganz für sich allein, mit dem man sich anfreunden kann, mit dem man stundenlang ausreiten kann, mit dem man vielleicht auch Turniere reiten kann oder Wanderritte...
Aber vor einem Pferdekauf gibt es viel zu bedenken, da hängt schon eine ganze Menge dran! Die allererste Überlegung sollte in jedem Fall folgende sein: Will ich
wirklich ein eigenes Pferd?!

Das klingt vielleicht absurd: Natürlich will ich ein eigenes Pferd! Mit einem eigenen Pferd würde ein meist jahrelang gehegter Traum Wirklichkeit - und schon kommt man wieder ins Träumen... Aber die Realität ist von diesen Pferde-Träumen eben doch ziemlich weit entfernt: Ein wirkliches Pferd ist selten das Traum-Pferd, das nie Probleme macht, immer gesund und topfit ist und selbstverständlich seinen Besitzer/seine Besitzerin liebt wie ein Hund. Und so folgt auf die Traum-Erfüllung leider allzuoft eine Ernüchterung - und der Leidtragende dabei ist meistens das Pferd!

Bei mir wäre das anders...
...das denkt jetzt sicher so manch eine(r). Und man ist ja auch fest davon überzeugt: Wenn man ein eigenes Pferd hätte, würde man auch mit Krankheiten, reiterlichen Problemen und finanzieller Belastung fertig werden! Denn schließlich lohnt es sich ja: Auf einem eigenen Pferd kann man reiterlich weiter kommen als auf Schulpferden. Es kann nicht von irgendeinem Besitzer verkauft werden, wenn man sich gerade so richtig gut angefreundet hat, man kann echtes Vertrauen aufbauen, man kann mit dem Pferd Urlaub machen, und, und, und...
Natürlich stimmt das alles! Ein eigenes Pferd eröffnet einem viele Möglichkeiten, die man mit Schul- oder Pflegepferden niemals hätte. Man kann viel mehr Spaß mit seinem Pferd haben, und auch an der eigenen reiterlichen Weiterbildung kann man viel konsequenter arbeiten. Und nicht zuletzt hat man hier ein Pferd für sich alleine - durch diesen ausschließlichen Kontakt bilden sich eben viel schneller Freundschaft und Vertrauen, und dadurch wird Reiten schließlich erst richtig schön! Und kleine Probleme gehören einfach dazu - sonst wäre das Leben ja auch ziemlich langweilig.

Andererseits...
Andererseits hängt auch viel Unangenehmes am erträumten Pferde-Besitz. Zunächst einmal das Geld: Selbst das robusteste Pferd braucht Wurmkuren, Impfungen, Hufschmied, Futter, Stall... mit einem kleinen Taschengeld kann man das nicht bezahlen! Und Pferde werden alt, älter, als man sich zunächst klar macht. Wenn ich ein Pferd kaufe, sollte ich mich darauf einrichten, für dieses Pferd die nächsten zwanzig Jahre (eventuell auch länger) zu sorgen! Und was das bedeutet, kann ich euch aus eigener Erfahrung sagen: Man kann oft nicht in Urlaub fahren, wenn alle anderen in die Sonne streben (denn die Urlaubskasse ist merkwürdigerweise dieses Jahr schon wieder beim Tierarzt gelandet, und außerdem muss das Pferd ja die ganze Zeit versorgt werden), man trägt immer noch die Klamotten von vor drei Jahren und kommt sich damit auf einmal merkwürdig unmodern vor (aber eine neue Jeans kostet so viel wie der Hufschmied, und der kommt schließlich alle acht Wochen), und man lebt ständig in der Angst vor einer wirklich schwerwiegenden Erkrankung - Tierkliniken sind teuer!
Doch auch wer Geld im Überfluss hat, ist damit nicht aller Sorgen ledig. Denn ein Pferd erfordert ständige Aufmerksamkeit und Pflege, nicht nur dann, wenn man Lust hat! Wenn die ganze Clique zum Schwimmen geht, aber ich kann nicht mit, weil mein Pferd noch nicht bewegt wurde - dann wünsche ich mir vielleicht, nicht ganz so ausschließlich verantwortlich für dieses Tier zu sein. Wenn ich jede Woche ausmiste und mir dabei immer wieder Blasen an den Händen hole - wo bleibt da der erträumte Spaß? Und dummerweise wollen Pferde auch im strömenden Regen ihre Bewegung haben - wie unangenehm... Dazu kommt, dass mein Pferd vielleicht nicht immer das für mich passendste Pferd ist, denn das ist schwer zu finden. Dann steht man auf einmal vor völlig unvermuteten Problemen, wenn die erhofften Ausritte entfallen, weil man im Gelände einfach noch nicht zurechtkommt. Und auch reiterlich übernimmt man schließlich Verantwortung für das Pferd: Schlecht gerittene Pferde haben viel mehr Schmerzen und Schwierigkeiten als vorsichtig und gut ausgebildete Tiere. Bin ich wirklich schon so weit, diese Verantwortung alleine zu tragen?

Was will ich wirklich?
Wenn ich „nur“ ein Pferd möchte, mit dem ich ausreiten kann, das ich versorgen kann und mit dem ich Spaß haben möchte, dann brauche ich vielleicht gar kein eigenes Pferd - das kann mir auch ein Pflegepferd oder eine Reitbeteiligung geben. Über ein eigenes Pferd sollte ich nur dann ernsthaft nachdenken, wenn ich gewillt bin, dieses Pferd in mein Leben einzugliedern, echte Verantwortung auf eine lange Zeit zu übernehmen und meine eigenen Interessen auch mal hinter denen des Pferdes zurückzustellen. Denn sonst kommt unweigerlich der Punkt, an dem man auf einmal darüber nachdenkt, ob man dieses Pferd, von dem man jahrelang geträumt hat, nicht vielleicht doch wieder abgeben sollte - und das ist Stress für Pferd und Besitzer!


 * Zum Wiehern: Von Pfützen und Reitmarken


In manchen Reitgebieten braucht der Reiter kostenpflichtige Reitmarken, die mit Nummern gut sichtbar am Zaumzeug befestigt werden. Wenn man die Ausgabe für diese Reitmarken scheut und einfach ohne reitet, kann das unangenehm werden – wie das folgende Erlebnis zeigt!

Was ist eigentlich schöner als ein netter Ausritt ohne Reitmarken? Ein netter Ausritt mit Reitmarken!
Zu dieser durchaus weisen Erkenntnis musste ich kommen, als bei eben solchem Ausritt ohne Reitmarken zwei Polizeireiter hinter uns auftauchten. Wir reagierten ruhig und vernünftig und ergriffen die Flucht, dies natürlich möglichst unauffällig. Nach ein paar Abkürzungen und einigen Galoppstrecken fühlten wir uns wieder sicher.
Wir unterhielten uns und tauschten bisherige Erlebnisse mit Polizisten, Jägern und Förstern aus. Die Stimmung war dementsprechend gut, und die Pferde strebten am langen Zügel der Heimat zu.

Die Pfütze - das nasse Verhängnis...
Unglücklicherweise begegnete uns auf dem Rückweg eine große Pfütze, und unglücklicherweise lenkte ich mein Pferd darauf zu, denn schließlich hatten wir geübt, durch Pfützen zu gehen, und so etwas soll man ja immer wieder auffrischen. Aber anstatt durch die Pfütze zu gehen, machte mein Pferd nur einen eleganten Schlenker und konzentrierte sich schon wieder ganz auf die Futterschüssel, die ihn zu Hause erwartete, als ich ihn zurückhielt. Dies war für mich eine Sache des Prinzips, und so drehten wir um und versuchten das Ganze noch einmal. Nach einigen Versuchen schien ich gesiegt zu haben: Mein Pferd betrat die Pfütze, doch nach wenigen Schritten blieb er wie angenagelt stehen.

Hier bin ich, und hier bleibe ich!
Er stand mitten in der Pfütze und weigerte sich, auch nur noch einen Huf zu rühren. Zur allgemeinen Freude blieben meine Bemühungen unbeachtet, und so beschlossen wir, dass die anderen weiterreiten - da Pferde ja Herdentiere sind, würde meins seine Pfütze schon wieder verlassen, wenn die anderen in der Ferne verschwänden.
Doch das war falsch gedacht: Empört wiehernd blieb mein Pferd zurück. Als ich so weit war, abzusteigen und dem Ganzen ein Ende zu bereiten, erschienen die beiden Polizeireiter.

Die Polizei, dein Freund und Helfer
Was sollte ich tun? Aus dem Sattel zu springen, um mein Pferd aus einer Pfütze zu ziehen, was mir dann doch zu peinlich, und so blieb ich sitzen, lief rot an und rechnete mit einer Anzeige wegen der fehlenden Reitmarken.
Neben mir angekommen, grüßten die beiden freundlich und fragten: „ Können wir Ihnen irgendwie helfen?“
„Oh, nein, ich übe nur!“ war meine Antwort, doch statt des erhofften „Ach so“ meinte der Frager grinsend: „Wir beobachten Sie schon eine Weile!“
Tja, was soll man da noch sagen? Einer der beiden stieg ab, watete durch die Pfütze, nahm mein Pferd am Zügel und führte es hinaus. Und dabei ging mein Pferd so etwas von lieb hinter ihm her, als würde ihm überhaupt nie der Gedanke kommen, sich auf stur zu stellen.
Die Reitmarken blieben unerwähnt, und ich bedankte mich herzlich.

Als ich nach Hause ritt, habe ich mir zwei Dinge fest vorgenommen:
1. Mein Pferd zu verkaufen. 2. Mir eine Reitmarke anzuschaffen.
Eins davon habe ich dann auch getan.

Katinka Schnitker


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