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Der Mitteltrab - Sicher Verladen - Fellwechsel - Zu viel Ehrgeiz? - Zum Wiehern!

Equikids Ausgabe 02/2014


Das Reiten der Grundgangarten: Der Mitteltrab


Wie der Mitteltrab aussieht, war bereits Thema in der letzten Ausgabe, ebenso Probleme, die das Pferd mitbringen kann. Doch wie sieht es mit dem Reiter aus?


Häufige Reiterfehler und ihre Konsequenzen

Sitzfehler
Gerade im Mitteltrab sieht man des öfteren Reiter, die das betreiben, was ich "Surfen" nenne. Sie halten sich an den Zügeln fest und lehnen sich, an diesen hängend, so weit nach hinten, dass von einem aufrechten Sitz wirklich keine Rede mehr sein kann. Sie tun dies in der Vorstellung, so eine Haltung würde das Pferd vorwärts treiben, oder sie glauben, auf diese Weise besser den Schwung aussitzen zu können. Je mehr aber der Reiter seine senkrechte Haltung aufgibt, desto mehr verliert er die korrekte Einwirkung seiner Gewichtshilfen. Statt die Bewegung des Pferdes durch einen aufrechten, elastischen und mitschwingenden Sitz zu unterstützen, drücken die Gesäßknochen wegen des gekippten Beckens und der steif gehaltenen Wirbelsäule des Reiters störend in die Rückenmuskulatur des Tieres. Des Weiteren ist durch das "In-den-Zügel-hängen" die Unabhängigkeit der Hände nicht mehr gegeben, was den einfühlsamen Einsatz von Zügelhilfen unmöglich macht. Es fordert im Gegenteil die Pferde gerade dazu auf, den Zügel als Stütze zu benutzen und auf die Hand zu kommen, statt sich selbst frei und mit leichter Vorhand zu tragen. Die Vorstellung, in starker Rückenlage besser sitzen zu können, ist demzufolge ebenfalls ein Trugschluss, da letztendlich die korrekte Einwirkung aufgegeben wird und daher nicht mehr von gutem Sitz gesprochen werden kann. Würden diese Reiter versuchen, gerade zu sitzen, hätten sie wahrscheinlich das gleiche Problem wie viele andere, die es einfach noch nicht schaffen, den Schwung des Mitteltrabs mit ihrem Sitz geschmeidig abzufangen. Sowie das Pferd zulegt, fangen sie an, auf dem Pferderücken auf und nieder zu hüpfen und verlieren nicht nur die Bügel, sondern ihre ganze Balance. Auch unter einem solchen Reiter wird das Pferd natürlich derartig gestört, dass es keinen taktreinen Mitteltrab wird durchhalten können.

Reitfehler
Viele Reiter "überfallen" ihre Pferde mit den Hilfen zum Mitteltrab. Das führt dann unter Umständen zu einer regelrechten "Explosion" nach vorne, die zum einen der Reiter nicht gut sitzen kann, und zum anderen kommt es häufig zu Taktfehlern gerade bei dem Übergang zum Mitteltrab. Überhaupt ist eine gute Vorbereitung der Verstärkung von großer Bedeutung. Wer das Pferd aus einem zu flachen Arbeitstrab einfach in das Mitteltempo hineinlaufen lässt, wird sicher große Probleme mit dem Takt bekommen. In der Regel ist damit zu rechnen, dass sein Pferd nur eiliger wird, aber keinen stärkeren Raumgriff entwickelt. Dabei kommt es zusätzlich oft noch schwer auf die Hand, weil es zu sehr auf der Vorhand läuft. Bei weiter ausgebildeten Pferden kann es auch vorkommen, dass sie bei ungenügender Vorbereitung zwar auf Kommando die Vorderbeine in die Luft schmeißen, für den notwendigen Vorwärtsschwung aus der Hinterhand heraus aber zu wenig Unterstützung hatten und somit kaum vorwärts kommen. Die Parallelität der diagonalen Beinpaare ist dann, deutlich sichtbar, nicht mehr gegeben. Diese fehlt allerdings auch dann, wenn das Pferd grundsätzlich im Rücken so gestört wird, dass die Bewegung einfach nicht mehr durch das Pferd bis nach vorne durchlaufen kann.

Verbesserungsvorschläge


Sitzkorrekturen


Was die Sitzfehler des Reiters angeht, läuft es immer wieder auf das Gleiche hinaus: Üben, Üben, Üben. Übungen an der Longe sind dabei stets sowohl Basis als auch Kontrolle für einen unabhängigen und geschmeidigen Sitz. Das konkrete Problem des Aussitzens im Mitteltrab ist allerdings an der Longe nur bedingt zu korrigieren. Dieses Tempo stellt auf dem Zirkel für das Pferd eine sehr hohe Belastung dar. Es wäre ideal, könnte der betroffene Reiter zunächst auf einem sicheren Pferd lernen, das Gefühl für den mitschwingenden Sitz zu entwickeln. Es macht dabei aber wenig Sinn, einen Reiter, der bereits seinen Halt verloren hat, noch weiter im Mitteltrab zu quälen. Geübt werden sollte immer nur in kleinen Schritten. Wenn nach zwei verstärkten Trabtritten die Balance verloren geht, wird eben wieder durchpariert. Von "Durchhalteparolen" profitiert hier niemand. Im Gegenteil, auch dem Pferd wird dadurch die Bereitschaft zum Mitteltrab abgewöhnt.

Bessere Vorbereitung


Es gibt Reiter, die auf dem einen Pferd im Mitteltrab fast herunterfallen, auf einem anderen aber problemlos sitzen können. Das liegt in der Regel daran, dass das erste Pferd nicht korrekt unter sich tritt und mit festgehaltenem Rücken selbst nicht entspannt schwingt. Das zweite Tier hingegen richtet sich auf, wird leicht in der Vorhand, tritt weit unter sein Gewicht und federt aus der Hinterhand heraus mit schwingendem Rücken nach vorne. Es "nimmt den Reiter mit". Wie lässt sich dies nun auch bei dem ersten Pferd erreichen? Um im Mitteltrab tatsächlich verstärkt vorwärts zu kommen, muss die Energie der einzelnen Tritte erhöht werden.

... durch Geraderichten


Es ist darauf zu achten, dass das Pferd geradegerichtet ist, damit der Schwung der Hinterhand auch tatsächlich vorne ankommt und nicht seitwärts verpufft. Geraderichten heißt, egal, ob im Geradeaus oder in einer Wendung treten die Hinterfüße auf die Linie der Spuren der Vorderfüße. Nur dann tritt ein Pferd tatsächlich unter sein und des Reiters Gewicht. Nur dann schwingt die Bewegung bis vorne durch. Zur Verbesserung der Geraderichtung ist es notwendig, das Pferd auf die seitwärts treibenden Schenkel zu sensibilisieren. Jede Art von Seitengang, insbesondere aber das Schulter-vor oder Schulter-herein sind bei korrekter Ausführung dazu geeignet, die natürliche Schiefe des Pferdes zu überwinden. Dabei gilt es, die Hinterhand auf die Vorhand einzustellen, vermehrt den Außenzügel einzusetzen und das Pferd vom Innenzügel zu lösen.

... durch Aufnehmen


Um seine Tritte verlängern zu können, braucht das Pferd in seiner Trabbewegung quasi eine "Reserve". Aus einem flachen und auseinander gefallenen Arbeitstrab lässt sich kein Mitteltempo entwickeln. Zunächst muss das Pferd animiert werden, seine Tritte mehr nach oben herausfedern zu lassen. Dazu muss die Hinterhand kraftvoll abfußen und die Vorhand soll leichter werden. Dies erreicht man durch konsequentes Vorwärtsreiten in Verbindung mit halben Paraden. Das heißt, das Pferd wird getrieben, gleichzeitig aber mit Hilfe von Gewicht, Schenkeln und Zügeln auch zurückgenommen. In dem Moment, da es diese Hilfen annimmt, wird es leicht in der Hand, trägt sich also selbst und federt deutlich nach oben. Wenn dann etwas Energie sozusagen "übrig" ist, fällt es dem Pferd leichter, diese im sicheren Takt in ein schwungvolles Vorwärts umzuwandeln.

... durch Wendungen


Eine bewährte Möglichkeit, den Mitteltrab zu entwickeln, ist es, aus einer Ecke heraus das Pferd antreten zu lassen. Der springende Punkt dabei ist, dass in einer – korrekt gerittenen - Ecke der Innenschenkel das Pferd noch einmal deutlich an den Außenzügel stellt und die Hinterbeine sowohl geradegerichtet als auch zu vermehrtem Untertreten animiert werden. Das Pferd tritt also in diesem Moment besonders gut unter sein Gewicht und ist zudem mit Hilfe des Außenzügels in schöner Selbsthaltung. Wenn nun aus der Ecke heraus zu dem weiterhin vermehrt treibenden Innenschenkel ein ebenfalls auffordernder Außenschenkel kommt, der Reiter tief, aufrecht und geschmeidig sitzt und mit den Händen etwas vorgeht, hat sich schon manches Mal der Mitteltrab "fast von alleine" entwickelt.

... durch Trabstangen?


Von der Möglichkeit, den Mitteltrab über weit gelegte Trabstangen zu entwickeln, halte ich nicht allzu viel. Ein untalentiertes oder ungenügend vorbereitetes Pferd kann nicht zur Verlängerung seiner Tritte gezwungen werden. Wenn es dann auch noch zwischen den Stangen oder gar auf sie drauf stolpert, wird seine Freude an langen Tritten sicher nicht gesteigert. Eine Unterstützung für den Mitteltrab sind Trabstangen meiner Ansicht nach nur in dem Maße, in welchem sie das Pferd zu besserer Regelmäßigkeit seines
natürlichen Raumgriffs veranlassen und seine Rückentätigkeit trainieren.

... durch generelle Stärkung von Rücken und Hinterhand


Da der Mitteltrab eben den Rücken und die Hinterhand des Pferdes besonders beansprucht, kann man die Entwicklung der Trabverstärkung generell unterstützen durch spezielle Übungen für Muskelaufbau und Gymnastizierung. Dazu eignen sich besonders gut leichte Springgymnastik und leichtes Klettern im Gelände. Bei beiden Übungen muss die Hinterhand vermehrt abdrücken und der Rücken wird geöffnet. Besonders beim Klettern wird die Gewichtsaufnahme durch die Hinterhand sowie ihr tiefes Untersetzen gefördert. Die Rückentätigkeit wird durch Springgymnastik ausgezeichnet verbessert.

... durch freies Traben im Gelände


Wie gesagt ist die Trabverstärkung auch ein Ausdruck von Lebensfreude. Manches Pferd, das in der Reitbahn mit mehr oder weniger Begeisterung seine Runden läuft, bekommt beim Anblick von weiten Wiesen und langen Waldwegen eine ganz andere Motivation und damit völlig neue Bewegungen. Hier kann es ruhig einmal über eine längere Strecke hinweg die Kraft seiner Trabtritte erfühlen und trainieren. Im Leichttraben, sicher eingerahmt von festen Reiterbeinen und mit einer leichten, aber konstanten Verbindung zum Maul sei es dem Pferd gestattet, das Tempo selbst zu bestimmen, solange es im Trab bleibt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Strecke tatsächlich mindestens 1000m lang sein sollte, damit anfängliche Taktschwierigkeiten oder generelle Unruhe langsam durch ein sicheres, gleichmäßiges und kraftvolles Vorwärtstreten abgelöst werden. Ein Pferd, das deutlich vorwärts kommt, tritt in der Regel auch gut von hinten unter sein Gewicht. Wenn es dann ein Gefühl für seinen Schwung und Freude an seiner Kraft gefunden hat, wird das Pferd mit der Zeit auch im Viereck leichter zu einem ausdrucksvollen Mitteltrab zu animieren sein.

In diesem Sinne beschließe ich hier die Besprechung des Mitteltrabs. Im nächsten Heft geht es weiter mit dem versammelten Trab.

Ute Forler


Verladen – aber sicher


Die grüne Saison rückt langsam näher. Viele Pferde werden bald wieder verladen, um aufs Turnier zu fahren; Zuchtstuten und Fohlen werden bei entsprechenden Zuchtschauen vorgestellt, vielleicht lockt ein besonders schönes Ausreitgelände nur eine Fahrtstunde entfernt – oder schlimmstenfalls: Vielleicht muss das Pferd in die Klinik?

Zum modernen Pferdeleben gehört das Fahren im Pferdetransporter schon fast zwangsläufig dazu.


Der Hänger


Dass der Hänger verkehrstüchtig ist, versteht sich (hoffentlich) von selbst. Er sollte so geparkt werden, dass er sicher steht, ringsum keine direkte Verletzungsgefahr besteht und die Bracke (die hintere Tür, die zum Verladen auf den Boden gekippt wird und so die Verladerampe bildet) sicher aufliegt und nicht wackelt, wenn das Pferd darauf tritt.

Der Boden muss rutschfest und griffig sein. Normalerweise haben Hänger und Rampe einen Gummibelag, oft dienen auch waagerechte Stege auf der Rampe dazu, ein Abrutschen zu erschweren. Feuchtigkeit und Nässe beispielsweise kann dazu beitragen, dass der Boden rutschig wird, ebenso wie Mist auf der Rampe. Wenn das Pferd ausrutscht, bekommt es verständlicherweise Angst, ebenso, wenn die Rampe stark wackelt.

Es muss sichergestellt sein, dass alles schnell und sicher zu handhaben ist: Die vorderen Stangen sind auf die richtige Höhe eingestellt (bei vielen Hängern gibt es die Möglichkeit, die Stangen für Ponys oder Fohlen niedriger zu hängen, was auch unbedingt genutzt werden sollte). Die hinteren Stangen werden entweder nur an einer Seite ausgehängt oder aber ganz herausgenommen – dann lehnen sie griffbereit direkt seitlich am Hänger, wo sie beim Verladen nicht stören, aber schnell zur Hand sind.

Es kann hilfreich sein, die vordere kleine Ausstiegstür zu öffnen, damit der Hänger nicht so dunkel ist – Pferde sind keine Höhlentiere, sie gehen ungern in eine dunkle Höhle wie einen geschlossenen Pferdehänger hinein.

Sobald das Pferd den Hänger ganz betreten hat, werden zuerst die hinteren Stangen eingehängt und dann zügig die Rampe angehoben und verschlossen. Erst dann darf das Pferd auch vorne angebunden werden – vorher besteht das Risiko, dass es wieder rückwärts aus dem Hänger hinausgehen möchte und dann eventuell in Panik gerät, wenn es vorne bereits festgebunden wurde. Ist die Bracke jedoch geschlossen, ist das eine deutliche und auch optisch gut erkennbare Barriere.


So geht es hinein


Beim Verladen ist Ruhe oberstes Gebot. Wer nicht sicher ist, ob das Pferd friedlich in den Hänger geht, und deshalb nervös ist, sollte vorher ganz bewusst tief und entspannt durchatmen und sich positiv stimmen. Geduld ist wichtig – Hektik und Stress übertragen sich unweigerlich auf das Pferd.

Ein Helfer ist sinnvoll, vorausgesetzt, er bleibt ruhig im Hintergrund, bis er gebraucht wird. Je mehr Leute Unruhe verbreiten, desto skeptischer wird verständlicherweise das Pferd.

Ganz selbstverständlich wird das Pferd nun gerade und direkt zum Hänger geführt – und wenn es nicht selbst stockt und stehenbleibt, geht es auch direkt ganz selbstverständlich hinein. Wichtig: Der Führer selbst zögert auf keinen Fall! Je zügiger und unauffälliger der Führer voran geht, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Pferd sich ihm anvertraut und in den Hänger folgt.

Falls das Pferd jedoch stehenbleibt, darf es das auch. Es kann sich ganz in Ruhe den Hänger und die Rampe betrachten. Rückwärts geht es jedoch nicht.

Steht das Pferd nun vor der Rampe, ist es oft schon ausreichend, nacheinander seine Vorderhufe anzuheben und auf die Rampe zu setzen. So merkt das Pferd, dass der Boden dort fest und sicher ist und gefahrlos betreten werden kann. Reicht das noch nicht, können die Füße nach und nach weiter von Hand nach vorne gesetzt werden – viele Pferde lassen sich auf diese Weise gut auf die Rampe manövrieren und gehen die letzten Schritte dann auch freiwillig. Dabei hält der Führer weiter den Halfterstrick und geht langsam voran, während der Helfer sich den Pferdefüßen widmet.

Eine andere, oft gesehene Möglichkeit besteht darin, eine Longe hinter dem Pferd zu spannen. Diese wird üblicherweise an einer Seite des Hängers befestigt und dann hinter dem Pferd herumgeführt. Nun geht der Führer voran, während der Helfer die Longe langsam strafft, so dass das Pferd nach vorne geschoben wird. Aber Vorsicht: Der Longenführer braucht viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl! Wird der Druck zu groß, reagieren viele Pferde panisch, springen zurück oder steigen sogar, bis sie sich überschlagen. Die Longe muss daher im Ernstfall sehr schnell nachgegeben werden.

Natürlich lassen sich manche Pferde auch ganz einfach mit Futter locken.

Einige Pferde haben an sich nichts gegen das Verladen, bekommen im Doppelhänger mit seinen schmalen Abteilen jedoch Platzangst – es ist für ihr Empfinden einfach zu eng. Hier ist ein 1 ½-Pferde-Anhänger optimal. Es kann auch die Mittelwand im Doppelhänger entfernt werden. Dann steht das Pferd zwar nicht ganz so sicher und ruhig, aber dafür wesentlich entspannter.

Generell ist in diesem Fall immer eine Trennwand mit einem durchsichtigen Plastikvorhang zu empfehlen, da diese nicht so massiv und einengend auf das Pferd wirkt wie eine feste Wand.


Verladetraining im Vorfeld


Zeit ist ein ganz wichtiger Faktor, wenn es darum geht, dem Pferd etwas Unbekanntes nahezubringen. Vieles lässt sich mit Zeit und Ruhe ganz entspannt und gewaltfrei erreichen, was unter Zeitdruck nur mit extremen Maßnahmen möglich ist. Ideal ist es, wenn das Verladen nicht erst dann zum Thema wird, wenn das Pferd wirklich irgendwo hin muss – denn dann herrscht meist ein gewisser Zeitdruck, was den Stress deutlich erhöht. Besser nimmt man sich an einem ganz normalen Tag einmal die Zeit, das Pferd mit dem Hänger vertraut zu machen (oder auch an mehreren ganz normalen Tagen).

Nun kann man es sich beispielsweise ganz in Ruhe auf der Rampe gemütlich machen, falls das Pferd nicht hinein möchte. Wichtig: Wer zu Beginn deutlich macht, dass das Pferd in den Hänger gehen soll, kann erst aufhören, wenn das Pferd auch im Hänger steht. Wer sich nicht sicher ist, dass das am ersten Tag gelingt, sollte die Ziele niedriger stecken: „Heute gehen wir bis zur Rampe und fressen dort etwas“ wäre auch schon akzeptabel, falls das Pferd große Angst zeigt. Das Pferd bemerkt, dass der Mensch bestimmt, was gemacht wird – und erlebt nicht, dass der Mensch zwar etwas möchte, dies aber nicht durchsetzen kann.

Falls das Pferd noch nicht einmal in die Nähe des Hängers folgt, sollte einmal überprüft werden, wie es mit dem grundsätzlichen Gehorsam an der Hand steht. Gerade beim Verladen ist es wichtig, dass das Pferd gut halfterführig ist und dem Menschen grundsätzlich brav folgt. Auch ganz  einfache Führübungen können daher zum Verladetraining gezählt werden.


Der Frühjahrs-Fellwechsel:

Ab ins Sommerfell!



Haare, Haare, Haare … wenn robust gehaltene Pferde das Winterfell verlieren, dann ist das schon beeindruckend. Was für eine Menge Fell! Bei den kurzfelligen Kollegen aus dem warmen Stall bzw. unter der warmen Decke ist das Fell zwar nicht so auffällig, aber auch zahlreich vorhanden.


Schonzeit


Der Fellwechsel für das Sommerfell startet oft schon sehr früh, bereits im Februar fangen manche Pferde an, ihr Fell abzuwerfen – vor allem, wenn der Winter so mild ist wie in diesem Jahr vielerorts.

So richtig geht es aber los, wenn die Tage deutlich länger werden – meistens im März, April. Und dann dauert es bis zu vier Wochen, bis die Pferde endlich wieder „flusenfrei“ sind.

Das ist anstrengend für die Pferde. Der Stoffwechsel ist beansprucht, und entsprechend können sie in dieser Zeit durchaus vermindert leistungsfähig sein, schlapp oder auch unlustig wirken. Es ist daher sinnvoll, in dieser Zeit hauptsächlich leichte Arbeit ins Programm zu nehmen – ernsthafter Konditionsaufbau beginnt besser erst dann, wenn die Pferde weitgehend glatt im Fell sind. Dann schwitzen sie auch nicht mehr so schnell.


Decke weg?


Wenn das Pferd über den Winter eingedeckt war, hat es meist nur wenig Winterfell. Dennoch findet ein Fellwechsel statt. Dieser wird unter anderem durch Licht stimuliert. Trockene und milde Tage sollten deshalb genutzt werden, um die Decke abzunehmen, damit Licht und Luft an Fell und Haut gelangen können. Die Pferde genießen es, sich ganz ausgiebig ohne Decke zu wälzen und zu schubbern! Auch das kurze Fell juckt, wenn es ausfällt und unter der Decke noch dazu schwer loszuwerden ist. Wenn die anderen Pferde mit dem Fellwechsel fast fertig sind, ist es an der Zeit, die Decke ganz wegzulassen.


Verzögerter Fellwechsel?


Vor allem alte Pferde haben manchmal Probleme mit dem Fellwechsel – sie haben ein besonders dichtes und langes Fell und werden es nur schwer los. Wenn es nun warm wird und das Pferd noch im Pelz steht, ist es sinnvoll, eine Teilschur vorzunehmen: Ein schmaler geschorener Streifen am Unterhals, an der Brust und eventuell auch entlang der Seite am Bauch bis zur Flanke hilft dem Pferd, zu belüften und Wärme abzuführen, so dass es nicht so schnell überhitzt, wenn die Sonne scheint.

Falls der Fellwechsel nicht gut klappt, sollte der Tierarzt zu Rate gezogen werden. Er kann das Pferd eventuell auf Cushing testen: Dieser Erkrankung führt unter anderem häufig zu schlechtem Fellwechsel, hat aber auch schwerwiegendere Konsequenzen (z.B. ein deutlich erhöhtes Hufreherisiko) und kann behandelt werden.


Zur Diskussion: Ehrgeiz – das richtige Maß


„Schlimm, diese Turnierreiter! Eine Schleife an der Wand ist ihnen wichtiger als ihr Pferd!“ Oder anders: „Schrecklich, diese Freizeitschluffel. Latschen völlig auseinandergefallen durch den Wald und nennen das Reiten. Kein Wunder, dass die Pferde so oft lahm gehen!“

Man kennt sie, die beiden Lager unter den Reitern. Und wer nun Recht hat, lässt sich gar nicht so einfach sagen.


Der Wille zum Sieg?


Mit dem Ehrgeiz ist das so eine Sache. Zu viel ist sicher nicht gut – aber zu wenig eben auch nicht. Zu viel Ehrgeiz führt oft dazu, dass das Pferd zum Sportgerät herabgewürdigt wird und nicht mehr als lebendes, fühlendes Wesen in seiner Individualität respektiert wird. Zu wenig Ehrgeiz aber führt häufig dazu, dass die Ausbildung von Pferd und Reiter vernachlässigt wird und das Pferd so oft langfristig mit einer falschen Belastung, schmerzender Muskulatur und den Folgeschäden leben muss.

Etwas Ehrgeiz sollte der Reiter also schon haben. Und da ist es auch nicht verkehrt, wenn ein gewisser Wettbewerb mitspielt. Der private Ehrgeiz, das Pferd gut zu reiten, wird viel schneller untergraben oder gerät bei schlechtem Wetter ins Hintertreffen als der sozusagen „öffentliche“ Ehrgeiz, in einer Turnierprüfung gut abzuschneiden.

Und das ist wichtig: Man muss schon bemüht sein, gut abzuschneiden – aber man muss bestimmt nicht immer gewinnen! Wer schon frustriert ist, wenn er in der Platzierung hinten steht, der wird nicht nur selbst fast immer unzufrieden sein, der wird auch schnell ungerecht seinem Pferd gegenüber.


Reiten mit Ziel


Es ist sinnvoll, sich Ziele zu stecken, um bei der Ausbildung von Pferd und Reiter auch messbare Fortschritte zu erzielen. Turnierprüfungen bieten hier einen sehr guten Ansporn. Sie sollten so ausgewählt werden, dass weder Pferd noch Reiter überfordert werden – aber natürlich braucht es schon einen gewissen Anspruch. Wer also ungefähr auf A-Niveau reitet, tut gut daran, L-Prüfungen vorerst zu meiden – hat aber auch in Reiterwettbewerben nichts mehr zu suchen. Als Reiter stellt man schnell fest, dass es etwas anderes ist, eine Dressuraufgabe korrekt zu absolvieren, als die gleichen Lektionen zwanglos im Rahmen des täglichen Trainings zu reiten. Gerade die geforderte Exaktheit zwingt den Reiter dazu, seine Hilfengebung zu verfeinern und die Durchlässigkeit des Pferdes zu verbessern, ebenso wie die Losgelassenheit des Pferdes als Basis jeder weiterführenden Arbeit.

Ohne Turniere fehlt der konkrete Anlass für diese detaillierte, exakte Überprüfung der Ausbildung. So können sich Fehler viel schneller einschleichen und verfestigen. Wer also keine Turniere reitet, muss umso mehr darauf achten, korrekt und konzentriert zu arbeiten – und er sollte sich wenigstens im privaten Rahmen konkrete Ziele setzen: Diese Lektion möchte ich ganz korrekt reiten!


Welcher Ehrgeiz?


Es ist gut, den Ehrgeiz zu haben, sein Pferd möglichst gut zu reiten, und es ist ebenfalls gut, mit diesem Ehrgeiz auf einem Turnier zu starten.

Ganz anders sieht es mit einem rein persönlichen Ehrgeiz aus: Wer ehrgeizig ist, weil er immer der oder die Beste sein will, der wird über diesem Ehrgeiz oft ungerecht gegen sein Pferd – weil es nicht gut genug gelaufen ist, weil es vor dem Sprung verweigert hat, weil er wieder nicht ganz vorne stand.

Natürlich will tief im Inneren jeder der Beste sein. Wer steht nicht gerne ganz vorne bei der Siegerehrung? Darüber dürfen wichtigere Dinge wie das gemeinsame und grundsätzlich freundschaftliche Arbeiten von Pferd und Reiter jedoch nicht in den Hintergrund gedrängt werden.


Von der Unmöglichkeit, eine Gerte zu besitzen

 

Auch wenn Gerten eigentlich überhaupt nicht danach aussehen, so sind sie doch nichts weiter als mehr oder weniger billige Einwegartikel, denn kaum hat man sie einmal benutzt, sind sie auch schon verschwunden.

Wer dies nicht glaubt, sollte seine Gerte einfach mal eine Weile unbeobachtet im Stall lassen, um etwa auf die Toilette zu gehen, seinen Sattel aufzuhängen oder sein Pferd wegzubringen - mit großer Wahrscheinlichkeit wird er die Stelle, auf der er seine Gerte erwartet, leer vorfinden. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann dieses Experiment über Nacht durchführen, obwohl Gerüchte behaupten, manchmal reiche es auch schon, sich nur kurz umzudrehen.

Dass Gerten also ganz gerne mal verschwinden, ist eine Tatsache; um so rätselhafter dagegen ist die Frage: "wohin?", und diese bleibt bis auf einige Ausnahmefälle auch ungeklärt.

Ab und zu sieht man natürlich schon einmal eine Gerte in einem fremden Schrank stehen oder in der Hand eines anderen Reiters an einem vorrüberreiten, von der man schwören könnte, dass man sie erst gestern noch sein eigen genannt hat, doch wer möchte einen Reiter schon offen des Diebstahles bezichtigen? - Zudem, wenn er gerade mit einer Gerte bewaffnet ist...

 

Ein paar Versuche, letztendlich doch eine Gerte zu besitzen


Auch ich habe inzwischen schon unzählige Gerten besessen, wobei ich zugeben muss, dass mir auch einige dadurch verloren gingen, dass ich sie während eines Ausrittes fallen ließ, was diese raffinierten Dinger immer sofort zur Flucht in irgend ein Gestrüpp nutzen. Wenn man jedoch erst einmal eine Zeitlang seine Tage damit verbringt, entweder nach der alten Gerte zu suchen oder sich eine neue zu kaufen, beginnt man über eine Lösung des Problems nachzudenken:

Zuerst probierte ich es mit der diplomatischen Wiederbeschaffung: "Ah, ich sehe, Du hast Dir meine Gerte geliehen, stell sie nach Gebrauch bitte wieder in meinen Schrank!" Der Erfolg war jedoch eher mäßig, und so kaufte ich, um wenigstens die Abstände zu verlängern, eine Zeitlang Gerten nur noch im Zehnerpack. Diese Methode brachte mich dann auch auf eine neue Lösungsidee, nämlich einfach so lange Gerten zu kaufen, bis theoretisch der gesamte Gertenbedarf des Stalles gedeckt sein müsste und so das Interesse an meiner Gerte extrem nachlassen müsste. Nachdem jedoch rein rechnerisch jeder Mitreiter stolzer Besitzer von drei meiner Gerten hätte sein müssen, ließ ich auch diesen Plan wieder fallen.

Dieses erneute Scheitern stürzte mich in den Mut der Verzweifelten, und ich ging zum direkten Angriff über: "Was Du dort in der Hand hältst, sieht meiner Gerte verdammt ähnlich, und ich hätte sie nun gerne wieder zurück!" Nach einem kurzen Vortrag darüber, dass sich schließlich die meisten Gerten verdammt ähnlich sehen, und der Frage, ob ich meine Aussage irgendwie beweisen könnte, wurde mir auch weiterhin viel Glück beim Suchen gewünscht.

 

Hoffnung?


Einen letzten Versuch startete ich auf dann auf der Equitana, der größten Gerten-Messe Europas. Nach langem Suchen und sorgfältigem Auswählen glaubte ich dann auch das Ende meines Gertenproblems in Händen zu halten, doch entgegen aller meiner Erwartungen verschwand auch diese - und ich frage mich seitdem: "Wer um Himmels willen klaut denn eine schreiend rosa Gerte mit einem Plastikpferdekopf als Knauf?"

Doch wie gesagt war das mein letzter Versuch, und außerdem sind Gerten sowieso nur völlig nutzlose Gegenstände, die ein guter Reiter wie ich überhaupt nicht nötig hat!

Katinka Schnitker


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