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Problempferde: Verweigern - Handpferdereiten - Einstreu - Reiten als sinnvolles Hobby? - Zum Wiehern!

Equikids Ausgabe 02/2013


Verweigerung am Sprung, Teil II


In der letzten Ausgabe von Equikids haben wir uns bereits mit möglichen Ursachen für das Verweigern am Sprung beschäftigt. Während dabei noch der Reiter im Blickpunkt stand, wenden wir uns nun dem Pferd zu. Woran kann es liegen, wenn das Pferd trotz korrekter Hilfengebung verweigert?


1. Das Pferd hat Angst
a) Talent ohne Mut
In wenigen Fällen hat ein Pferd trotz genügendem Springtalent einfach nicht genug Mut, sich über ein Hindernis fliegen zu lassen. Überprüft werden kann dies im Freispringen. Ist ein Pferd nur unter massivem Druck bereit, über einen Sprung zu gehen, nützt auch dabei gezeigte gute Technik nichts. Solange es nicht ein Mindestmaß an eigener Springfreude zeigt, sollte dieses Tier nicht mit richtigen Hindernissen konfrontiert werden. Es mag allerdings sein, dass es unter einem besonders umsichtigen und guten Reiter und im Rahmen eines sehr behutsam aufgebauten Trainings mit der Zeit soviel Vertrauen zu seiner Kraft entwickelt, dass doch noch ein gutes Springpferd aus ihm wird.
b) fehlende Begabung
In anderen Fällen ist das Pferd offensichtlich besser als der Reiter in der Lage, sein Talent einzuschätzen. Sein Verweigern basiert auf der berechtigten Angst, beim Überwinden des Hindernisses Schaden zu nehmen. Wer ein solches Tier mit Gewalt über den Sprung schickt, muss mit ernsthaften Unfällen rechnen. Im Zweifelsfall sollte unter den Augen eines Fachmannes das Pferd im Freispringen beobachtet und eingeschätzt werden. Hat es tatsächlich echte Probleme, Stangen fehlerfrei zu überwinden, sollte sein Springeinsatz sofort beendet werden.
c) schlechte Erfahrungen
Pferde haben ein gutes Gedächtnis, besonders wenn es um schlechte Erfahrungen geht. Wurde z.B. ein intelligentes und vertrauensvolles Pferd von seinem Reiter in ein zu schwieriges Hindernis "gesetzt" oder hat er es in einem schweren Parcours hilfentechnisch völlig allein gelassen, ist damit zu rechnen, dass es in Zukunft bei jedem Sprung genau überlegt, ob es seinem Reiter noch vertrauen kann. Hat es Zweifel, ob es den Sprung gefahrlos überwinden kann, wird es im Zweifelsfall lieber stehen bleiben oder vorbei laufen. Solche Tiere können sich im Freispringen absolut souverän präsentieren, mit Talent und Springfreude, unter dem Reiter aber haben sie jedes Vertrauen verloren. Dieses wieder herzustellen, ist vollständig wohl nicht möglich. Ein Rest an Skepsis wird wahrscheinlich immer bleiben, je nach Intensität der schlechten Erfahrung und Sensibilität des betreffenden Pferdes. In jedem Fall ist die Rückkehr zu einem annähernd normalen Springverhalten ein Langzeitprogramm.

2. Das Pferd ist "sauer"
Mit diesem Fachwort wird ein Pferd bezeichnet, welches über gutes Springvermögen verfügt, welches anfangs gut und willig gesprungen ist, und welches irgendwann beschlossen hat, dass es fortan mit Springen nichts mehr zu tun haben will. Im schlimmsten Fall wird ein solches Tier unabhängig von allen ergriffenen Maßnahmen nie wieder ein Hindernis überwinden.


Ursachen:
a) Überforderung
Die häufigste Ursache findet man in Überforderung während der Jugend. Viele talentierte junge Pferde entwickeln mit dem Bewusstsein ihrer wachsenden Kraft auch echte Springfreude, verbunden mit einer enormern Leistungsbereitschaft. Das behutsame Aufbauen der Anforderungen erfordert umso mehr Fachwissen, desto begabter das Pferd sich präsentiert. Der angebotene Eifer des Tieres darf auf keinen Fall ausgenutzt werden, solange Knochen und Sehnen nicht langsam auf höhere Belastungen vorbereitet wurden und solange nicht das Tier selbst genügend Routine und Sicherheit über kleinen bis mittleren Anforderungen gewonnen hat, um sich auch von einem höheren Sprung nicht in Aufregung versetzen zu lassen. Leider nehmen sich viele Reiter nicht genügend Zeit für eine langsame und sinnvolle Ausbildung ihres "Krachers". Frei nach dem Motto "Er springt doch alles!" wird eben auch alles angeritten. Das geht so lange gut, bis die Grenze überschritten wird und es zu schmerzhaften Stangenkontakten oder sogar zu einem Sturz kommt.
- Verantwortung auch für die Seele:
Besäße das Pferd nun eine solide Basis in Sachen Springtraining, könnte man einfach einen Schritt zurückgehen und es dort wieder festigen für einen neuen, besser vorbereiteten Versuch. Sprang aber das Pferd bisher praktisch ohne nachzudenken, einfach aus jugendlichem Eifer heraus, bedeutet ein solcher Fehlversuch einen ungeheuren Einbruch seines Selbstvertrauens. Möglicherweise wird es danach selbst vor Cavalettis stehenbleiben. Vielleicht wird es nie mehr springen. In jedem Fall zieht ein solcher Fehler einen sehr langen und gründlichen Wiederaufbau nach sich. Das jugendliche Grundvertrauen in sich und seine scheinbar grenzenlose Kraft aber wird dieses Pferd nie wieder finden. Jedem Reiter sollte bewusst sein, dass er Verantwortung trägt nicht nur für die körperliche Unversehrtheit seines Tieres, sondern auch für dessen Seele.

b) konsequent schlechtes Reiten
Im Maul reißen, in den Rücken fallen, hinter der Bewegung bleiben, unangebrachter und übermäßiger Einsatz von Gerte und Sporen – all diese Aktionen seines Reiters können ein Pferd natürlich schon auf den Gedanken bringen, dass das Springen von Hindernissen eher abzulehnen sei. Wenn jeder Sprung mit einem oder mehreren vorgenannter Dinge verbunden ist, kann man nur hoffen, dass das betroffene Tier genügend Selbsterhaltungstrieb besitzt, um fortan konsequent zu verweigern. Manche Pferde tun dies – sehr viele sind leider viel zu brav, um sich ernsthaft zur Wehr zu setzen.

Zusammenhänge suchen, erkennen und berücksichtigen!
Die vorstehenden Ausführungen betreffen die häufigsten Ursachen, aus denen heraus ein Pferd verweigert. Trotzdem ist es unerlässlich, dass jeder Reiter im Falle dieses Problems offen und ehrlich seine und seines Pferdes ganz persönliche Situation durchdenkt und nach möglichen Gründen sucht. Eben so wichtig ist es, dass erkannte Ursachen auch berücksichtigt werden. Ein "Darüber-weg-reiten" mag bei einfachen Unstimmigkeiten funktionieren. Ernste Probleme löst man sicher nicht auf diese Art.

Stehenbleiben oder Vorbeilaufen - ein Unterschied?
Grundsätzlich ist beides eine Verweigerung. Als Richtlinie würde ich jedoch sagen: Bleibt das Pferd stehen, ist tendenziell Angst oder zumindest Unsicherheit im Spiel, sei es bei Mensch oder sei es beim Tier. Läuft das Pferd vorbei, ist tendenziell eher von einem schwachen, unsicheren oder schlechten Reiter auszugehen.

Was mache ich, wenn ...?
... mein Pferd vor dem Sprung zu schnell wird? ... mein Pferd immer nach rechts ausweicht? Diese und andere konkrete Fragen werden im nächsten Monat beantwortet.

Ute Forler


Handpferdereiten – Teil I


Das Reiten mit Handpferd oder gar mit mehreren Handpferden war jahrhundertelang völlig selbstverständlich. Entweder war das Handpferd das Packpferd, auf welchem die Nomaden ihren Hausrat transportierten oder die Händler ihre Waren. Oder es war beispielsweise das Turnierpferd des Ritters, das bis zum Turnier geschont und von einem Knappen an der Hand mitgeführt wurde bzw. das Jagdpferd des Jagdreiters, das erst zu Beginn der eigentlichen Jagd zum Einsatz kam und nicht durch Hinreiten zum Treffpunkt ermüdet werden sollte.

Seit es Pferdetransporter gibt, ist das letztere aus der Mode gekommen. Ritter gibt es schon lange nicht mehr, und auch andere Waren transportiert man nicht mehr auf vier Hufen. Reiten ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts hauptsächlich ein Wettkampfsport. Erst in den siebziger Jahren mit Aufkommen des Wanderreitens erinnerte man sich wieder daran, dass man ein Pferd bepacken und auf einen Ritt mitnehmen kann. Als Turnierdisziplin ist Handpferdreiten meistens nicht gefragt - dabei erfordert es viel reiterliches Können und bietet eine breite Facette von Möglichkeiten.

Da wäre beispielsweise nicht nur das Reiten in allen Gangarten, sondern auch das Überwinden von Hindernissen. Das können Sprünge ebenso sein wie Brücken, Schmalstellen oder Wasserdurchquerungen, bei denen das Handpferd einmal links, einmal rechts vom Reitpferd gehen muss oder gar hinterher. Das setzt viel Übung und Koordinationsvermögen des Reiters voraus.


Handpferdereiten - für welche Pferde?

Es ist für alle Pferde jeden Alters angenehm, spannend, entspannend und konditionsaufbauend, neben einem zuverlässigen Reitpferd zu laufen. Manches Turnierpferd, das im Laufe der Jahre lediglich „seine“ Reithalle kennt, würde sich freuen, locker neben einem gerittenen Pferd herlaufen zu dürfen...
Unabdingbar jedoch sollte die Ausbildung zum Handpferd zur Grundausbildung des jungen Pferdes gehören. Sie fördert den Gehorsam, die Lauflust und das Vertrauen in die Umwelt, welche das junge Pferd an der Seite eines erfahrenen Reitpferdes erkunden kann. Junge Pferde, die die Welt unbelastet von Sattel und Lernzwängen unter dem Reiter kennenlernen dürfen, sind später wesentlich zuverlässigere Geländepferde als junge Pferde, die gleich unter dem Reiter ins Gelände gehen. Da haben sie nämlich noch so viel mit ihrem Gleichgewicht unter dem Reiter in unterschiedlichem Gelände zu tun, so viel auf Schenkel- und Zügelanweisungen zu achten, dass sie für die Welt rundherum kaum einen Blick haben. Und wenn dann eine Plastiktüte auffliegt, erschrickt das junge Pferd, das mit dem Reiter und seinem eigenen Körper genug zu tun hatte.  Als Handpferd kann es relativ unbeschwert neben einem vertrauten Gefährten laufen und sich in Ruhe umschauen, ganz abgesehen von einem veritablen Konditionsaufbau.

Auch die sogenannten Beistell- oder Gesellschaftspferde, die dem Reitpferd die Einsamkeit abnehmen, freuen sich, wenn sie neben ihrem Gefährten im Gelände laufen dürfen. Da es sich bei diesen Pferden meist um ältere oder in irgendeiner Weise schonungsbedürftige Pferde handelt, laufen sie meistens unproblematisch neben ihrem Stallgefährten. Alte Pferde, die nicht mehr geritten werden, sind dankbar für kleine Runden im Gelände, ohne einen Reiter tragen zu müssen. Solch ein kleiner Spazierritt ist selbst für ganz alte Pferde eine Art Jungbrunnen; sie kommen zwar manchmal körperlich etwas müde, aber ansonsten regelrecht erfrischt von den anderen Eindrücken vom Ritt zurück.

Kranke Pferde, die lange gestanden haben, sollte man zunächst als Handpferd mitnehmen, um ihnen beim Konditionsaufbau die körperliche Belastung durch den Reiter zu ersparen. Und gerade für „Hustenpferde“, die bewegt, aber nicht allzusehr beansprucht werden sollen, ist es ideal, als Handpferd mitzulaufen.

Nicht wegzudenken sind Handpferde bei Wanderritten. Hier haben sie einen ganz praktischen Zweck, nämlich das Gepäck des Reiters zu tragen. Das geht von der Hose und dem Pullover zum Wechseln bis hin zum Mini-Zelt und dem Elektro-Paddock. Für ambitionierte Wanderreiter ist das Handpferd das Tüpfelchen auf dem „i“.

Auch zu Jahreszeiten, in denen einem eigentlich nicht unbedingt sehr zum Reiten zumute ist - sei es ein knallheißer Sommer, sei es ein knirschend kalter Winter -, hat es sich sehr bewährt, wenn man ein oder gar zwei Pferde als Handpferd mitnehmen kann. An den Wintertagen, an denen sich die Pferde in der Box oder im Auslauf langweilen, der Reiter aber keine Lust hat, zwei- oder dreimal am Tag zu reiten, kann er die „ledigen“ Pferde als Handpferde mitnehmen - und alle sind zufrieden.


Voraussetzungen

Handpferdereiten birgt ein gewisses Risiko in sich, wenn Pferd und Reiter nicht erstklassig ausgebildet sind. Immerhin hat der Reiter möglicherweise über zwanzig Zentner Kraft unter Kontrolle zu halten...

Unerfahrene Pferde als Handpferd sind kein Problem, die kann man anlernen. Das Reitpferd hingegen muss geländeerprobt, gut geritten und hundertprozentig zuverlässig sein. Auch der Reiter sollte Erfahrung mit der Pferdeausbildung und darüberhinaus gute Nerven haben.

Im Interesse der Harmonie sollte man nur Pferde mit ähnlichem Temperament und ähnlicher Gangveranlagung gemeinsam gehen lassen. Es ist mühsam, eine „Schlaftablette“ hinter einem gehfreudigen Pferd herzuziehen; und einem Pferd mit viel Vorwärts verdirbt ein langsameres Reitpferd die Freude am Laufen.

Kein Problem ist hingegen die Größe. Selbst ein großes Pferd lässt sich von einem kleineren Pferd aus mühelos führen, wenn die Dominanzfrage geklärt ist: Der Boss ist immer der Reiter, und auch auf einem kleineren Pferd ist er immer noch höher als das größte Handpferd.

Voraussetzung für das Gehen zweier Pferde nebeneinander ist ein gewisses Vertrauen zueinander. Daher ist es gut, wenn sich die beiden schon vorher kennenlernen, etwa bei Ausritten mit zwei Reitern oder besser noch beim gemeinsamen Weidegang, weil sie hier ihren Rang selbstverständlich festlegen können.

Von Vorteil ist es, wenn das Reitpferd ranghöher ist als das Handpferd. Ein sehr dominantes Handpferd wird bei allem Gehorsam immer versuchen, das Heft in die Hand zu nehmen und mit der Nase vor das Reitpferd zu kommen. Es liegt in seiner Natur, dem rangniedrigeren Pferd wörtlich „den Rang abzulaufen“, für den Reiter ist das aber sehr unangenehm. Selbstverständlich kann man auch das in den Griff bekommen, aber es ist so mühsam, dass es einem die Freude am Handpferdereiten vergällen kann.

Mehr zum Thema Handpferdereiten erfahrt Ihr in der nächsten Ausgabe von Equikids.

Uta Over


Einstreu - mehr als nur ein Bett für die Pferde


Früher musste die Einstreu drei Kriterien erfüllen: Sie war die angenehme Liegefläche für die Pferde, sie nahm den Kot und Urin auf, und sie war Ballastfutter. Mit einem Wort: Es war die Stroh-Einstreu.

Heute hat sich das geändert. Stroh hat viele Vorteile, aber auch einige Nachteile wie z.B. das große Volumen, das sich schwer entsorgt, oder die Staubentwicklung, die bei stauballergischen Pferden ein großes Handicap ist.

Die Einstreu ist also nicht mehr unbedingt auch Futter für die Pferde; im Gegenteil: Oft ist der Pferdebesitzer geradezu danach bestrebt, dass das Pferd die Einstreu nicht frisst! Dann allerdings hat er das Problem, dem Pferd Ballastfutter in anderer Form zuführen zu müssen.


Matratze oder täglich frisch eingestreut?

An dieser Frage scheiden sich die Geister und werden wohl auch nicht mehr zusammenkommen. Vertreter der täglich frischen Einstreu argumentieren mit den schädlichen Ammoniakdämpfen, die der Matratze entweichen, mit dem Entstehen von Fliegennestern, mit feuchten Pferdehufen in der Matratze und so weiter.

Die Verfechter der Matratze hingegen verweisen auf die relativ weiche Liegefläche, die von Pferden nachweislich gegenüber einem harten Boden bevorzugt wird, und die bei täglich frischer Einstreu so nicht gegeben sein kann.

Das Problem ist, dass das, was man in vielen Reitställen sieht, mit der „echten“ Matratze nichts zu tun hat und lediglich eine Ansammlung von Mist ist.

Von Wrangel beschreibt in seinem „Buch vom Pferde“ (Olms Verlag), wie man eine Matratze anlegt: Pro Tag rechnet man mit zwei Kilo Stroh. Als Grundlage für eine Matratze, die 3 - 4 Monate liegenbleiben soll, nimmt man also 42 Kilogramm Stroh und legt es in gleichmäßigen Schichten übereinander. Wichtig ist, dass die einzelnen Schichten jeweils quer zueinander zu liegen kommen. Die Exkremente dürfen nicht in das Stroh hineingetreten werden. Zu diesem Zweck „wird die oberste Schicht, die ein paarmal täglich herzurichten ist, jeden Morgen mit dem zu diesem Zweck bewilligten Strohquantum ausgebessert“.

Und das ist es: Welcher Stall hat heutzutage noch genügend Personal, dass man eine Box „ein paarmal täglich“ herrichten kann! Und sie muss ein paarmal täglich „hergerichtet“ werden, weil sonst die oberste Schicht durch das herumgehende Pferd zerstört wird. Damit kommt Luft in die unteren Schichten, es kommt zu Gärung und Gestank. Genau aus diesem Grund darf man in eine intakte Matratze auch nicht mit der Gabel reinstechen, sondern man darf die oberste Schicht nur mit der flachen Gabel entmisten und wieder glattstreichen und auffüllen.

Ob man eine Matratze aus Stroh oder „moderneren“ Einstreuen herstellt - das Prinzip ist dasselbe: Nicht reinstechen, nur oberflächlich saubermachen und die Matratze möglichst fest wachsen lassen.

Welche Einstreuform man wählt, hängt nicht nur von der eigenen Philosophie ab, sondern auch von dem Stallboden. Beton- und Steinböden eignen sich wegen der Kälte im Winter und wegen der Härte nicht für eine tägliche Wechselstreu, während gewachsener Boden, Holzböden oder Gummiböden hierfür durchaus geeignet sind.


Verschiedene Einstreumöglichkeiten


Stroh

ist die traditionelle Einstreu und hat viele Vorteile: Man bekommt es fast überall und in jeder Form, sei es als Riesen-Rundballen, als große oder als kleine Viereckballen. Außerdem ist Stroh ein gutes Ballastfutter und beschäftigt gerade Boxenpferde über Stunden, wenn sie daran herumknibbeln können. Ob das bei einer Matratzenstreu allerdings hygienisch ist, ist umstritten.

Stroh ist nicht gleich Stroh: Hafer- und Weizenstroh haben nicht nur eine gute Saugfähigkeit, sie eignen sich als Ballastfutter auch besser als Gersten- und Roggenstroh.

Da Stroh im Gegensatz zu anderen Einstreuarten gern gefressen wird, sollte man auf erstklassige Qualität achten. Am besten ist natürlich Stroh, das nicht mit Halmverkürzern gespritzt wurde - aber das bekommt man selten.

Die Entsorgung von Stroh ist wegen seines hohen Volumens oft problematisch. Hinzu kommt, dass Mist aus gut gepflegten Boxen den Landwirten oft nicht „saftig“ genug ist. Eine Alternative bilden hier die sogenannten „Mistwürmer“, die den Mist relativ schnell in Humus umsetzen.


Strohpellets

vereinigen viele Vorteile des Strohs, sind aber noch wesentlich saugfähiger und binden den Geruch besser. Strohpellets werden in Säcken geliefert und können nicht als Wechselstreu eingesetzt werden. Man muss eine dicke Lage einstreuen; täglich werden nur die feuchten Stellen herausgeholt. Der Arbeitsaufwand ist in etwa derselbe wie bei der Strohmatratze. Da man von den Seiten zu Anfang immer nachstreuen kann, braucht man erst nach Wochen neue Einstreu dazu.

Zwar behauptet der Hersteller, dass die Pferde diese Strohpellets nicht fressen, sollten sie es aber tun, besteht ganz eindeutig die Gefahr einer Schlundverstopfung. Ausreichendes Ballastfutter sollte also immer vorhanden sein.


Hobelspäne

werden seit Jahrzehnten in Zirkusunternehmen verwandt, die eine hygienische, gut riechende, gut aufsaugende und leichte Einstreu benötigen. Seit es spezielle Firmen gibt, die Hobelspäne rein für die Tierhaltung herstellen, boomt dieser Markt.

Hobelspäne kann man auf Gummi- oder Holzböden als tägliche Wechselstreu benutzen, indem man den Pferden bestimmte Stellen zum Urinieren und Kotabsetzen einstreut; man kann sie aber auch als Matratze nehmen.

Hobelspäne werden  meist in recht großen festen Plastiksäcken angeliefert, die für kleine Personen kaum zu handhaben sind. Sind die Säcke aber erst einmal geöffnet, ist die Späne-Einstreu leichter zu pflegen als Stroh.

Ein Problem ist die Entsorgung, da Hobelspäne von den Landwirten wegen der langsamen Verrottung ungern abgeholt werden. Auch hier können wieder Mistwürmer helfen, die die Hobelspäne schnell in Humus umwandeln.

Natürlich kann man sich auch Hobelspäne aus einem Sägewerk oder einer Schreinerei holen. Aber VORSICHT: Die für die Tierhaltung hergestellten Hobelspäne sind entstaubt und enthalten garantiert keine für Tiere giftigen Holzarten wie beispielsweise die Robinie (falsche Akazie) etc.. Außerdem darf man nur Späne von rohem unbehandelten Holz nehmen; Lack- und Leimrückstände in der Ausstreu können schwerste Allergien und Atemwegserkrankungen hervorrufen.


Hanf- und Flachsschäben

hat man mit dem Anbau von Hanf und Flachs als alte Einstreu wiederentdeckt. Sie werden in ähnlicher Form wie Hobelspäne geliefert, haben eine ähnliche Saugfähigkeit und sind ebenso leicht zu handhaben.

Das Abholen durch die Landwirte dürfte aber auch hier - und nicht nur wegen der langsameren Verrottung, sondern auch wegen des noch relativ unbekannten Produktes - auf Schwierigkeiten stoßen.


Happymix

ist eine tatsächlich geglückte Mischung aus nachwachsenden Rohstoffen wie z.B. gehäckseltes und entstaubtes Stroh und Zellulose. Zellulose ist übrigens keine Altpapier, sondern viel saugfähiger. Die Zellulose für diese Einstreu wurde lt. Hersteller von einem unabhängigen Institut auf Schadstoffe getestet und entspricht den Sicherheitsvorschriften für Kinderspielzeug.

Diese Mischung fühlt sich weich an und eignet sich daher nicht als Wechselstreu, sondern muß in Matratzenform genutzt werden.

Drei bis vier Ballen sind die Grundeinstreu, die sich aufgrund der großen Saugfähigkeit bald zu einer sehr trockenen Matratze verdichtet. Heraugenommen wird lediglich der Pferdekot, der Urin versickert fast vollständig in der Matratze. Nur alle paar Tage wird eine dünne Schicht frisch darübergestreut. Die Matratze kann drei bis vier Monate in der Box verbleiben. Das Mistvolumen ist dann erstaunlich gering, und der Mist verrottet durch den Zellulose-Anteil sehr schnell.

Angenehm für den Pferdehalter sind die kleinen Ballen, in denen das Produkt geliefert wird. Die Einstreu ist eingeschweißt und kann genau wie Hobelspäne dadurch auch im Freien gelagert werden.



Kurz zusammengefasst:

Die kostengünstigste Einstreu ist immer noch Stroh. Aber es ergibt eine relativ große Mistmenge und ist nicht überall leicht zu entsorgen. Stauballergiker haben Probleme damit, und allzu gefräßige Pferde stopfen sich damit voll bis zur Kolik, da man es als Einstreu nicht portionieren kann.

Hobelspäne sind zwar teuer, aber sie sind leichter zu handhaben als Stroh, wirken im Stall hygienischer und riechen besser. Man kann die eingeschweißten Säcke auch im Freien lagern, bekommt aber möglicherweise Probleme mit der Entsorgung, weil die Späne langsam verrotten.

Strohpellets liegen preislich in der Mitte aller Einstreuen. Sie sind einfach zu handhaben und ergeben keine große Mistmenge. Als tägliche Wechselstreu eignen sie sich allerdings nicht; und ob allzu gefräßige Pferde sich daran nicht vergreifen, muss man ausprobieren...

Hanf- und Flachsschäben sind eine relativ teure Alternative. Dafür ist die Handhabung leicht und die anfallende Mistmenge gering.

Happymix ist nicht teuer und leicht zu handhaben. Es verrottet schnell, ist allerdings nicht als Wechselstreu geeignet.

Welche Einstreu man nimmt, hängt also im Prinzip davon ab, was dem einzelnen Pferdehalter am wichtigsten ist.

Uta Over


Zur Diskussion:

Pferd und Reiten -

sinnvolles Hobby oder zusätzlicher Stress?


In Umfragen, Brieffreundschaftswünschen usw. liest man es immer wieder: Hobbys: Lesen, schwimmen, radfahren, reiten, Musik hören... Oder auch: mein Pferd, mein Meerschwein, lesen, tanzen...

Ein Pferd zu haben oder zu reiten scheint also ein durchaus beliebtes Hobby zu sein, dem viele relativ begeistert nachgehen. Aber was ist das eigentlich: ein Hobby?

Im allgemeinen versteht man darunter eine wie auch immer geartete Beschäftigung, die die Freizeit zu einem gewissen Teil ausfüllt, bei der man sich entspannen oder auch körperlich abreagieren kann, die einem Abwechslung im Alltag bietet und bei der man auch noch eine möglichst schöne Zeit hat.

Wie nun schneidet das "Hobby" Pferd und Reiten unter diesen Kriterien betrachtet ab?


Reiten zur Entspannung?

Sich nach einem anstrengendem Tag mit einem schönen Buch gemütlich aufs Sofa zu setzen und einfach mal in eine andere Welt abzutauchen, ist sicherlich für die meisten entspannend. Handelt es sich bei diesem Buch um ein Pferdebuch, so erfährt man fast zwangsläufig etwas zum Thema Reiten und Entspannung. Denn von Sorgen geplagte Titelhelden schütteln eben diese nur allzu gerne bei einem herrlichen Ritt am Strand ab, wobei selbstverständlich die Sonne scheint und das hellseherisch hochbegabte Pferd jeden Wunsch des Reiters schon beim bloßen Gedanken daran bereitwillig ausführt.

Doch muss man gar nicht in die Phantasiewelt eines Buches einsteigen, um Sätze wie "Wenn ich mit meinem Pferd durch den Wald galoppiere, vergesse ich alle Sorgen des Alltags" zu hören, denn so etwas äußern auch normale Reiter durchaus gerne. Und auch ich bin fest davon überzeugt, dass ein schöner Ausritt sogar sehr entspannend sein kann, nur dass der schöne Ausritt in der Realität gar nicht so einfach zu realisieren ist.

Welcher Reiter kommt schon in den Stall, steigt aufs Pferd, galoppiert eine Runde durch den Wald und fährt dann entspannt nach Hause?

Statt dessen kommt man gestresst in den Stall, zieht ein gründlich gewälztes Pferd von der Weide, dessen Laune mit zunehmender Entfernung vom Gras deutlich sinkt, und muss dann feststellen, dass wieder kein Anbindehaken frei ist. Wenn dann das Pferd dank mangelnder Erziehung nicht stillsteht, sondern sich über eine unachtsam herumstehende Futterschüssel hermacht, während man selber den Hufkratzer sucht, der in dieser Woche zum dritten Mal verschwunden ist, ist man zumindestens bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht sonderlich entspannt!

Hat man sich und sein Pferd dann endlich abrittbereit, macht man sich eventuell noch auf einen langen Weg über Asphaltstraßen und steinige Feldwege, bis man endlich den Wald erreicht. Nun ist man also endlich am Ziel, und die Entspannung könnte beginnen, doch mitten auf dem schönsten Weg, den man nun wirklich zu gerne galoppieren würde, übt gerade eine Ausreitgruppe einer Reitschule Anhalten und Anreiten im Gelände.

Entspannung?



Umgang zur Entspannung?

Auch der Umgang mit Pferden lässt viele den Alltag schon vergessen. Dabei stellt sich allerdings die Frage, welcher Alltag hier wohl gemeint ist, denn schließlich fängt für jeden Pferdebesitzer im Stall auch eine Art Alltag an.

So gibt es viele, die, bevor sie überhaupt an einen entspannenden Ritt denken können, erst einmal damit beschäftigt sind, den Stall, die Box, den Auslauf oder die Weide zu misten, dann wird noch Wasser kontrolliert und eventuell auch noch Futter gemacht. Hier tauscht man also im Prinzip nur einen arbeitsreichen Schul- oder Arbeitsalltag gegen einen arbeitsreichen Pferdealltag.

Diesen Alltag nimmt man natürlich freiwillig in Kauf, und er kann sicher auch sehr schön sein. An einem sonnigen Wochenende mit ein paar Freunden eine Weide abzumisten kann zu einer wirklich netten Zeit werden, und an einem idyllischen Winterabend den Pferden Heu zu geben und danach ihrem beruhigendem Kauen zu lauschen ist für mich zum Beispiel eine der entspannendsten und schönsten Zeiten überhaupt.

Aber wenn man im strömenden Regen mutterseelenallein über die Weide zieht und einem die Schubkarre nun schon zum vierten Mal umgekippt ist oder einem im Winter der Stiefel auf dem Weg zur Tränke im Schlamm steckenbleibt und man deshalb gerade mit seinem Socken im kalten Matsch versinkt, kann einem schon der Gedanke kommen, dass die Wahl dieses Hobbys vielleicht doch nicht zu den intelligentesten Entscheidungen des Lebens gehörte.

Wenn man keine Halle oder keinen beleuchteten Reitplatz hat, kann es einem im Winter auch schon mal passieren, dass man (anstatt sich zu Hause im Warmen aufzuhalten) losfährt, um im Dunkeln frierend durch Ausläufe zu stolpern, und dann versucht, sein Pferd durch Ertasten aufzuspüren, es zu füttern, dann in der Kälte noch ein bisschen herumzuarbeiten, wobei man sich mit der Taschenlampe auf die spannende Jagd nach Misthaufen macht, nur um dann endlich wieder nach Hause fahren zu dürfen - nicht gerade die Idealvorstellung eines Hobbys.


Körperlich abreagieren?

Körperlich abreagieren kann man sich bei diesem vielseitigen Hobby Reiten ganz ausgezeichnet: Meine absoluten Rekordzeiten im Weide abmisten habe ich stets nach einem heftigen Streit aufgestellt. Und auch der, dem das Privileg des Mistens versagt bleibt, wird ohne große Probleme Alternativen finden: Schließlich kann man Stallgassen fegen, den Sattelschrank aufräumen oder auch das Sattelzeug putzen.

Nur das Reiten selber eignet sich nicht besonders dazu:

Reiten ist ein anstrengender Sport, und wenn man ihn richtig betreibt, wird man sicherlich körperlich gefordert; aber um die Aggressionen loszuwerden, die sich während eines Tages in einem aufstauen können, eignet sich reiten nur sehr bedingt.

Beim Radfahren oder Schwimmen kann man einfach seinen ganzen Frust mitbringen und ihn - indem man besonders schnell schwimmt  oder besonders lange Fahrrad fährt - abbauen, und dabei ist es sowohl dem Wasser als auch dem Fahrrad völlig egal, wie ungehalten ich gerade bin.

Im Gegensatz dazu kann ich aber nicht wütend auf ein Pferd steigen, meinen Frust an dem Tier auslassen und erwarten, dass mein Handeln (nachdem mein Ärger nun abgebaut ist) ohne Konsequenzen bleibt, denn an einem Tag, an dem ich wütend aufs Pferd steige, mache ich mit Sicherheit mehr kapputt, als ich in langer Arbeit aufgebaut habe. Zudem neigt man in so einem Zustand zu ungerechten Strafen und gefährdet dann das Vertrauensverhältnis zwischen sich und seinem Pferd.

So ist man gezwungen, den ganzen Frust vor dem Reiten erst einmal hinunterzuschlucken und ruhig und konzentriert aufs Pferd zu steigen. Ist man dazu nicht in der Lage, lässt man das Reiten an diesem Tag lieber ausfallen; und auch der Umgang mit dem Pferd darf nicht von Wut, Aggressivität oder Unzufriedenheit beeinflusst werden.


Hinzu kommt:

Zu all dem kommt auch noch die Verantwortung, die man mit einem Pflegepferd oder einem eigenen Pferd übernimmt.

Habe ich an einem Tag einfach keine Lust mehr zu lesen, klappe ich das Buch zu  und lege es weg.

Pferde hingegen lassen sich nur außerordentlich schlecht zusammenklappen und auf den Tisch legen. So ist es völlig egal, ob ich gerade Lust habe oder nicht, das Pferd muss bewegt und versorgt werden. Dabei müssen auch andere Hobbys immer hinten anstehen, denn auch wenn alle anderen an einem heißen Tag ins Schwimmbad gehen, kann sich jemand, der für ein Pferd verantwortlich ist, so etwas nur erlauben, wenn die vollständige Versorgung des Pferdes trotzdem gesichert ist.

Das Hobby Pferd füllt die Freizeit also nicht nur aus, sondern verplant sie fest - und das gefällt einem sicher nicht in jeder Situation.

Wenn man dann wirklich mal keine Zeit hat oder krank ist, muss man jemanden finden, der das Pferd versorgt. Anstatt sich also mit Fieber ins Bett zu legen und sich zu erholen, telefoniert man in der Weltgeschichte herum, und hat man schließlich jemanden gefunden, macht man sich auch noch die ganze Zeit Sorgen, ob es dem Pferd auch gut geht und ob der Beauftragte die drei Seiten Notizen, die er sich während des Telefonats mitschreiben musste, auch wirklich gewissenhaft befolgt.

Noch schlimmer wird es, wenn man in den Urlaub fahren möchte: Nun muss wirklich alles geklärt werden. Wird das Pferd ausreichend bewegt, wer füttert es, wer kontrolliert jeden Tag, dass das Pferd keine Verletzungen hat und wer versorgt kleinere Verletzungen gut und zuverlässig?

Auch der Hufschmied muss bedacht werden, denn wenn der nächste Beschlagstermin ausgerechnet in die Urlaubszeit fällt, muss auch so etwas im voraus organisiert werden. Aber auch der Notfall muss überdacht werden: Welcher Tierarzt soll bei größeren Verletzungen gerufen werden, und würde man im Falle eines Falles einer Operation zustimmen?

Wie glücklich müssen da die Fahrradfahrer sein, die ihr Hobby einfach für ein paar Wochen abschließen können!


Eine möglichst schöne Zeit verbringen?

Beim Hobby Pferd und Reiten kann man sogar eine unglaublich schöne Zeit verbringen. Schließlich gibt es viele, viele positive Aspekte, und die meisten hängen einfach damit zusammen, dass man hier mit Tieren umgeht. Jedes Pferd ist einzigartig und auf seine Weise faszinierend und liebenswert.

Und dann sind da natürlich noch jede Menge Spaß, Freunde, Erfolgserlebnisse, Reiterspiele, Turniere, Reitstunden, Stallfeste...


Ein Hobby aufgeben

Die meisten Menschen gehen in ihrem Leben vielen verschiedenen Hobbys nach, und das ist in den meisten Fällen auch überhaupt kein Problem.

Viele Hobbys kann man problemlos parallel führen, und wenn einem eins nicht mehr gefällt, gibt man es eben auf. Was soll einen auch daran hindern, eben nicht mehr schwimmen zu gehen, lieber zu Fuß zu gehen als radzufahren, oder eben keine oder andere Musik zu hören? Bei all diesen Hobbys habe ich einzig und allein Verantwortung für mich und kann problemlos je nach jetziger Neigung entscheiden.

Ein Pferd zu besitzen ist aber nunmal kein Verein, aus dem man sich einfach abmelden kann. Hier hat man eine Verantwortung für ein Leben übernommen. Diese Verantwortung kann man zwar auch wieder abgeben, aber einfach ist das sicher nicht.

Oft ist auch die Liebe zum Tier durchaus noch vorhanden, auch wenn das Interesse am Reiten schon ziemlich verblasst ist.

Selbst derjenige, dem es leicht fällt, sich von einem Tier zu trennen, zu dem man schließlich eine Beziehung aufgebaut haben sollte, ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass es dem Pferd bei seinen neuen Besitzern gut geht.

Wer sich also das "Hobby" Pferd aussucht, sollte sich unbedingt im vorhinein darüber im Klaren sein, ob es ihm auch wirklich ernst ist.


Der kleine Unterschied

Solange man diesem Hobby nachgeht, ohne ein eigenes Pferd zu haben, ist es in vielen Dingen sehr viel einfacher:

In dem Moment, in dem die Verantwortung wegfällt und nicht so viele Zusatzpflichten auftauchen, kann man sehr viel leichter entspannen, wenn man im Stall ist. Andere Hobbys und Urlaub stellen keine Probleme mehr dar, und aufhören kann man auch jederzeit.

Reiten ohne ein eigenes Pferd ist meiner Meinung nach also ein ganz normales und sicherlich schönes Hobby.

Aber ein Pferd ist sicherlich kein normales Hobby mehr, und auf den zusätzlichen Stress muss man sicher nicht lange warten - womit ich nicht sagen will, dass er sich nicht lohnt.

Katinka Schnitker


Zum Wiehern: Zeugen der Anklage


Ja, ja, man hört und liest es immer wieder, in jedem Gespräch fällt es irgendwann, man kommt um diese Wahrheit einfach nicht herum: Als Reiter hat man nie ausgelernt. Und im Gegensatz zu erfolgreichen Turnierreitern, welche dies auch ganz gerne zitieren, stehen die meisten Reiter in ihrem Lernprozess sogar noch gaaaanz am Anfang.

Und weil man dies erkannt hat - oder immer wieder daran erinnert wird, dies zu erkennen - hat der gewissenhafte Reiter zumindestens ständig vor, endlich mal wieder an einem guten Reitunterricht teilzunehmen. Mit diesem Vorhaben im Hintergrund kann man dann auch ohne allzu schlechtes Gewissen jahrelang friedlich vor sich hinreiten, bis, tja, bis zu dem Tag, an dem man von plötzlichem Ehrgeiz getrieben das Vorhaben in die Tat umsetzt und Reitunterricht nimmt...

Schon während man sein Pferd fertig macht, kann man sich gänzlich seiner Vorfreude hingeben; schließlich hat man schon in wenigen Augenblicken die Gelegenheit, endlich all die kleinen und großen Fehler und Nachlässigkeiten vorzuzeigen, die man sich während der letzten Jahre so mühevoll antrainiert hat.


Zum Glück nicht unbemerkt

Nachdem man nun schon so viel „Futter“ hat, um es dem Reitlehrer vorzuwerfen, wäre es wirklich schade, wenn solch ein Ereignis völlig unbemerkt bliebe und man mit seinen Fehlern nach der Reitstunde alleine zurückbliebe. Doch keine Angst, in einem guten Stall kann so etwas nicht passieren! Hier versammeln sich schon Stunden vor dem Großereignis ganze Scharen von Reitern, von denen übrigens viele seit Jahren vorhaben, in allernächster Zeit auch wieder an einem Reitunterricht teilzunehmen, und streiten sich um die besten Plätze am Zaun.

Beginnt dann endlich der Unterricht und mit ihm automatisch auch die Kritik des Reitlehrers, wird jede Anmerkung mit zustimmendem Nicken und in Extremfällen auch mit Buh-Rufen  begleitet, der Applaus bei kleinen Erfolgserlebnissen fällt dagegen erfahrungsgemäß recht spärlich aus...

Zugegebenermaßen war ich anfangs über diese Zaungäste auch nicht so wirklich erfreut, ja stellenweise dachte ich sogar, dass es sie nichts anginge, wie man sich mit seinem Pferd in einer Reitstunde schlägt, und dass sie nur sensationslüsterne Besserwisser wären... Doch inzwischen habe ich erkannt, warum sich die Stallgenossen wirklich zum Zuschauen einfinden: Sie wollen einem einfach nur helfen! Es könnte ja zum Beispiel sein, dass man sich, während der Reitlehrer sich gerade intensiv mit jemand anderem beschäftigt, einfach mal ein wenig entspannt und gar nicht mehr so konzentriert weiter arbeitet. Doch genau solche Unarten gewöhnt man sich überraschend schnell wieder ab, nachdem der Reitlehrer ein-, zweimal durch eine Stimme hinter dem Zaun auf diese Tatsache aufmerksam gemacht wurde.

Auch wird die Wichtigkeit von Hintergrundinformationen weit unterschätzt: Erst wenn der Reitlehrer in einem vertrauten Gespräch mit einem Zuschauer erfahren hat, wie man sonst so mit seinem Pferd umgeht, was man ihm alles durchgehen lässt und wo der Ursprung bestimmter Fehler zu suchen ist, kann er einem die wirklich guten Tipps geben, das muss man wirklich einmal ausprobieren!


Und hinterher

Und hinterher hat man dann auch gar keine Zeit, ein klein wenig enttäuscht, frustriert, am Boden zerstört und in Selbstzweifeln versunken zu sein, nein, man ist viel zu beschäftigt, jeder Menge Menschen Rede und Antwort zu stehen; und wenn man gut zuhört, kann man auch nach der Reitstunde noch einiges lernen.

Ich persönlich habe übrigens ganz fest vor, in allernächster Zeit wieder an einem richtig guten Reitunterricht teilzunehmen. Die Einladungen für meine lieben Stallgenossen sind schon gedruckt, und ich werde auch nicht einen Zentimeter von diesem Plan abweichen - selbst wenn, ja selbst wenn seine Umsetzung noch Jahre dauern sollte...

Katinka Schnitker


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