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Problempferde: Allein ins Gelände – Alles clean? - Fellwechsel – Aus der Traum? - Zum Wiehern!

Equikids Ausgabe 02/2012


Problempferde: Allein ins Gelände, Teil V

Was tun, wenn ...
... das Pferd auf dem Heimweg nicht zu halten ist?

1) Ursachen
Natürlich mag auch hinter einem solchen Verhalten eine gewisse Unsicherheit stehen und der Drang, schnellstmöglich in den Schutz der vertrauten Umgebung zurückzukehren. Andererseits sehe ich darin einen groben Ungehorsam, der noch dazu sehr gefährlich enden kann.

2) Vorschläge zur Abhilfe
Sicher wisst ihr schon, was der erste Vorschlag sein muss: Dominanztraining. Wann immer Mensch und Pferd allein miteinander sind, gibt das Verhalten des Tieres Aufschluss darüber, wie ernst es seinem Menschen zuhört und welchen sozialen Rang dieser im Leben des Pferdes einnimmt. Besonders der Ausritt ohne Begleitung wird zum Prüfstein der Beziehung von Ross und Reiter. Ist sie geprägt von Vertrauen und Dominanz, wird auch der Heimweg kein Problem werden.
Auf dem Weg zu der eben besprochenen besseren, weil langfristigen Lösung kann es aber trotzdem notwendig sein, sich zunächst ganz pragmatisch helfen zu können. Wie also kann man vermeiden, ab dem Moment, in dem es wieder Richtung Heimat geht (und diesen Moment erkennen alle Pferde ganz genau), auf einem durchgehenden Pferd zu sitzen?
a) immer dann, wenn das Pferd schneller wird als erlaubt, in die entgegengesetzte Richtung abwenden
b) geht es wirklich durch, Volten reiten bis der Reiter wieder die Kontrolle hat
c) im Schritt bleiben und somit den Vorwärtsschwung des Pferdes regulierbar halten
d) grundsätzlich die letzten (ca). 2km auf dem Heimweg Schritt reiten
Lässt sich ein Durchgehen auf dem Heimweg trotz allem nicht verhindern, würde ich empfehlen, mit diesem Pferd auf keinen Fall weiterhin allein ins Gelände zu gehen. Ist es in der Gruppe brav, wäre das eine Alternative. Legt es auch in Begleitung sein gefährliches Verhalten an den Tag, muss mit diesem Pferd zunächst ganz auf Ausritte verzichtet werden, um nicht sich und andere in ernste Gefahr zu bringen.

Dies geht alle an!


Neben allen Sondersituationen und Problemen, die ein Ausritt allein ins Gelände mit sich bringen kann, gelten auch für die besten Reiter und die bravsten Pferde folgende
Sinnvolle Sicherheitsmaßnahmen:

- Der Helm für den Reiter ist eine Selbstverständlichkeit, ergänzt wird dessen Ausrüstung sinnvollerweise durch eine Sicherheitsweste.

- Selbstverständlich vor dem Ausritt ist ebenfalls ein kurzer Sicherheitscheck von Sattel- und Zaumzeug. Wem bei einem Einzelausritt der Zügel reißt, ein Bügelriemen, oder wesentlich schlimmer: der Sattelgurt, kann für die Folgen nur sich selbst verantwortlich machen.

- Lösen und nachgurten noch zu Hause. Ab dem Moment, in dem der Hof verlassen wird, sind Reiter und Pferd unvorhersehbaren Situationen ausgesetzt. Sicherheitshalber empfiehlt es sich daher unbedingt, bis zum ersten "Luft ablassen" und Nachgurten am Hof zu bleiben.

- Eine Gerte sollte möglichst auch mit dabei sein, sofern das Pferd keine grundsätzlichen Probleme damit hat. Es kann immer mal zu Situationen kommen, wo eine zusätzliche Aufforderung oder Begrenzung mit der Gerte hilft, Schlimmeres zu vermeiden. Besser als Sporen kann eine Gerte auch einmal zur Seite genommen und vom Pferd rein optisch als Begrenzung erfasst werden. Will es z.B. wegen eines großen Steines am Wegesrand seitwärts auf die befahrene Straße springen, kann vielleicht das neben den normalen Hilfen eingesetzte seitliche Halten der Gerte in Sichthöhe für das Pferdes (Vorsicht: Nicht auf oder in die Augen schlagen!) dieses vor der Kühlerhaube bewahren. Einen Versuch ist es immer wert, sollten andere Hilfen versagen. Aber auch bei weniger dramatischen Problemen kann eine leichte Aufforderung mit der Gerte helfen.

- Handy mitnehmen! Wer eines hat, sollte gerade bei einem Einzelausritt davon profitieren. Per Handy Hilfe herbeizurufen ist sicher die wichtigste Funktion der modernen Technik, aber auch für die Mitteilung von Verspätungen oder Routenänderungen sollte das Handy genutzt werden.

- Andere informieren! Dieser Punkt ist der wichtigste für vielleicht lebensrettende Maßnahmen. Wer alleine ins Gelände geht, mit Handy oder ohne, sollte auf jeden Fall vorher einer anderen Person mitteilen, wohin, auf welchen Wegen und wie lange er ausreiten will. Kommt das Pferd nach einem schlimmen Unfall allein nach Haus, weiß die Rettungsmannschaft zumindest, wo sie suchen muss. Oder es macht sich überhaupt jemand auf die Suche, wenn die angekündigte Dauer des Rittes deutlich überschritten ist.


Allein ins Gelände – ein unberechenbares Risiko?
Nein, ich denke nicht. Wer sich vorausschauend vorbereitet, wer sich und sein Pferd gut kennt, wer gelernt hat, Gefahren einzuschätzen und ihnen ohne Panik zu begegnen, für den kann ein Ausritt allein mit seinem Pferd und der Natur zu einem besonderen Genuss werden. Natürlich bleibt immer ein Restrisiko, was aber wohl nicht höher ist als die tägliche Teilnahme am Straßenverkehr.

Ute Forler


Gut gepflegt:

Alles clean?


Nicht nur das Pferd selbst braucht Pflege, auch seine „Ausrüstungsgegenstände“. Fast alle sind sie relativ teuer und sollen daher lange halten.

Früher war es einfach: Es gab Leder, Metall und Textil. Leder und Metall waren relativ einfach zu pflegen. Alles andere war schwierig. Man denke nur an die – gut gepflegt wunderbaren – Filzsatteldecken oder Woilachs. Sie konnte man nicht in die Waschmaschine stopfen, das Softprogramm anstellen und halb trocken wieder rausholen. Sie mussten gebürstet, gelüftet und immer wieder geklopft werden. Erfreulicherweise haben wir es heute einfacher, doch die Vielfalt der Materialien erfordert Fachwissen, zumindest aber fundiertes „Hausfrauenwissen“.


Rund ums Leder

Leder „lebt“, auch wenn das Tier, welches es lieferte, schon lange tot ist, und braucht permanente Pflege, um geschmeidig zu bleiben.


Reinigung und Pflege von Wildleder

Wildleder behält seine aufgeraute Oberfläche nur, wenn es immer wieder leicht aufgeraut wird, daher auch seine zweite Bezeichnung „Rauleder“. Das Aufrauen kann mit einer speziellen Wildlederbürste aus Krepp erfolgen, es reicht aber auch eine feste Nagelbürste.

Zur Entfernung von Schmutz wird das Leder erst mit der Nagelbürste aufgeraut, so dass sich die feinen Lederpartikelchen teilen und aufstellen, danach kann man Schmutz mit der festen Seite eines Haushalts-Topfreinigers oder mit einer festen Reisbürste entfernen.

Leder, das nicht irgendwie befestigt ist (also kein Sitzleder auf Sätteln etc.), wird danach noch einmal kräftig von der Rückseite her aufgeklopft, so dass auch der Reststaub rausfliegt.

Alle paar Monate, in jedem Fall aber vor dem Winter, sollte man das Rauleder mit einem speziellen Pflegespray imprägnieren. Das verhütet, dass Nässe ins Leder eindringt. Durch die Nässe würden Druckstellen entstehen, die man zwar auch etwas mühsam mit einer feinen Drahtbürste wieder angleichen kann, aber die gleichmäßige Struktur des Leders wird man nie wieder erhalten.

NIEMALS darf Wild- oder Rauleder mit Fett oder Öl behandelt werden! Damit verklebt man die feinen Härchen zu einer Art unansehnlichem Glattleder und bekommt sie nie wieder getrennt.


Reinigung und Pflege von Glattleder

Unentbehrlich für die Säuberung von glatt gegerbtem Leder ist Sattel- oder Ölseife. Das ist ein glyzerinhaltiges Produkt, das mit einem weichen Lappen oder Schwamm angefeuchtet wird. Dann trägt man es in Kreisbewegungen mit leichtem Druck auf das Leder auf , wobei ein feiner Schaum entsteht. Den Schaum wischt man mit einem feuchten sauberen Tuch ab, daran haftet dann auch der entfernte Schmutz.

Nicht nachspülen! Sattelseife bzw. Ölseife enthalten neben ihren Reinigungsstoffen viele pflegende Stoffe, die bei einer normalen Reinigung ausreichend nachfettend wirken. Das noch leicht feuchte Leder sollte trocknen, danach kann man es mit einem Wolllappen polieren, bis es glänzt.

Gelegentlich aber braucht das Leder „Nahrung“ in Form von Fett. Nach der Reinigung trägt man auf der Oberseite des Leders eine sehr dünne Schicht erstklassiges Lederfett auf, das man kräftig einmassiert. Überschüssiges Fett wird mit einem sauberen Lappen entfernt, dann kann man das Leder polieren, bis es glänzt.

Die etwas rauere Fleischseite (also die Unterseite des Leders) sollte gelegentlich mit feinem Lederöl behandelt werden. Das Öl kann man mit einem Lappen, aber auch mit einem dicken Pinsel auftragen. Diese Behandlung macht man nur dann, wenn man merkt, dass das Leder das Öl aufsaugt; daher kann man es satt auftragen und nach einiger Zeit das überschüssige Öl mit einem gut saugenden Tuch abwischen. Diese Prozedur macht das Leder geschmeidig.

Es gibt eine Regel: Fett pflegt und verschließt das Leder, Öl macht es weich. Das bedeutet auch, dass Öl die Lederstruktur aufweicht. Stark beanspruchte Teile wie z.B. Steigbügelriemen, die großem Zug ausgesetzt sind, sollten daher stets nur mit Lederfett, nie mit Lederöl gepflegt werden.

Wer sein Lederzeug so pflegt, kann bei Glattleder auf Imprägnierspray verzichten.

Durch feuchte Lagerung grau und unansehnlich gewordenes Lederzeug, das aber gut gefettet und geölt ist, wird gleich wieder glatt und glänzend, wenn man die graue Schimmelschicht, die nur auf, aber durch die Pflege nicht im Leder sitzt, mit einem Wolllappen abreibt. Daher sollte man alles Leder, das man für längere Zeit nicht benutzen wird, gut fetten und ölen, bevor man es lagert, und möglichst mit einem Tuch gegen Staub schützen.


Ab in die Waschmaschine

Moderne Ausrüstungsgegenstände wie Decken, Fliegenmasken, ja sogar Halfter und gelegentlich Kopfstücke sind aus Kunststoffen, die sich leicht reinigen lassen.

Ob man „die Pferdesachen“ in der häuslichen Waschmaschine im Badezimmer/der Waschküche oder in einer speziellen Waschmaschine in der Sattelkammer wäscht, ist Geschmackssache. Grundsätzlich sollte man Ausrüstungsgegenstände nicht so verschmutzen lassen, dass sie „riechen“ – man kann sie also ohne weiteres in der normalen Waschmaschine waschen. Vielleicht nicht gerade zusammen mit Küchentüchern – aber als getrennter Waschgang spricht nichts dagegen.


Pflegeanleitung lesen!

In fast jedem Gegenstand ist heutzutage eine Pflegeanleitung angebracht; allerdings sollte man die kleinen Symbole für Waschen, chemisches Reinigen etc. kennen. Selbst Kunststoffprodukte lassen sich fast immer bis 40° im Schonwaschgang mit Color-Waschmitteln reinigen.

Empfindliche und „luftige“ Gegenstände aus Kunststoff wie Winterdecken, Abschwitz- oder Fleecedecken schleudert man nur ganz sacht an, damit das Material nicht verknittert, das meiste Wasser aber kurz hinaus geschleudert wird. Dann hängt man das Wäschestück noch relativ nass auf – durch die modernen Materialien trocknet es meistens innerhalb von einem halben Tag an der frischen Luft.

Für den Trockner sind solche Materialien allerdings eher nicht geeignet – es sei denn, man hat einen extrem großen Trockner, der nur bis 30-40° trocknet.


Alles gut einpacken!

Alle Gegenstände, die die Maschinentrommel verletzen oder sich in ihren Löchern verhaken könnten, müssen gut gesichert werden. Dafür gibt es im normalen Handel Nylonnetze, in denen man u.a. auch Wollsocken oder andere kleine Gegenstände wäscht.

Darin kann man u.a. Halfter, Fliegenmasken und alles, was wollig ist, einpacken. Dazu gehören mit Plüsch besetzte Teile, Westernpads aus gewebtem Lammfell ebenso wie Baumwollsatteldecken mit der Unterseite aus medizinischem Lammfell (Achtung! Spezielles Waschmittel im Fachhandel besorgen und nur handwarm waschen!). Dadurch, dass man Felle etc. gut einpackt, werden sie nicht so stark bewegt und sondern nicht so viele feinste Härchen ab, die sich im Flusensieb wiederfinden. Einerseits würde dadurch das Sieb verstopft, andererseits würde dadurch das Fell ausdünnen.

Für kleinere spitze Gegenstände, die an einem großen Wäschestück haften, muss man ein wenig kreativ sein. Das sind beispielsweise die T-förmigen Metallverschlüsse an den Gurten  von Winterdecken, die ein wenig Zug brauchen, um geschlossen zu bleiben. Ohne Zug öffnen sie sich, und die Gurte schlingen sich dann beim Waschgang um die Decke, verhaken sich ineinander oder im schlimmsten Fall sogar in den Löchern der Waschtrommel. Eine alte Socke, mit Gummiband oder einer Schnur befestigt, schafft hier Abhilfe.

Ebenso müssen alle Schnallen gesichert sein. Kunststoffverschlüsse, die nur einschnappen müssen, schließt man. Metallschnallen werden geschlossen. Ist das nicht möglich, weil die beiden Teile zu weit auseinander liegen und das Wäschestück sich dann nicht locker in der Waschmaschine bewegen könnte, sichert man den Dorn der Schnalle mit einem kleinen Band, indem man ihn einfach festbindet. ACHTUNG: Tesafilm o.ä. hilft hier nicht, Klebeband öffnet sich durch das warme Wasser und das Waschmittel, schwimmt dann in der Trommel mit herum und setzt sich garantiert auf eine Stelle des Wäschestücks, wo man es wirklich nicht brauchen kann!


Kleine „Spezialbehandlungen“

Gebisse

Moderne Gebisse sind aus Materialien, die sich leicht reinigen lassen. Normalerweise reicht es, wenn sie nach dem täglichen Gebrauch mit klarem Wasser abgespült werden.

Aber mit der Zeit setzen sich in den schmalen beweglichen Kanten beispielsweise von Olivenkopfgebissen, in den Stellen, wo Trensenringe in das Gebiss eingelassen sind, oder in den Mittelteilen kleinste Schmutzpartikel fest, die beim täglichen Reinigen oft gar nicht bemerkt werden.

So sollte man sich von Zeit zu Zeit das Gebiss vornehmen und mit einer alten Zahnbürste alle Spalten reinigen. Klares Wasser reicht im allgemeinen aus. Bei hartnäckiger Verschmutzung lieber eine Stunde in heißem bis warmem Wasser einweichen als Seife oder Reinigungsmittel nehmen. Das bekommt man nie ganz herausgespült – und das Pferd hat danach über längere Zeit garantiert einen unangenehmen Geschmack im Mund. Wer möchte, kann jedoch zur Zahnpasta aus dem eigenen Badezimmer greifen. Der für den Menschen angenehme Geschmack ist auch für Pferde akzeptabel, dennoch bitte gut ausspülen!


Klettverschlüsse und Plüsch

Sie ersetzen die früher oft mühsam zu schließenden Verschlüsse an Gamaschen, an Fliegenmasken und vielen anderen Gegenständen. Allerdings haben sie die unangenehme Eigenschaft, dass sich in ihnen kleinste Partikel verhaken.

Um diese zu entfernen, gibt es im Fachhandel winzige Bürsten mit Haken, die die Teile aus dem Klettverschluss herausziehen. Wer sich solch ein Spezialgerät nicht zulegen möchte, ist mit einer kräftigen (!) Nagelbürste und einem Klebeband auch gut bedient. Man muss bei dem Klettband erst einmal ausprobieren, nach welcher Seite man ausbürsten muss (es geht immer nur nach einer Seite), dann klappt es. Den Rest holt ein sehr fest ins Gewebe gedrücktes Klebeband heraus. Gerade Klettverschlüsse sollte man nie wirklich verschmutzen lassen, sondern sofort reinigen, wenn sich etwas darin festgesetzt hat.

Vor dem Waschen sollte man Klettverschlüsse erst auf diese Weise reinigen und dann so weit als möglich verschließen. Es ist sehr unangenehm, wenn sich Klettverschlüsse beispielsweise von mit Plüsch abgesetzten Bandagen beim Waschen in den Plüsch setzen – danach hat man ein echtes Problem, den Plüsch wieder „rauszupulen“.

Viele Halfter, Fliegenmasken und auch Satteldecken sind mit Plüsch unterlegt oder eingefasst. Hübsch und zumindest bei Halftern und Fliegenmasken auch praktisch – aber unpraktisch in der Pflege. Man kann die Plüschteile gar nicht oft genug ausklopfen und ausbürsten, wobei einem bei kleineren Plüschteilen eine Nagelbürste, bei größeren Unterlagen eine Reisbürste mit groben Borsten und immer wieder Klettband gute Dienste tun. Man sollte schon beim Kauf von mit Plüsch besetzten Gegenständen darauf achten, dass der Plüsch hochwertig ist und sich nicht zu sehr ineinander “verknüddelt”, denn diese Teile bekommt man fast nicht mehr auseinander und daher nur schwer gereinigt.


Metallreißverschlüsse

An stark strapazierten Gegenständen wie z.B. Chaps werden immer noch metallene Reißverschlüsse verwendet. Sie rosten zwar nicht mehr wie anno dazumal, aber mit der Zeit nimmt ihre Gleitfähigkeit doch etwas ab.

Optimal wäre hier die Behandlung mit einem Siliconspray, doch die Gefahr, damit auch das Leder der Chaps zu besprühen, ist einfach zu groß. So greift man am besten in Großmutters Trickkiste, holt sich eine Kerze und streicht mit ihr beherzt über die geöffneten Teile des Reißverschlusses. Einmal ausgeklopft, einmal mit einer Bürste noch eventuell anhaftende Restteile abgestreift – und schon gleitet der Reißverschluss wieder.

Für alle anderen beweglichen Metallgegenstände wie z.B. Haken ist ein feines Silicon- oder Maschinenölspray gelegentlich optimal. Durch das Silicon bzw. Maschinenöl gleitet Metall wieder auf Metall und wird außerdem mit einem feinen schützenden Film überzogen. Gut abtropfen lassen und eventuelle Reste mit einem saugfähigen Tuch abtupfen.


Hausfrauenwissen“ ist gefragt

Eine erfahrene Hausfrau weiß natürlich, wie man was pflegt – aber nicht jeder, der ein Pferd hat, ist auch eine gute Hausfrau oder ein guter Hausmann. Und die Gegenstände sind tatsächlich vielfältig, wenn man sich das genau betrachtet. Allerdings können wir uns trösten: Früher war die Pflege der Ausrüstungsgegenstände viel schwerer, denn gewalkte Filzdecken und mehrfach zu faltende Woilachs erforderten einen ungleich höheren Pflegeaufwand. Da haben wir es mit unseren modernen Materialien und Waschmaschinen doch sehr gut.

Uta Over


Die Frühjahrs-Kollektion kommt!

Der Fellwechsel beginnt

Der Fellwechsel ist eine anstrengende Prozedur für die Pferde. Der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren, um das alte Fell abzuwerfen und neues zu produzieren.

Viele Pferde nimmt dieser Vorgang richtig mit. Sie sind schlapp, haben kaum Leistungswillen, einige bekommen für ein paar Wochen sogar ein stumpfes Fell.


Fellwechsel – einige Wochen Schonzeit

In dieser Zeit sollte man den Pferden eine etwas ruhigere Zeit gönnen. Den Konditionsaufbau nach dem Winter sollte man bis nach dem Fellwechsel verschieben. Ist die Unterwolle abgeworfen, das Fell wieder kurz und glatt, dann ist der alte Leistungswille wieder da und darf genutzt werden.

So sollte man im Fellwechsel auch möglichst  keine Impfungen vornehmen, denn auch sie strengen den Körper an.

Dasselbe gilt für Stallwechsel oder längere Transporte.

Auch Warmblutstuten, deren Fohlen ja früher im Jahr geboren werden (sollen) als die von robust gehaltenen Pferden, sollte man erst nach dem Fellwechsel decken lassen.

Drei bis vier Wochen braucht der Körper für den größten Teil des Fellwechsels. Drei bis vier Wochen, in denen man die Pferde nicht „full power“ nutzen sollte.


Geschorene und eingedeckte Pferde

Wer von seinen Pferden im Winter Leistung verlangt, deckt sie entweder ein oder schert sie – manchmal sogar beides. Durch das Eindecken wächst das geschorene Fell nicht nach, denn Fell braucht Licht als Anregung zum Wachstum.

Dennoch ist die Natur so stark, dass sie sich im Frühjahr auch ohne Licht durchsetzt: Das Fell wächst.

Lässt man die Pferde jetzt eingedeckt, wird der Fellwechsel langsam vor sich gehen, denn den Pferden fehlt das UV-Licht. Es ist also besser, den Pferden tagsüber zumindest für einige Stunden die Decke abzunehmen und die Pferde dem Tageslicht auszusetzen.

Ihr Körper braucht nicht nur das UV-Licht, es braucht auch den klimatischen Reiz, d.h. den Wechsel von Wärme und Kälte, um den Stoffwechsel anzuregen. Man tut seinem Pferd keinen Gefallen, wenn man es bis in den Sommer hinein eingedeckt lässt. Ein gesundes Mittelmaß – also an sonnigen Tagen mittags die Decke runter und die Pferde auf den Paddock – regt den Stoffwechsel an und beschleunigt den Fellwechsel.

Natürlich werden sich die Pferde sofort wälzen, wenn sie ohne Decke draußen sind. So arbeitsintensiv das dann ist - für die Haut gibt es nichts Besseres, denn sie wird dadurch kräftig durchblutet und kann das alte Haar leichter abstoßen.

Man sollte auch draußen bei Sonne und nicht gerade eisigem Wind ruhig ohne Decke reiten. Ganz empfindlichen Pferden kann man eine Nierendecke überlegen, die man zusammenrollt, wenn das Pferd warm geworden ist, und gegen Ende des Reitens wieder überlegt.


Robust gehaltene Pferde

Für sie ist der Fellwechsel trotz der körperlichen Anstrengung eine Erleichterung. Man sieht es ihnen förmlich an, wie gut es ihnen tut, sich wälzen und an Baumrinden und Weidezäunen kratzen zu können! Das alte Fell – mag es noch so gepflegt sein – wird lästig und fällt in dicken Partien ab. Es ist erstaunlich, wie viele Haare herunter kommen!

Das ist die Jahreszeit, in welcher die Besitzer von Robustpferden plötzlich nicht mehr in Fleece- und Wollpullovern herumlaufen, sondern glatte Anoraks vorziehen, an denen keine Haare hängen bleiben.  

Es gibt immer mal wieder sehr warme Frühlingstage. An denen leiden besonders alte Pferde  unter dem viel zu warmen Fell. Man kann es ihnen erleichtern, indem man ihnen einige schmale waagerechte Streifen ins Brustfell schneidet oder sogar rund um den Rumpf. Dabei reicht die Breite des Scherkopfs einer Schwermaschine aus.

Bei Pferden mit richtig dickem Winterfell fällt das kaum auf, aber durch diese Streifen wird der Körper regelrecht belüftet. Schwitzt das Pferd jetzt, kann die Hitze über diese Streifen nach außen gehen, so dass einerseits die Gefahr des Hitzestaues vermindert wird, zum anderen wird das eventuell nachgeschwitzte Fell besser durchlüftet. Eine Erkältung braucht man bei derart schmalen Streifen nicht zu befürchten.


Leinsamen hilft

Leinsamen ist als diätetisches Futtermittel bekannt, das den Darm schützt. Der Leinsamen (das sind die Körner der Flachspflanze) hat aber auch einen hohen Fettgehalt. 40% meist ungesättigte Fettsäuren, rund 20 % Eiweiß und die essentielle Aminosäure Lysin kurbeln den Stoffwechsel an und machen ein glänzendes neues Fell. Dazu kommen die Schleimstoffe, die den Darm pflegen.

Leinsamen hat jedoch seine Tücke, und die ist Blausäure. Sie wird freigesetzt, wenn der Leinsamen feucht wird, und kann zu Vergiftungen führen, wenn Leinsamen in größeren Mengen verfüttert wird.

Trocken und ungekocht kann man täglich etwa 20 g Leinsamen pro 100 kg Körpergewicht verfüttern. Das ist aber Verschwendung, denn die Schleimstoffe lösen sich beim trockenen Leinsamen nur ungenügend.

Besser ist es, den Leinsamen zu schroten und zu kochen. Das ist zwar eine kleine Arbeit (Vorsicht: Leinsamen neigt zum Überkochen und klebt sowieso „eklig“ im Topf fest), die lohnt aber. Auch deshalb, weil man den Leinsamen gekocht (10 Minuten leicht köcheln lassen) in größeren Mengen verfüttern kann.

Leicht abkühlen lassen und unters Kraftfutter mischen – die Pferde lieben es!

Mittlerweile gibt es etliche industrielle Leinsamenprodukte, bei denen man allerdings darauf achten sollte, dass sie aus Kaltpressung stammen. Das muss deklariert werden.


Putzen, putzen, putzen

In dieser Zeit wird das Putzen zur echten Arbeit, denn bei robust gehaltenen Pferden sammelt sich eimerweise Fell an, die eingedeckten Pferde flusen mit winzigen Haarpartikelchen.

Aber es hilft nichts: Durch fleißiges Putzen verlieren die Pferde schneller ihr altes Fell und schieben neues nach.

Die Natur hat es übrigens geschickt so eingerichtet, dass der Fellwechsel in die Zeit fällt, in welcher die Vögel anfangen, Nester zu bauen. Sie freuen sich über das Polstermaterial, und deshalb sollte man nicht immer alles wegkehren, was man ausputzt.

Uta Over


Zur Diskussion:

Aus der Traum...?


Genau so wird es werden: Auf seinem wunderschönen Pferd sieht man sich schon die höchsten Hindernisse überfliegen, auf Turnieren eine Schleife nach der anderen gewinnen oder auch nur völlig entspannt durch den Wald reiten...

Wenn man ein eigenes Pferd bekommt, so trifft einen dieses Ereignis ja meistens nicht ganz überraschend.

Man kann also schon im Vorfeld alles ganz genau zu planen, oder bildet es sich zumindestens ein. Hierbei folgt man seinen eigenen Vorstellungen und Ideen, die meistens sehr konkret sind. Wenn man sich einmal umhört, wissen sogar Reiter, bei denen zurzeit gar kein eigenes Pferd ansteht, schon ganz genau, was für eine Rasse sie bevorzugen, welche Reitweise sie verfolgen werden und so weiter. So kann man sich leicht vorstellen, wie jemand, bei dem es ernst wird, jedes Detail rund um sein zukünftiges Pferd immer wieder vor seinem geistigen Auge vorüberziehen lässt.

Doch was ist, wenn einem dann auf einmal das Pferd einen Strich durch die so schön aufgestellte Rechnung macht?


Das ewige Thema Haltung

Nehmen wir also einmal an, jemand hat sich im Vorfeld viele Gedanken über das Thema Haltung gemacht und auch schon die in seinen Augen passende Unterkunft für sein Pferd gefunden:

Da er oder sie ein Freund bzw. eine Freundin der artgerechten Haltung ist, entspricht ein schöner großer Offenstall seinen/ihren Vorstellungen. Zusätzlich stehen dem zukünftigen Pferd hier noch ein geräumiger Auslauf und natürlich auch die Gesellschaft anderer Pferde zur Verfügung. Es sieht also so aus, als könne man sich nun dank der guten Vorbereitung auf einen unkomplizierten Start ins Pferdebesitzer-Leben freuen.

Doch all die Sorgfalt bei der Auswahl und die Gedanken um ein möglichst schönes Leben des Pferdes nutzen einem nichts, wenn sich das Pferd einfach nicht für die Offenstallhaltung eignet.

Natürlich werden jetzt wieder viele entsetzt aufschreien, weil die Offenstallhaltung so natürlich ist und man praktisch jedes Pferd in einem guten Offenstall halten kann und nicht etwa nur geeignete Rassen, aber Ausnahmen gibt es eben doch. Und bevor ein Pferd im Winter eine Erkältung nach der anderen hat, weil es zum Beispiel besonders empfindlich ist und zudem als rangniedriges Pferd bei schlechtem Wetter draußen stehen muss, sollte man sich eben doch etwas Anderes überlegen.

Auch die Fütterung kann bei der artgerechten Haltung ein Problem werden. In den meisten Offenställen werden die Pferde ja nicht mehrmals täglich einzeln gefüttert, sondern nur als Herde ausreichend mit Raufutter versorgt. Die zusätzliche Fütterung etwa mit Mineral- und Kraftfutter liegt hier meist in der Hand des Besitzers. Natürlich könnte man, wenn man nun ein extrem schwerfuttriges Pferd besitzt, mehrmals täglich zu ihm fahren, um es zu füttern, doch wem das nicht möglich ist und wer auch keine anderen Lösungen findet, der muss wohl doch über einen Stallwechsel nachdenken, bevor der Zustand des Pferdes bedenklich wird.

Und bevor man sich versieht, muss man den geliebten Offenstall gegen eine Box tauschen. Und anstatt sein Pferd mit gutem Gewissen im Freien mit Bewegung stehen zu haben, hat man plötzlich die Pflicht, jeden Tag sehr viel Zeit damit zu verbringen, seinem Pferd die nötige Abwechslung und Bewegung zu verschaffen. Auch preislich kann einen so ein zwangsweiser Stallwechsel treffen: Schöne große Boxen, am besten noch mit der Möglichkeit, sein Pferd über Tag auch mal auf einen Auslauf oder eine Weide zu lassen, sind in der Regel doch teurer als ein Offenstallplatz.


Umgekehrt ist es auch nicht einfach

Doch auch wer es umgekehrt machen möchte, um die Vorzüge eines Reitstalles auszunutzen, kann Probleme bekommen:

Da hat man es nun so schön ausgemalt, sein Pferd in einem richtigen Reitstall unterzubringen. Ein Stall mit gepflegten Boxen, einer hellen, trockenen Stallgasse, in der man sein Pferd bei jedem Wetter problemlos fertig machen kann, und natürlich noch mit einer großen Reithalle.

Das Wetter kann einem in so einem Stall also schon mal keine Probleme bereiten, und auch die Fütterung wäre geregelt. Zusätzlich kann man sich, je nach Stall, auch noch intensiv mit seinem Pferd beschäftigen, ohne sich über solch unangenehme Dinge wie etwa das Ausmisten der Box Gedanken zu machen.

Hat man nun jedoch das Pech, etwa ein Pferd zu besitzen, welches eine Stauballergie hat, kann man auch diese Vorstellung ganz schnell wieder vergessen.

Und auch wenn es nicht gleich so einen dramatischen Grund wie eine Krankheit gibt, kann es einem passieren, dass das eigene Pferd mit der Boxenhaltung nicht gut zurechtkommt und beispielsweise schreckhaft oder übernervös wird. Auch wenn sich ein Pferd aus Frust und Langeweile Stalluntugenden wie etwa Koppen oder Weben angewöhnt und man nicht die Zeit hat, sich intensiv genug mit ihm zu beschäftigen und so für Unterhaltung zu sorgen, muss eine andere Lösung gefunden werden. Diese heißt dann auch meistens Offenstall - und ehe man sich versieht, steht man bei Wind und Wetter neben seinem Pferd, während es frisst oder man es putzt, und zum Reiten steht einem dann vielleicht auch nur noch ein kleiner Reitplatz zur Verfügung, wenn überhaupt.

Hier sieht man schon, dass eben doch nicht immer alles so verläuft, wie man sich das vorgestellt hat; und die Haltung ist nicht der einzige Bereich, wo es zu Problemen kommen kann:


Mit wem reitet man wie?

Gerade beim Reiten decken sich oft die Wünsche und Vorstellungen des Reiters nicht mit den Begabungen und Möglichkeiten des Pferdes.

Da hatte man es sich doch nun wirklich so schön vorgestellt: Mit dem eigenen Pferd an einem guten Springunterricht teilnehmen, um dann vielleicht sogar einmal auf Turnieren zu starten, und dann? Dann hat man vielleicht ein Pferd, dem Springen einfach überhaupt keinen Spaß macht und das sich während des Unterrichts lustlos und aufmüpfig aufführt und mit dem man nichts als Ärger hat, während die anderen einen Sprung nach dem anderen bewältigen. Und wenn man sich auf Dauer vor jedem Hindernis mit seinem Pferd anlegen muss, kann einem die Lust recht schnell vergehen.

Eine andere Möglichkeit ist auch noch, dass das Pferd ganz einfach schrecklich unbegabt ist, so dass man sich auch mit dem besten Training irgendwann damit abfinden muss, dass man ber eine geringe Höhe, zumindestens mit diesem Pferd, nicht hinaus kommen wird.

Auch wenn man nur ein Freizeitpferd möchte, wird es schnell kompliziert, wenn das Pferd nicht die richtigen Eigenschaften mitbringt. So gelingt ein friedlicher Ausritt selten, wenn man auf einem Pferd sitzt, das sich auch wirklich vor jedem kleinen Zweig erschrickt und versucht, panikartig die Flucht zu ergreifen. Auch Kontrollierbarkeit ist im Gelände unbedingt erforderlich, denn wenn man auf einem durchgehendem Pferd durchs Gelände rast, ist die Gefahr, dass einem selbst, dem Pferd oder anderen etwas passiert, doch noch einmal größer als auf einem eingezäunten Platz. Und wenn ein Pferd etwa die Tendenz hat, sich im Straßenverkehr in Schrecksituationen vor die Autos zu werfen, kann man dieses als verlässliches Geländepferd wirklich nicht gebrauchen.

Natürlich darf man sich nicht wundern, wenn aus einem kleinen Robustpony nicht unbedingt das Spitzen-Springpferd wird, oder dass die meisten Traber eben doch keine hohen Platzierungen in der Dressur erreichen...

Doch auch wenn es anfangs gar nicht so offensichtlich scheint, kann man Schwierigkeiten haben, seine Träume umzusetzen, da eben wirklich nicht alle Pferde gleich begabt für bestimmte Bereiche der Reiterei sind.

Schnell können also auch hier Träume und Vorstellungen platzen, und man muss sich überlegen, welche Alternativen sich einem bieten und ob man mit diesen dann auch glücklich werden kann. Vielleicht reicht es einem ja tatsächlich letzten Endes doch noch, eben nur ein bisschen mit seinem Pferd zu springen. Man kann natürlich auch versuchen herauszufinden, wofür das eigene Pferd besonders begabt ist, und sich eben diesem Bereich der Reiterei zuwenden. Solange einem selber dies auch noch Spaß macht und man es eventuell auch noch als Chance sieht, noch mal etwas ganz anderes zu lernen, ist ja noch alles in Ordnung, doch was ist, wenn man wirklich seine ganzen Vorstellungen und Ideen am eigenen Pferd scheitern sieht?

Der Umgang

Selbst vom täglichen Umgang macht man sich ein bestimmtes Bild, welches oft nicht mit der Realität übereinstimmt. Wie man mit einem Pferd umgehen muss und auch wie sich das Pferd selber einem gegenüber verhält, ist eben auch von Pferd zu Pferd verschieden.

So kann es einem passieren, dass das sehnsüchtig erwartete Вegrüßungswiehern ausbleibt, weil man an ein absolut unabhängiges Pferd geraten ist, dem Menschen im Allgemeinen doch eher gleichgültig sind. Bei so einem Pferd muss man sich wirklich damit abfinden, dass es einen vielleicht schon ganz gerne mag, aber eben nie in Begeisterung ausbricht, wenn man kommt, um sich mit ihm zu beschäftigen. Und nur selten stellt man sich vorher vor, sein Pferd erst in dem Moment richtig glücklich zu erleben, wenn man wieder geht...

Möchte man möglichst unkompliziert mit seinem Pferd umgehen können, kann man mit einem kleinen Sensibelchen unglücklich werden, dass bei jedem falschen Wort in die Ecke springt. Anstatt einfach seinen Spaß zu haben, ist man nun nur noch darauf bedacht, ruhig zu reden und keine voreiligen Bewegungen zu machen.

Ist man ein Fan von immer neuen Lektionen oder auch Übungen an der Hand wie etwa Bodenarbeit oder Zirkuslektionen, dann ist man auf ein Pferd angewiesen, das gerne und eifrig mitarbeitet und nicht gelangweilt und desinteressiert in der Gegend herumsteht und hofft, dass das alles möglichst schnell vorbei ist.

Auch hier muss man sich wieder die Frage stellen, in wieweit man sich aufeinander einstellen kann - oder eben nicht.


Was tun?

Wie kommt es zu solchen Problemen? Oft liegt es daran, dass man zwar sehr genaue Vorstellungen über den gesamten Bereich rund um das eigene Pferd hat, diese jedoch nicht gut genug aufeinander abstimmt. So eignet sich die Lieblingsrasse eben nicht immer für die Reitbereiche, für die man sich selber interessiert. Auch das Pferd, das einen beim Kauf so lieb angeschaut hat, muss sich nicht für die gewünschte Haltung eignen.

Das wichtigste ist also, schon im Vorfeld ganz bewusst und gründlich auszuwählen, da so ein Großteil solcher Probleme einfach vermieden werden könnte.

Doch was tun, wenn man nun einmal in solch einer Situation ist? Manche Probleme lassen sich einfach mit der Zeit regeln: So kann ein Pferd, welches in einem Winter noch unbedingt eine Box brauchte, wenn es erst einmal etwas gepäppelt wurde, vielleicht den nächsten Winter doch gesund und munter im Offenstall verbringen. Es kann sogar sein, dass man mit viel Geduld und jeder Menge Motivationsarbeit ein desinteressiertes Pferd mit der Zeit für Zirkuslektionen begeistern kann.

Erziehung und Umgang spielen natürlich immer eine große Rolle: Auch ein nervöses Pferd wird sich bei einem entsprechenden Vertrauensverhältnis sicher zu einem friedlichen Freizeitpartner entwickeln können - wenn man ihm mit Verständnis und Rücksicht auf seine Verfassung begegnet.

Eine andere Möglichkeit ist der Kompromiss: Wenn das Pferd eben wirklich nicht gerne springt, macht man dies eben nur einmal im Monat und beschäftigt sich den Rest der Zeit mit anderen Dingen, die auch dem Pferd gefallen.

Wenn dies alles jedoch nicht geht, hat man eigentlich nur noch zwei Lösungen, mit denen sowohl Pferd als auch Reiter glücklich werden können: Entweder der Reiter gibt einfach gewisse Vorstellungen gänzlich auf, oder er verkauft das Pferd an Menschen, zu denen es besser passt. Kann man sich hierzu nämlich nicht durchringen und ist unglücklich mit der Situation, so wird auch zwangsweise das Pferd darunter leiden. Ein klarer Schlussstrich ist also nicht immer eine schlechte Entscheidung!

Katinka Schnitker


Zum Wiehern:

Saftfutter - Wozu eigentlich?


Solange die Weidesaison noch nicht eröffnet ist und die Pferde sich mit Heu begnügen müssen, fehlt ihnen die entsprechende Menge Saftfutter, so habe ich es zumindestens gelernt. Um dieses Übel zu umgehen, kauft man sich große Möhrensäcke, schleppt sie in den Stall und erfreut damit sein Pferd. So weit, so gut, stets um das Wohlergehen meines Pferdes besorgt, war ich dazu sofort bereit.


So einfach ist es nicht!

In der Erwartung, mein Pferd angenehm zu überraschen, legte ich ihm ein paar schöne große Möhren mit in seine Futterschüssel. Als mein Pferd ihrer ansichtig wurde, wich es erst einmal misstrauisch zurück - gerade so, als ob er so etwas noch nie zu Gesicht bekommen hätte. Schließlich biss er dann aber doch in eine, und ich wollte mich gerade zufrieden abwenden, als er sie neben der Futterschüssel auf den Boden fallen ließ. Und während ich staunend daneben stand, war mein Pferd eifrig damit beschäftigt, jede Mohrrübe einzeln aus seiner Schüssel zu sortieren! Als dies geschafft war, widmete er sich zufrieden seinem Kraftfutter.


Der Kampf kann beginnen

Am nächsten Tag erfuhr ich von einer Freundin, dass ihr Pferd die Möhren auch nur dann frisst, wenn man sie ihm in nette kleine Scheibchen schneidet und dann unter’s Kraftfutter mischt. An diesem Tag war ich zwanzig Minuten damit beschäftigt, zwei Kilo Möhren in ihre Einzelteile zu zerlegen.

Mein Pferd begutachtete die neue Situation kurz und fing dann an, wie wild in der Schüssel herumzuwühlen, wobei er die Hälfte in der Gegend verteilte und stets bemüht war, so wenig Möhren wie möglich zusammen mit seinem anderen Futter zu verspeisen. Am Schluss, als kein Kraftfutter mehr zu sehen war, widmete er sich schließlich auch den verbleibenden Möhren. Die folgenden Tage verbrachten wir dann folgendermaßen: Während mein Pferd die Möhren nach draußen beförderte, bewegte ich mich in einem bestimmten Radius um die Futterschüssel und war damit beschäftigt, die Möhren wieder in die Schüssel zurückzuschmeißen.


Ein Kompromiss:

Nach einiger Zeit wurde mir das Spiel dann doch zu blöd, da sich auch schon der gesamte Stall darüber amüsierte, also wurde eine zweite Futterschüssel gekauft, und die Möhren wurden separat aufgestellt. Nachdem mein Pferd seine normale Schüssel glücklich gefressen hatte, sah er sich die neue Schüssel genauer an, dann kippte er sie kurzerhand aus, um sicherzugehen, dass sich unter den Möhren nicht doch noch etwas Besseres verbarg. So ging das dann auch weiter: Jeden Tag fraß er friedlich die eine Schüssel und ging dann auf die andere los; er biss in den Rand, kippte sie aus oder traktierte sie mit den Hufen, erst dann war er willens, auch die Möhren zu fressen. Der Versuch, die Mohrrüben einfach auf dem Boden zu füttern, scheiterte an der Angewohnheit meines Pferdes, sich während des Fressens nicht vor, sondern auf die Möhren zu stellen.


Es lohnt sich einfach nicht!

Und wenn ich dann die anderen Pferde sehe, die in aller Ruhe ihr Futter und ihre Möhren fressen, einfach so, und sich wahrscheinlich auch noch darüber freuen, dann frage ich mich wirklich manchmal, warum man so etwas überhaupt macht.

Natürlich bekommt mein Pferd auch jetzt noch jeden Winter seine Möhren, was mich allerdings schon einige Futterschüsseln gekostet und mich zu der Erkenntnis gebracht hat, dass Pferde es einfach nicht zu schätzen wissen, wenn man sich Gedanken um ihren Saftfutter-Anteil macht.

Katinka Schnitker


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