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Bockende Pferde III - Das Shetland Pony - Holzannagen - Pferde weggeben - Zum Wiehern!


Equikids Ausgabe 02/2011

* Bockende Pferde, Teil III


Zur Erinnerung: In der letzten Ausgabe von Equikids haben wir die entscheidende Frage gestellt. Warum bocken Pferde?


 1. Das erste, sozusagen "jungfräuliche" Bocken eines Pferdes resultiert zunächst immer aus seinen Instinkten. In freier Wildbahn landet niemals etwas anderes auf seinem Rücken als der Todfeind, das Raubtier. Die äußerst anstrengenden Sprungfolgen eines bockendes Pferdes sind der verzweifelte Versuch, sein Leben zu retten, indem es den Angreifer abschüttelt. Natürlich braucht ein in unseren Breitengraden als Haustier aufgewachsenes Pferd nicht mehr den Tod durch Raubtiere zu fürchten. Um diese Instinkte abzubauen, bedürfte es aber wahrscheinlich noch einer Evolution.
2. Je nachdem, welcher Erfolg das erste Bocken krönte, können Pferde daraus eine gezielte und ziemlich angstfreie Methode machen, unerwünschte Reiter abzusetzen. Oder es wird ganz einfach ihre Art der Arbeitsverweigerung.
3. Charakterlich anders veranlagte Pferde, die auch nach dem berühmten ersten Mal plötzlich ohne Reiter waren, erfuhren dadurch nur noch eine Steigerung ihrer Angst. Bei ihnen ist das wiederholte Bocken keine gezielte Aktion gegen den Reiter, bei ihnen siegt einfach immer wieder der Instinkt.
4. Als vom Anlass her harmlos, in der Auswirkung aber leider oft genauso gefährlich wie gezielte Aktionen ist das Bocken aus Lebensfreude heraus anzusehen. Vor allem junge oder besonders gut konditionierte und energiegeladene Pferde machen ihrer Lust an Sonne, Wind, Wiesen und anderen Dingen gerne einmal mit vereinzelten Bocksprüngen Luft.
5. Ein dem Pferd nicht anzulastender Grund für unangenehme Bocksprünge kann in falscher Fütterung zu finden sein. Wenn dem Pferd durch Hafer oder anderes Kraftfutter mehr Energie zugeführt wird, als es abarbeiten kann, kommt es in manchen Fällen zu der klassischen Situation, wo man sagt: "Den sticht der Hafer!"
6. Ein weiterer Anlass, an dem das Pferd nicht nur unschuldig ist, sondern unter dem es zudem noch leidet, ist mangelnde Bewegung. Tiere, denen die natürliche und tägliche Bewegung vorenthalten wird, reagieren oft – verständlicherweise – mit gefährlichen Kapriolen auf den ungewohnten Freiraum eines Reitplatzes, eines Reitweges oder einer Halle.
7. Nicht selten sind auch unpassende oder falsch verwandte Ausrüstungsteile für "Katzensprünge" verantwortlich. besonders der "Sattelzwang" veranlasst Pferde zu ganz außergewöhnlichen und sehr gefährlichen Explosionen. Diese Möglichkeit sollte daher immer als erste überprüft und behoben oder als Ursache ausgeschlossen werden.


Die ersten Punkte haben wir bereits behandelt – weiter geht es nun mit Punkt 4.


zu 4.: Bocken aus Lebensfreude


Bocksprünge, die aus reiner Bewegungslust enstehen, sind im Normalfall eher harmlos und relativ leicht auszusitzen. Meistens handelt es sich eher um verlängerte Galoppsprünge mit einer etwas stärkeren Tendenz nach oben. Wenn allerdings der Reiter mit Angst und Verkrampfung auf solche Buckler reagiert, könnte sich aus einer harmlosen Spielerei doch noch ein gezieltes Bocken entwickeln. Auf klammernde Beine und unkontrolliertes Zügelziehen reagieren viele Pferde ebenfalls eher panisch. Wenn daher der Galopp einmal ein wenig "hoppelig" werden sollte, lieber erstmal die Ruhe bewahren und darüber hinwegreiten. Ein kontrolliertes Durchparieren zum Trab ermöglicht dann Pferd und Reiter, in dieser schwungvollen, aber etwas weniger animierenden Gangart den ersten Bewegungsdrang herauszulassen. Es sei noch gesagt, dass es nicht sinnvoll ist, sondern eher schädlich, ein Pferd, welches keine bösen Absichten verfolgt, für seine Lebensfreude zu strafen.

zu 5.: Wenn der Hafer sticht


Dieser Absatz sei bitte nicht verstanden als Aufforderung, temperamentvolle Pferde hungern oder gar dursten zu lassen! Das wäre eine absolut tierqälerische und unehrenhafte Methode, ein Pferd zu bändigen! Das Gegenteil aber, nämlich das Überfüttern mit energiereicher Nahrung, tut ebenfalls weder Mensch noch Tier Gutes. Die Pferde wissen nicht mehr, wohin mit ihrer Kraft, und werden dadurch auch mental belastet. Es entstehen Bocksprünge, bei denen sie nicht nur den Reiter, sondern auch sich selbst gefährden. Solche Tiere vor dem Reiten frei laufen zu lassen bzw. gezielt in die Runde zu scheuchen, ist auch überhaupt keine pferdegerechte Lösung. Die aufgestaute Energie löst sofortiges Toben aus. Die für Sehnen, Bänder und Gelenke unbedingt notwendige Aufwärmphase wird völlig außer acht gelassen. Dadurch erhöht sich nochmals die durch das Herumspringen an sich schon vorhandene Verletzungsgefahr. Ist ein Pferd also besonders ruhelos, ständig nervlich angespannt und beim geringsten Anlass zu Explosionen bereit, wäre es zumindest einen Versuch wert, das Kraftfutter (niemals das Wasser oder das Raufutter!) über mindestens eine Woche hinweg um ein erkennbares Maß zu reduzieren. Das Resultat ist dann als positiv anzusehen, wenn die Überschussenergie nachlässt und das Pferd sichtbar entspannter wird, ohne konditionelle Schwäche zu zeigen.
Ute Forler


* Klein, aber oho - das Shetlandpony!


Bei Shetlandponys kann man sich schwer vertun! Schon mancher hat gedacht: So ein kleines Pony, das schaff’ ich mit links!

Nix da! Nicht mit Shettys! Natürlich sind sie klein, aber deshalb sind sie doch nicht schwach oder dumm - im Gegenteil!

Klein sind sie nur deshalb, weil in ihrer Heimat, den windgepeitschten Shetlandinseln nördlich von England, das Nahrungsangebot wirklich knapp ist: wenig Gras, eher Flechten und Kräuter. Davon kann kein Pferd wachsen - aber stark kann es werden und Wind und Wetter trotzen!


Ein bisschen Geschichte

Seit Jahrhunderten leben Pferde auf den Shetlandinseln. Manche Leute sagen, dass sie vor vielen tausend Jahren über eine Landbrücke von England und Schottland her auf die Inseln kamen. Andere behaupten, sie seien von früheren Einwanderern auf die Inseln gebracht worden - die Einwanderer hätten die kleinsten Pferde ihrer Heimat in den auch nicht allzu großen Booten mitgenommen. Egal wie - sicher ist, dass Pferde bei einem so knappen Nahrungsangebot wie auf den Shetlandinseln über die Jahrhunderte verzwergen, dabei aber nichts von ihrer Stärke verlieren.

Die Wikinger haben um das Jahr 700 als erste von den kleinen starken Pferden der Shetlandinseln berichtet. Aber sie waren für sie zu klein zum Reiten - und so dachte jahrhundertelang niemand mehr an die kleinen nordischen Pferde.

Ungefähr eintausend Jahre später verbot man in England, Frauen und Kinder im Bergbau zu beschäftigen. Tief unter der Erde mussten sie ihre Arbeit verrichten, Steine hacken, Kohle schürfen und sie auf die kleinen Wagen laden, die diese ans Tageslicht brachten. Der Frauen und Kinder hatte man sich erbarmt - jetzt holte man sich kleine, anspruchslose und starke Ponys, die in den Berg „einfuhren“ und ihn nie mehr lebend verließen.

Fast zweihundert Jahre lang holte man sich immer die stärksten Ponys von den Inseln; und da die Bevölkerung der Shetlandinseln nicht reich war, verkaufte man auch die stärksten und besten - der Untergang der Rasse schien fast besiegelt. Doch dann interessierte sich ein echter englischer Lord für die kleinen Ponys und gründete ein Gestüt mit ausgesuchten und reinblütigen Tieren. Schon bald waren die Shetlandponys die Lieblingsreittiere der kleinen englischen Kinder... und sind es bis heute geblieben. Schon manch großer Dressur- oder Springreiter hat zuerst auf einem Shetty gesessen.


Shettys sind stark - auch im Kopf

Shetlandponys sind zwar von kleinem Körperbau - aber sie haben’s „in sich“! Gerade Tiere aus kargen Gegenden (und das sind die Shetlandinseln tatsächlich) sind oft hochintelligent, weil sie sich ihr Futter mühsam suchen und es mit anderen Konkurrenten teilen und es gegen sie verteidigen müssen. Shetlandponys sind auch Pferde, deren Vorfahren jahrhundertelang auf schwierigem Untergrund liefen; das waren also Pferde, die nicht wie beispielsweise Wüstenpferde schnell fliehen konnten. Ihre beste Waffe war nicht unbedingt die Flucht; Shetlandponys mussten sich erst einmal genau umschauen, wie es um sie herum aussah, bevor sie flohen - und zur Not verteidigten sie sich lieber mit den Hufen. Mit einem Wort: Shettys sind sehr selbstbewusst und neigen selten zum Durchgehen - Nerven wie Drahtseile.

Man muss jedoch unterscheiden zwischen den europäischen, also den ursprünglichen Shetlandponys und dem, was man in Amerika daraus gemacht hat. Dort hat man sie bis zur Unkenntlichkeit „veredelt“, sie immer feiner und „eleganter“ gezüchtet und mit Vollblütern und Arabern regelrecht aufgepeppt und zum Showpferd degradiert. Von dem selbstbewussten kleinen Pony mit rundlichem Erscheinungsbild und energischem Auftreten ist hier nichts mehr zu sehen - leider. Man hat sie total amerikanisiert - vom ursprünglichen Shetty keine Spur mehr.


Das Exterieur

Shetlandponys waren jahrhundertelang sich selbst überlassen. Auf dem kargen Boden der Shetlandinseln mussten sie sich ihr mageres Futter suchen und sich notdürftig vor den Unbilden der Witterung schützen. So entstand ein durch und durch „praktisches“ Pony.

Der Rücken ist kurz und rund gerippt; die Hinterhand ist kraftvoll - und man kann ihr ansehen, wie stark sie ist. Die Beine sind kurz und stämmig und nicht unbedingt für einen langen, schwebenden Trab gemacht. Das ist auch nicht der Sinn dieser kleinen Pferde: Ihre Stärke ist absolute Trittsicherheit auch in unwegsamstem Gelände. Und verknackste Gelenke oder Verstauchungen sind bei ihnen kaum zu befürchten.

Die Köpfe sind oft verblüffend edel mit fast arabisch blitzenden Augen, kleinen Mauseohren und feinen Mäulern. Die Mähne ist immer dicht und fällt oft doppelt, der Schweif berührt nicht selten den Boden. Mit einem Wort: ein richtig praktisches Pony sozusagen „für alle Fälle“.


Kinderreitponys?

Shetlandponys sind starke Persönlichkeiten, keine Steiff-Tiere und keine Puschelponys. Schon mancher Vater, der seinem Kind so ein „niedliches Pony“ kaufte, sah sich bald dem Problem gegenüber, dass nicht das Kind, sondern das Pony die Oberhand hatte.

Im Grunde ist das ja nicht so schlimm, wenn das Pony vernünftig und das Kind einsichtig ist; dann passiert nichts. Aber kleine Kinder sind meistens nicht einsichtig, sondern wollen ihr Pony beherrschen; und wenn das nicht geht, werden sie schnell mal grob. Das wiederum lässt sich ein Shetlandpony nicht gefallen, und schon ist die Freundschaft im Eimer.

Shetlandponys sind hervorragende Reittiere für energische Jugendliche, die schon reiten und mit Ponys umgehen können. Dann gehen die kleinen Ponys mit ihnen über Stock und Stein, springen und scheuen auch vor einer Herbstjagd nicht zurück. Bei einem Reitergewicht bis zu 50 kg ist ein Shetlandpony ein hervorragendes und unerschrockenes Geländepony.

Hervorragend geeignet sind sie auch als Kutschponys. Hochintelligent, wie sie sind, neigen sie nicht zum Durchgehen. Sie sind unermüdliche Traber und ziehen selbst stärkste Lasten. Ein Shetty lässt so schnell nichts stehen! Shetlandponys sind Arbeitsponys, stark, hart und unermüdlich. Als Rasenmäher oder nur als Reittier für ein Kleinstkind sind sie einfach zu schade.


Haltung und Fütterung

Shetlandponys sind anspruchslos in der Haltung. So anspruchslos, dass man hierzulande fast nur zu fett gefütterte Shetlandponys sieht. Das tut den Ponys nicht gut; es verkürzt ihr Leben und macht sie träge und missmutig.

Gutes Raufutter reicht für Shettys aus. Hafer? Kraftfutter? Davon dürfen sie vielleicht träumen - aber nur das! Den ganzen Tag Weide? Bloß nicht! Unsere Weiden sind für die Ponys, die aus einer solch kargen Gegend wie den Shetlandinseln kommen, viel zu gut! Sie schlagen sich nur den Bauch voll, werden fett und bekommen oft sogar noch Hufrehe, ein Zeichen der Überfütterung.

Stundenweise Weidegang ist ausreichend, die übrige Zeit sollte das Pony in einem Auslauf verbringen, der eine Unterstellmöglichkeit hat. Am besten ist ein richtiger Offenstall - und selbstverständlich die Gesellschaft anderer Pferde und/oder Ponys, denn Shetlandponys sind gesellig.

Ist ein Shetlandpony mit Großpferden zusammen, dann sollte man ihm mit einem Balken eine „eigene“ Ecke abtrennen, in der es seine Ruhe hat. Der Balken soll gerade so groß sein, dass das Pony drunterher schlüpfen kann. Hier kann es in Ruhe fressen, ohne von den Großen verjagt zu werden; und es kann sich auch mal ungestört hinlegen.


Hilfe - ich bin zu groß geworden für mein Pony!

Was macht man mit einem Pony, für das man zu groß geworden ist?

Man kann es in wirklich gute Hände weitergeben - aber bitte WIRKLICH in gute Hände. Es gibt Shetlandponys, die sozusagen von Familie zu Familie wanderten - und dann wieder in ihre „erste“ Familie zurückkamen, wenn die damaligen Kinder selbst Kinder hatten, denn Shettys sind langlebig. Oder man schafft eine kleine Kutsche an und fährt mit dem Pony. Shettys sind hübsch und sehr geschickt in der Kutsche. Und schon  mancher, der erst die Nase rümpfte, weil er mit einer Ponykutsche fahren sollte, konnte nachher gar nicht genug davon kriegen. Wenn man Reiter ist, weiß man oft gar nicht, was im „Fahrerlager“ los ist. Bevor man also mit dem Fahren anfängt, sollte man sich da umgucken - es ist genauso interessant wie Reiten.

Uta Over


* Pferde als Nagetiere: Da leidet der Stall


In den meisten Ställen wird Holz als Baumaterial verwendet. Oft sieht dieses Holz schon nach kurzer Zeit schwer abgenutzt aus und weist deutliche Bissspuren auf: Die Pferde nagen und beißen am Holz herum und können so selbst dicke Bretter in kurzer Zeit zerstören. Das ist nicht nur unschön, sondern kann auch ernste Schäden verursachen. Kein Stallbesitzer sieht dieses Verhalten gerne.


Warum knabbern Pferde am Holz?

Oft wird gesagt, dass Pferde das Holz anfressen, weil es ihnen an Mineralien fehlt. Das ist jedoch nicht bewiesen. Eher zeigt sich, dass ein Rohfasermangel ursächlich sein kann. Rohfaser ist vor allem im Raufutter, also in Heu und Stroh enthalten. Wenn ein Pferd viel Kraftfutter, aber wenig Raufutter bekommt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es am Holz nagt. Dazu kommt der zeitliche Aspekt: Kraftfutter wird schnell gefressen, Raufutter aber braucht lange Fresszeiten. Wenn zu wenig Raufutter gefüttert wird, frisst das Pferd immer nur kurz und steht lange einfach nur herum. In der Natur aber fressen Pferde beinahe den ganzen Tag. So wird hier auch ganz einfach die Zeit zu  lang, und das Kaubedürfnis des Pferdes bleibt unbefriedigt. Auch hier bietet das Holznagen Abhilfe.

Zu wenig Futter kann ein weiterer Grund sein. Wenn ein Pferd in einer Offenstallgruppe beispielsweise rangniedrig ist und schnell vom Futter weggescheucht wird, bekommt es zu wenig und sucht nach weiterem Futter.

In der Natur knabbern Pferde ebenfalls an Ästen und Bäumen. So gesehen ist das Holznagen eine durchaus natürliche Verhaltensweise – nur in der zivilisierten Stallumgebung eben nicht gerne gesehen.


Was tun?

Die Lösung liegt auf der Hand. Pferde wollen beschäftigt sein – Langeweile ist der Feind. Dabei hilft eine artgerechte Haltung in der Gruppe mit genügend Auslauf. Die Fütterung sollte schwerpunktmäßig immer auf Raufutter setzen und Kraftfutter wirklich nur nach Bedarf als Zusatz rationieren. Lange Fresszeiten sind hilfreich. Dazu kann es nützlich sein, beispielsweise ein Heu-Stroh-Gemisch in engmaschigen Heunetzen aufzuhängen (Vorsicht – die Netze müssen so gesichert sein, dass sie auch leer nicht so tief hängen, dass Pferde hineintreten könnten!), aus denen die Pferde das Futter langsam herausziehen müssen. Erlaubte, ungiftige Zweige zum Knabbern lenken von Stallwänden ab.

Zuviel sollte niemals gefüttert werden – Übergewicht ist auch bei Pferden problematisch. Gerade in der Gruppenhaltung muss aber darauf geachtet werden, dass wirklich alle Pferde genug bekommen. Falls ein Pferd nicht ausreichend Zugang zum Futter hat, muss es für die Fresszeiten von der Herde abgesondert werden, damit es in Ruhe genug fressen kann.


* Zur Diskussion: Ein geliebtes Pferd - niemals weggeben?


Wie viele müssen jahrelang warten, um sich endlich den Traum vom eigenen Pferd erfüllen zu können! Aber egal, ob nach langer Zeit und viel Mühe oder unkompliziert und schnell: Der Augenblick, in dem man zum ersten Mal vor seinem eigenen Pferd steht, zählt für so manchen zu den schönsten der Welt. Nun hat man also ein eigenes Pferd, und für viele, die bisher ihre Erfahrungen hauptsächlich in Reitschulen gesammelt haben, eröffnet sich eine völlig neue Welt. Auf einmal geht der Umgang mit Pferden übers Reiten weit hinaus, und man hat die Möglichkeit, ein Pferd richtig kennenzulernen. Mit der Zeit entdeckt man in dem Wesen Pferd eine ganz eigene Persönlichkeit und lernt die guten und schlechten Seiten schätzen bzw. fürchten.

Auch das Pferd lernt einen kennen, und wenn man es richtig anstellt, wird es einen auch mögen und einem vertrauen. Bis sich allerdings eine echte und gute Beziehung zwischen Pferd und Besitzer aufbauen kann, vergeht meist eine lange Zeit, oft sogar Jahre.


Oft trennt man sich schneller als gedacht

Bei vielen trennen sich die Wege schon vorher: Auf einmal ist das Pferd doch zu groß oder klein, der Reiter beschließt, jetzt lieber Turniere zu gehen und sein „altes“ Pferd genügt den Ansprüchen nicht mehr, oder reiten wird plötzlich langweilig. Manchmal ist dies vielleicht unnötig, überstürzt oder von falschen Motiven geleitet. Doch oft genug ist es auch wirklich  notwenig, denn wenn man feststellt, dass man mit seinem Pferd überhaupt nicht zurechtkommt und auch Bemühungen und fremde Hilfe einen nicht weiterbringen, ist es sowohl für einen selbst als auch für das Pferd das Beste, wenn man sich rechtzeitig wieder trennt - auch wenn man dieses Pferd inzwischen richtig liebgewonnen hat. Denn wenn man sich Ziele steckt, die man mit seinem Pferd einfach nicht erreichen kann, ist es besser, sich nach einem geeigneteren Partner umzuschauen, als mehr von seinem Pferd zu fordern als es leisten kann. Ist man z.B. ernsthaft am Springreiten interessiert, hat aber ein Pferd, das recht unbegabt springt, doch dafür ein richtig gutes Gelände- und Freizeitpferd ist, so ist es sicher besser, das Pferd an jemanden abzugeben, der völlig glücklich mit ihm durch den Wald reitet, und sich selber ein „Springpferd“ zu kaufen. Behält man hier das Pferd, nur weil man es so lieb hat, wird man, wenn man nicht bereit ist, den Traum vom Springreiten aufzugeben, sicher nicht glücklich, und das Pferd wird mit dem Springen, das es nun einmal nicht so gut kann, überfordert und hat auch kein schönes Leben.


Niemals gedankenlos verkaufen

Bei so etwas ist es natürlich sehr wichtig, dass man sein altes Pferd nicht gedankenlos verkauft, sondern es in gute Hände abgibt, also an Leute, deren Anforderungen und Wünschen das Pferd gewachsen ist und die selbst mit dem Pferd glücklich werden, so dass es nicht durch unnötig viele Hände geht, bis sich die richtigen finden.

Nehmen wir an, dies alles trifft nicht zu. Man ist mit seinem Pferd durch dick und dünn gegangen, hat viele schöne Stunden mit ihm verbracht und war auch bereit, immer wieder Enttäuschungen einzustecken. Man hat ihm vielleicht noch etwas Neues beigebracht und gleichzeitig selbst noch viel mehr gelernt.

Da ist es doch wirklich fast selbstverständlich, dass man nun das Pferd nicht mehr missen möchte, das längst zum besten der Welt geworden ist und jeden Vergleich mit anderen glänzend besteht. Was andere als Unart missbilligen, sieht man als liebenswerte Angewohnheit, und Kritik an Aussehen und Können überhört man großzügig. Wie oft rutscht einem da in einem Gespräch heraus: „Ich würde mein Pferd niemals weggeben.“ Aber hat man darüber eigentlich schon einmal ernsthaft nachgedacht? Würde man sein Pferd wirklich niemals weggeben? Und ist es überhaupt richtig, dies nie zu tun?


Was ist beispielsweise, wenn das Geld nicht mehr reicht?

Nehmen wir an, jemand hat seit fünf Jahren ein Pferd. Dieses Pferd braucht nun jeden Tag drei Tabletten und ein Pülverchen, da es sonst Schmerzen beim Laufen bekommt. Auf einmal ändert sich die Lebenssituation. Das Geld reicht einfach nicht mehr. Fieberhaft sucht der Besitzer nach einer Lösung und stellt sein Pferd als erstes mal in einen kleinen Stall, der zwar weiter weg, lange nicht so schön, aber dafür wesentlich billiger ist. Zwar muss der Besitzer jetzt auf eine Reithalle und einen schönen Platz verzichten, doch seine finanzielle Lage sieht schon wieder besser aus. Doch obwohl er die Privatstunden absagt, sein Pferd barfuß laufen lässt und seinen Zweitsattel verkauft, reicht es am Ende des Monats gerade für Unterhalt und Futter, nicht aber für die teuren Medikamente.

Was nun? Der Besitzer liebt dieses Pferd über alles. Ohne die Tabletten und das Pulver wird das Pferd nicht sterben, aber auch keinen Tag mehr schmerzfrei gehen können. Wäre es jetzt nicht besser, es in gute Hände abzugeben, wo es die nötigen Medikamente erhält und so ein besseres Leben führen kann? Natürlich könnte es dem Besitzer irgendwann finanziell wieder besser gehen, aber kann das Pferd solange warten? Und kann es echte Liebe sein, wenn man sein Pferd leiden lässt, nur weil man es nicht erträgt, es wegzugeben?


Auch die Zeit kann zum Problem werden

Noch schneller als zu finanziellen kann es zu zeitlichen Problemen kommen. Denn schließlich darf man nicht vergessen, wie viel Zeit ein Pferd täglich erfordert. Wie schnell die Probleme ernst werden, hängt auch hier mit der Haltungsform des Pferdes zusammen. So ist es nicht so schlimm, mal keine Zeit zu haben, wenn das Pferd mit anderen Artgenossen auf einer großen Wiese herumspringt oder in einem Offenstall mit großem Auslauf steht. Hat man sein Pferd dagegen in der ja leider so verbreiteten Boxenhaltung, ist es einfach unverzeihlich, keine Zeit zu haben und nicht für Alternativen zu sorgen.

Nehmen wir wieder ein Beispiel. Aus privaten Gründen hat der Besitzer kaum noch Zeit für sein Pferd, welches in einer Box ohne Auslauf und Weidegang steht. Die Alternativen wie Offenstallhaltung oder eine Reitbeteiligung sind leider nicht gegeben. In diesem Fall hat das Pferd nicht einmal körperliche Schmerzen, und doch stellt sich ganz dringend die Frage nach dem Fortgeben des Pferdes, denn ein Lauftier kann man nicht einfach 24 Stunden am Tag in einen engen Kasten sperren und behaupten, es ginge ihm gut.

Natürlich sind dies beides recht extreme Beispiele, doch lassen sie sich auch auf scheinbar harmlosere Fälle übertragen. Allgemein kann man sagen: Sobald ich nicht mehr in der Lage bin, selbst dafür zu sorgen, dass es meinem Pferd wirklich gut geht, steht die Überlegung an, ob ich es nicht doch lieber weggebe.


Es gibt viele gute Alternativen

Ein Pferd wegzugeben muss ja nicht gleich ein Abschied für immer sein. Denn keiner verlangt, dass man sein Pferd an irgendjemanden verkauft und keinerlei Einfluss mehr auf sein Schicksal hat. Schließlich steht es einem frei, so lange zu suchen, bis man einen wirklich guten Käufer gefunden hat. Menschen sollten hier wichtiger sein als Geld. Dann besteht die Möglichkeit eines Rückkaufvertrages, der einen berechtigt, das Pferd im Falle eines erneuten Verkaufs „zurückzuerobern“, und der gleichzeitig verhindert, dass das Pferd durch viele Hände wandert, die man dann ja nicht mehr aussuchen kann. Eine weitere, sehr gute Möglichkeit ist es, das Pferd zwar anderen zur Verfügung zu stellen, jedoch selbst Besitzer zu bleiben. Und ich persönlich denke, dass ich mein Pferd eher einem wirklich guten Freund schenken als Fremden verkaufen würde.

Es gibt also durchaus annehmbare Lösungen für dieses Problem, auch wenn sie alle sicher schmerzhaft sind. Und bei alldem kann man vorher ja auch noch um sein Pferd kämpfen, um vielleicht eine gute Lösung zu finden.


Das Pferd sollte vorgehen

Bei solchen Überlegungen darf man einfach das Wohl des Pferdes nicht aus den Augen verlieren und muss seine eigenen Interessen völlig außen vor lassen. Nur der liebt sein Pferd wirklich, der bereit ist, es zu verlieren, um ihm ein schöneres Leben zu ermöglichen, auch wenn er selbst darunter leidet.

Katinka Schnitker


* Zum Wiehern: Pferde, die man mag


Jeder Reiter hat sie, und selbstverständlich ist auch jeder bereit, sie gegen alles und jeden zu verteidigen: seine persönlichen Lieblingspferde. Auch ich habe ein bis vier davon, und das wichtigste darunter ist ohne Frage mein eigenes, denn dieses Pferd ist zweifellos das tollste, schönste, intelligenteste, begabteste und liebste, was zu finden ist! Doch nun möchte ich zugeben - auch mein Pferd hat ein paar winzig kleine Fehler, die einem selbstverständlich nur auffallen, wenn man sich intensiv mit ihm beschäftigt.


Kleine Fehler

So dachte ich mir beispielsweise vor einiger Zeit, als ich ein anderes Pferd ritt und so beobachten konnte, wie mein Pferd mit gespitzten Ohren gutgelaunt durch den Wald galoppierte, während derjenige, der es ritt, bei dem Versuch, es zu einer langsameren Gangart zu bewegen, langsam immer wütender wurde und sich einem Stadium echter Verzweiflung näherte, dass mein Pferd vielleicht doch ein klein wenig stur sein könnte.

Und immer wenn ich versuche, erzieherisch auf mein Pferd einzuwirken, indem ich mich furchteinflößend vor ihm aufbaue und mit ihm schimpfe, während er fröhlich meine Taschen nach irgendetwas Essbarem durchsucht, kommt mir der Gedanke, dass mein Pferd (natürlich nur eventuell) ziemlich verfressen, respektlos und unbeeindruckbar ist.


Der Reiz des Fremden

Nun wünscht man sich in schwachen Momenten ja immer das, was man selber nicht hat. Und so habe ich eine gewisse Schwäche für sensible Pferde, die ihren Menschen ohne weiteres als Chef akzeptieren und die sich vor allem für neue Aufgaben begeistern können.

Ich war also immer davon überzeugt, dass meine Sympathien gerade solchen Pferden gelten würden, bis ich das Pferd, das ich neben meinem noch besonders ins Herz geschlossen habe, einmal genauer betrachtete. Dabei nämlich entdeckte ich einen schlaksigen Jährling, der zweifellos hübsch ist und viele liebenswerte und positive Eigenschaften in sich vereint. So ist er, wie es sich für ein junges Pferd gehört, außerordentlich verspielt, er tobt mit meinen Hunden über die Weide, trägt am liebsten Eimer, Schüsseln und Bürsten spazieren und beißt in alles, was ihm auf seinem Weg begegnet.


Erschreckende Parallelen

Er könnte also eine geradezu perfekte Ergänzung zu meinem Pferd darstellen, wenn er auch noch sensibel und ein klein bisschen unterwürfig wäre. Wenn dieses Tier jedoch freudestrahlend auf einen zukommt und einem liebevoll ins Gesicht prustet, sobald man mit ihm schimpft oder es straft, wirkt es doch eher unbeeindruckbar - und wenn man sich ihm mit einer Futterschüssel bewaffnet nähert, woraufhin das Pferd sich zielstrebig in Bewegung setzt und dabei so großen Wert auf direkte Luftlinie legt, dass es unwesentliche Hindernisse wie große Wasserbottiche souverän meistert, indem es mit beeindruckender Knieaktion hindurchstapft, dann kann man das nur stur und verfressen nennen!


Wahrscheinlich Schicksal

Nun habe ich dieses Pferd das erste Mal als unschuldiges Fohlen gesehen, als es erst wenige Minuten auf der Welt war, und seinen Lebensweg seitdem begleitet. Meine Sympathie ist also irgendwo verständlich, aber musste es sich denn wirklich so entwickeln?

Anscheinend wird man diese bestimmte Art von Pferden einfach nicht mehr los.

Katinka Schnitker


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