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            Equikids - Ausgabe 02/2010


Das alte Pferd - Pferdepflege - Hufrollenentzündung - Voltigieren kontra Reiten - Bodenarbeit einmal anders


* Das alte Pferd, Teil I: Ein wertvoller Begleiter


Viele Pferde können problemlos 30 Jahre oder sogar noch älter werden. Wenn Pferde in die Jahre kommen, werden sie oft abgeschoben. Weil sie keine sportlichen Leistungen mehr erbringen, verbringen sie ihren Lebensabend ohne Beschäftigung.
Das ist sehr schade, denn alte Pferde sind etwas ganz Besonderes und gerade für Kinder und Anfänger ungeheuer wertvoll.
Alte Pferde sind sehr erfahren. Sie haben viel gesehen und erlebt, sie kennen sich aus. Deshalb haben sie meistens weniger Ängste als junge Pferde und verhalten sich entsprechend ruhig. Hinzu kommt eine gewisse Bedächtigkeit, die verhindert, dass alte Pferde schnell scheuen oder gar durchgehen. Zwar mag das alte Pferd etwas steif sein, es bewegt sich nicht mehr so leichtfüßig wie der junge Hüpfer, doch dafür ist es zuverlässiger und leichter einzuschätzen.
Das alles macht das alte Pferd zu dem idealen Lehrpferd für Anfänger, Kinder oder auch eher ängstliche Reiter.

Wann beginnt das Alter?
Wann ein Pferd alt wird, ist sehr unterschiedlich. Da gibt es keine klare Grenze. Sogar im Spitzensport z.B. beim Springen oder auch in der Vielseitigkeit gibt es immer wieder Pferde von 20 oder sogar 21 Jahren, obwohl diese Sportarten sehr kräftezehrend und anstrengend sind. Andererseits sind manche Pferde schon mit 16 oder 17 Jahren erkennbar gealtert. Einerseits kann das Veranlagung sein. So sind viele Ponyrassen beispielsweise besonders langlebig. Andererseits hängt aber auch viel von uns Menschen ab. Wenn ein Pferd in der Jugend schonend aufgebaut wird, kann es sehr lange fit und leistungsfähig bleiben. Umgekehrt rächt sich eine zu frühe Belastung des jungen Pferdes oft schon sehr schnell, denn wenn junge Pferde zu früh belastet werden, sind sie oft viel zu früh aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr belastbar. Richtig ausgewachsen sind Pferde erst mit ca. sieben Jahren. Erst dann dürfen sie wirklich voll belastet werden.
Ganz grob lässt sich sagen, dass ein Pferd über 20 allmählich in ein Alter kommt, in dem es normalerweise ruhiger wird.

Die Nutzung alter Pferde
Viele ältere Pferde sind unglücklich, wenn sie nach einem langen Leben als Reitpferd auf einmal gar nicht mehr aktiv betreut werden. Ihnen fehlt die Zuwendung durch den Menschen und die Beschäftigung. Ein Übergang zu einem reinen Weidedasein als Rentner muss daher immer allmählich gestaltet werden, damit das Pferd sich langsam an seine neue Lebenssituation gewöhnen kann.
Doch alte Pferde können oft auch noch hervorragende Dienste leisten. Dazu ist es wichtig, dass der Reiter auf die Bedürfnisse des Pferde-Oldies Rücksicht nimmt.
So ist es bei alten Pferden besonders wichtig, dass sie sorgfältig aufgewärmt werden. Das gilt eigentlich für jedes Pferd, doch hier muss es besonders unterstrichen werden. Jeder Ritt beginnt mit einer mindestens 10- bis 15-minütigen Schrittphase und endet ebenso. Unterwegs wird ebenfalls ruhig und bedächtig geritten, es gibt weder wilde Jagden noch große Sprünge. Es geht eben alles etwas gemütlicher mit einem solchen Oldie!
Es kann auch vorkommen, dass alte Pferde Phasen erleben, in denen sie besonders steif sind, Schmerzen haben oder einfach nicht gut drauf sind. Darauf muss der Reiter selbstverständlich Rücksicht nehmen: In dieser Zeit sollte auf das Reiten verzichtet werden. Stattdessen können ruhige Spaziergänge als Beschäftigung und Ausgleich dienen.
Irgendwann kommt der Moment, an dem es wirklich sinnvoll ist, das alte Pferd nicht mehr mit einem Reiter zu belasten: wenn der Rücken schmerzt oder die Gelenke nicht mehr wollen. Doch auch dann ist es wichtig, dem Pferd weiterhin die gewohnte Zuwendung zu geben: sei es durch eine ausgiebige Putzorgie, durch Spaziergänge oder auch einfach durch Streicheleinheiten.

Damit Pferde lange gesund und munter bleiben, spielt die richtige Haltung im Alter eine große Rolle. Was bei der Haltung eines alten Pferdes zu beachten ist, lest ihr in der nächsten Ausgabe von Equikids!


* Pferdepflege dient vielen Zwecken


Wozu pflegt man ein Pferd? Zum einen ist es natürlich Selbstzweck: Es macht einfach Spaß, sich mit dem Tier zu beschäftigen, ein bisschen „herumzutüdeln“ und sein Pferd so schön wie möglich herauszubringen. Zum anderen hilft gründliches Putzen, Sattel- und Gurtdruck zu vermeiden und ist somit wichtiger Bestandteil des täglichen Umgangs, auch weil Reiter und Pferd bei dieser Tätigkeit bereits die Art ihres Miteinander-Umgehens festlegen.

Grundlagen des Umgangs
Schon bei der täglichen Pflege ist es wichtig, dass der Mensch sich als der Ranghöhere erweist und dadurch den Respekt seines Pferdes erhält. Also: Wenn das Pferd herumtänzelt, nicht still steht, einem auf die Füße tritt oder ähnliches, sollte man die Situation von vorneherein klären! Jedes Pferd sollte lernen, angebunden still zu stehen. Wenn man die ganze Zeit kleinere Gefechte mit dem Pferd austragen muss, kommt die eigentliche Pferdepflege auch oft zu kurz.

Wie oft wird ein Pferd geputzt?
Pferde, die täglich geritten werden, müssen natürlich auch täglich geputzt werden. Falls nach dem Reiten das Fell schweißverkrustet ist, ist es für das Pferd sehr angenehm, wenn der getrocknete Schweiß auch wieder herausgebürstet wird. Wenn euer Pferd aber die meiste Zeit im Freien verbringt und auch nicht täglich geritten wird, ist tägliches Putzen nicht sinnvoll! Durch das Striegeln wird die natürliche Schutzschicht der Fellhaare gegen Nässe angegriffen. Tiere, die beispielsweise draußen überwintern, sollten daher nicht zu oft gestriegelt und gebürstet werden. Lieber dreckig und robust, als sauber und empfindlich!

Wie wird ein Pferd geputzt?
Jeder, der sich mit Pferden beschäftigt, putzt diese auch. Eigentlich kann jeder putzen. Aber einige Regeln können trotzdem hilfreich sein!
Zuerst die Reihenfolge: Erst, je nach Verschmutzungsgrad, ein harter Striegel, um den gröbsten Dreck zu entfernen; dann ein Gummistriegel, um das Fell aufzurauhen und Sand oder ähnliches an die Oberfläche zu bringen. Anschließend die Wurzelbürste, die den gröberen Schmutz herausbürstet; abschließend dann die feine, weiche Bürste, die den feinen Staub entfernt, das Fell glättet und zum Glänzen bringt. Diese wird am besten in Verbindung mit einem Eisenstriegel benutzt, an dem man sie ausstreicht. Aus dem Striegel lässt sich der Schmutz dann leicht herausklopfen.

Gewohnheiten können hilfreich sein
Es klingt vielleicht albern, aber es kann tatsächlich passieren, dass man beim Putzen einfach mal eine Stelle „vergisst“. Deswegen ist es gut, wenn man sich an einen „Putzplan“ hält: Bei jedem Durchgang erst die linke, dann die rechte Seite des Pferdes von vorne nach hinten putzen! Wenn man dies konsequent durchhält, wird die Routine so stark, dass der ganze Vorgang automatisch in der festgelegten Reihenfolge abläuft, so dass nichts vergessen werden kann.

Das Putzzeug
Falls das Pferd stark verschmutzt ist (wie es bei Weidepferden sehr oft der Fall ist), beginnt man mit einem harten Striegel wie beispielsweise einem Eisenstriegel. Dieser darf natürlich nur an den bemuskelten Stellen des Pferdekörpers benutzt werden! Überall dort, wo der Knochen unter der Haut zu spüren ist, sollte man auf seine Anwendung verzichten. Mit diesem Striegel kann man vorhandene Dreckplatten einfach abkratzen.
Mit einem Gummistriegel kann man schon etwas energischer vorgehen. Man striegelt das Pferd mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn, so dass das Fell aufgeraut, aber nicht völlig „gegen den Strich“ gestriegelt wird. Dabei kann man an den bemuskelten Partien ruhig etwas kräftiger aufdrücken! Und mit diesem Striegel kann man auch empfindliche Stellen wie Ellbogen, Widerrist und Sprunggelenke angehen, allerdings mit der gebotenen Rücksichtnahme. Am Kopf hat allerdings auch dieser Striegel wenig zu suchen. Beide Striegel werden regelmäßig auf dem Boden ausgeklopft, so dass der gesammelte Schmutz herausfällt.
Die Wurzelbürste ist der nächste Durchgang. In kurzen, energischen Strichen wird das Fell mit dem Strich gebürstet. Das Ganze sollte schwungvoll sein, damit der Schmutz auch wirklich heraus- und nicht hereingebürstet wird! Die Mähne sollte während des Putzens auf beide Seiten gelegt werden, damit der Hals unter der Mähne ebenfalls zu seinem Recht kommt. Mit der Wurzelbürste kann man nun mit der gebotenen Vorsicht und Rücksicht auch die empfindlichen Stellen des Pferdekörpers behandeln, so auch die Beine. Diese bürstet man von oben nach unten, vergisst natürlich auch nicht die Innenseite und kontrolliert bei dieser Gelegenheit die Fesselbeugen auf Schmutz und eventuelle Pusteln oder Verletzungen! Falls der Pferdekopf stärker verschmutzt ist, kann man auch hier sehr vorsichtig die Wurzelbürste einsetzen. Wichtig sind vor allem die Stellen (z.B. hinter den Ohren), wo die Trense liegt. Um den Kopf zu putzen, kann es daher sinnvoll sein, das Halfter zu lösen und über den Hals zu ziehen, damit man auch alle Stellen erreicht. Voraussetzung ist natürlich ein zuverlässiges Pferd. Die Wurzelbürste wird regelmäßig, möglichst an einer Kante, ausgestrichen.
Zum Schluss kommt die Feinarbeit: Die weiche Bürste. Mit dieser kann der ganze Kopf geputzt werden, und alle anderen Partien werden noch einmal nachgearbeitet. Der Vorgang ähnelt der Anwendung der Wurzelbürste, aber in der anderen Hand hält man einen runden Eisenstriegel, an dem die Kardätsche ausgestrichen wird. Diese Bürste bringt Glanz ins Fell (auch wenn das jetzt klingt wie eine schlechte Waschmittelwerbung)!

Links- oder Rechtshänder?
Egal, ob ihr Links- oder Rechtshänder seid: Das Putzzeug sollte man mit beiden Händen bedienen können. Die Partie Hals und Schulter wird mit der Hand geputzt, die dem Pferdekopf am nächsten ist, die Partie Rücken, Bauch und Kruppe mit der Hand, die dem Schweif am nächsten ist. Auf diese Weise bleibt der Pfleger neben dem Pferd und kann nicht aus Unachtsamkeit beispielsweise beim Putzen der Hinterhand in die Treffweite der Hinterbeine gelangen.

Die Hufe
Natürlich sollten vor und nach jedem Ritt die Hufe des Pferdes ausgekratzt werden, damit sich keine Steine festtreten können. Dabei werden die beiden Strahlfurchen ausgekratzt und von Schmutz befreit. Die Versuchung ist groß, die Hufe in immer der gleichen Reihenfolge auszukratzen. Dies kann jedoch dazu führen, dass das Pferd die Hufe auch nur noch in dieser Reihenfolge geben möchte! Etwas Abwechslung kann hier also nicht schaden – Hauptsache, es wird kein Huf vergessen.

Mähne und Schweif
Die Mähne kann mit einer Wurzelbürste gebürstet und dann gekämmt werden. Beim Schopf allerdings sollte man mit so etwas ganz besonders vorsichtig sein, denn wenn man hier zu viele Haare ausreißt, hat das Pferd bald keinen nennenswerten Schopf mehr! Der Schweif dagegen sollte nur verlesen werden. Dazu nimmt man den gesamten Schweif in die Hand und zieht die Haare einzeln heraus. So werden nicht zu viele Haare ausgerissen, und der Schweif wird locker und füllig. Voraussetzung ist natürlich ein einigermaßen sauberer Schweif! Den Schweif wäscht man am besten in einem Eimer mit handwarmem Wasser und einem milden Reinigungsmittel, z.B. Neutralseife. Den Eimer kann man auf dem Oberschenkel abstützen, so dass der Schweif ganz hineingetaucht werden kann. Im Anschluss muss natürlich noch mit klarem Wasser die Seife wieder herausgespült werden.
Während der Schweif unten so abgeschnitten wird, dass er gerade hängt, wenn das Pferd ihn leicht trägt (also leicht schräg und nach hinten abfallend), sollte die Mähne nie geschnitten werden. Eine geschnittene Mähne sieht immer unnatürlich aus und hat in den meisten Fällen unschöne Zacken und Kanten! Die Mähne wird daher „verzogen“, wenn man kein Pferd hat, dass sowieso mit einer ganz langen Mähne läuft.

Das Verziehen der Mähne
Zum Verziehen der Mähne benötigt man einen möglichst feinen Kamm. Man nimmt ein paar lange Haare zwischen die Finger und kämmt die in dieser Strähne enthaltenen kürzeren Haare ganz nach oben. Dann wickelt man die langen Haare um den Kamm und reißt sie mit der Wurzel heraus. So wird die Mähne zugleich verkürzt und verdünnt, so dass sie besser liegt.
Die Schmerzempfindlichkeit bei dieser Prozedur ist von Pferd zu Pferd unterschiedlich. Manchen Pferden macht es gar nichts aus, während andere schier sterben wollen. In so einem Fall kann man auch ein Verziehmesser verwenden (in jedem Reitsportgeschäft erhältlich).

Der Schweifansatz
In manchen Ställen ist es immer noch üblich, die Schweifrübe zu beschneiden, so dass der Schweifansatz schmaler wirkt. Ein Nachteil ist, dass dies wie eine struppige Bürste aussieht, wenn es nachwächst; man muss also ständig nachschneiden. Außerdem hat die sogenannte Schweifglocke am Schweifansatz eine Schutzfunktion gegen Wind und Wetter, um den empfindlichen After- und Genitalbereich des Pferdes zu schützen. Wenn man den natürlichen dichten Schweifansatz belassten möchte, kann man bei gegebenen Anlässen wie Turnieren oder Schauen den Schweifansatz einflechten. Dies sieht eigentlich noch viel schöner aus! Das Prinzip ist der bekannte „Mozart- oder Bauernzopf“. Man beginnt oben mit drei Strähnen und nimmt im Verlauf des Flechtens jedesmal von außen eine Strähne dazu.

Scheuern kann zum Problem werden
Vor allem im Sommer kann es passieren, dass Pferde sich Schweif und Mähne scheuern und dann natürlich ziemlich unmöglich aussehen. Das muss nicht immer sofort Sommerekzem sein; oft sammeln sich einfach Schmutz und Schweiß auf der Haut, es bilden sich Schuppen und Juckreiz entsteht. In diesen Fällen hilft es oft schon, den Schweifansatz und die Mähne regelmäßig zu kämmen und gelegentlich zu waschen.

Der Zweck ist nicht nur die Schönheit des Pferdes!
Wer sein Pferd liebevoll pflegt, hat die Belohnung schon im Anblick seines Pferdes. Aber abgesehen davon trägt regelmäßige und gründliche Pflege auch dazu bei, den Zustand seines Pferdes zu erkennen und richtig einzuschätzen. Schon beim Putzen lässt sich feststellen, ob ein Pferd beispielsweise in der Muskulatur verspannt oder locker ist; kleinere Verletzungen werden schneller entdeckt, die Beine und Füße automatisch überprüft und Scheuern von Sattel- und Zaumzeug vermieden. Und nicht zuletzt wird auch beim Pflegen des Pferdes das Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier aufgebaut und erhalten!


* Die Hufrollenentzündung


Unter den vielen Ursachen, die es für die Lahmheit eines Pferdes gibt, zählt die Hufrollenentzündung oder auch Strahlbeinlahmheit sicher zu den Unangenehmsten.

Warum „Strahlbeinlahmheit“?
Die sogenannte Hufrolle besteht aus dem Strahlbein, dem Strahlbeinschleimbeutel und der dort ansetzenden tiefen Beugesehne. Bei einer Hufrollenentzündung kommt es zu krankhaften Veränderungen am Strahlbein, einem kleinen, keilförmigen Knochen, der im Huf zwischen Kronbein und Hufbein sitzt und somit Teil des Hufgelenks ist.
In einigen Büchern findet man die Krankheit so beschrieben, dass die entzündlichen und degenerativen Prozesse sich nicht auf das Strahlbein beschränken, sondern auch den Schleimbeutel, die Aufhängebänder und die Ansatzstelle der tiefen Beugesehne angreifen und somit Knochenveränderungen und Schäden an der Beugesehne hervorrufen. Es gibt also verschiedene Formen einer Hufrollenerkrankung, je nachdem, welche Teile betroffen sind.

Ursachen
Ungünstige Anatomie, also ein von vorneherein ungünstiger Körperbau des Pferdes, der zu einer starken Belastung der Hufrolle führt, kann ebenso wie eine durch den Menschen herbeigeführte Überlastung eine Erkrankung der Hufrolle auslösen.

Woran kann man eine Hufrollenentzündung erkennen?
Es zeigt sich eine anhaltende Lahmheit, bei der das Pferd mit verkürzten Schritten geht und dabei bemüht ist, den Fuß hinten möglichst nicht zu belasten. Die Lahmheit zeigt sich deutlicher, wenn das Pferd gerade aus dem Stall kommt oder wenn es gezwungen ist, die betroffenen Hufe stärker zu belasten, wie es bei Erkrankungen der Vorhand beispielsweise beim Bergabgehen der Fall ist.
Eine wirkliche Diagnose lässt sich jedoch nur mithilfe einer Röntgenuntersuchung stellen.

Behandlung?
Eine chronische Entzündung der Hufrolle ist unheilbar, die krankhaften Veränderungen sind nicht rückgängig zu machen. Zwar gibt es verschiedene Behandlungsmethoden, aber diese erreichen nur eine Verminderung der Schmerzen und können nichts an der Krankheit selbst ändern. So ist es wichtig, bei einem beschlagenen Pferd die Eisen regelmäßig spätestens alle 5 bis 6 Wochen zu wechseln. Hochgestellte Trachten (hintere Eisenenden) verringern den Druck auf das Strahlbein. Dabei muss jedoch darauf geachtet werden, dass nun die Zehen, also der vordere Teil des Hufes, nicht überbelastet werden. Generell sollte das Abrollen des Hufes in der Bewegung durch eine entsprechende Bearbeitung der Hufe und der Eisen begünstigt werden.
Eine drastische „Behandlung“ ist der sogenannte Nervenschnitt, bei dem die Nerven, die das Strahlbein versorgen, durchgetrennt werden. Dadurch verliert das Pferd jegliches Schmerzempfinden in diesem Bereich. Die Erkrankung wird dadurch jedoch nicht gestoppt, sondern entwickelt sich weiter. Dies kann darüber hinaus auch gefährlich werden, da sich ein Pferd nun einen Nagel oder ähnliches eintreten kann, ohne es selbst zu merken. Hier ist also äußerste Vorsicht und sorgfältige Pflege der Hufe geboten.
Man muss sich jedoch auch hier immer wieder klarmachen, dass der Nervenschnitt keine heilende Maßnahme ist, sondern das Pferd nur von den Schmerzen befreit.
Hufrollenentzündung ist also eine Krankheit, von der man sich wünschen sollte, sie nie am eigenen Pferd erfahren zu müssen!


Katinka Stöffler


* Zur Diskussion: Voltigieren - sinnvolle Ergänzung oder Gegensatz zum Reitsport?


Sicher habt ihr schon einmal eine Voltigiergruppe gesehen und mit Bewunderung verfolgt, was für tolle Übungen die Kinder auf dem Pferd vollführen. Genausooft aber, wie man Voltigierkinder beobachten kann, hört man auch die gegensätzlichen Meinungen zum Nutzen dieses besonderen Sportes für die allgemeine Reitkunst. Vielleicht habt ihr ja auch schon selbst einmal hinter dem Voltigiergurt auf dem ungesattelten Pferd gesessen. Wie würdet ihr diese Erfahrung beurteilen?

Ich selbst habe mit fünf Jahren angefangen zu voltigieren, mit neun Jahren hatte ich dann zusätzlich die Möglichkeit, regelmäßig zu reiten, und mit vierzehn Jahren gab ich das Voltigieren zugunsten der Reiterei auf. Diese Entscheidung hat mich allerdings viele Tränen gekostet und war letztlich die Folge der herrschenden Einstellung, dass Voltigieren und Reiten nicht zusammen passen. Man könnte an dieser Stelle unterscheiden zwischen - nun ja - „Freizeit-Voltigierern“ und den ernsthaften Wettkampfgruppen. Sicher entspricht die auf den großen Voltigierwettkämpfen geforderte Körperhaltung z.B. beim „Grundsitz“ kaum einem guten Reitsitz.

Voltigieren - „Turnen auf dem Pferd“
Deutlich zu erkennen ist der Nutzen von Turnübungen auf dem Pferd für Reitanfänger, vor allem für Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene profitieren vom Voltigieren als Ausbildungsergänzung. Zum einen macht Voltigieren ganz einfach Spaß! Es wird in der Gruppe unterrichtet, und es gibt viele Übungen, die mehrere Teilnehmer gemeinsam ausführen können. Auf diese Weise werden gerade Kinder spielerisch an den Umgang mit dem „großen“ Pferd herangeführt, wobei der Phantasie in Bezug auf die verschiedenen Kür-Übungen keine Grenzen gesetzt sind. Alle Mitglieder der Gruppe sind gleich wichtig und spornen sich oft genug gegenseitig an, ihren Mut immer wieder neu zu erproben. Die sechs Pflichtübungen: Grundsitz, Fahne, Mühle, Flanke, Stehen, Schere, bieten bereits ein breites Spektrum an Bewegungsabläufen. Allein deren Beherrschen bedeutet eine große Anforderung an den Gleichgewichtssinn und die Losgelassenheit der Voltigierer. Dabei ist z.B. schon das freie Stehen auf einem im Schritt gehenden Pferd eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit!

Gleichgewicht - entscheidend für Voltigierer und Reiter
Voltigieren bietet bereits in seinen Anfängen den Spaß der Gruppe, den hautnahen Kontakt zum Pferd, das Erfühlen des eigenen Gleichgewichts, das Aufnehmen des Bewegungsablaufes des Pferdes, die Notwendigkeit, den eigenen Schwerpunkt mit dem des Pferdes in Übereinstimmung zu bringen, und nicht zuletzt nimmt Voltigieren die Angst vor einem Sturz. Denn bei vielen Übungen verlassen die Turner das Pferd einfach durch Herunterspringen! Das angstfreie und dadurch entspannte Fallen vom Pferd aber ist nicht nur für einen Reitanfänger sicher eine der wichtigsten Übungen. Wer vor einem eventuellen Sturz keine Angst hat, fällt erstens seltener und ist zweitens weitaus weniger verletzungsgefährdet!

Erst Voltigieren, dann Reiten?
Wenn ich bei Erwachsenen das Voltigieren als eine entspannende (und oft sehr lustige!) Ergänzung zur Reitausbildung ansehe, so benutze ich bei kleinen Kindern - ohne Mindestalter - das Voltigieren als alleinige Vorbereitung für den Einstieg in die Reiterei. Erst dann, wenn sich die Kinder völlig entspannt und im Gleichgewicht zumindest auf einem im Schritt gehenden Pferd bewegen können, sollen sie auch an der Kinderreitstunde teilnehmen. Auf diese Weise vermeide ich zumindest einen großen Teil von Angst und Stress der ersten Reitstunden für Pferd bzw. Pony(!) und Kind.
Wer die Bedeutung des unabhängigen Sitzes beim Reiten kennt, wird den Nutzen dieser Einbindung des Voltigierens in die Reitausbildung wohl kaum bestreiten.

„Voltigiersitz“ kontra „Reitsitz“
Energischer verwehren sich allerdings viele Reiter und Reitlehrer gegen die Möglichkeit, dass auch ausgeprägtes Wettkampf-Voltigieren einem guten Reitsitz förderlich sein kann. Als Beweis gelten dann Dinge wie die bis in die Fußspitze gespannten Beine der Voltigierkinder, die natürlich mit dem Reitsitz, also z.B. gestreckte, lange Wade, lockeres Sprunggelenk und tiefer Absatz, absolut nicht zu vereinen sind. Des weiteren werden Spaltsitz (d.h. das Gewicht des Reiters ist auf den Oberschenkeln anstatt auf dem Gesäß, beim Voltigieren eine Folge der absolut gespannten Beine), Hohlkreuz und vieles andere mehr als unüberwindbare Schranken zwischen Wettkampf-Voltigieren und ernsthaftem Reiten angeführt.
Meine Meinung dazu ist anders. Ganz ohne Zweifel sind Voltigieren und Reiten zwei völlig verschiedene Sportarten. Abgesehen von der Tatsache, dass beides auf einem Pferd stattfindet, und abgesehen von den oben erwähnten Gemeinsamkeiten (z.B. eben Gleichgewicht und Losgelassenheit des Reiters/Voltigierers), überwiegen sicherlich die Unterschiede. Es ist auch nicht mein Bestreben, mehr als diese allgemein akzeptierten Übereinstimmungen zu konstruieren. Meine Meinung, dass auch Wettkampf-Voltigieren dem Reiten zuträglich sein kann, basiert vielmehr auf der Erfahrung, dass grundsätzlich jede Art von Sport das Körpergefühl des Einzelnen verbessert.
Kurz gesagt: Wer in der Lage ist, Muskeln bewusst zu spannen, ist normalerweise auch in der Lage, Muskeln bewusst zu ent-spannen!

Reiten stellt hohe Anforderungen an das Körpergefühl!
Reiten verlangt absolute und isolierte Kontrolle über jeden einzelnen Körperteil. D.h.: Wenn meine Hüfte locker mitschwingen soll, darf sich mein Oberkörper, an dem ja meine Arme und damit auch die zügelführenden Hände hängen, eben möglichst nicht bewegen. Oder: Gesäß und Oberschenkel sollen tief und ruhig im/am Pferd liegen, der Unterschenkel aber muss jederzeit variabel in seiner Position sein. Sicher wisst ihr sehr gut, wovon ich spreche! Das Vertrackte beim Reiten ist doch, dass fast jeder Körperteil gleichzeitig etwas anderes tun muss. In diesem Sinne ist jede Sportart, die die bewusste Kontrolle einzelner Körperpartien fördert (sei es nun Spannung oder Entspannung), für den Reiter positiv zu bewerten.
Z.B. ist eine meiner Ansicht nach gut geeignete Ergänzungssportart der Jazz-Dance. Beim Jazz-Dance werden nämlich auch ständig Isolationsübungen gemacht und so das Bewusstsein für und die Kontrolle über einzelne Muskelpartien enorm gestärkt. Da der Voltigiersport nun aber diese Vorteile noch mit dem Gefühl für den Bewegungsablauf des Pferdes kombiniert, halte ich gerade Wettkampf-Voltigieren für eine gute Ergänzung des Reitsports. Das bedeutet allerdings, dass sich auch Reiter einmal klarmachen müssen, dass Gymnastik, Koordinationsübungen und Konditionstraining Dinge sind, die nicht nur für Pferde sinnvoll und notwendig sind!

Ute Forler


* Zum Wiehern: Bodenarbeit - einmal anders


Als ich die Ziele der Bodenarbeit las, wusste ich, dass sie wie geschaffen war für mich und mein Pferd. Das Pferd soll dabei lernen, mehr auf den Menschen zu achten und konzentrierter zu arbeiten, Mensch und Pferd sollen sich auf diese Weise besser verstehen lernen. Das Bild von mir und meinem Pferd, wie wir unkonzentriert unseres Weges schlurften, sollte endgültig der Vergangenheit angehören!

Erstmal die Vorarbeit...
Vom Ehrgeiz einer neuen Idee ergriffen, begann ich am nächsten Tag, alles Nötige zusammenzusuchen: Ein paar Stangen, alte Autoreifen, einen Müllsack als Planenersatz und einige Äste für den sogenannten Irrgarten. Als Ausrüstung für Pferd und „Reiter“ genügten Halfter, Strick und eine lange Gerte, die musste ich mir allerdings schon leihen.
Man sollte mit einfachen Übungen anfangen, auf die man später dann aufbauen konnte. Man beginnt, indem man sich korrekt neben seinem Pferd aufstellt und es mit einem leichten Antippen der Gerte in Bewegung setzt, nachdem es erst einmal einige Augenblicke absolut ruhig gestanden hat.


Hauptsache entspannt!

Mit hängendem Kopf und abgeknicktem Hinterhuf döste mein Pferd auf unserem Reitplatz vor sich hin, also absolut ruhig, wobei zu bezweifeln ist, ob das wirklich damit gemeint war! Aber von solchen Lappalien ließ ich mich nicht schon am Anfang irritieren. Dass die Sache mit dem Antippen und der Gerte Probleme bereiten könnte, hätte ich mir eigentlich schon vorher denken können, da ich mit meinem Pferd noch nie Probleme mit dem Treiben, sondern eher mit dem Bremsen hatte und daher nicht mit Gerte reite, geschweige denn antreibe. Als mein Pferd nun von der Berührung der Gerte geweckt wurde, trat es sofort unwillig einen Schritt zur Seite. Die Sache mit der Gerte konnten wir also schon mal vergessen. Nachdem wir unsere Runden und Biegungen einigermaßen ordentlich hinter uns gebracht hatten, fingen die eigentlichen Übungen an: Als erstes musste man das Pferd dazu bewegen, aufmerksam über ein Hindernis zu gehen. Dazu werden Stangen in unterschiedlichen Abständen hintereinandergelegt, die das Pferd ruhig und mit gesenktem Kopf überschreiten soll, natürlich ohne diese dabei zu berühren!

Vielleicht nicht ganz vorschriftsmäßig...
Mein Pferd sah die Stangen, sprang über die erste, landete halb auf der zweiten und polterte anschließend über die restlichen, wobei er es tatsächlich schaffte, keine einzige Stange nicht zu berühren. Das zweite Mal verlief nicht viel anders, und erst beim fünften Mal ging er, ob konzentriert oder nicht, im Schritt über die Stangen, ohne sie allzusehr zu verschieben. Das war ein echtes Erfolgserlebnis, und mit so einem soll man ja bekanntlich aufhören! Zu der Plane brauche ich nur zu sagen, dass mein Pferd nicht einmal einen halben Huf auf sie setzte. Die Reifen hingegen waren wieder interessanter: Das Pferd sollte über die Reifen gehen, indem es immer in die Mitte tritt. Mein Pferd aber balancierte halb neben, halb auf dem Reifen, und als ihm tatsächlich einmal ein Huf in den Reifen rutschte, rannte er mich in einem Anfall mittlerer Panik fast über den Haufen.
Bei der letzten Übung bewies mein Pferd Mut, als er völlig ungerührt und äußerst zielbewusst über meinen liebevollst aufgebauten Irrgarten, bestehend aus kreuz und quer übereinanderliegenden Ästen, trabte und ihn zerstörte. Ich hätte nach den Stangen aufhören sollen!
Obwohl ich an diesem Tag kurz davor war, haben wir die Bodenarbeit nicht aufgegeben. Ob sie erfolgreich ist? - Ich weiß es nicht - wir üben nämlich immer noch.


Katinka Schnitker


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