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Mitteltrab - Richtig antrainieren - Mager im Winter? - Pferde im Karneval - zum Wiehern!


Equikids 01/2014


Das Reiten der Grundgangarten

Teil III: Der Mitteltrab


In den letzten Ausgaben wurden der Schritt und der Trab als Gangart an sich vorgestellt. Mittelschritt und Arbeitstrab erhielten bereits eine intensivere Besprechung. Nun ist der Mitteltrab Gegenstand einer ausführlichen Betrachtung. Zu seiner besseren Einordnung in die natürlichen Bewegungsmuster eines Pferdes stelle ich noch einmal eine erweiterte, allgemeine Beschreibung der Gangart Trab voran.

Der Trab


Der Trab in all seinen Varianten ist sicher die am häufigsten benutzte Gangart des Pferdes, sowohl in der Natur als auch im Dressurviereck. Er ist die "Reisegangart" ebenso wie das Instrument zu Schau- und Imponiergehabe. Mit wechselnder, diagonaler Zweibeinstütze und Schwebephase bietet er sowohl ein hohes Maß an Trittsicherheit und sehnenschonender Gewichtsverteilung als auch genügend Vorwärtsschwung, um selbst längere Strecken mit möglichst geringer körperlicher Belastung relativ schnell zu überwinden. Hengste machen sich diese Gangart in besonderer Weise zunutze. Dadurch, dass sie sich jeweils mit zwei Beinen abstoßen, können sie besonders viel Kraft und Ausdruck in die Schwebephase legen. Um einem Widersacher oder einer Stute zu imponieren, heben sie sich mit enormer Aufrichtung in die Luft und legen all ihre Kraft und ihren Stolz in die erhabenen Tritte eines verzögerten Trabs. Im Dressurviereck wird diese natürliche Anlage in gezähmter Form als Passage und Piaffe dargeboten. Doch schon der versammelte Trab zeigt im Ansatz den starken Ausdruck eines stolzen Pferdes. Die verlängerten Tritte des Mitteltrabs dienen ebenfalls dem Imponiergehabe, aber auch dem Ausdruck von ungezügelter Lebensfreude. Sie können nicht nur bei Hengsten, sondern im Grunde bei jedem gesunden und energiegeladenem Pferd beobachtet werden. Das gilt im Übrigen auch für die versammelten Tritte, zu denen sich ein Hengst zwar eher animieren lässt, die aber durchaus auch bei Wallachen, Stuten oder Fohlen zu sehen sein können. Diese beiden Spielarten des Trabs erfordern mehr Energie als ein bloßer "Reisetrab" oder auch als ein ruhiger Galopp. Sie werden von freilaufenden Pferden daher nur bei besonderen Anlässen gezeigt. Das kann die erste Freude beim Anweiden sein, das Vorbeifahren einer Kutsche, die Reaktion auf ein neues Herdenmitglied und ähnliche Dinge mehr. Um sie unter dem Reiter korrekt zu entwickeln, ist viel Kraft und Gehfreude des Pferdes sowie einiges an reiterlichem Können notwendig.

Das Reiten des Mitteltrabs


Merkmale für einen guten Mitteltrab


Ganz banal gesagt kommt man im Mitteltrab schneller vorwärts als im Arbeitstrab. Das ist nicht unwichtig, ist aber natürlich noch längst nicht alles. Es geht vor allem darum, wie und warum das Tempo erhöht wird. Grundvoraussetzung für einen korrekten Mitteltrab ist das Erhalten des Taktes, und zwar genau des Taktes, der für den guten Arbeitstrab herausgefunden wurde. Wenn ihr also mitklatschen würdet, dürfte zwischen Arbeitstrab und Mitteltrab keine Veränderung zu bemerken sein. Wie schafft es das Pferd dennoch, im Mitteltrab mehr Raum zu gewinnen? Die Antwort darauf liegt bereits in dem Begriff "Trab-
Verstärkung". Indem es seine Hinterfüße weiter unter sich setzt und sich deutlich stärker nach vorne abstößt, gewinnt das Pferd dementsprechend mehr Raum, d.h.: Es kommt mit einem einzelnen Trabtritt weiter vorwärts. Und da der Takt gleich bleibt, ist man eben auch schneller. Die Vorderbeine kommen idealerweise genau so weit aus der Schulter nach vorne heraus wie die Hinterbeine unter den Leib treten, so dass in der Seitenansicht die diagonalen Beinpaare jeweils parallel sind. Die Hinterbeine fußen im Mitteltrab vor den Spuren der Vorderbeine auf, sie treten also etwas über. Es erweitert sich der Rahmen des Pferdes, das heißt: Die Aufrichtung des Halses vermindert sich zugunsten einer leichten Streckung nach vorne, die Nase ist etwas weiter vor der Senkrechten als im Arbeitstrab. Die Selbsthaltung des Pferdes wird von dieser Rahmenerweiterung jedoch nicht berührt. Das bedeutet: Die Zügel sind weiterhin feine Kommunikationsträger und nicht etwa ein fünftes Bein. Der Rücken schwingt deutlich mit. Der Schweif soll entspannt pendeln.

Probleme des Pferdes


Körperliche Probleme
önnen entstehen, wenn das Pferd stark überbaut ist. Eine hohe Hinterhand ist schwerer nach vorne unterzusetzen. Eine kurze oder sehr stramme Schulter behindert das weite Ausgreifen der Vorderbeine. Leichte Verstellungen der Gliedmaßen behindern den Mitteltrab in der Regel nicht. Bei starken Unkorrektheiten muss die generelle Belastbarkeit der Beine mit Vorsicht geprüft werden. Ein schwacher Rücken kann zu häufigen Taktfehlern führen, da der erhöhte Schwung im Mitteltrab auch den Rücken stärker belastet. Wenn das Pferd dies nicht auffangen kann, wird es immer wieder den Rücken wegdrücken oder festhalten. Dadurch wird der gesamte Bewegungsablauf gestört, und es entstehen Unregelmäßigkeiten im Takt. Ein sehr kurzer Rücken behindert nicht unbedingt die Schwungentwicklung des Pferdes, ist aber für den Reiter eine besonders harte (im wahrsten Sinne des Wortes) Herausforderung. Je kürzer der Rücken und je größer der Schwung, desto stärker wirft das Pferd im Trab.
Nervliche Probleme
önnen dazu führen, dass ein Pferd vermehrt zum Angaloppieren neigt, statt den Trab zu verstärken. Generell sind im Trab die Nerven des Pferdes aber nicht so schwer zu kontrollieren wie im Schritt.
Das Phlegma
Pferdes hingegen kann bei dem Erarbeiten des Mitteltrabes ein ziemliches Problem werden. Hat ein Pferd von sich aus überhaupt keinen Spaß daran, sich zu strecken und ein bisschen anzugeben, ist es sehr schwer, eine ausdrucksvolle Trabverstärkung aufzubauen.
Die Kondition
Vielfach gibt es die Situation, dass junge Pferde, die beim Mustern an der Hand oder auch im Freilaufen fantastische Trabbewegungen zeigten, diese unter dem Reiter scheinbar völlig verloren haben. Sogar im Freilaufen präsentieren sie sich nach dem Anreiten eher enttäuschend. Wer sie dann als uninteressant einstuft, tut ihnen jedoch Unrecht. Die ungewohnte Belastung ihres Rückens durch den Reiter macht es ihnen am Anfang sehr schwer, weiterhin mit der Leichtigkeit durchs Leben zu federn, wie sie es vorher taten. Zunächst haben sie Muskelkater, und später scheinen sie auch für sich alleine ein bisschen die Lust an dem angeberischen Präsentieren ihrer Bewegungen verloren zu haben. Bei korrekter Ausbildung und genügendem Rückentraining werden sie aber mit Sicherheit und mit Freude zu ihren ausdrucksstarken Gängen zurückfinden. Manchmal mag es Jahre dauern, die Geduld zahlt sich aber auf jeden Fall aus.

In der nächsten Ausgabe geht es weiter mit den häufigsten Reiterfehlern.


Ute Forler


Wenn der Frühling vor der Tür steht:

Richtig antrainieren


Der Winter ist in vielen Landstrichen noch immer nicht so richtig da – und wenn wir Pech haben, kommt er spät, aber heftig. Dann kann es Ende April, Anfang Mai werden, bis es draußen wirklich Frühling wird. Vielleicht bleibt das Jahr aber auch einfach wenig winterlich – und dann ist es vielleicht schon ab März möglich, wieder einigermaßen angenehm im Gelände und draußen auf den Reitplätzen zu reiten.


Wer sein Pferd in einem Reitstall mit Halle stehen hat, reitet normalerweise auch im Winter einfach weiter – vielleicht etwas weniger draußen, möglicherweise aufgrund der feuchten Kälte etwas kürzer als in der warmen Jahreszeit, aber das Pferd wird grundsätzlich weiter trainiert und behält eine gewisse Kondition.

Anders viele Offenstallpferde: Dickes Fell, bei allem Bemühen doch oft matschige Ausläufe und entsprechend verschmutzte Pferde, keine Reithalle, aber viel Regen – da kommt man kaum richtig zum Reiten, und manch einer nimmt das einfach als gegeben hin und legt im Winter eine Reitpause ein.

Solange das Pferd genügend freie Bewegung und frische Luft hat, ist das auch gar nicht so schlecht. Der Winter ist für robust gehaltene Pferde ohnehin eine Zeit der Ruhe, und eine Pause im Training ist auch mental oft gar nicht so verkehrt.


Wenn dann der Frühling endlich kommt, erwachen die Lebensgeister bei Mensch und Pferd. Wir Menschen genießen ganz bewusst die wärmeren Temperaturen, den Vogelgesang und die Sonne und möchten raus, aktiv werden, endlich wieder loslegen! Und unsere Pferde toben auch ausgelassen herum, wenn die Sonne die Muskeln wärmt und das dicke Fell allmählich verloren geht.

Da ist die Versuchung groß: Sattel drauf, und ab ins Gelände! So ein richtig schöner, langer Galopp – da lacht das Reiterherz, und das Pferd ist begeistert.

Schade, dass der Trainingszustand das nicht hergibt. Die Motivation mag darüber hinwegtäuschen, dass das Pferd bei aller Gehfreude doch nicht in der Verfassung ist, nach der langen Winterpause direkt auf dem normalen Leistungsniveau zu starten – zumal auch der Fellwechsel einiges an Kraft kostet.


Training mit Plan

Um sinnvoll anzutrainieren, braucht man einen Plan – sonst kämpft man jeden Tag wieder mit der Versuchung und fragt sich, ob man jetzt zuviel oder zuwenig gemacht hat.

1. Stufe: Wir erinnern unser Pferd daran, wie das so ist, wenn man nicht nur mit den Kumpels abhängt, sondern auch geritten wird!

Los geht’s: Das Pferd wird geputzt, dann geht es ab nach draußen – zunächst einmal ganz einfach an der Hand. Weg von der Herde, mit dem Menschen ab in die Natur: Das weckt die Geister nach dem Winterschlaf und macht Lust auf mehr.

 In der ersten Woche reichen Spaziergänge im Wechsel mit leichtem Longentraining (nicht mehr als 20 Minuten) völlig aus.

2. Stufe: Mental ist das Pferd jetzt wieder auf Beschäftigung eingestellt. Nun geht es unter dem Sattel los. 30 – 45 Minuten ruhiger Ausritt sind zunächst reichlich genug. Geritten wird hauptsächlich Schritt, eventuell unterbrochen von kurzen, ruhigen Trabstrecken. Es geht dabei fleißig voran.

 Nach und nach können nun die Trabstrecken länger werden, und der Ausritt kann auf eine volle Stunde ausgedehnt werden. Er beginnt und endet immer mit mindestens 10 Minuten ruhigem, fleißigem Schritt.

3. Stufe: Jetzt wird trainiert! Nach einigen Wochen leichter Arbeit geht es richtig los – vorausgesetzt, das Pferd hatte auch in den Wintermonaten so viel Bewegung, dass es seine natürliche Grundkondition nicht gänzlich abgebaut hatte. Die Ausritte können weiter ausgedehnt werden, Galoppstrecken kommen hinzu, es kann geklettert werden, in der Bahn kann 45 Minuten konzentriert gearbeitet werden. Wichtig: Nach einem anstrengenden Tag folgt ein Tag mit leichter Bewegung – aber kein Stehtag! Die Anforderungen werden immer wieder gewechselt. Es wird darauf geachtet, das Pferd immer gut zu lockern und zu lösen, sowohl zu Beginn als auch zum Abschluss des Trainings.



Der Reiter muss immer daran denken: Muskulatur und Ausdauer werden relativ schnell wieder aufgebaut – also genau die Aspekte, die sich offensichtlich und leicht überprüfen lassen. Bänder und Sehnen brauchen jedoch erheblich länger, um ihre volle Belastbarkeit zu erreichen. Auch wenn das Pferd nach drei Wochen bereits fit wie ein Turnschuh wirkt, muss darauf immer noch Rücksicht genommen werden!


Mager im Winter?


Auch wenn der Winter vielerorts bislang eher mild ist: Die Weidesaison ist schon länger vorbei, und die feuchte Kälte fordert vor allem bei alten oder auch durch eine Krankheit angeschlagenen Pferden ihren Tribut.

Auch manche hochblütigen Sportpferde oder -ponys leben zwar auch im Winter gerne draußen, tun sich aber doch schwer mit winterlichen Witterungsbedingungen. Dennoch ist die freie Bewegung an der frischen Luft so wertvoll, dass man kein Pferd dauerhaft in die warme Box holen sollte.

Solche Pferde können im Winter stark abmagern. Das darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wenn ein Pferd seit der Weidesaison bis jetzt stark an Gewicht verloren hat, kann man nicht einfach bis zum Frühling warten – jetzt muss gehandelt werden.


Der Gesundheitscheck

Der Tierarzt ist natürlich der beste Ansprechpartner, wenn ein Pferd auffällig abbaut. Auf jeden Fall sollte überprüft werden, ob das Pferd eventuell verwurmt ist. Regelmäßige Wurmkuren (alle 3 Monate) sollten selbstverständlich sein. Doch auch eine regelmäßige Parasiten-Bekämpfung bietet keinen 100%ig-sicheren Schutz gegen Würmer – deshalb muss eventuell eine Kotprobe genommen und untersucht werden.

Der Tierarzt kann darüber hinaus feststellen, ob unbemerkte Infektionen das Pferd schwächen, wie es um das Herz-Kreislauf-System bestellt ist usw.


Die Fütterung

Erstes Gebot: Für dünne Pferde gibt es im Winter Raufutter „ad libitum“, also so viel, wie sie fressen möchten. Dieses Raufutter muss von guter Qualität sein, Heu möglichst staubfrei, Heulage nicht gammelig oder schimmelig. Heulage liefert mehr Energie als Heu. Auch Gras- oder Heucobs können angeboten werden.

Auch das Kraftfutter wird entsprechend ausgewählt. Mais beispielsweise ist ein gutes Futter für magere Pferde, wenn er entsprechend aufgeschlossen ist. Pferde mit guten, kräftigen Zähnen kommen mit gebrochenem Mais meistens gut zurecht, ältere Pferde sind mit Maisflocken besser bedient.

Rübenschnitzel, die gut eingeweicht gefüttert werden müssen, sind ein bekannter „Dickmacher“ - mehr tun sie allerdings auch nicht, sie machen tatsächlich rund, liefern sonst aber wenig nutzbare Energie.

Es gibt diverse Müsli-Mischungen im Futterhandel für so gut wie jede Gegebenheit – am besten lässt man sich da tatsächlich einmal beraten.

Leider lässt sich nicht immer alles mit Futter auffangen, zumal das auch eine recht kostspielige Angelegenheit werden kann. Wenn ein altes Pferd beispielsweise keine guten Zähne mehr hat, sind die Möglichkeiten über die Fütterung naturgemäß ziemlich eingeschränkt. Was tun?


Die Decke

Eine Winterdecke kann hier sehr hilfreich sein. Das Pferd braucht unter einer Decke sehr viel weniger Energie für den Temperaturausgleich – entsprechend sinkt der gesamte Energiebedarf. Auch wenn das Eindecken eines robust gehaltenen Pferdes (und auch jedes anderen Pferdes) generell nicht unkritisch und leichtfertig vorgenommen werden sollte, da hier massiv in die natürlichen Regulierungsmechanismen des Pferdes eingegriffen wird, kann es hier absolut gerechtfertigt sein.

Die Decke muss einige Kriterien erfüllen: Sie muss 100%ig passen und gut sitzen, so dass das Pferd damit heraumlaufen, liegen, toben oder sich wälzen kann, ohne dass die Decke verrutscht oder es einengt und scheuert.

Sie muss so stabil sein, dass sie nicht sofort kaputt geht, wenn ein anderes Pferd einmal daran knabbert oder das Pferd sich vielleicht im Auslauf über einen kleinen Ast oder Ähnliches wälzt. Tipp: Auf die Denier-Zahl achten! 600 Denier ist oft Standard, deutlich belastbarer sind 1200 Denier. Decken unter 600 Denier sind für den „Außeneinsatz“ kaum zu empfehlen.

Wenn das Pferd im Herbst sein natürliches Winterfell wachsen lassen konnte, muss die Decke hingegen nicht besonders dick und warm gefüttert sein. Bei einem dichten natürlichen Winterfell reicht eigentlich schon eine winddichte Regendecke: Wenn das Pferd trocken und windgeschützt ist, spart das schon sehr viel Energie! Eine zu warme Decke muss bei milden Temperaturen ausgezogen und gegen eine leichte Decke getauscht werden.

Aus eigener Erfahrung: Meine 26-jährige Stute tut sich seit einigen Jahren im Winter schwer, vor allem wegen der losen und abgenutzten Zähne. Mit der Fütterung war die Grenze erreicht, sie kommt nur noch mit wirklich frischem Weidegras gut zurecht. Dieses Jahr trägt sie eine leichte Regendecke mit 50 g-Fütterung – und sieht auf einmal wieder aus wie ein junges Pferd, aufgefüllte Flanken, etwas Speck auf den Rippen, schöner Halsaufsatz. Die Investition in die Decke hat sich gelohnt – zumal man dadurch tatsächlich Geld für Futter sparen kann.


Zur Diskussion: Pferde im Karneval?


Bald beginnen sie wieder, die tollen Tage. Wer in der Nähe der Karnevalshochburgen lebt, kann sich live ins Getümmel stürzen – und wer unter Karnevalsmuffeln haust, schaut sich vielleicht doch einen Umzug im Fernsehen an. Und dann sieht man sie, die Pferde, die über mehrere Stunden im Gedränge, Lärm und Tumult durchhalten müssen.

Meist sind sie sediert, also mit Medikamenten ruhiggestellt. Im Interesse der Sicherheit aller Beteiligten ist das sicher sinnvoll – es ist jedoch für das Pferd nicht ganz ohne Risiko. Wird das Beruhigungsmittel oral, also über das Futter eingegeben, ist schon die exakte Dosierung schwierig. Idealerweise untersucht ein Tierarzt das Pferd, ehe er ein genau dosiertes Medikament spritzt.  Tatsächlich kam es vor einigen Jahren zu einem ungeklärten Todesfall bei einem Kaltblüter in einem großen Karnevalszug.

So sind es oft eigentlich keine schönen Bilder, an denen sich so viele Menschen erfreuen: Die Pferde sehen stumpf und abwesend aus. Nicht sedierte Pferde hingegen zeigen oft deutlich Symptome von Stress, sie schwitzen, tänzeln, haben aufgerissene Augen, schütteln den Kopf usw.


Muss das sein?

Heute wurde das Pferd außerhalb des Reitsports, der für die meisten Menschen eine reine Freizeitbeschäftigung ist, so gut wie überall von Maschinen und Motoren verdrängt. Nur im Karnevalszug, da muss es dann doch wieder ein Vierbeiner sein – obwohl gerade hier ein Auto oder Trecker der ideale Ersatz wäre! Nein, eigentlich muss das nicht sein. Wer seine schicke Karnevalsuniform im Zug zeigen möchte, kann dies in einer Fußgruppe oder auf einem Wagen tun, ohne damit ein anderes Lebewesen zu belasten.


Ausnahmen …

… bestätigen die Regel! Wenn eine Polizeireiterstaffel im Zug mit unterwegs ist, ist das meist tatsächlich ein recht schönes Bild. Diese Pferde sind geduldig und langfristig an Menschenmengen, Lärm und Tumult jeder Art gewöhnt worden und haben mit ihrer Grundausbildung ein spezielles Training absolviert, so dass sie in der Lage sind, die vielen Eindrücke auch ohne Beruhigungsmittel einigermaßen gelassen zu verkraften. Kompliment an den Trainer!

Und auf den kleinen Dörfern ist es oft nett, wenn ein oder zwei Ponys im Zug mitgehen. Solche kleinen Karnevalszüge dauern meist nur ein bis zwei Stunden, es herrscht viel weniger Gedränge, und die Strecke ist dem Pony vertraut – auch hier muss der Besitzer bzw. der Führer des Ponys einschätzen können, ob das wirklich zumutbar ist, doch es gibt sie, die coolen Ponys, die so etwas klaglos und nervenstark mitmachen. Wenn ihr ein solches Pony habt: Glückwunsch!

Doch wer im Karneval den Zug bejubelt, sollte bei aller Feierlaune nicht völlig unkritisch sein und einmal genau hinschauen, wie die Pferde diesen Tag erleben.


Zum Wiehern: Fishing for compliments


Das „schönste, beste, talentierteste, intelligenteste, tollste Pferd der Welt“ scheint es sehr, sehr häufig zu geben, behauptet doch jeder Reiter, ausgerechnet er wäre der stolze Besitzer dieses einzigartigen Tieres. Natürlich kann das gar nicht stimmen, schließlich gibt es nur ein Pferd dieser Sorte, und dass es kein anderer besitzt, weiß ich genau, da es nämlich mir gehört ...

Trotz dieser Tatsache versuchen sich Reiter ständig gegenseitig zu beweisen, wie viel besser ihr Pferd im Gegensatz zu anderen doch ist. Um diesen Beweis anzutreten, bedienen sie sich der altbekannten Taktik des „Komplimente-Angelns“. Bei dieser Methode wird nun sozusagen ein Kompliment in Form eines Widerspruches erzwungen, man selber muss also nur behaupten, etwas Schönes wäre ausgesprochen hässlich, und wartet daraufhin genüsslich auf die ersehnte Richtigstellung. Untereinander ist dies ja schon lange erprobt: So ertappt man sich etwa dabei, wie man in regelmäßigen Abständen genötigt wird, einer Fitnessstudio-erprobten Frau mit einem Gewicht unter 50 kg zu sagen: „Neiiiin, du bist wirklich nicht fett!“ Und als erwartete Zugabe: „Ich wünschte, ich hätte deine Figur!”


Unter Reitern

Soweit also erfolgreich unter normalenMenschen, wird dies auch immer öfter unter Reitern ausprobiert.

Ist man etwa der Meinung, gerade die Mähne des eigenen Pferdes wäre ein wahres Prachtstück, wendet man sich mit den Worten „Ich wünschte, seine Mähne wäre dichter und länger“ an einen nahestehenden Reiter. Doch wer nun ein nettes Kompliment erwartet, der hat die Rechnung ohne den Reiter gemacht: Dieser wähnt sich schließlich ebenfalls im Besitz des besten Pferdes und ist somit keinesfalls gewillt, in diese plumpe Falle zu gehen und anderen Pferden Komplimente zu machen. So fällt die Antwort dann auch eher sachlich aus: „Na ja, gib die Hoffnung nicht auf, vielleicht wächst sie ja noch.“ Solch eine Antwort ist selbstverständlich die reinste Unverschämtheit im Angesicht dieser überaus fülligen, glänzenden Mähne, die eine Länge hat, von der das Pferd dieses üblen Ignoranten überhaupt nur träumen kann, das ist alles nur Neid, und ...

Wie auch immer kommt der entsprechende Reiter aus seiner eigenen Falle nicht mehr heraus, will aber auch nicht ohne das verdiente Kompliment nach Hause fahren. So versucht er es bei einem neuen Opfer und bemüht sich, ihm die richtige Antwort diesmal noch etwas zu vereinfachen:

Ach, ich wünschte, mein Pferd hätte nicht diese überaus dicke, dichte und enorm lange Mähne - du kannst dir nicht vorstellen, wie viel Arbeit so etwas macht...“ „Ja, dann schneid sie doch einfach ab“, lautet die unglaubliche Reaktion des Gegenübers, und wenn man nicht aufpasst, geht es mit einem „Besonders schön sieht die Mähne eh nicht aus, und betont auch noch so ungünstig die schiefe Halspartie“ weiter.

Nein, es funktioniert einfach nicht! Wenn man Komplimente über sein Pferd hören möchte, dann muss man sie schon selber aussprechen - oder aber nicht reitende Menschen mit in den Stall nehmen, am besten noch solche, die von Pferden nicht die geringste Ahnung haben. Dies gibt einem dann Gelegenheit, endlich all die ersehnten Nettigkeiten zu hören, auf die man sonst vergeblich wartet. Und wenn man den Besuch dazu bringen kann, seine wohleinstudierte Lobeshymne laut genug vorzutragen, dann hören das endlich auch all die anderen Banausen aus dem Stall!

Alles in allem ein ziemlich albernes Theater, welches ich zum Glück nicht nötig habe, denn wie schon erwähnt besitze ich ja tatsächlich das schönste, intelligenteste, tollste... Und ich werde nicht lügen, nur um dies von anderen bestätigt zu bekommen!

Katinka Schnitker



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