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Problempferde: Verweigern - Einfahren vor dem Reiten - Kälte und Nässe - Ausrüstung - zum Wiehern!



Equikids Januar 2013


Knapp vorbei ist auch daneben...

Verweigerung am Sprung


Anreiten – Abspringen –Überwinden des Hindernisses – Landen – Weiterreiten. So sieht der Idealfall beim Sprung aus. Nicht immer gelingt dies. Anreiten – Stehenbleiben oder Anreiten – Vorbeilaufen sind zwei Varianten der Verweigerung am Sprung, welche die Probleme des betroffenen Reiter-Pferd-Paares demonstrieren. Wie kommt es dazu? In diesem Heft geht es zunächst um das Erkennen der Ursachen und die Voraussetzungen zu deren Beseitigung. Anschließend werden im nächsten Heft praktische Tipps zur Korrektur konkreter Probleme beim Anreiten eines Sprunges gegeben.

Springen oder nicht Springen - das ist hier die Frage
Egal, ob ein Pferd im letzten Moment nicht abspringt oder ob es bereits einige Meter vor dem Hindernis zur Seite zieht, sicher ist in beiden Fällen, dass das Pferd den Hilfen des Reiters nicht folgt. Sofern die Ursachen beim Reiter gesucht werden, wird selbstverständlich vorausgesetzt, dass die betreffenden Pferde grundsätzlich über genügendes Springtalent und –vermögen verfügen. Werden hingegen die Ursachen beim Pferd gesucht, sei ausreichendes reiterliches Können angenommen.

Ursachen für das Stehenbleiben und ihre Wertung


1. Der Reiter hat Angst
In diesem Fall tut das Pferd das einzig Richtige, indem es instinktiv den Absprung verweigert. Man sollte ihm dieses Feingefühl hoch anrechnen. Die Angst des Reiters wirkt sich jedoch nicht nur mental aus. Selbst wenn er sich selbst vordergründig überzeugen kann, dass er den Sprung mutig und beherzt anreitet, wird sich die tiefer sitzende Angst auf seine Hilfengebung auswirken. Das Pferd erkennt dadurch auch rein physisch die Unsicherheit der Situation und folgt letztendlich dem wahren Wunsch seines Reiters, nämlich nicht zu springen.

Was ist zu tun?
a) Sonderfall Kinder
Handelt es sich um Kinder, sollte der betreuende Ausbilder seinen Schützlingen in jedem Fall erlauben, ihre Angst zu äußern. Dumme Scherze oder gar ein Lächerlich-Machen des "Angsthasen" sind absolut unangebracht. Ausgesprochene Ängste verlieren schneller ihre Bedeutung, als wenn sie heimlich unterdrückt werden. Auch aus Gründen der Sicherheit ist es unerlässlich, die Anforderungen an die Selbsteinschätzung des Kindes anzupassen. Selbst, wenn der Ausbilder sicher ist, dass dem kleinen Reiter schon mehr zuzutrauen sei, nützt diese Einschätzung gar nichts ohne die gleiche Überzeugung auf Seiten des Kindes. Wo dies nicht übereinstimmt, sollte der Betreuer also in erster Linie pädagogisch arbeiten, das Selbstbewusstsein seines Schützlings aufbauen und so auf das gleiche Niveau seines reiterlichen Könnens bringen. Ist eine Angleichung nach oben nicht möglich, muss eben zunächst der kleinste gemeinsame Nenner gefunden werden, sprich: die reiterlichen Anforderungen müssen so lange reduziert werden, bis das Kind mit sicherem Gefühl und Freude springen will. Erst dann werden auch die Signale an das Pferd sowohl auf mentaler als auch auf rein körperlicher Ebene wieder so sein, dass die Angst als Ursache des Verweigerns abgestellt werden kann.
) Der eigenverantwortliche Reiter
Im Grunde gilt für Erwachsene das Gleiche wie für Kinder, mit dem Unterschied, dass sie noch mehr dazu neigen, ihre Ängste schamhaft zu unterdrücken. Mit dem "Mut der Verzweiflung" und völlig übertriebener "Hilfengebung" versuchen sie, die Furcht zu kaschieren. Ein Pferd lässt sich durch eine solche "Flucht nach vorn" nur sehr selten täuschen. Nach wildem Anreiten folgt daher in der Regel der konsequente Halt vor dem Sprung. Der alte Satz: "Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung" hat für diese Reiter volle Gültigkeit. Wie die Kinder müssen auch Erwachsene lernen, ihre Angst zu benennen. Wer zugibt, sich beim Springen unsicher zu fühlen, hat den wichtigsten Schritt zur Beseitigung dieses Problems schon getan. Anschließend gilt es wieder, die Anforderungen solange zu reduzieren, bis sich der Reiter völlig entspannt dem Sprung stellen kann.

Es sei jedoch gleich gesagt:
ERSTENS: NIEMAND SOLLTE SICH SCHÄMEN, "NUR" MIT EINEM CAVALETTI ANZUFANGEN!
ZWEITENS: ES BESTEHT NICHT DER GERINGSTE GRUND, SICH ZUM SPRINGEN ZU ZWINGEN! ES STEHT JEDEM REITER VOLLKOMMEN FREI, SICH DEN VIELEN ANDEREN ANSPRUCHSVOLLEN MÖGLICHKEITEN DES REITSPORTS ZU WIDMEN!

2. Die reiterliche Hilfengebung ist ungenügend
In diesem Fall gibt es – fast möchte man sagen: leider! – immer wieder Pferde, die trotz katastrophaler Einwirkung ihres "Jockeys" souverän und brav alle angerittenen Sprünge überwinden. Oft genug maßen sich die betreffenden Reiter auch noch an, der Erfolg basiere auf eigenem Können. In Wahrheit sollten sie ihrem Pferd nach jedem Parcours auf Knien danken, dass es TROTZ ihrer Einwirkung alle Anforderungen meistert.
Korrekterweise reagieren aber doch die meisten Pferde auf fehlerhafte Hilfengebung mit dementsprechendem Verhalten. Sie verweigern.

Was ist zu tun?
a) Springreiten ernst nehmen!
Wer für sich eine tief sitzende Angst ausschließen kann und sein Pferd trotzdem nicht über den Sprung bekommt, sollte als erstes sein eigenes Können selbstkritisch betrachten bzw. von einem erfahrenen Fachmann überprüfen lassen. Die reiterlichen Anforderungen für das Springreiten werden oft unterschätzt, da es bei den Profis so leicht aussieht. Viele Reiter wenden sich dem Springen zu, weil sie schlicht gesagt das Dressurreiten zu anstrengend finden. Wie jedoch von jedem wahren Springreiter zu hören ist, führt an einer dressurmäßigen Basisarbeit kein Weg vorbei, weder für Ross noch für Reiter. Ein Pferd während eines Parcours beständig und korrekt an den Hilfen zu haben, erfordert große Übung und hartes Training. Sicher ist es eine andere Art zu reiten als die im Dressurviereck – weniger anstrengend ist sie bei ernsthaftem Bemühen nicht!
) Was ein Springreiter können muss:

- sein Pferd in die Dehnung reiten, denn:

Springen bedeutet für das Pferd verstärkte Arbeit der Rückenmuskulatur. Ohne gezielte Entspannung leidet die Technik des Pferdes. Die Bascule geht verloren, es springt mit festgehaltenem Rücken, oder wie man sagt: ohne Rücken. Fehler am Sprung sind vorprogrammiert.
- die Durchlässigkeit seines Pferdes erarbeiten, erhalten und verbessern, denn:
Gerade durch die Geschwindigkeit in einem Parcours hat der Reiter keine Zeit, über eine gegebene Hilfe erst lange zu diskutieren. Seine Aufforderungen müssen von dem Pferd sofort und willig umgesetzt werden, da er sonst keinen Einfluss auf den Ablauf seines Rittes hat und weder die Wege noch den Absprung bestimmen kann. Von umsichtigem Reiten kann keine Rede sein. Die Fehlergefahr erhöht sich.
- sein Pferd seitlich sicher einrahmen, denn:
Auch das gutmütigste Pferd muss zumindest wissen, wohin der Reiter eigentlich zielt. Geben Schenkel und Knie des Reiters sowie seine Gewichts- und Zügelhilfen nicht genau die Richtung vor, kommt es leicht zu Missverständnissen, die schlichtweg zu einem Vorbeilaufen führen, bei dem nicht von Verweigern gesprochen werden kann. Immer wieder sieht man Reiter, deren offensichtlich mangelhafte Einwirkung zu einem Ausweichkurs des Pferdes führen, und die sich dann auch noch erdreisten, ihr Tier mit Sporen und Gerte zu traktieren.
- sein Pferd im Springsitz aufnehmen und versammeln, denn:
Das Tempo im Parcours muss jederzeit regulierbar sein. Ein Springpferd muss sich vor dem Sprung aufnehmen und "auf den Hintern setzen", sprich versammeln lassen. Bleibt das Pferd zu vorlastig, fällt ihm der Absprung unnötig schwer. Es kann sich nur dann schnell und geschmeidig mit der Vorhand hochheben, wenn das Gewicht von der Hinterhand aufgenommen wird. Im Unterschied zur Versammlung in der Dressur wird allerdings keine annähernd senkrechte Nasenlinie gewünscht, sondern der Kopf des Pferdes darf und soll eher etwas erhoben sein, mit Blick auf das Hindernis. Nur so kann es selbst den Sprung optimal taxieren. Der Springreiter muss also lernen, ohne die Hilfe eines langen Dressurbeines sein Pferd "am Bein" zu haben, ohne ihm dabei den Kopf auf die Brust zu ziehen. Nur wer sein Pferd in dieser Weise versammeln kann, ist in der Lage, auch aus kurzen Anläufen heraus die Sprungkraft seines Partners optimal in übersprungene Höhe umzusetzen.
-
sein Pferd am Außenzügel reiten, denn:
Für Wendungen - und besonders für im Parcours benötigte enge Wendungen in relativ hohem Tempo - unerlässlich ist der Außenzügel. Nur an ihm kann das Pferd auch im Galopp praktisch auf der Hinterhand kehrt machen. Wer versucht, sein Pferd am Innenzügel um die Kurve zu ziehen, wird weit hinaus getragen und Mühe haben, das nächste Hindernis zu treffen.


FAZIT: SPRINGREITEN ERFORDERT EBEN SO VIEL REITKUNST WIE DAS DRESSURREITEN. DIE ANSICHT, WER FAUL IST, ABER MUTIG, KANN EINFACH ZUM SPRINGREITEN WECHSELN, IST GRUNDFALSCH! DA DIESE MEINUNG NICHTSDESTOTROTZ WEIT VERBREITET IST, FÜHRT SIE HÄUFIG ZU SEHR UNSCHÖNEN BILDERN. AUCH EIN SPRINGREITER DARF NICHT NUR OBEN SITZEN, ER MUSS REITEN!

Ute Forler


Einfahren vor dem Reiten – Teil II


Die Schleppe – das Ziehen beginnt

Geht das junge Pferd auf beiden Händen gleichmäßig und taktrein, kann man mit der Arbeit an der Schleppe beginnen. Dazu nimmt ein Helfer die durch dicke Stricke verlängerten Zugstränge in beide Hände und geht mit hoch erhobenen Händen hinter dem Pferd her, während der Pferdeführer wie beim Fahren vom Boden hinter dem Helfer geht und die Leinen führt.

Anfangs hält der Helfer die Zugstränge nur leicht, später legt er Gewicht darauf, d.h. das Pferd muss – angetrieben vom Pferdeführer – zum ersten Mal in seinem Leben etwas ziehen und merkt, wozu das Brustblatt gedacht ist.

Beim nächsten Ausbildungsschritt wird mittels einer Kette mit schnell lösbarem Verschluss (Panikhaken o.ä., falls ein junges Pferd tatsächlich in absolute Panik kommen sollte, was bei korrekter Vorarbeit nicht sein dürfte) ein Reifen am Ortscheit befestigt. Das Ortscheit wiederum befestigt man an den Zugsträngen. Das Pferd zieht nun den Reifen, der jetzt am Boden liegt, hinter sich her. Jetzt zahlt es sich aus, dass sich das Pferd vor Leinen an seinen Beinen nicht fürchtet, denn nun berühren tatsächlich Zugstränge die Hinterbeine, und zwar in den Kurven teilweise recht deutlich. Durch den Zirkel wechseln und Achten sind nun etwas schwieriger, weil der Reifen dabei von rechts nach links und umgekehrt trudelt, das Pferd dieses aber nicht beachten soll.

Statt des Reifens kann man auch einen speziellen Zugschlitten verwenden. Er ist schwerer als der Reifen, der bei plötzlichen Bewegungen auch mal hochfliegen kann.

In diesem Ausbildungsstadium kann man das Pferd auch an Scheuklappen (Blendklappen) gewöhnen. Die blenden einen Teil der unruhigen Umwelt aus und helfen dem Pferd sich nach vorn zu konzentrieren. Aber nicht nur das: Sollte das Nebenpferd einmal mit dem Kopf schlagen, kann es seinen Gefährten ohne weiteres mit den Kandarenanzügen im Gesicht verletzen – die empfindlichen Augen aber sind geschützt. Im Gegensatz zu den traditionellen eckigen Scheuklappen sind moderne Scheuklappen nach oben hin abgeschrägt, d.h. das Pferd kann neben sich noch etwas sehen, hat aber dennoch den Schutz gegen die Kandarenanzüge seines Nebenpferdes.


Anspannen

Angespannt wird anfangs am besten neben einem erfahrenen Fahrpferd, welches das junge Pferd auch kennt und respektiert. Das Anspannen an der Kutsche dauert etwas länger als das Auflegen des Geschirrs fürs Longieren oder Fahren vom Boden, denn verschiedene Geschirrteile müssen an der Kutsche befestigt werden. Hier ist mindestens ein Helfer unerlässlich. Zwei Pferde brauchen tatsächlich eine Menge Geschirr. Das muss sorgfältig geordnet sein, sonst kommt man mit dem Anschirren überhaupt nicht voran.

Leitlinien für das korrekte Fahren gibt immer noch Herr von Achenbach vor. Sein System hat sich als das am meisten durchdachte erwiesen, weil es einfach und klar ist. Auch für die Pferde ist es am leichtesten verständlich. So werden die Leinen seit Jahrzehnten „nach Achenbach“ verschnallt, und man fährt auch junge Pferde vorzugsweise gleich mit weich geschnallter Kandare, also in den oberen Ring, der nur wenig Druck aufs Kinn ausübt. Eine Neuerung für das junge Pferd, aber auch ein Sicherheitsfaktor für den Fahrer. Denn notfalls – aber nur dann! – kann man mit der Kandare doch deutlichere Signale geben ohne allzu viel „ziehen“ zu müssen.

Bei jungen Pferden sollte man allerdings einen Gummischlauch um die Bäume ziehen, so dass eine Art Verbindung entsteht.

Schlägt das junge Pferd jetzt einmal erschrocken oder unwillig mit dem Kopf, kann es mit den Kandarenbäumen nirgends hängen bleiben und seinen Gefährten auch weniger verletzen. Steht das junge Pferd erst einmal gut an den Hilfen, ist diese Gefahr kaum noch gegeben.

Man sollte den Pferden das Leben etwas erleichtern, indem man ihre Ohren gegen kleine Fliegen und Mücken schützt. Man erleichtert sich selbst das Leben damit auch, denn ein Pferd, das mit dem Kopf schüttelt, kann nicht an den Hilfen stehen bzw. verspannt sich.


... und ab ins Gelände

Ab jetzt wird das junge Pferd zwei bis drei Monate auf längere Fahrten auf ruhige Straßen gehen. Immer rechts neben das erfahrene Pferd gespannt, ist es noch nicht direkt dem Straßenverkehr ausgesetzt, sondern hat eventuell nur Spaziergänger neben sich.

Längere Fahrten in unterschiedlicher Umgebung, über verschiedene Böden und den Berg hoch und runter stärken Kondition und Nerven. Die vorgegebene „Spur“ der Straße erleichtert dem Pferd das gleichmäßige Geradeausgehen.

Aber auch hier gilt: Nie ohne Beifahrer auf die Kutsche. Und in Notfällen lieber ein Mal mehr vorne an die Pferdeköpfe und die Pferde beruhigen, als ein Mal zu fest in die Leinen gefasst. Mit der Zeit und Gewöhnung werden derartige Situationen sowieso seltener, und bald kann man das junge Pferd auch einmal links einspannen.

Steht das Pferd sicher an den Hilfen, kann man auch dressurmäßig arbeiten und auf den Fahrplatz gehen.

Der Fahrplatz muss ausreichend groß sein, dass man die Pferde sich auch einmalaustraben“ lassen kann.

Auf dem Fahrplatz kann man Pylone aufstellen, die leicht umfallen, wenn die Kutschenräder sie berühren. In keinem Fall (!) darf man Hindernisse durchfahren, an denen die Kutsche stecken bleiben könnte, denn junge unerfahrene Pferde würden sich zu sehr erschrecken – das bereits beim Fahren vom Boden geübte Rückwärtsrichten würde vermutlich nicht klappen, und es käme zu Panikreaktionen.

Erst wenn man auch eng gestellte Pylonen in verschiedenen Richtungen und auch auf engen Linien durchfahren kann, kann man sich an feste Hindernisse wagen.


Als Einspänner unterwegs

Das ist die Grundschule für das junge Fahrpferd. Das Gymnasium beginnt mit dem Fahren als Einspänner. Jetzt ist es ganz auf sich allein gestellt, die Sicherheit des anderen Pferdes fehlt ihm. Deshalb sollte man die Umstellung auf Einspänner nicht direkt auf der Straße vornehmen, sondern noch einmal ausgiebig (!) auf dem Fahrplatz üben.

Das Fahren im Einspänner gibt dem jungen Pferd ein Selbstbewusstsein, das ihm später beim Reiten zugute kommt. A llein – nur durch Leinen mit seinem Menschen verbunden – vorwärts gehen zu müssen, erfordert schon etwas Mut. Dagegen ist reiten einfach, denn hier ist die Verbindung zum Menschen sehr eng.


Eine empfehlenswerte Sache

So bietet sich das Einfahren vor dem Reiten unbedingt an. Es stärkt nicht nur die Muskulatur des jungen Pferdes, sondern auch sein Selbstbewusstsein.

Das Einreiten ist dann meistens völlig unproblematisch, und man hat ein Pferd, das vielseitig einsetzbar ist. Die Zeit, in der man es körperlich noch nicht durch den Reiter belasten konnte, es aber gern etwas tun wollte, hat man durch die leichtere und anders geartete Arbeit vor einer leichten Kutsche sinnvoll überbrückt.

Außerdem hat ein gut gefahrenes und gerittenes Pferd bessere Chancen im Leben, wenn es wirklich einmal verkauft werden sollte.

Uta Over

Kälte und Nässe, Teil II


Robuste sind arbeitsaufwendig

Im Winter ist die Nutzung robust gehaltener Pferde eindeutig eingeschränkt, der Arbeitsaufwand für ihre Pflege nach dem Reiten deutlich höher als bei im Stall gehaltenen Pferden. Pferde, die im Stall stehen, werden vor der Arbeit aufgewärmt, d.h. ihre Muskeln und Sehnen werden leicht gymnastiziert, um vom langen Stehen auf dem relativ kleinen Boxenraum geschmeidig zu werden.

Dasselbe muss man mit robust gehaltenen Pferden tun, aber aus anderen Gründen: Ihre Muskeln und Sehnen sind kalt, weil sie draußen stehen. Normalerweise ist das kein Problem für sie, denn sie frieren dabei nicht.

Wenn sie jedoch geritten werden und sich körperlich anstrengen müssen, muss der Körper stärker durchblutet sein, und bis das der Fall ist, dauert es bei niedrigen Außentemperaturen eben etwas länger.

Es dauert auch länger, bis der Körper wieder abkühlt, weil der Schweiß das Fell verklebt und eine Ventilation verhindert.

Vor dem Ende der Arbeit muss das Pferd also mindestens eine halbe Stunde lang im Schritt geritten, besser noch geführt werden.

Danach muss der Schweiß mit lauwarmem Wasser abgewaschen werden, und man muss das Pferd gut eindecken, bis es völlig trocken ist. Das allerdings kann Stunden dauern, oft die ganze Nacht.

Reiten in der Kälte ist entschieden arbeitsaufwendig. Werden die Pferde dabei allerdings gut versorgt, kann man sie den ganzen Winter auch bei eisiger Kälte reiten und sogar trainieren.


Decken? Ja – bitte!

Es ist ziemlich hirnverbrannt, Pferde zu scheren und dann den ganzen Winter über im Stall einzudecken. Der Haut, dem größten Organ des Pferdes, wird damit der klimatische Reiz entzogen, der für den Stoffwechsel des Körpers so wichtig ist. Kein Wunder, dass gerade viele der im Winter ständig eingedeckten Pferde husten und oft kränkeln.

Besser ist hier eine Strichschur, die dem Pferdekörper den nötigsten Schutz lässt, jedoch verhindert, dass das Pferd bei der Arbeit übermäßig schwitzt.

Sinnvoll sind Decken bei im Stall gehaltenen Pferden jedoch unbedingt, wenn es in der Kälte ins Gelände geht. Die meisten Ställe sind relativ warm, so dass extreme Außentemperaturen ein Schock für den Körper sind. Da schadet es nicht, anfangs eine leichte Decke zumindest über die empfindliche Lenden- und Kruppenpartie zu legen. Im Laufe der Arbeit kann man sie ausziehen, denn dann ist die Muskulatur auch dort gut durchblutet und warm.

Abschwitzdecken sind bei im Stall gehaltenen Pferden sehr zu empfehlen, denn diese haben ja oft nicht die Möglichkeit, sich ausgiebig zu wälzen und sich dadurch zu entspannen. Nach einer bis eineinhalb Stunden kann man im Stall die Abschwitzdecke abnehmen, dann ist das Pferd trocken und friert im relativ warmen Stall auch nicht.


Das Problem ist die Nässe

Nasskaltes Wetter vertägt fast kein Pferd gut. Es kann es eine Zeit lang ertragen, aber man sollte ihm doch die Möglichkeit bieten, sich trocken unterzustellen.

Auch hier reicht bei robust gehaltenen Pferden ein windsicherer Unterstand mit trockenem Boden, so dass die Pferde nicht im Nassen stehen müssen.

In der Natur würden sie sich bei anhaltender Nässe genau wie bei anhaltendem Wind auf eine Anhöhe stellen, Po in den Wind und eng zusammen. Damit wären sie geschützt. Nasse Niederungen würden sie nicht aufsuchen, sind bei uns aber leider oft gezwungen, gerade dort zu leben, und brauchen daher einen trockenen windsicheren Stall.

Kalte Nässe ist aber nicht nur bei Robustpferden ein Problem, sondern für viele alte Pferde. „Das Zipperlein“ reißt sie bei dieser Witterung in den Knochen, sie sind steifer und brauchen leichte, aber regelmäßige Bewegung und in diesem Fall tatsächlich Wärme. Alte Pferde freuen sich bei nasskalter Witterung über eine wärmefördernde Einreibung ihrer Gelenke.


Kälte ist das Problem des Reiters

Den Reitern wird draußen kalt, den Pferden nicht. Dagegen hilft regelmäßiges Absitzen beim Geländeritt und neben dem Pferd hertraben. Wer zu lange im Sattel sitzt, friert, wird steif und ungelenkig und fällt manchmal sogar beim Absitzen hin, weil die kalten Knie nachgeben.... Dann weiß der Reiter, wie dem Pferd zumute ist, das aus der Kälte zu schnell in Arbeit genommen wird.

Uta Over


Zur Diskussion:

Geliebte Hilfsmittel - Fluch oder Segen?


Ein wirklich oft gesehener und erlebter Alltag beim Reiten:

Schon wieder weigert sich das Pferd extrem hartnäckig, sich in einer Biegung zu biegen, lässt sich nicht mehr bremsen oder bleibt einfach stehen. Die Idee, dass das Pferd am Zügel geht, hat man sowieso schon längst begraben und ist stattdessen schon froh, wenn es den Kopf wenigstens soweit herunternimmt, dass man zumindest noch den Hufschlag sehen kann, ohne beweisen zu müssen, wie gelenkig man denn nun wirklich ist.

Wenn also mal wieder alles schiefgeht, man entweder verzweifelt auf der Stelle tritt oder sogar Rckschläge hinnehmen muss und das Ganze dann auch noch nach jahrelangem Reitunterricht, dann hat man wirklich ein Problem.

Eine beliebte Art, mit Problemen umzugehen, ist es, erst einmal zu überlegen, wer oder was diese verursacht; ist dann der Schuldige gefunden, kann man mit dem Versuch einer Lösung beginnen.


Und Schuld ist...

Beim Reiten sind in der Regel drei Komponenten beteiligt: der Reiter, das Pferd und die Ausrüstung. Da nun Reiter schnell dazu neigen, sich selber als Ursache von reiterlichen Problemen schon direkt im ersten Schritt auszuschließen, bleiben nach kurzer Bedenkzeit als potentielle Schuldige nur noch Pferd oder Ausrüstung.

Auch wenn oft und gerne das Pferd verdächtigt wird, scheinen gerade in der letzten Zeit immer mehr Reiter beim genaueren Betrachten ihres Gebisses oder ihres Sattels die Ursache des Problems zu entdecken.

Und so häufen sich immer mehr interessante Aussagen wie etwa: "Dieses Gebiss macht mein Pferd so nervös, dass es mir während eines Ausritts ständig die Zügel aus den Händen reißt und einfach losrennt", "Seit ich den neuen Sattel habe, kann mein Pferd nur noch Außengalopp gehen" oder auch "Mein Pferd hätte den Sprung sicher geschafft, wenn ich das Martingal nicht zu locker geschnallt hätte."


Der einfachste Weg

Nachdem also genauestens analysiert wurde, woran die Probleme liegen, macht sich der gewissenhafte und stets um Erfolge bemühte Reiter daran, diese so schnell wie möglich zu beseitigen und - geht einkaufen.

Zum Glück ist die Auswahl in den Geschäften groß, und es eröffnen sich einem schnell zahlreiche Lösungsmöglichkeiten:

Ein schärferes Gebiss, wenn das Pferd nicht gut genug anhält, gar kein Gebiss, wenn das Pferd ständig anhält, ein Martingal, wenn das Pferd sich beharrlich weigert, am Zügel zu gehen, und ein schöner neuer Westernsattel, wenn das Pferd immer noch nicht freiwillig Kühe vor sich hertreibt.

Natürlich wird man bei seiner Suche ausgezeichnet beraten, von Mitreitern, Verkäufern und schlauen Büchern. So verlässt man den Laden als wahrer Experte zum Thema "unbedingt notwendige (wie bin ich nur jemals zuvor ohne sie ausgekommen) Ausrüstung" und fragt sich, warum einem die brillante Idee mit dem Einkauf nicht schon viel früher gekommen ist.

Im Stall warten dann mit großer Wahrscheinlichkeit schon ein paar Gleichgesinnte, mit denen man noch etwas Wissen austauschen kann, während man auf den erhofften Erfolg wartet.


Das böse Erwachen

Nun werden leider viele Reiter feststellen müssen, dass sich die meisten Schwierigkeiten, die während des Reitens auftreten, doch nicht ganz so einfach in Luft auflösen wie erwartet.

Die automatische "Innengaloppeinrichtung" des neuen Sattels scheint nicht zu funktionieren, und das schärfere Gebiss verkürzt zwar den Bremsweg ein wenig, aber von irgendeiner Kommunikation zwischen Pferd und Mensch kann immer noch keine Rede sein.

Eigentlich sollte man meinen, dass nun der Punkt gekommen wäre, an dem der Reiter noch mal wirklich in sich geht, um andere Ursachen zu finden, doch erschreckend oft wird einfach der einmal eingeschlagene Weg konsequent fortgesetzt: Hat sich der gewünschte Erfolg mit dem neuen Gebiss nicht eingestellt, lautet die Folgerung nicht etwa, dass es anscheinend gar nicht an dem Gebiss lag, sondern dass dieses Gebiss offensichtlich auch noch nicht das wirklich Richtige war.


Ein Schrank voller hilfloser Hilfen

So wird denn weiterhin eingekauft und rumprobiert, und es entsteht eine beachtliche Sammlung von Zubehör, über die selbst die Besitzer manchmal den Überblick zu verlieren scheinen.

Benötigte man früher zum Reiten normalerweise nur ein Pferd, einen Sattel und eine wie auch immer geartete Zäumung, wird das Pferd heute je nach Gelegenheit immer wieder neu ausgestattet: So hat man ein Gebiss, mit dem man auf dem Platz arbeitet, ein Gebiss, mit dem man einen ruhigen Ausritt bestreiten kann, und eines, das man einschnallt, wenn man im Gelände auch galoppieren möchte. Hierzu gehört natürlich auch immer noch der passende Hilfszügel und der entsprechende Sattel. Natürlich ist man auch hier immer weiter bemüht, noch bessere und neuere Kombinationen zu finden.  

Oft hat man dann auch noch das Gefühl, dass die Ausrüstung frei nach dem Motto "Was man hat, kann man auch benutzen" in regelmäßigen Abständen gewechselt wird, und auch wenn es vielleicht nicht sinnvoll ist, so wird wenigstens weder dem Pferd noch dem Reiter so schnell langweilig.


Von lustig...

Sieht man seine Mitreiter jeden Tag neue Taschen in den Stall schleppen und kann sich gleichzeitig schon wieder auf eine neue Lektion über die Notwendigkeit der neuen Errungenschaften freuen, birgt dies unbestritten auch einen gewissen Unterhaltungswert in sich. Schließlich bringen diese Taschen teilweise vorher völlig unbekannte Dinge zum Vorschein, die Probleme lösen sollen, von deren Existenz man noch nicht einmal wusste. Darüberhinaus weiß man immer, an wen man sich wenden kann, wenn man mal eine Frage zum Zubehör hat.

Außerdem sollte man meinen, dass dieses Thema im Prinzip nur die Menschen selber angeht und es völlig egal ist, ob sie gerne ausprobieren und ihre Sammlung noch etwas vergrößern möchten, doch so einfach ist es leider nicht:

Reitet man sein Pferd zum Beispiel mit einem normalen weichen Gebiss und lässt sich von schlüssigen Argumenten davon überzeugen, ein ganz spezielles weiches Gebiss zu kaufen, weil das Pferd dann angeblich viel mehr kaut, dann ist das absolut harmlos, wenn auch vielleicht nicht unbedingt notwendig.


...bis bitterernst

Schlimm wird das Ganze allerdings, wenn man durch solche Aktionen wirklich schwerwiegende Probleme übersieht. Geht ein Pferd zum Beispiel völlig verspannt und in keiner Weise am Zügel, kann man die Lage ganz leicht noch verschlimmern, wenn man unüberlegt irgendwelche Hilfszügel einschnallt, weil das Pferd dann den Kopf nicht mehr so hochreißen kann und einige Leute meinen, das sähe doch gleich viel besser aus.

Hat ein Pferd zum Beispiel Rückenprobleme, ist es zwar durchaus sinnvoll zu überprüfen, ob der Sattel auch optimal aufliegt, doch auch andere Möglichkeiten müssen in Erwägung gezogen werden.

Aber nicht nur für das Pferd können solche Aktionen schnell unangenehm werden, auch der Reiter selbst kann sich in Gefahr bringen: Gerade im Gelände können Hilfen wie Ausbinder ganz schnell eher schaden als nutzen.


Fehlersuche

Auf Dauer kommt man also doch nicht darum herum, die Fehler woanders zu suchen; und man wird dabei gerade beim Reiten fast unweigerlich auf sich selber stoßen. Mit dem Reiten hat man eben einen Sport gewählt, für den man, wenn man ihn wirklich gut beherrschen möchte, jede Menge Zeit und Einsatz aufbringen muss.

Da man dann gemeinerweise auch noch davon ausgehen kann, dass man als ganz normaler Reitschüler ohne überdurchnittlich gute Begabung bei einer Reitstunde pro Woche in einer mittelmäßigen Reitschule mit großer Wahrscheinlichkeit eine lange Zeit ein eher schlechter Reiter bleiben wird, ist es gar nicht so schlecht, sich gleich daran zu gewöhnen, das man an den meisten Problemen eben doch selber Schuld ist.

Natürlich ist dies nicht gerade erbaulich, aber es bringt einen auf den richtigen Weg: Auch die besten Hilfsmittel werden einen auf Dauer nicht davor bewahren können, sich die Mühe zu machen und reiten zu lernen.

So ist es manchmal auch einfach sinnvoller, das Geld für neue Gebisse und Sättel zu sparen und in eine gute Ausbildung von Pferd und Reiter zu investieren.


Hilfe - nicht Zwang

Jeder, der reitet, weiß, dass es dabei auch um eine Verständigung zwischen Mensch und Tier geht. Und umso unsichtbarer diese Kommunikation vonstatten geht, umso faszinierender wirkt sie auf uns. So ist man sich schnell darüber im Klaren, wenn man zum Beispiel in einem Showprogramm sieht, wie eine perfekte Dressur oder ein rasanter Westernstop "ohne Alles" geritten wird: Hier muss es sich um ein gut ausgebildetes Pferd und wirkliches reiterliches Können handeln.

Dabei geht es natürlich nicht um Zauberei oder irgendwelche telepatischen Fähigkeiten von Pferd und Reiter, sondern um Hilfengebung im positivsten Sinne. Da man hier nur Gewichts- und Schenkelhilfen einsetzen kann, hat man kein richtiges "Druckmittel" in der Hand, man kann das Pferd also nicht zu irgend etwas zwingen, sondern ist darauf angewiesen, dass das Pferd erstens die Hilfen versteht und zweitens auch noch bereit ist, diese Hilfen entsprechend umzusetzen.

Die viel zitierte Zusammenarbeit ist hier also wirklich gefragt.


Langsames Reduzieren

Natürlich kann man nach so einer Show nicht nach Hause fahren, ab sofort jegliche Ausrüstung verbannen und sich einfach so aufs Pferd schmeißen, es ist auf jeden Fall nicht besonders ratsam. Außerdem ist so etwas ja auch gar nicht nötig, denn solange spezielle Ausrüstungsgegenstände und Hilfsmittel überlegt und sorgsam eingesetzt werden, können sie uns eine wertvolle Unterstützung beim Reiten bieten, die die Verständigung von Mensch und Pferd ermöglichen und vereinfachen.

Bei einem reiterlichen Vorwärtskommen sollten dann mit der Zeit immer mehr Hilfen überflüssig werden und von ganz alleine wegfallen.

Katinka Schnitker


Zum Wiehern: Hilfe!


Die allgemein bekannte Hilfsbereitschaft von Reitern kann einem manchmal schon ganz schön auf die Nerven gehen:

Immer und überall steht ein Reiter hinter oder neben einem, bereit, jederzeit einzugreifen, um zu zeigen, wie man dies oder das besser machen könnte. So hört man den ganzen Tag gutgemeinte Ratschläge und Hilfsangebote, wie etwa "Würde es Dir helfen, wenn ich den Schweif Deines Pferdes mal wirklich gerade abschneide?", "Wenn Du möchtest, zeige ich Dir gerne, wie man richtig aufsattelt", "Ich habe Dir hier einmal die Telefonnummer meiner Reitlehrerin aufgeschrieben" oder auch "Ich bin gerne bereit, Dir innerhalb von fünf Minuten alles aufzuzählen, was Du in den letzten zwei Minuten falsch gemacht hast".

Von dieser gutgemeinten Hilfe umgeben, bin ich im Laufe der Zeit dazu übergegangen, mir alle Mühe zu geben, in jeder Situation genau so auszusehen, als hätte ich sie alleine gänzlich und ohne jedes Problem unter Kontrolle und jedes Hilfsangebot im Keim mit einem "Nein danke, es geht schon" zu ersticken.


Ein echter Fehler...

Obwohl ich mit dieser Taktik ansonsten ganz gut zurechtkomme, habe ich sie neulich doch etwas vorschnell und unüberlegt eingesetzt:

Ich hatte mit einem geliehenem Auto Futter gekauft und dabei nicht bedacht, dass der übliche unhandliche Futtersack nun in einem wesentlich tieferen Kofferraum lag als sonst. Als ich mich dann mit der Sackkarre in Richtung Auto aufmachte, wurde ich selbstverständlich von den umstehenden Reitern gefragt, ob ich eventuell Hilfe beim Futterausladen bräuchte. An dieser Stelle brachte ich mein übliches "Nein danke, es geht schon" an, was ich dummerweise noch mit einer Ausführung darüber ergänzen mustse, dass ich schließlich nicht zum erstenmal Futter alleine aus einem Auto auslade und dies für mich eine der leichtesten Übungen wäre.

Dies war, wie sich schnell herausstellte, ein echter Fehler: 50 kg aus einem flachen Kofferraum auf eine Sackkarre zu rollen ist tatsächlich nicht so schwer, 50 kg in Sackform aus einem Kofferraum zu heben dagegen schon! Bei meinem eher kläglichen Versuch, genau dieses zu tun, blieb der Futtersack dann auch leider an einer Kante hängen und riss an der Längsseite auf...

Nach fünfminütigen Bemühungen lag nun also ein aufgerissener Futtersack noch so ziemlich auf der selben Stelle im Kofferraum wie zuvor.


Eine grandiose Idee

Da man ja Futtersäcke auf einer Sackkarre aufrecht transportiert, fiel diese Möglichkeit durch den augenblicklichen Zustand meines Futtersackes leider völlig weg. Nach einiger Zeit kam mir der Gedanke, dass ich einfach meine leere Futtertonne zum Auto tragen könnte, das Futter unter Zuhilfenahme einer Futterscheppe in die Tonne füllen und dann die Tonne mit der Sackkarre wieder zurück in den Stall bringen könnte - genau!

Gedacht, getan! Ich machte mich auf den Weg. Als ich ohne Sackkarre und ohne Futter wieder den Stall betrat, wurde dies zwar mit verwunderten Blicken zur Kenntnis genommen, doch noch blieben mir Kommentare erspart. Als ich dann jedoch mit meiner Futtertonne zusammen den Rückweg antrat, kam ich um peinliche Fragen nicht mehr herum, auf die ich mit der nicht ganz überzeugenden Aussage antwortete, nach reiflicher Überlegung wäre ich zu dem Schluss gekommen, dass es praktischer wäre, den Sack direkt im Auto zu lassen, um ihn dann zu Hause entsorgen zu können, und direkt nur das Futter zu holen.

Daraufhin erntete ich spöttisches Grinsen und natürlich wieder jede Menge Hilfsangebote, die ich jetzt nicht zuletzt aus Gründen des Stolzes mit einem "Nein danke, es ist wirklich kein Problem" zurückwies.


Hochmut kommt vor dem Fall...

Es dauerte dann auch einige Zeit, bis ich das Futter in die Tonne umgeschaufelt hatte - und das leider auch nur, um festzustellen, dass man eine runde Tonne auf einer Sackkarre festhalten muss und mir dies bei 50 kg mit einer Hand nicht möglich war. Also fing ich an, ungefähr die Hälfte des Futters wieder zurück in den aufgerissenen Sack im Kofferraum zu schaufeln. Inzwischen hatten sich an der Stalltür etliche Schaulustige versammelt, und ich musste mir schon alle Mühe geben, bei dieser Tätigkeit noch so auszusehen, als wüsste ich ganz genau was ich tue... Denn der Zeitpunkt, an dem ich noch um Hilfe hätte bitten können, ohne mich lächerlich zu machen, war vorbei! Und so zog ich es vor, mich nur so ziemlich lächerlich zu machen - aber immerhin mit dem Triumph, es alleine geschafft zu haben. Und so transportierte ich schweigend und mit eisiger Miene meine halbgefüllte Futtertonne in den Stall, holte dort eine Schubkarre, mit der ich den Restfuttersack zu meiner Tonne brachte und dort umfüllte. Das Grinsen hatte sich inzwischen zu offenem Gelächter gesteigert, aber immerhin war das Futter endlich an seinem Platz.

Nach diesem unangenehmen Ereignis habe ich beschlossen, aus meinen Fehlern zu lernen, und nehme seitdem jede Form von Hilfe dankbar an. Letzte Woche zum Beispiel habe ich endlich gelernt, wie man Hufe auskratzt...

Katinka Schnitker


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