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Bockende Pferde, Teil II - Das Quarter Horse - Weben und Boxenlaufen - Strafe - Zum Wiehern!


Equikids Ausgabe 01/2011

*Bockende Pferde, Teil II


Zur Erinnerung: In der letzten Ausgabe von Equikids haben wir die entscheidende Frage gestellt. Warum bocken Pferde?


 1. Das erste, sozusagen "jungfräuliche" Bocken eines Pferdes resultiert zunächst immer aus seinen Instinkten. In freier Wildbahn landet niemals etwas anderes auf seinem Rücken als der Todfeind, das Raubtier. Die äußerst anstrengenden Sprungfolgen eines bockendes Pferdes sind der verzweifelte Versuch, sein Leben zu retten, indem es den Angreifer abschüttelt. Natürlich braucht ein in unseren Breitengraden als Haustier aufgewachsenes Pferd nicht mehr den Tod durch Raubtiere zu fürchten. Um diese Instinkte abzubauen, bedürfte es aber wahrscheinlich noch einer Evolution.
2. Je nachdem, welcher Erfolg das erste Bocken krönte, können Pferde daraus eine gezielte und ziemlich angstfreie Methode machen, unerwünschte Reiter abzusetzen. Oder es wird ganz einfach ihre Art der Arbeitsverweigerung.
3. Charakterlich anders veranlagte Pferde, die auch nach dem berühmten ersten Mal plötzlich ohne Reiter waren, erfuhren dadurch nur noch eine Steigerung ihrer Angst. Bei ihnen ist das wiederholte Bocken keine gezielte Aktion gegen den Reiter, bei ihnen siegt einfach immer wieder der Instinkt.
4. Als vom Anlass her harmlos, in der Auswirkung aber leider oft genauso gefährlich wie gezielte Aktionen ist das Bocken aus Lebensfreude heraus anzusehen. Vor allem junge oder besonders gut konditionierte und energiegeladene Pferde machen ihrer Lust an Sonne, Wind, Wiesen und anderen Dingen gerne einmal mit vereinzelten Bocksprüngen Luft.
5. Ein dem Pferd nicht anzulastender Grund für unangenehme Bocksprünge kann in falscher Fütterung zu finden sein. Wenn dem Pferd durch Hafer oder anderes Kraftfutter mehr Energie zugeführt wird, als es abarbeiten kann, kommt es in manchen Fällen zu der klassischen Situation, wo man sagt: "Den sticht der Hafer!"
6. Ein weiterer Anlass, an dem das Pferd nicht nur unschuldig ist, sondern unter dem es zudem noch leidet, ist mangelnde Bewegung. Tiere, denen die natürliche und tägliche Bewegung vorenthalten wird, reagieren oft – verständlicherweise – mit gefährlichen Kapriolen auf den ungewohnten Freiraum eines Reitplatzes, eines Reitweges oder einer Halle.
7. Nicht selten sind auch unpassende oder falsch verwandte Ausrüstungsteile für "Katzensprünge" verantwortlich. besonders der "Sattelzwang" veranlasst Pferde zu ganz außergewöhnlichen und sehr gefährlichen Explosionen. Diese Möglichkeit sollte daher immer als erste überprüft und behoben oder als Ursache ausgeschlossen werden.

Den ersten Punkt haben wir bereits behandelt. Weiter geht es nun mit Punkt 2.


zu 2.: Bocken mit System
Unbestritten gibt es Pferde, die ziemlich gute Bocksprünge systematisch einsetzen, um sich unangenehmer Dinge, wie z.B. eines Reiters, zu entledigen. Um solche Tiere umzuerziehen, braucht es im Wesentlichen zwei Voraussetzungen: Erstens einen Reiter, der nicht herunterfällt, und zweitens einen Reiter, der dem Pferd eben nicht unangenehm ist! Diese beiden können, müssen aber nicht identisch sein. Es gibt akrobatische Gleichgewichtskünstler hoch zu Ross, die leider überhaupt nicht in der Lage sind, dem Pferd Freude an gemeinsamer Arbeit zu vermitteln. Andererseits sind einfühlsame und von der Hilfengebung her sehr gute Reiter nicht immer in der Lage, plötzliche Bocksprünge auszusitzen. An erster Stelle muss bei einem "Gewohnheitsbocker" stehen, ihm den Erfolg seiner Bemühungen zunichte zu machen. Das heißt: nicht herunterfallen! Wem das nicht gelingt, der sollte wenigstens immer wieder aufsteigen. Ein solches Tier ohne Korrektur in den Stall oder auf die Weide zu bringen, ist für dieses die beste Bestätigung der Richtigkeit seines Tuns.

Wenn schon, dann aber auf Kommando
Wer dazu in der Lage ist, sollte sogar versuchen, das Bocken zu provozieren. In dem Fall kann sich der Reiter nämlich schon vorher darauf einstellen. Es wäre der erste Schritt dazu, dem Pferd das Zepter aus der Hand zu nehmen. Gelingt es ihm dann, über die Bocksprünge hinaus zu reiten, sollte dem Pferd ganz deutlich gezeigt werden, um wie viel angenehmer es ist, sich mit seinem Reiter zu vertragen. Dazu kann auch ein kleiner Apfel o.ä. beitragen, wichtiger aber ist, dass nun mit dem Pferd leicht und locker und ohne unangenehme Anforderungen noch weiter gearbeitet wird. Natürlich gibt ein auf Bocken eingestelltes Pferd nicht gar zu schnell seine Gewohnheiten auf. Wahrscheinlich wird es noch öfter, nämlich immer dann, wenn ihm das Reiten zu anstrengend oder einfach lästig wird, versuchen, durch Bocksprünge seinen Kopf durchzusetzen. Aus diesem Grunde bedarf eine grundlegende Verhaltensänderung eines solchen Tieres in den meisten Fällen auch einer langen und konsequenten Korrektur. Generell sollte man sich überlegen, ob dies das Pferd ist, mit dem höheren reitsportlichen Anforderungen begegnet werden sollte. Auch wem vom Können her das Bocken nichts ausmacht, sollte darüber nachdenken, wie weit er die offensichtlich mangelnde Leistungsbereitschaft dieses Tieres ignorieren will.

zu 3.: Bocken aus Angst
Auf alle möglichen und unmöglichen Dinge reagieren unsichere und ängstliche Pferde mit Katzenbuckel, Verspannungen und schließlich auch Bocksprüngen. Ihnen geht es nicht darum, den Reiter los zu werden. Im Gegenteil: Fällt der Reiter herunter, haben sie auch die letzte Zuflucht verloren und können geradezu kopflos werden. Natürlich sollte man auch hier in jedem Fall versuchen, die Situation heil und im Sattel zu überstehen. Anders als im vorigen Absatz beginnt hier die Korrektur aber nicht im Sattel, sondern am Boden, im Stall, auf der Weide, an der Hand. Oft sind es Pferde, die in Gesellschaft ruhig und friedlich ihres Weges gehen, bei einem Ausritt allein aber hinter jedem Blatt ein Raubtier sehen. Es mangelt ihnen an Selbstvertrauen, sie brauchen einen starken Anführer. Da sie aber heftige Angstreaktionen zeigen, sobald sie mit ihrem Reiter allein sind, liegt der Grund für ihre Unsicherheit auf der Hand.

Der Reiter sei der Beschützer
Das Vertrauens- und Dominanzverhältnis zwischen Mensch und Tier wurde hier noch nicht positiv gefestigt. Deshalb muss zuallererst daran gearbeitet werden, dass der Reiter dem Pferd in allen Lebenslagen Freund und Beschützer ist. Konsequente Erziehung mit einer deutlichen Führungsposition des Menschen wird dem Tier nach und nach die Angst nehmen. Um es beim Reiten ebenfalls zu dominieren, bedarf es eines Mindestmaßes an reiterlichem Können, aber auch einfach besonders deutlicher und konsequenter Hilfengebung. Mit klaren Unterschieden zwischen Gut (= großes Lob) und Falsch (= ruhige, aber bestimmte Korrektur) kann der Reiter dem Pferd vermitteln, dass er auch vom Sattel aus die Fäden in der Hand behält und deshalb in der Lage ist, es vor Gefahren zu beschützen. Wichtig ist, dass vor allem der Reiter selbst daran glaubt! Hat er Zweifel, werden die besten Hilfen das Pferd nicht über die schwache Grundeinstellung des Reiters hinwegtäuschen. In dem Fall sollten sich die zwei vielleicht besser trennen und für jeden einzeln einen selbstsicheren, neuen Partner finden.
Weiter geht es in der nächsten Ausgabe von Equikids!

Ute Forler


* Rasseporträt: Das Quarter Horse


Die Rasse der Quarter Horses ist die zahlenmäßig größte der Welt. Die Beliebtheit des QH, wie man es in Insiderkreisen nennt, resultiert aus seinen Eigenschaften: Es ist unkompliziert im Umgang und sehr leistungsbereit - das ideale Pferd für (fast) jeden Zweck.


Sie stammen aus dem „Wilden Westen“

Aber ihre eigentlichen Wurzeln liegen doch in Europa, denn Pferde waren seit der letzten Eiszeit in Amerika ausgestorben. Die Entdecker und Eroberer Amerikas brachten erst wieder Pferde in die Neue Welt. Zuerst kamen viele spanische Pferde, später auch östliche wie Araber und noch später mit den friedlichen Siedlern englische Pferde.

Aus diesen Pferden entstand die Rasse des Quarter Horse. Im Grunde war es eine Pferde„mischung“, die sich für das Rinderhüten als praktisch erwiesen hatte. Diese Pferde nannte man damals einfach „cow pony“, „ranch horse“ oder „roping horse“. Von Anfang an war die Zucht dieser Pferde auf Reiteigenschaften ausgelegt, und so entstand ein wendiges, intelligentes und starkes Reitpferd.

Der Sonntagsspaß der wettbegeisterten Farmer und Cowboys war das Pferderennen auf der Dorfstraße oder auf einem Feldweg. Eine Viertelmeile, also 400 m, galten als „offizielle“ Rennstrecke. Und bald stellte sich heraus, daß das cow pony mit seiner starken Hinterhand am schnellsten spurten konnte - auf 400 m war es unschlagbar. Die besten „Rennpferde“ unter den Arbeitspferden nannte man jetzt Quarter Horses (quarter = Viertel, von Viertelmeile).

Die Schnelligkeit der Quarter Horses verstärkte man dann noch durch die Einkreuzung von Englischen Vollblütern; und jetzt hatte man das perfekte Reitpferd mit der Ruhe des cow horse und der Spurtschnelligkeit des Rennpferdes.

Jetzt begann der Siegeszug der QH um die ganze Welt.


Und so sehen sie aus:

Steht man einem Quarter Horse gegenüber, so hat man den Eindruck von ruhiger Kraft. Dabei sind sie gar nicht groß, durchschnittlich nur um 153 cm, also gerade mal über Ponygröße.

Doch die Pferde sind wahre Muskelpakete. Eine Zeitlang hat man das Antrainieren der Muskeln und die Zucht der Pferde auf immer mehr Muskeln etwas übertrieben, da sahen die Pferde aus wie Bodybuilder. Das tat den Pferden nicht gut, und man ist von dieser Marotte wieder abgekommen - glücklicherweise. Jetzt sind es immer noch muskelbepackte Athleten, aber nicht mehr so übertrieben.

Der Kopf des Quarter Horses ist meist relativ kurz und breit. Das Maul ist klein und fest, die Augen sind groß und munter. Die großen Nüstern weisen auf die edlen Vorfahren hin, während die kleinen Mauseohren dem Kopf, der sehr edel wirkt, oft einen pfiffigen Ausdruck geben.

Hals und Rumpf:

Der Hals soll lang und beweglich sein, da das QH ja meist ohne anstehende Zügel und mit langem Hals geritten wird. Der Hals ist eine Art „Steuerruder“ und darf daher nicht kurz und kompakt sein. Das ist allerdings eine Wunschvorstellung, die eher bei den Sportpferden verwirklicht ist. Viele QH haben eher einen kurzen und kräftigen Hals. Die Schulter ist schön schräg und lang - das deutet auf weite Gänge hin. Die Brust ist muskulös, so dass die Vorderbeine oft weit auseinanderstehen. Sehr kompakt ist der relativ runde Rumpf mit der außerordentlich kräftigen Lendenpartie. Der Widerrist, also die Sattellage, ist gut ausgebildet, was auf die jahrhundertelange Zucht als reines Reitpferd hinweist. Die Unterlinie - also der Bauch - ist länger als der Rücken und darf zur Flanke hin nicht zu sehr hochgezogen sein, um den Eindruck der Symmetrie nicht zu stören.

Die Hinterhand:

Die außerordentlich kräftige Hinterhand ist sozusagen das „Markenzeichen“ der Quarter Horses; nicht umsonst zeigen die meisten Fotos dieser Pferderasse die Pferde von hinten. Man will „die Hosen“, also die stark bemuskelte Hinterhand, zeigen. Durch die starke, tief angesetzte Hinterhand ist das Pferd in der Lage, schnell anzutreten und hat daher auf kurzen Strecken den Spurt-Vorteil und die Möglichkeit, blitzschnelle Wendungen zu vollführen. Man sagt, ein Quarter sei so wendig, dass es „auf einem 10-Cent-Stück umdrehen kann - und noch einen Cent herausgibt...“. Ein Pferd mit langem Rücken und schwacher Hinterhand könnte sich niemals so „setzen“, den Reiter niemals so gut tragen wie ein Quarter Horse.

Die Gliedmaßen:

Die Beine sind „trocken“, also fleischlos - das edle Erbe Arabischer und Englischer Vollblüter. Die Knochen sind stark und kräftig, und die Unterarme und Unterschenkel - das sind die Beine vom Karpal- oder Vorderfußwurzel- und vom Sprunggelenk her aufwärts - sind auffallend stark bemuskelt. Die Beine sind nicht sehr hoch, auch die Fesseln sind relativ niedrig und nicht zu schräg, so richtig praktisch für Geländepferde.

Die Farben:

Es kommen alle Farben vor, wobei die meisten QH Füchse in allen Schattierungen sind. Lediglich Schecken gibt es bei den QH nicht - das sind dann die Paint Horses, die ein eigenes Stutbuch und einen eigenen Zuchtverband haben. Im Grund sind sie aber nichts anderes als gescheckte Quarter Horses.


Der Charakter

Der Charakter des Quarter Horses ist „allererste Sahne“. Die Pferde sind freundlich und unkompliziert; ihr sanftes Wesen erlaubt oft auch Kindern, gefahrlos mit ihnen umzugehen - QH haben Nerven wie Drahtseile. So gute Nerven können nur Pferde haben, die hochintelligent sind, und das sind die Quarters.

Hinzu kommt ihre Leistungsbereitschaft. Sie arbeiten gern und sind ungeheuer ausdauernd. Schließlich haben ihre Vorfahren die riesigen Rindertrecks über Tausende von Kilometern durch den Westen Amerikas vor sich hergetrieben; das war beileibe kein Zuckerschlecken. Quarters haben eine Ausgeglichenheit und Ruhe in sich, die ans Stoische grenzen kann, sind aber „auf dem Punkt“ da, wenn es ums Ganze geht. Das ist ihre Stärke. Man kann sie schnell „heiß“ machen, sie kommen aber ebenso schnell wieder auf den Teppich und sehen das Ganze dann cool.


Quarters - ein Allroundpferd?

Das kann man wohl sagen, wenn man nicht gerade an den Spitzensport im Springen und in der Dressur denkt. Quarters sind ausgezeichnete Freizeitpferde, sie sind gelehrige und zuverlässige Jagd- und Polopferde - und natürlich WESTERNPFERDE, die auf eine ganz besondere Art in der Tradition der Rinderhirten Amerikas geritten werden. Für diese Disziplinen gibt es auch Westernturniere, die im Grunde an die alten amerikanischen Traditionen anknüpfen - Rinder einfangen, Rinder treiben, Geschicklichkeitsübungen wie Tore öffnen oder durch schmale Gassen gehen, blitzschnelle Stops und Wendungen auf der Hinterhand. Dafür ist das Quarter Horse erstklassig geeignet, und damit natürlich auch ein erstklassiges Geländepferd.

Lediglich für die Hohe Schule eignen sich die QH nicht, hierfür gibt es andere Pferderassen. Und man sollte QH nicht unbedingt einspannen - es wäre zu schade, ein erstklassiges Reitpferd als Fahrpferd umfunktionieren zu wollen.


...und was ist mit dem cow sense?

Der sagenhafte cow sense (wörtlich: Kuh-Sinn) - jaja. Man sagt den Quarters nach, dass nur sie diese Eigenschaft haben, Rinder treiben zu wollen. Mit Sicherheit können sie das prima; aber andere Pferde können das auch. Die Voraussetzung für den cow sense ist Furchtlosigkeit vor Fremdem (also dem Rind), Spieltrieb und eine gewisse Agressivität.

Ein charakterlich schwaches Pferd ohne Agressivität wird niemals ein Rind treiben, es wird davonlaufen. Ein Pferd ohne Spieltrieb wird auch keinen Spaß daran haben, ein Rind aus einer Herde auszusondern und vor sich herzutreiben - das tun nur „lustige“ Pferde.

Wenn man aber beispielsweise einen jungen Haflinger in eine Kälberherde lässt, wird der junge Haflinger sich ohne Artgenossen bald langweilen und versuchen, sich einen Spielgefährten unter den Kälbern auszusuchen. Die Kälber finden das aber meist gar nicht schön, sondern laufen eher davon. Wenn das Kalb nicht mit ihm spielen will, jagt es der Haflinger eben - auch ein Spiel! Und was man jagen kann, kann man auch prima vom Futter oder von der Tränke wegjagen - schon ist eine gewisse Agressivität da. Spieltrieb und Agressivität - der cow sense ist geboren. Mit diesem Haflinger könnte man später vermutlich erste Preise in den einschlägigen Disziplinen gewinnen!

Der cow sense ist also nicht unbedingt QH-spezifisch. QH-spezifisch ist aber die starke Hinterhand, auf der sich die Pferde beim blitzschnellen Aussondern und Treiben der Kälber ausbalancieren - das macht ihnen so schnell keiner nach!


Westernreiten, Westernturniere...

Vor einigen Jahrzehnten wurde man noch belächelt, wenn man mit Westernsattel, Cowboyhut und Chaps durch die Gegend ritt. Das hat sich gründlich geändert. Mittlerweile ist das Westernreiten in Deutschland richtig „in“, kaum jemand wundert sich noch darüber, mitten im deutschen Wald einen „Cowboy“ zu treffen, wenn es mancher Westernreiter mit dem Outfit auch ein bisschen übertreibt... Wilde Federn am Hut und klirrende Sporen machen noch lange keinen Westernreiter.

Das zeigt sich deutlich auf den zahlreichen Westernturnieren. Die Disziplinen sind für die Quarter Horses ausgelegt, allesamt praktische Übungen, die man im Grunde jeden Tag beim Geländereiten brauchen kann. Die Western-Turnierszene wird von Quarter Horses beherrscht und ist über das reine Freizeitreiten lange hinweg. Entsprechend teuer sind auch die Pferde, die hier auftreten.

Auch die Preise für Freizeit-Quarters sind nicht gerade bescheiden: Ein Billigvergnügen sind Quarter Horses trotz ihrer hohen Population also nicht!

Uta Over


* Gesundheit: Weben und Boxenlaufen


Wenn Pferde im Stall ein vom Menschen unerwünschtes Verhalten zeigen, spricht man landläufig von „Stalluntugenden“. Dieses Wort ist allerdings falsch gewählt: Es klingt danach, dass das Pferd sich schlecht benimmt – in Wirklichkeit jedoch versucht das Pferd nur, mit dem eingeschränkten Leben im Stall so gut es geht zurechtzukommen.

Stalluntugenden sind kein Fehlverhalten, sie sind ein Hilferuf des Pferdes.

Als Weben bezeichnet man eine stereotype Bewegung, bei der das Pferd auf den Vorderbeinen hin und her schaukelt. Solche Pferde stehen stundenlang in der Box und schaukeln hin und her, hin und her, wie der Tiger, der im engen Käfig immer im Kreis läuft.

So im Kreis herum laufen auch manche Pferde, wenn die Box groß genug ist, um das zuzulassen.


Ist Weben gesundheitsschädlich?

Viele Reiter glauben, dass die Beine des Pferdes unter dem Weben leiden. Tatsächlich ist das bis heute nicht bewiesen worden. Viel schlimmer als eine eventuelle körperliche Beeinträchtigung ist aber das, was das Weben über die seelische Verfassung des Pferdes aussagt: Ehe ein Pferd beginnt zu weben, leidet es bereits erheblich unter der Enge der Box. Hier kann es seine natürlichen Bedürfnisse nicht ausleben, sein normales Verhalten wird ständig und dauerhaft unterdrückt und eingeschränkt. Das Weben ist der letzte Ausweg, um den Leidensdruck zu verringern. So ist das Weben auf jeden Fall ernstzunehmen!


Welche Auswirkungen hat Boxenlaufen?

Beim Boxenlaufen kreiselt das Pferd auf engem Raum. Das kann zu Verspannungen und ungleicher Belastung der Beine führen. Ernsthafte Schäden sind jedoch nicht nachgewiesen.

Auch das Boxenlaufen ist jedoch Ausdruck einer großen inneren Unruhe: Das Pferd ist nicht ausgeglichen und zufrieden, sondern leidet unter seiner Situation.


Sowohl Weben als auch Boxenlaufen haben Auswirkungen nicht nur auf das betroffene Pferd, sondern auch auf die Boxennachbarn: Die langandauernden, stereotypen Bewegungen bringen viel Unruhe in den Stall und können so auch andere Pferde beeinträchtigen.


Therapie

Abhilfe ist eigentlich schnell geschafft: Pferde gehören nicht in eine enge Box, sondern raus auf einen Auslauf oder noch besser auf die Weide! Als Lauftiere legen Pferde in der freien Natur viele Kilometer am Tag zurück, und als Fluchttiere sind sie auch auf Spurtstärke und Schnelligkeit angewiesen. Wenn diese Bedürfnisse durch den Daueraufenthalt in einer Box unterdrückt werden, dann leiden Pferde. Nicht alle entwickeln dann Verhaltensstörungen – aber allen Pferden geht es draußen besser.

Die erste Maßnahme: Anregung und Beschäftigung. Ein Fenster in der Box lässt das Pferd am Außenleben teilhaben, ein kleiner Paddock vor der Box vergrößert den zur Verfügung stehenden Raum beträchtlich und ermöglicht einen freien Ausblick.

Gesellschaft ist ebenso wichtig für das Herdentier Pferd. Halbhohe Trennwände statt hoher Vergitterung ermöglicht die Kommunikation mit dem Boxennachbarn, sofern die Boxen groß genug sind, dass sich die Pferde auch mal aus dem Weg gehen können.

Wirklich aufhören zu weben werden viele Pferde aber tatsächlich erst dann, wenn sie auf großem Raum mit anderen Pferden zusammen leben. Hier braucht es einen geräumigen Offenstall mit Auslauf und im Sommer große Weideflächen, auf denen die Pferdeherde zufrieden leben kann.


* Zur Diskussion: Strafe


Es gibt in der Reiterei relativ wenig Themen, die so heftige Diskussionen auslösen können wie die Frage, ob und wie man ein Pferd strafen sollte.

Die Meinungen gehen hierbei recht extrem auseinander. So sind einige Reiter der Meinung, einzig und allein durch Strafen etwas erreichen zu können, während andere eine Strafe in ihrer Erziehung völlig ablehnen.

Bevor man sich diesem Thema allerdings näher zuwendet, sollte man erst einmal überlegen, was Strafe eigentlich alles bedeuten kann. Viele setzen Strafe schnell mit schlagen gleich, dabei reicht in vielen Fällen ein ernstes Wort oder ein böser Blick schon aus, und selbst das schlichte Weglassen eines Lobes oder einer Belohnung kann schon Strafe bedeuten.

Wenn im Laufe des Artikels von schlagen die Rede ist, so ist damit eine gezielte Bestrafung durch einen Schlag gemeint und nicht etwa das Verprügeln eines Pferdes.

Wer immer wieder auf ein Pferd einschlägt, straft dieses nicht, sondern reagiert einfach nur seine Wut an einem Tier ab.


Warum strafe ich ein Pferd?

Strafe ist stets ein Mittel, das man einsetzt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. In manchen Situationen kann zum Beispiel der Schutz des eigenen Lebens zum Ziel werden, dann nämlich, wenn ein Pferd aktiv angreift oder einen durch unachtsames Verhalten in Gefahr bringt. In solchen Fällen dient Strafe als Schutz und ist absolut notwendig.

So wird man ein Pferd, das die Angewohnheit hat, beim Führen zu steigen, sicherlich strafen, um nicht zu riskieren, von den Hufen getroffen zu werden. Aber es muss natürlich nicht immer gleich um Leben und Tod gehen; so strafen manche Reiter ein Pferd ja auch, wenn es irgendeine Übung nicht zur Zufriedenheit des Menschen ausführt, beim Putzen nicht still stehenbleibt oder schon wieder den Anbindebalken anfrisst. Die Ziele, die man in solchen Fällen anstrebt, sind zwar auch durchaus wichtig, können in vielen Fällen aber auch ohne eine Strafe erreicht werden.


Darf ich ein Pferd überhaupt strafen?

Egal in welcher Situation, immer setzte ich Strafe ein, um das Pferd dazu zu bringen, etwas Bestimmtes zu tun oder zu unterlassen, was es von sich aus anscheinend nicht möchte. Auch wenn es sicherlich für viele sehr weit hergeholt klingt, stellt sich die Frage, wer mir eigentlich das Recht gibt, einem Pferd, das immerhin ein eigenständiges Lebewesen ist, meinen Willen aufzuzwingen und meine Wünsche teilweise einfach durch konsequente Härte durchzusetzen. Auch wenn man diese Fragestellung nur sehr schwer verfolgen kann, da sie zwangsweise damit enden würde, dass uns keiner das Recht gegeben hat und wir das Reiten alle lieber ganz schnell aufgeben und die Pferde in die Freiheit entlassen sollten, was verständlicherweise keiner will, sollte man sie doch sehr ernst nehmen und immer im Hinterkopf behalten. So gelingt es einem hoffentlich, das gesamte Thema einmal aus einem verändertem Blickwinkel zu sehen und sich in vielen Situationen dem Pferd gegenüber gerechter zu verhalten.

Vielleicht sollte man, statt bis in die letzte Konsequenz zu strafen, dem Pferd auch mal etwas Platz für seine Persönlichkeit und seinen eigenen Willen lassen.


Wann sollte ich strafen?

Der Zeitpunkt, an dem man strafen sollte, ist eindeutig festgelegt, nämlich: direkt! Hält man es in einer Situation für nötig, ein Pferd zu strafen, tut man es entweder sofort, oder man lässt es ganz. Kann ein Pferd sich der direkten Strafe auf irgend eine Weise entziehen oder verpasst man selber den richtigen Augenblick, hat man, um es klar auszudrücken, Pech gehabt.

Leider kann man oft beobachten, wie Menschen den richtigen Augenblick verpassen. Wenn jemand zum Beispiel erst vom Pferd steigt, es anbindet und dann für etwas straft, was beim Reiten schief gelaufen ist, ist dies eine unnötige, sinnlose und dumme Brutalität, denn das Pferd kann die Strafe nicht mehr dem entsprechendem Verhalten zuordnen. So eine Strafe ist ungerecht und zudem auch noch völlig sinnlos!

Eine Strafe ist schließlich nur dann sinnvoll, wenn das Pferd etwas aus ihr lernt, und das ist nur möglich, wenn die Strafe eine direkte Reaktion auf ein falsches Verhalten darstellt.

Eine Strafe entsteht oft aus einer Wut heraus, wenn zum Beispiel irgend etwas einfach nicht klappt. Natürlich sind solche Situationen zum Verzweifeln, doch bevor man ein Pferd in Wut straft - Stopp! Erst einmal tief durchatmen und versuchen, die Situation zu überschauen, gerade beim Reiten liegt der Fehler oft auf Seiten des Menschen, vielleicht verlangt man von seinem Pferd einfach zuviel oder es gelingt einem nicht, sich dem Pferd verständlich zu machen. In so einer Situation absolviert man lieber noch ein paar leichte Übungen, die auf jeden Fall klappen, beendet das Reiten mit einem Erfolgserlebnis und kriegt sich bis zum nächsten Versuch wieder vollständig unter Kontrolle!

Natürlich passiert es jedem, dass er ungerecht straft - wichtig ist hierbei, seinen Fehler zu erkennen und vor allem auch aus ihm zu lernen!


Wie sollte man strafen?

Ebenso vielfältig wie die Situationen, in denen ich strafe, sollten auch die Strafen selber sein. Der Idealfall ist sicherlich, mit einer minimalen Strafe eine große Wirkung zu erzielen. Man sollte immer die kleinstnötige Strafe wählen. Um dies zu erreichen, muss man beim Strafen stets flexibel bleiben. Bedarf es an einem Tag beispielsweise eines richtigen Schlages mit einer Gerte, um zu verhindern, dass das Pferd einen am Weidetor umrennt, genügt am nächsten Tag vielleicht schon ein Klaps auf die Schulter, und mit der Zeit genügt schon ein scharfes Wort, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Auch die Ausgangssituation hat Einfluss auf die Härte des Strafens: Wird es wirklich ernst, strafe ich so hart, dass das Pferd erstens sein Verhalten sofort ändert und es sich zweitens meine Strafe so gut merkt, dass dieses Verhalten in Zukunft erst gar nicht mehr auftritt.

Geht es aber eher um Kleinigkeiten, sieht das Ganze selbstverständlich anders aus; natürlich kann ich auch harmlose "Unarten" mit einem kräftigen Schlag schnell unterbinden, doch wenn man mit einer Warnung auch schon etwas bewirken kann, ist es eine in meinen Augen unnötige Brutalität. Sanfte Konsequenz dauert sicher länger, aber ist gerade bei kleineren "Vergehen" der bessere Weg, welcher auch vielmehr zu einem guten Verhältnis zwischen Pferd und Mensch beiträgt.


Nicht jedes Pferd ist gleich

Verschiedene Pferde bedürfen verschiedener Strafen. So gerät die Situation bei einem nervösen Pferd, das zur Hysterie neigt, durch einen Schlag vielleicht schnell außer Kontrolle, während eben dieser Schlag bei einem sturen und eher rücksichtslosen Pferd verhindern kann, dass es einen über den Haufen rennt.


Wer sollte strafen?

Beachtet man alle Überlegungen, die zuvor aufgestellt wurden, schränkt sich der Kreis der Personen, die ein Pferd strafen sollten, schon beträchtlich ein. Im Prinzip gehört die Strafe in die Hände von Menschen, die gut genug mit Pferden vertraut sind, um die Situation genau einschätzen zu können.

Sie müssen die Notwendigkeit einer Strafe erkennen können. Sie müssen die Relationen zwischen "Vergehen" und Strafe wagen können. Sie müssen in der Lage sein, ein Pferd richtig einzuschätzen, und sie müssen ihre eigenen Fähigkeiten und Fehler kennen.


Zum Abschluss

Strafe ist in gewissem Maße notwendig, aber eins muss absolut klar sein: Gelingt es einem ohne Strafe, seine Ziele zu erreichen, ist das immer der bessere Weg!

Und bei aller Konsequenz, die einem immer wieder eingetrichtert wird, sollte man eins niemals vergessen: Man arbeitet hier nicht mit einem toten Gegenstand, man beschäftigt sich mit einem lebenden, fühlenden Wesen, das genau wie wir gute und schlechte Tage haben kann und dem man ruhig auch mal etwas Verständnis entgegenbringen sollte. Schließlich liebt man ein Pferd wegen seiner ganz eigenen Persönlichkeit und mit allen "Fehlern" , die man im gewissen Maße auch mit Humor anstatt mit Strafe nehmen kann.

Katinka Schnitker


* Zum Wiehern: Die Liebe zum Putzen


Nachdem ich mich neulich über die Länge und Ausführlichkeit eines Putzvorganges lustig gemacht hatte und behauptete, es wäre vor einem Ausritt in den Wald nicht unbedingt nötig, sich eine halbe Stunde lang mit der äußeren Sauberkeit der Hufe zu beschäftigen, erhielt ich die ziemlich gereizte Antwort: „Wer sein Pferd wirklich liebt, der putzt es auch sehr gründlich, und zwar überall, und überhaupt könntest du dir da ruhig mal ein Beispiel dran nehmen.“

Nun will man sich ja nicht nachsagen lassen, dass man sein Pferd nicht liebt; also machte ich mir zum ersten Mal in meinem Leben Gedanken darüber, ob ich mein Pferd gründlich genug putze.


Die Ausrüstung ist vorhanden

Ein Blick in die hoffnungslos überfüllte Unordnung in meinem Putzkasten, die hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass anscheinend alle annehmen, dass jemand, der ein Pferd hat, automatisch zuwenig Putzzeug hat und so eine Bürste ein unheimlich nützliches und originelles Geschenk darstellt, sagte mir, dass ich anscheinend über ausreichende Mittel verfüge, um ein Pferd zur Not tagelang zu putzen; und das meiste davon hatte ich auch schon irgendwann einmal benutzt. Wo also liegt der Fehler, und hat das wirklich etwas mit Liebe zu tun?


Das Geheimnis des Putzens

Um diese Frage zu klären, habe ich mir herumstehende Putzkästen mal etwas genauer angesehen. Daraufhin musste ich einsehen, dass mir doch noch einige scheinbar wichtige Utensilien fehlen, wie zum Beispiel ein rosafarbener Hufkratzer in Form eines Pferdekopfes, ein Massagehandschuh und eine beachtliche Anzahl an Bandagen und Glocken, wobei man auf die Frage, warum nun ausgerechnet dieses Pferd Bandagen und Glocken tragen müsse, meist so sinnvolle Antworten erhält wie „Die hatte er schon, als ich ihn gekauft habe“ oder noch schöner „Weil die so gut zu meiner lila Satteldecke passen“. Aber zurück zum Putzzeug: Ich konnte tatsächlich Leute beobachten, die es schaffen, jeden Tag, in einer Art heiligem Ritual, jedes Putzzeug, das sie besitzen, in immer der selben Reihenfolge zum Einsatz zu bringen. Dabei lassen sie sich von Kleinigkeiten wie etwa der jeweiligen Notwendigkeit eines solchen Aufstandes nicht aus der Ruhe bringen.


Was sein muss, muss sein

Und auch wenn Sattellage, Gurtlage und Kopf des Pferdes schon längst sauber sind und man selber schon seit einer halben Stunde wartet, müssen diese Menschen wie durch einen inneren Zwang getrieben noch die große runde Bürste mit den mittelweichen Borsten, den Gummi-Striegel mit den kreisförmigen Noppen und den Massagehandschuh zum Einsatz bringen.

Diesen Putzfanatismus können sich übrigens nur Leute mit entsprechender Zeit leisten, denn so etwas dauert schon so seine ein bis zwei Stunden, was man bei Verabredungen mit eben diesen übrigens auch immer berücksichtigen sollte (an dieser Stelle ein schöner Gruß an Nicole, auch im Namen der Redaktion).

Das Geheimnis des richtigen und gründlichen Putzens ist also jede Menge Zeit und sture Systematik.


Im Sommer wird es dann so richtig gründlich

Ganz gemein artet das Ganze dann im Sommer aus: Die Wasser-Putz-Zeit ist eröffnet; jetzt wird gnadenlos gewaschen, shamponiert und eingeflochten, hier könnte man leicht den Eindruck bekommen, dass das an etlichen Barbie-Pferden erarbeitete Können nun endlich am lebenden Objekt erprobt werden soll.


Und was machen die Pferde so lange?

Und wer denkt schon darüber nach, ob das Pferd vielleicht doch lieber schon seit zwei Stunden auf der Weide stehen würde, wenn man gerade damit beschäftigt ist, jeder Körperpartie den richtigen Schwamm oder die richtige Bürste zuzuordnen.

Mit Liebe zu seinem Pferd hat das nun wirklich nicht mehr viel zu tun, und so bin ich abschließend zu dem Ergebnis gekommen: Wer sein Pferd liebt - der putzt es nicht übertrieben gründlich, der putzt es normal.

Katinka Schnitker



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