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            Equikids - Ausgabe 01/2010

Der Putzzeug-Check - Winterpause - Wenn Pferde sich erkälten - Das unpassende Pferd - Ein guter Eindruck


* Der Putzzeug-Check


Pferdeputzen ist mehr, als nur das Fell glänzend aussehen zu lassen. Es ist Körperpflege - auch die Pflege der Haut, nicht nur des Fells - und Massage zugleich. Und da die Haut das größte Organ des Pferdes ist, kann man mit schlechtem Putzzeug, welches dem Pferd Schmerzen zufügt, ganz schön was kaputtmachen...

Putzzeug früher
In alten Büchern liest man immer wieder von einem
Strohwisch, mit dem man das verschmutzte Fell reinigte. Darunter verstand man ein langes, aus Stroh gedrehtes Seil, das so lange gedreht wurde, bis es sich wiederum in sich selbst drehte und um sich selbst wickelte. Das war ein ziemlich fester Gegenstand, mit dem man dann auch sehr fest übers Fell ging. Ob das immer angenehm für die Pferde war, ist sehr fraglich.
Dann gab es noch den
Eisenstriegel und die sogenannte Kardätsche, eine weiche Bürste. Zum Schluss polierte man das Fell noch mit einem wollenen Lappen. Damit hatte sich das Putzzeug!

Putzzeug heute
Heute sieht das ganz anders aus. Es gibt Putzzeug in allen Variationen, in allen Materialien und in den wildesten Farben - ums Pferdputzen hat sich ein richtiger Markt gebildet - und nicht alles, was angeboten wird, ist auch wirklich gut und brauchbar.
Wir wollen euch offen und ehrlich sagen, was man wirklich braucht und was unnötig ist.


Die Striegel
Striegel sind dazu da, den groben Schmutz von der Haut zu lösen und auch, um den Schweiß zu lösen, falls man das verschwitzte Pferd nach dem Reiten nicht ordnungsgemäß abgewaschen hat.


Eisenstriegel haben meist eine lederne oder baumwollene Schlaufe, die über den Handrücken geht. Die Unterseite des Striegels, mit der man das Pferd putzt, ist leicht gewellt; achtet darauf, dass die Kanten nicht scharf sind, das tut dem Pferd weh.

Unser Urteil: Ein etwas altmodisches Instrument.

In derselben Form gibt es auch
Plastikstriegel, mit derselben gewellten Unterseite. Sie haben meist verstellbare Laschen aus Plastik, die über den Handrücken gehen. Das ist praktisch, weil man es sich nach seiner eigenen Handgröße einstellen kann. Bei kaltem Wetter geht das aber fast nicht, denn dann wird das Plastik so hart, dass es sich kaum verstellen lässt.

Unser Urteil: Empfehlenswert.

Gummistriegel mit einer gezackten Unterseite sind eine feine Sache. Mit ihnen bekommt man den Schmutz wirklich aus dem Fell, und auch im Fellwechsel ziehen sie die Haare richtig heraus. Sie sind sozusagen aus einem Stück Vollgummi gemacht. Es gibt sie in verschiedenen Größen.

Unser Urteil: Sehr brauchbar.

Nadelstriegel sehen so weich und angenehm aus, aber viele Pferde mögen sie gar nicht. Besonders Schimmel und Füchse haben eine empfindliche Haut und finden die vielen Nadeln oft viel zu hart und kratzig. Also Achtung: Geht beim Kauf mit der Hand über die Nadeln, ob sie auch schön abgerundet sind. Spitze, ungleichmäßige Nadeln verletzen die Haut.

Unser Urteil: Mit Vorsicht zu genießen...

Kombi-Striegel-Handschuhe sind ziemlich große Plastik-Fausthandschuhe, deren eine Seite mit Plastiknoppen besetzt ist, die andere Seite besteht aus einer ziemlich harten Bürste.

Unser Urteil: Sehr gut, wenn er passt.

Gummi-Noppenhandschuh
Der weiche und anschmiegsame Noppenhandschuh ist hervorragend auch für die Stellen am Pferdekörper geeignet, an die man nicht gern mit harten Striegeln herangeht, wie die Beine oder den Widerrist.
Unser Urteil:
Sehr gut, wenn er passt.

Kleine Gummistriegel in Handform
Sie haben dicke, weiche Noppen und passen gut auch in kleinere Hände. Sie sind prima im Fellwechsel, denn die dicken Noppen ziehen die losen Haare gut aus dem Fell heraus.
Unser Urteil:
Sehr gut.

Kaktus-Handschuh
Diese Handschuhe sind aus Sisal, einem natürlichen Material, gehäkelt und schmiegen sich gut an die Hand und den Pferdekörper an. Es gibt sie in feiner und grober Struktur; manche haben auch eine Seite aus Lammfell zum Nachputzen.

Unser Urteil: Angenehm für PflegerIn und Pferd.

Bürsten = Kardätschen

Grobe und Waschbürsten
Es gibt sie in zwei Formen, nämlich einmal mit gleichlangen Borsten und mit etwas ausgefräster Unterfläche. Diese Bürsten sind angenehmer, weil die Borsten flexibler sind. Übrigens: Wenn die Borsten aus Plastik und nicht aus Reisstroh sind, sollte man auch den Griff aus Plastik nehmen, denn dann kann man die Bürsten auch mal mit Seifenlauge reinigen.
Unser Urteil:
SEHR praktisch.

Kardätschen zum Feinputzen
Es gibt gute Kardätschen auch für kleine Hände. Meistens laufen sie unter dem Namen „Pferdekopf-Bürsten“, aber man kann sie für den ganzen Körper nehmen. Wichtig ist das Material der Borsten: Am besten sind reine Naturborsten - leider auch am teuersten. Und genauso wichtig ist es, dass die Handschlaufe fest steht (also kein Gummiband), damit die Bürste Halt in der Hand findet.
Unser Urteil:
Gute Bürsten sind zum Feinputzen unbedingt notwendig.

Sonstiges

Schwämme
Man braucht einen Schwamm für die Augen und einen anderen für den After. Beides sollte, wenn nötig, täglich gereinigt werden. Für die Augen nimmt man am besten einen Naturschwamm, auch wenn er ein bisschen teurer ist. Für den After benutzt man einen Kunststoffschwamm, denn den kann man ab und zu auch mit Neutralseife wieder sauber auswaschen.
Unser Urteil: Zwei unterschiedliche Schwämme nehmen.

Schweißmesser mit verschiedenen Kanten
Das gute alte Schweißmesser, mit dem man das Wasser aus dem Pferdefell „abziehen“ kann, ist immer noch besser als die gebogenen Schweißmesser mit Griff. Besonders pfiffig ist das Schweißmesser, dessen eine Kante glatt ist; damit zieht man das Wasser aus dem Fell. Die andere Kante ist gezackt und eignet sich im Frühjahr hervorragend zum Auskämmen des losen Winterfells - man streicht wie beim Wasserabstreifen mit dem Schweißmesser übers Fell, und die Haare lösen sich problemlos.
Unser Urteil:
Eine Super-Idee!

Mähnenkämme
Für das grobe Entwirren der Mähne nimmt man am besten die Finger. Später kann man mit dem Metallkamm durchkämmen. Dabei ist es Geschmackssache, ob man einen Kamm mit oder ohne Griff nimmt. Sehr schön sind auch die bunten Plastikkämme - aber Vorsicht: Sie laden sich schon mal elektrisch auf, und dann „springt“ die Mähne! Für das Verziehen der Mähne nimmt man einen kleinen kurzen Metallkamm.
Unser Urteil:
Ein grober Kamm und eine Haarbürste müssen sein!

Es gibt jedes Jahr Neuerungen auf dem Markt. Oft sind es die alten bewährten Putzsachen, die nur ein bißchen modisch aufgemotzt sind. Gut beispielsweise ist die Idee, die Bürsten knallbunt zu machen - die findet man nämlich immer wieder, während die vornehm grauen und braunen leicht übersehen werden.
Wenn man schon längere Zeit Pferde putzt, wird man aber feststellen, dass man gar nicht so viel verschiedenes Putzzeug braucht: Ein Striegel, eine grobe Bürste, eine Kardätsche und ein Wolltuch reichen fürs Fell aus, für die Mähne ein grober Kamm und eine gute Bürste.


Uta Over


* Die Winterpause sinnvoll nutzen


Im Winter kann oft nur in einer Reithalle wie gewohnt geritten und trainiert werden. Wer keine Reithalle zur Verfügung hat, wird mit gefrorenem Boden, Matsch, Eis und Schnee konfrontiert. Besonders Glätte durch Eis und Schnee kann schnell sehr gefährlich werden – nicht nur für das Pferd, sondern auch für den Reiter. In tiefem Matsch können Pferde ebenfalls ausrutschen und sich vertreten, d.h. es besteht die Gefahr, dass Sehnen und Gelenke unter der Belastung leiden. Hinzu kommt die Kälte, bei der die Muskeln und der gesamte Bewegungsapparat vor jeder Belastung sorgfältig aufgewärmt werden müssen. So wird der Winter zu einer Zeit der Ruhe für Pferd und Reiter.
Auch wenn es schade ist, dass man jetzt nicht richtig reiten kann – es gibt trotzdem Möglichkeiten, sich sinnvoll mit dem Pferd (und auch ohne das Pferd!) zu beschäftigen.

Pläne schmieden
So ist der Winter die ideale Zeit, um einmal ganz in Ruhe zu überlegen, was man mit seinem Pferd erreichen möchte oder was man als Reiter erreichen möchte. Wie wäre es mit einem
Reitabzeichen im kommenden Jahr? Möchtest du an Wettbewerben teilnehmen, oder möchtest du vielleicht einmal etwas ganz Neues ausprobieren? Jetzt kannst du dich informieren, was für Leistungen etwa in den Abzeichenprüfungen gefordert werden, und dir darüber klar werden, ob du das möchtest und ob du das kannst.
Grundsätzlich ist es für jeden Pferdefreund wichtig, möglichst gut mit seinem vierbeinigen Freund umzugehen – und das bedeutet, dass du vieles wissen musst. An dunklen Winternachmittagen sind Bücher gute Freunde, die dir nicht nur die Zeit vertreiben, sondern dir auch viele Dinge über Pferde und gutes Reiten beibringen können. Falls du Freunde hast, die mitmachen, könnt ihr euch jetzt schon gemeinsam auf die theoretische Prüfung etwa beim Basispass Pferdekunde vorbereiten.

Beschäftigung für das Pferd

Auch die Pferde langweilen sich, wenn sie nicht geritten werden und nur noch im Auslauf herumstehen. Eine sinnvolle Beschäftigung bieten hier Äste und Zweige zum Abknabbern. Aber Vorsicht: Achte unbedingt darauf, dass den Pferden nur ungiftige Hölzer vorgelegt werden!
Ganz wichtig ist Pferdegesellschaft, damit dein Pferd nicht nur alleine herumsteht. In der Gruppe ist immer etwas Bewegung und somit auch Beschäftigung.
Das Futter sollte jetzt auf möglichst viele kleine Portionen verteilt werden, damit die Fresszeiten möglichst oft und auch möglichst lang sind. Ein Heu- und Strohgemisch in einem sicher aufgehängten, engmaschigen Heunetz beispielsweise hält die Pferde schön lange beschäftigt.

Beschäftigung mit dem Pferd
Solange der Boden nicht vereist ist, kannst du auch bei Frost ausgiebige Spaziergänge mit deinem Pferd unternehmen. So ein Spaziergang eignet sich sehr gut, um das Vertrauen zwischen dir und deinem Pferd zu stärken und eure Zusammenarbeit zu verbessern. Achte darauf, dass du dein Pferd sicher bei dir hast. Du führst also entweder mit einer korrekt verschnallten Führkette oder auch mit einer Trensenzäumung, damit das Pferd sich nicht einfach losreißen oder durchgehen kann. Eine lange Gerte kann das Pferd einerseits vorne begrenzen, wenn es zu heftig oder hektisch wird, indem du sie entweder quer vor die Brust des Pferdes hältst oder einfach deutlich sichtbar erhoben ins Blickfeld des Pferdes hältst. Andererseits kannst du das Pferd damit an der Hinterhand antippen, falls es hinter dir zurückfällt.
Grundsätzlich gehst du als Führer zunächst etwa auf Augenhöhe mit dem Pferd. Bei einem gut eingespielten Team hält sich der Führer etwa auf Halshöhe des Pferdes auf. Keinesfalls solltest du hinter die Pferdeschulter zurückfallen. Falls das Pferd vor etwas scheut, lässt du ihm Zeit, um sich die vermeintliche Gefahr in Ruhe anzuschauen. Führe es heran und lass es schnuppern. Du selbst bleibst ruhig und sprichst sicher und gelassen mit deinem Pferd, damit es merkt, dass du keine Angst hast. Geh selbstbewusst voran. So lernt dein Pferd, dir zu folgen, und baut Vertrauen auf.
Falls ein einigermaßen ebener Platz zur Verfügung steht, kannst du auch einfache Bodenarbeitsübungen mit deinem Pferd absolvieren. Stehenbleiben auf Kommando, Schritt für Schritt (Huf für Huf) einzeln antreten, auf Kommando herumtreten – all das braucht nicht viel Platz, aber Konzentration. Auf buckelig gefrorenem Boden sollte aber auch auf solche Übungen besser verzichtet werden.

Die Sicherheit von dir und deinem Pferd geht in jedem Fall vor. Wenn draußen gar nichts mehr geht, dann nimm dir die Zeit und putze und massiere dein Pferd ganz ausgiebig – auch das wird es dir danken!


* Wenn Pferde sich erkälten


Es gibt so viele Pferdekrankheiten - mit den meisten wird man zum Glück normalerweise nicht konfrontiert. Jetzt geht es allerdings um eine Krankheit, die nicht unbedingt gefährlich sein muss, die einem aber wirklich schnell begegnen kann: eben die Erkältung.
Wie schnell ist so etwas passiert! Man macht einen langen Ritt, das Pferd ist verschwitzt, aber weil es so schön warm ist, stellt man es einfach auf die Weide. Wenn es dann nachts kalt wird, kann sich das Pferd auch schon erkältet haben. Eine Erkältung bei Pferden ist durchaus mit der Erkältung bei Menschen zu vergleichen:

Wie entsteht die Erkrankung?
Ursache für die sogenannte Erkältung ist in der Regel das Zusammentreffen von einem Virus mit krankheitsfördernden Faktoren wie Unterkühlung, Überanstrengung usw. Kälte alleine macht nicht krank, verantwortlich für die Erkrankung ist ein Krankheitserreger.

Wie erkenne ich eine Erkältung?

Erkennen kann man eine Erkältung als erstes an Fieber, Fressunlust und Unwohlsein. Schüttelfrost kann je nach Stärke der Erkältung auch auftreten. In der Regel bekommt das Pferd in der folgenden Zeit einen schleimigen Nasenausfluss und fängt schließlich an zu husten. Auch bei einer Erkältung sollte ein Tierarzt verständigt werden, denn wird sie überhaupt nicht behandelt, kann es zu Lungenentzündung, Bronchitis oder anderen Komplikationen kommen. Doch als erstes sollte man das Pferd von anderen Tieren isolieren, da Erkältungen ansteckend sind.

Wie wird behandelt?
Der Tierarzt wird entscheiden, ob es sinnvoll ist, Antibiotika zu geben oder nicht. Normalerweise wird gegen den Husten irgendeine Art von Hustenpulver oder Saft gegeben - wie wir es auch alle selbst kennen. In vielen Fällen bekommt man vom Tierarzt etwas, womit man sein Pferd mehrmals täglich inhalieren lassen soll.
Eine Erkältung dauert durchschnittlich zwischen zehn und vierzehn Tagen, während dieser Zeit sollte das Pferd Ruhe haben. Es ist sinnvoll, regelmäßig mit einem Fieberthermometer die Temperatur zu überprüfen, um bei einem drastischen Temperaturanstieg sofort den Tierarzt verständigen zu können.
Füttert man während dieser Zeit Heu, muss es, um durch den Staub den Husten nicht zu verschlimmern, vorher eingeweicht werden. Auch alle sonstigen Reizungen der Luftwege, zum Beispiel durch frisch aufgeschütteltes Stroh, sollten vermieden werden.
Nach einer Erkältung solltet ihr langsam und vorsichtig die Arbeit wieder aufnehmen.
Denkt bei so etwas bitte daran, wie ihr euch fühlt, wenn ihr krank seid! Nehmt Rücksicht auf euer Pferd, wenn es schlecht gelaunt ist, und pflegt es die ganze Zeit über gut und liebevoll.


Katinka Schnitker


* Zur Diskussion: Wenn Pferd und Reiter nicht zueinander passen


Wenn zwei Menschen Probleme miteinander haben, wird das oft auf die simple Formel reduziert: „Wir können halt nicht miteinander.“ Damit ist alles gesagt: dass man irgendwie nicht die gleiche Sprache spricht, dass es oft zu Missverständnissen kommt, dass man nicht über die gleichen Dinge lacht... Man hat halt keinen Draht zueinander!
Und dieses „Nicht-miteinander-Können“ hat noch nicht einmal unbedingt etwas mit Sympathie zu tun - auf den ersten Blick ist man sich vielleicht sympathisch, aber auf Dauer stellt sich heraus, dass etwas fehlt, nämlich das tiefere Verständnis füreinander. Schon merkwürdig, ab und zu scheint einfach die Chemie nicht zu stimmen.
Bei Menschen ist das zum Glück nicht immer ein echtes Problem - man muss ja nicht mit jedem können! Natürlich wird es schwierig, wenn dieser Jemand, mit dem ich nicht kann, vielleicht ein Mitschüler, ein Mitarbeiter am Arbeitsplatz oder schlimmstenfalls sogar ein Mitglied meiner Familie ist. Aber man kann sich ja aus dem Weg gehen ...

Wie ist das mit Pferd und Reiter?
Schön und gut - aber was hat das hier zu suchen? Vielleicht hat der/die eine oder andere von euch schon am eigenen Leib erfahren, worauf ich hinauswill: Auch zwischen Pferd und Reiter stimmt die „Chemie“ nicht immer.

Hier stimmt die Sympathie ...
Ein kleines Beispiel: Anke hat sich ein Pferd gekauft, einen schönen jungen Wallach. Beide scheinen wie füreinander bestimmt zu sein - aber nach einiger Zeit stellen sich erste Probleme ein: Das Pferd ist leicht nervös, wehrt sich bei der Dressur, wird unruhig im Gelände - also nimmt Anke Unterricht. Doch auf kleine Fortschritte folgt meist ein großer Rückfall. Dazu muss man sagen, dass Anke ihr Pferd wirklich liebt und es täglich selbst versorgt, viel mit ihm spricht und wirklich alles tut, um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen - was so am Boden auch ganz gut klappt. Da Anke weiß, dass ihr Pferd schwierig ist, gibt sie es ungern aus der Hand, aber schließlich bezahlt sie doch professionellen Beritt. Und siehe da: Nach kurzer Zeit geht das Pferd entspannt und zufrieden. Doch wenn Anke sich draufsetzt, ist alles beim alten - woran liegt das?
Natürlich liegt es auch an der reiterlichen Qualifikation. Aber das eigentliche Problem ist ein anderes: Anke ist selbst ein quirliger, ungeduldiger Typ und hat nicht die innere Ruhe, die sie hier bräuchte - denn eben diese innere Ruhe fehlt auch ihrem Pferd! Hier sind zwei Charaktere, die einfach nicht so gut miteinander klarkommen, obwohl gegenseitige Sympathie durchaus vorhanden ist. Und selbst wenn sich beide viel Mühe geben, wird es doch immer wieder Situationen geben, in denen Probleme auftreten - einfach weil sie beide den anderen nicht immer verstehen können, gerade weil sie sich so ähnlich sind.

... hier stimmt alles andere!
Ein anderes Beispiel: Marion hat ein Pferd bekommen. Ihre Eltern haben sich beraten lassen und ihr einen ruhigen, älteren Wallach gekauft, der schon viel gesehen hat und absolut „anfängersicher“ ist. Reiterlich gibt es auch gar keine Probleme - aber trotzdem wird Marion mit ihrem Pferd einfach nicht warm. Sie versorgt ihn und reitet ihn, und alles klappt gut, aber die innere Verbindung will einfach nicht kommen. Und so beneidet Marion ihre Freundin, die eine echte Freundschaft zu ihrer Stute aufgebaut hat - die beiden sind ein Herz und eine Seele. Marion dagegen hat ein Pferd, das zwar alles tut, aber von Freundschaft kann keine Rede sein.

Woran liegt das?
Was ist hier das Problem? Schwer zu sagen - oberflächlich betrachtet gibt es ja gar kein Problem. Schließlich klappt doch alles! Und so sind auch die Eltern zufrieden mit dem Kauf und verstehen nicht, dass Marion nicht überglücklich ist. Und tatsächlich gibt es kein Problem, wenn man bereit ist, sich damit zufrieden zu geben. Wer aber eine echte Beziehung zu seinem Pferd aufbauen will, sieht hier sehr wohl ein Problem!
Oft gibt es einfach keinen Grund für diese Schwierigkeiten - außer der berühmt-berüchtigten „Chemie“. Kennt ihr das auch? Manchmal sieht man ein Pferd, und es ist gar nicht sooo schön, aber man könnte sich sofort verlieben - wegen der Art, wie es sich bewegt, wie es einen ansieht... Ein anderes Mal kommt einem das Traumpferd entgegen - und trotzdem hält sich die Begeisterung in Grenzen. Denn es kommt einfach nichts rüber! Ein
Pferdekauf ist eine haarige Angelegenheit. Die Voraussetzungen müssen auf jeden Fall stimmen - und dann braucht es noch diesen kleinen Funken ...


* Zum Wiehern: So macht man einen guten Eindruck ...?


Wenn es einmal darauf ankommt, wirklich einen guten Eindruck zu machen, kann man sich eigentlich schon sicher sein, dass irgendetwas schief geht.
Trotz dieser weisen Erkenntnis war ich an diesem Tag um einen guten Eindruck bemüht, nur um im Endeffekt nachzuweisen, dass dieser Satz tatsächlich immer zutrifft!
Wir hatten Besuch. Einen Besuch, der uns beide seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hatte und uns noch aus unserer „Aus dem Weg - ich kann mein Pferd nicht bremsen“-Phase kannte. Nun hatten wir in diesen zwei Jahren solche Ausbrüche weit hinter uns gelassen und kamen inzwischen bis auf einige Aussetzer sehr gut miteinander aus, was es nun zu beweisen galt.

Der erste Eindruck
Im Prinzip fing es schon mit dem Wetter an, denn am Vortag hatte es ausgiebig geregnet, und so stapfte morgens ein ziemlich dicker, lehmverkrusteter Norweger mit halbgekippter Stehmähne durch den Schlamm auf uns zu und an uns vorbei, um erst mal seinen Kopf in alle Eimer der Umgebung zu stecken. Aber da es ja allgemein bekannt ist, dass dreckige Pferde auch glückliche Pferde sind und es einfach der natürlichen Neugier dieser Tiere entspricht, in Eimer zu schauen, war noch nichts verloren.
Dass mein Pferd mich auf dem Weg zum Stall ständig in Pfützen abdrängte, damit er auf dem Trockenen gehen konnte, gab mir allerdings schon mehr zu denken.
Nachdem er nach zehnminütiger Putzanstrengung meinerseits noch nicht entscheidend anders aussah, beschloss ich, ohne Sattel zu gehen, und so ging’s zum Reitplatz.

Der zweite ist auch nicht besser
Während meine persönlichen Zuschauer am Rand Aufstellung nahmen, trabten wir zwar etwas schnell, aber durchaus noch kontrolliert los. Auf meinen Zuruf zum Galopp allerdings schoss er im Jagdgalopp los und rast in einer Schräglage, in der ich uns schon umkippen sah, um die Kurven. Zwar war er schnell wieder gebremst, aber die ruhige und gelassene Vorstellung war gegessen. Schließlich zeigte er noch einen recht anständigen Galopp und sprang locker über zwei Cavalettis, bevor er sich, wer hätte es anders gedacht, einige Zentimeter vor dem dritten Cavaletti entschloss, für heute genug gesprungen zu sein und nach rechts abzuwenden.
Dieses Manöver brachte mich in ernsthafte Gleichgewichtsprobleme, genauer gesagt hing ich an seiner Seite und war krampfhaft bemüht, mich mit meinem Knie am Widerrist festzuhalten. Zwar gelang es mir nach einer halben Runde unter dem Gelächter aller, wieder auf meinem Pferd zu sitzen, aber es war zu spät.

Jetzt ist es auch egal
Mein Versuch, zu erklären, dass es einfach ein ganz schlechter Tag war, wurde nur müde belächelt. Dass mein Pferd zum Schluss noch seine Futterschüssel durch den Stall schob und auch auf dem Rückweg darauf bestand, nicht in Pfützen gehen zu können, störte mich schon gar nicht mehr, denn wie sagt man so schön:
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt’s sich gänzlich ungeniert!?

Katinka Schnitker


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